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Die Schulklasse als Autor eines E-Books. iPad-Projekt mit einer 9.Klasse

Projektarbeit 2015 55 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Tablets im Deutschunterricht
2.1 Begriffsklärung
2.1.1 Multimedia
2.1.2 Symmedialität und Synästhetik
2.1.3 Digitale Medien
2.1.3.1 Hardware
2.1.3.2 Software
2.1.3.3 Daten und Informationen
2.1.3.4 Netzwerke
2.2 Das Tablet – eine verspätete Erfolgsgeschichte
2.2.1 Die Geschichte der Tablet-PCs
2.2.2 Was versteht man unter Tablets?
2.3 Studie zur Nutzung von Tablets bei Jugendlichen
2.4. Digitale Medien im Deutschunterricht am Beispiel von Tablets
2.4.1 Benötigte Kompetenzen in einer digitalen Welt
2.4.2 project-based learning
2.4.3 Tablets im Deutschunterricht
2.4.3.1 Lernmedium
2.4.3.2 Schreibmedium
2.4.3.3 Informationsmedium
2.4.3.4 Handlungsmedium
2.4.4 project-based learning mit Tablets im Deutschunterricht anhand eines E-Books

3. Das Projekt
3.1 Allgemeines
3.1.1 Vorstellung des Projekts
3.1.2 Die Schülerinnen und Schüler
3.1.3 Voraussetzungen zur Durchführung des Projekts
3.2 Didaktische Überlegungen
3.3 Lernziele und Kompetenzen
3.3.1 Affektive Dimension
3.3.2 Soziale Dimension
3.3.3 Methodische Dimension
3.4 Methodische Realisierung
3.4.1 Erste Unterrichtsstunde
3.4.1.1 Einstieg
3.4.1.2 Überleitung
3.4.1.3 Erarbeitung 1
3.4.1.4 Erarbeitung 2
3.4.1.5 Reflexion und Hausaufgabe
3.4.2 Zweite - sechste Unterrichtsstunde
3.4.3 Siebte und achte Unterrichtsstunde
3.4.4 Leistungsbeurteilung
3.5 Reflexion
3.5.1 Auswertung der Fragebögen und Reflexion der Schülerinnen und Schüler
3.5.1.1 Reflexionsbogen
3.5.1.2 Auswertung
3.5.1.3 Genauere Betrachtung einzelner Fragen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Bildnachweis

Anhang
1. Stunde
Tafelbild
Ausgefüllter Plan zur Überprüfung
2. Stunde
Ausgefüllte Placemat
Projektplan
Ausgefüllter Projektplan
Fragebogen
Transkription des Fragebogens

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1.1-1.5 Beispiel eines fertigen E-Books

Abb. 2 Tabelle zur Leistungsbeurteilung

Abb. 3 Diagramm der Schülerinteressen

Abb. 4.1-4.2 Schüleräußerung zu Frage

Abb. 5.1 Diagramm mit den meistgenannten Antworten auf Frage

Abb. 5.2 Diagramm mit den meistgenannten Antworten auf Frage

1. Einleitung

„Das iPad verändert, wie wir lehren und lernen. Leistungsstarke Kreativwerkzeuge,

interaktive Lehrbücher und unzählige Apps und Inhalte bieten grenzenlose Möglichkeiten zum Lernen. Und all das auf einem Gerät, das wirklich alle gerne verwenden“


Diesen Werbeslogan findet man auf der Startseite eines der größten Unternehmen weltweit: Apple Inc. Der Hype um die Kultmarke aus den USA, die einen Börsenwert von knapp 723 Milliarden Euro (Telebörse, 2015) hat, endet nicht vor den Klassenzimmertüren. Längst befinden sich Apple-Produkte nicht ausschließlich in den Taschen unserer Schülerinnen und Schüler, sondern auch auf deren Schultischen.

Diverse Pilotprojekte, in denen ganze Klassen mit iPads ausgestattet werden, finden sich in verschiedenen Ländern. So auch seit dem Schuljahr 2011/2012 an zwei Schulen in Hamburg. Unter dem Begriff paducation wird dort diese Form des Lernens von der Universität Hamburg und dem Referat Medienpädagogik des LI-Hamburg begleitet. Nach eigenen Angaben steht „das mobile Lernen im Vordergrund, wofür ein Gerät wie das iPad auf den ersten Blick gute Voraussetzungen bietet“ (Appelt, 2015).

