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Leukämie. Eine Analyse aus medizinischer und psychologischer Sicht

Facharbeit (Schule) 2014 18 Seiten

Medizin - Neoplasmen, Onkologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Definition des Begriffs „Leukämie“ und Verbreitung der Krankheit

2 Entstehung
2.1 Entwicklung im blutbildenden System
2.1.1 Regulation der Hämatopoese
2.1.2 Störung bei myeloischer oder lymphatischer Leukämie
2.2 Ursachen
2.2.1 Genetische Veranlagungen
2.2.2 Risikofaktoren

3 Akute Leukämien
3.1 Symptome und Krankheitsverlauf
3.2 Behandlungsmöglichkeiten

4 Chronische Leukämien
4.1 Symptome und Stadien
4.2 Therapieoptionen

5 Analyse der Lebensqualität von betroffenen Personen
5.1 Bericht über die Krankheitsgeschichte einer Leukämie-Patientin
5.2 Krankheitsverarbeitung und emotionales Befinden
5.3 Veränderungen und Einschränkungen im Alltag

6 Kampf gegen den Blutkrebs und persönliche Erfahrungen

7 Literaturverzeichnis

8 Abbildungsverzeichnis

1 Definition des Begriffs „Leukämie“ und Verbreitung der Krankheit

Im Jahr 1845 beschrieb der deutsche Mediziner und Wissenschaftler Rudolf Virchow, der von 1821 bis 1902 lebte, als Erster das Krankheitsbild des Blutkrebses.[1] Er führte den Begriff „Leukämie“ ein, was aus dem Griechischen stammt und wörtlich „weißes Blut“[2] bedeutet. Damit ist eine bösartige Erkrankung im blutbildenden System gemeint, die zu einer unkontrollierten Zellteilung und Überproduktion unreifer sowie funktionsloser weißer Blutkörperchen führt, die auch als leukämische Blasten bezeichnet werden.[3] Folglich wird die gesunde Blutbildung verdrängt und Organe können von den entarteten Zellen befallen werden.

Man teilt die Leukämie in folgende vier Hauptformen ein, die sich in ihren Häufigkeiten, ihren Ursachen, dem Verlauf sowie den Behandlungsmöglichkeiten unterscheiden: akute myeloische Leukämie (AML), akute lymphatische Leukämie (ALL), chronische myeloische Leukämie (CML) und chronische lymphatische Leukämie (CLL). Während die ALL am häufigsten bei Kindern vorkommt, ist die AML die typische akute Leukämie bei den Erwachsenen. CLL und CML treten gehäuft ab einem Alter von 50 bis 60 Jahren auf.[4]

Bei rund 11.500 Menschen wurde 2010 in Deutschland eine Leukämie diagnostiziert, wobei die CLL mit über einem Drittel und die AML mit etwa einem Viertel den größten Anteil ausmachten. Das Risiko, an einer Leukämie zu erkranken, nimmt mit höherem Kindesalter ab und steigt wieder deutlich ab einem Alter von 30 Jahren. Dabei sind die Betroffenen häufiger Männer als Frauen.[5] (vgl. Abb. 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2 Entstehung

2.1 Entwicklung im blutbildenden System

Für die Wucherung der Leukämiezellen können unterschiedliche Störungen in der Bildung und Entwicklung der Blutbestandteile verantwortlich sein.

2.1.1 Regulation der Hämatopoese

Die Blutbildung oder in anderen Worten Hämatopoese (vgl. Abb.2) ist verantwortlich für die ständige Zellproduktion unseres Blutes. Zu den Blutbestandteilen gehören die roten Blutkörperchen, auch Erythrozyten genannt, die den roten Blutfarbstoff tragen und Sauerstoffträger sind, sowie die Blutplättchen, auch als Thrombozyten bezeichnet, welche für die Blutstillung und Blutgerinnung sorgen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weiterhin kommen drei Arten von weißen Blutkörperchen, sogenannte Leukozyten, vor: Granulozyten, Monozyten und Lymphozyten. Alle Blutzellen gehen aus einer pluripotenten Stammzelle hervor, das heißt sie kann sich in hämatopoetische und lymphatische Vorläuferzellen, (Progenitorzellen) als auch in Zellen von anderen Geweben entwickeln.[6]

