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"Eigentlich wollte ich ja nie Winzer werden..." Biografische Erfahrungen eines Winzers in zweiter Generation

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 13 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Qualitative Forschung
2.1 Datenerhebung: Narratives Interview
2.2 Datenauswertung

3 Empirische Ergebnisse
3.1 Biographie
3.2 Motivation der Berufswahl
3.2.1 Biografische und soziale Verankerung
3.2.2 Schulische Bildung

4 Fazit

Bibliographie

Quellen

1 Einleitung

„Biografische Forschungen“ war der Titel des Seminars im Wintersemester 2014/15. In diesem Zusammenhang steht auch die vorliegende Hausarbeit, die als Studienleistung im Zuge des Seminars entstanden ist. Die Vorgabe war Biografien im Allgemeinen, beispielsweise bezogen auf Familie, Dinge, Medialität oder Raum bzw. räumliche Bezüge. Die Idee für diese Arbeit, ein narratives Interview mit einem jungen Winzer in der zweiten Generation zu führen, war früh geboren und umgesetzt. Schwierig wurde es erst danach, als es darum ging, eine Richtung und Forschungsfrage für die Hausarbeit zu entwickeln. Das Interview gibt einige Ansatzpunkte, beispielsweise die des Generationenkonfliktes oder der Vereinbarkeit von Tradition und Moderne im eigenen Betrieb.

Ein wichtiger Leitfaden im Interview besteht jedoch in der Berufswahl. Christian[1] erzählt, dass er als Kind und Jugendlicher niemals Winzer werden wollte.

„Eigentlich wollte ich ja nie Winzer werden. Es war überhaupt nie mein Plan, was mit Weinbau zu machen, da hatte ich früher überhaupt keine Lust drauf. So wichtig mir das jetzt auch ist, so wenig hätte ich mir das früher überhaupt erträumen können.“ (Interview mit C.L.)

Trotzdem hat er sich als junger Erwachsener für ein Studium des Weinbaus und den Beruf des Winzers entschieden und ist heute glücklich mit seiner Entscheidung. Die vorliegende Hausarbeit möchte der Frage nachgehen, wie es dazu kam. Warum entscheidet sich ein junger Mann, der alle Möglichkeiten hat, dafür den Betrieb des eigenen Vaters zu übernehmen? Worin besteht die Motivation, nachdem er den Beruf als Kind vehement abgelehnt hat? Die Hausarbeit lässt sich somit verorten im Bereich der Biografieforschung bezogen auf den Raum und die Familie.

Im Folgenden wird zunächst das empirische Vorgehen erläutert, um dann anhand verschiedener Punkte die Ergebnisse darzustellen. Dabei wird zunächst für eine Übersicht die Biografie des Probanden geschildert und danach im Schwerpunkt der Auswertung auf drei Gründe zur Berufswahl eingegangen: die Motivation als solche, biografische und soziale Verankerung sowie die schulische Bildung des Probanden.

2 Qualitative Forschung

Die Volkskunde/Kulturanthropologie hat als historisch argumentierende gegenwartsbezogene Kulturwissenschaft die Alltagskultur, selbstverständliches Handeln, Erleben und Deuten von Subjekten in ihrer Lebenswirklichkeit zum Gegenstand. Deshalb sind methodische Verfahren, die besondere Nähe zu den Forschungssubjekten haben, wie qualitative Forschungsansätze[2] wichtig. „Sie arbeiten situativ (das Thema im Raum und innerhalb sozialer Beziehung verortend), kontextuell (multiperspektivisch) sowie prozessual (es in der Zeit situierend). Ihre Methoden sind Systematisierung von Alltagstechniken wie zum Beispiel Beobachtung und Gesprächsführung.“ (Schmidt-Lauber 2007, 169) Dabei geht es nicht um Repräsentativität, sondern um einen verstehenden Zugang zu komplexen Lebenszusammenhängen und Typisierung.