Diese ‚guten Voraussetzungen’ preist auch Apple auf seiner Homepage an. Dort wird nicht nur auf die über 75.000 Lernapps hingewiesen, sondern auch auf unterschiedlichste Bildungssammlungen. In diesen Sammlungen „finden [Lehrkräfte] bei uns ganz leicht genau die richtigen Apps für ihre Schüler und Klassenstufen. Wir haben betreute Sammlungen beliebter Apps zusammengestellt, die nach Fach und Klassenstufe sortiert sind und die Schüler ganz bestimmt motivieren“ (Apple Inc., 2015). Mit einem Klick gelangt man zu den App Sammlungen für den Bildungsbereich im AppStore. In diesem Bereich sind die Lernapps in Kategorien zusammengefasst. Klickt man nun beispielsweise auf das Schulfach Deutsch setzt schnell Ernüchterung ein. Aktuell befinden sich dort gerade 12 Apps. Auch wird schnell klar, dass es sich meist um Apps im Primarbereich handelt. Es stellt sich nun die Frage, welchen tatsächlichen Mehrwert Tablets für den Unterricht haben und wie mit ihnen gelernt werden soll, wenn die hoch angepriesenen App Sammlungen aus wenigen Apps und dazu noch für die falsche Klassenstufe bestehen.

Um dieser Frage nachgehen zu können wurde die folgende Arbeit in zwei Teile gegliedert. Der erste Teilbereich beschäftigt sich mit Tablets im Unterricht. Hierbei wird zuerst eine Begriffsklärung vorgenommen, bei der die heute gängigen Begriffe Multimedia, Symmedialität und digitale Medien genauer betrachtet werden. Anschließend daran wird die Entwicklung der Tablet-PCs kurz dargestellt, bevor sich mit der Frage beschäftigt wird, was unter aktuellen Tablets zu verstehen ist. Hier werden die wesentlichen Funktionen erläutert und eine Definition gegeben. Um auf die Frage des Mehrwerts für den Deutschunterricht einzugehen, wird im Anschluss eine Studie zur privaten und schulischen Nutzung von Tablets bei Kindern und Jugendlichen näher betrachtet. Der folgende Abschnitt beschäftigt sich mit Tablets im Deutschunterricht. Hierzu werden zuvor Kompetenzen vorgestellt, die in der heutigen digitalen Zeit von verschiedenen Autoren als wichtig erachtet werden. Danach wird die Methode des project-based learnings erläutert, mit der diese Kompetenzen gut erlernt werden können. Daraufhin werden Tablets im Deutschunterricht analysiert und es werden vier unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten von Tablets im Fach Deutsch vorgestellt, bevor dann alle vorherigen Komponenten zusammengeführt werden. Hier wird auch die konkrete Idee der Erstellung eines E-Books betrachtet.

Der zweite Teilbereich schließt sich daran an und beschäftigt sich mit der Umsetzung eines solchen projektbasierten Deutschunterrichts mit Tablets. Hier wird das Projekt mit einer neunten Klasse vorgestellt, das im Rahmen des Professionalisierungspraktikums stattgefunden hat. Zuerst werden das Projekt und die Schülerinnen und Schüler vorgestellt. Anschließend werden Voraussetzungen zur Durchführung erläutert. Die didaktischen Überlegungen beschäftigen sich mit einigen Apps, die im Laufe des Praktikums verwendet wurden. Danach werden die Lernziele und Kompetenzen genannt, bevor die methodischen Überlegungen der einzelnen Unterrichtsstunden folgen. Hier ist nur die erste Stunde ausführlich beschrieben, da sich die weiteren Unterrichtsstunden in ihrem Ablauf sehr ähnlich sind. Schlussendlich folgt die Reflexion und Auswertung der Fragebögen sowie das eigene Fazit.

