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Ursachenanalyse historischer Spekulationsblasen im Aktien- und Rohstoffbereich und deren Anwendbarkeit für die Gegenwart

Bachelorarbeit 2014 81 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Formelverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Gang der Untersuchung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsbestimmung
2.1.1 Spekulationsblasen
2.1.2 Erwartungen
2.1.3 Mikroökonomische Begriffe
2.1.3.1 Bedürfnis, Bedarf und Nachfrage
2.1.3.2 Gütermarkt
2.1.3.3 Polypol
2.1.4 Makroökonomische Begriffe
2.1.4.1 Konjunkturzyklus
2.1.4.2 Konjunkturwellen
2.2 Preisbildung im polypolistischen Gütermarkt
2.2.1 Polypolistisches Gütermarktgleichgewicht
2.2.2 Nachfrageverschiebung
2.2.3 Angebotsverschiebung

3 Analytische Betrachtung
3.1 Analyse ausgewählter Aktien- und Rohstoffblasen
3.1.1 Die Südseeblase
3.1.1.1 Ursachen der Südseeblase
3.1.1.2 Entwicklung der Südseeblase
3.1.1.3 Auswirkungen der Südseeblase
3.1.2 Die Silberblase
3.1.2.1 Ursachen der Silberblase
3.1.2.2 Entwicklung der Silberblase
3.1.2.3 Auswirkungen der Silberblase
3.1.3 Die Dotcomblase
3.1.3.1 Ursachen der Dotcomblase
3.1.3.2 Entwicklung der Dotcomblase
3.1.3.3 Auswirkungen der Dotcomblase
3.2 Ursachenvergleich
3.3 Preisentwicklung
3.3.1 Analyse des Zusammenhangs zwischen Zeit und Preis
3.3.2 Phasen spekulativer Blasen
3.3.3 Preisentwicklung im Gütermarktmodell
3.3.3.1 Modellannahmen
3.3.3.2 Modellerläuterung
3.4 Vergleich ökonomischer Konsequenzen

4 Auswertung und Lösungsansatz
4.1 Voraussetzungen zur Entstehung und Verstärkung spekulativer Aktien- und Rohstoffblasen
4.1.1 Monetäre Bedingungen
4.1.1.1 Niedrige Zinsen und neue Anlageperspektiven
4.1.1.2 Kreditvergabe
4.1.2 Verhaltensbedingte Kriterien
4.1.2.1 Erwartungsbild der Marktteilnehmer
4.1.2.2 Herdenverhalten und Medienpräsenz
4.2 Notwendigkeit der Eindämmung spekulativer Aktien- und
Rohstoffblasen
4.3 Möglichkeiten der Prävention
4.3.1 Maßnahmen seitens der Politik
4.3.1.1 Staatlicher Höchstpreis
4.3.1.2 Angebotsausweitung mittels Subventionen
4.3.1.3 Temporäre Besitzbeschränkung
4.3.1.4 Regulierung des Bankeneinflusses auf Privatanleger
4.3.2 Maßnahmen zur Risikoreduktion seitens der Nachfrager
4.4 Möglichkeiten zur Vermeidung eines Crashs
4.4.1 Temporäre Handelsbeschränkungen
4.4.2 Staatlicher Mindestpreis
4.5 Aktuelle Aktien- und Rohstoffblasen
4.5.1 Solarindustrie am Beispiel der SolarWorld AG
4.5.2 Der Rohstoff Gold

5 Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Anhangverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Bedürfnispyramide nach Maslow 0

Abbildung 2 Teilmengenmodell Bedürfnis – Bedarf – Nachfrage 1

Abbildung 3 Konjunkturphasen

Abbildung 4 Gütermarktgleichgewicht im Preis – Mengen – Diagramm

Abbildung 5 Nachfrageerhöhung

Abbildung 6 Nachfragesenkung

Abbildung 7 Angebotserhöhung

Abbildung 8 Angebotssenkung

Abbildung 9 Südseeaktie 1719 bis 1721

Abbildung 10 Silberpreis 1975 bis 1982

Abbildung 11 DAX und NEMAX 1990 bis 2003

Abbildung 12 Fünf Phasen einer Spekulationsblase

Abbildung 13 Preisentwicklung spekulativer Aktien oder Rohstoffe
im Gütermarktmodell

Abbildung 14 Staatlicher Höchstpreis

Abbildung 15 Subventionswirkung im Gütermarktmodell

Abbildung 16 Staatlicher Mindestpreis

Abbildung 17 Staatlicher Mindestpreis mit Abnahmegarantie

Abbildung 18 Performance der SolarWorld – Aktie 2000 bis 2012

Abbildung 19 Goldkurs 2001 bis 2013 in Dollar je Feinunze

Formelverzeichnis

Formel 1 Berechnung der Eigenkapitalrendite

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Spekulationsblasen entstehen, wenn sich der Preis eines Gutes zunehmend von seinem wirtschaftlich gerechtfertigten Wert entfernt. Diese Phänomene werden seit dem 17. Jahrhundert beobachtet. Die erste Spekulationsblase war die Tulpenmanie zwischen 1634 und 1637, in der Tulpen zum Statussymbol für niederländische Bürger wurden. Die Blume verwandelte sich zum Spekulationsobjekt. Bis heute traten zahlreiche Beispiele solcher Blasen auf, wie die Südseeblase 1719 bis 1721, die Eisenbahnspekulation von 1873 in Nordamerika, diverse Rohstoffblasen, die Dotcom-Blase im Jahr 2000 und die US-Immobilienblase 2001 bis 2009. Die Menschen präferierten nie eine bestimmte Assetklasse. Es wurden Spekulationen mit Blumen, Aktien, Edelmetallen, technologischen Neuerungen und anderen Gütern betrieben. Heute, in der Zeit des Internets und des Lebens im virtuellen Raum, finden auch die meisten Finanzgeschäfte statt. Am Kapitalmarkt werden hauptsächlich Aktien gehandelt. Daher ist aus heutiger Sicht eine Auseinandersetzung mit den Merkmalen spekulativer Aktienblasen wichtig. Genauso nimmt die Rolle der Rohstoffe auf der Welt aufgrund der Ressourcenverknappung immer weiter zu. Da Aktien und Rohstoffe preislich gleich auf Angebots- und Nachfrageänderungen reagieren, sollen sie in der Analyse gemeinsam betrachtet werden.

