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Tutorialvideos im Sportunterricht. Planung, Erstellung, Einsatz und Reflexion eines Videoblogs

Hausarbeit 2015 40 Seiten

Pädagogik - Medienpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Film- und Medienbildung in der Schule
2.1 Zum Begriff der Medienkompetenz
2.2 Das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen

3. Tutorial-Videos – Eine moderne Form des Lernens und Lehrens

4. Publizieren auf YouTube

5. „Sportunterricht-Online.de“ – Planung, Dürchführung und Evaluation
5.1 Rahmenbedingungen
5.1.1 Organisatorische Voraussetzungen
5.1.2 Voraussetzungen der Lehrkraft
5.1.3 Medienrechtliche Voraussetzungen
5.1.3.1 Die Verwendung von Bild- und Videozitaten
5.1.3.2 Die Verwendung von Musik
5.1.3.3 Die Impressumspflicht
5.1.3.4 Veröffentlichungen von Kommentaren und Posts auf der eigenen Internetseite
5.2 Beschreibung der Durchführung des Projekts
5.2.1 Präproduktion der Tutorial-Videos
5.2.2 Produktion der Tutorial-Videos
5.2.3 Postproduktion der Tutorial-Videos
5.3 Konzeption der Online-Medien
5.3.1 Konzeption des Blogs
5.3.2 Konzeption des YouTube-Kanals

6. Einsatz in der Unterrichtspraxis und Reflexion des Projekts „Sportunterricht-Online.de“

Literaturverzeichnis

Softwareverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Die Idee zum vorliegenden Medienprodukt entstand primär durch die Reflexion der eigenen Unterrichtspraxis und meinem generellen Interesse an verschiedenen didaktischen Modellen zur Vermittlung von Unterrichtsinhalten. Das Thema ‚Basketball‘ ist rein exemplarisch und meinem persönlichen Geschmack geschuldet. Es wäre auch möglich gewesen einen ähnlichen Blog für das Fach Deutsch zu gestalten und entsprechende Tutorial-Videos zu drehen.

Das Aufbauen von Medienkompetenz im Bereich audiovisueller Texte ist meiner Ansicht nach eine wichtige Aufgabe, die immer noch stark vernachlässigt wird. Laut der „ICILS“-Studie 2014 befindet sich Deutschland in Sachen Medienbildung international auf den hintersten Plätzen (vgl. mpfs, 2015: 42). Die viel zitierte „Mediengesellschaft ist mit der inzwischen erreichten Ausstattung fast aller Jugendlichen mit Smartphones Wirklichkeit geworden“ (vgl. mpfs, 2014: 3). Lebensbereiche in denen Medien keine Rolle mehr spielen, sind quasi nonexistent.

Die Gesamtschule zielt auf eine allgemeine Bildung der Schüler ab und darf dabei „ das Massenmedium Film [...] nicht ausklammern, weil es schwierig zu handhaben ist “ (vgl. Hildebrand, 2006: 46). Das vorliegende Konzept soll zu einer handlungs- und produktionsorientierten Auseinandersetzung mit dem Medium Film an weiterführenden Schulen beitragen. Auf eine Übertragbarkeit des Projekts auf andere Schulen oder Einrichtungen wird ausdrücklich Wert gelegt.

Im Studium wird sukzessive vermehrt mit dem Medium Film gearbeitet. In allen drei Fächern (Deutsch, Sport und Pädagogik), die ich studiert habe, bin ich sowohl analytisch als auch produktionsorientiert mit dem Medium konfrontiert worden. Außerdem haben sich die Rahmenbedingungen für die Herstellung eines Films in den letzten Jahren stark vereinfacht: Durch kostenlose Film-Software und eine fast lückenlose Ausstattung mit Kameras und Computern hat nahezu jeder Schüler die Möglichkeit kreativ und analytisch zu arbeiten.