2. Tablets im Deutschunterricht

2.1 Begriffsklärung

Betrachtet man sich Tablet-PCs, so stellt sich die Frage, zu welcher „Gattung“ sie gehören. Die Begrifflichkeit Medium zeigt eine deutliche Unschärfe. Dies liegt unter anderem an der sich rasant veränderten Entwicklung (Petko, 2014, S. 13). Weiterhin erscheint das Medium im Sinne eines rein neutralen Übertragungskanals, wie Shannon/Weaver dies in ihrem Kommunikationsmodell (Röhner & Schütz, 2012, S. 16) darstellten, in der heutigen Zeit ungeeignet, „um komplexe Kommunikationsprozesse abzubilden“ (Frederking, Krommer, & Maiwald, 2012, S. 22).

Im Folgenden sollen exemplarisch einige Begrifflichkeiten vorgestellt werden. Zum einen das Tablet als Multimedia. Ein Begriff, der noch aus den 1990er Jahren stammt. Zweitens wird ein Ansatz betrachtet, der sich mit einer dem breiten Publikum unbekannten Begrifflichkeit auseinandersetzt: das Medium als Symmedium. Schlussendlich die wohl bekannteste Begrifflichkeit in diesem Zusammenhang, die mit dem digitalen Paradigma einhergeht: das Medium als Informations- und Kommunikationstechnologie bzw. das digitale Medium.

2.1.1 Multimedia

Bereits Mitte der 90er Jahre des vorangegangenen Jahrhunderts wurden Medien, die „auf der Übertragungstechnik, Displaytechnik, Mikroprozessortechnik und Speichertechnik basieren und dabei mehrere Mediendarstellungsformen verfügbar machen“ (Issing & Klimsa, 1995, S.1) als Multimedia bezeichnet. Frederking, Krommer und Maiwald weisen darauf hin, dass diese jedoch schlichtweg zu unspezifisch ist, da „seine populärwissenschaftliche und massenmediale Verwendung“ (Frederking, Krommer, & Maiwald, 2012, S. 205) zu heterogen ist. Sie führen aus diesem Grund den Begriff der Symmedialität ein.

2.1.2 Symmedialität und Synästhetik

Als Symmedien werden Integrationsmedien, wie Computer oder Internet, bezeichnet, die „alle medialen Optionen – Text, Bild, Ton, Film, etc. – in sich [vereinen]“ wie es von Frederking (2005, zitiert nach Frederking, Krommer & Maiwald, 2012, S. 205f) bereits in früheren Werken erwähnt wird. Eine Begrifflichkeit, die deutlichere Züge aufweist, da sie „die Kernformen des oralen, des literalen und des audiovisuellen Paradigmas“ (ebd., S. 206) vereint und so gerade für den Deutschunterricht von großem Nutzen sein kann. Als Paradebeispiele dieser Symmedialität lassen sich auch Tablet-PCs anführen. Diese stellen wohl eines der neusten Symmedien dar, da sie auf eine noch passendere Weise unterschiedliche mediale Formen vereinen.

Bestätigt wird dies durch die Betrachtung eines Kennzeichens der neuen Symmedien, die Synästhetik. Frederking, Krommer und Maiwald definieren diese als „ein besonderes Kennzeichen der neuen Symmedien [...], weil in ihnen Lese- und Schreibprozesse in immer stärkerem Maß mit anderen medialen Formen“ (ebd., S. 206), wie Bild, Ton oder auch Film in Verbindung treten. Tablet-PCs verdanken ihren Erfolg auch der Möglichkeit, fast unendlich viele Bücher zu vereinen und diese auf besondere Weise, als interaktive E-Books, den Benutzern zur Verfügung zu stellen.

Trotz der auf den ersten Blick passenden Bezeichnung als Symmedialität, setzte sich bei der breiten Masse eine andere Begrifflichkeit durch.

2.1.3 Digitale Medien

Diese weitaus populärere Bezeichnung ist die der digitalen Medien oder auch Informations- und Kommunikationstechnologien (ICT [1] ). Im Unterschied zum traditionellen Medienbegriff, der hauptsächlich die „Kommunikation von einem Sender zu einem Empfänger“ (Bonfadelli, 2005, zitiert nach Petko, 2014, S. 14) beschreibt und somit eher für analoge Medien geeignet ist, „zeichnen sich digitale Medien durch besondere technische Merkmale in den Bereichen Hardware, Software, Daten und Netzwerke aus“ (Petko, 2014, S. 16). Da in dieser Arbeit Tablets im Mittelpunkt stehen, wird im Folgenden nur auf ihre Kennzeichen eingegangen. Für einen Gesamtüberblick empfehle ich die „Einführung in die Mediendidaktik“ von Dominik Petko (2014).

