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Foreign Direct Investment in Vietnam. Die Integration von nachhaltigen Einflussfaktoren in die Markteintrittsstrategie

Masterarbeit 2014 142 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungs- und Akronymverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Verzeichnis der Boxen

1. Relevanz der Arbeit
1.1 Wissenschaftliche Problemstellung der Arbeit
1.2 Motivation der Arbeit
1.3 Aufbau der Arbeit und Argumentationsfluss

2. Definitorische Abgrenzung von Begriffen
2.1 Foreign Direct Investment
2.2 Corporate Social Responsibility
2.3 Nachhaltige Entwicklung

3. Foreign Direct Investment und dessen ökonomische, ökologische, soziale und kulturelle Entwicklung
3.1 Entwicklung sowie die Motive und Determinanten von Foreign Direct Investment
3.2 Theoretische Ansätze von Foreign Direct Investment
3.3 Markteintrittsstrategien und Erscheinungsformen von Foreign Direct Investment
3.4 Dimensionen einer nachhaltigen Entwicklung
3.4.1 Ökonomische Nachhaltigkeit von Foreign Direct Investment
3.4.2 Ökologische Nachhaltigkeit von Foreign Direct Investment
3.4.3 Soziale Nachhaltigkeit von Foreign Direct Investment
3.4.4 Kulturelle Nachhaltigkeit von Foreign Direct Investment
3.4.5 Globale Nachhaltigkeitsstandards
3.5 Balanced Scorecard

4. Foreign Direct Investment in Vietnam
4.1 Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen in Vietnam
4.1.1 Arbeitsmarkt, Kaufkraft
4.1.2 Transformationsprozess, Wirtschaftsleistung, Branchen
4.2 Entwicklung von Foreign Direct Investment in Vietnam
4.3 Markteintrittsstrategien und Erscheinungsformen von Foreign Direct Investment in Vietnam
4.4 Einfluss von Foreign Direct Investment auf die nachhaltige Entwicklung in Vietnam
4.4.1 Ökonomische Nachhaltigkeit von Foreign Direct Investment in Vietnam
4.4.2 Ökologische Nachhaltigkeit von Foreign Direct Investment in Vietnam
4.4.3 Soziale Nachhaltigkeit von Foreign Direct Investment in Vietnam
4.4.4 Kulturelle Nachhaltigkeit von Foreign Direct Investment in Vietnam
4.4.5 Zwischenfazit zur Nachhaltigkeit von Foreign Direct Investment in Vietnam
4.5 Nachhaltige Balanced Scorecard für Vietnam
4.5.1 Optionsmöglichkeiten zur Einbindung der nachhaltigen Dimensionen in die Balanced Scorecard
4.5.2 Perspektiven einer nachhaltigen Balanced Scorecard
4.5.3 Formulierung einer NBSC
4.5.3.1 Integration von ökologischen und sozialen Aspekten in die einzelnen Perspektiven der Balanced Scorecard
4.5.3.2 Erweiterung um eine Nicht-Markt-Perspektive
4.5.4 Strategy Map

5. Empirische Untersuchung
5.1 Untersuchungsdesign der empirischen Untersuchung
5.1.1 Desk-Research
5.1.2 Fallstudie
5.1.3 Online-Befragung
5.2 Ergebnisse der empirischen Untersuchung
5.2.1 Desk-Research
5.2.2 Fallstudie zur Formulierung einer nachhaltigen Balanced Scorecard
5.2.2.1 Auswahl einer Geschäftseinheit
5.2.2.2 Identifikation von nachhaltigen Exponiertheiten
5.2.2.3 Ermittlung der strategischen Relevanz von nachhaltigen Aspekten
5.2.2.4 Darstellung der nachhaltigen Balanced Scorecard innerhalb der Strategy Map
5.2.3 Online-Befragung
5.3 Kritische Betrachtung der Untersuchungsergebnisse

6. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkürzungs- und Akronymverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Überblick über die theoretischen Ansätze von FDI

Abbildung 2: Viersäulenkonzept der Nachhaltigkeit

Abbildung 3: Unterteilung der Arbeitsbedingungen

Abbildung 4: Wertewandel in Japan

Abbildung 5: Balanced Scorecard als strategisches Managementsystem

Abbildung 6: Entwicklung von FDI in Vietnam

Abbildung 7: Energieproduktion von 2000 auf 2010 in Vietnam

Abbildung 8: Entwicklung von Kohlendioxid-Emissionen in Vietnam

Abbildung 9: Positive und negative Auswirkungen von FDI in Vietnam

Abbildung 10: Vorgehen zur Formulierung einer nachhaltigen Balanced Scorecard

Abbildung 11: Framework ökologische Einflüsse für Vietnam

Abbildung 12: Framework soziale Einflüsse in Vietnam

Abbildung 13: Matrix zur Ermittlung von ökologischen und sozialen Aspekten

Abbildung 14: Markenarchitektur der adidas Group

Abbildung 15: Produktentwicklungsprozess der adidas Group

Abbildung 16: Ökologische Exponiertheit der adidas Group

Abbildung 17: Soziale Exponiertheit der adidas Group

Abbildung 18: Kundenperspektive der adidas Group

Abbildung 19: Prozessperspektive der adidas Group

Abbildung 20: Lern- und Entwicklungsperspektive der adidas Group

Abbildung 21: Nicht-Markt-Perspektive der adidas Group

Abbildung 22: Strategy Map der adidas Group

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Streiks in Vietnam zwischen 2000 und 2008

Verzeichnis der Boxen

Box 1: Metro Cash & Carry Group – Technologietransfer

Box 2: Robert Bosch – Personalentwicklung

Box 3: Vietnamesische Regierung – Förderung erneuerbarer Energien

Box 4: Einsatz gesundheitsschädlicher Chemikalien

Box 5: Vedan Skandal

Box 6: ISA Tan Tec – Effizientere Ressourcennutzung

Box 7: adidas Group – Green Company Strategy

Box 8: Nike Ausbeutung der Mitarbeiter in Vietnam

Box 9: adidas Group Reduktion auf 90 Tage Lieferzeit

Box 10: Arbeitssicherung Steinbruch

Box 11: adidas Group – SEA-Team

Box 12: Deutsche Bank – Philanthropie

1. Relevanz der Arbeit

In den letzten Jahrzenten haben Foreign Direct Investment (im Folgenden kurz: FDI) einen regelrechten Aufschwung erlebt. So konnte von 1970 bis 2012 ein weltweiter Anstieg von 465 % verzeichnet werden (vgl. Benz et al., 2012, S. 53). Unter FDI werden grenzüberschreitende Investitionen verstanden (vgl. Steiger, 1999, S. 22), deren Attraktivität von FDI u. a. in Steuer- oder Lohnkostenvorteilen begründet liegen kann (vgl. Goyal, 2006, S. 46; Krüger, 2004, S. 27 f.). Dabei kann die Investition beispielsweise als Gründung einer Tochtergesellschaft oder durch den Erwerb von Unternehmensanteilen eines bestehenden Unternehmens im Ausland vollzogen werden. Ferner sind Fusionen und Joint Ventures mit ausländischen Unternehmen als Investitionsformen denkbar (vgl. Köller, 2009, S. 25). Der obige Anstiegs-Trend setzte sich auch 2013 fort. So konnten FDI im Jahre 2013 einen weltweiten Anstieg von 11 % verzeichnen. Der Anteil der FDI betrug insgesamt 1,461 Billionen USD (vgl. UNCTAD, 2014, S. 1). Während die Industriestaaten Investitionen von 576 Billionen USD vorweisen können, lag die Investitionssumme der Entwicklungsländer bei 759 Bilionnen USD und 126 Billionen USD bei den Schwellenländern (vgl. UNCTAD, 2014, S. 4). Basierend auf den aktuellen Wachstumserwartungen prognostiziert die United Nations Conference on Trade and Development (UNCTAD)[1], dass die FDI im Jahre 2015 weiter zunehmen werden (vgl. UNCTAD, 2014, S. 10). Zeitgleich mit der Zunahme von FDI zwischen 1970 und 2012 ist auch die Anzahl der Integrationsabkommen auf der Welt angestiegen, die auch zu einer Intensivierung der Handelsströme und Attraktivitätssteigerung von FDI beigetragen haben (vgl. Cassel/Welfens, 2003, S. 295).

Dem Trend der Integrationsabkommen, konnte sich auch der asiatische Raum nicht entziehen (vgl. Cassel/Welfens, 2003, S. 20 f.), so setzte die vietnamesische Regierung im Jahr 1986 die “Doi moi-Reform“ (zu Deutsch: Erneuerung) um und sorgte für

- eine Liberalisierung im Finanzmarkt, eine Konsolidierung des Staatshaushaltes,
- eine Reform des Eigentums- und Nutzungsrechts,
- eine außenwirtschaftliche Öffnung und
- die Einführung von marktwirtschaftlichen Elementen.

Neben dieser Reform und dem Beitritt in den Association of Southeast Asian Nations (ASEAN[2] ) im Jahr 1995 trug die Aufnahme in die Welthandelsorganisation (WTO[3] ) im Jahr 2007 dazu bei, dass Vietnam sich dem Westen geöffnet und sich damit zu einem attraktiven Standort für FDI entwickelt hat. Das Land erfuhr in jüngster Vergangenheit einen regelrechten Investitionsboom. In Summe konnten in den letzten fünf Jahren FDI von geschätzten 10 Milliarden USD vorgewiesen werden (vgl. Barring Asset Management, 2014, o. S.). Der rasante Aufschwung in Vietnam lässt sich auch in Zahlen belegen. So stieg das Bruttoinlandsprodukt inflationsbereinigt seit dem Jahre 2006 jährlich mindestens um 5,2 % an, so dass die vietnamesische Industrie in der Weltwirtschaft zunehmend an Bedeutung gewinnt. Um das selbst gesteckte Ziel der „Erreichung des Status eines Industrielandes“ bis zum Jahre 2020 umsetzen zu können, sind jedoch noch eine Reihe von Strukturproblemen wie zum Beispiel die hohe Luftverschmutzung oder auch die mangelhafte Wasserversorgung im Land zu lösen (vgl. AHK Vietnam, 2012, S. 35).