Für die vorliegende Hausarbeit wurde ein narratives Interview geführt. Der Interviewpartner ergab sich aus persönlichen Kontakten und war nach einer kurzen Erklärung des Hintergrundes sofort bereit sich interviewen zu lassen. Auch nach dem Interview stand er mit Interesse für weitere Fragen und Gespräche zur Verfügung. Um dem Anspruch, die alltägliche Lebenswelt zu erforschen, gerecht zu werden, wurde auch der Ort der Erhebung dem Befragten angepasst, das Interview fand in der Probierstube des Weingutes statt. Das Verhältnis war sehr freundschaftlich, was dem Interview eine lockere und entspannte Atmosphäre verlieh. „Ziel des Interviews ist es, eine entspannte Erzählsituation zu schaffen, die es dem Gesprächspartner ermöglicht, seine Erfahrungen und Vorstellungen in einer ihm angemessenen und vergleichsweise gewohnten Form zur Sprache zu bringen.“ (Schmidt-Lauber 2007, 175)

Anhand der offen gewählten Erhebungsmethode konnten sich völlig neue interessante Zusammenhänge ergeben und Forschungsfragen aufgeworfen werde. Aus einer empirischen Erhebung können sich sogar neue Forschungsprojekte entwickeln, da Informationen sichtbar werden können, die sonst eventuell verborgen bleiben. "Erreicht wird dies unter anderem durch die Komplexität dieses Verfahrens, nämlich das Bemühen, die Gesamtheit aller für die Forschungsfrage bedeutenden Aspekte zu erfassen" (Heinze 1995, 77).

2.1 Datenerhebung: Narratives Interview

Das qualitative Interview orientiert sich an den allgemeinen Prinzipien der alltäglichen Gesprächsführung. Dabei stehen oft Beschreibung und Argumentation in der Darstellung im Vordergrund. (vgl. Przyborski/Wohlrab-Sahr 2010, 139f) „Die Grundhaltung des Interviewenden ist empathiegeladen und durch das Bemühen, subjektive Sichtweise des Gegenübers zu verstehen, gekennzeichnet.“ (Schmidt-Lauber 2007, 172)

Das offene (narrative oder biografische) Interview wird häufig in Zusammenhang mit lebensgeschichtlichen Fragestellungen eingesetzt. Es arbeitet mit einer offenen Fragestellung am Anfang, um dem Interviewpartner größtmögliche Freiheit beim Erzählen zu lassen. Hier geht es nicht darum, ein Interview mit standardisierten Fragen zu führen, sondern den Interviewpartner zu einer Stegreiferzählung zu animieren. Er wird aufgefordert seine Lebensgeschichte zu erzählen. Wichtig ist, dass der Interviewer nicht in die Erzählung eingreift. Strukturiert wird das Interview durch eine Einstiegsphase, in der die Erzählaufforderung gestellt wird, gefolgt von der Stegreiferzählung und einer Nachfragephase am Schluss. (vgl. Schmidt-Lauber 2007, 175f)

Für die Sicherung des Materials war es wichtig, das Interview auf Tonband aufzunehmen und in Anschluss an das Gespräch ein Gesprächsprotokoll anzufertigen. Außerdem wurde das Interview transkribiert, um es aufzubereiten und später auswerten zu können. Die Übersetzung des Interviews in Schriftsprache enthält schon Interpretationsansätze und entscheidet über die Form der Auswertung (vgl. Schmidt-Lauber 2007, 180f).

2.2 Datenauswertung

„Der Erhebung und Bearbeitung folgt die Analyse des Materials. […] Ziel ist es, die Bedeutung des Gesagten mittels qualitativ-interpretativer Verfahren zu erschließen, nach plausiblen Erklärungen und Erkenntnissen bezüglich der Fragestellung zu suchen.“ (Schmidt-Lauber 2007, 182) Dazu existieren unterschiedliche Verfahren. In der vorliegenden Hausarbeit wurde das Interview in Form einer Fallanalyse ausgewertet. Dabei steht der einzelne Interviewpartner im Mittelpunkte der Interpretation. Orientierung bestand dabei an Lehmann und der Erzählstruktur in Form von Leitlinien.

[...]


[1] Alle Namen und Daten aus dem Interview wurden zum Schutz der Quelle anonymisiert.

[2] In der Volkskunde gehören mündliche und schriftliche Erzählungen schon seit dem 19. Jahrhundert zu den Methoden. In diesem Sinne sind beispielsweise die schriftlichen Befragungen Wilhelm Mannhardts und die Befragung von Gewährspersonen, deren Aussagen verallgemeinert wurden, zu nennen. Bis heute sind qualitative Interviews ein wichtiger Bestandteil der volkskundlichen Methodik. (vgl. Schmidt-Lauber 2007, 170ff)

Details

Seiten
13
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668013902
ISBN (Buch)
9783668013919
Dateigröße
421 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303125
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Kulturanthropologie/Volkskunde
Note
2,3
Schlagworte
eigentlich winzer biografische erfahrungen winzers generation

Autor

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