Lade Inhalt...

Das Geschäft mit dem lieben Gott. Die Geschichte der Fälschungen durch die Religionen

Diskussionsbeitrag / Streitschrift 2016 173 Seiten

Theologie - Vergleichende Religionswissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Teil I
Was ist Religion?
Das Wesen der Religion
Die Verheißungen der Religionen
Die Apokryphen
Die Apokryphen des Neuen Testaments
Der Streit der Theologen

Teil II
Kapitel 1
Warum ließ Gott den Sündenfall zu?
Warum wurde der Mensch zum Töten gezwungen?
Gott und sein ambivalentes Verhältnis zur Sünde und den Menschen
So ist zu lesen in 2. Mose, Kapitel 32, 8. Absatz
Sind vor Gott wirklich alle gleich oder gibt es Auserwählte mit Sonderrechten?
Was geschieht mit den Generationen vor dem Tod von Jesus Christus?
Der Mensch, das Ebenbild Gottes?
Der Missbrauch des Ebenbildes
Das Verhältnis Kirche und Staat
Gibt es den „lieben“ Gott?
Ein provozierter Mord?
Wie versteht Gott Gerechtigkeit?
Das Konstrukt der Bibel
Kapitel 2
Die zehn Gebote
Wie genau sind die zehn Gebote?
Ist die Anbetung für Gott das Wichtigste?
Die Veränderung der zehn Gebote durch die Glaubensgemeinschaften
Kapitel 3
Ist Gott der Freund der Reichen und Mächtigen?
Die fünf Fragen zur Existenz Gottes
Kapitel 4
Warum benachteiligt Gott die Armen?
Sind die Armen vor Gott rechtlos?
Was könnte sein, wenn es ein zweites Leben im Sinne der Verheißung gibt?

Teil III
Kapitel 5
Die wichtigsten westlichen Glaubensgemeinschaften
Das Judentum
Das Christentum
Die römisch katholische Kirche
Die Altkatholische Kirche
Die orthodoxe(n) Kirche(n)
Die evangelisch-lutherische Kirche
Die anglikanische Kirche
Der Islam
Weitere Glaubensgemeinschaften und ihre Verheißungen
Die Religionsstifter sterben nicht aus. Oder: So werden neue Glaubensgemeinschaften gegründet
Zusammenfassung von Teil III
1. Die Monotheisten
2. Die Anhänger der Dualität
3. Die Anhänger der Trinität
Wie konnte es zu dieser Vielfalt von Glaubensgemeinschaften kommen?
Warum viele Glaubensgemeinschaften erzählen, dass wir Menschen eine Seele haben
Die Glaubensgemeinschaften und ihre Reichtümer

Teil IV
Kapitel 6
Wie glaubwürdig ist die Bibel?
Das Alte Testament
Das Neue Testament
Anmerkung
Kapitel 7
Wer war Jesus?
Eine Verwechslung?
Jesus und seine Jünger
Gibt es ein Motiv für die Geburt Jesu Christi?
Die Frage nach der Wahrscheinlichkeit
Fazit
Kapitel 8
Stephanus und Paulus
War Paulus der Anti-Christ?
Die Manipulation der Glaubensregeln durch die Apostel, Bischöfe und Kirchenlehrer
Anmerkung
Kapitel 9
Die Offenbarung, eine Möchtegern-Vision?
Kommentar zur Offenbarung
Persönliche Schlussbemerkungen

Quellenverzeichnis

Vorwort

Wir wissen nicht, ob es eine Instanz gibt – irgendetwas in dem Sinne, für die wir das Wort „Gott“ benutzen. Alles was wir wissen ist von Menschen erdacht, erzählt und aufgeschrieben und ständig verändert und angepasst worden.

Ich bin kein Theologe, sondern ich würde mich als Bibel- und Koranlesender Agnostiker bezeichnen. Dennoch nehme ich für mich nicht in Anspruch, die Bibel und den Koran durchgängig zu kennen. Dessen ungeachtet ist mir aufgefallen, dass vor allem in den Texten der Bibel nicht nur viele Widersprüche, sondern auch Behauptungen enthalten sind, die nicht der Wahrheit entsprechen.

Ziel dieses Buches ist, Texte aus der Bibel vorzustellen, die nach meiner Auffassung im Gegensatz zur allgemeinen Darstellung der Glaubensgemeinschaften stehen und über die kaum oder gar nicht gesprochen wird.

Ich weiß nicht, ob es einen „Gott“ gibt. Aber wenn es einen gibt, ist er nicht so, wie er von den Glaubensgemeinschaften dargestellt wird. Wenn es einen Gott gibt, ist weder ein lieber, noch ein gütiger, noch ein barmherziger und schon gar nicht ein „lieber“ Gott.

Das Alte Testament ist nach wie vor Bestandteil der christlichen Lehre. Dennoch gibt es in diesem Teil der Bibel unzählige Passagen, die nie zitiert werden. Der Grund ist einleuchtend, diese Texte vertragen sich nicht mit den offiziellen Darstellungen über das Wesen Gottes, denn die Bibel ist voll von Grausamkeiten. Es ist auch nicht nachvollziehbar, dass sich mit dem Erscheinen von Jesus der Charakter Gottes grundlegend geändert haben soll.

Bis vor 500 Jahren hat immer nur ein geringer Prozentsatz der Menschen lesen und schreiben können. Daher war es der katholischen Kirche möglich, unwidersprochen ein Gottesbild zu verbreiten, wie es den Interessen dieser Kirche entsprach. Das Volk musste glauben, was die Geistlichen von der Kanzel herab predigten. So entstand ein Gottesbild, das fünf entscheidende Wesenszüge beinhaltet. Gott ist gerecht, gütig, barmherzig, er liebt die Menschen und er verzeiht allen, die bereuen und bereit sind zu büßen.

Mit dieser Interpretation war das Machtmonopol der römisch katholischen Kirche und später das der folgenden Glaubensgemeinschaften gelegt. Sie versprachen und versprechen Liebe, Güte und Verzeihung, die im Alten Testament aber nur selten zu finden ist. Im Gegenteil, Gott verlangt Gehorsam. Wird dieser nicht erbracht, wird gestraft. Das gilt auch uneingeschränkt für den Islam.

Teile dieses Buches beschäftigen sich mit den Sünden der römisch katholischen Kirche, weil sie es war, die das Fundament für die Versklavung der Menschen mittels Machtanmaßung und bewusster Falschinterpretation legte. Ihre Vergehen und ihre Versündigungen an zig Generationen sind unbestritten. Dennoch will ich meine Aussagen nicht generell verstanden wissen. Es gab und gibt immer Kardinäle, Bischöfe, Pfarrer und andere (ehrenamtliche) Kirchenmitglieder in verantwortlichen Positionen, die Gutes getan haben bzw. tun.

Da Gott offensichtlich eine Mehrklassengesellschaft mit Leibeigenen befürwortet, (2. Mose, 21. Kapitel „Gesetze über Leibeigenschaft, Totschlag und Körperverletzungen)“, frage ich: „Welchen Einfluss nimmt Gott -wenn er existiert- auf unsere Geburt?“ Und: Auf Grund welcher Prämissen starten die Einen in menschenunwürdigen Verhältnissen und die Anderen in Luxus und Wohlstand?

Das sind Kernfragen, die mich interessieren und auf die ich gerne eine überzeugende Antwort hätte.

Wenn das Verhalten Gottes so war, wie es im Alten Testament beschrieben wird, ist sein Verhalten nicht nur ambivalent, sondern vor allem parteiisch. Wie aus der Bibel zu entnehmen ist, gab es zu den Zeiten von Noah, Abraham, Mose etc. bereits viele andere Völker. Jene strafte er offensichtlich mit Nichtachtung, denn er beachtete sie nicht und er kommunizierte auch nicht mit ihnen. Es reute ihn, den Menschen geschaffen zu haben, weil seine Nachkommen in Sünde lebten (1. Mose, 6. Kapitel).

Auch die Bestrafung Unschuldiger ist ein Wesenszug seines „Charakters“. Das beginnt mit der Vertreibung aus dem Garten Eden, denn er lässt sämtliche Nachfahren Adams und Evas für deren einmaliges Vergehen büßen.

Weil der Pharao das jüdische Volk nicht aus der Knechtschaft entließ, schickte er den Ägyptern die sieben Plagen, unter denen sämtliche Ägypter zu leiden hatten. Und zum Schluss ließ er sämtliche Erstgeborenen der Ägypter, die vom Pharao ebenso wie die von der Magd, sterben (2. Mose 11. Kapitel). Ist das gerecht?

Ebenso schickte er den Menschen die Sintflut und vernichtete alles, was auf der Erde lebte, ausgenommen jener, die sich in der Arche befanden.

Es ist schwer vorstellbar, dass es zu jener Zeit außer Noah und seiner Familie nur Sünder gegeben haben soll. Und welchen „Stellenwert“ hatten die Tiere, die nicht in die Arche aufgenommen wurden und ertrinken mussten?

Später vernichtete er komplett Sodom und Gomorra, weil auch dort die Leute in Sünde lebten. Er ließ sogar die Frau von Lot zur Salzsäule erstarren, nur weil sie sich umblickte und die Grausamkeit seines Handelns erblickte.

Und weil die Leute in Babylon einen Wolkenkratzer bauen wollten, schickte er ihnen die Sprachverwirrung. Wenn diese Darstellungen richtig sind, zeigen sie, dass Gott nur wenig differenzierte, sondern er oft nur pauschal urteilte und strafte.

Andererseits missachtete er seine eigenen Gebote. Obwohl Moses einen Ägypter erschlug, weil dieser einen Hebräer erschlagen hatte, (2. Mose 2. Kapitel) bestrafte Gott ihn nicht, sondern machte ihn zum Führer, der das Volk Israel aus Ägypten führte.

