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Analyse und Auslegung der Textstelle „Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen“ (Mt 13,24-30)

Mit besonderem Bezug auf den Sklavenbegriff im Neuen Testament und seiner Zeit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 25 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Textabgrenzung

3. Griechischer Text Mt 13,24-30

4. Deutsche Übersetzung Mt 13,24-30

5. Sprachlich-syntaktische Analyse

6. Gattungsanalyse

7. Traditionskritik
7.1 Traditionskritik mit besonderer Berücksichtigung des Sklavenbegriffs

8. Gesamtdeutung

9. Literatur- und Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Im Folgenden soll die Textstelle Matthäus 13, 24-30 näher betrachtet werden. Um den Sinn des Textes richtig deuten zu können, ist es notwendig, die Gegebenheiten während der Entstehungszeit des Matthäus-Evangeliums am Ende des 1. Jahrhunderts nach Christus zu berücksichtigen. Somit ist zunächst eine eigene Übersetzung notwendig, da jede vorhandene Übersetzung bereits ein Stück Interpretation und Deutung beinhaltet. Oftmals sind heutige Übersetzungen zu frei oder durch allegorische Einflüsse missverstanden worden. Mit der eigenen Übersetzung wird daher versucht, möglichst nahe am griechischen Text zu bleiben.

Den nächsten Schritt bildet die Textabgrenzung, durch welche Sinneinheiten hervorgehoben werden sollen. Danach erfolgt eine sprachliche Analyse der Perikope, worauf die Frage nach der Gattung des Textes folgt. Durch diese ersten aufeinander aufbauenden Schritte werden die Grundlagen für eine spätere Deutung gelegt. Dabei soll ebenfalls versucht werden, die historischen Gegebenheiten in der Vergangenheit soweit wie möglich in die Gegenwart zu holen, damit der Leser die Texte vor dem Hintergrund des beträchtlichen zeitlichen Abstandes historisch richtig einordnen kann.

Besondere Beachtung soll auf den Aufgaben, der Behandlung und auch metaphorischen Funktionen von Sklaven in den Texten des Neuen Testaments, speziell auch im Vergleich zur Lebensrealität des Evangelisten, liegen.

Zum Schluss der Arbeit soll dann mit Hilfe der vorangegangenen Analysen eine Deutung gewagt werden.

2 Textabgrenzung

Zu Beginn soll die in dieser Arbeit behandelte Textstelle eingegrenzt werden. Durch verschiedene Kennzeichen kann deutlich gemacht werden, an welcher Stelle man den Anfang und das Ende einer Texteinheit festlegen kann. Die vorliegende Perikope (Mt 13, 24-30) kann gut vom Kontext abgegrenzt werden, da mehrere innere, sowie äußere Merkmale darauf hindeuten. Bei der ausgewählten Textstelle handelt es sich um ein Gleichnis, welches inmitten einer Ansammlung von sieben Gleichnissen eingebettet ist. In diesen spricht Jesus in besonderem Maße über das Himmelreich, also die βασιλεία τοú τέου. Während es zu Beginn von Kapitel 13 (Mt 13, 10- 17) noch um die Frage der Jünger geht, weshalb Jesus nur in Gleichnissen zu den Zuhörern am See spricht, folgt mit Mt 13,18 ein Umbruch, ab dem es ausschließlich um Gleichnisse, in denen das Himmelreich thematisiert ist, geht. Dieser Gattungswechsel, in dem von der vorherigen dialogischen Form Abstand genommen wird und es zum Monolog Jesu kommt, markiert einen deutlichen Einschnitt. In diesem Monolog offenbart Jesus seine Gleichnisse. Der Monolog hält bis zu Vers 50 des 13. Kapitels[1] an. Hier wechselt der Text wieder in die dialogische Erzählform. Jesus stellt eine Frage an seine Zuhörer. Insgesamt beherbergt der Textteil von Vers 18-50 ausschließlich Gleichnisse und ihre Deutungen. Das Gleichnis vom Unkraut im Weizen schließt dabei als zweites Gleichnis des 13. Kapitels an die Parabel vom Sämann an. Die Trennung zwischen den ersten beiden Parabeln ist am leichtesten an der Wortwahl des Textes zu erklären. Zu Anfang des Gleichnisses vom Unkraut heißt es nämlich „Ἄλλην παραβολὴν παρέθηκεν αὐτοῖς λέγων·“[2]. Diese Einleitung zeigt sehr eindeutig, dass es nun zu einem weiteren von Jesus gewählten Beispiel kommt. Gleichermaßen beinhaltet die Formulierung „ein anderes“ eine Abgrenzung, da es eine Abweichung vom bisherigen Inhalt bedeutet. Dennoch gehört das Gleichnis, auch wegen besagter Formulierung, in den größeren Kontext, da es sich mit dem Einschnitt am Ende der Perikope gleich verhält und die nachfolgende Parabel von Senfkorn und Sauerteig (beginnend mit Mt 13,31) mit der gleichen Einleitung beginnt. Durch diese Merkmale wird deutlich, dass die ausgewählte Perikope sinnvoll abgegrenzt ist und für sich bearbeitet werden kann.

3 Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Mt 13, 24-30) - Griechischer Text

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

4 Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen (Mt 13, 24-30) - Übersetzung ins Deutsche

24a Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor, sagend:

24b Gleich ist das Reich der Himmel mit einem Menschen,

24c der guten Samen auf seinen Acker gesät hatte.

25a Während aber die Menschen schliefen,

25b kam sein Feind

25c und säte Unkraut mitten unter den Weizen

25d und ging weg.

