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Urkunden kirchlichen Handelns in der Schule. Grundlagen heutiger Schulpastoral und Schulseelsorge

Seminararbeit 2009 18 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

0 Vorbemerkung

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung und Abgrenzung der Begrifflichkeiten
2.1 Von der Schülerseelsorge zur Schulseelsorge
2.2 Abgrenzung von Religionsunterricht und Schulpastoral
2.2.1 Inhaltliche Bestimmung des Religionsunterrichts
2.2.2 Inhaltliche Bestimmung der Schulpastoral
2.3 An der Schnittstelle von Religionsunterricht und Schulpastoral

3 Die Aussagen der Dokumente im Einzelnen
3.1 Die veränderten gesellschaftlichen Voraussetzungen
3.1.1 Einmischung oder demokratische Partizipation?
3.1.2 Existenzberechtigung des katholischen Religionsunterrichts
3.1.3 Christliche Erziehung in einer pluralistischen Gesellschaft
3.1.4 Religionsunterricht als Aufklärung
3.1.5 Besondere Herausforderungen in einer gewandelten Zeit
3.1.6 Das Zeugnis der Kirche als Hilfe bei der Suche nach Sinn
3.2 Konsequenzen für den Religionsunterricht
3.2.1 Die Legitimation als ordentliches Lehrfach
3.2.2 Zwischen Konfessionalität und Ökumenizität
3.2.3 Die Vorbildfunktion des Lehrers
3.2.4 Die Arbeit mit "Menschen mit Behinderung"
3.3 Konsequenzen für eine christliche Schulpastoral
3.3.1 Anliegen und Handlungsfelder der Schulpastoral
3.3.2 Schulstufenspezifisches Wirken der Schulpastoral
3.3.3 Schulpastoral an der Katholischen Schule
3.3.4 Schulpastoral: Diakonia, Martyria, Leiturgia, Koinonia

4 Kleine Synopse der kirchlichen Dokumente
4.1 Der gesellschaftliche Hintergrund
4.2 Passivität bei der religiösen Erziehung und ihre Folgen
4.3 Rechtfertigung des schulischen Religionsunterrichts
4.4 Zur Konfessionalität des Religionsunterrichts
4.5 Die Vorbildfunktion des Religionslehrers

5 Schlussbetrachtungen

0 Vorbemerkung

Wenn im Folgenden von Schülern, Lehrern, Seelsorgern, Pädagogen, Sozialarbeitern etc. die Rede ist, so ist - wenn auch nicht explizit erwähnt - immer auch die feminine Form mitge- meint. Um den Text leserlich zu halten und um eine störende Langatmigkeit zu vermeiden, habe ich auf die (aus Gründen der "political correctness" übliche) Doppelnennung verzichtet.

1 Einleitung

"Prinzipien kann man nicht melken!" Dieser Ausspruch von Oswald von Nell-Breuning SJ gilt auch im Bereich der Schulpädagogik. Auch die dort geltenden Prinzipien unterliegen dem Wandel der Zeit: neue pädagogische Einsichten sind hier ebenso zu berücksichtigen wie die sich stetig wandelnden gesellschaftlichen Bedingungen, denen sich Religionsunterricht und Schulpastoral ausgesetzt sehen. Diesen veränderten, realen Gegebenheiten ist stets Rechnung zu tragen; andernfalls bleiben alle noch so gut gemeinten Bemühungen idealistisch verzerrt, abgehoben und fruchtlos. Daher sind die kirchlichen Dokumente (in unserem Falle jene der kath. Kirche in Deutschland) mit ihren Aussagen keinesfalls isoliert zu betrachten; vielmehr ergänzen sie einander und stehen in einem engen Sinnzusammenhang. Insofern sie die gesell- schaftlichen Veränderungen in ihre Reflexion einbeziehen (und so die Weichen neu stellen für eine realitätsnahe, fruchtbringende Ausrichtung der kirchlichen Jugendarbeit in der Schule), sind diese Dokumente gleichsam Zeitzeugen des gesellschaftlichen Wandels in Deutschland.