Besonders skrupellos hat sich die römisch katholische Kirche verhalten. Sie hat den wahren Charakter Gottes verschwiegen, sondern stattdessen verkündet, dass Gott bzw. seine Diener denen verzeihen, die ihre Sünden beichten. Mit dieser Lehre und zusätzlichen Dogmen hat die katholische Kirche im Laufe der Jahrhunderte eine Macht- und Monopolposition erworben, die sie gegenüber den Gläubigen konsequent ausgenutzt hat und immer noch ausnutzt.

Sie hat sich die Position eines Stellvertreters Gottes bzw. Nachfolger Petri gegeben und nimmt für sich in Anspruch, dass nur sie entscheiden kann, zu welchen Bedingungen sich ihre und nur ihre Kirchenmitglieder von ihren Sünden befreien können. Eine in der Geschichte einmalige Machtanmaßung.

Aus Sicht der Kirche musste diese Entwicklung so gesteuert werden, um die Existenz zu legimitieren. Würde sie einräumen, dass die Menschen ohne Vermittler/Vertreter in direkten Kontakt zu Gott treten können, würde sie sich selbst als überflüssig darstellen.

In welchen Exzess diese Machtanmaßung ausartete, zeigt der Ablasshandel, der im 15. und 16. Jahrhundert seinen Höhepunkt erreichte. Gegen Geld, so die Argumentation der katholischen Kirche, könne man sich von seinen Sünden frei kaufen. Heute noch ist der Spruch bekannt: „Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt.“ Wer nicht glaubte, was die katholische Kirche sagte oder in Frage stellte, wurde als Ketzer behandelt, verbrannt oder wie die Katharer, per Kreuzzug ausgerottet.

Mit welcher Zielstrebigkeit die katholische Kirche sich immer mehr Macht angeeignet hat, ist aus den Ergebnissen der Konzile zu erkennen. Der (vorläufige?) Gipfel, ist das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes.

Was ebenfalls zu wenig thematisiert wird, ist die Tatsache, dass es die katholische Kirche war, die entschied, welche Schriften als „heilig“ bzw. kanonisch anzusehen sind und in die Bibel aufgenommen wurden.

Die gesamten gnostischen Evangelien, die in ihren Aussagen teilweise konträr zur den „genehmigten“ Evangelien stehen, werden verschwiegen und quasi als nicht existent behandelt.

Gerd Lüdemann schreibt dazu in seinem Buch: „Das Judas-Evangelium und das Evangelium nach Maria. Zwei gnostische Schriften aus der Frühzeit des Christentums.“ 1

„Man entdeckt zahlreiche weitere Evangelien, die wegen mangelnder Rechtgläubigkeit* bei der Kanonbildung im zweiten Jahrhundert nicht berücksichtigt wurden …“

*Was rechtgläubig ist entschied die katholische Kirche, unter Berücksichtigung ihrer Interessenslage.

Es darf daher unterstellt werden, dass nur die Schriften aufgenommen wurden, die die Besitzgier und den Machtanspruch der Päpste (Kirche) unterstützten.

Ergänzend dazu: In der Sendung von ARTE am 06.04.2015, um 17.²° wurde in dem Beitrag „Biblische Detektiv-geschichte unter anderem berichtet, dass es keine Beweise von Moses und ebenso keine historischen und archäologischen Hinweise über den Exodus der Juden aus Ägypten gibt.

Den Leitgedanken dieses Buches habe ich in Wikipedia in einem Zitat von Baruch de Spinoza gefunden:

„Ich habe gezeigt, daß die Schrift nichts Philosophisches, sondern allein die Frömmigkeit lehrt und daß ihr ganzer Inhalt der Fassungskraft und den vorgefaßten Meinungen des Volkes angepaßt ist. Wer sie daher der Philosophie anpassen will, der muß natürlich den Propheten vieles andichten, woran sie auch nicht im Traum gedacht haben, und der muß ihre Meinung falsch auslegen. Wer im Gegenteil die Vernunft und die Philosophie zur Magd der Theologie macht, der muß die Vorurteile eines alten Volkes als göttliche Dinge gelten lassen und den Geist durch sie einnehmen und verblenden.“ 2 Wikipedia, Baruch de Spinoza

Dem ist nur wenig hinzuzufügen. Zum besseren Verständnis möchte ich noch den einführenden Text zu diesem Zitat aus Wikipedia hinzufügen:

„Spinozas Hermeneutik verteidigt die Freiheit der Philosophie gegenüber der Theologie. Frei und unbefangen soll die Schrift kritisch und historisch geprüft werden. Was ihr nicht in voller Klarheit selbst entnommen werden kann, ist nicht anzunehmen.

Spinozas 1670 erschienener Tractatus theologico-politicus enthält eine Kritik des Wunderbegriffs und macht den Anspruch der Vernunft geltend, dass nur Vernünftiges, also Mögliches, anerkannt werden darf. Das in der Heiligen Schrift, woran die Vernunft Anstoß nimmt, verlangt nach einer natürlichen Erklärung. Es ist nicht die Absicht der Bibel, Wissenschaft zu lehren. Deshalb darf der Unterschied zwischen Vernunft und Glauben nicht aufgehoben werden. Das Wort Gottes lehrt die Gottesliebe und die Nächstenliebe. Es ist nicht identisch mit der Schrift. Diese vermittelt nur das Wissen, das zum Verständnis des göttlichen Liebesgebots erforderlich ist. Die sonstigen Spekulationen der Bibel über Gott und die Welt machen nicht den Kern der Offenbarung aus. Der ganze Inhalt der Schrift ist der menschlichen Auffassungsgabe und Einbildungskraft angepasst. Die Wundergeschichten sind deshalb weitgehend metaphorisch zu deuten. Die Methode der Schrifterklärung soll der Methode der Naturerklärung entsprechen und sich an Daten und Prinzipien halten. Texte sollen nach Hinweisen auf ihre Entstehung und Überlieferungsgeschichte befragt werden. Die biblischen Lehren sollen aus dem geschichtlichen Umkreis ihrer Entstehung heraus verständlich werden.“ 2 Wikipedia, Baruch de Spinoza

Für die Zitate aus der Bibel habe ich die Original-Texte aus der Luther-Bibel übernommen. Interessierte Leser können, im Vergleich mit ihrer aktuellen Bibel, die sprachlichen und inhaltlichen Veränderungen selbst nachvollziehen. Da die Bibel mehr oder weniger regelmäßig überarbeitet wird, liegt das Urheberrecht der jeweiligen Version bei der Glaubens-gemeinschaft, die die Überarbeitung initiiert hat. Und für eine kritische Auseinandersetzung gibt es keine Erlaubnis für Zitate.

In der Luther-Bibel gibt es zwar Kapitel, aber keine Verse, sondern nur Absätze. Deshalb fehlen bei den Zitaten die entsprechenden Versangaben. Um die inzwischen vollzogenen Änderungen zu den heutigen Bibelausgaben zu dokumentieren, sind die Texte von mir unverändert (einschließlich sämtlicher Rechtschreibfehler) übernommen worden.

Die Hauptquelle meiner Recherchen war Wikipedia. Ich habe zwar neben der Bibel und dem Koran verschiedene Bücher, Magazine und Fernsehdokumentationen zu diesem Thema als Quellen genutzt, jedoch ist das Informationsangebot in Wikipedia zu diesem Thema derart komplex und vernetzt, dass ich als theologischer Laie auf die intensive Nutzung von Wikipedia nicht verzichten konnte. Deshalb gilt mein Dank auch allen Autoren die ihre Beiträge in Wikipedia veröffentlicht haben.

Die Zitate aus dieser Internet-Bibliothek sind mit „2 Wikipedia“ gekennzeichnet.

Hans-Jürgen Borchardt

Teil I

Was ist Religion?

Im Bertelsmann Lexikon wird Religion wie folgt erklärt:

„Religion (lat. Gottesfurcht, Scheu vor der Gottheit“).

Die Religionsgeschichte zeigt, was allenthalben und bei aller geschichtlichen Verschiedenheit der Religionen voneinander unter Religion verstanden wird: die erlebnishafte Begegnung des Menschen mit heiliger Wirklichkeit und antwortendes Handeln des vom Heiligen bestimmten Menschen. Diese zwei Grundmomente enthält in irgendeiner Form jede Religion. Begegnung mit der Wirklichkeit des Heiligen, das als persönliches Wesen, als Göttervielheit oder als impersonale numinose Größe erfahren und vorgestellt werden kann; das andere Strukturmoment aller Religionen ist die Antwort des Menschen in Gestalt des Kultus, des Tanzes des ethischen Handelns und des künstlerischen Ausdrucks. …“

Und: „Das Ursprungsstadium der Religion in der Menschheitsgeschichte lässt sich nicht zweifelsfrei bestimmen. Frühgeschichte und Völkerkunde haben gezeigt, dass es keine Völker ohne Religion gibt und, soweit bisher in der Vergangenheit erkennbar (d. h. etwa 500 000 Jahre v. Christus), auch nicht gegeben hat. Versuche, die Entwicklung der Religion in der Geschichte als gradliniges Fortschreiten zu immer höheren oder als höher betrachteten Religionsformen zu erklären, sind gescheitert. Es gibt nur vielfache Wandlungen der Formen und Anschauungen der Religionen, aber eine organische Entwicklung ist nicht nachweisbar. Da oft verschiedene Religionstypen nebeneinander existieren oder Rückwendungen zu früheren Stufen häufig vorkommen.“ 3 Das Bertelsmann-Lexikon, C. Bertelsmann Verlag

Wenn diese Definition richtig ist, muss gefragt werden: kann es überhaupt eine (allein) seligmachende Religion geben? Oder sind die unterschiedlichen Religionen in der Frühzeit aus der Angst vor den unbekannten Naturgewalten, Natur-ereignissen entstanden? Sind die jüdische und die „christliche“ Ausprägung deshalb „richtiger“, weil sie zu einer sehr frühen Zeit am umfangreichsten schriftlich dokumentiert wurden?