Bereits vor meiner Zeit als Lehrer konnte ich Erfahrungen im Bereich der produktiven Filmarbeit sammeln: Zwei Semester lang habe ich eine Film-AG im offenen Ganztagsbetrieb einer Grundschule in Münster angeboten. Außerdem war es mir dank der guten Ausstattung auch im Regelunterricht möglich, produktiv mit dem Medium zu arbeiten. Während des Studiums an der Universität Münster habe ich in der Mediothek der Erziehungswissenschaften gearbeitet und dort unter anderem das Filmequitment, den Videoschnittplatz und die Filmsammlung betreut. Meine zweite Staatsarbeit habe ich ebenfalls diesem spannenden Thema gewidmet. Aus ihr ist das Buch „Film ab! Kreativer und produktiver Umgang mit dem Medium Film in der Schule“ (Einck, 2013) entstanden.

Die Arbeit[1] ist so geschrieben, dass sie eine Hilfestellung für Lehrer oder andere Interessierte darstellt, die einen Einstieg in das Produzieren und Publizieren von Tutorial-Videos suchen. Außerdem soll sie einen Beitrag dazu leisten, Medien gewinnbringend in Unterricht und Schule zu verankern.

Der Aufbau der Arbeit ist so konzipiert, dass im Anschluss an die Einleitung kurz auf Film- und Medienbildung in der Schule sowie das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen eingegangen wird. Anschließend wird die für die Arbeit zentrale Gattung der „Tutorial-Videos“ näher erläutert, bevor auf das ebenfalls verwendete Videoportal „ YouTube “ eingegangen wird. Der Hauptteil der Arbeit befasst sich mit der Konzeption und Umsetzung des Blogs „Sportunterricht-Online.de“, welchen ich ihm Rahmen meiner Prüfung des Zertifikatsstudienganges „Medien und Informationstechnologien in Erziehung, Bildung und Unterricht[2] “ erstellt habe. Abschließend wird das Medienprodukt unter Zunahme einiger Nutzerkommentare reflektiert und bewertet.

2. Film- und Medienbildung in der Schule

Laut Joachim Pfeiffer und Michael Staiger (2010: 5f.) „ gilt das geschriebene […] Wort in unserer abendländischen Tradition immer noch als Grundlage der Bildung. “ Einen Grund für diese konservative „Bildverachtung“ sehen sie in den Anfängen des Mediums Film: Um die Jahrhundertwende wurden Filme an Orten der „niederen Kultur“ gezeigt und waren meist reine Unterhaltungsprodukte. Diese unreflektierte Verbindung zwischen Medium und Inhalt schürt seit jeher Vorbehalte gegen verschiedene elektronische Medien. Um diese zu überwinden, benötigt man „Medienkompetenz“. Dieser vielbenutze Terminus soll im nächsten Kapitel näher erklärt werden.

2.1 Zum Begriff der Medienkompetenz

Wie ich es bereits in „Film ab! – Kreativer und produktiver Umgang mit dem Medium Film in der Schule“ (Einck, 2013: 9) auf ähnliche Weise beschrieben habe, stellt der kompetente Umgang mit Medien ein zentrales Gut in der heutigen Gesellschaft dar. Dies bezieht sich sowohl auf das Konsumieren sowie auf das Produzieren von verschiedenen Medieninhalten.

Dieter Baacke (1998: 2), ein deutscher Erziehungswissenschaftler, der den Terminus Medienkompetenz entscheidend mitgeprägt hat, versucht den abstrakten Begriff operationalisierbar zu machen, indem er vier Dimensionen unterscheidet, die „ Reichweite und Umfang des neuen Medienlernens “ definieren. Diese vier Dimensionen sind „Medienkritik“, „Medienkunde“, „Mediennutzung“ und „Mediengestaltung“. Obwohl alle vier Dimensionen von den Inhalten des vorliegenden Konzepts tangiert werden, stehen Medienkunde und Mediengestaltung dezidiert im Vordergrund.