Es stellt sich allerdings die Frage, warum diese Spekulationsblasen überhaupt analysiert werden müssen. Die Auswirkungen des Platzens der Blasen sind weitgreifend. Anleger erfahren einen Wertverlust ihres Portfolios in Abhängigkeit ihrer Anlagesumme im Spekulationsgut und die Wirtschaft kann so stark geschwächt werden, dass Produktion und Konsum zurückgehen und Arbeitnehmer betriebsbedingte Kündigungen erhalten. Globale Vernetzungen der Finanzmärkte und Medieneinflüsse scheinen diese Auswirkungen zu verstärken, sodass die Folgen für die Ökonomie mit der Zeit zunehmen.

Es entstehen heute immer neue Spekulationsblasen, wie zum Beispiel die Solarindustrieblase. Meistens werden diese Nachrichten jedoch erst bekannt, wenn die Blase bereits fast das Maximum erreicht hat und nicht, wenn sie gerade entsteht. Diese Mitteilungen wirken dann in entgegengesetzte Richtung. Anleger kaufen zwar zunächst das Asset weiter, was den Preis weiter steigen lässt, kurze Zeit später verkaufen sie aber die Güter, um ihre Gewinne zu realisieren. Diese Handlung fördert das schnelle Platzen der Blasen. Wichtiger wäre eine rechtzeitige Erkennung entstehender Blasen. Um dies möglich zu machen, ist eine Auseinandersetzung mit der Charakteristik spekulativer Aktien- und Rohstoffblasen unabdingbar.

1.2 Zielsetzung

Hauptaufgabe der Arbeit ist die Entwicklung einer Charakteristik spekulativer Aktien- und Rohstoffblasen. Für die Untersuchung werden drei Spekulationsblasen herangezogen. Sie werden speziell auf drei Schwerpunkte hin analysiert. Es wird die Frage gestellt, was die Entstehung dieser Blasenphänomene auslöst und ob es Übereinstimmungen gibt. Der zweite Komplex befasst sich mit der Entwicklung der Preise. Es wird anstrebt, Aussagen für kommende Blasen zu formulieren und den Preisverlauf auf volkswirtschaftlicher Basis zu erklären. Auch die Folgen der Spekulationsblasen sind Bestandteil der Analyse dieser Bachelorthesis. Die Intention liegt in der Untersuchung des Einflusses der Blasen auf ökonomische Verhältnisse. Ein zusätzliches Ziel ist die Beantwortung der Fragestellung, wovon die Stärke der Auswirkungen abhängt. Zuletzt sollen theoretische Ansätze entwickelt werden, die es ermöglichen, Spekulationsblasen einzudämmen. Dafür werden verschiedene Möglichkeiten diskutiert.

1.3 Gang der Untersuchung

Zunächst werden im Gliederungspunkt 2.1 Begrifflichkeiten in Bezug auf spekulative Blasen und rund um Gütermärkte erläutert, sowie deren volkswirtschaftlichen Zusammenhänge dargestellt.

Im nächsten Kapitel erfolgt eine ex post Analyse ausgewählter Aktien- und Rohstoffblasen hinsichtlich ihrer Ursachen, des Verlaufs und der Auswirkungen auf das ökonomische System. Für die Untersuchung werden die Südseeblase von 1717 bis 1721, die Silberblase von 1975 bis 1982 und die Dotcomblase von 1990 bis 2003 herangezogen.

Anschließend werden die drei analysierten Aspekte der Blasen in den Gliederungspunkten 3.2 bis 3.4 näher auf Gemeinsamkeiten hin untersucht. Es sollen mögliche, einheitliche Ursachen gefunden werden, die für alle Aktien- und Rohstoffblasen zutreffen, um gegebenenfalls neu entstehende Blasen frühzeitig zu erkennen ihnen und entgegenwirken zu können. Die Entwicklung der Preise soll im darauffolgenden Punkt volkswirtschaftlich begründet werden. Inwieweit sich die Auswirkungen der Blasen gleichen, wird ebenfalls Bestandteil der Untersuchung sein.

In der Auswertung, dem vierten Kapitel, werden die gleichen Ursachen aller drei analysierten Blasen genauer beleuchtet. Die Wirkung dieser Ursachen auf die Preisentwicklung der Spekulationsgüter spielt eine wesentliche Rolle. Mit dieser Grundlage wird über vorbeugende Maßnahmen gegen eine Blasenentstehung diskutiert. Im Vorfeld wird die Frage im Gliederungspunkt 4.2 „Notwendigkeit der Eindämmung spekulativer Aktien- und Rohstoffblasen“ geklärt, inwieweit eine Vermeidung spekulativer Blasen ökonomisch notwendig ist. Bei der Vorbeugung werden die Seite der Politik und die Seite der Anleger betrachtet. Es wird darauf eingegangen, welche Möglichkeiten bestehen und inwiefern sie praktisch umsetzbar sind.

Für die Anwendung der Ergebnisse aus der Analyse wird im Nachgang ein Blick in die Gegenwart geworfen. Im Punkt 4.5 werden anhand aktueller Aktien- und Rohstoffblasen die Resultate der Untersuchung angewandt. Ausgewählt wurden dafür die Solarindustrie am Beispiel der SolarWorld AG und der Rohstoff Gold.

Im Kapitel 5 erfolgt eine Zusammenfassung des Themenkomplexes „Aktien- und Rohstoffblasen“, in der alle wichtigen Erkenntnisse aufgeführt werden. Außerdem werden noch offene Fragen und Problemstellungen aufgezeigt, die weiter zu untersuchen sind.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Begriffsbestimmung

2.1.1 Spekulationsblasen

Um den Begriff Spekulationsblase erklären zu können, muss zunächst eine Definition für Spekulation gegeben werden. Darunter sind alle Aktivitäten zu verstehen, die mittels Preisdifferenzen die Erzielung von Gewinnen versprechen.[1]

Die ersten Wertpapiermärkte gab es bereits im 14. Jahrhundert in Venedig, Florenz und Genua. Lange Zeit davor begann der Handel mit Münzen und Waren.[2] Seitdem existieren auch Spekulationen. Die Verlockung, schnell das eigene Vermögen zu erhöhen, bringt viele dazu, Risiken einzugehen. Dabei ist den Menschen oftmals nicht bewusst, dass sie dadurch ihren kompletten Reichtum verlieren können.[3]