Wir wissen es nicht. Es gibt zu viele Glaubens-gemeinschaften mit zu unterschiedlichen Verheißungen und Ausprägungen. Sie alle beschäftigen sich mit wesentlichen Fragen unseres „Seins“. Warum leben wir? Warum müssen wir so leben, wie wir leben? Gibt es ein übergeordnetes uns unbekanntes Lebensziel? Haben wir eine Seele? Gibt es ein Weiterleben nach dem Tod? Fragen über Fragen, auf die es keine Antworten gibt.

Kann es überhaupt eine gültige Erklärung geben, wenn der Ursprung der Religionen „die erlebnishafte Begegnung des Menschen mit heiliger Wirklichkeit und antwortendes Handeln des vom Heiligen bestimmten Menschen“ sein soll? 3 Das Bertelsmann-Lexikon

Eines haben jedoch sämtliche Religionen gemeinsam. Sie verpflichten ihre jeweiligen Glaubensanhänger. Die jeweils zu verehrenden Götter, Schöpfer, oder Wesen verlangen konkrete „Verehrungsleistungen“. Ob Gebete, Opfer, Gaben, körperliche oder finanzielle Leistungen etc., die Bandbreite der Verpflichtungen ist groß. Es ist Symbiose und Implikation zugleich, nur wenn … dann.

Nur, so die generellen Lehren, nur wer die Verehrungs-leistungen uneingeschränkt erfüllt, kommt in den Genuss des Wohlwollens, der Gnade, der Hilfe des oder der Schöpfer und Lenker dieser Welt. Damit gibt es für alle Gläubigen, die ernsthaft glauben, Vorgaben, die sie nie erfüllen können. Da sie nicht fehlerfrei sind, müssen sie immer wieder neue Verehrungsleistungen erbringen, um sich des Wohlwollens des/der Schöpfer zu versichern. Es ist wie im Hamsterrad, die Gläubigen können ihr Ziel nie erreichen. Sie sind der Gnade oder Ungnade des Anzubetenden ausgeliefert.

Anzunehmen ist, dass viele Menschen die Angst zur Religion treibt. Da viele Religionen für das Leben nach dem Tod ein schreckliches Weiterleben prophezeien, wenn die vorgegebenen Gesetze, Gebote und Riten nicht eingehalten werden, erfüllen die Gläubigen die von ihnen geforderten Verehrungsleistungen aus Angst vor diesem möglichen Schicksal. Diese Angst ist eine mächtige Triebfeder, denn das Leben in der Hölle oder den verschiedenen Unterwelten wurde und wird teilweise immer noch in den schrecklichsten Versionen geschildert.

Diese Angst ist schwer nachzuvollziehen. In der Bibel steht an keiner Stelle explizit geschrieben, dass der Mensch eine unsterbliche Seele besitzt. Im Gegenteil, in Prediger 3, Absatz 5 steht:

„Ich sprach inn meim hertzen von dem wesen der menschen. Solt sie Gott erwelen, und lessts doch ansehen, als weren sie wie das Vieh? Denn es gehet dem menschen wie dem Vieh. Wie dis stirbt, so stirbt das auch, und haben alle einerley odem. Und der mensch hat nichts mehr denn das Vieh. Denn es ist alles eitel. Es feret alles an einen ort. Es ist alles von staub gemacht, und wird wider zu staub. Wer weis, ob der oddem der menschen auffwerds fare, und der odem des viehes unterwerds unter die erden fare? Darumb sage ich, das nichts bessers ist, denn das ein mensch fröhlich sey inn seiner erbeit. Denn das ist sein teil. Denn wer will in dahin bringen, das er sehe was nach im geschehen wird?

Vereinfacht: Alles ist aus Staub gemacht und wird wieder zu Staub werden.

Wenn es keine Seele gibt, was soll dann auferweckt werden, wenn die Körper verbrannten, vermoderten oder gar verspeist wurden? Denn die Toten, die lt. Bibel angeblich wieder auferweckt wurden, waren alle körperlich unversehrt.

Die positive Seite der Religionen ist das Schutzgefühl, das Gefühl der Geborgenheit, das sie vielen Gläubigen vermittelt. Die Gläubigen, die tief und fest glauben, fühlen sich in ihrem Glauben geborgen. Sie sind überzeugt, dass ihr Gott bzw. ihre Götter sie führen und schützen werden. Das ist zwar irrational aber Fakt.

Das Wesen der Religion

Das Wesen der Religion kann nicht auf einigen Seiten umfassend dargestellt werden, weil das Thema zu vielschichtig ist. Dennoch halte ich es für notwendig, einige Aspekte dieses Themas vorab darzustellen, um die Komplexität zeigen. Gleichzeitig möchte ich aufzeigen, vor welchem Hintergrund dieses Buch entstanden ist.

Bekannt ist, dass die ersten Anzeichen religiöser Betätigung bis in die Frühzeit zurückreichen. Erst viel später verdichteten sich diese Aktivitäten. Etwa 40.000 Jahre vor Christi ist durch Grabbeigaben erkennbar, dass die Menschen der damaligen Zeit bereits an ein Leben nach dem Tod dachten oder möglicherweise bereits daran glaubten.

Damit sind wir bei den zwei Fragen, die sich jeder Mensch, unabhängig von Rasse und Nation, stellt:

„Gibt es ein Leben nach dem Tod?“ und

„Gibt es ein Wesen, das unser Schicksal lenkt?“

Obwohl diese zwei Fragen niemand endgültig beantworten kann, ist der größte Teil der Menschheit davon überzeugt, dass seine Glaubensgemeinschaft –im Gegensatz zu allen anderen- diese zwei Fragen überzeugend mit „Ja“ beantworten kann.

Dieser fundamentale Glaube ist für die meisten Gläubigen durchaus positiv, denn er gibt ihnen einerseits Halt, Trost und Zuversicht. Sie sind Teil einer Gemeinschaft, die ihnen das Gefühl der Zugehörigkeit und Verbundenheit gibt. Und oft wird diese Zugehörigkeit noch durch äußerliche Zeichen dokumentiert, wie z. B. Kippa, Kopftuch, Haartracht, schwarze bzw. gelbe Kleidung etc. In dieser Gemeinschaft fühlen sie sich geborgen. Sie glauben, ja oft „wissen“ sie, dass Gott für alles eine Antwort hat und ihnen im Zweifelsfall hilft. Und: Dieser Glaube nimmt ihnen –zumindest teilweise- die Angst vor dem Tod.

Andererseits ist der Glaube eine Quelle der Furcht, denn viele wissen, dass sie sich nicht immer so verhalten, wie Gott es von ihnen verlangt. Dieser Ungehorsam gegenüber seinen Geboten und Erwartungen bedeutet Strafe, die sehr grausam und unbarmherzig ist. Der einzige Ausweg ist zu bereuen und sich noch intensiver als bisher an die Vorgaben zu halten.

Wenn der Glaube nicht tolerant, sondern fanatisch ausgelebt wird, wirkt er sich jedoch oft gegenüber den Gläubigen anderer Religionsgemeinschaften negativ aus, so wie wir es bspw. Zurzeit durch den so genannten IS und anderen Ultrakonservativen Islamisten erfahren müssen. Die Geschichte und die Gegenwart sind voll von schrecklichen Beispielen, wenn Intoleranz und Fanatismus die Oberhand gewinnen. Bürgerkriege, Pogrome, Verfolgungen sind das Ergebnis.

Für dieses Morden gibt es zwei entscheidende Ursachen. Dazu zählt der Machtmissbrauch der geistlichen Führer, die nicht nur zum Töten aufrufen, sondern es sogar noch öffentlich sanktionieren und zusätzlich auch noch durch „Belohnungen“ nachhaltig unterstützen. Das gilt sowohl für die katholische Kirche, die den Teilnehmern an den Kreuzzügen die totale Vergebung ihrer Sünden versprach, als auch für die Islamisten, denen versprochen wird, dass sie für ihre Selbstmordanschläge direkt ins Paradies kommen und mit Jungfrauen belohnt werden.

Der andere Grund liegt meiner Meinung nach in der Erziehung der Kinder. Ihnen wird nicht gelehrt, wie sie denken sollen, sondern was sie denken sollen. Sie werden indoktriniert und haben nur geringe Chancen wertfrei zu urteilen.

Wie tief verwurzelt das gegenseitige Misstrauen der unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften ist, zeigt sich beispielhaft in dem niederländischen Sprichwort: „Wenn zwei Konfessionen auf einem Kopfkissen liegen, liegt der Teufel in der Mitte.“

Wie weit die Ablehnung einer anderen Glaubensgemeinschaft geht, erzählte mir vor Jahren ein Schweizer Geschäftspartner. In seinem Dorf gab es zwei Schulen, zwei Sportvereine, zwei Feuerwehren usw., streng getrennt nach Katholiken und Protestanten.

In ihrem Eifer merken die Betroffenen nicht mehr, dass sie völlig instrumentalisiert sind, denn die geistigen Führer der Glaubensgemeinschaften hatten schon lange vor Napoleon erkannt, dass die Religion ein hervorragendes Mittel ist, das Volk ruhig zu halten. Und Karl Marx formulierte den bekannten Satz: „Religion ist Opium für das Volk!“ Er sagt damit, dass die Religion die wachen Sinne betäubt und die Leidensfähigkeit erhöht.

Amerikanische Psychiater behaupten sogar, dass es schwer ist, die Grenze zwischen psychiatrischen Störungen und spirituellen Erfahrungen zu erkennen. Das gilt sicherlich nicht für die Mehrzahl der Gläubigen, aber im Kontext mit den Fanatikern kommt dieser Feststellung eine besondere Bedeutung zu.

Zusammenfassend glaube ich, dass Religion ein Teil unserer Evolution ist. Sie ist entstanden, als für die nicht erklärbaren Naturerscheinungen nach einer Antwort gesucht wurde. Da es zu der damaligen Zeit keine überzeugenden Antworten gab, blieb nur der Glaube an übergeordnete Wesen übrig, die den Lauf der Welt und das persönliche Schicksal steuern. Deshalb wird in nahezu allen Ursprungsgeschichten der Glaubensgemeinschaften und Sekten von übernatürlichen Wundern berichtet. Je größer die Wunder, desto größer und mächtiger die jeweiligen Götter.