Die Attraktivität des Standortes Vietnam für FDI aus Investorensicht liegt zweifelsfrei vor allem in den vergleichsweise niedrigen Lohnkosten (vgl. German Trade & Invest, 2013, o. S.) und der relativen politischen Stabilität. Positive Aspekte, die Vietnam durch FDI verzeichnen kann, sind zum Beispiel die Schaffung von Arbeitsplätzen sowie der Transfer von Know-how und Technologien. Als negativer Aspekt ist aber auch die Verstärkung sozialer Ungleichheiten zu sehen. Ferner besteht die weitverbreitete Kritik an FDI, dass Investitionen vorrangig in Ländern mit geringen Arbeits-, Umwelt- und Sozialstandards getätigt werden, um Kosten zu senken und den Profit zu steigern. In Vietnam herrscht insbesondere ein großer Mangel an qualifizierten Fachkräften. Ferner hat das Land mit der schlechten Infrastruktur (Transportineffizienz), Stromausfällen und Korruption zu kämpfen. Auch Themen wie Menschenrechte, Umweltschutz oder auch Arbeitspraktiken entfachen immer wieder neue Diskussionen. Aus FDI-Empfangslandperspektive hingegen ist es bedeutsam, dass die FDI auch nachhaltig sind. Unter Nachhaltigkeit wird die Sicherstellung und Verbesserung der ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekte verstanden. Dazu gehört auch, das „Race-to-the-Bottom“ zu vermeiden, das als „Korrektur“ u. a. der Umweltstandards nach unten verstanden wird, um im Wettbewerb um ausländische Investoren, FDI für das eigene Land zu gewinnen. Gesetzliche Rahmenbedingungen, die Mitarbeiter schützen und Unternehmen auferlegt werden, müssen daher gut „ausbalanciert“ sein, um die (potenziellen) Investoren nicht aus dem Land zu vergraulen, da die Investoren ihr oberstes Unternehmensziel „Gewinnmaximierung“ als gefährdet sehen können. Diesbezüglich stecken FDI-Empfängerländer dementsprechend in der Zwickmühle. Interessenkonflikte sind vorprogrammiert.

1.1 Wissenschaftliche Problemstellung der Arbeit

Die der vorliegenden Arbeit zugrunde liegende Forschungsfrage konzentriert sich auf eine Verbindung des theoretischen Diskurses über FDI mit dem Praxisfeld Vietnam.

Problemstellung

Im Vordergrund steht die folgende Frage, die durch weitere Unterfragen vervollständigt und spezifiziert wird:

Welche Chancen und Auswirkungen haben Foreign Direct Investment auf die nachhaltige Entwicklung in Vietnam?

Relevante Unterfragen zur obigen Fragestellung sind hierbei:

- Welche positiven und negativen Auswirkungen haben FDI auf die ökonomischen Aspekte in Vietnam?
- Welche positiven und negativen Auswirkungen haben FDI auf die ökologischen Aspekte in Vietnam?
- Welche positiven und negativen Auswirkungen haben FDI auf die sozialen Aspekte in Vietnam?
- Welche positiven und negativen Auswirkungen haben FDI auf die kulturellen Aspekte in Vietnam?
- Inwiefern kann die nachhaltige Balanced Scorecard als Managementinstrument einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in Vietnam leisten?

1.2 Motivation der Arbeit

Wenngleich der Zusammenhang zwischen FDI und der ökonomischen Nachhaltigkeit des Empfängerlandes in zahlreichen empirischen Studien bereits nahezu erschöpfend analysiert wurde, kann diese Arbeit neue Erkenntnisse vermitteln, da sie im Gegensatz zur bereits vorhandenen Fachliteratur auch die ökologische, soziale und kulturelle Nachhaltigkeit von FDI des Empfängerlandes verstärkt untersucht. Bereits 2013 formulierte die Organisation Batik International die Notwendigkeit eines Entwicklungsmodells unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen Entwicklung, der Verbesserung von sozialen Gegebenheiten und der Nachhaltigkeit der Umwelt für Vietnam, um möglichen Problemen in der Zukunft entgegenzuwirken (vgl. Batik International, 2013, S. 8). Des Weiteren kritisierte Goyal (2006), dass der Zusammenhang zwischen FDI und der ökologischen, sozialen und kulturellen Nachhaltigkeit oft vernachlässigt wurde (vgl. Gonzalez-Perez et al., 2011, S. 46; Goyal, 2006, S. 146 f.). Bereits 2009 wies die Unternehmensberatung „Deloitte“ darauf hin, dass durch die Integration von Corporate Social Responsibility (CSR) in die Strategie von Mergers & Acquisitions (M&A) die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen FDI erhöht wird (vgl. Deloitte, 2009, S. 1 f.). In einer weiteren Studie mit dem Titel „Sustainable Finance – The Risks and Opportunities that (some) CFOs are overlooking“ von Deloitte wurden 208 CFOs aus internationalen Unternehmen in zehn Ländern befragt, wie sie die Rolle der Nachhaltigkeit innerhalb der Unternehmensstrategie sehen. So glaubten nur 29 % der befragten CFOs, dass M&A-Transaktionen von der Nachhaltigkeit des Projektes beeinflusst werden (vgl. Deloitte, 2011, S. 4). Ziel dieser Arbeit ist es, daher sowohl einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion zu leisten, um die Auswirkungen von FDI auf die ökonomische, ökologische, soziale sowie kulturelle Nachhaltigkeit in Vietnam aufzuzeigen, als auch eine Handlungsoption mittels einer nachhaltigen Balanced Scorecard zu bieten, in der die Wechselwirkungen zwischen den unterschiedlichen Aspekten messbar gemacht werden. Diese können von der Unternehmensführung dazu genutzt werden, um positive Aspekte zu stärken und negative Auswirkungen zu reduzieren.

1.3 Aufbau der Arbeit und Argumentationsfluss

Die vorliegende Arbeit ist in sechs Kapitel gegliedert.

In Kapitel 1 erfolgt eine Einleitung in die FDI und deren Bedeutung für Vietnam. Im Anschluss daran wird die Motivation sowie der Aufbau der Arbeit dargelegt.

In Kapitel 2 erfolgt zunächst eine Definition der wichtigsten Begriffe. Um ein Trennschärfeproblem zu vermeiden, werden in diesem Kapitel die Begriffe Foreign Direct Investment, nachhaltige Entwicklung uns Corporate Social Responsibility zu ähnlichen Begriffen abgegrenzt.

Kapitel 3 widmet sich zunächst der historischen Entwicklung von FDI und identifiziert die Motive und Determinanten von FDI. Des Weiteren werden in Kapitel 3 die wichtigsten theoretischen Ansätze von FDI aus der Fachliteratur sowie die verschiedenen Markteintrittsstrategien dargestellt. Im Anschluss werden die einzelnen Dimensionen der Nachhaltigkeit analysiert und in ökonomische, ökologische, soziale und kulturelle Nachhaltigkeit eingeteilt. Abschließend wird das strategische Managementkonzept Balanced Scorecard als mögliche Handlungsoption kurz vorgestellt.

Die mögliche Ausgestaltung einer nachhaltigen Balanced Scorecard für Vietnam wird dann in Kapitel 4 vorgenommen. Zuerst werden hierzu die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie die historische Entwicklung von FDI in Vietnam untersucht. Ausgehend von der gegenwärtigen unternehmerischen Nachhaltigkeit in Vietnam wird im Anschluss die Einflussanalyse der einzelnen Dimensionen der Nachhaltigkeit von FDI analysiert, um die positiven sowie negativen Auswirkungen von FDI gegenüberzustellen. Basierend auf der Einflussanalyse der einzelnen Formen der Nachhaltigkeit von FDI wird eine strategische Handlungsoption anhand einer nachhaltigen Balanced Scorecard erstellt, um die Unternehmensleistung in den ökonomischen, ökologischen, sozialen und kulturellen Dimensionen der Nachhaltigkeit darzustellen und messbar zu machen.

In Kapitel 5 werden die ermittelten positiven und negativen Auswirkungen aus den theoretischen Kapiteln anhand einer empirischen Untersuchung überprüft. Zur Umsetzung der Untersuchung wird zuerst ein Forschungsansatz gewählt, welcher die Fragestellung dieser Arbeit mit den empirischen Möglichkeiten am besten verknüpft. Hierbei besteht das festgelegte Forschungsdesign aus einem Desk-Research, einer Fallstudie sowie einer Online-Befragung. Die Forschungsschritte der empirischen Untersuchung erfolgen dabei nach folgendem festgelegten Forschungsdesign:

1. Desk-Research: Innerhalb des Desk-Researchs erfolgt eine kurze Untersuchung der vorhandenen Publikationen mit dem Schwerpunkt CSR in Vietnam. Es wird eine kurze Darstellung über den Stand der Forschungsarbeiten zu diesem Schwerpunkt innerhalb der Fachliteratur dargestellt.
2. Fallstudie: Anschließend erfolgt die Umsetzung der entwickelten Handlungsoption in Form einer nachhaltigen Balanced Scorecard als Einzelfallstudie der adidas Group. Hierzu werden die positiven und negativen Auswirkungen von FDI in Vietnam aus Kapitel 4 zur Formulierung einer nachhaltigen Balanced Scorecard berücksichtigt.
3. Online-Befragung: In diesem Schritt werden die gewonnenen Erkenntnisse aus den vorherigen Kapiteln für eine Online-Befragung eingesetzt. Das Ziel dieser Online-Befragung ist die Ergänzung der theoretischen Ergebnisse durch Praxisaussagen.

Am Ende des fünften Kapitels werden die Ergebnisse aus der empirischen Analyse zusammengefasst.

Die Arbeit schließt mit einem Fazit der Untersuchungsergebnisse ab und zeigt ferner einen Ausblick auf weitere Diskussionsfragen auf, die Möglichkeiten für weitere Untersuchungen bieten könnten.

2. Definitorische Abgrenzung von Begriffen

Es gibt zahlreiche Definitionen zu den Begriffen „Foreign Direct Investment“ (deutsch: Ausländische Direktinvestitionen), „Corporate Social Responsibility“ und „nachhaltiger Entwicklung“. In diesem Kapitel werden diese grundlegenden Begriffe erklärt und definiert, um eine einheitliche Begriffsbasis zu schaffen.

2.1 Foreign Direct Investment

FDI werden in verschiedenen Fachliteraturen immer etwas unterschiedlich definiert (vgl. Köller, 2009, S. 25). Gemäß der heutigen Definition durch die Organisation for Economic Cooperation and Development[4] (OECD) werden Neugründungen von Unternehmen im Ausland sowie der Erwerb von Eigentumsanteilen an ausländischen Unternehmen mit einem Mindestanteil von 10 % als FDI definiert (vgl. OECD, 2008, S. 17). Köller definiert zusätzlich FDI als eine spezielle Form von langfristigen Kapitalbewegungen in der Kontrollrechte, Technologie, Know-how und Organisationsstrukturen „transferiert“ werden (vgl. Köller, 2009, S. 25).

