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Das Wort. Morphem-Typen-Unterscheidungen und Wortartenlehre der Germanistik

Ausarbeitung zur mündlichen Examensprüfung

Zusammenfassung 2012 9 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Das Wort

- Was ist ein Wort?
- Wichtige Morphem-Typen-Unterscheidungen
- Wortartenlehre (10-Wortarten-Lehre der traditionellen Grammatik, 5-Wortarten-Lehre nach Hans Glinz)

Literatur:

Eisenberg, Peter (2006): Das Wort. Grundriss der deutschen Grammatik. Bd. 1. 3. durchges. Aufl. Stuttgart: Metzler

Kunkel-Razum, Kathrin; Wermke, Matthias (hrsg. von Dudenredaktion) (2009): Duden. Die Grammatik. Bd. 4.

8. überarb. Aufl. Mannheim (u.a.): Dudenverlag

Linke, Angelika; Nussbaumer, Markus; Portmann, Paul R. (2001): Studienbuch Linguistik. 4. unver. Aufl. Tübingen: Niemeyer. 44-77.

Rolland, Maria Theresia (1997): Neue deutsche Grammatik. Bonn: Dümmler

Was ist ein Wort?

- Der Begriff Wort ist mehrdeutig
- Beispielsweise kann ich in dem Satz „Wenn hinter Fliegen eine Fliege fliegt, fliegt eine Fliege fliegen nach“ insgesamt sieben, sechs oder fünf unterschiedliche Wörter zählen
- Wenn ich sieben unterschiedliche Wörter zähle, dann betrachte ich FLIEGE und FLIEGEN als verschiedene Wörter; aber wenn ich sie als ein Wort betrachte, dann zähle ich nur 6 verschiedene Wörter
- Es kommt also drauf an, welches Konzept von Wort eine Rolle spielt
- So unterscheidet man zwischen syntaktisches und lexikalisches Wort, (oder gar Lexemverband)
- Syntaktische Wort ist die spezifische grammatische Ausprägung eines Wortes; unterschiedliche
grammatische Wortausprägungen können lautlich o. graphisch sichtbar sein -> so zähle ich FLIEGE, FLIEGEN, FLIEGT als je einzelnes Wort: Fliege ist der Nominativ Sgl., Fliegen Nom. Pl., Fliegt ist ein Verb gekennzeichnet durch Flexionsmorphem -t für 3. Pers. Sgl. Präs.; diese gramm. Unterschiede müssen aber nicht immer materiell sichtbar sein -> so ist Fliegen ein Homonym (gleichlautendes u. dennoch syntaktisch versch. Wort) -> es kann im Plural Nominativ, Genitiv, Dativ o. Akkusativ sein u. repräsentiert daher 4 versch. syntaktische Wörter
- Syntaktische Wörter können in einer je eigenen Wortform zum Ausdruck kommen, müssen aber nicht
- Lexem ist ein Paradigma (Menge, Zusammenfassung) verschiedener syntaktischer Wörter, die gewisse wesentliche Dinge gemeinsam haben -> Fliege/ Fliegen haben dasselbe lexikalische Grundmorphem fliegsowie die Wortartprägung Substantiv, weshalb fliegt nicht dazugehört
- Für ein solches Paradigma ist es nötig, dass im Lexem gewisse Merkmale neutral gesetzt sind, also nicht beachtet werden wie z.B. Merkmal Numerus; z.B. können die syntaktischen Wörter mit den Formen gehen, gehe, gehst usw. zu einem Lexem zusammengefasst werden, da die Variationen der Flexion neutral gesetzt werden
- [Lexemverband ist eine noch größere Abstraktion; Begriff verhält sich gegenüber dem Merkmal Wortart neutral; so kann man Fliege, Fliegen, fliegt als ein Wort zählen, indem man diese Wörter zu einem Lexemverband zusammenfasst aufgrund ihres gemeinsamen Bestandteils flieg-]
- Mehrdeutigkeit des Begriffs ist in der SW anzutreffen, so sind im Bereich der Lexikographie u. der Lexikologie Lexeme Gegenstand der Betrachtung; im Bereich der Syntax sind hingegen syntaktische Wörter Gegenstand
- So gelten Wörterbücher als Listen der Wörter einer Sprache, genauer: sie sind Listen von Lexemen u. nicht von syntaktischen Wörtern
- Da man Mengen von syntaktischen Wörtern u. dadurch mittelbar von Wortformen schlecht auflisten kann, listet man eine sogenannte Nennform des Lexems auf
- Nennform ist die Wortform eines häufigen syntaktischen Wortes des betreffenden Lexems; es ist Konvention, dass die Nennform von Substantiven die Wortform für das syntaktische Wort mit den Merkmalen Nom. Sgl. ist; bei Verben die Wortform für das synt. Wort mit dem Merkmal Infinitiv
- Die Syntax operiert hingegen über syntaktische Wörter, denn Sätze sind aus syntaktischen Wörtern gebaut u. nicht aus Lexemen; Syntaxregeln machen Aussagen über die Kombinatorik von synt. Wörtern
- Bspw. fordert eine synt. Regel an einer best. Position im Satz ein Nomen mit einem best. Kasus u. eben nur synt. Wörter sind Kasus-markiert (Lexem ist kasusneutral)