Wenn diese Wesen so mächtig waren, dass sie die Naturgewalten und das Schicksal der Menschen steuern konnten, war es zwangsläufig nicht nur sinnvoll, sondern sogar notwendig, diese wohlgesinnt für sich zu stimmen. Der Anfang zur Anbetung und zur Darbringung von Opfern war somit zwangsläufig.

In diesem Kontext taucht eine Frage auf, die bisher kaum diskutiert wurde. Wenn Darwin Recht hat und die Menschen das Ergebnis einer unendlich langen Evolution sind, ab wann waren wir Menschen Menschen? Ab dem Homo egaster, dem Homo nabilus, dem Homo erectus, dem homo sapiens oder dem Neandertaler?

Die Gläubigen verweigern sich dieser Frage. Für sie gilt, dass Gott die Welt und die Menschen geschaffen hat. Sie negieren die Altersbestimmungen der Wissenschaftler und bestehen –mehr oder weniger nachdrücklich- auf die biblischen Zeitangaben.

Glaubensgemeinschaften, die sich bedingt zur Evolutions-theorie bekennen, weichen dieser Frage aus oder finden dialektische Ausreden. Sie stellen beispielsweise die sieben Tage in der Schöpfungsgeschichte nicht als Tage, sondern als Zeiträume dar.

Anders aber ähnlich beschreibt Hubertus Mynarek in seinem Buch „Herren und Knechte der Kirche“ das Wesen der Religion in der römisch katholischen Kirche:

„Die Amtskirche weiß um die Faszination der Macht, die aus dem Besitz der Wahrheit, aus dem echten oder vorgegebenen Wissen stammt. >Wissen ist Macht<! Deswegen behauptet sie unerschüttlich, daß in ihr die Wahrheit über die >die Herzen der Menschen im tiefsten bewegen< Fragen des menschlichen Daseins deponiert sei, über die Fragen:>Was ist der Mensch? Was ist Sinn und Ziel unseres Lebens? Was ist das Gute, was die Sünde? Woher kommt das Leid und welchen Sinn hat es? Was ist der Weg zum wahren Glück? Was ist der Tod, das Gericht und die Vergeltung nach dem Tode? Und schließlich: Was ist jenes letzte und unsagbare Geheimnis unserer Existenz, aus dem wir kommen und wohin wir gehen?< Als Sachverständiger und Sachverwalter in diesen letzten Fragen, auf die der allein von ihm unfehlbar verkündete Christus die adäquate Antwort ist, als Besitzer der Schlüssel zu Himmel und Hölle, besitzt das kirchliche Lehramt eine in metaphysische Dimensionen hereinreichende Macht, der sich in früheren Jahrhunderten nur ganz wenige, in der Gegenwart nur die selbständig Denkenden entziehen konnten bzw. können. Selbst die religiös Apathischen, Gleichgültigen in der heutigen Massengesellschaft wollen in der Regel wenigstens von einem Pfarrer beerdigt werden, wenn ihr stoffliches Leben erloschen ist, sozusagen für alle Fälle, da man ja nicht wissen kann, was drüben los ist<. So wird die Angst ein Grund des Glaubens an den göttlichen Wahrheitsbesitz der Kirche.“ 4 Hubertus Mynarek, „Herren und Knechte der Kirche“.

Die Verheißungen der Religionen

Alle mir bekannten Religionen versprechen ihren Glaubensanhängern für den Gehorsam gegenüber dem Schöpfer und die Erfüllung der „Verehrungsaufgaben“ (wozu auch immer die finanzielle Unterstützung gehört) Belohnungen. Diese „Belohnungen“ können sehr unterschiedlich sein. Gesundheit, die Erfüllung besonderer Wünsche, Abwendung von Not und Elend, Befreiung aus misslichen Umständen, Rettung aus besonderen Gefahrensituationen und vieles mehr. Und wenn es anders kommt als erwünscht, wird das, so die geistlichen Führer, zum Wohle des Betroffenen sein.

Das höchste und wertvollste Versprechen aller Glaubensgemeinschaften ist das Weiterleben der Menschen nach ihrem Tod. Dieses Versprechen hat für viele Menschen eine magische Faszination. Die Vorstellung, wieder geboren bzw. erweckt zu werden, hat, insbesondere in der Vergangenheit, die Menschen zu extremen Leistungen angetrieben.

Es ist offensichtlich, dass der Mensch –aus welchen Gründen auch immer- dem endgültigen Tod entgehen möchte. Die Sehnsucht nach einer Wiederkehr auf die Erde oder in eine andere imaginäre, bessere und schönere Welt beherrschte und beherrscht viele Menschen.

Dieses Streben der Menschen nach Wiederkehr in ein neues, besseres Leben verleiht den Glaubensgemeinschaften eine ungeheure Macht. Da es den geistlichen Führern in der Vergangenheit gelungen ist den Gläubigen einzureden, dass sie in diesem Prozess der Wiedergeburt eine Vermittlerrolle einnehmen bzw. ihnen teilweise einreden konnten, dass sie darüber (mit-) entscheiden können, wer in den Genuss der Wiedergeburt kommt, waren sie in vielen Staats-gemeinschaften unangreifbar.

Dieser Glaube an die Wiedergeburt, an das Paradies, an das ewige Leben ist völlig irrational. Nur weil verschiedene Religionsstifter in der Vergangenheit behauptet haben, dass ihnen Gott, bzw. ein beauftragter Engel, das verkündet habe, glauben Milliarden von Menschen an die Wiedergeburt.

Dieser unerschütterliche Glaube an die Wiederauferstehung ist nur dann zu verstehen, wenn die Gläubigen davon überzeugt sind, dass sie eine Seele haben. Der Grund für diesen Glauben ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die Mehrzahl der Glaubensgemeinschaften die Auferstehung der Seele Jahrhunderte als Wahrheit verkündet haben und immer noch verkünden.

Damit wird ersichtlich, dass die Seele in vielen Glaubensgemeinschaften eine zentrale Bedeutung hat. Sie ist –so die Lehre vieler Religionen- ein unsterbliches Element, das zwar zum Körper gehört aber nicht mit ihm materiell verbunden ist. Da sie nicht an den Körper gebunden ist, muss sie auch nicht physisch sterben. Deshalb, so die Befürworter der Seele, leben wir nach dem Tod in der Seele weiter.

Diese Interpretation der Glaubensgemeinschaften über die Seele ist die Basis der Machtausübung. Da werden Droh- und Folterszenarien entworfen, wenn der Mensch (der Körper) gegen die vorgegebenen Gebote und Regeln verstößt. Das heißt, der materielle Teil unseres Ichs muss für den immateriellen körperlich erlebnishaft leiden!

Diese Verkündigungen von den unterschiedlichsten Glaubensgründern sind auch deshalb so unfassbar, weil es nie einen Zeugen gab, der ihre Behauptungen bezeugen konnte. Und, obwohl kein Mensch bisher über eine Wiedergeburt berichten konnte, wird diese abstruse Darstellung als Wahrheit angesehen.

Die Apokryphen

Die Apokryphen sind Schriften, die bei der endgültigen Zusammenstellung des Alten und des Neuen Testaments nicht berücksichtigt wurden. Interessant ist, dass die verschiedenen Glaubensgemeinschaften (orthodoxe, römisch katholische, evangelische Kirche, Judentum) zum Teil unterschiedliche Schriften als kanonisch anerkannten und anerkennen. Daraus ergibt sich, dass die Auswahl willkürlich war und wahrscheinlich ausschließlich davon abhängig war, in wie weit die Texte den jeweiligen Zielsetzungen dienten.

Für das Alte Testament gilt, laut Luther folgende Auswahl: „Zwelff kleine Propheten mit namen.

Judith

Das Buch der Weisheit

Tobia

Jesus Sirach

Baruch

Maccabeorum

Stücke inn Esther und Daniel *

Genesis

Exodus

Leviticus

Numeri

Judicu

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Teile von Esther und Daniel als rechtgläubig und andere Teile dagegen als nicht rechtgläubig eingestuft werden.

Wie willkürlich die Auswahl der verschiedenen Glaubens-gemeinschaften ist, zeigt (nach 2 Wikipedia, Apokryphen) folgender Vergleich:

Apokryphen nach dem jüdischen Tanach und dem evangelischen Kanon

Buch Judit

Buch der Weisheit

Buch Tobit (nach der Vulgata und nach Luther „Tobias“)

Jesus Sirach

Buch Baruch und Brief des Jeremia

Buch der Makkabäer

Zusätze zum Buch Ester

Zusätze zum Buch Daniel

Gebet des Manasse

Alttestamentliche Apokryphen nach dem katholischen Kanon

Die Apokryphen des evangelischen Kanons sind - das Gebet des Manasse ausgenommen - in katholischen Bibelausgaben offizieller Teil des Kanons, darüber hinaus gibt es noch diese Teile:

Buch Esra

Buch der Makkabäer

Gebet des Manasse

Psalm 151

Psalmen Salomos

Buch der Jubiläen“ 2 Wikipedia, Apokryphen

Die Apokryphen des Neuen Testaments

Die Apokryphen des Neuen Testaments wurden besonders rigoros ausgewählt, weil sie zum Teil in völligem Widerspruch zu der heute allgemein gültigen Lehre stehen.

Die heute von den Glaubensgemeinschaften anerkannten Evangelien sagen übereinstimmend aus, dass die Menschen nur durch den Tod Jesu die Erlösung erreichen. Die nicht anerkannten Evangelien und Schriften sagen dagegen, dass der Mensch selbst, ohne Kirche, ohne Priester zu Gott finden kann und so im direkten Verhältnis Erlösung findet.

Diese Generalaussage konnte und kann die Kirche nicht zulassen, weil sie sich dann selbst für überflüssig erklären würde. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass früher das Lesen dieser Apokryphen verboten war.