Abgrenzung des Begriffs FDI zur Portfolioinvestition:

Die langfristigen Kapitalbewegungen der Portfolioinvestition erfolgen in aller Regel in Form von Investmentzertifikaten, Obligationen oder Aktien. Die Motivation einer Portfolioinvestition liegt begründet in Zins- und Liquiditätserträgen und hat im Vergleich zu FDI weder eine Kontrollabsicht noch ein Interesse an unternehmensbezogenen Aufgaben (vgl. Zimmermann, 2008, S. 4 ff.).

2.2 Corporate SocialResponsibility

Auch die Begriffsdefinition Corporate Social Responsibility (CSR) wird kontrovers diskutiert. Neben einer fehlenden Einheitsdefinition kommt erschwerend hinzu, dass sich das Konzept Corporate Social Responsibility kontinuierlich verändert und stetigen Weiterentwicklungen unterliegt (vgl. Theuerkorn, 2013, S. 24 f.). In der heutigen Zeit wird CSR zumeist mit dem Konzept der nachhaltigen Entwicklung[5] assoziiert. So bildet CSR laut dem „Bundesministerium für Arbeit und Soziales“ das Kerngeschäft einer nachhaltigen Unternehmensführung, die in der Geschäftsstrategie eines Unternehmens verankert sind (vgl. Hentze/Thies, 2012, S. 84). Gemäß der Definition der Europäischen Kommission[6] hingegen wird unter CSR, die gesellschaftliche Verantwortung unternehmerischer Auswirkungen verstanden. Die Europäische Kommission empfiehlt in ihrer Publikation „A renewed EU strategy 2011-14 for Corporate Social Responsibility“, dass jedes Unternehmen CSR in ihre Unternehmensstrategie integrieren sollte, um Vorteile in den Bereichen Risikomanagement, Kosteneinsparungen, Zugang zu Kapital, Kundenbeziehungen, Personalmanagement und Innovationsfähigkeit zu erlangen (vgl. European Commission, 2011, S. 6).

Das Konzept von CSR muss von dem Konzept der „Corporate Citizenship“ abgegrenzt werden. Ähnlich wie bei dem Konzept von CSR ist auch die Verknüpfung bei dem Konzept der „Corporate Citizenship“ zwischen Unternehmen und der Gesellschaft sehr eng (vgl. Duong Dinh, 2010, S. 20). Jedoch beinhaltet die CSR eine internen Sichtweise, die sich an der Wertschöpfungskette des Unternehmens orientiert, während bei Corporate Citizenship von einer externen Sichtweise gesprochen wird, die sich durch Spenden für gemeinnützige Zwecke (Corporate Giving), die Gründung von Unternehmensstiftungen (Corporate Foundations) sowie den unentgeltlichen Einsatz von Mitarbeitern in Projekten mit sozialem Hintergrund (Corporate Volunteering) auszeichnet (vgl. König, 2013, S. 30). Im Rahmen dieser Arbeit wird Corporate Citizenship als Teilaspekt der CSR verstanden.

2.3 Nachhaltige Entwicklung

Bei der Definition des Begriffs „nachhaltige Entwicklung“ muss dieser von Nachhaltigkeit abgegrenzt werden. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wird als ein Wunschzustand verstanden und kann im weitesten Sinne als etwas Dauerhaftes interpretiert werden. Eine nachhaltige Entwicklung hingegen beschreibt einen Veränderungsprozess in eine bestimmte Richtung (vgl. Weisensee, 2012, S. 19). Eine Entwicklung gilt demnach als nachhaltig, wenn die drei Säulen des CSR-Konzeptes gleichermaßen berücksichtigt werden. Die drei Säulen repräsentieren die Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales.

3. Foreign Direct Investment und dessen ökonomische, ökologische, soziale und kulturelle Entwicklung

FDI weisen eine lange historische Entwicklung auf und wurden in den 1960er Jahren global überwiegend zur Erschließung von Ressourcen oder von lokalen Märkten im Ausland eingesetzt (vgl. Betschinger, 2010, S. 82; Köller, 2009, S. 28; Weisensee, 2012, S. 10). Im Laufe der Jahre haben sich die Motive und die Wirkungen von FDI ständig weiterentwickelt, so dass eine Differenzierung der FDI notwendig wird (vgl. Weisensee, 2012, S. 10). Diese ständige Fortentwicklung von Motiven inklusive der relevanten FDI-Determinanten sowie der theoretischen Hintergründe und Ansätze wird in den folgenden Unterkapiteln (3.1-3.3) kurz dargestellt, um ein einheitliches theoretisches Grundverständnis von FDI zu schaffen. Das Unterkapitel 3.4 widmet sich im Wesentlichen der FDI und deren Entwicklung hinsichtlich ökonomische, ökologische, soziale und kulturellen Nachhaltigkeit, während im Unterkapitel 3.5 kurz die Balance Scorecard erläutert wird.

3.1 Entwicklung sowie die Motive und Determinanten von Foreign Direct Investment

Es existieren viele Gründe für die Entstehung von FDI und jede einzelne Investitionsentscheidung wird durch verschiedene Motive und Determinanten beeinflusst. So veröffentlicht die UNCTAD in ihrer Publikation „World Investment Report 1998 – Trends and Determinants“ drei Determinanten die Einfluss auf die Investitionsentscheidungen eines multinationalen Unternehmens[7] haben. Zu diesen drei Determinanten gehören

- die politischen Rahmenbedingungen,
- ökonomische Determinanten und
- Handelserleichterungen (vgl. UNCTAD, 1998, S. 91 ff.).

Die politischen Rahmenbedingungen eines Empfängerlandes stellen die primäre Grundlage für die erfolgreiche Durchführung von FDI dar und können die Investitionsentscheidungen von multinationalen Unternehmen maßgeblich beeinflussen. Zu den wesentlichen politischen Determinanten, die die Höhe von FDI in einem Gastland nach erhöhen oder verringern können, gehören nachfolgende Unterpunkte:

1. wirtschaftliche, politische und soziale Stabilität,
2. gesetzliche, zolltarifliche und steuerliche Rahmenbedingungen,
3. inländische Wirtschaftspolitik und
4. Aspekte der Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik (vgl. Weisensee, 2012, S. 12).

Die ökonomische Determinante, die als zweiter wesentlicher Einflussfaktor die Investitionsentscheidungen maßgeblich beeinflusst, wird von Dunning in die Motiv-Kategorien Ressourcenorientierung, Marktorientierung, Effizienzorientierung sowie strategische Vermögensorientierung klassifiziert (vgl. Dunning/Lundan 2008, S. 67 f.). Dabei gehören die Ressourcen- und Marktorientierungen zu den am meisten zitierten und diskutierten Motiven der Fachliteratur.

- Ressourcenorientierung: Das Motiv der Ressourcenorientierung hat das Ziel der Nutzung von Ressourcen des jeweiligen Empfängerlandes, die an dem jetzigen Standort des Unternehmens entweder nicht vorhanden (Rohstoffe oder qualifizierte Mitarbeiter) sind oder aber kostengünstiger zu beschaffen (ungelernte Mitarbeiter) sind (vgl. Franco et al., 2008, S. 7; UNIDO, 2012, S. 53). Ein weiteres Motiv der Ressourcenorientierung kann der Zugang zu Technologien und infrastrukturellen Einrichtungen sein (vgl. Weisensee, 2012, S. 13).
- Marktorientierung: Das Ziel der Marktorientierung ist die Erschließung des Binnenmarkts eines Empfängerlandes (vgl. UNIDO, 2012, S. 53). Ein Grund für die Erschließung ist die Erweiterung des Zulieferer- sowie Kundenstammes im Empfängerland, um ein Marktpotenzial zu nutzen, welches sehr stark von der Marktgröße, dem Marktwachstum sowie dem Kapitalvermögen der potenziellen Nachfrager abhängt. Ferner soll die Marktpräsenz im Empfängerland die Konkurrenzunternehmen von einer möglichen Investition in diesem Land abhalten (vgl. Franco et al., 2008, S. 7).

Die weiteren Motive der ökonomischen Determinante, die Dunning definiert, sind

- Effizienz- und Kostenorientierungen: Die Ausnutzung der Vorteile durch die Verfügbarkeit von Ressourcen im Ausland, durch Skaleneffekte und durch den Vorsprung bei Konsumpräferenzen und Zuliefererkapazitäten sind weitere Gründe für eine effizienz- und kostenorientierte Investition im Ausland (vgl. Franco et al., 2008, S. 8; UNIDO, 2012, S. 53).

Die Handelserleichterungen werden als Dritte wesentliche Determinante der Investitionsentscheidungen gesehen. Dabei können die Empfängerländer die FDI entweder durch monetäre oder nicht-monetäre Investitionsanreize fördern. Ein monetärer Investitionsanreiz wären beispielsweise niedrigere Steuern als auf dem Heimatmarkt (vgl. Jahrreiß, 1984, S. 102), während der Bürokratieabbau ein Beispiel für einen nicht-monetären Investitionsanreiz wäre (vgl. Scherer, 2003, S. 151).

3.2 Theoretische Ansätze von Foreign Direct Investment

In der Vergangenheit konnte innerhalb der Wissenschaft eine Vielzahl von theoretischen Ansätzen von FDI beobachtet werden, die sich – wie eingangs erwähnt – in einer ständigen Fortentwicklung befinden (vgl. Krugman/Obstfeld, 2006, S. 159 ff.). Die ausgewählten theoretischen Ansätze von FDI sollen zunächst schematisch in der nächsten Abbildung dargestellt werden, bevor im Detail auf diese eingegangen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Überblick über die theoretischen Ansätze von FDI[8]

Frühere Ansätze:

Die ersten Ansätze in der Wissenschaft sehen FDI als einen reinen Kapitaltransfer vom Inland ins Ausland an, um insbesondere die komparativen Kostenvorteile zu nutzen. Komparative Kostenvorteile ergeben sich durch Unterschiede in der Arbeitsproduktivität und einer Produktspezialisierung[9]. Vereinfacht dargestellt, bedeutet dies, dass jedes Land das Gut produzieren sollte, welches es kostengünstiger d.h. zu geringeren Opportunitätskosten, herstellen kann als das Ausland. Durch den Außenhandel wird versucht, die Kostenvorteile der jeweiligen Länder zu nutzen, um hohe Opportunitätskosten zu vermeiden (vgl. Hentze, 2013, S. 48). Eine weitere Erklärung für Auslandsinvestitionen ist die Portfoliodiversifizierung, die das Ziel der Risikominimierung durch Streuung des Kapitals in verschiedenen Ländern hat. In den weiteren Jahren rückte die Marktunvollkommenheit in den Vordergrund der Analyse, so dass die früheren Ansätze aufgrund der vereinfachten Annahme der Marktvollkommenheit empirisch widerlegt wurden (vgl. Köller, 2009, S. 37).

