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Das weibliche Schönheitsideal in Christian Hoffmann von Hoffmannswaldaus „Vergänglichkeit der Schönheit“ im Vergleich zum Schönheitsideal in der antiken Dichtung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 19 Seiten

Literaturwissenschaft - Vergleichende Literaturwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Schönheit in der Antike und im Barock
2.1.Beurteilung des Schönheitsbegriffes in der Antike
2.2. Darstellung und Interpretation von weiblicher Schönheit in C. Hoffmann von Hoffmannswaldaus Sonett „Vergänglichkeit der Schönheit“
2.3. Der Vergleich zwischen C.H. von Hoffmannswaldaus Be- griff der „Schönheit“ und dem Verständnis von Schönheit in der Antike

3. Schluss

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einführung

Die vorliegende Hausarbeit resultiert aus dem Proseminar „Die Schönheit der Welt und ihre Dichter“, welches im vergangenen Sommersemester stattgefunden und einen Überblick über die Interpretation von Schönheit verschiedener Dichter des 17. und 18. Jahrhunderts gegeben hat. Von Dichtern angefangen bei Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau, über Paul Gerhardt, Barthold Heinrich Brockes und Johann Joachim Winkelmann, bis hin zu Friedrich Schiller, Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Hölderlin, wurden in diesem Seminar vor allem Fragestellungen diskutiert wie: „Was ist Schönheit?“ und „Wie wird Schönheit in den vorliegenden Gedichten be- handelt?“ Aber auch die zeitgeschichtlichen Hintergründe und das damalige Gedankengut des Barock und der Aufklärung wurden im Seminar besprochen und so- dann mit den Gedichten in Zusammenhang gebracht. Die Frage nach der „Schönheit der Welt und ihre Dichter“ zu beantworten fiel häufig nicht leicht, denn das Wort „Schön- heit“ findet in einer solchen Vielfalt Verwendung. In der heutigen Zeit des 21. Jahrhun- derts wird „schön“ mit Adjektiven wie „anmutig“, „hübsch“ oder „erhaben“ und „prächtig“ gleichgesetzt. Die Gesellschaft bezieht sich somit auf all jene Dinge die dem Individuum gefallen. „Schönheit“ kann sich auf Gegenstände oder Menschen beziehen, die dem Betrachter als ästhetisch erscheinen. Aber auch sobald Geschriebenes oder Gesagtes den Menschen anspricht, können diese als „schön“ empfunden werden. Der Begriff der „Schönheit“ lässt sich demzufolge nicht eindeutig bestimmen oder genau definieren, denn „schön sein“ liegt im Auge des Betrachters, da persönliche Präferenzen sich individuell von Mensch zu Mensch unterscheiden und demgemäß eine große Deu- tungsspannweite des Wortes „Schönheit“ entsteht.

Doch nicht nur zwischen den einzelnen Individuen herrscht eine unter- schiedliche Wahrnehmung von Schönheit. Der Zeitgeist jeder geschichtlichen und liter- arischen Epoche definiert „Schönheit“ noch einmal übergeordnet differenziert, drückt dies vor allem durch ihr äußeres Erscheinungsbild aus und adaptiert das vorherrschende Schönheitsideal sowohl in ihrem künstlerischen Schaffen als auch in ihrer literarischen Form. Folglich ist Schönheit nichts Absolutes, Abgeschlossenes oder Unveränderliches, sondern jede historische und literarische Epoche, ebenso wie jedes Land, zeigt ein an- deres Gesicht der Schönheit - entweder entwickelt sie ein gänzlich neues, greift vorherige Vorstellungen auf und verändert diese, oder kehrt zu bereits dagewesene Vor- bilder zurück.

