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Das Frauenbild in Ödön von Horváths "Kasimir und Karoline"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 21 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG
1.1 Forschungsgegenstand
1.2 Schwerpunktsetzung und Fragestellung
1.3 Arbeitsgrundlage

2. DAS STÜCK: "KASIMIR UND KAROLINE"
2.1 Der Autor: Kurz-Biografie
2.2 Thema

3. DIE FRAUENFIGUREN
3.1 Karoline
3.2 Erna
3.3 Maria & Elli
3.4 Juanita und andere

4. LITERARGESCH. GESTALTUNG VON FRAUENFIGUREN
4.1 Frauendarstellung in der „Romantik“
4.2 Vergleich mit „Kasimir und Karoline“

5. SCHLUSS
5.1 Zusammenfassung
5.2 Fazit

6. LITERATUR

1. EINLEITUNG

1.1 Forschungsgegenstand

Die Volksstücke Ödon von Horváths sind eng mit der geschichtlichen und gesellschaftlichen Realtität[1] der Zeit der Weimarer Republik, besonders mit den Krisenjahren um 1930, verknüpft[2]. Dabei offenbart er dem Leser, beziehungsweise dem Zuschauer, eine Welt in der man Nächstenliebe, Aufrichtigkeit und Gerechtigkeit vergeblich sucht. Die Gesellschaft besteht meist aus Menschen, die einander im Stich lassen.

Auch bei „Kasimir und Karoline“ steht die wirtschaftliche Not im Hintergrund. Und diese Not ist es auch, die das Wesen der Menschen in den Augen Horváths demontiert. Besonders deutlich wird dieses Verhältnis in den zwischenmenschlichen Beziehungen der Protagonisten dargestellt.

So sind es oft Frauen, die, meist arbeitslos, unter den Umständen der Wirtschaftskrise zu leiden haben. Sie sind die Opfer dieser finanziellen Misere und werden von patriarchalischen Zwängen unterdrückt.[3] Daran zeigt sich bereits die zentrale Position der Frauen in Horváths Stücken. Meist kreiert er Figuren, die entweder versuchen sich in das Räderwerk der Macht einzuordnen oder die bei der Auflehnung dagegen zerbrochen werden.

1.2 Schwerpunktsetzung und Fragestellung

„Das Fräulein ist bei Horváth eine stehende, wiewohl beinah immer fallende Figur; es ist die Gestalt, der er, fast zehn Jahre lang, seine ganze Aufmerksamkeit, um nicht zu sagen Barmherzigkeit zuwendet, es ist das Opfer (...).“[4]

In dieser Hausarbeit möchte ich anhand des Volksstücks „Kasimir und Karoline“ das Frauenbild Ödön von Horváths untersuchen. Ich beginne mit einem kurzen Überblick über die Lebensdaten des Autors und dem Inhalt des Werkes.

Darauf folgt die Präsentation der einzelnen Frauenfiguren, die im Laufe des Stückes auftauchen. Dabei werden diese anhand ihrer Position in der Gesellschaft und ihres Wandels innerhalb der Szenen dargestellt. Weiterhin sollen die Verhaltensweisen der jeweiligen Charaktere veranschaulicht werden. Natürlich reicht es dabei nicht aus, sich ausschließlich den Frauenfiguren zu widmen. Auch das Wesen der Männer, die sie in die jeweilige Situation drängen, wird beleuchtet.

Im Hintergrund steht dabei die Frage nach dem Frauenbild Horváths. Wie stellt er seine weiblichen Figuren dar? Sind es Wesen, die sich innerhalb des Stückes weiterentwickeln, fähig zur Reflexion sind und selbstbewusst im Leben stehen? Oder sind die Frauen nur „Zuschneidermenschen“[5] ? Bei der Bearbeitung dieser Problematik möchte ich daran anschließend einen Vergleich mit der literargeschichtlichen Gestaltung von Frauenfiguren in der Romantik ziehen.

Der Schluss dient der abschließenden Zusammenfassung der Ergebnisse und des erneuten Aufgreifens der Fragestellung.

1.3 Arbeitsgrundlage

Als Arbeitsgrundlage diente mir hauptsächlich die Suhrkamp Ausgabe von „Kasimir und Karoline“, die neben dem Text auch einen Kommentar von Dieter Wöhrle enthält. Weiterhin sind auch die Materialen zu dem bearbeiteten Volksstück sehr hilfreich gewesen.

Bei der Skizzierung der einzelnen Frauentypen wird zusätzlich das Werk Oellers und dessen Einteilung in „Die Reinen“, „Die Reifen“ und „Die Hexen“ herangezogen.

2. DAS STÜCK: "KASIMIR UND KAROLINE"

2.1 Der Autor: Kurz-Biografie

Ödön (Edmund) von Horváth wird am 09.Dezember 1901 als erster Sohn des ungarischen Diplomaten Dr. Edmund Josef von Horváth und Maria Hermine geb. Preahnal im damals ungarischen Susak, einem Vorort von Fiume (heute: Rijeka, Kroatien) geboren. Bis 1916 wechselt die Familie Horváth vermehrt den Wohnort. In dieser Zeit lebt Ödön in Belgrad, Budapest und München.