Hymer-Ansatz:

Hymer hat im Jahr 1960 den Ansatz der Außenhandelstheorie um die Annahme der Marktunvollkommenheit erweitert und die Auslandsinvestitionen in Portfolioinvestitionen sowie FDI differenziert. Während bei den Portfolioinvestitionen weiter an die Erzielung einer höheren Kapitalrendite zum Beispiel durch Zinsdifferenzen oder erwartete Wechselkurse sowie die Diversifizierung zur Risikosteuerung im Vordergrund stehen, ist der Hauptgrund für FDI neben den Motiven der Portfolioinvestitionen insbesondere in dem Streben nach Kontrollmöglichkeiten über das Investitionsobjekt zu sehen. Ein weiterer Grund für FDI ist die Reduktion beziehungsweise die Schwächung des Wettbewerbs auf den jeweiligen Märkten, um mittel- bis langfristig die eigene Rendite steigern zu können. Dies kann beispielsweise durch die Ausnutzung von Skaleneffekten, die Erzielung von Kostenvorteilen durch den Vorsprung in der Produktionstechnologie oder auch durch Lizenzen und Patente erfolgen (vgl. Hentze, 2013, S. 50 ff.; Hymer, 1960, S. 1-31).

Diversifizierungstheorie:

In der Diversifizierungstheorie von Vernon/Wells (1991) wird das Kontrollmotiv mit der Diversifizierung von Risiko in Verbindung gebracht (vgl. Vernon/Wells, 1991, S. 96-103). Das Ziel der Diversifizierungstheorie ist, die Abhängigkeit von negativen Marktentwicklungen in einzelnen Regionen durch eine internationale Ausrichtung des Unternehmens zu reduzieren (vgl. Hentze, 2013, S. 54).

Währungsraumtheorie:

Neben der Diversifizierungsthese existiert ferner die Währungsraumtheorie von Aliber (1970), die die Absicherung von Währungsrisiken als Motiv für FDI besitzt. Hierzu gehören nicht nur die zusätzlich auftretenden Kosten wie beispielsweise für den Transport, sondern auch das Währungsrisiko bei der Rückführung von Gewinnen in das Zielland oder auch die generellen Kosten für Zölle, die negativ auf die Erzielung von Gewinnen wirken können (vgl. Aliber, 1970, S. 17 f.).

Produktlebenszyklustheorie:

Ein weiterer Ansatz zur Erklärung von FDI ist die Produktlebenszyklustheorie von Vernon (1966), der die Annahme zugrunde liegt, dass mit fortschreitendem Produktlebenszyklus die Produktion vom Heimatmarkt zunächst in andere Industrieländer und schlussendlich in ein Entwicklungsland verlagert wird. Dabei teilt Vernon den Produktlebenszyklus in drei wesentliche Phasen ein. Zur Entwicklung und Erstellung eines neuen Produktes werden demnach finanzielle Mittel und hochqualifizierte Mitarbeiter mit dem entsprechenden technischen Know-how benötigt, die meist nur in höher entwickelten Industrieländern zur Verfügung stehen. Folglich wird die erste Phase, „die Einführungsphase“, im hoch entwickelten Heimatland durchgeführt. In der zweiten Phase, „der Reifephase“, wird das Produkt standardisiert, so dass die Produktion aufgrund von standardisierten Produktionsverfahren und sinkendem Bedarf an hochqualifizierten Mitarbeitern oder auch durch wachsenden Wettbewerbsdruck in ein kostengünstigeres Produktionsland mit einem etwas niedrigeren Entwicklungsniveau verlagert werden kann. Ferner ist die Ausnutzung von Skaleneffekten durch sinkende Stückkosten als wesentliches Ergebnis der Reifephase anzusehen. In der letzten Phase, „der Standardisierungsphase“, hat das Produkt den höchsten Standardisierungsgrad erreicht, so dass die Produktion vollständig in ein Entwicklungsland verlagert werden kann (vgl. Köller, 2009, S. 41 f.; Vernon, 1966, S. 190-207).

Transaktionskostentheorie:

Das Ziel dieser Theorie, ist es durch eine Internalisierung des Unternehmens die Transaktionskosten zum Beispiel aufgrund von vorhandenen Informationsasymmetrien weitestgehend zu reduzieren und ineffiziente Kooperationen zwischen Vertragspartnern zu vermeiden (vgl. Köller, 2009, S. 39). Ein Unternehmen, das die Koordination von Produktion, Transport und Vertrieb eigenständig durchführt, weist in der Regel eine effizientere Wertschöpfungskette auf als durch Kooperationen mit verschiedenen Vertragspartnern (vgl. Coase, 1937, S. 19). Die mögliche Auslagerung von Aktivitäten ist in das Kalkül einzubeziehen, wenn diese effizienter wären (vgl. Zmuda, 2006, S. 45 ff.). Dadurch rücken multinationale Unternehmen stärker in den Fokus, um Ineffizienzen auf dem Markt – wie zum Beispiel die hohen Kommunikationskosten – zu reduzieren (vgl. Buckley/Casson, 2009, S. 1563 f.).

OLI-Ansatz:

Dunning (1977) analysierte alle bisherigen Ansätze über FDI und erklärt in seinem OLI-Ansatz, dass drei Vorteilsarten für multinationale Unternehmen vorliegen müssen, damit FDI getätigt werden. Diese drei Arten sind firmenspezifische Vorteile (O wnership advantage), standortspezifische Vorteile (L ocation-specific advantages) sowie Internalisierungsvorteile[10] (I nternalisation advantage) (vgl. Neary, 2008, S. 1-13). Die firmenspezifischen Vorteile (O wnership advantage) sind die Hauptgründe für die Existenz von multinationalen Unternehmen. Neben den Vorteilen aus dem Hymer-Ansatz erweiterte Dunning in seinem Modell um die Vorteile der Prozessdiversifikation, der Spezialisierung, der Monopolmacht sowie der Kapazitätsauslastung (vgl. Steiger, 1999, S. 63). Die standortspezifischen Vorteile (L ocation-specific advantages), zu denen Dunning alle Faktoren zählt, die für eine Auslandsverlagerung der Produktion anstatt einer Produktion im Heimatmarkt sprechen. Neben den Faktorkosten wie beispielsweise Löhnen, Zinsen oder auch Bodenpreisen gibt es auch wirtschaftlich-politische Gründe, u. a. Handelsbarrieren, Infrastruktur und das Investitionsklima des jeweiligen Landes sowie kulturelle Distanz zwischen den Ländern, die bei der Verlagerung des Produktionsstandortes eine bedeutsame Rolle spielen könnten (vgl. Köller, 2009, S. 45; Liefner, 2006, S. 55). Die letzte Art zur Entstehung von FDI sind die Internalisierungsvorteile (I nternalisation advantages), bei denen ein Unternehmen ins Ausland expandiert, um Transaktionskosten sowie asymmetrische Informationsverteilung zu vermeiden. Ferner sind die Ausnutzung von Zoll- oder auch Investitionsanreizen Gründe für eine Expansion (vgl. Peng, 2014, S. 173).

3.3 Markteintrittsstrategien und Erscheinungsformen von Foreign Direct Investment

FDI können zum Beispiel in Form einer 100%-igen Tochtergesellschaft, einer Fusion, eines Joint Venture oder einer strategischen Allianz im Ausland getätigt werden (vgl. Niederkorn, 2008, S. 27). Nachfolgend werden die gängigen vier Erscheinungsformen von FDI kurz erläutert:

100%-ige Tochtergesellschaft:

Eine Tochtergesellschaft im Ausland kann durch Neugründung oder Akquisition von Unternehmen auf dem Auslandmarkt aufgebaut werden. Mit der Etablierung der Tochtergesellschaft besitzt das Unternehmen den Vorteil, dass es über die vollständige und einheitliche Steuerung der Tochtergesellschaft verfügt sowie die direkte Möglichkeit zur Integration der Unternehmensstrategie gegeben ist (vgl. Schramm-Klein, 2012, S. 27). Als weitere Vorteile werden die einfachere Realisierung von Synergieeffekten und die Begrenzung des Risikos eines Know-how-Abflusses gesehen (vgl. Hinterhuber, 1990, S. 135). Die hohe und langfristige Kapitalbindung und der Aufbau von Geschäftsbeziehungen können als negative Auswirkungen einer Tochtergesellschaft betrachtet werden (vgl. Campenhausen, 2007, S. 221).

Fusion:

Unter einer Fusion wird die Verschmelzung von mindestens zwei rechtlichen und wirtschaftlich unabhängigen Unternehmen zu einer Unternehmenseinheit verstanden (vgl. Grundmann, 2011, S. 447). Der Vorteil einer Fusion mit einem Unternehmen aus dem Zielmarkt liegt begründet in der prozentualen Steigerung der ausländischen Marktanteile, welche wiederum die Markteintrittsbarrieren für konkurrierende Unternehmen, die auf einem Markteintritt spekulieren, erhöhen (vgl. Franck/Meier, 2006, S. 93; Halberstadt, 2014, S. 45). Auch der Zugang zu spezifischen Ressourcen (z. B. Markt-Know-how) wird durch eine Fusion garantiert (vgl. Mann, 2011, S. 9). Aufgrund von fehlenden Interessenten an einer Fusion scheidet diese Alternative als Markteintrittsstrategie oft jedoch aus. Häufig scheitern Fusionen auch an unterschiedlichen Unternehmensstrategien oder kulturellen Divergenzen von Unternehmen, die sich nicht miteinander vereinbaren lassen (vgl. Kutschker/Schmid, 2008, S. 924).

Joint Venture:

Bei einem Joint Venture handelt es sich um eine Kooperation zwischen mindestens zwei Unternehmen, die innerhalb eines vertraglich vereinbarten Zeitraums zusammenwirken, um ein bestimmtes unternehmerisches Ziel gemeinsam zu erreichen (vgl. Fett/Spiering, 2010, S. 1). Der wesentliche Vorteil eines Joint Venture kann darin gesehen werden, dass eine Art der Risikominimierung durch die gemeinsame Einbringung von Kapital sowie Know-how betrieben wird. Ferner werden neben dem Gewinn auch die Kosten zwischen den Kooperationspartnern aufgeteilt (vgl. Pepels, 2004, S. 1129). Eine Kooperation zwischen Unternehmen beinhaltet auch den Austausch von sensiblen Daten untereinander, der nach Vertragsbeendigung der Kooperation erhebliche Folgen, wie zum Beispiel Diebstahl geistigen Eigentums[11], haben kann (vgl. Fett/Spiering, 2010, S. 8; Scheuss, 2007, S. 44).

