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Kann den Humanwissenschaften ein autonomes Dasein abgesprochen werden?

Mit Blick in Foucaults Analytik der Endlichkeit

Essay 2015 11 Seiten

Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen

Leseprobe

Inhalt

1.) Einleitung

2.) Die Problematik

3.) Analytik der Endlichkeit

4.) Humanwissenschaften und ihre Autonomie

5.) Schlussfolgerung

6.) Quellenverzeichnis

1.) Einleitung

Das folgende Essay setzt sich kritisch mit einer These aus dem Werk „Die Ordnung der Dinge – Eine Archäologie der Humanwissenschaften“, geschrieben vom Philosophen Paul Michel Foucault (1926-1984), auseinander. Das Buch wurde erstmals im Jahr 1966 in seinem Heimatland Frankreich mit den Titel „Les Mots et les choses - Une archéologie des sciences humaines“ veröffentlicht. Es folgte eine, in deutscher Sprache übersetzte Publikation im Jahr 1971, welche eine gelungene Kongruenz mit dem Originaltext aufweist. Foucaults Ansicht war es, es gebe drei Achsen oder Denkbewegungen, entlang denen die Konstitution menschlicher Subjektivität erfolgt. Dabei handelt es sich um 1.) die Achse des Wissens 2.) die Achse der Ethik und 3.) die Achse der Macht. „Die Ordnung der Dinge“ schreibt Foucault vor allem der Achse des Wissens zu. In seinem philo- sophischem Buch prägt der Autor vor allem den Begriff der episteme. Die episteme ist laut Foucault das historische a priori des Wissens. Eine von Foucaults Thesen lautet, dass Gebiete in der Wissenschaft stärker durch die Parallelen in der jeweiligen Epoche beeinflusst wurden als durch ihre individuelle Geschichte. Dieses Thema, welches Foucault als epistemologisch bezeichnet, könnte folglich auch archäologisch benannt werden, wie es der Untertitel seines Werkes bereits auffällig andeutet. So heißt es im Text: „Eher als um eine Geschichte im traditionellen Sinne des Wortes handelt es sich um eine

»Archäologie«.[1]

2.) Die Problematik

Foucault ist der Meinung, Humanwissenschaften gründen auf der Existenz anderer Wissenschaften und letztlich nur durch die Verwandlung der klassischen und taxonomischen Wissenschaften begann das Bestehen der Humanwissenschaften. Mit dieser These spricht Foucault den Humanwissenschaften sowohl ein autonomes Dasein als auch eine autonome Entstehung ab. Ein Beispiel dazu könnte lauten: Die Biologie trug zur Entstehung der Psychologie bei. Eine Begründung Foucaults lautet dazu: Weil man in der Biologie in der lebendigen Natur auf Wesen trifft, welche die Psychologie ebenso besitzt, öffnet sich bereits ein Weg zur Psychologie. Bleiben wir bei diesem Beispiel, so wäre laut Foucault die Psychologie einzig das Produkt einer bereits über Jahrhunderte bestehenden Wissenschaft.

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit soll eine Fragestellung ganz besonders an Klarheit gewinnen: Ist es wahr, dass die Humanwissenschaften nicht autonom existieren können und demnach aus-schließlich aufgrund der Existenz anderer Wissenschaft an Produktivität gewannen? Vor allem der Bezug der Biologie auf die Psychologie soll am Ende dieses Essays ausführlicher diskutiert werden. Doch bevor ich mich der Fragestellung und Beispielen genauer widme, möchte ich vorerst einen Blick in Foucaults Analytik der Endlichkeit werfen.

3.) Analytik der Endlichkeit

Zunächst ist es notwendig, einen Blick in Foucaults fundamentale und epistemologische Problematik – nämlich der Analytik der Endlichkeit – zu werfen, um einen grundlegenden Überblick über die Thematik zu verschaffen. Vorerst ist es jedoch wichtig zu wissen, dass Foucault in seinem Werk, gleich zu Beginn des ersten Kapitels, das Anliegen unterstreicht, keine Theorie über die Ordnung der Dinge zu liefern. Vielmehr analysiert der Philosoph die wissenschaftliche Arbeit in verschiedenen Jahrhunderten und geht davon aus, dass es dabei keine Konstanz (für beispielsweise wissenschaftliche Fragestellungen und Herangehensweisen an wissenschaftliche Problematiken) gibt. Seiner Ansicht nach gab es zwei bedeutende epistemologische Brüche (in der ersten Hälfte des 17. Jhd. und um 1800). Vor allem in den Gebieten Sprache, Arbeit und Leben. Foucault gibt bei seiner Analyse der Ordnung eine historisch nicht aufeinander reduzierbare epistemologische Formation. Dabei erwähnt er die Überlegungen von Jorge Luis Borges und seiner paradoxalen Enzyklopädie. Borges hatte die Idee, dass es unterschiedliche Welten geben könnte in denen es zwar unendliche Verzweigungen, Kreuzungen, Verflechtungen, Zeitreihen usw. geben könnte, in denen jedoch Raum- und Zeitkoordinaten fehlen. Die Welten besitzen in der Regel immer eine gleiche Struktur. Seine Enzyklopädien enthalten demnach alles Existierende, irrelevant ob sie vergangen, gegenwärtig oder zukünftig sind. Ausschlaggebend für die Analytik der Endlichkeit ist für Foucault ebenso die zeitliche Komponente, vor allem der Übergang zum modernen Zeitalter.

Während das Zeitalter der Klassik noch eine Ordnung besaß, die ausschließlich von Gott gegeben war und dementsprechend keinerlei Beschränkung unterlag, so nimmt im Zeitalter der Moderne immer deutlicher die Komponente der Repräsentation an Gewichtung zu. Foucault beschreibt diesen Bruch zwischen der Klassik und der Moderne in Kapitel neun wie folgt:

[...]


[1] Foucault, S.25.

Details

Seiten
11
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668022034
ISBN (Buch)
9783668022041
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303829
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Philosophisches Institut
Note
Schlagworte
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Autor

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Titel: Kann den Humanwissenschaften ein autonomes Dasein abgesprochen werden?