Lade Inhalt...

Berlin und der Hobrechtplan im 19. Jahrhundert. Wie eine Residenzstadt in nur 30 Jahren zur Metropole des deutschen Kaiserreichs heranwuchs

Hausarbeit 2014 16 Seiten

Kunst - Kunstgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Industrielle- und Bevölkerungsentwicklung

3. Bebauungsplan

4. Bauprojekte

5. Zusammenfassung

6. Quellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Der Hobrechtplan 1861

Abbildung 2 Detaille aus dem Hobrechtplan

Abbildung 3 Der Generalszug

Abbildung 4: Gürtelstraßen

Abbildung 5: Der Hobrechtplan innerhalb des heutigen Berlins

1. Einleitung

Berlins Entwicklung zu einer Großstadt ist besonders auf die Entwicklung der Industrie nach der Entstehung der Eisenbahnlinie um die 1840er Jahre zurückzuführen. Der Ausbau der Industrie wiederum ist Anlass für eine starke Bevölkerungszunahme. Arbeitskräfte strömten in die Stadt um in Großunternehmen zu arbeiten und besonders die südlichen Vororte nahmen diesen Zustrom auf. Auf Grund steigender Bodenpreise drängte sich die Wohn- und Arbeitswelt immer weiter in die Peripherie und die Innenstadt bildete eine „City“ aus. Mit dem Bebauungsplan von James Hobrecht um 1862 sollte ein moderner Stadtausbau erfolgen.

Dieser sollte eine verbesserte Wohnsituation, ein leistungsfähigeres Straßennetz und auch eine verbesserte Kanalisation umfassen. So sind in diesem Plan auch schon zwei Gürtelstraßen enthalten, die Berlin und Charlottenburg abschließen sollten. James Hobrecht wurde lange Zeit für die Folgen und ein „steinernes Berlin“ verantwortlich gemacht. Durch eine genauere Betrachtung, wird hier jedoch zu erkennen sein, dass der Bau von riesigen Mietskasernen lediglich aus der Parzellierung seines Bebauungsplanes entstand und die Art und Weise, wie diese Flächen bebaut wurden nur dem Profitdenken der Grundstücksbebauer zur Last zu legen ist. In dieser Teilverschriftlichung des Refrats zum Thema: „Entwicklung der preußischen Haupt- und Residenzstadt zur Metropole des deutschen Kaiserreichs mit mehr als 1,5 Millionen Einwohnern von etwa 1860 bis 1890 unter besonderer Berücksichtigung des Hobrechtplans von 1862“, soll gezeigt werden, welche Entwicklungen zum Ausbau Berlins zu einer Großstadt führten. Besonders soll dabei auf den Hobrechtplan eingegangen werden, der das Berliner Stadtbild bis heute prägt. Dabei sollen Ziele, Vorgaben aber auch die Folgen umrissen werden. Auch soll kurz angeschnitten werden, inwiefern eine Vorausplanung von künftigen 1,5 Millionen Einwohnern eine Verkalkulierung ist. Die Entwicklung Berlins soll vor Allem zwischen den Jahren 1860 bis 1890 nachvollzogen werden. Auch große Bauprojekte, die das Stadtbild bis in die heutige Zeit hinein prägen und in diesen Jahren ihren Ausgangspunkt finden, sollen berücksichtigt werden. Zur verwendeten Literatur zählt hauptsächlich Günter Richters: „Zwischen Revolution und Reichsgründung (1848-1870)“ in Wolfgang Ribbe’s: „Geschichte Berlins“, Alfred Schinz’s: „Berlin. Stadtschicksal und Städtebau“ und Ernst Heinrich’s: „Die städtebauliche Entwicklung Berlins seit dem Ende des 19. Jahrhunderts“.