Strategische Allianz:

Unter einer strategischen Allianz wird eine längerfristige Kooperation zwischen mindestens zwei Unternehmen mit dem Ziel der Sicherung und langfristigen Verbesserung der Wettbewerbsvorteile verstanden (vgl. Schilke, 2007, S. 47). Um diese Ziele zu erreichen, konzentrieren sich die Unternehmen auf die Ausnutzung der Synergiepotenziale sowie durch den gezielten Einsatz der einzelnen Kernkompetenzen (vgl. Meister, 2007, S. 288). Die Konzentration der Kooperationspartner auf ihre eigenen Kernkompetenzen sowie die Ergänzung fehlenden Know-hows durch weitere Kooperationspartner zählt zu den Vorteilen einer strategischen Allianz. Ein weiterer Vorteil ist die Unabhängigkeit der Kooperationspartner voneinander, da die Zusammenarbeit zumeist ohne Komplikationen beendet werden kann (vgl. Schuh et al., 2011, S. 252). Durch den hohen Abstimmungsbedarf von strategischen Allianzen entstehen oft hohe Kosten und Verzögerungen in den Entscheidungsprozessen (vgl. Kutschker/Schmid, 2008, S. 899).

Die Ausgestaltung einer nachhaltigen Entwicklung kann im Einzelfall stark von der Investitionsform der FDI abhängen (vgl. Weisensee, 2012, S. 97).

3.4 Dimensionen einer nachhaltigen Entwicklung

Aufgrund von FDI stehen multinationale Unternehmen besonders im Blickpunkt von Investoren, der Politik und von Non-Governmental Organization (NGO). Hierbei geht es oft um die Fragestellung, ob und inwieweit diese multinationalen Unternehmen mittels FDI einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der FDI-Empfängerländer beisteuern (vgl. Weisensee, 2012, S. 44). Seit der Umweltkonferenz in Rio de Janeiro 1992 ist ferner zu beobachten, dass das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung immer mehr an Bedeutung gewinnt (vgl. Rogall, 2013, S. 123; Loew et al., 2004, S. 56). Hierfür ist ursächlich, dass sich die Globalisierung der politischen Strukturen nicht im Gleichschritt mit der Globalisierung der Wirtschaft entwickelt. Ferner haben Gewerkschaften, Umweltverbände, Investoren, Konsumenten sowie eigenen Mitarbeiter angefangen ihre Erwartungen diesbezüglich an die Unternehmen zu kommunizieren (vgl. PricewaterhouseCoopers, 2009, S. 16). Die Unternehmen stehen dadurch vor der großen Herausforderung, die oft unterschiedlichen Erwartungen der Stakeholder[12] miteinander in Einklang bringen zu müssen (vgl. Luchtefeld et al., 2009, S. 326).

Aufgrund des weltweiten Anstiegs von FDI gewinnt die gesellschaftliche Verantwortung (Deutsch für Corporate Social Responsibility[13] ) der Unternehmen besonders in den Entwicklungs- und Schwellenländern an Bedeutung (vgl. PricewaterhouseCoopers, 2009, S. 10). Zwar ermöglichen FDI Millionen von Menschen aus Entwicklungs- und Schwellenländern neue Chancen, aber gleichzeitig besteht auch die Kritik gegenüber den Unternehmen, dass das primäre Ziele dieser in der Verlagerung der Produktionsprozesse in ein Land mit geringeren Arbeits-, Umwelt- und Sozialstandards sind, um durch die Kostensenkung ihren eigenen Profit zu steigern (vgl. PricewaterhouseCoopers, 2009, S. 16).

Das Konzept der CSR mit seinen drei Dimensionen (ökonomisch, ökologisch, sozial) wird in den folgenden Unterkapiteln vorgestellt. Des Weiteren wird die CSR um die Dimension Kultur erweitert. Grund dafür ist der hohe Stellenwert der Kultur in asiatischen Ländern (vgl. Debroux, 2009, S. 30). Hierbei konzentrieren sich die nachfolgenden Ausführungen vor allem auf die Auswirkungen für ein Entwicklungs- und Schwellenland.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Viersäulenkonzept der Nachhaltigkeit[14]

3.4.1 Ökonomische Nachhaltigkeit von Foreign Direct Investment

Als Erstes sollen die ökonomischen Auswirkungen von FDI auf die jeweiligen Empfängerländer näher betrachtet werden, indem die Auswirkungen in den Bereichen

- Technologietransfer,
- Bildung von Humankapital,
- Interaktionen mit dem Staat,
- regionale Verteilung von FDI sowie
- der Crowding-Out-Effekt erläutert werden.

Diese Bereiche können sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Empfängerlandes von FDI haben (vgl. Weisensee, 2012, S. 52; OECD, 2000, S. 21 ff.). Im Hinblick auf den Untersuchungsstandort Vietnam sind diese Bereiche für den Erfolg/Misserfolg von FDI als entscheidend anzunehmen. Dabei zielt die ökonomische Nachhaltigkeit primär auf langfristige Gewinnüberschüsse und einer dauerhaften Sicherung von Wettbewerbsvorteilen ab, anstatt kurzfristig eine Gewinnmaximierung anzustreben (vgl. Straube et al., 2013, S. 7). Da der Fokus dieser Arbeit auf den ökologischen, sozialen und kulturellen Dimensionen liegt, wird in diesem Kapitel nur kurz auf die ökonomische Dimension eingegangen.

Technologietransfer:

Die Technologie und der technologische Fortschritt ist ein entscheidender Bestandteil für die Entwicklung und die Wachstumsaussichten einer Volkswirtschaft. Die Technologie nimmt unterschiedliche Funktionen innerhalb einer Volkswirtschaft ein. Dazu gehören u. a.

- die Erhöhung von Produktivität und Leistungsfähigkeit,
- die Senkung von Produktionskosten und die Reduktion von Verlusten,
- die Erhöhung der Wertschöpfung sowie
- die effiziente Nutzung und Möglichkeit zur Substitution von Ressourcen (vgl. Weisensee, 2012. S. 52 f.).

Aufgrund des höheren Niveaus der entwickelten Technologien von multinationalen Unter-nehmen in Industrieländern im Vergleich zu dem verfügbarem Niveau von Technologien in Entwicklungs- und Schwellenländern erfolgt ein Technologietransfer in Form von fortgeschrittenen Technologien, Managementmethoden, neuen Produkten und neuen Prozessen. Durch den Technologietransfer von multinationalen Unternehmen in das Empfängerland haben einheimische Unternehmen die Möglichkeit, sich durch Nachahmung, den Aufbau von Geschäftsbeziehungen sowie die Abwerbung von Mitarbeitern von multinationalen Unternehmen weiterzuentwickeln (vgl. Clark et al., 2011, S. 3; Hale/Long, 2012, S. 6 f.; Liu, 2006, S. 177). Folglich besteht durch einen Technologietransfer die Möglichkeit, die Technologielücke zwischen den Industrieländern und den Entwicklungs- sowie Schwellenländern zu schließen (vgl. Weisensee, 2012, S. 53). Die Alfred Ritter GmbH & Co. KG transferierte beispielsweise umweltschonende Technologien sowie ressourcensparende Produkte und Prozesse nach Brasilien, um den Wald durch eine nachhaltige Anbaumethode für ihre Kakaoproduktion zu schützen (vgl. Gradl/Knobloch, 2009, S. 22 f.).

Bildung von Humankapital:

Im engen Zusammenhang mit dem Technologietransfer steht der Humankapitalbestand des Empfängerlandes, da die Anwendung neuer Technologien einen gewissen Ausbildungsstand der Mitarbeiter voraussetzt. Mit der Förderung und Steigerung des Humankapitalbestandes durch schulische und berufliche Ausbildung kann eine Zunahme in der Produktivität und Profitabilität der Arbeitsweise erwartet werden. Darüber hinaus sind gut ausgebildete Mitarbeiter eher in der Lage, neue Technologien und Methoden zu verstehen und anzuwenden als Mitarbeiter mit keiner oder nur unzureichender Ausbildung. Durch zusätzliche Weiterbildungsmaßnahmen wie zum Beispiel fachspezifische Workshops können die Mitarbeiter weitere berufliche Kenntnisse erwerben und somit den Aufbau einer breiten Wissensbasis vorantreiben. Ein weiterer positiver Beitrag ist, dass die multinationalen Unternehmen in der Lage sind, den Mitarbeitern eine Karriereperspektive anzubieten. Ferner müssen sie auch die Möglichkeit bzw. die Bereitschaft besitzen, höhere Gehälter zu zahlen, so dass eine Abwanderung von qualifizierten Mitarbeitern ins Ausland gehemmt wird (vgl. Hemmer/Phuong Hoa, 2002, S. 4; Weisensee, 2012, S. 62 f.).

Interaktionen mit dem Staat:

Die Staaten können durch die Schaffung von Rahmenbedingungen die Attraktivität von FDI verbessern, indem die Staaten den multinationalen Unternehmen zum Beispiel Steuer- und Abgabenerleichterungen gewähren wie es beispielsweise in Estland der Fall ist (vgl. Sepp/Wrobel, 2003, S. 283 f.). Weitere Formen, die zur Schaffung von attraktiven Rahmenbedingungen beitragen können, sind u. a. in Subventionen oder auch staatlichen Komplementärinvestitionen (beispielsweise in die Infrastruktur) zu sehen. Durch gezielte Investitionen, wie zum Beispiel in die Infrastruktur, wird die Standortqualität des Investitionsortes massiv gestärkt, von der auch die inländischen Unternehmen letztendlich profitieren werden (vgl. Weisensee, 2012, S. 63). Des Weiteren können die Staaten durch die Schaffung von positiven Rahmenbedingungen, wie beispielsweise die Beseitigung von Anpassungshemmnissen, eine erfolgreiche Umsetzung von CSR sichern (vgl. Bertelsmann Stiftung, 2006, S. 10; Hardtke/Kleinfeld, 2010, S. 60).

Regionale Verteilung von Foreign Direct Investment:

Multinationale Unternehmen haben die Möglichkeit, die wirtschaftliche Entwicklung einer Region durch FDI zu unterstützen. Um eine nachhaltige Entwicklung für das gesamte Land zu erzielen, sollten diese auch in unterentwickelten Regionen getätigt werden, wie es gewissermaßen in China vorgelebt wurde (vgl. Taube, 2005, S. 4 ff.; Weisensee, 2012, S. 64).