Die Granulozyten entstehen im Knochenmark und differenzieren sich anschließend in eosinophile, basophile und neutrophile Granulozyten. Sie haben die Aufgabe, im betreffenden Gewebe Fremdstoffe oder geschädigte Zellen zu beseitigen. Monozyten reifen ebenfalls im Knochenmark, bekämpfen als Makrophagen Fremdkörper und leiten die Immunreaktion ein.[7]

Bereits im Alter eines Embryos entwickeln sich die Lymphozyten nicht mehr im Knochenmark, sondern die B-Lymphozyten wachsen in lymphatischen Organen wie den Lymphknoten oder der Milz heran und die T-Lymphozyten im Thymusorgan.[8] Sie spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem, da sie spezifische Antikörper gegen unbekannte Oberflächenstrukturen erzeugen.

2.1.2 Störung bei myeloischer oder lymphatischer Leukämie

Bei einem Patienten mit Leukämie ist die Reifung und vollständige Bildung der Leukozyten gestört. Die Zellen entwickeln sich in einem unreifen Zustand nicht mehr weiter, teilen sich unkontrolliert und gelangen ins periphere Blut, wo sie ihre Funktion nicht erfüllen und gesunde Leukozyten, Erythrozyten sowie Thrombozyten verdrängen und somit in Mitleidenschaft ziehen. Das Immunsystem ist geschwächt und das Gehirn, die Nieren oder andere Organe können von den Leukämiezellen überlagert sein.

Sind myeloische Vorläuferzellen von Monozyten oder Granulozyten vermehrt und bösartig verändert, spricht man von einer myeloischen Leukämie. Die unreifen Zellformen, auch Myelozyten genannt, die in das Blut gestoßen werden, können bereits weiter entwickelt sein. Sind die Zellen jedoch noch sehr undifferenziert, so liegt eine Stammzellleukämie vor.[9]

Die lymphatische Leukämie kennzeichnet sich durch die Wucherung von Lymphozyten, also entartete lymphatische Vorläuferzellen. In diesem Fall sind Zellen der T-Zell-Reihe, aber am häufigsten unreife B-Zellen betroffen.[10] Diese können sich in allen lymphatischen Geweben und bei einer akuten oder in späteren Stadien einer chronischen Leukämie auch in Organen wie den Nieren, der Haut oder dem Magen-Darm-Trakt verbreiten.[11] Wenn der Krebs weder in die myeloische, noch in die lymphatische Reihe eindeutig eingeordnet werden kann, bezeichnet man dies als biphänotypische Leukämie.[12]

2.2 Ursachen

Die Gründe für eine Erkrankung an Leukämie sind bis heute weitgehend unbekannt. Genetische Veränderungen und Risiken konnten dagegen in manchen Fällen als Ursache festgestellt werden.

2.2.1 Genetische Veranlagungen

Darüber hinaus wurden in einigen Zellen Chromosomenveränderungen nachgewiesen, die bei der fehlerhaften Produktion und dem gestörten Abbau der Krebszellen eine Rolle spielen. Eine solche Störung ist bei der CML in über 90 Prozent der Fälle nachgewiesen.[14]

Es handelt sich um das Philadelphia-Chromosom, das 1960 im gleichnamigen Ort entdeckt wurde.[15]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Dabei findet eine Translokation zwischen Chromosom Nr.22 und Chromosom Nr.9, also ein Austausch zweier Segmente, statt. Das Gen ABL von Chromosom Nr.9 verbindet sich mit dem BCR-Gen des Chromosoms Nr.22 und es entsteht ein neues Fusionsgen BCR-ABL. Dieses bildet dauerhaft aktive Tyrosinkinasen, welches Eiweiße sind, die die Zellteilung der Leukämiezellen verstärken.[16] (vgl. Abb. 3)

2.2.2 Risikofaktoren

Durchaus gibt es Faktoren, die das Risiko für Leukämie stark beeinflussen. Dazu gehören ionisierende Strahlen, wie radioaktive- und Röntgenstrahlung, sowie chemische Stoffe, wie zum Beispiel Insektizide, Pflanzenschutzmittel, biologische Stoffe und Benzol. Weitere Ursachen sind Zytostatika, die zur Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt werden. Vor allem das Rauchen von Zigaretten ist in einigen Fällen verantwortlich für die bösartige Erkrankung.[17]