Unter Medienkunde fasst Baacke (1998: 3) zwei Teilbereiche: den informativen sowie den instrumentell-qualifikatorischen. Ersterer befasst sich mit Wissensbeständen rund um die heutigen Medien. Dabei geht es beispielsweise um die effektive Nutzung eines Computersystems für die eigenen kreativen Ideen. Mündige Nutzer sollten wissen, welches Programm für welche Tätigkeit eingesetzt werden kann oder welche Dateiformate die besten Ergebnisse versprechen. Außerdem geht es um Fraugen wie beispielsweise: Wie arbeiten Filmteams? Welche verschiedenen Arbeitsbereiche gibt es an einem Filmset? Welche Gattungen und Genres gibt es im Medium Film?

Der instrumentell-qualifikatorische Teilbereich umfasst die praktischen Fähigkeiten im Umgang mit den technischen Geräten, z. B. den Umgang mit Videokamera/Smartphone, Stativ und Schnittprogramm.

Innerhalb der Dimension Mediengestaltung ist für die vorliegende Arbeit von Bedeutung, dass Medien einem ständigen Wandel unterliegen. Dies geschieht laut Baacke (1998: 4) in zwei Weisen: inhaltlich und technisch. Gerade die progressive Softwareentwicklung birgt enorme innovative und kreative Potenziale für die Gestaltung eigener Medienprodukte. Der Partizipationsgedanke spielt auch für Baacke eine wichtige Rolle – ähnlich wie beispielsweise der französische Filmdidaktiker Alain Bergala zielt er auf eine Diskurskompetenz ab, welche die Schüler qualifiziert über vielschichtige Problemstellungen im Bereich der Medien diskutieren lässt. Dabei verweist er unter anderem auf Fragestellungen im technischen, kulturellen, ästhetischen und ethischen Bereich. Die Schüler sollen also z. B. beschreiben können, wie die Ästhetik eines Films auf der technischen Ebene (Licht, Spezialeffekte, Kameraeinstellungen etc.) realisiert ist.

Christian Doelker (2003: 12) warnt eindrücklich davor, junge Menschen in der Schule nur zum Lesen von gedruckten Texten zu befähigen. Er befürchtet, dass durch eine solch einseitige Schulung der Lesekompetenz andere wichtige Kompetenzen für eine adäquate Nutzung von elektronischen Medien nicht in ausreichendem Maße ausgebildet werden. Doelker merkt richtigerweise an, dass dies an der Medienwirklichkeit der Kinder und Jugendlich vorbei geht. Ines Müller, Lehrerin und ausgebildete Kamerafrau, schreibt in ihrem Werk „Filmbildung in der Schule“ (2012: 17), dass Medien heutzutage genauso bedeutsam für die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen sind wie das Elternhaus, die Schule oder der Freundeskreis. Von daher müssen die Kinder in der Lage sein, jede Art von Text zu dekodieren. Gerade für die krittische Betrachtung von audiovisuellen Texten benötigen sie die dafür nötigen Medienkompetenzen. Als Teil der menschlichen Handlungskompetenz wird die Medienkompetenz zunehmend wichtiger, was auch die Durchdringung des Alltags der Kinder und Jugendlichen durch verschiedene elektronische Medien belegt.

Medien sind wichtige Wissensvermittler. Durch das Internet und die heutzutage übliche technische Grundausstattung steht ein Gros des Weltwissens jederzeit auf Abruf bereit. Dies stellt eine lang etablierte Hierachie für die Vermittlung von Wissen nicht nur in Frage, sondern löst sie praktisch auf. Das sogennannte Senioritätsprinzip, welches aussagt, dass Eltern, Lehrer und Politiker kontrollieren und bestimmen, wann Kinder und Jugendliche welche Inhalte lernen, ist damit zu großen Teilen hinfällig. Die Schülerinnen und Schüler können aus einer mittlerweile unüberschaubaren Vielfalt an Informationen und dezidierten Lernangeboten wählen (vgl. Müller, 2012: 18).