Crowding-Out-Effekt:

Eine weitere ökonomische Auswirkung von FDI ist der Crowding-Out-Effekt. Dieser Effekt besagt, dass die staatlichen Investitionen durch FDI verdrängt werden. Zum einen kann der Crowding-Out-Effekt durch die hohe zu zahlende Steuerlast entstehen, da sich die Einforderung des Staates von sehr hohen Steuergeldern negativ auf die freiwilligen Spenden der Unternehmen auswirken könnte. Zum anderen können die freiwilligen Spenden vom Staat subventioniert werden, mit der Folge einer Kürzung der finanziellen Unterstützung für andere Bereiche wie zum Beispiel den Sozial- oder Bildungsbereich, um den Staatshaushalt wieder auszugleichen (vgl. Baron, 2007, S. 684 f.; Häberlein et al., 2011, S. 49).

3.4.2 Ökologische Nachhaltigkeit von Foreign Direct Investment

Neben den ökonomischen Auswirkungen gibt es auch die ökologischen Auswirkungen von FDI auf ein Empfängerland, wobei festzuhalten bleibt, dass die ökonomische Nachhaltigkeit für Unternehmen im Wesentlichen sehr kompatibel zu ihrem primären „Oberziel“ der Gewinnmaximierung gesehen werden kann.

Das ökologische Ziel eines Unternehmens sollte hingegen die Erhaltung von ökologischen Ressourcen und damit die Sicherung der Umwelt und Natur für die nachfolgenden Generationen sein (vgl. Straube et al., 2013, S. 7). Dieses Ziel kann entweder den Unternehmen durch die Einhaltung von internationalen bzw. nationalen Gesetzen zum Umweltschutz auferlegt werden oder die Unternehmen setzen sich die Ziele auf freiwilliger Basis auf, um ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen. Dabei beginnt vereinfacht gesagt, die freiwillige Leistung von CSR dort, wo die Einhaltung von Gesetzen aufhört (vgl. Curbach, 2008, S. 61 f.; Münstermann, 2007, S. 15). Aufgrund von unterschiedlichen gesetzlichen Vorschriften in den Ländern besteht die Möglichkeit, dass die Umsetzung einer ökologischen Maßnahme in einem Land als freiwillig sind, während diese in einem anderen Land im Rahmen einer gesetzlichen Vorgabe zwingend zu erfüllen ist (vgl. Loew/Braun, 2006, S. 8).

Aufgrund des negativen Images, was den multinationalen Unternehmen bei FDI angelastet wird, beispielsweise durch Ausnutzung von niedrigen lokalen Umweltgesetzen oder nachlässigen Umweltkontrollen im Empfängerland (vgl. Güida, 2007, S. 135 f.), soll hier zunächst auf das Thema Umweltdumping eingegangen werden.

Umweltdumping:

Die schwache Regulierung in Entwicklungs- und Schwellenländern wird von den Unternehmen in aller Regel als Wettbewerbsvorteil gesehen, um die Kosten für die Verschmutzungskontrollen in den Industrieländern zu vermeiden (vgl. Jie, 2006, S. 229). Mit der zunehmenden Globalisierung gewinnt dieser Wettbewerbsvorteil immer mehr an Bedeutung und führt dazu, dass Unternehmen aus stark belastenden Industriezweigen ihre Produktion in Ländern mit niedrigen Umweltstandards verlagern, da die Transaktionskosten einer Verlagerung geringer sind als die Kostenbelastung durch die Einhaltung von Umweltgesetzen sowie Umweltauflagen (vgl. Cole/Elliott, 2005, S. 530; Weisensee, 2012, S. 68). Der Gedanke der Verlagerung von multinationalen Unternehmen wird auch dadurch begünstigt, dass durch die Globalisierung alle Länder gefordert sind, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Dies führt wiederum dazu, dass Entwicklungs- und Schwellenländer ihre Wettbewerbsfähigkeit mit dem Festhalten an niedrigen oder nicht ambitionierten Umweltauflagen und -gesetzen zu steigern versuchen (vgl. Koch, 2014, S. 102).

Die Verlagerung von multinationalen Unternehmen in Länder mit niedrigeren Umweltstandards ist auch unter dem sogenannten Begriff „Pollution-Haven-Hypothese“ bekannt (vgl. Cole/Elliott, 2005, S. 530; Ramstetter, 2011, S. 7 f.; Zeng/Eastin, 2011, S. 16 ff.). Aufgrund des ständigen globalen Wettbewerbsdrucks der Länder besteht daher die Befürchtung, dass die Länder gemäß der „Race-to-the-Bottom-Hypothese“ ihre nationalen Umweltstandards immer weiter nach unten „korrigieren“, um die Attraktivität für FDI zu steigern (vgl. Prakash/Potoski, 2006, S. 353; Weisensee, 2012, S. 69; Zeng/Eastin, 2011, S. 19 ff.).

Der Wettbewerb der FDI-Empfängerländer untereinander löst somit den negativen Effekt aus, dass FDI-Empfängerländer ihre Umweltstandards „sehr diplomatisch“ setzen müssen, um keine FDI Unternehmen zu vertreiben. Die FDI Unternehmen selbst müssen abwägen, inwieweit ihr oberstes Unternehmensziel Gewinnmaximierung durch ökologische Ziele beeinträchtigt werden. Eine Situation, in der die umweltverträglichste Technologie gleichzeitig die günstigste und produktivste Produktionsform darstellt, wird es schon allein aus dem Grunde nicht geben, da in diese Technologie erst einmal „investiert“ werden muss (vgl. Braun, 2003, S. 122 ff.). Unternehmen werden daher im ersten Schritt bestrebt sein die „Pflichtauflagen“ zu erfüllen und im weiteren versuchen die ökologischen Ziele zu verfolgen, die ihr Oberziel ggf. fördern können (vgl. Prammer, 2009, S. 196 f.).

Eine positive Auswirkung von FDI auf die ökologische Nachhaltigkeit eines Landes unterstellt hingegen die sogenannte „Pollution-Halo-Hypothese“. Diese Hypothese besagt, dass durch FDI und den damit verbundenen Transfer von Technologien wie zum Beispiel der Einsatz von umweltfreundlichen Technologien oder umweltorientierten Managementkonzepten, die ökologische Nachhaltigkeit gesteigert werden kann. Voraussetzung für diese Annahme ist, dass die neuen Technologien bereits höheren Umweltschutzanforderungen gerecht werden als die im Empfängerland eingesetzte Technologie (vgl. Asghari, 2013, S. 89; Weisensee, 2012, S. 72). Eine weitere positive Auswirkung von FDI auf die ökologische Nachhaltigkeit eines Landes ist die „Race-to-the-Top-Hypothese“, welche unterstellt, dass die positiven ökonomischen FDI-Auswirkungen auf ein Land mit einer Steigerung des Wohlstandes in der Bevölkerung einhergehen. Dies wiederum führt zu einer langfristigen Erhöhung der Anforderungen von Umweltschutzgesetzen und -auflagen (vgl. Nordström/Vaughan, 1999, S. 45).

Umweltmanagement:

Sofern an dem Ziel festgehalten wird, dass FDI einen positiven Beitrag für den Umweltschutz leisten soll, müssen die ökonomischen Unternehmensziele, um die ökologische Komponente erweitert werden. Diesem Bereich widmet sich das Umweltmanagement. Mögliche Zielkonflikte, zwischen der Erreichung von ökonomischen und ökologischen Zielen des Unternehmens, soll im Vorhinein wie folgt entgegengewirkt werden (vgl. Schierenbeck/Wöhle, 2012, S. 85):

1. Die ökologische Defensivstrategie:

In der ökologischen Defensivstrategie werden die ökologischen Ziele von den ökonomischen Zielen des Unternehmens dominiert. Folglich konzentriert sich das Unternehmen bei der ökologischen Zielsetzung auf die Einhaltung der Umweltauflagen und -gesetze des Empfängerlandes. Mit diesem Ansatz überträgt das Unternehmen die komplette Verantwortung der ökologischen Problemlösung auf den Staat (vgl. Schierenbeck/Wöhle, 2012, S. 86).

2. Die ökologische Offensivstrategie:

In der ökologischen Offensivstrategie gibt es zwei Varianten von möglichen Zielbeziehungen zwischen den ökonomischen und ökologischen Zielen. In der ersten Variante wird unterstellt, dass die ökonomischen Ziele von den ökologischen Zielen dominiert werden, so dass die ökonomischen Anforderungen die Funktion von Restriktionen einnehmen. In der zweiten weitverbreitere Variante der Komplementärstrategie werden Produkte und unternehmerische Leistungsprozesse unter Berücksichtigung von Umweltschutzmaßnahmen dahingehend transformiert, so dass ökonomische und ökologischen Ziele gleichzeitig erreicht werden können (vgl. Schierenbeck/Wöhle, 2012, S. 86 f.).

Hierzu müssen die Umweltprobleme mit den geeigneten Unternehmensinstrumenten frühzeitig erkannt werden, um dementsprechende Problemlösungen entwickeln zu können. Folglich liegt die Verantwortung der Problemlösung nicht allein beim Staat, sondern auch bei den Unternehmen selbst (vgl. Weisensee, 2012, S. 76). Nachfolgend werden einige Bereiche benannt, in denen sich durch eine Offensivstrategie das Umweltbewusstsein positiv ändern kann (vgl. Weisensee, 2012, S. 76 ff.):

- Maßnahmen zur Verringerung von Umweltbelastungen
- Integration des Umweltschutzes in die Unternehmensorganisation
- Personalwesen
- Wertschöpfungskette
- Umweltinformationssystem

Aufgrund von unterschiedlich starken Internationalisierungsgraden kann die Steuerung des Umweltmanagements diverse Formen annehmen. Beim zentralen Umweltmanagement werden von der Unternehmenszentrale für alle Produktionsstandorte global gleich hohe Umweltstandards angewendet. Alternativ besteht die Möglichkeit eines dezentralen Umweltmanagements, welches die Umweltmaßnahmen flexibel auf die Umweltanforderungen des jeweiligen Landes ausrichtet. Eine weitere Form ist ein global integriertes Umweltmanagement, welches sich auf die Einhaltung von Umweltauflagen und -gesetze konzentriert. Diese wird durch die Unternehmenszentrale kontrolliert und gesteuert. Bei global integrierten Umweltmanagement geht es nicht nur darum, das die Anforderungen der Unternehmenszentrale und der Umweltprogramme erfüllt werden, sondern auch die Anforderungen von Initiativen zu neuen Umweltschutzmaßnahmen sowie die Weiterentwicklung von umweltschonenden Technologien und umweltorientierten Managementkonzepten berücksichtigt werden. Die Wahl einer Umweltschutzstrategie in Verbindung mit einer Umweltmanagementform kann bei multinationalen Unternehmen unterschiedliche Kosten und Vorteile aufzeigen, je nachdem welcher Variante den Vorzug gegeben wird (vgl. Weisensee, 2012, S. 96).