3 Akute Leukämien

3.1 Symptome und Krankheitsverlauf

Die akute Verlaufsform des Blutkrebses zeichnet sich durch das plötzliche Eintreten und rasche Voranschreiten der Krankheit aus. Aufgrund der drastischen Störung im Blut durch die starke Vermehrung der unreifen Zellen führt diese Leukämie unbehandelt innerhalb kurzer Zeit zum Tod.[18]

Häufige schnell eintretende Symptome sind Müdigkeit, geringere Leistungsfähigkeit, Schwäche, Abgeschlagenheit und Atemnot bei bereits kleinen Belastungen durch die auftretende Anämie (Blutarmut). Darüber hinaus wird die Bildung der Thrombozyten beeinträchtigt, weshalb eine Thrombozytopenie (Mangel an Thrombozyten) die Folge ist. Diese kennzeichnet sich durch häufige Hämatome und starke Blutungen wie beispielsweise am Zahnfleisch, in der Nase oder als Petechien (punktförmige Hautblutungen vor allem an den Armen und Beinen). Weitere Anzeichen für eine akute Leukämie sind Schwindel, Nachtschweiß, Rücken- und Kopfschmerzen, Benommenheit sowie leichte Milz-, Leber- und Lymphknotenschwellungen. Bei Kindern entstehen zum Teil auch Knochen- und Gelenkschmerzen. Aufgrund des durch die kranken Leukozyten geschwächten Immunsystems kommt es gehäuft zu Fieber und Infekten.[19],[20]

3.2 Behandlungsmöglichkeiten

Sobald die Diagnose einer akuten Leukämie gestellt ist, beginnt zeitnah die Therapie, die überwiegend aus Spritzen und Infusionen besteht und als aggressiv charakterisiert wird. Anfangs ist die Prognose bei der akuten Verlaufsform schlecht. Gelingt jedoch die Therapie, so kann die Erkrankung möglicherweise vollkommen geheilt werden und die Überlebenschancen sind besser als bei der chronischen Leukämie.[21]

[...]


[1] Vgl. http://www.vfa.de/de/medizin-gesundheit/krebs/leukaemie/leukaemie-gestern, Abruf am 25.08.2014

[2] Prof. Dr. med. C. Prinz, 2012, S.314

[3] Vgl. Deutsche Krebshilfe e.V., 2010, S.14

[4] Vgl. Deutsche Krebshilfe e.V., 2010, S. 18 f.

[5] Vgl. http://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Leukaemien/leukaemien_node.html, Abruf am 25.08.2014

[6] Vgl. U. Gerlach/H. Wagner/W. Wirth, 2011, S. 540

[7] Vgl. U. Gerlach/H. Wagner/W. Wirth, 2011, S. 548 f.

[8] Vgl. U. Gerlach/H. Wagner/W. Wirth, 2011, S. 541

[9] Vgl. U. Gerlach/H. Wagner/W. Wirth, 2011, S. 551 ff.

[10] Vgl. U. Gerlach/H. Wagner/W. Wirth, 2011, S. 554

[11] Vgl. U. Gerlach/H. Wagner/W. Wirth, 2011, S. 558

[12] Vgl. Prof. Dr. med. K. Possinger/Dr. med. A. C. Regierer, 2007, S. 332

[13] Vgl. Deutsche Krebshilfe e.V., 2010, S. 17

[14] Vgl. H. Delbrück, 2008, S. 37 f.

[15] Vgl. Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe e.V., 2012, S. 5

[16] Vgl. Prof. Dr. med. W. Piper, 2007, S. 647

[17] Vgl. Deutsche Krebshilfe e.V., 2010, S. 15 ff.

[18] Vgl. Prof. Dr. med. K. Possinger/Dr. med. A. C. Regierer, 2007, S. 332

[19] Vgl. Deutsche Krebshilfe e.V., 2010, S. 20 f.

[20] Vgl. Prof. Dr. med. W. Piper, 2007, S. 660,666

[21] Vgl. H. Delbrück, 2008, S. 16, 39

Details

Seiten
18
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668015807
ISBN (Buch)
9783668015814
Dateigröße
875 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303189
Note
1,3
Schlagworte
Medizin Psychologie Biologie Blut Leukämie Krebs Lebensqualität

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