Spekulationsblasen entstehen durch massive Preissteigerungen eines Gutes ohne Widerspiegelung im wirtschaftlich gerechtfertigten Wert.[4] Die Spekulation auf steigende Preise kurbelt den Prozess der Preissteigerung und damit die Blasenentstehung an. Die Vorhersage einiger, die Preise eines bestimmten Gutes stiegen, löst häufig eine hohe Anzahl an Käufen aus. Die ersten Preissteigerungen lassen die Erwartung auf weitere Gewinne entstehen. Im Sozialverhalten der Marktteilnehmer ist der sogenannte Herdentrieb zu beobachten, wodurch noch mehr Käufe des Gutes getätigt werden. Dieser Vorgang setzt sich solange fort, bis die Befürchtung aufkommt, keine weiteren Gewinne erzielen zu können, weil keiner mehr bereit ist, einen noch höheren Preis für den Erwerb des Gutes zu zahlen. Ab diesem Zeitpunkt wollen die Akteure durch den Verkauf ihre Gewinne realisieren. Preise sinken und mit der Erwartung weiterer Verluste wird eine steigende Anzahl an Verkäufe vorgenommen. Die Spekulationsblase platzt und der Preis des Gutes verringert sich in kürzester Zeit auf einen Bruchteil.[5]

2.1.2 Erwartungen

Bei Entscheidungen, die zukunftsbezogene Unsicherheiten beinhalten, spielen die Erwartungen der Akteure über den Ausgang eine essentielle Rolle.[6] Es ist vorauszusetzen, dass Erwartungen und daraus folgende Handlungen die Entwicklung beeinflussen. Werden Güter gekauft beziehungsweise verkauft, ändert sich der Preis wie zuvor erwartet.[7] Beim Spekulieren auf diese Preisänderung muss zunächst die Zusammensetzung des Preises betrachtet werden. Er besteht zum einen aus dem Fundamentalwert, der alle am Markt verfügbaren Informationen beinhaltet und daher den tatsächlichen Wert aus wirtschaftlicher Sicht darstellt.[8] Zum zweiten enthält der Preis einen Blasenterm, der auf dem Erwartungsbild der Marktteilnehmer basiert. Somit ist festzuhalten, dass die Erwartung zur Preisbildung einen maßgeblichen Teil beiträgt.[9]

Es werden zwei Arten von Erwartungen unterschieden, die rationale und die irrationale Erwartung. Das Modell der rationalen Erwartung basiert auf der Voraussetzung, dass alle handelnden Personen am Markt unbeschränkten Zugang zu allen entscheidungsrelevanten Informationen haben und diese auch nutzen. Zudem wissen sie über ökonomische Zusammenhänge im Einzelnen Bescheid. Folglich entstehen keine falschen Prognosen aufgrund fehlender Informationen oder lückenhafter Modellbetrachtung und Fehler sind ausschließlich stochastischer Natur.[10] Vor diesem Hintergrund ist die Bildung spekulativer Blasen theoretisch nicht möglich. Warum sich rationales Verhalten und Spekulationsblasen dennoch nicht ausschließen, wird im Gliederungspunkt 4.1.2.1 „Erwartungsbild der Marktteilnehmer“ erläutert. Bei irrationalen Erwartungen sind die eben genannten Bedingungen nicht gegeben. Die Wirtschaftssubjekte haben keinen Zugang zu sämtlichen Informationen oder handeln ohne die wirtschaftlichen Zusammenhänge zu integrieren. Dieses anscheinend willkürliche Verhalten trägt vordergründig zur Blasenbildung bei.[11]

2.1.3 Mikroökonomische Begriffe

2.1.3.1 Bedürfnis, Bedarf und Nachfrage

Bedürfnisse sind der Drang nach Beseitigung empfundener, hochdifferenzierter Mängel, welche in allen Bereichen des Lebens auftreten. Diese Mangelerscheinungen des Menschen können bewusst oder unbewusst sein. Bewusste Mängel heißen manifeste Bedürfnisse und die unbewussten latente Bedürfnisse.[12] Der Psychologe Maslow systematisiert die Bedürfnisse nach ihrer Wichtigkeit hierarchisch in einer Pyramide. Er fasst die Einzelbedürfnisse in Stufen, wie in Abbildung 1 zu sehen ist, zusammen.[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Bedürfnispyramide nach Maslow
(eigene Darstellung in Anlehnung an MÜLLER, 2009, S. 58)

Die Basis der Pyramide bilden die Grundbedürfnisse oder auch Primärbedürfnisse genannt, wie zum Beispiel Essen und Schlaf. Sie ermöglichen das Leben und werden zuerst erfüllt. Erst im Anschluss gewinnt der sekundäre Bereich an Bedeutung.[14]

Die Sicherheitsbedürfnisse stellen das Verlangen nach Stabilität dar, welches durch Arbeit und Einkommen gewährt werden kann. Die Erfüllung der einzelnen Ebenen trägt essentiell zur Verbesserung des Lebensstandards bei. Je höher jedoch das Angebot ist, desto größer wird der Wunsch qualitativer Befriedigung.[15]

Die nächste Ebene bilden die sozialen Bedürfnisse, in der Güter primär keine Rolle spielen. Im Vordergrund steht der Umgang mit anderen Menschen in Form einer Partnerschaft, Freundschaften und dem Miteinander.[16]

Nachdem alle Elementarbedürfnisse erfüllt sind, wenden sich die Menschen den Wertschätzungsbedürfnissen zu. Sie beinhalten die positive Wirkung nach außen. Das Image und der Erfolg tragen maßgeblich dazu bei. Auch das Spekulieren auf Preissteigerungen und somit das Erzielen von Gewinnen gehört in diese Stufe der Pyramide. Maslow hat herausgefunden, dass die Bedürfnisse in Abhängigkeit zur Erfüllung stehen. Angewandt auf die Praxis bedeutet das, dass Menschen nie 100 Prozent zufrieden sein können, sondern stets nach mehr Gütern und Erfolg streben.[17] Daher sind sie mit kleinen Spekulationsgewinnen nur selten glücklich und streben nach höheren Gewinnen, was die Entstehung von Spekulationsblasen fördert. Auch Manipulation spielt in diesem Bereich einen entscheidenden Part. Beispielsweise können Medien die Marktteilnehmer mittels Werbung oder Informationsweitergabe positiver Kursentwicklungen beeinflussen, bestimmte Güter zu kaufen. Durch diese Manipulation werden Bedürfnisse geweckt, ohne dass sie tatsächlich existieren. Je größer der Einfluss des Manipulators ist, desto stärker wird der menschliche Herdentrieb, nach dessen Prämissen zu handeln.[18] Nachdem alle unteren Ebenen befriedigt wurden, wenden sich die Menschen der Selbstverwirklichung zu. Diese Entwicklungsbedürfnisse ergeben die Spitze der Pyramide. Individuen feilen an ihrer Persönlichkeit und legen Wert auf Bildung.[19]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Teilmengenmodell Bedürfnis – Bedarf – Nachfrage
(eigene Darstellung in Anlehnung an MÜLLER, 2009, S. 62)