3.4.3 Soziale Nachhaltigkeit von Foreign Direct Investment

FDI können nicht nur ökonomische und ökologische Auswirkungen auf ein Empfängerland haben, sondern auch soziale Auswirkungen sind beobachtbar, die sowohl positiv als auch negativ ausfallen können (u. a. Armutsbekämpfung, Verletzung von Menschenrechten). Das multinationale Unternehmen mit ihren FDI ihren Teil zur Bekämpfung der Armut durch die Schaffung von Arbeitsplätzen beigetragen haben, ist unbestritten (vgl. Amaro/Miles, 2006, S. 1; Hardtke/Kleinfeld, 2010, S. 103 f.; Höffe, 2010, S. 41). Oft wird jedoch den multinationalen Unternehmen hierbei angelastet, dass sie FDI nur aus Gründen der Ausnutzung von natürlichen Ressourcen, Kinderarbeit oder auch Lohnunterschiede tätigen würden (vgl. Debroux, 2006, S. 18; Straube et al., 2013, S. 8). Diese Investitionsgründe werden auch häufig durch eine korrupte Staatspolitik des Empfängerlandes unterstützt (vgl. Hardtke/Kleinfeld, 2010, S. 104). Als eines der größeren FDI-Länder, in welchem Korruption stark ausgeprägt ist, wäre beispielsweise Bangladesch zu nennen (vgl. Rahman et al., 2000, S. 15). Bei der Diskussion über die sozialen Auswirkungen von FDI werden oft die Arbeitsbedingungen im Empfängerland sowie die Menschenrechte kontrovers besprochen (vgl. Amnesty International, 2013, S. 39; PricewaterhouseCoopers, 2009, S. 16).

Sozialdumping:

Die Herabsetzung von Standards für die Arbeitsbedingungen ist ein weiterer Bestandteil der „Race-to-the-Bottom-Hypothese“[15]. Die Attraktivität des Empfänger-Standortes für die FDI wird durch die Herabsetzung von arbeits- und sozialrechtlichen Standards gesteigert (vgl. Amaro/Miles, 2006, S. 1 f.; Olney, 2013, S. 191), auch wenn dies die Unternehmen ungern zugeben würden. Als Paradebeispiel kann hier die Produktionsverlagerung von Nokia aufgeführt werden, das seine Handyproduktion zunächst von Deutschland nach Rumänien verlagerte, um dann die Handyproduktion letztendlich in China anzusiedeln und somit die Produktionskosten stark reduzieren zu können (vgl. Matthes et al., 2008, S. 42; Wietasch, 2012, S. 158). Die niedrigen arbeits- und sozialrechtlichen Standards sind der Nährboden von sogenannten Sweatshop-Produktionsstätten[16]. Die Mitarbeiter von Sweatshop-Produktions-stätten müssen eine hohe Arbeitszeitleistung unter gesundheitsgefährdenden Arbeitsbedingungen und schlechter Entlohnung leisten. Nike gehört(e) zu den Firmen, die mit der Ausnutzung von Sweatshop-Produktionsstätten in Asien negativ in die Schlagzeilen geraten ist (vgl. Knight, 2007, S. 305; Weiss, 2009, S. 479).

Arbeitsbedingungen und -rechte:

Um die oben aufgeführten Missstände (Verletzung der Menschenrechte, Ausbeutung von Menschen durch niedrige und sozialrechtliche Standards) beheben bzw. reduzieren zu können, muss ein wesentlicher Aufgabenbereich in der sozialen Dimension von FDI darin gesehen werden, besseren Arbeitsbedingungen zu schaffen. Der Fokus muss hierbei auf den Produktionsstätten liegen (vgl. Utting, 2003, S. 7 f.). So definierte die International Labour Organization (ILO) in ihrer Publikation „The ILO Declaration on Fundamental Principles and Rights at Work“ vier Grundprinzipen zur Ausgestaltung von gerechteren Arbeitsbedingungen. Diese sollten den Wettbewerb zur Attraktivitätssteigerung von FDI zulasten der Arbeitsbedingungen im jeweiligen Empfängerland eindämmen und bessere soziale Entwicklungsmöglichkeiten gewährleisten (vgl. Hardtke/Kleinfeld, 2010, S. 132 ff.; Vitols, 2011, S. 33):

- Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit
- Eliminierung von Zwangsarbeit
- Abschaffung von Kinderarbeit
- Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf

Des Weiteren müssen weitere Mindeststandards zum Beispiel in den Bereichen Arbeitsschutz, Gesundheitsfürsorge, Entlohnung und Arbeitszeit berücksichtigt werden, die nicht zu den vier Grundprinzipien der ILO gehören (vgl. PricewaterhouseCoopers, 2009, S. 26), jedoch diese sinnvoll ergänzen. Mit der Grundsatzerklärung über multinationale Unternehmen und Sozialpolitik zeigt die ILO und die OECD den multinationalen Unternehmen auf, welchen gesellschaftlichen Beitrag die Unternehmen freiwillig leisten können und auch sollten (vgl. Hardtke/Kleinfeld, 2010, S. 137 ff.; Internationales Arbeitsamt, 2006, S. 1 f.; Zimpelmann/Wassermann, 2012, S. 19 f.). Hierbei konzentriert sich die ILO u. a. auf die folgenden Bereiche:

- Beschäftigung, darunter fallen u. a. (vgl. Internationales Arbeitsamt, 2006, S. 5 f.):
- Förderung der Chancengleichheit und Gleichbehandlung
- Schaffung von Arbeitsplätzen
- Arbeits- und Lebensbedingungen, darunter fallen u. a. (vgl. Internationales Arbeitsamt, 2006, S. 8):
- Keine ungünstigeren Entlohnungen, Leistungen und Arbeitsbedingungen als bei vergleichbaren Arbeitgebern im Empfängerland
- Deckung der Grundbedürfnisse der Mitarbeiter und deren Angehörigen durch Entlohnung
- Arbeitsbeziehungen, darunter fallen u. a. (vgl. Internationales Arbeitsamt, 2006, S. 10 ff.):
- Recht auf Beschwerden des Arbeitsnehmers ohne die Befürchtung möglicher Konsequenzen vom Arbeitgeber
- Vereinigungsfreiheit und -recht für Mitarbeiter

Beim Anblick auf die Missstände hinsichtlich Verstößen gegen Arbeitsrechte in Entwicklungs- und Schwellenländern ist die Formulierung von Arbeitsrechten durch die ILO bedeutsam, um diesen Verstößen wirksam entgegenwirken zu können (vgl. PricewaterhouseCoopers, 2009, S. 28). Aus den Begriffen „Arbeitsbedingungen und -rechte“ können die wesentlichen Bedingungen und Rechte von Mitarbeitern abgeleitet werden, die in der folgenden Darstellung zusammengefasst wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Unterteilung der Arbeitsbedingungen[17]

Menschenrechte:

Ein weiterer Bestandteil der sozialen Dimensionen ist die Beachtung von Menschenrechten. Nach den OECD-Leitsätzen ist eine Verletzung der Menschenrechte u. a. in den folgenden Fällen gegeben (vgl. OECD, 2011, S. 36 ff.; PricewaterhouseCoopers, 2009, S. 30; UN Department for General Assembly and Conference Management German, 2009, S. 1 ff.):

- Lebensbedrohliche und/oder gesundheitsgefährdende Handlungen
- Menschenhandel
- Gewaltanwendung gegenüber Dritte sowie aktive Unterstützung zur Gewaltanwendung
- Handlungen mit dem Hintergrund zur Missachtung von kulturellen Selbstbestimmungsrechte und der kulturellen Würde Dritter

Unternehmensethik:

Die Unternehmensethik ist ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der sozialen Dimension und versucht die moralischen Normen unter der Bedingung der Wirtschaft in das Unternehmen zu implementieren. Die Überschneidung von Betriebswirtschaftslehre und Ethik kann zu unterschiedlichen Konflikten führen (vgl. Küpper/Schreck, 2009, S. 13). Zu nennen sind hier folgende Konstellationen:
- Konflikte innerhalb des Unternehmens
- Konflikte zwischen Unternehmen
- Konflikte zwischen Unternehmen und der Gesellschaft

Besonders der letzte Fall stellt die Unternehmensethik vor Herausforderungen. Als Beispiel können hier Umwelt- und Lebensmittelskandale genannt werden, die sich negativ auf die Gesellschaft auswirken (vgl. Rautenberg, 2007, S. 3). Die Gesellschaft sowie andere Stakeholder erwarten, dass die Unternehmen ein ethischen Geschäftsverhalten an den Tag legen und somit u.a. Korruption oder Kartellbildung unterlassen (vgl. Dietzfelbinger, 2008, S. 235 f.).

Hinsichtlich der sozialen Nachhaltigkeitskomponenten bleibt ähnlich wie bei der ökologischen Komponente festzuhalten, dass diese Ziele das oberste Unternehmensziel der Gewinnmaximierung eher negativ beeinträchtigen, da Verbesserungen/Investitionen in diese Bereiche den Gewinn des Unternehmens schmälern. Insbesondere fehlende bindende gesetzliche Rahmenbedingungen werden die Unternehmen kaum dazu veranlassen auf freiwilliger Basis mehr zu tun als erforderlich ist.

3.4.4 Kulturelle Nachhaltigkeit von Foreign Direct Investment

Die nationale Kultur eines Landes spiegelt die Werte einer Gesellschaft wider und bestimmt somit die Normen für das Verhalten im Empfängerland. Aufgrund von möglichen kulturellen Einflüssen auf die Unternehmensstrategie eines multinationalen Unternehmens wird die kulturelle Nachhaltigkeit daher als eine weitere Dimension von FDI berücksichtigt (vgl. Keinert, 2008, S. 117; Yeow, 2007, S. 181). So wird zum Beispiel in der japanischen Geschäftswelt nach den Werten Disziplin, Ehrlichkeit und Effizienz oder in der chinesischen Geschäftswelt nach den Werten Ehrlichkeit, Integrität und Respekt vor ethischen Werten gehandelt. In Asien können sich traditionelle Grundprinzipien, die aus philosophischen oder religiösen Lehren abgeleitet wurden, positiv auf die soziale Verantwortung auswirken (vgl. Debroux, 2009, S. 31). Die Tata Group aus Indien beispielsweise wurde unter den Grundprinzipien von Purusharthas[18] gegründet. Die Tata Group stellt das Interesse an einer gesellschaftlichen Verantwortung über das Interesse an einer kurzfristigen Gewinnerzielung (vgl. Bertelsmann Stiftung, 2007, S. 56; Capelli et al., 2010, S. 39 ff.). Da die Lehrtradition des Buddhismus, die zu Spenden an Bedürftige aufruft, in Asien weit verbreitet ist, hat die Philanthropie[19] eine große Bedeutung (vgl. Daiber, 2010, S. 203 ff.; Kruth, 2008, S. 31 ff.; Nishijima/Seggelke, 2014, S. 164 f.).