26a Als aber die Saat aufging und Frucht brachte,

26b da erschien auch das Unkraut.

27a Es kamen aber die Knechte des Hausherrn hinzu und sagten zu ihm:

27b „Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät?

27c Woher hat er denn Unkraut?“

28a Er aber sagte zu ihnen:

28b „Ein feindlicher Mensch hat dies getan.“

28c Die Knechte aber sagten zu ihm:

28d „Willst du denn, dass wir hingehen und es zusammenlesen?“

29a Er aber sagt:

29b „Nein,

29c damit ihr nicht etwa beim Sammeln des Unkrauts gleichzeitig mit ihm den Weizen ausreißt.

30a Lasst beides zusammen wachsen bis zur Ernte,

30b und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen:

30c Sammelt zuerst das Unkraut zusammen,

30d und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen;

30e den Weizen aber sammelt in meine Scheune.“

5 Sprachlich-syntaktische Analyse

Nachdem zuvor der Text abgegrenzt und übersetzt wurde, soll nun eine sprachliche Analyse des Textes vorgenommen werden. Der mehrfache Gebrauch von bestimmten Wörtern geschieht bei den Autoren der Evangelien nicht zufällig. Somit kann man aus der Analyse des Wortschatzes dieses Textes die theologischen Akzente des biblischen Textes herausstellen.

Betrachtet man nun die vorliegende Perikope, fällt auf, dass einige Wörter vermehrt auftauchen. Zum Beispiel ist das Wort Samen[3] im Text zweimal zu finden. Auffällig ist, dass es beide Male im direkten Zusammenhang mit dem Adjektiv gut[4] steht. Dadurch wird betont, dass der Samen, welcher zuerst ausgesät wurde, gut und rein war. Diese Verbindung bedeutet, dass der Samen eben nicht das Unkraut hervorgebracht haben kann. Ein weiteres Beispiel sind die Worte Weizen [5] und Unkraut [6] , welche am häufigsten im Text vorkommen. Somit kann man auch sagen, dass diesen Wörtern die größte Bedeutung im Kontext der Perikope zuzuschreiben ist. Besonders hervorzuheben ist, dass in den meisten Fällen beide Wörter zusammen in einem Satz nah beieinander stehen. Dadurch wird eine enge Verbindung zwischen den beiden Substantiven geschlossen. Das Partikel δὲ, welche in jedem Vers zu finden ist, trägt zur Verkettung der einzelnen Sätze bei und verstärkt die inhaltliche Komposition der Textstelle. Innerhalb der Sätze werden Sinneinheiten meist mit καὶ verbunden.

Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen hat eine klare Struktur und kann inhaltlich in zwei Teile unterteilt werden. Die Exposition schildert in einer kontrastierenden Weise die kritische Situation: der vom Herrn ausgesäte gute Samen – das vom Feind ausgesäte Unkraut – das gemeinsame Aufkeimen beider (Vers 24-26). Darauf folgt ein doppelter Gesprächsakt zwischen dem Hausherren und seinen Knechten (Frage der Knechte: V.27, 28b; Antwort des Herrn: V.28a, 29, 30). Erzähl- und Gesprächsteil sind parallel aufgebaut. Während der Leser schon in den ersten Versen des Gleichnisses erfährt, warum auch das Unkraut auf dem Acker wächst, wiederholt sich dieses Thema in einer von den Knechten gestellten Frage an den Hausherren. Die Information, dass der ausgesäte Samen gut ist, taucht in der Frage der Knechte[7] erneut auf. Die Nachfrage, ob der Samen des Herrn wirklich gut war, ist aller Wahrscheinlichkeit nach keine vorwurfsvolle Frage, sondern soll lediglich zeigen, dass die Knechte um die Herkunft des Unkrauts verwundert sind. Der Hausherr reagiert nur knapp auf diese Frage, indem er den Knechten sagt, dass das Unkraut von einem Feind stamme. Hiermit ist implizit auch bestätigt, dass der Samen des Herrn gut war. Die zweite Frage der Knechte, ob sie das Unkraut jäten sollen, wird vom Herrn abgelehnt. Die klare Aussage „nein“ mag dabei in den Augen der Knechte zunächst überraschend sein, aber der Herr fürchtet um den Weizen, da er zusammen mit dem Unkraut herausgerissen werden könnte. Daher ordnet er in drei Arbeitsschritten einen anderen Vorgang zur Ernte des Weizen und zum Jäten des Unkrauts an: Zunächst sollen die Schnitter bis zur Ernte warten, da zu dieser Zeit beide Gräser ausgewachsen sind und das Weizen das Unkraut in Größe überragt (Vers 30a). Hiernach wird das Unkraut gejätet und zu Bündeln gepackt um es danach zu verbrennen (Vers 30c, d). Im letzten Schritt wird auch der Weizen gesammelt, um es in die Scheune zu bringen (Vers 30e).

[...]


[1] Ausgenommen von Vers 36, in welchem die Jünger nach der Deutung eines Gleichnisses fragen.

[2] Übersetzt: „Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor, sagend“

[3] Vgl.: σπέρμα Vers 24c und Vers 27b

[4] Vgl.: καλὸν Vers 24c und Vers 27b

[5] Vgl.: σίτου Vers 25c, σῖτον Vers 29c und Vers 30e

[6] Vgl.: ζιζάνια Vers 25c, 26b, 27c, 29b, 30c

[7] Vgl. Vers 27c

Details

Seiten
25
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668023215
ISBN (Buch)
9783668023222
Dateigröße
926 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v304012
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Seminar für Zeit- und Religionsgeschichte des Neuen Testaments
Note
2
Schlagworte
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