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Gattungskonventionen und Strukturelemente im Kriminalroman. Eine Analyse von Agatha Christies „Alibi“

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 29 Seiten

Germanistik - Gattungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung
1.1 Fragestellung und Bearbeitungskontext

2. Untersuchungsgegenstand und Forschungskontext
2.1. Kriminalroman
2.1.1 Thriller/Reißer
2.1.2 Detektivroman
2.1.3 Forschungshistorie und Popularität
2.2 Elemente und Strukturen des Idealtypischen Detektivromans
2.2.1 Inhaltliche Elemente der Handlung und deren Struktur
2.2.2 Variable und konstante Elemente des Detektivromans ..

3. Die Regeln des Kriminalromans - Gattungskonventionen
3.1 Ronald Knox - Detective Story Decalogue
3.2 Regelwerk des S.S. Van Dine - 20 Rules for writing detective stories
3.3 Kommentar, Wertung und Einfluss der Gattungskonventionen
3.4 Fazit

4. Anhang
4.1 Literaturverzeichnis
4.2 Ronald Knox 10 Commandements
4.3 S.S. Van Dine - 20 Rules for writing detective stories

1. Einleitung

1.1 Fragestellung und Bearbeitungskontext

In der vorliegenden Hausarbeit werde ich mich, im Rahmen des Seminars „ Der Täter als Ermittler “ im Modul 9: „Themen und Motive“ , mit dem Thema „ Regeln des Kriminalromans “ und den gattungsrelevanten Strukturelementen beschäftigen und diese anhand des Buches „ Alibi “ von Agatha Christie konkretisieren. Das Motiv des „Täters als Ermittler“ zieht sich wie ein roter Faden durch die Chroniken der Literaturgeschichte, wobei es in den meisten Fällen situativ modifiziert und zeitgemäß angepasst wurde. In der Gattung der Kriminalliteratur, genauer gesagt der Untergattung der Detektivromane, ist es jedoch ein absolutes Novum gewesen den Ermittler oder seinen Helfer und die Rolle des Mörders in einer Person zu vereinen. Solche Neuheiten können den Leser erschüttern und es erschweren die Ermittlung des Täters nach rationalen Maßstäben zu vollziehen. Viele Leser präferieren diese Gattung, weil sie eine simple Unterhaltung suchen, andere hingegen, weil sie den Wetteifer mit dem Detektiv als Ausgleich zu ihrem Alltag verstehen und die Partizipation am Ermittlungsgang schätzen. Letztere werden über die Wendung des Romans sicherlich überrascht gewesen sein. Darüber hinaus gibt es, wie in jeder literarischen Gattung, einige mehr oder minder konstante Elemente, welche in diesem konkreten Gattungskontext der Dreiklang aus Verbrechen, Fahndung und der Festnahme sind. Situativ werden diese Strukturelemente von diversen stark veränderbaren Elementen wie dem Mordmotiv, dem Personenkreises und der Lokalität begleitet. Tendenziell teilen jedoch all diese Konstanten und auch Variablen die Besonderheit in Form eines Stoffes oder Motivs durch Modifikation oder Adaption, unzählige Male wiederverwendet werden zu können. Unweigerlich kommt es deshalb bei der enormen Mannigfaltigkeit der Gattung auch zu Redundanz oder Formen des geistigen Plagiats. Doch wie gewährleistet man Gerechtigkeit innerhalb eines Genres, das zwischenzeitig wie kaum ein anderes kommerziell ausgeschlachtet wurde? Außerdem stellte sich die Frage, wie ein gewisser Standard hinsichtlich des Niveaus konserviert werden konnte, als immer mehr Autoren auf den Markt drängten und versuchten ihre Ideen zu publizieren. Auf eine automatische Selbstregulation seitens der Schriftsteller oder des Marktes war nicht zwingend zu hoffen. Allenfalls war ein Gelingen also durch Reglementierungen und Konventionen einschlägig geschätzter Persönlichkeiten des Fachbereiches möglich. Als vermeintlich logische Konsequenz dessen, erließen die durchaus prominenten Schriftsteller, allen voran R. A. Knox, die „Z ehn Regeln des fairen Kriminalromans “, welche im Original „ The Detective Story Decalogue “ genannt wurden.