2 Begriffsbestimmung und Abgrenzung der Begrifflichkeiten

Bevor wir uns den kirchlichen Dokumente widmen, scheint es mir angebracht, die Begriffe "Religionsunterricht" und "Schulpastoral" gemeinhin näher zu bestimmen und voneinander abzugrenzen. Wo liegen die Gemeinsamkeiten, wo die Unterschiede? Dies soll im Folgenden eruiert werden. Zuvor aber werde ich die Entwicklungslinien - von den ersten Bemühungen christlicher Schulpädagogik hin zur heutigen Schulpastoral - im Groben skizzieren. Religi- onsunterricht (freilich in einem weiten Sinne als die Vermittlung religiösen "Wissens") hat es - auf verschiedene Weise - im christlichen Abendland seit jeher gegeben. Dem hingegen ist die Entstehung einer Schulpastoral als eigenes Handlungsfeld eine Entwicklung jünger Zeit.

2.1 Von der Schülerseelsorge zur Schulseelsorge

Gegen Ende der 60er Jahre kam es in Deutschland zum Erliegen der bislang engen Zusam- menarbeit zwischen den öffentlichen Schulen und den Ortsgemeinde. Eine Schulpastoral im heutigen Sinne gab es in dieser Zeit noch nicht, doch ging man allmählich dazu über, den Re- ligionsunterricht "durch eine betonte Hervorhebung des Glaubensvollzugs zu unterstützen".[1]

Dabei zeigte man sich bemüht, die Sorgen und Ängste der Schüler ernst zu nehmen und deren existentielle Lage als Chance zu nutzen, die Glaubensinhalte des Religionsunterrichts durch die Reflexion auf die persönliche Lebenssituation der Schüler erfahrbar werden zu lassen. Ein weiterer wichtiger Schritt ist dann die Ernennung besonderer Schul-Seelsorger, um in Ergänzung zum schulischen Religionsunterricht den persönlichen Glaubensvollzug der Schüler noch stärker als bislang zu fördern.[2]

In den 70er Jahren gewann diese rein schülerzentrierte Seelsorge neue Impulse aus den kath. Schulen in freier Trägerschaft. "Mit der Intention, Schülern, Eltern und Lehrern im Raum der Schule Lebenshilfe aus dem Glauben zu vermitteln, wurde Schulseelsorge zur Sammelbezeichnung für alle schulbezogenen kirchlichen Dienste und Angebote, die darauf abzielten, neue Beziehungen zwischen Pfarrgemeinde und Schule zu ermöglichen." Dies wiederum wirkte positiv auf den Religionsunterricht zurück, der nun nicht mehr alleine die Vermittlung von Glaubensinhalten zum Ziel hatte, sondern verstärkt auch, "den Schülern bei der Orientierung in Lebens- und Glaubensfragen zu helfen".[3]

Gegen Ende der 80er Jahre wird "Schulpastoral" zu einem festen Begriff: er schließt alle am Schulleben Beteiligten mit ein und zielt auf eine "vertiefte Kooperation ... sowohl mit ... Pfarr- gemeinde und kirchlicher Jugendarbeit als auch mit Einrichtungen der Erziehungs[]hilfe".[4]

2.2 Abgrenzung von Religionsunterricht und Schulpastoral

2.2.1 Inhaltliche Bestimmung des Religionsunterrichts

Der Religionsunterricht an der öffentlichen Schule ist in der BRD durch das Grundgesetz ge- schützt. Diese grundgesetzliche Garantie verlangt danach, dass "sich der Religionsunterricht in Begründung und Zielsetzung ... als 'ordentliches Lehrfach' ausweist"[5]. Es geht also - wie in jedem anderen Pflichtfach auch - um die Vermittlung von Wissen, hier eben um die Vermitt- lung eines (theologisch fundierten) Wissens über die Inhalte des christlichen Glaubens. Die Vermittlung dieses Wissens geschieht nach den in den Lehrplänen festgelegten Vorgaben; das im Unterricht erworbene Wissen wird in Klassenarbeiten, Referaten etc. geprüft und bewertet.

