Lade Inhalt...

Analyse der EU-Low-Carbon-Strategy “A New Growth Path for Europe”

Seminararbeit 2015 17 Seiten

VWL - Umweltökonomie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Roadmap 2020
2.1. EU climate and energy package
2.2. Kosten des Klimaschutzes

3. Low-Carbon-Economy
3.1. Klimaschutz nach der Weltwirtschaftskrise
3.2. Konzept des Green Growth
3.3. Nutzen des Klimaschutzes

4. Bewertung des Grünen Wachstums
4.1. Prämissen der Low-Carbon-Economy
4.2. Anwendungsbeispiele
4.3. Kritische Reflexion
4.4. Abschließende Abwägung

5. Fazit

Literaturverzeichnis:

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: 2020 welfare impact of the EU 20/20/2020 package

Abbildung 2: Green Growth

Abbildung 3: Entwicklung der Branchen bis 2020

Abbildung 4: Rebound-Effekt

1. Einleitung

Die durch den Menschen verursachten Treibhausgasemissionen sind laut des Weltklimarates Hauptverursacher der globalen Erderwärmung.[1]

Neben den umweltökologische Folgen entstehen durch den Klimawandel auch bedeutende volkswirtschaftliche Kosten. Besonders erwähnt sei hier der Stern Report, der die Gesamtkosten und -risiken des Klimawandels, ohne weitergehende Maßnahmen des Klimaschutzes, auf einen Verlust von wenigstens 5% des globalen Bruttoinlandsprodukts jährlich berechnet.

Aus diesen Gründen entstehen weltweite Klimaschutzabkommen mit dem Ziel, die Erderwärmung und dessen Folgen abzuschwächen. Auch die Europäische Union verabschiedete ein Richtlinien- und Zielpaket für den Klimaschutz um den weltweiten Temperaturanstieg auf 2 °C zu beschränken. Zielsetzung ist eine Verminderung der Treibhausgasemissionen um 20 % bei einem Anteil der erneuerbaren Energien von 20% bis 2020.

Die Studie „A New Growth Path for Europe“, die 2011 im Auftrag des „Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit“ veröffentlicht wurde, beschäftigt sich mit den ökonomischen Chancen, die durch Maßnahmen zum Klimaschutz und den europäischen Verpflichtungen bis 2020 im speziellen, entstehen. Sie steht damit in einer Reihe von Wachstumskonzepten mit ökologischer Basis, die im grünen Wachstum ein mögliches europäisches Wirtschaftsmodell der Zukunft sehen.

Diese Hausarbeit stellt das Konzept „A New Growth Path for Europe“ vor und analysiert die ökonomischen Auswirkungen, die durch Klimaschutzverpflichtungen entstehen. Zusätzlich werden die Unterschiede dieses Modells zu vorherigen Kosten-Nutzen Analysen besprochen.

In diesem Zusammenhang wird die Low-Carbon Economy vorgestellt, bei der es sich um ein Wirtschaftssystem handelt, dass auf der Grundlage von ambitionierten Klimaschutzzielen ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum erzeugt, das höher ausfällt als die bisherigen europäischen Wachstumsprognosen.

Abschließend werden die hier aufgestellten Aussagen und geforderten Maßnahmen kritisch betrachtet und auf die deutsche Energiewende übertragen.

2. Roadmap 2020

2.1. EU climate and energy package

Im Oktober 2006 veröffentlichte Nicholas Stern im Auftrag der britischen Regierung den sogenannten Stern Report. In diesem Bericht, der die wirtschaftlichen Folgen der globalen Erwärmung analysiert, wurde vor immensen ökonomischen Langzeitkosten gewarnt, sollte ein politisches und wirtschaftliches Handeln mit dem Ziel der Eindämmung der Globalen Erwärmung ausbleiben.

Die im Stern Report angewendeten Modelle schätzen, dass die Gesamtkosten und -risiken des Klimawandels, bei ausbleibendem handeln, gleichbedeutend mit dem Verlust von wenigstens 5% des globalen Bruttoinlandsprodukts jährlich wären.[2]

Der Stern Report, sowie Sachstandsberichte des Weltklimarates mit ähnlichen Erkenntnissen, führten zusammen mit dem politischen Willen, einer Verringerung der Abhängigkeit vom Import fossiler Brennstoffe, zu der Entwicklung eines Richtlinien- und Zielpakets für Klimaschutz und Energie der Europäischen Union.

Dieses führte im Jahre 2008 zu dem „2020 climate and energy package“, welches Bindende Ziele für die Verminderung der Treibhausgasemissionen, der Ausweitung der erneuerbaren Energieerzeugung und Steigerung der Energieeffizienz, für die Staaten der Europäischen Union, bis zum Jahre 2020 beinhaltete.[3]

Die Ziele dieses Pakets, die als EU 20/20/20 Ziele bekannt wurden, hatten die Zielsetzung einer Verminderung der Treibhausgasemissionen um 20 % des Niveaus des Treibhausausstoßes von 1990, bei einem Anteil der erneuerbaren Energien von 20% des gesamten Stromverbrauches bis 2020. Sollten sich weitere Staaten zu ähnlichen Emissionsbeschränkungen verpflichten, stellte die EU eine Verminderung des Treibhausausstoßes auf 30 % des Niveaus von 1990 als Ziel in Aussicht.[4]

2.2. Kosten des Klimaschutzes

Bereits während der Entwicklung der europäischen Klimaschutzziele entstanden den Prozess begleitende Studien, die Kosten und Nutzen des Klimaschutzes errechneten und miteinander verglichen. Diese Studien nahmen grundlegend Entstehende kurzfristige Kosten an, die durch die Veränderungen der wirtschaftlichen und politischen Ziele, zugunsten klimaschützender Maßnahmen entstanden. Der Nutzen läge in der Vermeidung von zukünftigen Kosten.