2.1.3.1 Hardware

Nahezu jedes technische Gerät verfügt über eine Hardware. Unter dieser versteht man technische Geräte, die Computertechnologie enthalten. Sie bestehen aus unterschiedlichen Komponenten, welche sich in Speichereinheiten, Recheneinheiten, Kontrolleinheiten und einem sogenannten Interface aufteilen. Zu letzterem gehören beispielsweise Tastaturen und Sprachsteuerungen, oder mit Blick auf den Tablet-PC auch der Touchscreen (ebd., S. 16).

2.1.3.2 Software

Mit der Hardware einher geht die Software. Sie ist das Innenleben technischer Gerätschaften. Waren früher noch mehrere Geräte notwendig, vereint ein einfacher Computer heutzutage unterschiedlichste Funktionen. Tablets zeigen auch hier wieder, was in ihnen steckt. Sie sind zugleich „Telefon, Schreibmaschine, Audio- und Videorekorder, Fernsehgerät, Tonstudio, Videoschnittplatz, Fotolabor, Bibliothek, Spielkonsole und vieles mehr“ (ebd., S.16f).

2.1.3.3 Daten und Informationen

Daten und Informationen lassen sich durch digitale Formate, wie Computer oder Tablets, einfach speichern, reproduzieren oder auch verteilen. Unter digitalen Informationen versteht man Zeichen, „die in einem computerlesbaren Format codiert sind“ (ebd., S. 17). Ein Merkmal dieser digitalen Zeichen ist ihr Vermögen, Zeichenketten zu bilden. Diese Zeichenketten lassen sich in Einheiten zusammenfassen. Die Kleinste nennt sich Bit, gefolgt von Byte, Kilobyte, Megabyte, Gigabyte und Terabyte. Tablets weisen schon heute, trotz ihres jungen Alters, eine hohe Speicherkapazität von bis zu 128 GB auf.[2]

2.1.3.4 Netzwerke

Weiterhin sollte ein einzelnes Medium nicht für sich allein betrachtet werden. Computer, Smartphones und Tablets sind heutzutage „über drahtlose oder kabelgebundene Netzwerke mit anderen Geräten [oder dem Internet] verbunden“ (ebd., S. 17f). Tablets sind ebenfalls Teil dieses Systems. Sie können meist ohne Kabel mit dem Internet verbunden oder via SIM-Karte an das Telefonnetz angeschlossen werden. Eine beachtliche Leistung, bedenkt man, dass Tablets ihren großen Durchbruch erst in den letzten Jahren hatten. Eine genauere chronologische Abfolge der Entwicklungen wird nun im Folgenden betrachtet.

2.2 Das Tablet – eine verspätete Erfolgsgeschichte

2.2.1 Die Geschichte der Tablet-PCs

Die Tablet-PCs, manchmal auch Tablet-Computer genannt, kennt die große Masse, seit der US-Konzern Apple Inc. 2010 das iPad auf den Markt brachte. Die Idee hinter den flachen Computern, mit denen eine Reihe unterschiedlichster Funktionen spielend leicht von der Hand gehen, ist allerdings älter.

Bereits im Jahre 1968 stellte die US-amerikanische Firma Xerox einen Computer vor, der stark an heutige Tablets erinnert (Dörner, 2011, S. 1). Das Tablet mit dem Namen Dynabook sollte sich drahtlos mit Netzwerken verbinden und eine Benutzeroberfläche enthalten, die sich durch Symbole auszeichnet (ebd., S. 2). Rund 20 Jahre später beginnt Apple sich mit der Entwicklung von Tablets zu beschäftigen. Das war allerdings nicht der Durchbruch, der zur Erfolgsgeschichte wurde. Das in den 1990er Jahren erscheinende Tablet mit dem Namen MessagePad erzielte keinen Erfolg (Hayon, 2015, S.1). Die Produktreihe wurde 1998 von Steve Jobs für beendet erklärt (Dörner, 2011, S. 4). Im Jahre 2006 stellte der amerikanische Konzern Microsoft auf der Cebit einen ultraleichten Computer vor, der mit Finger oder Stift zu bedienen ist. „Umsetzungen [...] blieben aber rar – und der Verkaufserfolg war bescheiden“ (ebd., S. 6).