Syntaktische Wörter als Bündel von Merkmalen

- Syntaktische Wörter (auch Lexeme) sind Bündelungen von Informationseinheiten, sie sind etwas zusammengesetztes/ haben einen inneren Aufbau
- Morphologie untersucht die Gegliedertheit von syntaktischen Wörtern, also den inneren Aufbau von Wortformen; sie stellt Kategorien bereit, mit denen die Glieder klassifiziert, geordnet werden können
- Wortform bündelt semantische und morphosyntaktische Merkmale (Flexionsmerkmale: Numerus, Kasus, Person, Tempus unsw.)) in sich
- Beim Lexem sind die morphosyntaktischen Merkmale neutralisiert, es hat lediglich semantische Merkmale
- Wortformen können in einzelne Morpheme segmentiert werden
- Morphem ist die kleinste lautliche o. graphische Einheit mit einer Bedeutung o. gramm. Funktion - So unterscheidet man verschiedene Morphem-Typen

Mit anderen Worten (Duden):

- Betrachtet man ein Wort genau danach, wie es im Satz erscheint, dann spricht man von einer Wortform o. einem syntaktischen Wort -> Berücksichtigung der genauen Form u. alle gramm. Merkmale: Auf den TÜRMEN wehten bunte Fahnen
- Formmerkmale: Umlaut u. Endung -en; gramm. Merkmale: Dativ Plural
- Interessiert man sich für das Wort im allg. Sinne, liegt als Konzept das Lexem/ lexikalische Wort zugrunde
- Hinter einem Lexem steckt letztlich eine Menge von Wortformen; die einzelnen Wortformen werden in diesem Zshg. als Flexionsformen (eines best. Lexems) bezeichnet
- Bei einem Subst. können insgesamt/ max. 8 Flexionsformen gebildet werden -> zusammen bilden sie ein Paradigma (=Formenreihe)
- Bei V u. Adj. gibt es mehr Flexionsformen
- Bei Adj. ist die Nennform in Wörterbüchern die endungslose Form, so wie sie im prädikativen u. adverbialen Gebrauch auftritt; bei nur attributiv verwendeten Adj. ist meist die schwache Form auf -e Nennform (z.B. vordere)
- Die einzelnen Formen der flektierbaren Lexeme können die grammatischen Merkmale Person, Numerus, Genus, Kasus, Komparation, Modus, Tempus haben -> sind die morphosyntaktischen Merkmale

Wichtige Morphem-Typen-Unterscheidungen

a) Freie Morpheme vs. gebundene Morpheme

- Freie Morpheme können als eigenständige Wortform auftreten (z.B. Frucht, Haus, groß)
- Gebundene Morpheme treten nie als selbständige Wortform auf, sondern immer nur zusammen mit anderen Morphemen in einer Wortform (z.B. -bar in fruchtbar, -keit in Möglichkeit, -en in Fliegen)

b) Lexikalische vs. grammatische Morpheme

- Eine scharfe Trennung zw. den beiden ist nicht möglich
- Lex. Morpheme tragen i.e. S. eine Bedeutung, d.h. sie referieren auf Außersprachliches -> z.B. Frucht, Haus, groß sind lex. Morpheme (ihre Bedeutung zu explizieren ist Gegenstand der lex. Semantik) -> haben lexikalische Bedeutung
- Sie stiften den Lexemzusammenhang von syntaktischen Wörtern (zusammen mit dem Wortartmerkmal) u. den Zusammenhang eines Lexemverbandes (unter Neutralisierung des Wortartmerkmals) -> Haus, Hausbau, häuslich etc. gehören zum selben Lexemverband
- Gramm. Morpheme tragen eine gramm. Bedeutung, so z.B. Flexionsmorpheme wie Kasus-, Numerus-, Person-Morpheme o. auch Derivationsmorpheme (-lich, -haft, -bar, -heit, -keit, -ung)
- HAUS ist ein Normalfall -> frei u. lexikalisch
- SEH- ist ein Ausnahmefall -> gebunden u. lexikalisch (Wurzel-/Basismorpheme von Verben sind in der Regel gebunden)
- -HEIT ist ein Normalfall -> gebunden u. grammatisch
- ZU ein Ausnahmefall -> frei und grammatisch
- Normalfall=unmarkierte Fall; Ausnahmefall=markierte Fall