Zu dem tragen Medien nicht unerheblich zur Urteils- und Meinungsbildung von Kindern und Jugendlichen bei. Das Wissen über die Produktion von beispielsweise Fernsehreportagen hilft den Heranwachsenden beim Verstehen und Bewerten des Gesehenen (vgl. Müller, 2012: 18). So können sie lernen, Aussagen kritisch zu hinterfragen und nicht jede Information als unverrückbare Tatsache zu begreifen. Dies scheint mir bei immer mehr angeboten wie z. B. „RT Deutschland[3] “ oder anderen unseriösen Nachrichtenportalen von zentraler Wichtigkeit zu sein.

„Medien sind auch Produktionsmittel und können als kreative Methode zum Erarbeiten von Inhalten genutzt werden.“ (Vgl. Müller, 2014: 19) Diese Aussage liegt auch meinem Medienprodukt zu Grunde. In meinen Fall sind die Bewegungsanalysen bzw. -beschreibungen der einzelnen Basketballtechniken der Sachinhalt, der durch die Tutorial-Videos didaktisch reduziert und vermittelt wird. Müller erwähnt, dass die kreative Arbeit mit elektronischen Medien motivierend auf die Lernenden wirkt, dies kann ich nur bestätigen. Die Arbeit mit Film ist kein Selbstzweck: Um gute Lehrvideos zu produzieren, muss der Inhalt erst vollständig verstanden worden sein. Darüberhinaus ist Medienarbeit prädestiniert für die, von allerorten geforderte, individuelle Förderung. Progressives selbstgesteuertes Lernen, soziale Kompetenzen durch Teamarbeit, Lernen durch Lehren oder die Schulung von Methodenkompetenz lassen sich so hervorragend im Unterricht umsetzen (vgl. Müller, 2012, 19).

Die Vermittlung von Medienkompetenz wird u.a. von der Kultusministerkonferenz der Länder (KMK) (2012: 9) als Querschnittsaufgabe gesehen. Problematisch in den Bemühungen der Länder ist jedoch meiner Ansicht nach, dass nicht alle Medien gleich berücksichtigt werden. In der Schulpraxis ist dieses Vorhaben meinen Erfahrungen (Ich habe bislang an zwei Gymnasien und einer Gesamtschule unterrichtet.) nach auch noch nicht in ausreichendem Maße angekommen. Müller (2012: 20) beschwert sich in diesem Zusammenhang über die ihrer Ansicht nach zu starke Fixierung auf das Internet. Sie merkt richtigerweise an, dass Bildmedien wie Fernsehen, Film, Kino und Videoportale die mit Abstand zentralen Leitmedien von Kindern und Jugendlichen sind. Dies belegen auch die aktuellen KIM- und JIM-Studien, die im nächsten Kapitel näher dargestellt werden. Der schulische Unterricht bietet ein breites didaktisches Potenzial, um das Medium Film bewusster einzusetzen. Lehrende, die mit den grundlegenden Wirkungsweisen des Mediums gut vertraut sind, können laut Müller (2012: 21) einen doppelten Benefit erreichen, indem sie zum einen, die durch den Film vermittelten Inhalte besser ausnutzen und so den damit verknüpften Lerneffekt steigern. Zum anderen können sie durch einen reflektierten Umgang mit dem Gezeigten, ein Bewusstsein für die Gemachtheit des Films erzeugen. Dies ermöglicht den Schülerinnen und Schülern sprichwörtlich hinter die Kulissen zu schauen, um Filminhalte jeder Gattung kritisch betrachten zu können.