Bedürfnisse werden als ein Komplex angesehen, in dem sich der Bedarf und die Nachfrage als Teilmenge wiederfinden. Der Bedarf setzt immer ein bestimmtes Bedürfnis voraus, sowie die Bereitschaft, Geld für die Befriedigung aufzuwenden. Wenn ein Individuum am Markt seinen Bedarf durch den Kauf des entsprechenden Gutes umsetzt, wird von Nachfrage gesprochen. Der Nutzen misst im Anschluss den Grad der individuellen Bedürfnisbefriedigung. Die Abbildung 2 veranschaulicht das Modell dieser Teilmengen. Das Beispiel des Sandwichkaufs soll den Zusammenhang der Begriffe noch einmal deutlichen. Das Grundbedürfnis Hunger veranlasst den Menschen zum Wunsch nach einem Sandwich. Dieser Wunsch stellt den Bedarf dar. Daraufhin geht er zum Imbiss und kauft sich ein Sandwich, was der Nachfrage entspricht. Nachdem er das Sandwich gegessen hat, setzt das Sättigungsgefühl ein und der Nutzen wird sichtbar.[20]

2.1.3.2 Gütermarkt

Der Gütermarkt wird definiert als ökonomischer Ort, auf dem Waren und Dienstleistungen gehandelt werden. Angebot und Nachfrage treffen aufeinander.[21] Die Märkte können nach folgenden Kriterien systematisiert werden:

- nach Art der gehandelten Güter:
- Konsumgütermarkt
- Investitionsgütermarkt
- nach Handelsort:
- Märkte der einzelnen Länder
- Weltmarkt
- nach Handelszeit:
- zentraler Markt
- dezentrale Märkte
- nach Anzahl der Anbieter und Nachfrager:
- monopolistischer Markt
- oligopolistischer Markt
- polypolistischer Markt
- nach Preisbildung:
- vollkommener Markt
- unvollkommener Markt
- nach Marktzutritt:
- offener Markt
- geschlossener Markt
- nach staatlicher Beeinflussung:
- freier Markt
- regulierter Markt[22]

Wichtig bei der Modellbetrachtung ist zu wissen, von welcher Annahme in Bezug auf die Preisbildung im Markt auszugehen ist. Grundsätzlich liegt ein vollkommener Markt vor, wenn alle nachfolgend beschriebenen Merkmale zutreffen. Fällt ein Merkmal aus, ist bereits von Unvollkommenheit zu sprechen. Die erste Eigenschaft ist die Homogenität der Güter, das heißt, sie stimmen in ihrer Qualität überein. Zum zweiten existieren weder räumliche, zeitliche noch persönliche Präferenzen. Zusätzlich müssen alle Informationen jedem Marktteilnehmer jederzeit zugänglich und zeitliche Differenzen im Handeln ausgeschlossen sein. Es entsteht dadurch ein Punktmarkt, der Einfluss auf die Preisbildung hat. Jedes Gut wird zu einem bestimmten Preis gehandelt.[23] Da es in der Praxis allerdings nie möglich sein wird, alle Kriterien für die Vollkommenheit zu erfüllen, sind tatsächlich nur unvollkommene Märkte zu finden. Zur Vereinfachung von Modellen wird jedoch oftmals ein vollkommener Markt als Annahme zu Grunde gelegt.

Einfluss auf den Preis haben neben der Vollkommenheit des Marktes die Anzahl der Anbieter und Nachfrager. Die drei hauptsächlichen Marktformen sind das Angebotsmonopol, das Angebotsoligopol und das Polypol. Die Märkte weisen viele Nachfrager auf und unterscheiden sich in der Anzahl der Anbieter. Auf dem polypolistischen Gütermarkt treffen viele Anbieter und viele Nachfrager zusammen. Unter der Voraussetzung eines vollkommenen Marktes entsteht ein Preis, der durch das Handeln einzelner Marktteilnehmer nicht beeinflusst werden kann. Ein Beispiel für ein Polypol ist der Aktienmarkt. Das Angebotsoligopol beinhaltet wenige Anbieter und viele Nachfrager. Als Beispiel kann der Kraftstoffhandel aufgeführt werden. Es entsteht zwar ebenfalls ein einheitlicher Preis im vollkommenen Gütermarkt, kann aber durch Absprachen und einheitlichem Verhalten verändert werden. Den größten Einfluss auf den Preis hat ein Monopolist. Er ist der einzige Anbieter oder Nachfrager am Markt, dem viele Nachfrager beziehungsweise Anbieter gegenüber stehen. Daher kann er einen Preis für sein Gut unter der Beachtung der Preis-Absatz- Funktion frei festlegen. Dieser Preis ist unter Vollkommenheit des Marktes überall gleich. In Deutschland liegt in der Eisenbahnbranche ein solches Monopol bei der Deutschen Bahn vor.[24] Für die Untersuchung spekulativer Aktien- und Rohstoffblasen wird die Annahme getroffen, dass ein polypolistischer Gütermarkt als Basis für die Preisbildung dient. Daher wird im Gliederungspunkt 2.2 „Preisbildung im polypolistischen Gütermarkt“ diese Marktform genauer beleuchtet.

2.1.3.3 Polypol

Das Modell des Polypols wird im Verlauf dieser Arbeit benötigt, um zeitliche Preisänderungen spekulativer Blasen theoriegeleitet erläutern zu können. Daher werden in diesem Gliederungspunkt die Merkmale dieser Marktform detailliert
aufgezeigt.

Treffen viele Anbieter und Nachfrager aufeinander, besteht vollständige Konkurrenz. Das bedeutet, dass weder einzelne Anbieter noch einzelne Nachfrager durch ihr Verhalten am Markt Einfluss auf den dort herrschenden Preis nehmen können. Sie sind folglich Preisnehmer und der Marktpreis ist ein Datum, das heißt, er ist fix. Diese Preisstarrheit findet sich ausschließlich im vollkommenen Markt
wieder.[25]

Bei Unvollkommenheit erhalten die Anbieter einen monopolistischen Preisspielraum. Durch unvollständige Informationen oder dem Existieren von Prämissen bei den Marktteilnehmern können Anbieter den Preis für ihr Gut grundsätzlich in einer gewissen Bandbreite schwanken lassen, ohne dass die Nachfrage spürbar reagiert. Diese Preisbildung ähnelt der des Monopols.[26] Bedingung ist, dass das betreffende Gut kein Substitutionsgut besitzt. Das bedeutet, es existieren keine anderen Güter mit ähnlichen Eigenschaften, durch welche das ursprüngliche Gut ausgetauscht werden kann. Zum Beispiel können Gummibärchen die Schokolade als Knabberei ablösen, wenn der Preis für Schokolade plötzlich außergewöhnlich stark ansteigt. Eine monopolistische Preisschwankungsbreite hat so beispielsweise der einzige Tankwart in einer Stadt, da Kraftstoff momentan nicht effektiv durch Flüssigkeiten, wie Wasser, ersetzen werden kann.