Erst das iPad brachte 2010 den Durchbruch. Unter der Leitung von Steve Jobs wurden bis heute rund 237 Millionen iPads verkauft[3] (Hayon, 2015, S. 1).

2.2.2 Was versteht man unter Tablets?

Diesen unglaublichen Erfolg verdanken Tablets sicherlich größtenteils ihrer leichten Handhabung. Als Steve Jobs das iPad 2010 vorstellte, war die vorher übliche Stiftbenutzung abgeschafft. Das iPad konnte nun mit den Fingern bedient werden, was es um einiges komfortabler machte (ebd., S. 1).

Diese Funktion setzte sich auch bei der Konkurrenz durch und machte Tablets zu dem, was sie heute sind. Der Tablet-PC zeichnet sich, laut Stefan Aufenanger (2013), wie folgt aus:

„Unter Tablets versteht man alle mobilen Geräte, die mit einem Betriebssystem ausgestattet sind, das für Smartphones entwickelt wurde (z. B. iOS, Android oder Windows 8). Weiterhin dient als Interface zur Benutzung der Software keine Maus, sondern ein Touchscreen, der mit Gestenkommunikation bedient wird. Zudem sind auch das Betriebssystem bzw. die Software und die Dateien für den Nutzer nicht sichtbar, sondern werden durch sog. Apps (Application = Anwendungen) angesteuert. Nicht zuletzt haben diese Geräte eine lange Akkulaufzeit und sind relativ leicht. Gegenüber den Smartphones bieten Tablets einen größeren Bildschirm und damit auch einen besseren Umgang mit den Anwendungen." (S. 7)

Hier werden schon einige entscheidende Vorteile von Tablets genannt. Damals zum Erfolg verholfen, kann die einfache Bedienung auch heute noch als ein großer Vorteil angesehen werden. Durch das Touchscreen und die Gestenkommunikationen werden Hilfsmittel, wie Stifte oder Tastaturen, unnötig. Auch die Vielzahl an unterschiedlichen Apps ist von Vorteil. Wie Aufenanger bemerkt, spielen zudem das geringe Gewicht und die lange Akkulaufzeit dem Tablet-PC positiv zu (Fußnote!).

Nachteilig wirken sich hingegen die hohen Anschaffungskosten, gerade bei iPads, aus. Der niedrigste Preis für ein iPad mini liegt momentan bei 239,00 €[4] (Apple Inc., 2015). Ein Samsung Galaxy S 10.5 kostet sogar 499,00 €[5] (Samsung, 2015). Preise, die für Kinder und Jugendliche oftmals nur schwer bezahlbar sind. Weiterhin kann, gerade bei iPads, das sogenannte Ökosystem dieser als negativ angesehen werden. Es ist nicht nur unter Kennern bekannt, dass Apple nicht gerne mit anderen Marken, wie beispielsweise Samsung oder Sony, kooperiert. Eine Tatsache, die sich insbesondere bei Datenübertragungen unterschiedlicher Geräte als störend erweist.

Trotz des hohen Preises erfreuen sich Tablets auch bei Kindern und Jugendlichen immer größerer Beliebtheit. Um einen Gesamteindruck über das Thema zu erhalten, lohnt sich ein Blick in Studien, die sich mit der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen beschäftigen.

2.3 Studie zur Nutzung von Tablets bei Jugendlichen

Der medienpädagogische Forschungsbund Südwest veröffentlicht seit 1998 eine Studie zum Umgang von Jugendlichen mit Medien und Information. In dieser sogenannten JIM-Studie (Jugend – Information – (Multi-) Media) werden 12- bis 19-Jährige per Telefon befragt. In den letzten Jahren zeigt sich ein deutlicher Anstieg bei der Nutzung von Tablets unter Jugendlichen (Feierabend, Karg & Rathgeb, 2013; Feierabend, Rathgeb & Plankenhorn, 2014). In den Jahren 2012 und 2013 hat sich die Zahl der Haushalte, die über einen Tablet-PC verfügen, von 19 % auf 36 % nahezu verdoppelt (Feierabend, Karg & Rathgeb, 2013, S. 6). Ein Jahr später steigt diese Zahl weiter. Im Jahre 2014 besitzen rund die Hälfte (48 %) der befragten Haushalte einen Tablet-PC (Feierabend, Rathgeb, & Plankenhorn, S. 6). Interessant ist, dass bereits jeder 5. Jugendliche über ein eigenes Gerät verfügt (ebd., S. 7).