Bereits 1916 steht der nächste Ortswechsel an: Die Übersiedlung nach Pressburg, wo Ödön die Staatliche Oberrealschule besucht. Von diesem Jahr sind auch die ersten literarischen Zeugnisse in Form von Gedichten bekannt.

1918 verschlägt es ihn wieder nach Budapest. Dort beginnt er sich für die machtpolitischen Kämpfe und für den Galilei-Kreis zu interessieren. Zwischen 1919 und 1921 besucht er germanistische und philosophische Vorlesungen an der Universität München.

Während bis 1920 nur vereinzelt Stücke von Horváth bekannt sind, tritt er 1923 in eine intensivere Schaffensphase ein. Wovon er allerdings einen Großteil wieder selbst vernichtet.

Bereits in seinen frühen Theaterstücken von 1927, wie "Revolte auf Côte 3018", zeigt sich seine Hinwendung zur Volkskultur und der politischen Geschichte Deutschlands. In seinen Stücken spiegelt sich zunehmend seine Auseinandersetzung mit der damaligen Situation Deutschlands wieder.

Daran schließt sich 1931 die Uraufführung der bedeutendsten Theaterstücke Horváths - "Italienische Nacht" und "Geschichten aus dem Wienerwald" - in Berlin an. Für letzteres wird ihm kurze Zeit darauf der Kleist-Preis verliehen.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 siedelt Horváth bis 1939 nach Wien über. Dort schreibt er weiterhin Theaterstücke und Romane. Als 1938 Österreich dem Deutschen Reich „angeschlossen“ wird, emigriert Horváth nach Paris.

Am 1. Juni 1938 wird Ödön von Horváth in seiner Wahlheimat Paris auf den Champs-Élysées während eines Gewitters von einem Ast erschlagen.[6]

2.2 Thema

Unter dem ironischen Motto „Und die Liebe höret nimmer auf“[7] zeigt das Stück Kasimir und Karoline eine Gesellschaft auf die durch die Weltwirtschaftskrise gezwungen wird, „(...) egoistischer zu sein, als sie es eigentlich wären, da sie doch schließlich vegetieren müssen“[8].

Der Showplatz des Stückes ist das Oktoberfest 1931. Die damalige wirtschaftliche Not zur Zeit der Inflation wird in Horváths Stück in zwischenmenschliche Aktionen umgesetzt. Die Zeitumstände führen dazu, dass die Liebe der Berechnung weicht und damit zwangsläufig zeitlich und gefühlsmäßig begrenzt ist. Die Angst vor dem Alleinsein liegt dabei im raschen Wechsel der Partner begründet. Allerdings triumphiert am Ende des Stückes kein Sieger, sondern alle Personen wurden betrogen – von sich selbst und anderen.

Das Volksstück zeigt von den Männern brutal behandelte und ausgenutzte Frauen. In der Figur der Karoline allerdings auch eine Frau, die dem Männerregime mit egoistischer Berechnung begegnet, auch wenn ihr dieses Verhalten nicht bewusst ist.

[...]


[1] Vgl.: Kurzenberger, Hajo: Horváth`s Volksstücke. Beschreibung eines poetischen Verfahrens. München 1974; S.123 - 131

[2] Vgl.: Führich, Angelika: Aufbruch des Weiblichen im Drama der Weimarer Republik. Brecht – Fleißer – Horváth – Gmeyner. (Reihe Siegen. Beiträge zur Literatur-, Sprach- und Medienwissenschaft. Band 109 Germanistische Abteilung Hrsg. Kreuzer, Helmut u.a.). Heidelberg 1992; S. 64

[3] Vgl. Fritz, Axel: Ödön von Horváth als Kritiker seiner Zeit. Studien zum Werk in seinem Verhältnis zum politischen, sozialen und kulturellen Zeitgeschehen. Originalausgabe – München 1973; S. 184/ 185

[4] Hildebrandt, Dieter: Horváth. 9.Auflage. Hamburg 1998; S.49

[5] Horváth, Ödön von: Kasimir und Karoline. Text und Kommentar. 1. Ausgabe 2002, S.24: Kasimir beschimpft Karoline als „Zuschneidermensch“, wobei Mensch in diesem Zusammenhang als Schimpfwort für eine Frau gilt.

[6] Killy, Walther (Hrsg.): Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Band 5, S.472 - 475

[7] Horváth, Ödön von: Kasimir und Karoline, S.7

[8] Horváth: K&K, S.12

Details

Seiten
21
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638316835
ISBN (Buch)
9783656246749
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v30421
Institution / Hochschule
Universität Mannheim – Philosophische Fakultät
Note
2,3
Schlagworte
Frauenbild Horváths Kasimir Karoline

Autor

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Titel: Das Frauenbild in Ödön von Horváths "Kasimir und Karoline"