Die vorliegende Hausarbeit soll einen Überblick über die Regeln der Gattung und deren häufigste Strukturelemente liefern und zudem beantworten, inwiefern innerhalb des Buches Regelverstöße vorliegen oder nicht. Aus literaturwissenschaftlicher Perspektive ist diese Fragestellung von besonderer Relevanz, weil anhand ihrer Antwort der Sinn und Zweck solcher gattungsspezifischen und konstituierenden Reglementierungen beurteilt werden kann. Letztlich wird der Versuch unternommen, die Intention hinter dem Vorgehen Agatha Christies zu hinterfragen und potenzielle Effekte dessen zu benennen. Schließlich wäre es denkbar, dass eine Korrelation zwischen den gattungsspezifischen Neuheiten in Alibi und dem immensen Erfolg des Buches besteht.

Abschließend muss sich neben den Fragen über die Funktionalität der Regeln vielmehr die Frage nach der Notwendigkeit solcher Gattungsnormen gestellt werden und danach, ob diese nicht eher hinderlich als hilfreich sind.

2. Untersuchungsgegenstand und Forschungskontext

2.1. Kriminalroman

Wenn man die Absicht hegt eine Hausarbeit über diese Thematik zu verfassen, so ist es vor allem wichtig eine begriffliche Abgrenzung durch klare und differenzierte Definitionen vorzunehmen. Diese Notwendigkeit resultiert vor allem aus der teilweise terminologisch sehr schwammigen, missbräuchlichen und synonymen Verwendung der Begriffe Kriminalroman, Detektivroman und Rätselgeschichte. Dies ist ein Problem der Literaturwissenschaft und der Philologien im Gesamten, da es zum einen immer Ausnahmen gibt, welche schwer durch Definitionen greifbar gemacht werden können, und zum anderen immer Wissenschaftler gibt, denen mit den Definitionen nicht genüge getan ist. Da wir im Fall des Kriminalromans wohl vermutlich von der „ verbreitetsten Literaturform des 20. Jahrhunderts[1] sprechen, welche sich ihrerseits aus einigen partiellen Untergattungen zusammensetzt und in diversen Sprachen vertreten wird, ist es kaum weiter verwunderlich, dass bislang keine einheitliche und ganzheitlich akzeptierte Definition der Begriffe vorliegt, welche die Bedürfnisse aller verschiedenen Literaturwissenschaften vereint. Die Kriminalliteratur beschäftigt sich, so ist man sich einig, mit Verbrechen, deren Aufklärung und eventuell auch mit deren Konsequenzen und Motiven. Die Vorgehensweisen bei der Täterermittlung und Verbrechensaufdeckung sind jedoch situativ sehr spezifisch, sodass sie sich als formales Unterscheidungskriterium eignen. Erst durch die genauere Betrachtung und Analyse des Vorgehens kann dann eine weitere Differenzierung vorgenommen werden. Der Begriff der Kriminalliteratur (Kriminalroman, Kriminalerzählung) wird deshalb heute bloß noch als Oberbegriff verwendet.[2]

Diesem Terminus untergeordnet wird häufig von einer Unterteilung in „zwei polare Stränge“ gesprochen, welche sich sowohl ähneln können als auch durch „ formale oder inhaltliche Kriterien“ unterscheiden lassen. Insgesamt sind diese aber einem Gattungskontext zugehörig.[3] Gemeint sind der Detektivroman und der Reißer, oder auch Thriller genannt, welche nachfolgend genauer betrachtet und voneinander abgegrenzt werden. Generell gebe ich zu Bedenken, dass die terminologischen Feinheiten auch stark von der Sprache, in der sie verfasst werden, abhängig sind. Die Anglistik setzt hinsichtlich der begrifflichen Abgrenzung und Forschungsbeiträge definitiv andere Schwerpunkte als die Germanistik. Vor allem Erstere hat, bezüglich der Forschung in diesem Metier, Beiträge von hoher Relevanz geleistet, welche jedoch aus Gründen des Umfangs hier kaum Beachtung finden können.