Im Unterschied zur Schulpastoral "wendet sich der Religionsunterricht ... [auch] an suchende und zweifelnde sowie an sich [als] ungläubig verstehende Schülerinnen und Schüler".[6]

2.2.2 Inhaltliche Bestimmung der Schulpastoral

Zunächst sei gesagt, dass es einen "alleingültigen Ansatz ... von Schulpastoral" nicht gibt. Eine erfolgversprechende Konzeption muss stets an die realen Gegebenheiten rückgebunden sein. Daher muss sie der schulischen Situation ebenso Rechnung tragen wie dem Alter, den Erfah- rungen und der beruflichen Stellung der Schüler. Ganz allgemein lässt sich aber sagen: "Mit ihrem Anspruch, den ... Schülern ... ein christlich begründetes Wertespektrum anzubieten, ver- bindet Schulpastoral ... das Bemühen, die Institution Schule [] pädagogisch mitzugestalten." Ziel ist es, zur "Humanisierung der Schule" beizutragen. So zielt Schulpastoral auf "die insti- tutionell und personal legitimierte Zuwendung zum Menschen im Lebensraum Schule". Dabei erstreckt sich der Kreis der Zuwendung auf alle, die an der Schule tätig sind, v.a. aber auf Schüler, Eltern und Lehrer. "Die Schule kann so zu einem Ort werden, an dem Menschen aus verschiedenen Generationen helfende und heilende Zuwendung aus dem Glauben erfahren."[7] [8]

Die Anforderungen an die "Schulseelsorger" sowie deren nötige Qualifikationen sind bislang nicht einheitlich bestimmt. Eine theologische Ausbildung ist sicherlich von Vorteil, doch auch ein Seiteneinstieg engagierter Christen ist möglich. Es gibt sowohl haupt- als auch nebenbe- rufliche Mitarbeiter im Tätigkeitsfeld der Schulpastoral. Alle, die aus ihrer christlichen Ver- antwortung heraus das Leben in der Schule positiv mitgestalten wollen, sind hierzu ausdrück- lich eingeladen.[9] Doch bei alledem spielt der Schulseelsorger eine herausragende Rolle.

Im Gegensatz zum Religionsunterricht ist das schulpastorale Angebot freiwillig. Daher sind schulinterne Maßnahmen ebenso Teil der Schulpastoral wie außerschulische Aktivitäten. Die Vielgestaltigkeit zeigt sich auch im Vorgehen des Schulseelsorgers. Seine Arbeit beinhaltet individuelle Lebensbegleitung ebenso wie themenorientierte Gruppenarbeit. Auch bietet die Schulseelsorge Hilfestellung in den zahlreichen Konflikten, die im Alltag des Schullebens zu Tage treten. Als ganzheitliche Konzeption sucht Schulpastoral die enge Zusammenarbeit mit den Eltern, aber auch mit den Gemeinden sowie mit den Organen der Jugendhilfe.

Zu den schulpastoralen Aktivitäten zählen: Besinnungstage, Andachten, Meditationen, Schul- gottesdienste; Arbeitsgemeinschaften, in denen die Fragen und Nöte der Schüler zur Sprache kommen; Projekte, in denen die Schüler lernen, sich für sozial Benachteiligte im Geiste der christlichen Nächstenliebe zu engagieren u.v.m. Nicht zuletzt aber bietet auch das persönliche Gespräch dem Seelsorger die Möglichkeit, konstruktiv auf Schüler, Lehrer etc. einzuwirken.

2.3 An der Schnittstelle von Religionsunterricht und Schulpastoral

Wenngleich Religionsunterricht und Schulpastoral zwei eigenständige Handlungsfelder sind (Vermittlung von Glaubenswissen - Einübung des persönlichen Glaubensvollzugs), so besteht zwischen beiden doch eine gewisse Interdependenz: Glaubenspraxis hat immer auch etwas mit Wissensvermittlung zu tun (hier ist es weniger die intellektuelle als vielmehr die emotionale Bildung des Menschen; ferner geht es um die Vermittlung sozialer Kompetenzen), andererseits ist auch die seelsorgliche Gestaltung von Lebensthemen im Unterricht eine Ausformung des schulpastoralen Handelns. Schon deshalb ist Schulpastoral kein Ersatz für Religionsunterricht.