Zu den Neutestamentlichen Apokryphen zählen unter anderen

das Judasevangelium

das Petrusevangelium

das Thomasevangelium

das geheime Markusevangelium

das Evangelium der Maria Magdalena

die Apostelgeschichte des Petrus

die Apostelgeschichte des Andreas und viele andere.

2 Wikipedia, Apokryphen

Anmerkung:

In der bereits erwähnten Sendung von ARTE am 06.04.2015, wurde unter anderem berichtet, dass 1945 weitere 250 gnostische Schriften/Evangelien gefunden wurden. Darin wird unter anderem Maria Magdalena als wichtige Person des inneren Zirkels um Jesu Christi beschrieben. Dieser Sachverhalt wurde und wird von der römisch katholischen Kirche konsequent negiert bzw. umgedeutet.

Der Streit der Theologen

Neben den Themen des Monotheismus, der Dualität und der Trinität wird seit Jahrhunderten vor allem erbittert darüber diskutiert, ob die Satisfaktionslehre so gültig ist, wie sie heute noch von der Kirche vertreten wird.

In Wikipedia ist darüber zu lesen:

„Die Satisfaktionslehre ist Bestandteil der christlichen Erlösungslehre.

Nach dieser Vorstellung ist der Tod Jesu als Sühnopfer nötig, um eine angemessene Wiedergutmachung für die Verletzung der Ehre Gottes zu leisten, die durch den Sündenfall der Menschen geschehen ist. Für Gott habe es nur die Alternative gegeben „entweder Strafe“ (aut poena), d. h. die Vernichtung der gesamten Menschheit „oder Wiedergutmachung“ (aut satisfactio) durch eine die Sünde aufwiegende Ersatzleistung. Damit die Ersatzleistung aber schwergewichtiger als die Menschheitssünde sein konnte, war es nötig, dass Gott selbst Mensch wurde, um nun – als selbst Sündloser – in der menschlichen Gestalt Jesu Christi sein Leben als satisfactio für die Sünden der Menschen dahin zu geben.“ 2 Wikipedia, Satisfaktionslehre

Und:

„Viele Theologen halten die Satisfaktionslehre für den zentralen Kern des Christentums, da sie darstelle, wie der Mensch zum Heil gelange. Andere Theologen hingegen halten die Satisfaktionslehre für eine Fehlinterpretation der Bibel, deren Aussagen durch das mittelalterliche Rechtsverständnis missverstanden worden seien.“ 2 Wikipedia, Satisfaktionslehre

Wird die Erklärung dieser Interpretation etwas genauer betrachtet, so ist festzustellen, dass sie jegliche Logik vermissen lässt. Vereinfacht dargestellt, wird ausgesagt, dass Gott für die Verletzung seiner Ehre (?) eine Wieder-gutmachungsleistung verlangt, die darin gipfelt, das Gott in der Gestalt Jesu selbst Mensch wurde, um nun als „Sündloser“ sein Leben für die Menschen dahin zu geben.

Natürlich wurde und wird das so in dieser Form nicht verkündet, sondern es wird herausgestellt, dass Jesu sein Leben gegeben hat (aus Solidarität zu uns Menschen?), um uns die Gelegenheit zu geben, nach dem Wort Gottes zu leben und so das ewige Leben zu erlangen. Siehe auch: Ist die katholische Kirche wandlungsfähig?

Teil II

Kapitel 1 Warum ließ Gott den Sündenfall zu?

Da Gott weiß, was geschieht bzw. was geschehen wird, wusste er, dass Adam und Eva von der Schlange verführt und den Apfel vom Baum der Erkenntnis essen werden. Ebenso wusste er, dass er nicht nur Adam und Eva bestrafen wird, sondern die gesamte nachfolgende Menschheit. Er wusste, dass die Menschen danach in Sünde leben werden und er sie dafür grausam in todo als auch einzeln bestrafen wird. Erinnert sei an Sodom und Gomorra, die Sintflut, der Turmbau zu Babel, die Ermordung der Götzenanbeter am Berge Sinai, die Vernichtung der Ägypter, um die wichtigsten Beispiele zu nennen.

Er wusste ebenfalls, wenn man den Interpretationen der christlichen Glaubensgemeinschaften folgt, dass sein eigener Sohn einen grauenvollen Tod sterben wird, weil er von seinen Jüngern und Glaubensbrüdern verraten und verurteilt werden würde. Wie ist ein derartiges Handeln zu erklären? Ist das göttliche Liebe oder Lust am Sadismus?

Durch den Sündenfall mussten –folgt man der Bibel- unzählige Menschen, durch welche Umstände auch immer, in Not, Unglück und Verzweiflung leben. Manchmal vielleicht zu Recht, aber im Normalfall immer zu Unrecht, weil sie keinerlei Einfluss auf die Gegebenheiten hatten (und haben), in die sie hinein geboren wurden und immer noch hinein geboren werden. Aus dieser Sachlage ergibt sich die Frage: Nach welchen Kriterien erblicken Menschen einerseits in positiven, andererseits in menschenunwürdigen Verhältnissen das Licht dieser Welt, wenn alle „Gottes Kinder“, also „seine Kinder“ sind?

Damit stellt sich die Frage: „Trifft Gott eine Vorausauswahl für jeden einzelnen über den möglichen Einzug in das Paradies, und damit zum ewigen Leben?“ Diese Fragen drängen sich auf, weil der Zeitpunkt, das Elternhaus, der Ort, das soziale Umfeld nicht nur prägend, sondern entscheidend sind.

Über viele Jahrhunderte hatten die Menschen keine Chance, sich gemäß den zehn Geboten zu verhalten. (Gemeint sind nicht die ethischen und moralischen Gesetze, sondern die Gebote, die Gott zur Anerkennung und Anbetung seiner Person erlassen hat.) Wer in eine katholische, buddhistische, islamische oder irgendeine andere Familie hineingeboren wurde, hatte nur geringe Chancen, sich aus diesem Umfeld zu lösen. Er wusste höchstens vom „Hörensagen“, dass es andere Religionen gibt. Da er aber nicht lesen konnte und ihm auch keinerlei Literatur zur Verfügung stand, musste er zwangsläufig immer glauben, was ihm die Eltern und die Vertreter der Glaubensgemeinschaften erzählten.

Warum aber gab und gibt Gott nicht allen „seinen Kindern“ die gleichen Chancen? Warum werden Kinder mit unheilbaren Krankheiten oder Verstandesschwäche geboren? Warum ist er ungerecht?

Die Standardantwort von den Führern und Vertretern der heutigen Glaubensgemeinschaften gegenüber den Benachteiligten dazu lautet mehr oder weniger unisono: „Dafür sind die Chancen, das ewige Leben zu gewinnen und ins Paradies zu kommen, deutlich größer. Gott belohnt das Leiden auf dieser Welt.“ Wenn die Antwort richtig ist, ergibt sich die Frage, ist das Liebe oder Güte?

Kann es möglich sein, dass die Vertreter und Heilsverkünder der verschiedenen Glaubenslehren sich der vollen Konsequenz dieser Aussage, oder des Versprechens, nicht bewusst sind?

Wenn dem so wäre, ist die Ungerechtigkeit Gottes noch größer, weil dann all jene, die ohne Leiden, ohne Not, ohne Gebrechen das ewige Leben erlangen, bevorzugt behandelt werden. Ein weiterer Beweis, dass Gott, wenn es ihn gibt, nicht gerecht ist und die Bibel ein völlig falsches Bild vermittelt.

Warum also immer wieder die Behauptung: alle Menschen sind „Gottes Kinder“ also „seine Kinder“? Wahrscheinlich ist diese Behauptung eine bewusst gewählte Formulierung, die dazu dient, den geforderten Gehorsam gegenüber „Gott-Vater“ widerspruchlos zu erbringen.

Sind wir, die Kinder Gottes, alle Brüder und Schwestern von Jesu? Sind wir das wirklich, wenn er Gottes Sohn war? Oder ist es nicht wahrscheinlicher, dass Jesu ein charismatischer Mann war, dem nachträglich Leistungen und Wunder angedichtet wurden, damit er als der Heilsbringer dargestellt werden konnte, auf den die Juden so lange gewartet haben?

Glaubt man der Bibel, wurden wir aus Erde gemacht und durch den Atem Gottes zum Leben erweckt, 1. Mose 2. Kapitel. Auch die Erschaffung der Frau, ebenfalls 1. Mose 2. Kapitel, soll ein ähnlich schöpferischer Akt gewesen sein, auch wenn das Ausgangsmaterial dieses Mal die Rippe von Adam war. Anders formuliert, Gott hat die ersten Menschen persönlich geschaffen und mit seinem Atem zum Leben erweckt.

Wird die menschliche Schöpfungsgeschichte, so wie sie in der Bibel geschildert wird, unvoreingenommen betrachtet, kann festgestellt werden, dass es ähnliche Überlieferungen in vielen anderen Kulturen und Glaubensgemeinschaften gibt. Damit gibt es weder eine Einmaligkeit noch eine Einzigartigkeit.

Jesus, sein angeblich leiblicher Sohn, wurde dagegen übernatürlich durch den heiligen Geist gezeugt aber menschlich geboren. Eine Geschichte, die sogar für eine große Anzahl von Gläubigen nicht glaubwürdig ist. Sie glauben, dass Jesus ein uneheliches Kind ist und diese Darstellung erfunden wurde, damit Josef Maria nicht verlässt.

Wenn Jesu wirklich Gottes Sohn war, dann hat Gott zwei Arten von Kindern. Vereinfacht und unpräzise kann dann von seinem „leiblichen“ Kind, das menschlich geboren wurde, und von seinen „unleiblichen“ Kindern gesprochen werden, die er persönlich aus leblosem Material erschaffen hat.