Filmbildung bezieht sich laut dem Medienpädagogen Horst Niesyto (2006: 8) nicht nur auf Spielfilme, sondern auf alle audiovisuellen Medienangebote. Miteingeschlossen sind dabei auch „die Eigenproduktionen von Filmen in unterschiedlichen Kommunikations- und Bildungskontexten.“

Müller (2012: 22) regt eine allgemeine Filmbildung in der Lehrerausbildung an, die obligatorisch für alle zukünftigen Lehrenden ist. Dem kann ich mich nur anschließen und diese Forderung auf die Ausbildung weiterer Kompetenzen im Umgang mit Medien ergänzen. Meiner Ansicht nach kann Medienbildung nur gelingen, wenn an den Schulen nicht nur einige „Leuchttürme“ dies tragen und vorleben. So bin ich ein großer Fürsprecher für die Weiterbildung von Lehrkräften und das Einführen von integrierten Medienkonzepten, wie Müller (2012: 135ff.) dies exemplarisch für das Medium Film präsentiert hat.

Wie bereits erwähnt, wird im folgenden Unterkapitel das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen aspektorientiert beleuchtet.

2.2 Das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen

Das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen wird seit 1998 durch den Medienpädagogischen Forschungsverband Südwest (mpfs) empirisch erforscht. Die KIM-[4] und JIM[5] -Studien dokumentieren das mediale Verhalten auch im Bezug auf Film- und Fernsehnutzung. In den folgenden Zeilen sollen die aktuellen Ergebnisse der JIM- und Kim Studien 2014 kurz und aspektorientiert aufgeführt werden. Wie die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ des Deutschen Bundestages zu Recht anmerkt, stellt die Medienkompetenz in einer Mediengesellschaft „eine wichtige Grundlage des Zugangs zu Wissen dar“ (vgl. mpfs, 2015: 3). Ein Grund für die Studien ist, dass im politischen und gesellschaftlichen Diskurs keine Einigkeit darüber besteht, welche Medienkompetenzen in welcher Altersstufe vermittelt werden sollen. Von daher ist eine diagnostische Untersuchung zum Mediennutzungsverhalten von zentraler Bedeutung, um präziser einschätzen zu können, welche Anknüpfungspunkte es in der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen für die Vermittlung entsprechender Kompetenzen gibt (vgl. mpfs, 2015: 3).

Die folgende Analyse der KIM- und JIM-Studien konzentriert sich auf für die vorliegende Arbeit relevante Aspekte wie den Besitz von Mediengeräten oder den Gebrauch von Videoportalen. Beide Studien können online abgerufen werden. Zur besseren Lesbarkeit werden in diesem Unterkapitel keine Zahlen ausgeschrieben.

Bei der KIM-Studie 2014 handelt es sich um eine „Basisuntersuchung zum Medienumgang 6- bis 13-Jähriger in Deutschland“ (vgl. mpfs, 2015: 1). Neben den Kindern wurden im Unterschied zur JIM-Studie auch die Haupterziehungsberechtigten zu ihrem Medienumgang und zu dem ihrer Kinder befragt. Um eine Vergleichbarkeit zwischen den verschiedenen KIM- und JIM-Studien zu gewährleiten besteht die Befragung jedes Mal aus denselben Kernfragen. Jedoch wird bei jeder neuen Untersuchung ein aktueller Schwerpunkt gesetzt. So konzentriert sich die KIM-Studie dieses Mal besonders auf die Nutzung von Tablet-Computern und die Nutzung von Computern in der Schule (vgl. mpfs, 2015: 3).

1.209 Kinder (51 % Jungen und 49 % Mädchen) nahmen an der Umfrage im Jahre 2014 teil. Wie groß die Grundgesamtheit ist, aus der diese Stichprobe randomisiert entnommen wurde, wird leider von den Autoren der Studie nicht genannt. Die Stichprobe besteht jeweils etwa zu einem Viertel aus Kindern im Alter von 6-7 Jahren, 8-9 Jahren, 10-11 Jahren und 12-13 Jahren. 57 % dieser Kinder besuchen eine Grundschule, jeweils 14 % gehen zum Gymnasium oder auf eine Realschule, 8 % besuchen „sonstige Schulen“ und 6 % besuchen Hauptschulen (vgl. mpfs, 2015, 4).