2.1.1 Thriller / Reißer

Der Thriller, oder auf Deutsch auch Reißer genannt, lässt sich aus gattungsspezifischer Perspektive klar vom Detektivroman abgrenzen. Folgt man den Einträgen einschlägiger Lexika, so führt einen der Begriff Reißer oder Thriller üblicherweise zum Begriff der Unterhaltungsliteratur. Dem Reißer, welcher an sich schon eine eher negative Konnotation trägt, wird nachgesagt, er versuche durch die „ bewusste Anwendung unk ü nstlerischer Mittel (Kitsch, Spannung, Schwarz-Weiß- Malerei, Sentimentalität) das unbedingte Interesse weiterer Lesekreise zu erregen [ … ] der Geschmackslage eines doch nicht gerade literarisch wertenden Publikums zu entsprechen[4]. Unter Berücksichtigung dessen scheint Einigkeit hinsichtlich der Aussage zu bestehen, dass mit dem Begriff ein Roman gemeint ist, welcher „ Spannung erzeugt[5], und dass diese als Form der Trivialliteratur zu bezeichnen ist. Sofern ein eng definierter Literaturbegriff favorisiert wird, soll diese der Anschauung zu Folge, der leichten Unterhaltung dienen und keinen nennenswerten literarischen Anspruch aufweisen.

Wenngleich der Aussage über den Mangel an literarischem Anspruch unter der Berücksichtigung des heutigen, erweiterten Literaturbegriffs nicht mehr zwingend zuzustimmen ist. In der direkten Gegenüberstellung zwischen Thriller und Detektivgeschichte kristallisiert sich überdies ein starker Unterschied in der Vorgehensweise des Detektivs heraus. Im Gegensatz zur Entwirrung des Tathergangs und der Ermittlung des Täters, was in der Detektivgeschichte ein zentraler Aspekt der Handlung ist, geht es im Thriller vielmehr um die Jagd oder Festnahme des Täters. Dieser ist im Vergleich zum Detektivroman nicht erst gegen Ende der Handlung identifiziert, sondern meist schon zu Beginn oder in den Anfängen des Buches, wodurch fortan jeglicher literarischer Fokus auf der Festnahme und Ortung des Gesuchten liegt. Die Intention der Erzählung besteht also folglich nicht in der Ermittlung, Detektivarbeit und Deduktion, sondern vielmehr in der Konfrontation und Festnahme des Täters. Daraus ergibt sich logischerweise die konstituierende Differenz, dass der Thriller in seiner Handlungsstruktur und Erzählweise eine „ vorwärts gerichtete, chronologisch sukzessive Erzählweise[6] aufweist, welche sich von der analytischen, rekonstruierenden Erzählweise des Detektivromans unterscheidet. Hinsichtlich der reinen Seitenzahl der Werke lässt sich der Thriller eher der „ Langform des Romans“ [7] zuordnen, was im Wesentlichen auf seinen Ermittlungsgang, die Chronologie und die besondere Unterhaltungsintention zurückzuführen ist.

2.1.2 Detektivroman

Der Terminus Detektivroman wird, sofern er nicht als synonyme, begriffliche Entsprechung des Kriminalromans betrachtet, wird in einem Sachwörterbuch der Literatur beispielsweise als: „ neuere, spezifisch angloamerikanische Abart des Kriminalromans, welche besonders im 20. Jahrhundert verbreitet war“[8] , definiert. Unter Berücksichtigung dessen ist es kaum verwunderlich, dass der Detektivroman in deutschen Lexika als untergeordnete Art des Kriminalromans aufgeführt wird und zudem mit dem weiterführenden Verweis auf Räuberromane und Schundliteratur gekennzeichnet ist. In England hingegen wird die Gattung des Detektivromans dem Rätselroman untergeordnet.