Wenn diese Überlieferungen stimmen, stellt sich die Frage, warum lässt Gott seinen leiblichen Sohn für seine unleiblichen Kinder so grauenvoll sterben, wenn er laut Interpretation der Glaubensgemeinschaften schon im Voraus wusste, was passieren wird? Welchen Sinn macht diese Geschichte?

Warum wurde der Mensch zum Töten gezwungen?

Im Kontext mit der Schaffung des Menschen steht im 1. Mose, 1. Kapitel, 10. Absatz,

„Und Gott segnet sie und sprach zu inen. Seid fruchtbar und mehret euch, und füllet die erden, und macht sie euch unterthan und herrschet über fisch im meer, und uber vogel unter dem himel, und uber alles thier, das auff erden kreucht.

11. Absatz

„Und Gott sprach, Sehet da, ich hab euch gegeben allerleiy kraut, das sich besamet, auf der gantzen erden und allerleiy fruchtbare beume, und beume die sich besamen, zu ewr speise, und aller thiere auff erde, und allen vogeln unter dem himel, und allem Gewürm, das das leben hat auff erden, dass sie allerley grün kraut essen. Und es geschach also. Und Gott sahe an alles was er gemacht hatte, und sihe da. Es war seer gut. Da ward aus abend und morgen der sechste Tag.“

Wir wissen, dass diese Voraussagung nicht eingetroffen ist, denn die Artenzahl der fleischfressenden Tiere ist gewaltig. Sie müssen andere Tiere (Lebewesen), manchmal sogar Artgenossen töten, um zu überleben. Warum?

Warum sind wir keine Vegetarier oder Veganer geworden? Warum hat er bereits von den Kindern der ersten Menschen (Abel) Blutopfer verlangt?

Was ist die Ursache für diese Mentalität? Wir wissen es nicht. Fakt jedoch ist, wenn die Bibel Gottes Wort ist, ist diese Einstellung für uns nicht nachvollziehbar. Dialektisch interpretiert kann gefolgert werden, das Töten von Tieren ist von Gott gewollt. Das Töten von anderen Lebewesen ist sanktioniert, wenn es zur eigenen Erhaltung geschieht. Damit offenbart sich offensichtlich ein völlig anderer Charakter Gottes als offiziell gelehrt wird.

Wenn das, was in der Bibel geschrieben steht, richtig ist, wird uns von den Glaubensgemeinschaften ein wesentlicher Teil vom Charakter Gottes verschwiegen. Der Grund ist klar, Gott ist auf keinen Fall so, wie er von den Glaubens-gemeinschaften dargestellt wird.

Gott und sein ambivalentes Verhältnis zur Sünde und den Menschen

Den Begriff Sünde gibt es nur im Kontext mit dem Juden- und Christentum sowie dem Islam. Sünde wird im christlichen Sinne als bewusster Handlungsverstoß gegen die Gebote Gottes bzw. seine Verhaltensvorgaben verstanden.

Interessant ist, dass die Menschen vor der Übergabe der zehn Gebote an Moses, offensichtlich schon sehr genau wussten, was Sünde bzw. Unrecht ist, obwohl es bis zur Übergabe der zehn Gebote nur einen „offiziellen“ Sündenfall gab, den Verzehr des Apfels vom Baum der Erkenntnis.

Folgt man den Texten der Bibel, gab es bis zur Übergabe der zehn Gebote an Moses keine konkreten Gesetze, Gebote oder Verhaltensvorgaben von Gott.

Dennoch schickte Gott die Sintflut und vernichtete Sodom und Gomorra, weil die Menschen in Sünde lebten. Diese Strafen stehen im Widerspruch zu dem, was im Römerbrief Kapitel 5, Absatz 5 geschrieben steht:

„… Denn die sunde war wol in der welt, bis auff das Gesetz. Aber wo kein gesetz ist, da achtet man der sunde nicht, sondern der tod herschete von Adam an bis auff Mosen, auch uber die, die nicht gesundigt haben, mit gleicher ubertrettung wie Adam, welcher ist ein bilde des, der zukünfftig war.“

Da Gott den Menschen vor der Sintflut und vor der Vernichtung von Sodom und Gomorra keine Gebote und Verhaltensregeln gegeben hat, können sie nicht bewusst in „Sünde“ gelebt haben, weil es Gottes Gebote noch nicht gab. Sie haben eigene moralische und ethische Grundsätze und Regeln gehabt, nach denen sie gelebt haben. Es darf angenommen werden, dass in diesen Kulturen das Töten, Stehlen, Lügen etc. ebenfalls bestraft wurde.

Worin bestanden also die Sünden, für die sie sterben mussten? Warum mussten die Menschen und alles was zu ihnen gehörte büßen, obwohl es keine Gesetze über die zu erbringenden Verehrungsleistungen gegenüber Gott gab?

Wie wir aus der Bibel wissen, kommunizierte Gott damals nur mit seinem auserwählten Volk. Wieso mussten dann all jene Menschen sterben, mit denen er nie sprach und denen er nie Gebote gab?

Damit tauchen weitere Fragen auf: Woher sollten die vielen anderen Völker wissen, dass es Gott gibt, wenn er sich ihnen nicht offenbarte? Kann es sein, dass die Juden tatsächlich ein auserwähltes Volk sind? Ist es möglich, dass Gott die anderen Völker (nach wie vor) gar nicht interessieren? Oder ist es die Geschichte der Juden eine völlig überzogene Selbstdarstellung weil sie sich als auserwählt betrachteten und immer noch betrachten? Kann es sein, dass Gott immer noch zwischen „seinem Volk“ und allen anderen Menschen unterscheidet?

Mit seinem „eigenen“ Volk war Gott –gemäß Bibel- deutlich rücksichtsvoller. Während Moses auf dem Berg Sinai die zehn Gebote entgegennahm, gestaltete Aaron auf Wunsch des Volkes die Götzenfigur, das goldene Kalb. Daraufhin wollte Gott zwar alle vernichten, jedoch konnte Moses ihn überzeugen, davon teilweise Abstand zu nehmen.

So ist zu lesen in 2. Mose, Kapitel 32, 8. Absatz

„Dann Mose sahe, das das volck frey war (denn Aaron hatte sie frey gemacht, und damit er sie wollte hoch heben, hat er sie inn schande gebracht) trat er inn das thor des lagers, und sprach, „Der, zu mir wer den HERRN angehört. Da samleten sich zu im alle kinder Levi, und er sprach zu inen. So spricht der HERR der Gott Israel, binde ein jglicher sein schwert auff seine lenden, und durch gehet hin und widder, vo einem thor zum anderen im lager, und erwürge ein jglicher seinen bruder, freund, und nehesten. Die kinder Levi thetten, wie in Mose gesagt hatte. Und fiel des tages vom volck, drey tausent man. Da sprach Mose. Füllet heute ewer hende dem HERRN, ein jglicher an seinem son und bruder, das heute uber euch der segen gegeben werde.“

Es steht nicht geschrieben, wie viele überlebt haben. Aber nach diesem Text darf unterstellt werden, dass die Kinder Levi nach eigenem Ermessen all jene getötet haben, die sie für schuldig hielten.

Diese Erzählung mutet eigenartig an, denn wenige Absätze vorher, im gleichen Kapitel steht geschrieben, das „alles Volk“, also auch die Kinder Levi, ihr Gold für das goldene Kalb gaben. Demnach waren auch die Kinder Levi Sünder, wie alle anderen auch.

Warum wurden sie nicht bestraft, sondern durften die anderen ermorden?

Auch die Aufforderung, nicht nur den Freund und den Nächsten, sondern auch seinen Bruder umzubringen, ist nicht logisch, denn demnach müssten die Kinder Levi auch ihre Brüder umgebracht haben. Das sind Erzählungen voller Willkür und ohne jegliche Logik.

Da es sowohl im Alten als auch im Neuen Testament viele weitere Beispiele gibt, die weder logisch noch konsequent sind, taucht die Frage auf: Wenn es keine Logik und keine Konsequenz in den Taten von Gott gibt, wie verlässlich ist dann sein Verhalten? Und wie verlässlich sind dann die Aussagen und Prophezeiungen über ihn?

Werden die geschilderten Ereignisse unvoreingenommen betrachtet, wird deutlich, dass die Bibel voll ist von Berichten, die aufzeigen, dass seine Entscheidungen willkürlich sind.

Sind vor Gott wirklich alle gleich oder gibt es Auserwählte mit Sonderrechten?

Fakt ist offensichtlich, dass vor Gott nicht alle Menschen gleich sind, denn „gleich“ bedeutet gleiche Rechte, gleiche Freiheit, gleiche Startbedingungen, gleiche Chancen.

Gott hingegen gibt den Menschen weder gleiche Rechte, noch gleiche Freiheit und erst recht nicht gleiche Chancen, weil er die Mehrklassengesellschaft befürwortet. Wenn das so ist und er das Schicksal eines jeden Menschen lenkt, ist die logische Konsequenz, dass unser Leben und unser Schicksal vorbestimmt sind und wir auf die Abläufe keinen Einfluss haben. Egal ob unsere Geburt „geplant“ oder nach dem Zufallsprinzip erfolgt, es gibt keine Gerechtigkeit.

Wenn im Alten Testament immer wieder von „seinem Volk“ gesprochen wird und er auch von „meinem“ Volk spricht, ergibt sich die Erkenntniss, dass es zumindest einen grundsätzlichen Unterschied zwischen seinem Volk und allen anderen Völkern gibt. Der Hinweis, dass mit der Geburt und dem Tod Jesu alle Menschen gleich sind, klingt nicht überzeugend. Warum sollte, was über Jahrtausende gültig war, dieses mit dem Tod Jesu nicht mehr gelten? Nur weil er am Kreuz angeblich für uns gestorben ist?

