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Aristoteles' Politik. Darstellung und Interpretation

Hausarbeit 1999 15 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Kurzbiographie

3. Aristoteles‘ „politische Wissenschaft“

4. Die Entwicklung und das Wesen des Staates (pólis)
4.1. Das Haus
4.2. Das Dorf
4.3. Der Staat
4.4. Exkurs: Der „zoon politikon“

5. Rechtfertigung der Sklaverei

6. Die Verfassung
6.1. Die drei Grundbestandteile der Verfassung
6.2. Klassifikation der Verfassungen

7. Die absolut beste Verfassung

8. Die relativ beste Verfassung

9. Erziehung

10. Fazit

11. Quellenangabe

1. Einleitung

Wie manche andere Wissenschaft hat die Theorie der Politik ihren Ursprung im antiken Griechenland. Viele politische Grundbegriffe sind, wie das Wort Politik selbst (Polis/Politeia), griechischen Ursprungs.

Auch noch nach weit über 2000 Jahren gilt Aristoteles aufgrund seiner umfangreichen Werke, als Empiriker unter den Philosophen.[1]

Als Urvater der Politik als eigenständige Wissenschaft, fügte er die Politik als „praktische Philosophie“ in die Wissenschaft ein.[2]

Aber nicht nur in der Politik machte sich Aristoteles einen Namen, sondern er war vertreten in allen Bereichen der antiken Wissenschaft, ganz gleich ob in der Physik, Biologie, Philosophie, Psychologie u.v.m. Eine Übersicht seiner Arbeiten zu erstellen, dürfte, aufgrund des Ausmaßes, nicht so leicht fallen.

Dass sein Name in aller Munde liegt, ist also kein Wunder. Doch ein genaueres Bild von ihm und seinen Werken scheint nicht jedermann (wenn nicht gar die wenigsten) zu haben.

Aufgrund dieser persönlichen Feststellung, habe ich mich dazu bereit erklärt, mich in dieser Hausarbeit, im Rahmen des Prüfungsfaches ‚Politikwissenschaft‘ mit seinem Werk Politik auseinanderzusetzen, das aus acht relativ selbständigen Büchern besteht.

Das erste Buch bzw. der erste Teil beschäftigt sich in erster Linie mit einer allgemeinen Einleitung über das Wesen bzw. die Bestandteile des Staates und der Sklaverei. Das zweite Buch, das auch den zweiten Teil darstellt, hat seinen Schwerpunkt in den Verfassungen, die es zu Aristoteles Zeiten gab, sowie in den politischen Theorien und Verfassungsentwürfen. Das dritte Buch spiegelt das aristotelische Verständnis für den Begriff Bürger und verschiedenen Verfassungstypen wieder. Der vierte Teil bildet den größten Teil dieser Publikation, denn er beschäftigt sich mit vorhandenen Verfassungen, insbesondere der Demokratie, Oligarchie und Mischformen (Politie). Diese Darstellung erstreckt sich bis zum sechsten Buch. Das siebte und achte (unvollendete) Buch bilden den letzten Teil, der sich mit dem Entwurf der besten Verfassung und deren Einrichtung auseinandersetzt.[3]

Ziel dieser Arbeit soll sein, die Darstellung und Interpretation der Ideen und Grundgedanken des Aristoteles‘.

2. Kurzbiographie

Aristoteles wurde 384 v. Chr. im makedonischen Stageira (griechische Region) geboren. Als Sohn einer Ärztefamilie, wuchs er in einem wissenschaftlich interessierten Milieu auf.

Mit 17 Jahren ging er nach Athen und studierte dort an der platonischen Akademie. Mehr als 20 Jahre blieb er da – zuerst als Lernender, dann als Lehrender. Er entwickelte in der Zeit eine eigene Philosophie, die sich teilweise mit der von Platon widersprach.[4]

Nach Platons Tod 347 v. Chr. zog Aristoteles, aus politischen Gründen, nach Assos, eine Stadt in Kleinasien. Hier heiratete er Pythias, die Adoptivtochter des dortigen Herrschers Hermias mit dem er als Schüler schon befreundet war. Dieser verstarb 345 v. Chr. in persischer Gefangenschaft und Aristoteles zog nach Pella, der Hauptstadt Makedoniens. Dort unterrichtete er den jungen makedonischen Thronfolger, der später als Alexander der Große in die Geschichte eingehen sollte.[5]

335 v. Chr. wurde Alexander König. Aristoteles kehrte nach Athen zurück und gründete seine eigene Schule im Gymnasium des Lykeion. Hier übte er Lehrtätigkeiten aus, betrieb Forschungen auf verschiedenen Gebieten und arbeitete an zahlreichen Manuskripten über unterschiedliche Themen der Naturwissenschaft, Psychologie, Astronomie, Ethik, Rhetorik usw.

Sehr bald wurde seine Schule auch als „Peripatetische Schule“ (Wandelschule) bekannt, weil die Gespräche zwischen Schülern und Lehrern während Spaziergängen auf dem Schulgelände des Lykeion stattfanden.