Betrachtet man jedoch die Nutzung der Tablets, so zeigt sich, dass nur rund 22 % der 12- bis 19-Jährigen diese zum Surfen im Internet verwenden[6] (ebd., S. 24).

Im Kontext der Schule äußern 18 % der Schülerinnen und Schüler, dass sie „regelmäßig am Computer Texte schreiben“ (ebd., S. 33). Dies zeigt schon, dass die technischen Möglichkeiten der Schulen keinen großen Platz für eine individuelle Ausstattung lassen. So steht gerade 12 % der Schülerinnen und Schüler ein eigener Laptop oder ein Tablet zur Verfügung (ebd., S. 33).

Diese geringe Zahl wirft die Frage auf, warum Tablets und andere digitale Medien in den Klassenzimmern keine allzu große Rolle einnehmen. Liegt es nur an den hohen Kosten für Ausstattung und Pflege der technischen Gerätschaften? Um dieser Frage auf den Grund gehen zu können, sollte man sich allgemein mit digitalen Medien im Schulunterricht beschäftigen. Gerade das Fach Deutsch bietet auf den ersten Blick eine Reihe von Möglichkeiten um digitale Medien zu integrieren und als Verbesserung der Unterrichtsqualität zu nutzen.

2.4. Digitale Medien im Deutschunterricht am Beispiel von Tablets

Wenn man als Lehrperson im Unterricht den Einsatz von Medien plant, sollte dies immer einem höheren Ziel dienen: die Qualität des Unterrichts zu fördern.

2.4.1 Benötigte Kompetenzen in einer digitalen Welt

In der heutigen Zeit verändert sich die Technik in einem rasanten Tempo. Was heute noch als innovativ angesehen wird, ist morgen veraltet. Es ist wichtig, dass auch die Schule auf diese neuen Herausforderungen, denn das bringt das digitale Zeitalter mit sich, angemessen reagiert. Zwar wachsen unsere Schülerinnen und Schüler mit digitalen Medien auf, ob sie die nötigen Kompetenzen für einen sicheren Umgang mit diesen allerdings durch den reinen Konsum erhalten, bleibt fraglich (Thissen, 2013, S. 22).

Es scheint somit Aufgabe der Schule zu sein, den Schülerinnen und Schülern diese Kompetenzen zu vermitteln.

Der Bildungsplan für die Realschule (2004) listet auch die Medienkompetenz auf. Es heißt dazu, dass sich Schülerinnen und Schüler mit der „Wirkungsweise der Medien [beschäftigen] und sich kritisch damit auseinander“ (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, 2004, S. 49) setzen sollen. Weiterhin sollen sie speziell in Klasse 9 und 10 „lernen, Medien selbstverantwortlich [und] Informationsquellen sinnvoll“ (ebd., S. 56) zu nutzen. Hier wird das Internet neben Bibliothek und Nachschlagewerken aufgeführt.

Die Autoren Trilling und Fadel (2009, zitiert nach Thissen, 2012, S. 22) erwähnen hierzu eigene Kernkompetenzen, die ihrer Meinung nach für „das Leben im 21. Jahrhundert unablässlich sind“ (ebd., S. 22). Die erste Kernkompetenz ist das kritische Denken und Problemlösen. Unter ihr versteht man die Kompetenz der Schülerinnen und Schüler Probleme sowie Fragestellungen multiperspektivisch zu betrachten und verschiedene Aspekte abzuwägen. Weiterhin wird vorausgesetzt, dass die Schülerinnen und Schüler Alternativen benennen und diese in Betracht ziehen können. Außerdem sollten sie „komplexe Zusammenhänge in ihrer Komplexität“ (ebd., S. 23) verstehen können.