Was ist das für eine Logik? Gott lässt seinen eigenen Sohn qualvoll sterben, damit die Menschen gerettet werden? Ist das Gott zuzutrauen, der die Erde, die Welt, das Universum nach strengen Regeln und Gesetzmäßigkeiten erschaffen haben und leiten soll? Er, der Meteoriten auf die Erde fallen lässt, um nahezu die gesamte Flora und Fauna zu zerstören? Er, der Eiszeiten kommen und gehen lässt, der verheerende Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüche zulässt? Oder ist doch nicht wahrscheinlicher, dass alles zwangsläufige Ereignisse sind, die durch die Veränderungen im Universum, die Verschiebung der Erdplatten und durch den Eingriff der Menschen in die Natur entstehen?

Ein weiteres Beispiel für die Aussage, dass vor Gott nicht alle Menschen gleich sind, beweisen die Texte im 2. Mose, Kapitel 21, 1. Absatz. Da steht geschrieben:

„Dis sind die Rechte die du inen solt vorlegen. (Das sagte er zu Mose auf dem Berg Sinai bei der Übergabe der zehn Gebote)“ So du einen Ebreischen knecht keuffest, der sol dir sechs iar dienen, im siebenden iar soll er frey ledig ausgehen, ist er aber ehlich komen, so sol sein weib mit ihm ausgehen. Hat im aber sein herr ein weib gegeben, und hat söne odder töchter gezeuget, so sol das weib und die kinder seins herrn sein, er aber sol alleine ausgehen. Spricht aber der knecht, ich hab meinen herrn lieb, und mein weib und kind, ich wil nicht frey werden, so bring in sein herr fur die Götter, und halt in an die thür odder pfosten, und bore im mit einer pfrimen durch sein ore, und er sey sein Knecht ewig.

In den folgenden Versen wird detailliert beschrieben, wie sich die Besitzer der Leibeigenen in den verschiedensten Situationen verhalten sollen.

Der Text im 2. Mose, Kapitel 21, beschreibt unmissverständlich, dass es Reiche bzw. Herrschende gab, die Knechte, Mitarbeiter und gekaufte Personen, also Leibeigene (Sklaven) hatten. Wie bereits erwähnt, ich habe kein theologisches Studium absolviert, aber ich kenne keinen Text in der Bibel, in denen sich Gott einmal an Leibeigene wendet.

Muss man also zum auserwählten Volk gehören, um von Gott wahrgenommen zu werden? Gibt es für Gott eine Drei-Klassengesellschaft? Menschen erster Wahl (auserwählte), zweiter Wahl (freie) und dritter Wahl (Leibeigene)? Trifft Gott durch die Geburt eine Vorauswahl? Oder ist unsere Geburt nur eine Anhäufung von Zufälligkeiten? Wenn das der Fall ist, warum sollten die Menschen dann noch an die Bibel und ihre Verheißungen glauben?

Da die Leibeigenschaft im Sinne Gottes ist, ergibt sich die Frage: Ist der Mensch gerechter als Gott, in dem er die Leibeigenschaft für nicht vereinbar mit der Menschenwürde hält? Achten wir die Würde des Menschen höher als Gott? Warum lässt er zu, dass Menschen versklavt wurden und werden, oder ist das alles nur möglich, weil es ihn gar nicht gibt?

Wir wissen, dass die Reichen und Mächtigen, von Ausnahmen abgesehen, immer die Profiteure ihrer Zeit waren. Sie beherrschten und bestimmten mehr oder weniger allmächtig über das Wohl und Wehe der Mitmenschen, die in ihrem Einflussbereich lebten. Solange, bis jemand auftrat der noch mächtiger bzw. reicher war.

Wird das Wesen von Reichtum und Macht hinterfragt muss festgestellt werden, dass Reichtum und Macht siamesische Zwillinge sind. Die Macht wird genutzt um Reichtum zu mehren, Reichtum wird genutzt um Macht zu gewinnen und auszuüben.

Wer reich und mächtig ist und über das Wohl und Wehe anderer Menschen bestimmen kann, muss sich gegen Widerstände der verschiedensten Art durchsetzen. Die Geschichte zeigt uns bis zum heutigen Tag, dass es fast immer Menschen waren, die über besondere, meistens rücksichtslose Durchsetzungskraft verfügten. Die Mittel und Wege zur Erlangung und Erhaltung einer derartigen Position waren und sind selten oder nie mit den zehn Geboten zu vereinbaren. Dennoch genossen und genießen diese Menschen aufgrund ihrer „sündigen“ Handlungen hier auf Erden ein Leben mit vielen Privilegien. Sogar die Kirche ehrt und achtet diese Personen auf besondere Weise. Sie haben eigene Kapellen oder Sitzplätze und werden auf Grund ihrer Position hofiert.

Die Geschichte kennt nur wenige Reiche und Mächtige, einschließlich vieler Päpste, die sich nach „christlichem“ Verständnis gottesfürchtig verhalten haben. Da Gott ihnen aber immer ein besseres Leben –trotz ihrer Sünden- mit vielen Vorteilen gewährt, drängt sich der Verdacht auf, dass dieses Verhalten nicht nur sein „Gefallen“ findet, sondern auch unter seinem besonderen Schutz steht.

Wenn diese Interpretation richtig ist, darf der Mensch sich gegenüber seinen Mitmenschen gnadenlos verhalten. Er darf seinen eigenen Vorteil über alles stellen, denn offensichtlich heiligt der Zweck die Mittel. Und da die Kirche diese sozialen Strukturen mit ihren ganzen Auswirkungen akzeptiert und unterstützt ist alles „von Gott gewollt“.

Was geschieht mit den Generationen vor dem Tod von Jesus Christus?

Wer sich mit dem Themen „Jüngstes Gericht“ und „Auferstehung“ beschäftigt, kommt zwangsläufig zu der Frage: „Welches Urteil haben die Menschen beim jüngsten Gericht zu erwarten, die vor dem Tod von Jesus lebten?“ Daran schließt sich direkt die zweite Frage an: „Wie wird über die Menschen geurteilt werden, die nach dem Tode von Jesus lebten aber die Botschaft Gottes nicht kannten?“

Egal aus welcher Perspektive nach einer Antwort gesucht wird, bei der Beantwortung dieser Fragen kann es keine Gerechtigkeit geben.

Wenn all diese Menschen vom Jüngsten Gericht und der Auferstehung ausgeschlossen werden, teilt Gott „seine Kinder“ auch in diesem Fall in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Die einen, die am Jüngsten Gericht teilnehmen dürfen oder müssen. Über sie wird gerichtet und sie werden nach ihren Taten belohnt oder bestraft. Die Anderen, die von diesem Gericht ausgeschlossen sind, gehen straffrei aus. Sie bleiben tot, weil sie für das Gericht nicht auferweckt werden. Egal, aus welcher Position die Prophezeiungen betrachtet werden, die möglichen Antworten sind unbefriedigend.

Wahrscheinlicher ist, dass die Prophezeiungen und Weissagungen –wie in vielen anderen Religionen- das Ergebnis von Wunschvorstellungen sind. In allen Religionen gibt es einen Schöpfer. Fast alle versprechen ein Leben nach dem Tod, in welcher Form auch immer. Und in vielen Glaubenslehren wird versprochen, dass ein oder mehrere Ereignisse eintreten werden, um das Jüngste Gericht und damit die die Erlösung oder die endgültige Verdammung einzuleiten.

Der Unterschied der christlichen zu den Naturreligionen besteht in der schriftlichen Überlieferung. Keine andere Glaubensgemeinschaft hat ihre Geschichte so früh und so umfangreich dokumentiert wie das „Volk Gottes“, die Juden. Die später daraus entstehende katholische Kirche hat die geschriebenen Geschichten systematisch gesammelt, bewertet, ausgesucht, manipuliert und für sich verwendet.

Das Ergebnis dieser Selektion und Bearbeitung ist die Bibel. Mit den in diesen Geschichten enthaltenen Verheißungen ist sie das Manipulationsinstrument gegenüber den Gläubigen. Daher darf angenommen werden, dass nur die Aufzeichnungen ausgewählt wurden, die die Einmaligkeit Gottes und Jesus beschrieben und gleichzeitig den Machtanspruch der katholischen Kirche unterstützten.

Dieses Potential erkannten auch die Gründer von vielen weiteren Glaubensgemeinschaften, die später entstanden. So entwickelten sie alle ihre eigenen Heilslehren, jeweils zu ihrem Vorteil.

Einzelne Glaubensgemeinschaften sind davon überzeugt, dass das Ende der Welt sehr nahe ist. Einige haben es sogar schon verschiedene Male mit konkretem Datum angekündigt, aber wahrscheinlich will sich Gott nicht vorschreiben lassen, wann der Zeitpunkt gekommen ist.

Dass die Gläubigen das Ende der Welt bereits seit rund 2.000 Jahren zeitnah erwarten aber bis heute nichts darauf hindeutet, ändert nichts an ihren permanenten Glauben, dass es bald sein wird.

Zurück zum Jüngsten Gericht und dem ewigem Paradies. Werden der Homos erectus, der Neandertaler und der Homo sapien auch zum jüngsten Gericht auferweckt? Nach welchen Kriterien wird über all jene geurteilt, die in Unkenntnis gelebt haben? Was ist mit den Kannibalen? Was ist mit den Priestern der Mayas, die Menschen zu Ehren ihres Gottes bzw. ihrer Götter geopfert haben? Gibt es für alle Menschen überhaupt allgemein gültige Kriterien, nach denen die, die gelebt haben, gerecht beurteilt werden können?

Der Mensch, das Ebenbild Gottes?

In der Bibel steht im 1. Moses, 1. Kapitel, 10. Absatz

„Und Gott sprach: Lasst uns* menschen machen, ein bild, das uns gleich sey, die da herrschen uber die fisch im meer und uber die vogel unter dem himmel und uber das viech, und uber die gantzen erde und uber alles gewürm, das auff erden kreucht. Und Gott schuff den menschen im zum bild, zum bild Gottes schuff er in. Und er schuff sie ein menlin und frewlin.“

(*Zwischenfrage: „Wer ist uns? Als Gott die Welt schuf gab es gemäß Schöpfungsgeschichte kein anderes Wesen außer ihm. Führte er Selbstgespräche oder gab es doch Wesen, die mit ihm existent waren aber nicht erwähnt sind? Wenn ja, welche? Und welche Bedeutung hatten sie? Wenn es –angenommen- Engel waren, warum wurden sie nicht konkret erwähnt? Und welchen Einfluss haben sie auf die Schöpfung genommen?

