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Medizinethik. Organtransplantation und Ethik

Referat (Ausarbeitung) 2013 9 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zur Medizinethik

Die Bereichsethik Medizinethik am Beispiel der Organtransplantation
Prozess der Organtransplantation
Allokationsproblem aus Sicht der Ethik
Ethische Folgen der Probleme
Bewertung der Organspende
Gerechtigkeit

Literaturverzeichnis

Zur Medizinethik

Allgemein ist die Ethik der Philosophie, also die Moralphilosophie,[1] in zwei große Teile einzuteilen. Zum einen die allgemeine Ethik, in welcher die Grundlegung der Ethik in Form von generellen Prinzipien und Theorien anzusiedeln ist, zum anderen die angewandte Ethik, in der es um spezielle Probleme und ihre versuchte Klärung geht.[2] Es wird nach dem, was moralisch gesollt, erlaubt oder zulässig ist, gefragt.[3] Die philosophische Ethik bietet uns Orientierungshilfen.[4] Dem Bereich der angewandten Ethik wird unter anderem die Medizinethik zugeordnet, die zum Oberbegriff Bioethik gehört. Heute wird die Medizinethik im Bereich aller Eingriffe und deren Möglichkeiten in Prozessen des Lebens, Sterbens, wie auch der Zeugung angesiedelt. Die Problemstellungen unterliegen dem Wandel der Gesellschaft.[5] Schöne-Seifert teilt die Problematik in Fragen der ersten und zweiten Ordnung auf. Bei denen der ersten Ordnung handelt es sich um (umstrittene) Grundpositionen zu Medizinthemen, wie die Patientenautonomie. Die Fragen zweiter Ordnung betrachten das Verhältnis zwischen Einzelfallurteil und Theorie. Dabei treten drei Modellvorstellungen auf. Zum ersten das deduktive Anwendungsmodell, in dem simple Anleitungen zu bestimmten Konflikten aufzufinden sind. Zum zweiten das der pure Einzelfallerkenntnis, auch Kasuistik genannt, welches anhand von ähnlichen Fällen, Argumenten der Ähnlichkeit sowie Verschiedenheit, konkrete Probleme in Augenschein nimmt. Als letztes tritt die partielle Kasuistik auf, welche den Prinzipienansatz von Beauchamp und Childress enthält. Dieser besteht aus vier Prinzipien der Rechtfertigung: der Autonomie und Respekt dieser, der Schadensvermeidung, der positiven Fürsorge und die Gerechtigkeit.[6]

Die Bereichsethik Medizinethik am Beispiel der Organtransplantation

Vor allem im besonderen Falle der Organtransplantation und die Verteilung der Organe ist die Frage nach einer gerechten, geregelten und moralisch vertretbaren Handlungsweise entscheidend. Denn es betrifft jeden Menschen. Im gesamten Prozess der Organtransplantation müssen Ärzte, Verwandte und eventuelle Betreuer Entscheidungen treffen, die schwerwiegende Konsequenzen mit sich bringen. Daher ist es wichtig die Ethik des Gesundheitswesens in den Prozess der Organtransplantation mit einzubeziehen.[7]

Prozess der Organtransplantation

Dieser Prozess beginnt mit dem (Hirn-)Tod eines Menschen, da dann noch durchblutete Organe vorhanden sind und dies sich entscheidend auf die spätere Funktion der Organe im neuen Körper auswirkt. Über die Problematik des Hirntodkriteriums wird noch heute intensiv diskutiert, worauf jedoch in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen werden soll.

Zur Entnahme der Organe muss in Deutschland die weite Zustimmung erfolgen. Diese besagt, dass sich der Spender zu Lebzeiten explizit für eine Organspende ausgesprochen haben muss, um die Organe transplantieren zu können. Nach Feststellung des Hirntodes müssen Verwandte oder ein rechtlich festgesetzter Betreuer die Spende legitimieren, jedoch müssen sich diese nach den mutmaßlichen Willen des Spenders richten. Das Gegenteil, die Widerspruchsreglung, ist unter anderem in Frankreich geltend. Demnach werden die Organe nur dann nicht entnommen, wenn sich der Spender explizit gegen eine Organspende ausgesprochen hat.[8] Im Falle einer Zustimmung oder fehlendem Widerspruch werden die Organe dann nach der Warteliste für Organtransplantationen von Eurotransplant an Empfänger vergeben.[9] Die Wahrscheinlichkeit, dass der Körper, der die Organe des hirntoten Patienten bekommt, diese auch verträgt, muss in Blick auf den Organtyp, der zugrundeliegenden Erkrankung, sowie der immunologischen Verträglichkeit bestimmt werden. Die Vergabe erfolgt allgemein nach Verträglichkeit, Dringlichkeit, sowie Wartezeit. Erst nach Bearbeiten der Kriterien in dieser Reihenfolge werden Organe transplantiert.[10] Dabei muss sehr schnell reagiert und entschieden werden, da die Organe durch Kühlung oft nur wenige Stunden erhalten bleiben können.[11]