2.1.4 Makroökonomische Begriffe

2.1.4.1 Konjunkturzyklus

Die Konjunktur unterliegt regelmäßig wiederkehrenden Schwankungen. Die Veränderung wirtschaftlicher Größen innerhalb eines bestimmten Zeitabschnittes ist in dem sogenannten Konjunkturzyklus zu beobachten, welcher aus vier Phasen besteht. Die Dauer der Phasen muss nicht zwingend jedes Mal gleich sein. Insgesamt dauert ein Zyklus circa fünf bis acht Jahre.[27] In der nachfolgenden Abbildung wird ein Konjunkturzyklus dargestellt. Er beginnt und endet jeweils in einem Tiefpunkt und beinhaltet alle vier Phasen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 Konjunkturphasen
(eigene Darstellung in Anlehnung an HORN, 2010 (30.05.2014))

Die erste Phase beginnt nach dem Durchlaufen des linken Tiefpunktes der Konjunkturfunktion, der die vorangegangene Depression darstellt. Dieser erste Zeitabschnitt wird als Aufschwungphase oder Expansion bezeichnet. Auslöser für die Expansion können unter anderem technologische Fortschritte, Zinssenkungen und Optimismus der Konsumenten bezüglich der konjunkturellen Entwicklung sein.[28] Das Wachstum der Konjunktur wird mit Hilfe des Bruttoinlandproduktes gemessen, das alle im Inland hergestellten Güter und Dienstleistungen beinhaltet.[29] Die Wirtschaft wächst solide aufgrund steigender Nachfrage. Kapazitäten der Unternehmen werden ausgelastet und Kredite für neue Investitionen aufgenommen. Ein höherer Produktionsumfang bedeutet gleichzeitig eine geringere Arbeitslosenquote und steigende Löhne, sowie zunehmender privater Konsum. Höhere Zinsen bergen die Gefahr einer steigenden Inflation. Gemessen wird diese Geldwertentwicklung mit dem Verbraucherpreisindex. Er errechnet sich aus der Preisentwicklung eines Warenkorbes mit 700 Gütern und Dienstleistungen.[30] Des Weiteren steigt der Auslastungsgrad.

Diese positive Entwicklung verläuft solange weiter, bis die Wirtschaft vollkommen ausgelastet ist. Diese Phase wird als Boom bezeichnet. Die Nachfrage ist so hoch, dass auch alle Neuinvestitionen an der Kapazitätsgrenze angelangt sind. Auf dem Arbeitsmarkt gibt es kaum noch verfügbare Arbeitskräfte. Eine weitere Steigerung des Bruttoinlandsprodukts ist kaum noch möglich. Preissteigerungen folgen und höhere Zinskosten schmälern die Gewinne der Unternehmen.[31]

Der Hochpunkt der Konjunktur wird erreicht und der herrschende Optimismus gerät langsam ins Schwanken. Eine Wende in der Wirtschaft wird eingeleitet. Die Phase der Rezession folgt. Investitionen rentieren sich nicht so, wie erwartet. Unternehmen können die hohen Kapitalkosten kaum noch bedienen und geraten in Zahlungsengpässe. Marktteilnehmer wollen ihre Schulden abbauen konsumieren weniger. Daraufhin werden Arbeitnehmer entlassen, um Kosten zu sparen. Zudem existiert bei gesunkener Produktion eine geringere Arbeitskräftenachfrage.

Der letzte Abschnitt in einem Konjunkturzyklus ist die Depression. In dieser Phase ist das Wirtschaftswachstum am schwächsten und gegebenenfalls negativ. Der Auslastungsgrad der Wirtschaft ist auf einem Tiefpunkt. Die Zahl der Beschäftigten, das Bruttoinlandsprodukt, Neuinvestitionen und der Umfang des Konsums sind minimal. Nach dem Durchlaufen des Tiefpunktes beginnt der Konjunkturzyklus von neuem.[32]

Die getroffene Abgrenzung der Phasen ist abstrakt, also nicht klar definierbar. Sie gehen ineinander über und dürfen nur in der Theorie einzeln betrachtet werden.

2.1.4.2 Konjunkturwellen

Neben den mittelfristigen Zyklen der Konjunktur existieren langfristige Wellen. Der Wirtschaftswissenschaftler Kondratieff stellte die Theorie auf, dass sich die Wirtschaft auf eine Sicht von 40 bis 60 Jahren tiefgreifend verändert und die so entstehenden Konjunkturwellen die Konjunkturzyklen überlagern. Der Aufschwung beginnt dabei immer mit einer technischen Innovation. Gelder werden in die Entwicklung neuer Technologien investiert. In der Phase des Aufschwungs findet sich überwiegend wachsende Konjunktur wieder und die technische Neuheit setzt sich am Markt durch. Infolge dessen werden Investitionen in diesem Bereich zurückgefahren und es folgt ein langfristiger Abschwung der Konjunktur. Es werden zwar auch positive Entwicklungen in der Wirtschaft verzeichnet, jedoch überwiegt eine Rezession am Markt.[33]

Wichtig sind die Modelle der Konjunkturphasen und -wellen für einen späteren Vergleich mit dem Verlauf der zu untersuchenden Spekulationsblasen im Gliederungspunkt 3.3.1 „Analyse des Zusammenhangs zwischen Zeit und Preis“.

