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Das CentrO als Beispiel für den Strukturwandel im Ruhrgebiet

Hausarbeit 2013 20 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der Strukturwandel
2.1 Der Strukturwandel im Ruhrgebiet
2.2 Der Strukturwandel in Oberhausen - Vom Kohlestandort zum Einkaufsparadies

3 CentrO - Die Neue Mitte Oberhausen

4 Fazit: Analyse und Bewertung

Literaturverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Darstellung 1: Die vier verschiedenen Wirtschaftssektoren

Darstellung 2: Karte Ruhrgebiet

Darstellung 3: Bergarbeiter

Darstellung 4: Zeche Zollverein, Essen

Darstellung 5: Luftbild der Brachfläche, 1952

Darstellung 6: Luftbild CentrO, 2013

Darstellung 7: CentrO: Daten und Fakten

1 Einleitung

Schon die “Missfits” besingen die Ruhrgebietsstadt Oberhausen: „München und Hamburg sind dir völlig schnuppe. Lieber auffem Gasometer im Sturmesbrausen und alles watte wills, is Oberhausen“. Vom Gasometer1 kann man die Veränderungen der Stadt und auch die der umliegenden Städte, welche der Strukturwandel die letzten vier Jahrzehnte mit sich gebracht hat, sehr deutlich erkennen. Direkt vor dem Gasometer liegt - auf einer ehemaligen Zechenlandschaft - Europas größtes Einkaufs- und Freizeitzentrum: das CentrO (vgl. Regionalverband Ruhr 2009, 2).

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Strukturwandel im Ruhrgebiet dargestellt am Beispiel des Strukturwandelprojektes CentrO Oberhausen. Dieses Beispiel zeigt sehr deutlich den Wandel von der Montanindustrie2 zur Dienstleistungsgesellschaft. Somit soll die vorliegende Arbeit die Tertiärisierung beschreiben.

Weiterhin sollen Leitfragen in den Ausführungen beantwortet werden: Wie kam es dazu, dass auf einer ehemaligen Zechenlandschaft ein riesiges Einkaufszentrum erbaut wurde? Durch wen ist das Projekt realisiert worden und wer profitiert davon?

Einführend soll Kapitel 2 allgemein den Strukturwandel im Ruhrgebiet beschreiben. Es sollen folgende Fragen geklärt werden: Was ist der Strukturwandel? Was löst ihn aus? Wie äußert er sich im Ruhrgebiet? Weiterhin soll es konkret um den Strukturwandel in der Stadt Oberhausen gehen.

Anschließend wird in Kapitel 3 ein großes Strukturwandelprojekt im Ruhrgebiet als Beispiel herangezogen: das CentrO in Oberhausen. Wieso ist durch den Strukturwandel das CentrO entstanden? Wer hatte etwas davon?

2 Der Strukturwandel

Allgemein versteht man unter einem Strukturwandel, dass „eingetretene Veränderungen oder angestrebte Anpassungen, die nicht nur äußerlich sichtbar sind oder in Details umgesetzt werden, sondern grundsätzlicher Natur sind, d. h. völlig neue Beziehungen (zwischen den einzelnen Elementen) herstellen oder eine völlig neue Ordnung verlangen.“ Jedoch wird der Begriff Strukturwandel häufig wirtschaftlich gebraucht und besagt, dass „sich a) die bisherigen Beziehungen innerhalb der einzelnen Wirtschaftsbranchen (sektoraler S.) bzw. innerhalb einzelner Regionen (regionaler S.) drastisch ändern oder b) dass sich das Verhältnis zwischen eingesetztem Kapital (Maschinen, Automaten, Robotern) und notwendiger menschlicher Arbeitskraft drastisch ändert.“ (Schubert/Klein 2011). Anders ausgedrückt, bedeutet ein Strukturwandel, dass sich beständige Wirtschaftssysteme bezüglich ökonomischer, technischer, geologischer oder sozialer Zwänge verändern (vgl. Regionalverband Ruhr 2012, 48).

Die Regionen unterliegen einem ökonomischen Wettbewerb, der sie dazu zwingt, sich immer wieder an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Somit ist der Strukturwandel ein immer weiter laufender Prozess, der auch im Ruhrgebiet noch nicht abgeschlossen ist. Von Interesse ist bei diesen Ausführungen der regionale Strukturwandel. Darunter versteht man eine längerfristige und meist irreversible Veränderung der Struktur im sozioökonomischen Bereich (vgl. Bogumil u.a. 2012, 44).