Bereits der Stern Report beinhaltet geschätzte Kosten, die für die Verminderung des Klimawandels anfallen würden, sowie geschätzte Kosten die im Falle des ungeminderten Klimawandels entständen.

Auf Grundlage verschiedener Modelle wurde der durch das Erreichen der Klimaziele verursachte Wohlfahrtsverlust für die Staaten der Europäischen Union berechnet.

Die Ergebnisse wurden von Richard S.J. Tol in seinem Bericht „The Costs And Benefits Of EU Climate Policy For 2020“ zusammengetragen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: 2020 welfare impact of the EU 20/20/2020 package (Quelle: The Costs And Benefits Of EU Climate Policy For 2020 (2010))

Tol vergleicht die antizipierten Wohlfahrtsverluste im Jahr 2020 von 6 verschieden Studien und führt eine Kosten-Nutzen Analyse durch, in der er zu dem Schluss kommt, dass die Kosten der EU 20/20/20 Ziele den Nutzen aller Voraussicht nach übertreffen. In einer Analyse der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten werden die wirtschaftlichen Auswirkungen der EU 20/20/20 Ziele auf fast alle Staaten als negativ ausgegeben und führen zu Wohlfahrtsverlusten. Für die gesamte Europäische Union wird ein Wohlfahrtsverlust von 1,3% erwartet, wobei in den schlechtesten Szenarien Wohlfahrtsverluste von bis zu 4,5% im Jahr 2020 erwartet werden.

Tol beziffert die vorrausichtlichen Kosten auf 10% des Wirtschaftswachstums eines Jahrzehnts.[5]

Die in den meisten Studien genutzten Modelle treffen die grundsätzliche Annahme, dass durch die Reduzierung des Treibhausausstoßes wirtschaftliche Kosten entstehen, denen kein unmittelbarer Nutzen gegenüber steht, sondern lediglich die Verminderung langfristiger Kosten, die durch den Klimawandel entstehen. Klimaschutz wird somit kurzfristig als wirtschaftsschädlich definiert, auch da langfristig den notwendigen Investitionen keine direkte Rendite gegenüber steht.

Die kurzfristigen Kosten, die als Soziale Grenzkosten gewertet werden, geben die Kosten pro eingesparte Tonne Kohlenstoffdioxid an.[6] Sie entstehen durch die Substitution von fossilen Brennstoffen zugunsten der Erzeugung von Erneuerbaren Energien, sowie einer Senkung des Energieverbrauches durch steigende Energieeffizienz, was Modernisierungen der Unternehmen und Haushalte notwendig macht. Jegliche Erhöhung der Emissionsreduktionsziele führt zu zusätzlichen Kosten je eingesparter Tonne Kohlenstoffdioxid.[7]

In der von der Europäischen Kommission in Auftrag gegebene Studie „Model-based Analysis of the 2008 EU Policy Package on Climate Change and Renewables“ wurden anhand des PRIMES-Modell verschiedene Szenarien zum Erreichen der EU 20/20/20 Ziele analysiert und verbesserte Energieeffizienz als Kernvoraussetzung identifiziert.

Die hier erwarteten Kosten entstehen hauptsächlich durch steigende Produktionsstückkosten von Waren und Dienstleistungen, welche die Restrukturierung des europäischen Energienetzes verursacht.

Werden positive Effekten wie Einsparungen bei Energieimporten gegengerechnet entstehen Kosten, die 0,4% bis 0,7% des Bruttoinlandsprodukts der europäischen Union im Jahr 2020 betragen.[8]

In diesem Model von P. Capros werden, wie in den meisten anderen Modellen auch, steigende Preise für Importe von fossilen Brennstoffen erwartet. Jedoch sind die bis 2020 angenommenen Preissteigerungen aus heutiger Sicht unwahrscheinlich, vergleicht man sie mit der Preisentwicklung von beispielsweise Rohöl der letzten Jahre. Während der mit dem platzen der US-Immobilienblase ausgelösten Weltwirtschaftskrise und der daraus folgenden europäischen Staatsschuldenkrise kam es zu fallenden Ölpreisen, dessen Niveau sich bis heute nicht erholt hat.

[...]


[1] Fünfter Sachstandsbericht des IPCC Teilbericht 1

[2] Vgl. Stern Review : Executive Summary (2006), S. vi

[3] Vgl. Citizens' summary: EU climate and energy package (2010)

[4] Vgl. Folgenabschätzung der Kommission der europäischen Gemeinschaften (2008), S. 2

[5] Vgl. The Costs And Benefits Of EU Climate Policy For 2020 (2010), S. 27

[6] Carbon price

[7] Vgl. A New Growth Path for Europe (2011), S. 20

[8] Vgl. Model-based Analysis of the 2008 EU Policy Package on Climate Change and Renewables (2008), S. 48

Details

Seiten
17
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668024144
ISBN (Buch)
9783668024151
Dateigröße
789 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303826
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Note
2,0
Schlagworte
Low-Carbon Umweltschutz Kosten des Klimaschutzes; Green Growth; Green New Deal Green Economy Grünes Wachstum Roadmap 2020

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Analyse der EU-Low-Carbon-Strategy “A New Growth Path for Europe”