2.2 Preisbildung im polypolistischen Gütermarkt

2.2.1 Polypolistisches Gütermarktgleichgewicht

Das Modell des Gütermarktgleichgewichts basiert auf der Annahme der vollkommenen Konkurrenz. Es entsteht durch das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage. Das Marktangebot ergibt sich aus der Summe aller angebotenen Güter. Bei sinkenden Preisen sinkt die angebotene Menge bis zu einem Marktpreis, der dem Prohibitivpreis des Angebots entspricht. Darunter existiert kein Angebot mehr. Die Marktnachfrage setzt sich aus allen individuellen Nachfragern zusammen. Die Nachfrage verhält sich entgegengesetzt des Angebotes. Bei einem sinkenden Preis steigt die nachgefragte Menge.[34] Die sich so ergebenden Angebots- und Nachfragefunktionen lassen sich in einem Preis-Mengen-Diagramm darstellen. In der nachfolgenden Abbildung wird dieses Modell veranschaulicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 Gütermarktgleichgewicht im Preis – Mengen – Diagramm
(eigene Darstellung in Anlehnung an online: KIRSTEIN, 2010, S. 3-5 (04.06.2014))

Grundsätzlich schneiden sich beide Funktionen. Dieser Schnittpunkt entspricht dem Gütermarktgleichgewicht, in dem das Angebot gleich der Nachfrage ist. Der in dem Punkt existierende Preis wird als Gleichgewichtspreis p0 bezeichnet, zu welchem die Gleichgewichtsmenge x0 angeboten und nachgefragt wird. Der Preis p0 heißt auch markträumender Preis, da Angebot und Nachfrage vollständig erfüllt werden.[35]

Liegt der Preis oberhalb des Gleichgewichtspreises (im Modell p1), wird eine größere Menge angeboten als nachgefragt. Der so vorhandene Güterüberschuss, der sich aus der Differenz zwischen x2 und x1 ergibt, bewirkt eine Preissenkung bis zum markträumende Preis. Befindet sich der Preis unterhalb des Gleichgewichtspreises (im Modell p2), reagiert der Markt entgegengesetzt zu einem Überschuss. Die nachgefragte Menge ist größer als die angebotene Menge, was eine Güterknappheit in Höhe der Differenz zwischen x2 und x1 hervorruft. Auch in diesem Fall passt sich der Preis an, bis das Gleichgewicht wieder hergestellt ist.[36]

Dieses Modell liefert die Basis für die Analyse der Preisentwicklung spekulativer Aktien- und Rohstoffblasen, sowie der Betrachtung von Instrumentarien zur Eindämmung der Blasen. Es werden ebenfalls die Grundlagen der Angebots- und Nachfrageverschiebung benötigt, welche in den folgenden Abschnitten erläutert werden.

2.2.2 Nachfrageverschiebung

Einige Faktoren wirken sich auf die nachgefragte Menge aus. Ändert sich der Preis eines Gutes, bewegt sich die nachgefragte Menge entlang der Nachfragefunktion. Andere Einflüsse, wie das Einkommen der privaten Haushalte, Präferenzen für bestimmte Güter, Erwartungen über Preisentwicklungen und die Anzahl der Käufer, können eine Verschiebung der Nachfragekurve verursachen.[37] Der Marktmechanismus reagiert auf eine solche Veränderung mit der Verschiebung des Gleichgewichts. Prinzipiell muss zwischen einer Erhöhung und einer Senkung der Nachfrage unterschieden werden. In Abbildung 4 wird zunächst das Ereignis der gesteigerten Nachfrage dargestellt und im Anschluss in Abbildung 5 die Verringerung der Nachfrage.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 Nachfrageerhöhung
(eigene Darstellung in Anlehnung an MÜLLER, 2009, S. 350)

Eine Erhöhung des Einkommens beispielsweise lässt die Nachfrage des Gutes steigen. Die Nachfragefunktion N verschiebt sich nach rechts zu N`. Damit bildet sich ein neues Gleichgewicht GG` mit einem höheren Preis p1 und einer gestiegenen Menge x1, die am Markt gehandelt wird.[38]

Der Mechanismus der Nachfrageverschiebung nach links funktioniert entgegengesetzt der eben beschriebenen Nachfrageerhöhung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 6 Nachfragesenkung
(eigene Darstellung in Anlehnung an MÜLLER, 2009, S. 351)

Die Veränderung von Präferenzen der Käufer oder anderer Kriterien kann eine Verringerung der Nachfrage und somit eine Verschiebung der Nachfragefunktion N nach links zu N`` verursachen. Der Preis p0 sinkt auf p2 und auch die Menge x0 sinkt auf x2. Diese beiden Werte bilden das neue Gleichgewicht GG``.[39]

Zusammenfassend lässt sich ein Preisgesetz formulieren. Unter der Voraussetzung eines gleichbleibenden Güterangebots verursacht eine Nachfrageerhöhung steigende Preise sowie steigende Mengen. Eine Nachfrageverringerung hingegen lässt den Preis und die Mengen sinken.[40]

2.2.3 Angebotsverschiebung

Ähnlich einer Beeinflussung der nachgefragten Menge wirken sich Veränderungen ökonomischer Faktoren auf die angebotene Menge aus. Ändert sich der Preis eines Gutes, bewegt sich die angebotene Menge entlang der Angebotskurve.[41] Andere Größen, wie zum Beispiel schwankende Materialkosten für die Produktion, Kapazitätsänderungen oder die Anzahl der am Markt auftretenden Anbieter, verursachen eine Verschiebung der Angebotskurve im Gütermarktmodell.[42] Äquivalent zur Nachfrageverschiebung werden eine Erhöhung und eine Senkung des Angebots unterschieden. Die beiden Fälle werden in den zwei nachfolgenden Abbildungen wiedergegeben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7 Angebotserhöhung

(eigenen Darstellung in Anlehnung an MÜLLER, 2009, S. 349)

Auslöser für eine Erhöhung des Angebots kann ein Fortschritt im technologischen Bereich sein. Wenn dieser Fortschritt die Produktionskosten senkt, dehnen Produzenten ihr Angebot aus, um von einem höheren Gewinn zu profitieren.[43] Die Angebotsfunktion A verschiebt sich nach rechts zu A`. Der Marktpreis p0 sinkt auf p1 und die gehandelte Menge x0 dehnt sich auf x1 aus. Ein neues Gleichgewicht bildet sich im Punkt GG`.[44]

Die Angebotssenkung am Markt wirkt sich entgegengesetzt zur Erhöhung der angebotenen Menge aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8 Angebotssenkung

(eigene Darstellung in Anlehnung an MÜLLER, 2009, S. 349)

Steigen die Materialkosten für die Produktion der Güter, schmälert sich der Gewinn der Anbieter. Das kann ein Grund dafür sein, dass das Angebot am Markt sinkt.[45] Es folgt eine Linksverschiebung der Angebotskurve A zu A``. Die angebotene Menge x0 sinkt auf x2 und der Preis p0 steigt auf p2. Diese bilden ein neues Gleichgewicht GG``.[46]

Schlussfolgernd aus den beiden Formen der Angebotsverschiebung ergibt sich ein Preisgesetz. Steigt das Angebot bei gleichbleibender Nachfrage, sinkt der Preis und die gehandelte Menge steigt. Eine Angebotssenkung verursacht unter gleicher Bedingung eine Preissteigerung mit gleichzeitiger Mengenverringerung.[47]

Mit einer Regulierung dieses Marktmechanismus ist es möglich, den Preis des jeweiligen Gutes gezielt zu steuern. Wie dies in der Theorie funktioniert und praktisch auf die Preisentwicklung spekulativer Aktien- und Rohstoffblasen anwendbar ist, wird im Gliederungspunkt 4.4.2 „Staatlicher Mindestpreis“ erläutert.