Schaut man sich die „Themeninteressen“ der Kinder an, so steht, wie auch in den vergangenen Studien, der Punkt „Freunde/Freundschaft“ mit 93 % („sehr interessiert/interessiert“) klar an erster Stelle. Mit deutlichem Abstand (68 %) folgt das Interesse an „Internet/Computer/Laptop“ auf dem zweiten Platz von insgesamt 16 abgefragten Themenbereichen. Mit 67 % befinden sich „Computer-/Konsolen-/Onlinespiele“ auf dem vierten Platz der Rangliste. Dies bestätigt das generelle Interesse an digitalen Medien. Der Bereich „Handy/Smartphone“ ist mit 65 % auf dem siebten Platz zu finden. Filme („Kino/Filme“) sind ebenfalls sehr beliebt bei den Kindern. 60 % geben an sich für diesen Themenkomplex zu interessieren. Auf dem 14. Platz findet sich der letzte für die vorliegende Arbeit relevante Punkt: „Technik“ wurde von 41 % der Kinder als interessant eingestuft (vgl. mpfs, 2015: 6f.).

Mädchen und Jungen unterscheiden sich in diesen Bereichen teilweise stark voneinander: Jungen zeigen generell ein signifikant höheres Interesse an Themenbereichen, die mit Technik zu tun haben. Erwähnenswert ist jedoch, dass die beiden Kategorien „Handy/Smartphone“ und „Kino/Film“ bei beiden Geschlechtern ungefähr gleich beliebt sind. Im Vergleich zur KIM-Studie 2012 hat das Interesse „sehr interessiert“ bei der Kategorie „Smartphone“ um 10 Prozentpunkte zugelegt (vgl. mpfs, 2015: 7). Dies spiegelt sich auch in der Medienausstattung der Familie und dem Medienbesitz der Kinder wieder:

In 98 % der Haushalte ist ein „Handy/Smartphone“ vorhanden. 75 % der befragten Paare (Kind/ Erziehungsberechtigter) gaben an, dass sie über mindestens ein „Smartphone“ verfügen. Das „Internet“ (98 %) und „Computer/Laptop“ (97 %) gehören mittlerweile selbstverständlich zum Haushalt dazu, so wachsen nahezu alle Kinder mit diesen technischen Errungenschaften auf. Andere weitverbreitete Geräte sind „Digitalkamera“ (88 %) und „Spielkonsole“ (72 %). Immerhin noch 44 % der Befragten verfügen über eine dezidierte „Videokamera/Camcorder“, während 19 % über einen „Tablet-PC“ verfügen (vgl. mpfs, 2015: 8).

Nach Aussagen des Erziehungsberechtigten über den persönlichen Gerätebesitz ihrer Kinder, verfügen 48 % über eine eigene Spielkonsole. Dies ist insofern von Belang, da auf allen aktuellen mobilen und lokalen Konsolen Videoportale wie YouTube installiert werden können. Generell finde ich es schwer, bei Konsolen der aktuellen und letzten Generation von reinen Abspielgeräten für Spiele zu sprechen, da die Systeme aller drei großen Hersteller (Microsoft, Sony und Nintendo) ihre Plattformen als vielseitige Mediencenter konzipiert haben. Ein Viertel der Kinder verfügt über ein eigenes „Handy/Smartphone“. Diese Geräte sind damit weiter verbreitet als „Computer/Laptop“, die rund 21 % besitzen. Über einen eigenen Internetzugang („Internet“) verfügen laut der Studie 18 % der 6- bis 13-Jährigen. Immerhin 12 % besitzen eine „Digitalkamera“. Festzustellen ist, dass Jungen tendenziell über mehr technische Geräte verfügen als Mädchen (vgl. mpfs, 2015: 9).