Ob in Asien die von Konfuzius geprägte Wertewelt bei zunehmender Globalisierung und dem damit verbundenen Anstieg von FDI noch der maßgebliche Treiber ist, wird von Meyer angezweifelt (vgl. Meyer, 2005, S. 455 ff.). Der jahrelange Gedanke eines Zusammenhangs zwischen konfuzianischen Werten und hohem Wirtschaftswachstum wird in letzter Zeit oft in Frage gestellt, indem es z. B. in Japan immer mehr zu einem Wertewandel in der Gesellschaft kommt (vgl. Rothlauf, 2009, S. 118). Die nachfolgende Abbildung stellt die traditionellen Werte den heutigen Werten in Japan gegenüber:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Wertewandel in Japan[20]

Im Hinblick auf den Untersuchungsraum Vietnam in Kapitel 4 werden folgende Bestandteile der kulturellen Dimension von FDI zugeordnet, welche in Südostasien von besonderer Bedeutung sind (vgl. LaBorde, 1996, o. S.):

- Religion
- Kollektivdenken und Rolle der Familie
- Traditionelle Gebräuche

Im Kapitel 4 wird auch der Frage nachgegangen, ob die kulturelle Nachhaltigkeit messbar gemacht werden kann und welchen Einfluss diese auf die Unternehmensstrategie besitzt.

3.4.5 Globale Nachhaltigkeitsstandards

Bereits mit der Formulierung von internationalen Sozialstandards für das Arbeitsrecht durch die ILO oder die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen wurden erste Grundsteine gelegt, die in Unterkapitel 3.4.3 kurz erläutert wurden.

Als weitere ausgewählte internationale Richtlinien und Standards können auch

- die Prinzipien des Global Compact,
- die Berichterstattung nach der Global Reporting Initiative (GRI) oder
- Social Accountability Standards

angesehen werden, welche bei Einhaltung einen Beitrag zur Nachhaltigkeit in den ökologischen und sozialen Dimensionen beisteuern können (vgl. Hardtke/Kleinfeld, 2010, S. 48 ff.; Hentze/Thies, 2012, S. 94 f.; Wieland, 2012, S. 35).

Der Global Compact ist eine strategische Initiative für Unternehmen, die sich freiwillig verpflichten, ihre Geschäftstätigkeiten und Strategien entlang den zehn anerkannten Prinzipien aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsnormen, Umweltschutz und Korruptionsbekämpfung zu orientieren (vgl. UN Global Compact, 2013, o. S.). Die zehn Nachhaltigkeitsprinzipien wurden aus der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die Grundsatzerklärung über multinationale Unternehmen und Sozialpolitik der ILO sowie der Erklärung von Rio[21] zu Umwelt und Entwicklung abgeleitet. Dabei unterstützt der Global Compact die Unternehmen mit einer Lern- und Dialogplattform bei ihrer Entwicklung und Einführung von nachhaltigen Geschäftsmodellen.

Der Fortschritt, den die Unternehmen in der schrittweisen Umsetzung der Nachhaltigkeitsprinzipien bei der Entwicklung und Einführung von nachhaltigen Geschäftsmodellen gemacht haben, muss jährlich der Global Compact berichtet werden (vgl. Deutsches Global Compact Netzwerk, 2012, S. 3 f.; Hentze/Thies, 2012, S. 95 ff.; Vitols, 2011, S. 44 f.).

Mit der zunehmenden Bedeutung von CSR rückt auch die Nachhaltigkeitsberichterstattung immer mehr in den Vordergrund (vgl. Vitols, 2011, S. 47). Die Nachhaltigkeitsberichterstattung sorgt für Transparenz und informiert die internen sowie externen Stakeholder über die unternehmerischen Maßnahmen, die die Ziele einer nachhaltigen Entwicklung sicherstellen sollen. Die Nachhaltigkeitsberichterstattung nach GRI dient als allgemeiner Rahmen für die Berichterstattung von ökonomischen, ökologischen und sozialen Maßnahmen. Hierzu erstellte die GRI erstmals im Jahre 1999 einen Leitfaden, indem aufgezeigt wird, nach welchen Prinzipien und welche inhaltlichen Themenschwerpunkte berichtet werden sollte. Die Berichterstattung kann jährlich als Nachhaltigkeitsbericht oder im Zusammenhang mit dem Jahresabschluss erfolgen und ist freiwillig (vgl. Global Reporting Initiative, 2006, S. 2 f.; König, 2013, S. 81 f.).

Während der Global Compact und die GRI internationale Richtlinien entwickeln, erarbeitet die Social Accountability International Standards (vgl. Hardtke/Kleinfeld, 2010, S. 82 ff.). Für eine nachhaltige Unternehmensführung entwickelte die Social Accountability International im Jahr 1997 den ersten international gültigen und zertifizierten Standard mit der Bezeichnung Social Accountability 8000 (SA8000) (vgl. Goedhuys/Sleuwaegen, 2013, S. 88). Um die Zertifizierung des SA8000 zu erhalten, muss ein Unternehmen u. a. folgende Anforderungen einhalten (vgl. Social Accountability International, 2013, S. 1-133):

- Nichtdiskriminierung jeglicher Form
- Verbot von Kinderarbeit
- Existenzsichernde Entlohnung
- Verbot von Zwangsarbeit

Hierbei können sich das Unternehmen als Ganzes oder nur einzelne Unternehmenseinheiten des Unternehmens sowie die Betriebsstätten der Lieferkette zertifizieren lassen (vgl. Vitols, 2011, S. 56).

[...]


[1] Unter UNCTAD (United Nations Conference on Trade and Development) wird eine Organisation zur Förderung des Handels mit unterschiedlichen Entwicklungszuständen verstanden (vgl. Joyner, 1997, S. 243).

[2] ASEAN (Association of Southeast Asian Nations) ist eine internationale Organisation mit den Mitgliedsstaaten Brunei, Kambodscha, Indonesien, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam (vgl. Freistein, 2012, S. 60 f.).

[3] Die WTO (World Trade Organization) ist eine internationale Organisation, die sich mit der Regelung von Handels- und Wirtschaftsbeziehungen beschäftigt (vgl. Krishna Rao, 2005, S. 1).

[4] Die OECD ist eine Organisation aus derzeit 34 Mitgliedsländer mit dem Ziel der Koordination der Wirtschafts-, Handels- und Entwicklungspolitik der Mitgliedsländer. Darüber hinaus berät die OECD Regierungen und erstellt wirtschaftspolitische Leitlinien und Statistiken (vgl. OECD, 2008, S. 2).

[5] Siehe Unterkapitel 2.3.

[6] Die Europäische Kommission ist ein Exekutivorgan der Europäischen Union (EU) und vertritt die Interessen der gesamten EU (vgl. Gravenkamp/Spier, o. J., S. 4 f.).

[7] Unter multinationale Unternehmen werden international tätige Unternehmen verstanden, die ihren Hauptsitz in einem Land haben und mindestens eine Tochtergesellschaft im Ausland besitzen. Somit kontrollieren multinationale Unternehmen ihre Produktionsfaktoren in zwei oder mehr Ländern (vgl. Schulte-Mattler, 1988, S. 7 f.). Im Laufe der Arbeit wird der Begriff multinationale Unternehmen und Unternehmen synonym verwendet.

[8] Quelle: Eigene Darstellung (in Anlehnung an Hentze, 2013, S. 47).

[9] Unter Produktspezialisierung wird die Abdeckung mehrerer Märkte durch ein Produkt verstanden, indem es einheitlich oder differenziert vermarktet wird. Als Beispiel kann ein Bauunternehmen verstanden werden, welches sich auf den Straßenbau konzentriert (vgl. Bruhn/Zimmermann, 2001, S. 559; Pepels, 2007, S. 54).

[10] Siehe Transaktionskostentheorie in dieser Arbeit, die in der Wissenschaft auch als Internalisierungstheorie bekannt ist (vgl. Strietzel, 2005, S. 110).

[11] Unter geistigem Eigentum werden u. a. Management-Methoden oder auch Produktionsverfahren verstanden (vgl. Scheuss, 2007, S. 44).

[12] Unter Stakeholdern werden Anspruchsgruppen verstanden, die direkt oder indirekt von den Handlungen eines Unternehmen betroffen sind (vgl. Wentges, 2002, S. 91).

[13] Siehe Definition im Unterkapitel 2.2.

[14] Quelle: Eigene Darstellung.

[15] Die ersten Bestandteile der „Race-to-the-Bottom-Hypothese“ wurden bereits in Unterkapitel 3.4.2 erläutert.

[16] Unter Sweatshops werden Produktionsstätten mit miserablen Arbeitsbedingungen verstanden (vgl. Bender/Greenwald, 2003, S. 2 f.).

[17] Quelle: Eigene Darstellung (in Anlehnung an Internationales Arbeitsamt, 2006, S. 1-26).

[18] Die Purusharthas beschreibt die Harmonie von vier Lebenszielen: Vergnügen, Macht und Wohlstand, Tugend sowie Erlösung und spirituelle Transzendenz. Die Anerkennung dieser vier Lebensziele wird als positiv empfunden (vgl. Schubert, 2012, S. 195).

[19] Unter Philanthropie wird das freiwillige, und nicht gewinnorientierte Geben von Zeit und Wertgegenständen (Geld, Sachgüter) verstanden (vgl. Fundraising Akademie, 2008, S. 91 f.).

[20] Quelle: Eigene Darstellung (in Anlehnung an Rothlauf, 2009, S. 118).

[21] Die Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung hat im Jahr 1992 in Rio de Janeiro eine Erklärung mit 27 Grundsätzen verabschiedet, um den Schutz der Umwelt und eine nachhaltige Entwicklung zu gewährleisten (vgl. United Nations, 1992, S. 1 f.).

Details

Seiten
142
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668027046
ISBN (Buch)
9783668027053
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v304146
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal – Lehrstuhl für Unternehmensgründung und Wirtschaftsentwicklung & UNESCO-Lehrstuhl für Entrepreneurship und Interkulturelles Management
Note
1,3
Schlagworte
Foreign Direct Investment FDI Direktinvestitionen Nachhaltigkeit Vietnam Balanced Scorecard Sustainability CSR Corporate Social Responsibility

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Titel: Foreign Direct Investment in Vietnam. Die Integration von nachhaltigen Einflussfaktoren in die Markteintrittsstrategie