3 Analytische Betrachtung

3.1 Analyse ausgewählter Aktien- und Rohstoffblasen

3.1.1 Die Südseeblase

3.1.1.1 Ursachen der Südseeblase

Anfang des 18. Jahrhunderts tobte ein Krieg zwischen England und Frankreich. Das löste einen hohen Geldbedarf in der englischen Staatskasse aus. Geld sollte mittels Staatsobligationen in den Staatshaushalt fließen, doch eine Nachfrage kam aufgrund geringer Verzinsung kaum zu Stande. Deshalb wurde 1711 die South-Sea Company, übersetzt die Südseegesellschaft, in Form einer Aktiengesellschaft durch einen Parlamentsentschluss gegründet.[48] Aufgabe des Unternehmens war es, die Staatsschulden zu übernehmen und diese mit der Ausgabe von Aktien zu finanzieren. Damit die Aktien für die Anleger attraktiver für den Kauf gestaltet wurden, erhielt die Südseegesellschaft das Monopol für den Südseehandel, also zur damaligen Zeit der Handel mit Südamerika und spanischen Kolonien.[49] Die Vermutung von Edelmetallvorkommen in Peru und Chile, sowie die Planung der Erweiterung der Kolonien weckten die Erwartung einer äußerst positiven Aktienentwicklung. Seitdem wurden die ersten Aktien für 100 Pfund pro Stück verkauft und auch Spekulanten stiegen in den Markt ein, um von Kursgewinnen zu profitieren.[50] Der Vorstandsvorsitzende äußerte gegenüber der Öffentlichkeit, die Südseegesellschaft werde zum größten und einflussreichsten Unternehmen der Welt. Mit dieser Propaganda sollten weitere Menschen zum Kauf der Aktien angeregt werden. Doch die eigentliche Idee dahinter war es, den Kurs künstlich nach oben zu treiben, um sich selbst zu bereichern.[51]

Aufgrund von Verhandlungsschwierigkeiten konnte das erste Schiff erst sechs Jahre nach Gründung der Gesellschaft in See stechen. Bereits ein Jahr später musste der Handel beendet werden, da die 1718 gegründete Quadrupelallianz[52] zwischen England, Frankreich, Deutschland und der Niederlande Spaniens Expansionspläne stoppen wollte und aufgrund dessen jeglichen Handel mit Spanien unterließ. Dennoch wurde den Anlegern eine Liste mit angeblich offenen Häfen präsentiert. Alle Nachrichten mit negativem Inhalt wurden durch positive ersetzt, damit die Ziele der South-Sea Company weiter verfolgt werden konnten.[53]

Am 22. Januar 1720 unterbreitete die Südseegesellschaft der englischen Regierung das Angebot der Übernahme ihrer Staatsschulden in Höhe von 31 Millionen Pfund. Im Gegenzug forderten sie das Recht, ihr Kapital unbegrenzt zu jedem beliebigen Kurs zu erhöhen.[54] Im Parlament warnten jedoch die Abgeordneten Lord North und Grey vor der Entstehung einer Ungerechtigkeit. Die Mehrheit der Menschen würde ihr Kapital verlieren und einige wenige ihr Vermögen vervielfältigen. Infolge von Bestechungen in Form von Aktiengeschenken an das Parlament bekam der Vorschlag am 2. Februar 1720 die Zustimmung im Unterhaus.[55]

Etwas später investierten auch Anleger aus dem Ausland in die Aktien, um von Kursgewinnen zu profitieren. So zum Beispiel suchten französische Anleger eine neue Möglichkeit, ihr Geld nach dem Platzen der Mississippi-Blase 1720 in Frankreich wieder neu anzulegen. Die Mississippi-Kompanie übernahm ebenfalls Staatsanleihen im Austausch gegen Aktien. Die Anleger erwarteten ebenfalls wegen des Handelsmonopols hohe Gewinne. Viele Nachfrager trieben die Preise in die Höhe. Zur gleichen Zeit führte der Bankier Law ein modernes Geldsystem in Frankreich ein, in dem Papiergeld Metallgeld ablösen sollte. Als 1720 die Aktieninhaber der Gesellschaft nicht mehr vertrauten, weil eine Dividendenreduktion auf zwei Prozent angekündigt wurde, platzte die Blase.[56] Für die Aktien erhielten die Marktteilnehmer beim Verkauf das neue Papiergeld. Die Geldmenge musste aufgrund der Verkäufe ausgeweitet werden und eine Inflation folgte. Das Vertrauen in das neue Papiergeld ging schnell verloren. Die Menschen suchten eine neue Möglichkeit, ihr Vermögen gewinnbringend anzulegen und das Papiergeld in ein anderes Asset umzutauschen. Viele sahen in den neuen Südseeaktien eine gute Chance für Gewinne und investierten in diese Anlage. Damit floss Kapital ins Ausland ab.[57] Die South-Sea Company gewährte zur Finanzierung der Aktien den Investoren Kredite, um die Nachfrage weiter in die Höhe zu treiben. 20 Prozent sollten beim Kauf bar bezahlt werden, der Rest konnte in 16 Monatsraten geleistet werden.[58]

3.1.1.2 Entwicklung der Südseeblase

Um das Ziel schneller Kurssteigerungen erreichen zu können, mussten möglichst viele Investoren gewonnen werden. Dafür wurden regelmäßig falsche Informationen veröffentlicht. Zum Beispiel gab das Direktorium der Südseegesellschaft bekannt, dass Freihandelsverträge mit Spanien für alle spanischen Kolonien bestehen. Außerdem wurden Dividendenversprechungen von zehn Prozent pro Jahr gegeben.[59] Da aber keine politischen Handelsvereinbarungen existierten, mussten die Dividendenzahlungen mittels Krediten finanziert werden. Das wurde den Anlegern allerdings verschwiegen. Die Intention der Kurssteigerung funktionierte.[60] In der folgenden Abbildung ist die monatliche Entwicklung des Aktienkurses der South-Sea Company abgebildet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 9 Südseeaktie 1719 bis 1721
(eigene Darstellung in Anlehnung an PUTNOKI, 2010, S. 41)