Wegen des systematischen Dreiklangs aus Mord, Fahndung und Aufklärung lässt sich der Detektivroman auch als Roman mit analytischer Handlungsstruktur bezeichnen, worin ein starker Unterschied zum Thriller besteht. Analytisch meint in diesem Kontext jedoch nicht die Analyse der Personen, sondern das vorangegangene Geschehnis, welches reflexiv entschlüsselt wird. Diesbezüglich kann analytisch wie im Gebrauchskontext des analytischen Dramas verstanden werden, indem die „ Vergangenheit nach und nach aus unterschiedlichen Perspektiven freigelegt wird[9]. Im Mengenverhältnis sind eben diese analytischen Elemente, im Gegenteil zu den Action- Elementen des typischen Thrillers, überwiegend häufig vorhanden. Nimmt man letztlich den reinen Seitenumfang der Werke als quantitatives Unterscheidungskriterium, so zählt der Detektivroman eher zu den „ Kurzformen des Erzählens[10]. Festzuhalten bleibt also eine Unterscheidung zwischen Detektivroman und Thriller auf sowohl struktureller als auch auf inhaltlicher Ebene. Obwohl einige der oben genannten Komponenten, wie beispielsweise die Spannung oder die Schwarz-Weiß- Malerei, in Teilen sehr wohl innerhalb des Romans „Alibi“ aufzufinden sind, sollte dieser eher als Detektivroman klassifiziert werden. Zwar wird durch die sukzessive Aufdeckung der multiplen Motive des Stiefsohns Patton ein negatives, „schwarzes“ Bild kreiert, welches anschließend jedoch mehrmals durchbrochen wird, da diverse andere Tatverdächtige in den Fokus rücken. Ein konsequenter und andauernder Schwarz-Weiß-Kontrast kann dadurch nicht bestehen bleiben. Außerdem ist die Handlung ganz klar an der Vergangenheit orientiert und weist einen wesentlich höheren Anteil analytischer, rekonstruierender Passagen der Gedankenarbeit auf, was definitiv für die Klassifizierung als Detektivroman spricht. Eine wirkliche Jagd oder Kampfhandlung mit dem Täter bleibt völlig aus, was repräsentativ dafür steht, dass es inhaltlich eher um Rätsel als um Ereignisse geht. Zudem wird der Täter erst im letzten Kapitel des Romans enttarnt. Im Thriller hingegen steht dieser schon relativ früh zu Beginn der Handlung fest, weshalb fortan eher seine Festnahme und Ergreifung thematisiert wird.

2.1.3 Forschungshistorie und Popularität

Betrachtet man die Kriminalliteratur und ihre Forschungshistorie genauer, so fällt auf, dass diese im deutschsprachigen Raum in der Vergangenheit, trotz der internationalen Popularität der Gattung und der frühen filmischen Adaption des Genres, bis zu den 1960er Jahren nicht sonderlich geschätzt wurde. Dies äußert sich nicht bloß in Wörterbucheinträgen, welche suggerieren, dass die Werke keinen literarischen Anspruch enthalten (siehe 2.1.2, Definition: Thriller), sondern auch anhand der geringen Menge an professionellen, deutschsprachigen Forschungsbeiträgen hinsichtlich der Thematik. Ein wichtiger Grund für den damals defizitären Stand der Wissenschaft ist vermutlich die Tatsache, dass maßgeblich interessante und relevante Werke nur sehr dürftig aus dem Englischen übersetzt wurden und „ Deutsche Kritiker selten englische Detektivromane im Original lesen und sich ihr Urteil in Folge dessen leider zu schnell nach der Lekt ü re einiger, meist zweitklassiger Romane bilden“ [11].

Ein Werk in seiner vollen sprachlichen Wirkung zu rezipieren kann jedoch nur dann gelingen, wenn der Übersetzer mit allen sprachlichen Varietäten und Sonderformen vertraut ist, da andernfalls ein Teil des Wortwitzes und der Authentizität verloren gehen kann. Außerdem hatte die gesamte deutschsprachige Kriminalliteratur lange Zeit damit zu kämpfen, dass die Werke fast ausschließlich in Taschenbüchern erschienen sind. Dadurch wurde in Teilen eine negative Konnotation erzeugt, welche letztlich den Anschein evozierte, dass es sich bei den Detektivromanen um ein leicht zugängliches Massenmedium handelt, welches auch für niedere Schichten zugänglich ist. Vertreter höherer gesellschaftlicher Schichten hielten es deshalb für verpönt, Detektivromane zu lesen. Dies ist ein Trugschluss, wenn man bedenkt welche literarisch anspruchsvollen Werke wie beispielsweise Oscar Wildes „Bildnis des Dorian Grey“ erstmals in Magazinen wie dem Lippincott ’ s Magazine erschienen sind.[12] Die reißerischen und auffällig gestalteten Cover der Taschenbücher schadeten dem Ruf des Mediums und der Gattung zudem erheblich und verschreckten einige potenzielle Leser.