Allokationsproblem aus Sicht der Ethik

Im Falle der Allokation, also der Verteilung der Organe, ist dies jedoch eine weitere Frage an die Ethik. Denn ob sie gerecht erfolgt, ist besonders für die Empfänger und deren Angehörige entscheidend. Auf der Warteliste für Organe wie Herz oder Leber sterben bereits hunderte der Empfänger, da sie keine oder zu spät Organe erhalten.[12] Der Grund dafür ist die absolute Knappheit der Organe. Obwohl die Vergabe der Organe nach zentralisierten Kriterien erfolgt, ist eine Gerechtigkeit nicht garantiert. Ausgeschlossen sind die Kriterien der Zahlungsfähigkeit, Sozialkriterien, aber auch das Alter. Es stellt sich nun die Frage, weshalb beispielsweise das Kriterium ‚Alter‘ nicht auch entscheidend ist. wenn es entscheidende Folgen für die künftige Funktion hat, ob es sich beim Organempfänger ein 20-jähriges sportliches Mädchen oder ein 60-jähriger übergewichtiger Mann handelt. Zudem ist fraglich, ob die Dringlichkeit der Organe und die Erfolgschancen gegeneinander abgewogen werden können, genauso wie die Wartezeit im Vergleich zu den medizinischen Kriterien nicht das Entscheidende sein können.[13] Diese Kriterien sind je nach Land unterschiedlich. Aus Sicht der Ethik ist das problematisch. Normalerweise soll jedes Menschenleben gleichwertig sein und ganz besonders dann, wenn es um Leben und Tod geht. Je weiter der Fortschritt in Medizin und Wirtschaft auseinander geht, desto schwieriger wird es, das zu realisieren, was theoretisch möglich wäre.[14] Es liegt zudem in der Hand der Ärzte ein Kriterium, wie das der Dringlichkeit, zu bestimmen. Damit entscheiden auch diese, ob ein Patient ein Organ erhält oder nicht. Jedoch spielen hier eher subjektives Empfinden und das Arzt-Patienten-Verhältnis eine Rolle, selbst wenn es festgelegten Kriterien gibt. Wenn zwei Menschen in Lebensgefahr schweben, welchen soll der Arzt vorziehen? Und durch das Vorziehen des Einen sinkt die Wahrscheinlichkeit des Anderen ein Organ zu erhalten und zu überleben. Auch hier ist somit die Gerechtigkeit nicht gesichert.[15] Benutzt man dabei den Prinzipienansatz von Beauchamp und Childress, so ist Gerechtigkeit eines der entscheidenden Kriterien. Bei diesem Ansatz der Ethik würde jedoch beispielsweise die Tatsache, dass ein Organleiden selbstverschuldet ist, den einen Menschen benachteiligen.[16] Betrachtet man die Handlungsfolgen, so muss neben der Gerechtigkeit auch der Nutzen mit eingeschlossen werden. Denn ohne diese, wären bestimmte Patientengruppen von vornherein ausgeschlossen.[17] Eine Verteilung beinhaltet immer eine gewisse Ungerechtigkeit. Der einzelne Mensch muss sich selbst fragen, was er in den jeweiligen Momenten für moralisch und ethisch gut bewertet. Verteilungskriterien für die Gerechtigkeitsgarantie gibt es bisher in vielen Ansätzen, jedoch garantiert keine eine Gerechtigkeit für alle.[18]

[...]


[1] Vgl. Edgar Morscher: Angewandte Ethik. Grundlagen, Probleme, Teilgebiete, Sankt Augustin 2012, (Beiträge zur angewandten Ethik; 8), S. 61.

[2] Vgl. A. Pieper/U. Thurnherr (Hrg.): Angewandte Ethik. Eine Einführung, München 1998, S. 7ff.

[3] Vgl. Bettina Schöne-Seifert: „Medizinethik“ in: Julian Nida-Rümelin (Hg.): Angewandte Ethik, die Bereichsethiken und ihre theoretische Fundierung. Ein Handbuch, 2. Auflage, Stuttgart 2005, S.690 – 802, S. 691.

[4] Vgl. Morscher 2012, S. 193.

[5] Vgl. Schöne-Seifert 2005, S. 692ff.

[6] Vgl. ebd., S. 699ff.

[7] Vgl. Morscher 2012, S. 133.

[8] Vgl. Schöne-Seifert 2005, S. 765.

[9] Vgl., R Lachmann./, N. Meuter: Medizinische Gerechtigkeit. Patientenauswahl in der Transplantationsmedizin, München 1997, S. 25.

[10] Vgl. ebd., S. 765ff.

[11] Vgl. Sir Peter Morris: Organtransplantationen – ethisch betrachtet, Berlin 2006, (Blickpunkt Ethik; 5), S. 30.

[12] Vgl. Schöne-Seifert 2005., S. 766.

[13] Vgl. ebd., S. 770f.

[14] Vgl. Morscher 2012, S. 142ff..

[15] Vgl. R. Lachmann/ N. Meuter 1997, S. 82ff.

[16] Vgl. ebd., S. 103f.

[17] Vgl. ebd., S. 114.

[18] Vgl. E. Nagel/, Ch. Fuchs (Hrsg.): Soziale Gerechtigkeit im Gesundheitswesen. Ökonomische, ethische, rechtliche Fragen am Beispiel der Transplantationsmedizin, Berlin 1993, S. 258f.

Details

Seiten
9
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668016705
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303320
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Philosophie
Note
1,7
Schlagworte
medizinethik organtransplantation ethik

Autor

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Titel: Medizinethik. Organtransplantation und Ethik