In dieser Arbeit sollen die eingangs gestellten Fragen unter Berücksichtigung der historischen Betrachtungsweise von Schönheit in Zusammenhang gebracht werden. Der Schwerpunkt wird hierbei zum einen auf die Darstellung von Schönheit in der Antike und auf die des barocken Dichters Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau gelegt und miteinander verglichen. Ein solcher Vergleich liegt deshalb nahe, da Hoffmanswal- dau seine Vorbilder zwar meist im Frühbarock fand, sein Gedicht aber zugleich auch Aspekte des antiken Gedankengutes beinhaltet. Um einen differenzierten Einblick in die Bedeutung von „Schönheit“ der Antike zu bekommen, orientiere ich mich an antiken Kunstwerken und zeitgenössischen, berühmten, griechischen Philosophen und Dichtern, wie beispielsweise Homer und Planton. Sobald hier ein klares Bild über antike Schön- heit geschaffen wurde, wendet sich diese Arbeit dem Gedanken über „Schönheit“ in Christian Hoffmann von Hoffmannswaldaus Gedicht „Vergänglichkeit der Schönheit“ zu. In diesem Kapitel werden vor allem sprachliche Besonderheiten analysiert und die Interpretation des Gedichts in einen Zusammenhang mit dem barocken Zeitgeist ge- bracht. Im nächsten Schritt wird sodann der Schönheitsbegriff bei von Hoffmannswal- dau mit dem, der Antike verglichen und einander gegenüber gestellt. Dabei soll diese Arbeit die äußere Form des Gedichts und die antike Dichtkunst außen vorlassen und weitestgehend auf einen inhaltlichen Vergleich spezialisieren.

2. „Schönheit“ in der Antike und im Barock

2.1. Beurteilung des Schönheitsbegriffes in der Antike

In der frühgriechischen Dichtung ist die Körperlichkeit von Frauen, jedoch vor allem die von Männern, bereits ein Thema der literarischen Kunst. In den homerischen Epen „Odyssee“ und „Ilias“, wird die äußerliche Wahrnehmung weiblicher Schönheit fast ausschließlich von Männern thematisiert.1 In der „Odyssee“ wird Penelopes Schön- heit durch ihren Gatten Odysseus oder durch die Freier thematisiert. In der „Ilias“ wird erzählt, dass die Göttin der Zwietracht einen goldenen Apfel mit der Aufschrift „Für die Schönste“ unter die Göttinnen Athene, Hera und Aperitife warf. Diese stritten sich um den Apfel und Göttervater Zeus beschloss das Urteil in die Hand des schönen Prinzen Paris von Troja zu geben. Paris aber war bestechlich: Athene versprach ihm Weisheit, Hera Macht und Aphrodite die schönste Frau der Welt und so entschied er sich der Bestechung Aphrodite nachzugeben und ihm wurde die schöne Helena versprochen. Da Helena aber bereits mit Spartas König verheiratet war, entführte Paris die Schöne kurz- erhand und verursachte auf Grund von deren Schönheit den Trojanischen Krieg.2 In der „Ilias“ wird somit ebenfalls Helenas Äußeres durch Männer wie Paris oder den trois- chen ältesten thematisiert. An diesem Beispiel ist sehr gut dargestellt, dass Schönheit in der antiken Mythologie bereits eine große Rolle spielt. Doch eine genaue Definition von Helenas Schönheit findet man bei Homer nicht. Es ist nicht bekannt, ob Helena äußer- lich oder innerlich schön war. Er erzählt in seinem Werk nur, dass Helena „die edle der Fraun“3 war.