Die Zahl der wöchentlichen Leser von Kriminal- und Detektivromanen lag Schätzungen zu Folge bei etwa 2 Millionen Lesern, wobei ein Großteil dessen den Käufern der Heftromane geschuldet ist. Diese Zahl hat sich nach Angaben von Nusser[13] vermutlich seit den 1970er Jahren nicht verringert oder eventuell sogar gesteigert, wenngleich die eigentliche Blütezeit des Genres, auch im deutschsprachigen Raum, ihren vermeintlichen Zenit überschritten hat. Neuerrungen der Gattung erleben im momentanen Serienzeitalter sogar ihre audiovisuelle Renaissance. Rein quantitativ überwiegen die Absatzzahlen der Kriminalliteratur vermutlich einen Großteil der anderen literarischen Gattungen, mit Ausnahme denen der Science-Fiction-Romane. Allerdings haben sich die Verlage bei empirischen Untersuchungen nicht sonderlich kooperativ gezeigt und einige Angaben geschönt.[14] Die durchschnittliche Auflage eines Romans als Taschenbuch betrug ca. 10.000 - 20.000 Exemplare. Die prominentesten Vertreter dieser Gattung, wie zum Beispiel Agatha Christie, E. A. Poe, E. Queen oder E. S. Gardner, erzeugten mit ihren Lebenswerken sogar Auflagenzahlen von mehreren Millionen. Die Zahl ihrer gesamten Werke beläuft sich auf vier Milliarden Stück, was die Gesamtwertung der Gattung selbst in Zeiten der Bestseller, wie Harry Potter oder Herr der Ringe, noch auf die vorderen Ränge positionieren sollte. Die Gründe für die hohen Absatzzahlen lassen sich am ehesten aus rezeptionsästhetischer Perspektive begründen, denn in vielerlei Hinsicht verbirgt sich hinter den Detektivromanen ein Ventil, welches soziale Bedürfnisse des Lesers befriedigt. Als Konsequenz der zunehmenden Beliebtheit hat sich für den deutschsprachigen Raum eine differenzierte und einigermaßen einheitliche Nomenklatur herausgebildet, welche zwar zugegebenermaßen mit der englischen divergiert allerdings keinen erkennbaren Nachteil für die deutsche Literaturwissenschaft entstehen lässt und in ihrer Funktion völlig ausreichend ist.

Erst seit den 1960er Jahren lässt sich, hinsichtlich der Toleranz innerhalb der deutschen Literaturwissenschaft und der Akzeptanz der Gattung, ein Wandel beobachten, der vor allem auf eine Änderung der Gesamteinstellung gegenüber der Literatur zurückzuführen ist. Dies ist einem „ erweiterten Literaturbegriff, verschiedener, gr ü ndlicher wissenschaftlicher Studien und einer ausgeglicheneren rezeptionsästhetischen Einstellung zur Trivialliteratur[15] zu verdanken. Dieser Paradigmenwechsel sorgte dafür, dass sich die germanistische Literaturwissenschaft mit einer Thematik befasst, welche in der angloamerikanischen Literaturwissenschaft schon seit den 1930er Jahren thematisiert wurde. Gleichgerichtet und zeitlich fast synchron zum zunehmenden Interesse der Literaturwissenschaft an der Kriminalliteratur verhielt sich auch das Wachstum des Interesses der Allgemeinbevölkerung an der Kriminalliteratur. Glücklicherweise scheint sich die negative Reputation der Trivialliteratur gebessert zu haben.

[...]


[1] Buchloh, Becker (1973), S. 1.

[2] Vgl. ebenda, S. 2.

[3] Buchloh, Becker (1973), S. 6.

[4] Wilpert, Gero, S. 671.

[5] Lexikon der Fremdwörter, S. 315.

[6] Nusser, Peter, (2009), S. 5.

[7] ebenda, S. 6.

[8] Gero, Wilpert in: Buchloh, Becker (1973), S. 5.

[9] Voigt, Jochen (1971), S. 65.

[10] Nusser, Peter (2009), S. 7.

[11] Nusser, Peter (2009), S. 67.

[12] Buchloh, Becker (1973), S. 28.

[13] Vgl. Nusser, Peter (2009), S. 6.

[14] Vgl. Buchloh, Becker (1973) S. 3.

[15] Inderthal, Klaus, in: Schütz, Erhard (Hrsg.) (1978), S. 31.

Details

Seiten
29
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668037717
ISBN (Buch)
9783668037724
Dateigröße
724 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v304055
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Institut für Germanistik
Note
2,0
Schlagworte
Alibi Agatha Christie Gattungskonventionen Gattungen Strukturelemente Kriminalroman Detektivroman Regeln des Kriminalromans R.A. Knox

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