Diese Beschreibung ist eindeutig. Danach ist der Mensch das Abbild Gottes auf Erden. (Es kann keine andere Interpretation geben, denn sie ergibt sich auch aus der Gestalt seines „leiblichen“ Sohnes Jesus.)

Bei einer derart expliziten Beschreibung darf davon ausgegangen werden, dass den Menschen damit nicht nur die äußere Form Gottes, sondern ihnen gleichermaßen auch die Wesenszüge, der Charakter übertragen und mitgegeben wurden.

Wenn das so ist, müssen unsere Anlagen und unsere Merkmale identisch sein. Die Konsequenz aus dieser vereinfachten Folgerung ist, dass Gott sich mit den gleichen Wesensmerkmalen wie Liebe, Ärger, Machtstreben, Anerkennung, Wut, Zuneigung, Bevorzugung etc. auseinander setzt. Wenn dem so ist, kann dann Gott überhaupt Objektivität und gleiche Zuneigung für alle unterstellt werden?

Natürlich kann und will sich das weder ein Christ noch ein Islamist vorstellen. Aber wenn die Glaubensgemeinschaften darauf bestehen, dass die Bibel wörtlich zu verstehen ist, dann haben sie auf diese Fragen keine Antwort.

Auch wenn bei schwierig zu erklärenden Textpassagen, wie z. B. in der Offenbarung, gesagt wird, man müsse diese Texte beispielhaft verstehen, ändert sich der Sachverhalt nicht grundsätzlich, denn “Beispiel“ steht für Muster, Vorbild, Modell etc.

Einen Absatz weiter, im gleichen Kapitel steht weiter:

„Und Gott segnet sie und sprach zu inen: Seid fruchtbar und mehret euch, und füllet die erden, und macht sie euch unterthan, und herrschet uber fisch im meer, und uber vogel unter dem himel und uber alles thier, das auff erden kreucht.“

In diesem Vers ist, zumindest für viele Glaubens- bzw. Religionsgemeinschaften, Splittergruppen eingeschlossen, das Selbstverständnis des eigenen Ichs verankert. Er, der Mensch, ist nach dem Bilde Gottes geschaffen. Wir, die Menschen, sind die Herrscher über alles, was auf der Erde neben uns noch existiert.

Da auch die „Stellvertreter“ Gottes, die Päpste der römisch katholischen Kirche stets Menschen waren und Jesus, „Gottes Sohn“, ebenfalls in Menschengestalt auf der Erde weilte, konnte die Kirche die Doktrin des Ebenbildes nahezu zwei Jahrtausende ungehindert verbreiten. Diese Darstellung des Menschen passte in hervorragender Weise in die Lehre der Kirche. Die Verkündung von der „Menschlichkeit“ Gottes unterstützte die Glaubwürdigkeit der Kirche. So konnte sie unwidersprochen das Bild von „Gott-Vater“ und den seinen hier auf Erden lebenden Kindern, verbreiten.

Diese Darstellung macht es der Kirche auch heute noch leicht, Gott als „Gott-Vater“ und den Menschen als „Kinder Gottes“ darzustellen. Diese Interpretation ist ein psychologisches Meisterwerk, denn wer will gegen seinen „liebevollen“ Vater bzw. seinen Stellvertreter aufbegehren, wenn es um das ewige Leben geht, das bei Gehorsam versprochen wird?

Aber, ist das ein liebender Vater, wenn er zulässt, dass „seine Kinder“ in den Slums geboren werden? Oder ist das ein Zeichen von Liebe, wenn sie mit Behinderungen geboren werden oder er ihnen einen IQ von 70 und weniger gibt? Ich weiß es nicht, aber ich kann es mir nicht vorstellen.

Es ist eine taktische Meisterleistung der Kirchen, den Menschen zu verkünden, sie seien nach dem Ebenbild Gottes geschaffen und ihnen gleichzeitig zu verkünden: Wen Gott liebt, den prüft er, den lässt er leiden, den lässt er in unwürdigen Verhältnissen vegetieren. Das Ergebnis ist eine geistige Versklavung durch die Kirche, die beispiellos ist.

Eine nachhaltige Verankerung der Vorstellung vom Ebenbild erfolgte u. a. auch durch das berühmte Fresko in der Sixtinischen Kapelle von Michelangelo, „Die Erschaffung Adams“, in dem die „Identität“ zwischen Gott als Schöpfer und seinem Werk, dem Ebenbild, dem Menschen, dargestellt wird. Der geschaffene Mensch entspricht in den Dimensionen, der Statur, dem Aussehen seinem Schöpfer.

Natürlich ist dieses Bild nur aus seiner Zeitgeschichte heraus zu verstehen. Es entspricht dem Zeitgeist des 15./16. Jahrhunderts und konnte von Michelangelo gar nicht anders gemalt werden, wenn er nicht als Ketzer gebrandmarkt werden wollte. Jedoch hat es über Jahrhunderte die Vorstellung vom Bild Gottes entscheidend mit geprägt und bietet einigen Glaubensgemeinschaften auch heute noch eine visuelle Orientierung.

Der Begriff „Ebenbild“ ist grundsätzlich nicht nur bildlich zu verstehen, sondern bringt die Ähnlichkeit in ihrer Gesamtheit zum Ausdruck. „Er ist wie der Vater“ beschreibt nicht nur die äußerliche Übereinstimmung, sondern auch die Kongruenz bzw. die Ähnlichkeit des Charakters.

Die Darstellung der Kirche, dass wir nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurden, ist in der christlichen Religion über fast zwei Jahrtausende fest verankert gewesen und wird heute auch noch von einigen Glaubensgemeinschaften vertreten.

Unterstützt wird dieser Glaube auch durch den Brief, den Paulus an die Kolosser geschrieben hat. Dort steht im 1. Kapitel, 6. Absatz unter anderem über Jesu:

„… welcher ist das ebenbilde des unsichtbarn Gottes, der Erstgeborne vor allen Creaturen.“

Daraus ergibt sich die logische Schlussfolgerung, dass wir, die wir aussehen und ähnlich denken und fühlen wie Jesus Christus, nicht nur körperlich sondern auch charaktermäßig dem Ebenbild entsprechen. Wenn dem so ist, stellt sich die Frage, warum und wofür sollen wir bestraft werden, wenn wir denken und handeln wie er?

Der Missbrauch des Ebenbildes

Die Verkündigung des göttlichen Ebenbildes ist, zugegebener Maßen, nicht eine „Erfindung“ der christlichen Kirche, sondern bereits in den vor-christlichen Staaten gab es bereits Herrscher, die die „Gottähnlichkeit“ für sich in Anspruch nahmen.

Damit entstand eine subtile und infame Beherrschungs-strategie der Mächtigen. Sie waren einerseits Menschen wie jeder andere, andererseits aber waren sie die personifizierten Stellvertreter der jeweiligen Götter.

Sie, die Herrscher, verkündeten, dass sie Auserwählte seien und hier auf Erden die Stellvertreter der jeweiligen Gottheiten sind. Da sie oft zugleich auch oberste Feldherren waren, besaßen sie eine unumschränkte, nicht angreifbare Machtposition, der sich sämtliche Staatsmitglieder bedingungslos unterwerfen mussten.

Mit der Vergabe der wichtigsten Führungspositionen innerhalb der Verwandtschaft war diese Position stets die Quelle eines ungeheuren Reichtums, da die eigenen Interessen zu jeder Zeit und gegenüber Jedermann durchsetzt werden konnten. Uns gut bekannte Kulturen wie bspw. die Ägypter, Mayas oder Inkas sind die besten Beispiele.

Da sich die Herrscher als Auserwählte darstellten, und sich immer wieder untereinander verbanden, konnten sie diesen Anspruch unangefochten auf ihre Nachkommen übertragen und somit mühelos ihre Bestandssicherung betreiben.

Wie immer, wenn sich in der Vergangenheit weltliche und kirchliche Macht vereinten oder sich gegenseitig unterstützten, waren die Leidtragenden all jene, über die die gottähnlichen Herrscher nach Belieben verfügen konnten. Ein Modell, das für die später entstehende Kirche faszinierend sein musste, zeigte es doch, wie einfach Herrschaft auszuüben war.

Dass diese Strategie bis heute nichts von ihrer Wirksamkeit verloren hat, beweisen die unzähligen „religiösen“ Splittergruppen. Ihre Schöpfer waren (und sind) Männer und Frauen, die eine Erscheinung, eine Vision etc. hatten und behaupteten, Gott, oder ein anderes himmlisches Wesen hätte ihnen den Auftrag erteilt, die Menschen auf den „wahren“ Weg zu führen. Beispiele: Islam, Jehovas Zeugen, Baptisten, Methodisten, Adventisten, Zwölf Stämme usw.

Interessant ist, dass sie nie einen Zeugen für ihre Berufung hatten. Sie alle schilderten ihren Zeitgenossen ihr Solo-Erlebnis so überzeugend, dass es stets Menschen gab und gibt, die ihnen glaubten bzw. glauben. Diese „Religionsgründer“ waren wahrscheinlich sehr charismatische Persönlichkeiten, so dass sie ihre Behauptung erfolgreich und gewinnbringend vermarkten konnten. Dazu waren die meisten auch noch clever, denn Tatsache ist, dass die meisten Gründer dieser Glaubensgemeinschaften die Nutznießer der gesammelten Vermögen wurden.

[...]

Details

Seiten
173
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668143517
ISBN (Buch)
9783668143524
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v304015
Note
Schlagworte
gott christentum judentum islam religion bibel koran

Autor

Zurück

Titel: Das Geschäft mit dem lieben Gott. Die Geschichte der Fälschungen durch die Religionen