Bei den „Freizeitaktivitäten“ der Kinder stehen Medien hoch im Kurs: 97 % geben an, dass sie „täglich“ (79 %) oder „ein-/ mehrmals pro Woche“ (18 %) fernsehen. „Video/DVD“ schauen sich 31 % der Befragten „täglich“ oder „ein-/ mehrmals pro Woche“ an. Selbst aktiv sind 29 % der Kinder, da sie angeben selbst „Fotos/Videos (zu) machen“ (vgl. mpfs, 2015: 10f.)

Vergleicht man diese Daten mit älteren KIM-Studien, kommt man zu der Einsicht, dass die Nutzung von Computern und Konsolen sowohl off- als auch online zugenommen hat. Die Nutzung von Handys oder Smartphones steigt deutlich mit zunehmenden Alter: von 11 % bei den 6- bis 7-Jährigen auf 91 % bei den 12- bis 13-Jährigen. Da die Zielgruppe meines Projekts ungefähr bei 12-Jährigen Mädchen und Jungen beginnt, ist dies eine interessante Information, um besser einschätzen zu können, wer über die benötigte Hardware verfügt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Autoren der Studie noch nicht zwischen Minicomputern („Smartphone“) und herkömmlichen Mobiltelefonen („Handys“) unterscheiden. Ebenfalls bemerkenswert ist, dass der Punkt „Fotos/Videos machen“ seit 2012 um insgesamt 8 Prozentpunkte gestiegen ist. Dies ist aus meiner Sicht erfreulich, da damit die Voraussetzungen für Filmarbeiten aller Wahrscheinlichkeit nach verbessert werden. Generell ist zu beobachten, dass die Verbreitung von digitalen Medien bei Kindern zugenommen hat (vgl. ,mpfs, 2015: 12).

Die „Medienbindung“ zum „Fernseher“ und zum „Computer/Laptop/Internet“ ist am stärksten ausgeprägt. Durch die vier Altersgruppen ist eine Verschiebung der Beliebtheit vom „Fernsehen“ hin zu „Computer/Laptop/Internet“ klar zu erkennen: Während bei den 6- bis 7-Jährigen das „Fernsehen“ mit 80 % dominiert und „Computer/Laptop/Internet“ mit 5 % kaum eine Rolle spielt, bevorzugen 51 % der 12- bis 13-Jährigen „Computer/Laptop/Internet“ vor dem „Fernseher“ (36 %) (vgl. mpfs, 2015: 16).

Insgesamt hat die Nutzung von „Computer/Laptop/Internet“ von 2012 bis 2014 um 2 % zugelegt („Nutzung zumindest selten“). In der Schule steigt die Nutzung dieser Geräte erwartbarerweise mit zunehmendem Alter der Kinder, während sie „zu Hause“ in fast allen Altersgruppen gleich hoch ist (zwischen 98 und 100 %). Das Internet wird am häufigsten über Computer oder Laptops benutzt (34 %). Handys und Smartphones werden von 22 % täglich mit dem Internet verbunden, während Spielkonsolen bei den Kindern eine kaum relevante Onlinenutzung vorweisen (vgl. mpfs, 2015: 32).

Bei der Abfrage nach „Internettätigkeiten“, die „mindestens einmal pro Woche“ ausgeführt werden, gaben 55 % an „Filme/Videos an(zu)schauen“. Für 26 % der Kinder stellen Videoportale das Lieblingsangebot im Internet dar. YouTube -Videos schauen sich 24 % der Kinder am liebsten an (vgl. mpfs, 2015: 34). Dieses Videoportal wurde u.a. aus diesem Grund für das vorliegende Medienprodukt gewählt und wird in Kapitel 4 näher vorgestellt.