Als weitere Kompetenz führen Trilling und Fadel die Kommunikation und Kollaboration mit unterschiedlichen Partnern auf. Hier sollen die Kinder und Jugendlichen erlernen, wie sie ihre „Ideen effektiv beschreiben und auf vielfältige Art und Weise mit unterschiedlichen Medien authentisch und verständlich darstellen“ (ebd., S. 23) können. Ein weiterer Teilbereich ist die Kommunikation mit unterschiedlichen Partnern. Projektarbeit nimmt nicht nur in der Schule, sondern auch in der Arbeitswelt einen immer höheren Stellenwert ein. Zur Kommunikation gehört auch das Thematisieren und Lösen von Konflikten mit Projektpartnern sowie die Fähigkeit Kompromisse eingehen zu können. Ein großer Aspekt ist in diesem Zusammenhang auch das Übernehmen von „Verantwortung für das eigene Tun“ (ebd., S.23) und das Vergegenwärtigen aller Konsequenzen, die damit einhergehen.

Zuletzt wird die Kreativität und Innovation erwähnt. Die Lernenden müssen „Querdenken und Neues ausprobieren“ (ebd., S. 23). Sie sollen Fähigkeiten in der Mitteilung eigener Ideen entwickeln können und diese „verfolgen und realisieren“ (ebd., S. 23). Weiterhin sollen die Schülerinnen und Schüler „Dinge zusammenbringen, die zunächst offensichtlich nichts miteinander zu tun haben“ (ebd., S. 23).

Diese Kernkompetenzen werden von Thissen (2012) schließlich um drei weitere Punkte erweitert. Zum einen ein gewisses Maß an Flexibilität und Anpassbarkeit, das die Lernenden mitbringen müssen. Dies meint, dass sie sich auf „neue Sachverhalte und Situationen rasch einstellen“ (ebd., S. 24) und so angemessen auf konkrete Maßgaben reagieren können. Zweitens sollen die Schülerinnen und Schüler eine gewisse unternehmerische Kompetenz erlangen. Sie sollen Initiative zeigen und „zupacken“ können. Als dritte Kompetenz bringt Thissen die Informationskompetenz an. Eine Kompetenz, die gerade in Zeiten des Internets als primäre Informationsquelle wichtiger denn je ist. Die Lernenden sollen „Informationen kritisch bewerten und angemessen nutzen“ (ebd., S. 24) sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Medien aufweisen. Ihnen sollen gewisse IT Kenntnisse angeeignet werden um „moderne Technologien effektiv zur Recherche, Organisation, Kommunikation und Präsentation nutzen“ (ebd., S. 24) zu können. Weiterhin ist in diesem Zusammenhang ein fächerübergreifender Unterricht von Vorteil. Thissen erwähnt hierbei auch, dass die stärkere Übertragung der Verantwortung für das Lernen auf die Schülerinnen und Schüler ein wichtiger Aspekt darstellt, der nicht vergessen werden darf.

Es stellt sich die Frage, wie diese Kompetenzen optimal mit Hilfe von digitalen Medien, vermittelt werden können.

2.4.2 project-based learning

Ein Ansatz, der eine genauere Betrachtung verdient, ist das sogenannte project-based learning (dt.: das projektbasierte Lernen). Es handelt sich dabei um eine Lernmethode, in der die Lernenden eine gewisse Zeitspanne über an einer Frage, einem Problem oder einer Aufgabe arbeiten und dieser nachgehen (Buck Institute for Education, 2015a). Die Merkmale dieser Lernmethode werden von Larmer und Mergendoller (2010, zitiert nach Thissen, 2012, S. 25f) ausführlich beschrieben und lassen sich wie folgt zusammenfassen:

[...]


[1] engl.: Information and Commmunication Technologies.

[2] Stand April 2015.

[3] Stand: September 2014.

[4] Stand: April 2015.

[5] Stand: April 2015.

[6] Smartphone 86 % (Platz 1).

Details

Seiten
55
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668019287
ISBN (Buch)
9783668019294
Dateigröße
3.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303442
Note
1,0
Schlagworte
schulklasse autor e-books klasse

Autor

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Titel: Die Schulklasse als Autor eines E-Books. iPad-Projekt mit einer 9.Klasse