Grob kann man schon mal sagen, dass sich der Strukturwandel in den letzten Jahrzehnten von Agrarregionen zu modernen Industrie- und Dienstleistungsregionen vollzogen hat (vgl. Bogumil u.a. 2012, 44), da sich die Gegebenheiten geändert haben und sich die Arbeitsstruktur danach angepasst hat. Beschäftigte sind in verschiedenen Wirtschaftssektoren (siehe Darstellung 1) angesiedelt. Einen Strukturwandel kann man dann verorten, wenn eine große Anzahl an Beschäftigten die Sektoren ändern, also eine Umstrukturierung des Arbeitsmarktes stattgefunden hat.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 1: Die vier verschiedenen Wirtschaftssektoren

Quelle: Eigene Darstellung; Datenquelle: Seidel/Neuhaus 2012; Bogumil u.a. 2012, 45

Es besteht im Ruhrgebiet, wie auch in vielen anderen Regionen, ein Trend der Tertiärisierung der Wirtschaft sowie allgemein zur Wissensökonomie (vgl. Bogumil u.a. 2012, 42). Das bedeutet, dass sich die Umwelt und damit auch der Arbeitsmarkt so verändert haben, dass in dem primären und sekundären Sektoren nicht mehr genügend Arbeitsplätze vorhanden sind, jedoch im tertiären Sektor (aber auch im quartiären Sektor) viele neue Stellen entstanden sind, die von den Arbeitern der anderen Sektoren genutzt werden. Um dieses Allgemeingehaltene näher zu beschreiben, soll kurz im nächsten Kapitel (2.1) aufgezeigt werden, wie der Strukturwandel konkret im Ruhrgebiet abgelaufen ist.

2.1 Der Strukturwandel im Ruhrgebiet

Das Ruhrgebiet, eine Region in Nordrhein-Westfalen, ist mittlerweile der größte Wirtschafts- und Ballungsraum Deutschlands und der fünftgrößte in Europa (vgl. Bogumil u.a. 2012, 133). Anhand der Darstellung 2 erkennt man alle Städte, die zum Ruhrgebiet zugehörig sind.

Darstellung 2: Karte Ruhrgebiet

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Stiftung kulturserver.de gGmbH http://www.kulturservernrw.

de/pics/ruhrgebiet_map.gif, eingesehen am 27.03.2013

Hauptursache, die das Ruhrgebiet zwischen 1850 und 1970 zu einem industriellen Ballungsraum entstehen ließen, waren die Kohleförderung, Eisen- und Stahlproduktion. Das Image der Kohle, Zechen und malochenden Kumpel konnte das Ruhrgebiet trotz ernormen Strukturwandel bis heute nicht ablegen und viele stillgelegten Zechen und andere Bauwerke erinnern an die vergangene Zeit (vgl. Hoppe u.a. 2010, 6; siehe Darstellung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 3: Bergarbeiter

Quelle: WAZ 2012

http://www.derwesten.de/kultur/beeindruckende-fotoweltdes- 20-jahrhunderts-im-ruhr-museum-id7163988.html,

Doch wie hat sich der Strukturwandel im Ruhrgebiet genau vollzogen und was hat sich dadurch im Laufe der Jahrzehnte verändert? Was waren ausschlaggebende Faktoren für diesen Wandel?

Im Ruhrgebiet fanden drei Strukturwandel statt. Um diese nun genauer zu beschreiben, muss ein Blick in die Vergangenheit geworfen werden, denn das Ruhrgebiet wurde bis Mitte des 18. Jahrhunderts durch die Landwirtschaft und nicht durch die Kohlegewinnung geprägt (vgl. Hoppe u.a. 2010, 14). Der erste Strukturwandel fand im 19. Jahrhundert statt. Die Industrialisierung führte dazu, dass im Ruhrgebiet eine Verstädterung vollzogen wurde, welche die Landwirtschaft immer weiter in den Schatten stellte. Dadurch, dass die Menschen immer häufiger in Fabriken und in Bergwerken arbeiteten, entstand eine industrielle Monokultur.

Ab 1960 entstand der zweite Strukturwandel, da durch die Kohle-, Öl- und Stahlkrisen immer mehr Menschen ohne Arbeit waren. Die Zechen usw. mussten schließen und zurück blieben nur Industriebrachen. Der dritte Strukturwandel ist noch bis heute noch nicht abgeschlossen. Die Brachen werden rekultiviert, recycelt und durchgrünt (vgl. CentrO Management n.b., 2f.). Auch verschiedene Umnutzungen finden statt. So ist beispielsweise die Zeche Zollverein in Essen heutzutage ein umgebautes und umstrukturiertes Denkmal und wird sogar als Welterbe deklariert (siehe Darstellung 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darstellung 4: Zeche Zollverein, Essen

Quelle: Eigene Aufnahme 2011

[...]


1 Der Gasometer ist 117 m hoch und wurde 1929 errichtet. Er ist ein Großspeicher für Kokereigas und dient heute, durch eine Umfunktionierung, als eine riesige Ausstellungshalle (vgl. Regionalverband Ruhr 2009, 2).

2 In der Montanindustrie wird Metall erzeugt und verarbeitet (Bergbau; Hüttenwesen) (vgl. Bünting/Karatas 1996, 775).

Details

Seiten
20
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668017382
ISBN (Buch)
9783668017399
Dateigröße
842 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303364
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
Schlagworte
centro beispiel strukturwandel ruhrgebiet

Autor

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