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Künftige Rahmenbedingungen erfolgreicher E-Commerce-Strategien des Mittelstandes

Wissenschaftlicher Aufsatz 2001 9 Seiten

BWL - Handel und Distribution

Leseprobe

Viele mittelständische Unternehmen der old economy zögern noch immer, auf den längst rollenden eCommerce-Zug aufzuspringen. Dabei verfügen sie, im Gegensatz zu zahlreichen Internet-Start-Ups über wertvolles, über Jahre kumuliertes Know-How, etwa zu Logistik, Zielgruppen- und Markenpflege. Hinzu kommt ein bereits bestehender Kundenstamm mit Erfahrung und Vertrauen in das meist bereits existierende Vertriebsnetz. Wie auch immer sich ein mittelständisches Unternehmen entscheidet: Die zukünftige Entwicklung des eCommerce wird den Mittelstand mit folgenden Chancen und Risiken konfrontieren.

Chance für den Mittelstand: Lokale Akzeptanzvorteile

Ein sowohl Anbieter wie Nachfrager befriedigendes Zahlungsverfahren existiert im Internet derzeit noch nicht. Bei Kunden dominiert die Unsicherheit bezüglich der Sicherheit bestehender Zahlverfahren und des Datenschutzes bei der Übermittlung von persönlichen Daten. Diese Skepsis bevorteilt paradoxerweise Onlinehändler, zumindest im unmittelbaren lokalen Umfeld. Zahlungen an einen unbekannten, überregionalen Anbieter bedingen größeres Vertrauen als an einen lokal ansässigen Händler. Kunden realisieren Hinzu kommt der Vorteil, im Reklamationsfall den Einzelhändler persönlich kontaktieren zu können und nicht auf eine vermeintlich unsichere Rücksendung der Waren angewiesen zu sein.

Chance für den Mittelstand: Lokale Logistikvorteile

Neben der lokalen Präsenz und einfachen Reklamationsmöglichkeiten haben mittelständische Anbieter des B-to-C-Bereiches häufig den Vorteil bereits implementierter Logistiksysteme, die eine lokale Belieferung gewährleisten.[1] Für überregionale Anbieter kann die Auslieferung der bestellten Produkte ein bedeutendes Problem darstellen.[2] Der Versand per Paket kann nur im regionalen Bereich durch eine Auslieferung per Kurierdienst oder durch Selbstabholung ergänzt werden. Bei der Selbstabholung kann der Kunde z.B. über das Internet tagsüber bestellen und abends auf dem Heimweg die kommissionierten Waren im Einzelhandelsgeschäft oder in Pick-Up-Bereichen abholen.[3]

Risiko: Die steigende Mobilität der Gesellschaft benachteiligt den mittelständischen Einzelhandel

Bisher genoss der lokale Einzelhandel eine Art „natürlichen Gebietsschutz“, d.h. Ortsansässige kauften Produkte (v.a. des zyklischen Bedarfes) in der Regel in derjenigen Ortschaft ein, in der sich auch ihr Wohnsitz befand. Durch E-Commerce wird jedoch der Einkauf über geografische Grenzen hinweg dramatisch erleichtert, wobei vor allem reine Online-Händler versuchen, den Markt durch besonders günstige Angebote zu penetrieren. Bei ihnen fallen insbesondere keine POS-Kosten für physische Ladenlokale an. Durch den Einsatz von automatisierten Systemen und die Kostenersparnis durch umsatzbedingte Einkaufsvorteile, können Online-Händler Produkte oft zu günstigeren Preisen anbieten als ortsansässige Händler. Unabhängig von Branche und Produktportfolio wird es sich deswegen künftig kein Unternehmen mehr leisten können, die millionenfache Webgemeinde zu ignorieren. Vergleichbar mit einer Top-Lage einer Vertriebseinheit im Innenstadtbereich ist eine vergleichsweise gute Auffindbarkeit über Suchmaschinen im Internet. Nicht im Internet vertreten zu sein, gleicht einer Filialschließung.

Westliche Industriegesellschaften sind nicht nur durch eine wachsende Internetakzeptanz, sondern auch durch eine zunehmende geografische Mobilität gekennzeichnet. Pendler, Zuziehende und andere Mobile benötigen Informationen über ihren neuen oder derzeitigen Wohnort. Informationen über Dienstleistungen und Produkte des lokalen Mittelstandes wurden früher aus den Branchenbüchern, über Mundpropaganda oder bei einem Stadtbummel bezogen. Künftig wird das Internet diese Funktion zunehmend ausfüllen. Sofern mittelständische Unternehmen über keine Onlinepräsenz verfügen, fließt vorhandene Kaufkraft an überregionale Onlinehändler ab.

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[1] Steinmaßl, Jürgen (1999): Lebensmittelmarketing im Internet, Frankfurt/Main, 190 f.

[2] O.V. (2000): Test: Einkauf im Internet, Lebensmittel Praxis, 16, 24 ff.

[3] Stolpmann, Markus: Kundenbindung im E-Business, Bonn, 128 ff.

Details

Seiten
9
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638102216
Dateigröße
377 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v304
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Akademie (Zeitschrift)
Note
positiv
Schlagworte
Künftige Rahmenbedingungen E-Commerce-Strategien Mittelstandes Zeitschriftenbeitrag

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Titel: Künftige Rahmenbedingungen erfolgreicher E-Commerce-Strategien des Mittelstandes