c) Affixe und Stämme

- Geb. Morpheme werden immer an andere Morpheme angehängt
- Affixe = geb. gramm. Morpheme; man spricht von Affigierung -> man unterscheidet Präfixe, Suffixe, Zirkumfixe (im Deutschen ist ge-Verbstamm -en im Part. II ein Zirkumfix)
- Das, was affigiert wird, heißt STAMM; Stamm kann ein einzelnes freies Morphem sein o. auch ein morphologischer Komplex: z.B. Gott-es (Stamm-Flexionsaffix), Gott-heit (Stamm- Derivationssuffix), Gott- heit-en (Stamm ist Gottheit, -en ist Flexionsmorphem)
- Es gibt versch. Klassen/ Typen von Affixen: Flexion, Derivation, Komposition
- Flexion umfasst die Wortformausprägung syntaktischer Wörter eines Lexems/ ist der morphologische Prozess der Wortformen-Bildung zur Ausdifferenzierung syntaktischer Wörter eines Lexems
- Für die Flexionsaffixe gibt einen festen Kanon an gramm./ morphosyntaktischen KATEGORIEN u.

KATEGORIENKLASSEN

- KATEGORIEN = morphosyntaktischen Merkmale
- Kategorienklassen u. Kategorien werden traditioneller Weise in die beiden Großgruppen DEKLINATION u. KONJUGATION eingeteilt; manchmal wird KOMPARATION zu Deklination gezählt u. manchmal ist sie eigenständige Klasse͖ dazu zählen die Kategorien TEMPUS, MODUS (Indikativ, Konj. I͙.), PERSON, K SUS, NUMERUS, GENUS
- In der Schulgrammatik werden oft auch analytische Formen zur Flexion gezählt; das sind eigentlich keine einzelnen Wortformen mehr, sondern bereits Wortformenverbände (z.B. eine Perfektform: bin geflogen; Konjunktiv II-Form: würde fliegen) -> grammatische Information wird syntaktisch durch eine Wortformengruppe ausgedrückt u. ist nicht mehr der Flexion zu zuordnen
- Derivation und Komposition dienen der Lexembildung, also der Wortbildung; es sind morphologische Prozesse der Ausbildung neuer Lexeme
- Derivationsaffixe dienen der Bildung von neuen Wörtern aus bereits bestehenden; sie bestimmen meist die Wortart eines Lexems: -bar, -lich sind typische Adj-Derivationssuffixe; -keit, -heit, -ung sind typische Subst.- Suffixe; Verbalsuffix -ieren
- bei Derivation sind meist gramm. Affixe involviert (bestimmen die Wortart)
- Komposition ist ein weiterer Typus der Lexembildung; im Unterschied zur Derivation treten durch Komposition zwei lexikalische meist freie Morpheme zusammen u. zwei Stämme zusammengekoppelt werden; bei Komposition liegt keine Affigierung vor von ursprünglich gleichwertigem
- Es gibt best. Abfolgeregeln für die Affigierung:
- Lexembildende Derivationsaffixe kommen meist vor Flexionssuffixen (z.B. frucht-bar-es, gott-heit-en)
- Innerhalb der Flexion kommt Numerus vor Kasus (Kind-er-n) oder Tempus vor Person (mach-t-est)

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Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668036932
ISBN (Buch)
9783668036949
Dateigröße
852 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303601
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – germanistische Sprachwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Grammatik Wort Wortarten-Lehre 10-Wortarten-Lehre Fünf-Wortarten-Lehre Wortarten Morphem-Typen Morphem syntaktische Wort lexikalisches Wort Lexemverband freie Morpheme gebundene Morpheme lexikalische Morpheme grammatische Morpheme Hans Glinz flektierbare Wörter nicht flektierbare Wörter Klassifikationssysteme Kriterien der Klassifikation von Wörtern Klassifizieren von Wörtern Wortkategorien Was ist ein Wort Definition Wort

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