"Schulpastoral kann sich nicht ausschließlich verstehen als eine Reihe von auße- runterrichtlichen Aktivitäten ... Sie ist vielmehr auch eine wesentlichen Funktion der Unterrichtsarbeit selber. Jeder Unterricht, ... der ... einen Beitrag leistet ... zur Selbstfindung und damit zur Ermutigung zum Leben, hat pastorale Qualität. [...] Diese allgemeine Aussage über die pastorale Qualität des Unterrichts gilt in be- sonderer Weise für den Religionsunterricht. [Der] ... ist [] keine Maßnahme ... der Schulpastoral. [...] Dennoch kommt [ihm] ... eine besondere pastorale Qualität zu, insofern hier die wesentlichen Fragen des Lebens zur Sprache kommen." [10]

Meiner Ansicht nach ist die Frage Schulpastoral versus oder cum Religionsunterricht verfehlt. Vielmehr sollte Schulpastoral stattfinden inner- und außerhalb des Religionsunterrichts: in- nerhalb, insofern lebensnahe (nicht theoretisch-abstrakte) Glaubenspraxis die Vermittlung von Glaubensinhalten begünstigt; außerhalb, insofern religiöse und soziale Kompetenzen sich am ehesten vermitteln lassen, wenn sie mit gelebter Glaubenspraxis und sozialem Engagement verbunden sind. Diese Mitte verbürgt aus pädagogischer Sicht Nachhaltigkeit und Effizienz.

3 Die Aussagen der Dokumente im Einzelnen

Das II. Vatikanum (1962-1965) hat auch der kirchlichen Jugendarbeit in der Schule neue Im- pulse gegeben. In Deutschland hat man erstaunlich schnell auf die neuen Vorgaben reagiert: noch ehe Rom selbst in "Evangelii Nuntiandi" (1975) und "Catechesi Tradendae" (1979) wichtige Aussagen über die Katechese (nicht ausschließlich aber nicht zu letzt) in der Schule macht, hat man auf der Würzburger Synode (gemeinsame Synode der Bistümer in der BRD, 1971 - 1975) die Weichen für die kirchliche Jugendarbeit in der Schule neu gestellt. Dies ist der Ausgangspunkt für die dann folgenden Dokumente, in denen das Wirken der Kirche im Tätigkeitsfeld Schule stets neu reflektiert und den veränderten Gegebenheiten angepasst wird.

Im Folgenden werden die Hauptaussagen der katholischen Kirche in Deutschland (d.i. der Würzburger Synodenbeschluss sowie wichtige Dokumente der Deutschen Bischofskonferenz) zum Thema Religionsunterricht und Schulpastoral in stark gekürzter Form dargestellt.

[...]


[1] Vgl. DKHS 1996, 11 ff.

[2] Vgl. DKHS 1996, 11.

[3] Vgl. DKHS 1996, 12.

[4] Vgl. DKHS 1996, 12 f.

[5] RUS (1974), in: TKR 41998, 137.

[6] Vgl. RNH 2005, 9.

[7] Die Begriffe "Schulseelsorge" / "Schulpastoral" werden im Folgenden äquivalent gebraucht. Zur Problematik hierzu siehe: Weißenberger, Clemens, "Schulseelsorge und Schulpastoral - unterschiedliche Begriffe für denselben Inhalt?", in: Wege zum Menschen, 59. Jahrgang, Heft 3, Göttingen 2007, 235-250.

[8] Vgl. DKHS 1996, 7 -11.

[9] Vgl. DKHS 1996, 12 f.

[10] DKHS 1996, 18.

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783668020344
ISBN (Buch)
9783668020351
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303630
Institution / Hochschule
Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main
Note
1,5
Schlagworte
Religionsunterricht Schulpastoral Schulseelsorge Kirchliche Dokumente Schulstufenspezifisches Wirken Menschen mit Behinderung

Autor

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Titel: Urkunden kirchlichen Handelns in der Schule. Grundlagen heutiger Schulpastoral und Schulseelsorge