Die Nachfrage nach den Aktien war so hoch, dass am 14. April 1720 eine Million neue Aktien zu einem Kurs von 300 Pfund pro Stück emittiert wurden. Dieser erste Preisanstieg verursachte menschliches Herdenverhalten. Die Menschen folgten den positiven Nachrichten der Südseegesellschaft und wollten, wie die ersten Aktienanleger, ebenfalls Gewinne mit der Anlage erzielen. Es setzte ein regelrechter „Run“ auf die Wertpapiere ein, sodass eine zweite Emission von 1,5 Millionen Aktien kurz darauf aufgelegt wurde. Ihr Wert lag zu diesem Zeitpunkt bei 400 Pfund je Aktie.[61] Aufgrund der steigenden Preise kam in der Phase der Euphorie zusätzliche Nachfrage aus dem Ausland hinzu, wie bereits unter Gliederungspunkt 3.1.1.1 „Ursachen der Südseeblase“ beschrieben wurde. Die Menschen verhielten sich nach der Aussage des Autors Müchler wie folgt: „Wer nicht gewillt ist, aus der Geschichte zu lernen, ist gezwungen, sie zu wiederholen.“[62] Wie sich später herausstellte, mussten die Investoren der Südseegesellschaft noch einmal die gleichen Erfahrungen machen, wie kurz davor mit der Mississippi-Aktie. Der Kurs dieser Aktie stieg innerhalb von fünf Monaten von 130 auf 950 Pfund an. Das entspricht einer Kurssteigerung von circa 631 Prozent.[63]

[...]


[1] vgl. online: HELDT, 2010 (20.05.2014)

[2] vgl. GALBRAITH, 2010, S. 41

[3] vgl. PUTNOKI, 2010, S. 3

[4] vgl. online: WERTH, 2010 (21.05.2014)

[5] vgl. MÜLLER, 2009, S. 133

[6] vgl. online: WOHLTMANN, 2010 (21.05.2014)

[7] vgl. FLOOD; GARBER, 1980, S. 231

[8] vgl. SPREMANN, 2003, S. 121

[9] vgl. HERRERA; PERRY, 2001, S. 5

[10] vgl. ROSE; SAUERNHEIMER, 2006, S. 231-232

[11] vgl. KINDLEBERGER, 2001, S. 45

[12] vgl. online: PFRIEM, 2010, S. 3 (25.05.2014)

[13] vgl. MÜLLER, 2009, S. 57

[14] vgl. MÜLLER, 2009, S. 57

[15] vgl. ebenda

[16] vgl. ebenda

[17] vgl. ebenda, S. 57-60

[18] vgl. MÜLLER, 2009, S. 57-60

[19] vgl. ebenda, S. 57-61

[20] vgl. online: HUNGER, 2013 (25.05.2014)

[21] vgl. online: PASCHE, 2010, S. 294 (28.05.2014)

[22] vgl. MÜLLER, 2009, S. 82

[23] vgl. online: PASCHE, 2010, S. 294 (28.05.2014)

[24] vgl. MÜLLER, 2009, S. 336-339

[25] vgl. GUCKELSBERGER; KRONENBERGER, 2009, S. 168-169

[26] vgl. online: MECKE, 2010 (30.05.2014)

[27] vgl. online: SORETZ, 2009, S. 53 (30.05.2014)

[28] vgl. online: ZEITLER, 2014 (30.05.2014)

[29] vgl. LANDESBANK HESSEN-THÜRINGEN GIROZENTRALE, 2012, S. 14

[30] vgl. ebenda, S. 15

[31] vgl. online: HORN, 2010 (30.05.2014)

[32] vgl. ebenda

[33] vgl. KONDRATIEFF, 1926, S. 573-609

[34] vgl. online: Angebot und Nachfrage einer Volkswirtschaft, 2013, S. 3-5 (04.06.2014)

[35] vgl. GUCKELSBERGER; KRONENBERGER, 2009, S. 177

[36] vgl. online: KIRSTEIN, 2010, S. 3-5 (04.06.2014)

[37] vgl. online: REQUATE, 2005, S. 16 (04.06.2014)

[38] vgl. MÜLLER, 2009, S. 350

[39] vgl. MÜLLER, 2009, S. 351

[40] vgl. online: REQUATE, 2005, S. 38 (04.06.2014)

[41] vgl. online: REQUATE, 2005, S. 20-21 (05.06.2014)

[42] vgl. ebenda, S. 28

[43] vgl. online: REQUATE, 2005, S. 23 (05.06.2014)

[44] vgl. MÜLLER, 2009, S. 349

[45] vgl. online: REQUATE, 2005, S. 22 (05.06.2014)

[46] vgl. MÜLLER, 2009, S. 350

[47] vgl. online: REQUATE, 2005, S. 40 (05.06.2014)

[48] vgl. online: MÜCHLER, 2002 (17.06.2014)

[49] vgl. PUTNOKI, 2010, S. 41-44

[50] vgl. online: MÜCHLER, 2002 (17.06.2014)

[51] vgl. NARS, 2011, S. 81-82

[52] Die Viermächtekoalition kämpfte 1718 bis 1720 gegen das spanische Königreich um die Vorherrschaft des Mittelmeers.

[53] vgl. PUTNOKI, 2010, S. 41-44

[54] vgl. FREY, 2009, S. 90

[55] vgl. PUTNOKI, 2010, S. 41-44

[56] vgl. ebenda, S. 25-34

[57] vgl. NUFER, 2009, S. VII-VIII

[58] vgl. NARS, 2011, S. 81-82

[59] vgl. online: MÜCHLER, 2002 (18.06.2014)

[60] vgl. FREY, 2009, S. 90

[61] vgl. online: MÜCHLER, 2002 (18.06.2014)

[62] ebenda

[63] vgl. PUTNOKI, 2010, S. 41-49

Details

Seiten
81
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668017641
ISBN (Buch)
9783668017658
Dateigröße
1.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303512
Institution / Hochschule
Berufsakademie Sachsen - Glauchau
Note
1,8
Schlagworte
ursachenanalyse spekulationsblasen aktien- rohstoffbereich anwendbarkeit gegenwart

Autor

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Titel: Ursachenanalyse historischer Spekulationsblasen im Aktien- und Rohstoffbereich und deren Anwendbarkeit für die Gegenwart