Nach dem Tod von Alexander 323 v. Chr., erhob sich Athen gegen die makedonische Herrschaft. Um sein Leben fürchtend zog sich Aristoteles nach Chalkis auf die Insel Euböa zurück, wo er im Oktober 322 v. Chr. im Alter von 62 Jahren starb.[6]

Neben Werke, wie „Metaphysik“ oder „Nikomachische Ethik“, gehört auch Politik zu einem der Hauptwerke Aristoteles‘, das seine Schüler aus den sorgfältig ausgeführten Vorlesungen ihres Lehrers zusammenstellten.[7] Allerdings erschien dieses erst nach seinem Tod.[8]

3. Aristoteles‘ „politische Wissenschaft“

In Aristoteles‘ Philosophie nehmen die Ethik und die Politik eine übergeordnete Rolle ein (beides zusammen nannte er gelegentlich auch „politische Wissenschaft“), da ihnen die anderen Teilgebiete der praktischen Philosophie (z.B. die Kriegskunst, Wirtschaft, Kunst, usw.) nicht nur unterstehen, sondern sich dieser auch bedienen. Deshalb erscheint es mehr als logisch, diese beiden Bereiche zum Begriff der politischen Wissenschaft zusammen zu fügen, da beide sogar das gleiche Ziel verfolgen; nämlich dass jede menschliche Handlung bzw. jede menschliche Gesellschaft nach irgendeinem Gut strebt.

Ethik ist Moralphilosophie, bei der es auf Normen ankommt und in der es ganz allgemein um die Einsicht in richtiges oder gutes Handeln geht.

In der Nikomachischen Ethik definiert Aristoteles dieses Gut als die „Glückseligkeit“, worauf im nächsten Kapitel näher eingegangen werden soll.[9]

4. Die Entwicklung und das Wesen des Staates (pólis)

„Alles, was Staat ... heißt, ist ersichtlich eine Art von Gemeinschaft ..., und jede Gemeinschaft bildet sich und besteht zu dem Zweck, irgendein Gut ... zu erlangen.“[10]

Wie diesem Zitat zu entnehmen ist, ist für Aristoteles ist ein Staat – die Polis – eine Art von Gemeinschaft „und zwar die bedeutendste und alle anderen Gemeinschaften umfassende. Diese bezeichnet Aristoteles auch als bürgerliche Gemeinschaft.“[11]

Er untersuchte, aufgrund einer eigenen Kritik an seinen Lehrer Platon, die „bürgerliche Gesellschaft“ nach ihrem Wachstum, d.h. er teilt sie in drei Einheiten auf und bringt diese in eine Stufenfolge: Haus – Dorf – Staat.

Platon hatte nämlich von der Gesellschaft eine eher quantitative Betrachtungsweise, d.h. er sieht zwischen einer Großfamilie und einem kleinen Staat keinen Unterschied. Aristoteles konnte dem so nicht zustimmen und nahm eine detaillierte Untersuchung der einzelnen Einheiten einer Gesellschaft vor und zerlegt sie in die oben genannten drei Einheiten.[12]

Seiner Meinung nach kann Haus und Staat nicht gleichgesetzt werden, da zwar alle Einheiten nach einem Gut als gemeinsames Ziel streben, aber die Ziele der einzelnen Einheiten unterscheiden sich.[13] Im nächsten Abschnitt soll dies näher betrachtet werden, doch zunächst sei noch erwähnt, dass Aristoteles in der Vereinheitlichung eines Staates (wie in den Vorstellungen Platons) dessen Untergang sieht, d.h. je einheitlicher ein Staat gestaltet wird, umso mehr verliert er seinen staatlichen Charakter und nimmt statt dessen hausähnliche Charakterzüge an, wenn nicht sogar die eines Einzelwesens. Die Polis sei nun mal eine Vielheit von Menschen.[14]

4. 1. Das Haus

Das Haus stellt die stellt die kleinste Einheit der Stufenfolge dar. Der Grundstein dafür ist der einzelne Mensch, der zwischenmenschliche Beziehungen eingeht. Durch diese Beziehungen entsteht das Haus, das wiederum drei verschiedene Beziehungen beinhaltet: Erstens die Verbindung von Mann und Frau, zweitens das Verhältnis zwischen Vater und Kindern und drittens das zwischen Herr und Sklaven.[15]

[...]


[1] Demandt: „Der Idealstaat“, Köln 1993, S. 112.

[2] Fetscher/ Münkler: „Pipers Handbuch der politischen Ideen“, Band I (Kap. IX), München 1988, S. 397.

[3] a. a. O., S. 407.

[4] file://C:\WINDOWS\Desktop\Platon\Aristoteles2.htm

[5] file://C:\WINDOWS\Desktop\Platon\Aristoteles%20Biographie.htm

[6] file://C:\WINDOWS\Desktop\Platon\Aristoteles2.htm

[7] Naßmacher: „Politikwissenschaft“, 4. Auflage, München 2002, S. 318.

[8] Möbus: „Die politischen Theorien von der Antike bis zur Renaissance“ (Politische Theorien Teil I), 2., erw. Auflage, Köln und Opladen 1964, S. 59 f.

[9] Fetscher/ Münkler: „Pipers Handbuch der politischen Ideen“, Band I (Kap. IX), München 1988, S. 403.

[10] Aristoteles: „Politik“, 2. Auflage, Reinbek bei Hamburg 1994, S. 43.

[11] Fetscher/ Münkler: „Pipers Handbuch der politischen Ideen“, Band I (Kap. IX), München 1988, S. 407.

[12] a. a. O., S. 408.

[13] Aristoteles: „Politik“, 2. Auflage, Reinbek bei Hamburg 1994, S. 43.

[14] Aristoteles: „Politik“, 2. Auflage, Reinbek bei Hamburg 1994, S. 78.

[15] Fetscher/ Münkler: „Pipers Handbuch der politischen Ideen“, Band I (Kap. IX), München 1988, S. 408.

Details

Seiten
15
Jahr
1999
ISBN (eBook)
9783638316972
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v30437
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2
Schlagworte
Aristoteles Politik Darstellung Interpretation

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