Obgleich der Anspielungen auf körperliche Schönheit bei Frauen und Männern „zeigen die homerischen Texte kein bewußtes Verständnis von Schönheit.“4 Des Weit- eren bezeichnet Homer all jene Dinge als schön, die ihre Funktionalität erfüllen. Ein muskulöser und siegreich kämpfender Held ist deshalb schön, weil er unbesiegbar ist und somit seine Aufgabe und Bedeutung im Kampf erfüllt. Homer nennt noch weitere funktionelle Eigenschaften, die einen Menschen schön machen, wie die Geistige und die Fortpflanzungsfähigkeit. Doch die vollkommenste Funktion tritt ein, wenn der Mensch sich durch all die genannten Funktionen rühmt, um das optimale Gut anzustreben - nämlich um das, der Zurschaustellung. Laut Homer wird der Mensch anhand dieser At- tribute und auf die Grundstrukturen des Seins bezogen, als „schön“ betrachtet.5

Doch diese rationalistische Prägung macht den antiken Schönheitsbegriff auch wandelbar, wenn man die verschiedenen Künste in der Antike in Betracht zieht. „Kalós“ ist das griechische Wort für „schön“. Gemeint ist hierbei alles, was dem Menschen gefällt, Bewunderung hervorruft und den Blick auf sich zieht, denn das Schöne stellt durch seine Optik die menschlichen Sinne - vor allem das Auge - zufrieden. Schönheit bezieht sich weiterhin auf unterschiedliche Bereiche. So können sowohl natürliche Gegenstände also auch Körper und Geist schön sein. Es könnte auch gesagt werden, Schönheit existiere in der sinnlich wahrnehmbaren Kunst. In der Dichtkunst beispiel- sweise wird die „Schönheit“ mit der Begeisterung der Zuhörer gleichgesetzt und in der Kunst der Rhetorik mit dem richtigen Rhythmus. In der Bildhauerkunst ist „Schönheit“ das Verhältnis der Maße und die Symmetrie der Teile.6 Harmonisch und ausgewogen sollten demnach die Körperformen in der Antike sein. Die Statue der Venus von Milo galt als das Schönheitsideal der Antike. Sie hat- te kleine feste Brüste und ein kräftiges Becken.7 Der ideale Körper sollte demnach also weder zu dünn noch zu dick sein, denn ein zu dicker Bauch wurde als Symbol der Verweichlichung verstanden. Mit dieser Präferenz war allerdings nicht gemeint, dass Menschen in der Antike gertenschlank sein mussten. Einige Fettpolster waren erlaubt, denn in einem gewissen und angemessenen Maß deutete dies auf Wohlstand hin. Da die Antike von der römischen und der griechis- chen Kultur geprägt wurde, musste weiterhin die Haut eines idealen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Venus von Milo

Quelle: Eco 2.16.

Frauenbildes sehr hell sein.8 Schönheit existierte im damaligen Verständnis letzten En- des auch im Bereich der seelischen Tugend oder dem des wissenschaftlich Geistigen. Und Menschen begannen sich mit dem Thema „Schönheit“ auseinanderzusetzen. Auf Grund mangelnder Quellenlage ist es jedoch schwierig zu sagen, ob die Menschen in der Antike den Tod und das damit einhergehende Schwinden der eigenen Schönheit im Alterungsprozess fürchteten. Allerdings gibt es den einen oder anderen frühgriechischen Dichter, der die Vergänglichkeit von Schönheit in seiner Lyrik thematisiert. Bei Gedichten des Mimneros beispielsweise setzt erotische Körperlichkeit mit der Jugend gleich. Je älter der Mensch wird, desto mehr schwindet dessen sexuelle Anziehungskraft beziehungsweise dessen Attraktivität und es entsteht eine gewisse Angst vorm Altern. Er betont somit den Wert der schönen Jugend für Männer und Frauen.9 Anhand der in diesem Kapitel geschaffenen Grundlage, kann von einem ersten Verständnis von Schönheit gesprochen werden. Doch bis zu diesem Zeitpunkt ist sie meist an die ver- schiedenen Künste gebunden und hat keinen einheitlichen Stellenwert.