Die JIM-Studie befasst sich mit dem Medienhandeln der 12- bis 19-Jährigen Deutschen. Aus einer Grundgesamtheit von ca. 6,5 Millionen Jugendlichen wurde eine Stichprobe von 1.200 Jugendlichen durch das mpfs befragt. Die Altersstruktur ist so aufgebaut, wie bei der bereits beschriebenen KIM-Studie. 58 % der Befragten besuchen ein Gymnasium, während 40 % auf Real- bzw. Hauptschulen gehen. Über die restlichen Jugendlichen findet sich keine Angabe.

Im Vergleich zur Medienausstattung der Befragten der KIM-Studie 2015 verfügen die Haushalte der Teilnehmer der JIM-Studie tendenziell leicht über mehr Hardware. Alle Befragten besitzen ein Handy im Haushalt, davon sind 94 % „Smartphones“. Nahezu jeder Haushalt besitzt einen Computer (99 %) mit Internetzugang (98 %). Nur jeder zehnte Haushalt verfügt nicht über eine Digitalkamera und fast jeder Zweite kann auf ein Tablet zurückgreifen. Gerade die Verbreitung von Tablets (+ 13 %) hat im Vergleich zum Vorjahr signifikant zugenommen (vgl. mpfs, 2014: 7). Der Besitz von festen und tragbaren Spielkonsolen ist dagegen leicht zurückgegangen. Dies lässt sich durch die stärkere Verbreitung von Smartphones und Tablets erklären, da auf diesen ebenfalls gespielt werden kann.

Beim Gerätebesitz der Jugendlichen liegt das Handy mit 98 % auf dem ersten Platz. 89 % der Befragten besitzen ein Smartphone. 92 % der Probanden verfügen bereits über einen eigenen Internetzugang. Computer und Laptops sind mit 76 % deutlich weniger verbreitet. Eine interessante Beobachtung ist, dass der Besitz von Computern/Laptops stetig sinkt: 2012 besaßen noch 82 % einen eigenen Rechner und 2013 waren es noch 80 % der Jugendlichen (vgl. mpfs, 2014: 8). Diese Entwicklung ist meiner Ansicht nach bedenklich, da sich aufwendige Medienprojekte kaum vollständig mit Smartphones oder Tablets realisieren lassen.

Die „Medienbeschäftigung in der Freizeit“ wurde ebenfalls erhoben. Dabei liegt das Internet klar vorne: 94 % geben an, dass sie „täglich“ oder „mehrmals pro Woche“ das Internet nutzen. 52 % der Jugendlichen beschäftigen sich mit digitaler Fotografie und 11 % drehen „digitale Filme/Videos“.

Auch das schwierige Thema „Glaubwürdigkeit der Medien“ wurde abgefragt. Hier hat „ Wikipedia “ mit 17 % den besten Wert erreicht. Erwähnenswert ist das „ YouTube “ mit 9 % noch vor den Online-Angeboten von Süddeutsche, Zeit, FAZ u.ä. (8 %) liegt (vgl. mpfs, 2014: 14).

[...]


[1] Zur besseren Lesbarkeit ist die vorliegende Arbeit im generischen Maskulinum verfasst.

[2] Im weiteren Verlauf des Textes wird zur besseren Lesbarkeit die Abkürzung MIEBU verwendet.

[3] Siehe beispielsweise: http://www.zeit.de/politik/ausland/2014-11/rt-deutsch-russland-propaganda-luegen oder http://www.handelsblatt.com/unternehmen/it-medien/russia-today-der-propaganda-sender-des-kremls-in-deutschland/11016084.html.

[4] KIM steht für „Kinder + Medien, Computer + Internet“.

[5] JIM steht für „Jugend, Information, (Multi-)Media“.

Details

Seiten
40
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668024069
ISBN (Buch)
9783668024076
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303674
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Erziehungswissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Medien Blog Schule Tutorial moderner Unterricht unterrichten Sport Medienerziehung Basketball Basketballunterricht

Autor

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