2. Industrielle- und Bevölkerungsentwicklung

Die Ausgangsposition für die Entwicklung Berlins wurde nicht zuletzt durch die industrielle Entwicklung herbeigeführt. Kleine Handwerksbetriebe wurden zu großen Teilen durch anwachsende Industrie abgelöst, so dass Berlin sich zu einer Industriestadt veränderte. Diese Veränderungen brachten weitere Bedürfnisse und Lebensansprüche mit sich, unter anderem die Gas- und Wasserversorgung, Kanalisation, Wohnungsbau und auch im Straßenverkehr. Das Berliner Stadtgebiet verbreitete sich auf das Umland, weil sich das Stadtgebiet nicht mehr begrenzen ließ und Vororte und Randgemeinden verbanden sich zu einer stadtgemeinschaftlichen Einheit. Eine wichtige Stellung im Verkehrswesen Mitteleuropas erhielt Berlin vor Allem durch die Entstehung der Eisenbahnlinien. Diese Weiterentwicklung im Verkehrswesen kurbelte die Metallverarbeitung an, was eine große Veränderung der Stadtbevölkerung mit sich brachte. Der primäre Sektor (Landwirtschaft, Gärtnerei, Fischerei) wurden vom industriellen und gewerblichen Sektor so gut wie vollständig abgelöst. „1871 arbeiteten 2/3 der Erwerbsbevölkerung im industriellen oder gewerblichen Sektor, während das restliche Drittel in Dienstleistungsberufen, Handel und Verkehr tätig war.“[1] Aus dem einfachen Handwerk entwickelten sich Fabriken. Der meiste Erwerb ist besonders in Berufen des industriellen Sektors zu verzeichnen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der[2] Ausbau von Großunternehmen konnte vor Allem dann beginnen, als die ersten Großbanken entstanden und somit eine Verbindung von Bank und Industrie entstehen konnte. Die Berliner Unternehmen konzentrierten sich besonders auf den Waggonbau, Gasbeleuchtung, Nähmaschinen, Ackergeräte, Wäschereien, Mühlenbetriebe und weiteres. Die Fabrikanlagen benötigten jedoch immer mehr an Bodenflächen, was zu einem enormen Anstieg der Bodenpreise führte. Diese wiederum führten dazu, dass die Arbeits- und Wohnstadt immer weiter ins Umland gedrängt wurde und sich in der Innenstadt eine „City“ herausbildete. „Die vorgelagerten Wohnstädte entwickelten sich dagegen nach ganz anderen demographischen Bedingungen. Sie nahmen die von der expandierenden Industrie angezogenen Massen auf, die nun immer stärker aus den anliegenden Provinzen als Arbeitskräfte nach Berlin strömten. (...) Insgesamt verdoppelte sich die Stadtbevölkerung zwischen 1849 und 1871“[3] Besonders die südlichen Vorstädte, in denen noch in Kleinbetrieben gearbeitet wurden, während die nördlichen sich auf die Metallverarbeitung spezialisierten, nahmen den Bevölkerungszustrom auf. Dies brachte auch eine schnelle Entwicklung mit sich, während in der Innenstadt die Bevölkerungsentwicklung durch neue Geschäftsräume, Firmenvertretungen und Repräsentationswohnungen abnahm. Aber auch die besser betuchte Bevölkerung verließ die Innenstadt und wanderte in die Randbezirke. Durch diese Randwanderung bildeten sich die Villenvorstädte aus, wie heute zum Beispiel in Charlottenburg und Wilmersdorf noch zu erkennen ist. Mit Ausnahme von wenigen nördlichen Eingemeindungen beschränkte sich Berlin fast immer noch auf seine alten Zollmauern und war für eine Metropole somit sehr klein. Am 01.01.1861 wurden jedoch die Vororte Moabit, Wedding, Teile Schönebergs und Tempelhofs eingemeindet und Berlins Größe stieg somit um 2412 Hektar an. Die Zollmauer und Stadttore wurde aus dem Stadtbild entfernt und die Bevölkerungszahl wuchs auf über eine halbe Millionen an.

3. Bebauungsplan

Die Eingemeindungen von 1861 wurden besonders deswegen vollzogen, weil bereits seit 1858 Planungen für einen Stadtausbau gemacht wurden. Die Leitung dieser Planungen lagen in den Händen von James Hobrecht, deshalb ist dieser Plan unter dem Namen „Hobrechtplan“ in die Stadtgeschichte eingegangen. Ziele dieses Plans waren zum Einen eine verbesserte Wohnsituation zu schaffen für eine geschätzte Einwohnerzahl von 1,5 Millionen, zum Anderen ein leistungsfähigeres Straßennetz und Flächen für Eisenbahnstrecken und Bahnhöfe abzubilden und Voraussetzungen für eine Kanalisation sowie Versorgungsleitungen für Strom, Gas und Wasser zu schaffen. Dabei sollten Wünsche des Königs berücksichtigt werden, der Ist-Zustand mit aufgenommen und bereits vorliegende Bebauungspläne mit einbezogen werden. Das Stadtgebiet, welches in diesem Plan erfasst wurde, überschritt die bisher bestehenden Grenzen der Stadt und fasste noch weitere Gemeinden in sich auf. Darunter Charlottenburg, Wilmersdorf, Rixdorf (heute Neukölln), Reinickendorf, Weißensee und Lichtenberg.

Historische Stadtviertel sollten erhalten bleiben und neue Flächen zur Bebauung erworben werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 [4] Der Hobrechtplan 1861

[...]


[1] Richter, Günter: Zwischen Revolution und Reichsgründung (1848-1870). In: Ribbe, Wolfgang: Geschichte Berlins. Bd. 2. Von der Märzrevolution bis zur Gegenwart. München: Beck 1987. S.657

[2] Richter, Günter: Zwischen Revolution und Reichsgründung (1848-1870). In: Ribbe, Wolfgang: Geschichte Berlins. Bd. 2. Von der Märzrevolution bis zur Gegenwart. München: Beck 1987. S. 658

[3] Richter, Günter: Zwischen Revolution und Reichsgründung (1848-1870). In: Ribbe, Wolfgang: Geschichte Berlins. Bd. 2. Von der Märzrevolution bis zur Gegenwart. München: Beck 1987. S. 660

[4] http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/86/Neuester_Bebauungs-Plan_von_Berlin_1863.jpg/1280px-Neuester_Bebauungs-Plan_von_Berlin_1863.jpg am 12.06.2014

Details

Seiten
16
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668019942
ISBN (Buch)
9783668019959
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303259
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Philosophisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Berlin Hobrechtplan Städtebau 19. Jahrhundert Urbanistik Haupt- und Residenzstadt Metropole Kaiserreich Preußen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Berlin und der Hobrechtplan im 19. Jahrhundert. Wie eine Residenzstadt in nur 30 Jahren zur Metropole des deutschen Kaiserreichs heranwuchs