Grundlegend aber nimmt die Debatte über „Schönheit“ ihren Ausgang in der Philosophie Platons. Schönheit war nicht nur eine ästhetische Betrachtungsweise, son- dern auch ein Grundbegriff der Ethik. Platon ist einer der wichtigsten antiken Denker der Philosophie. „Die platonische Tradition begreift das Schöne metaphysisch als den vorschiebenden Glanz des Göttlichen bzw. der Ideen. Sinnliche Schönheit ist nur ein Abglanz der absoluten Schönheit.“10 In seinem Werk „Symposion“ dreht sich alles um die Ideen der Liebe und Schönheit. „Platon lässt in seinem Dialog Hippies Sokrates fra- gen, was das Schöne sei. So gebe es viele schöne Dinge, doch wodurch sie sich aus- zeichnen […].“11 Verschiedene Sprecher halten in Platons Werk eine Rede über den „Eros“, ein Mittleres zwischen dem Hässlichen und Schönen, dessen Ziel die Geburt und das Hervorbringen von geistiger und körperlicher Schönheit ist. Doch zugleich stat- tet „Eros“ die Menschen mit der Begierde nach der Unsterblichkeit aus, die sich im menschlichen Verhalten durch das Bemühen um Ruhm und Ehre, durch die Liebe von einem schönen Körper und durch das Schauen auf das ewig Schöne äußert. So beginne der Weg zu Erkenntnis der Idee des Schönen damit, dass der Mensch sich bereits während der Jugend nur schönen Körpern liebend zuwenden solle.

[...]


1 vgl. Frank Stahnisch und Florian Steger (Hg,): Medizin Geschichte und Geschlecht. Körperhistorische Rekonstruktionen von Identität und Differenzen. In: Geschichte und Philosophie der Medizin / History and Philosophy of Medicine. Bnd. 1. 1,Auflage 2005. Franz Steiner Verlag, 2005

2 vgl. Fokus: „Der Trojanische Krieg wurde durch den Streit um Helena ausgelöst“. <http://www.fo- cus.de/wissen/mensch/archaeologie/troja/tid-11556/archaeologie-der-trojanische-krieg-wurde-durch-den-streit-um-helena-ausgeloest_aid_326371.html>, aufgerufen am 25.10.2014.

3 Homer: „Ilia“. 3. Gesang, V. 172. <http://www.digbib.org/Homer_8JHvChr/De_Ilias?k=Dritter +Gesang>, aufgerufen am 25.10.2014.

4 Eco, Umberto: Die Geschichte der Schönheit. München/Wien 2004, S.39.

5 vgl. Hergovich, Andreas: Psychologie der Schönheit. Physische Attraktivität aus wissenschaftlicher Per- spektive. Wien: WUV-Universitätsverlag 2002, S.16-17

6 vgl. Eco, Umberto: Die Geschichte der Schönheit. München/Wien 2004, S.39.

7 vgl. Musée du Louvre: Work. Aphrodite, known as the "Venus de Milo“. <http://www.louvre.fr/en/ oeuvre-notices/aphrodite-known-venus-de-milo>, aufgerufen am 26.10.2014.

8 vgl. Schwitzke, Barbara: Schönheitsideale im Wandel der Zeit. <http://www.gestaltung.hs- mannheim.de/designwiki/files/2523/barbaraschwitzke.pdf>, aufgerufen am 25.10.2014.

9 vgl. Stahnisch Frank, Steger, Florian (Hg.): Medizin, Geschichte und Geschlecht: körperhistorische Rekonstruktionen von Identitäten und Differenzen. In: Medizingeschichte: Geschichte der Philosophischen Medizin, Bnd.1. Stuttgart: Franz Steiner Verlag 2005, S. 35.

10 Hergovich, Andreas: Psychologie der Schönheit. Physische Attraktivität aus wissenschaftlicher Perspek- tive. Wien: WUV-Universitätsverlag 2002, S.15.

11 ebds. S. 15.

Details

Seiten
19
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668024687
ISBN (Buch)
9783668024694
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v304107
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Deutsche Literaturwissenschaft
Note
2,3
Schlagworte
schönheitsideal christian hoffmann hoffmannswaldaus vergänglichkeit schönheit vergleich dichtung weibliche Antike

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