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Politische Einflussnahme bei der Tagesschau. Ist die Ausstrahlung von freien und objektiven Nachrichten gewährleistet?

Facharbeit (Schule) 2014 34 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Inhaltverzeichnis... 2

1. Einleitung... 4

1.1 Der Mythos Tagesschau... 4

2. Zur Geschichte der Tagesschau... 5

2.1 Gründung... 5

2.2 Die frühen Jahre... 6

2.3 Rahmenbedingungen der Tagesschau... 7

2.3.1 Vorgaben der Verfassung an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk... 8

3. Leitlinien der Tagesschau... 9

3.1 Aufgaben der Tagesschau... 9

3.2 Kontrollgremien des öffentlich-rechtlichen Rundfunks... 9

3.2.1 Die Aufgaben von Rundfunkräten... 10

3.2.2 Kritik an den Rundfunkräten... 11

3.2.3 Reformvorschläge... 11

3.3 Entscheidungsprozesse bei der Tagesschau... 12

3.4 Die Redaktion ARD-aktuell... 13

4. Rezeption von Fernsehnachrichten... 13

4.1 Einflüsse auf die Zuschauer... 13

4.1.1 Bildsprache der Tagesschau... 14

4.1.2 Wortwahl... 15

4.1.3 Glaubwürdigkeit... 15

5. Kritik an der Sendung... 16

6. Mediengeschichte der Nachrichten... 17

6.1 Nachrichtenmerkmale und demokratisch-liberale Prinzipien... 18

6.2 Objektivitätsideal... 18

7. Selektionstheorien bei Nachrichtensendungen... 19

7.1 Was ist eine Nachricht?... 19

7.2 Nachrichtenwert-Theorie... 19

8. Vergleich mit anderen Nachrichtensendungen.. 20

8.1 Einschaltquoten... 20

8.2 Art der Berichterstattung... 21

8.3 Journalistische Qualität... 21

9. Fazit... 22

10. Anhang... 25

10.1 Dokumentation wichtiger Textquellen... 25

10.1.1 Staatsvertrag für Rundfunk und Telemedien (Rundfunkstaatsvertrag – RStV)... 25

10.2 Abbildungsverzeichnis... 26

10.2.1 Abbildung 1... 26

10.2.2 Abbildung 2... 26

10.3 Literaturverzeichnis... 27

10.3.1 Internetquellen... 28

1. Einleitung

1.1 Der Mythos Tagesschau

Mit dem Satz „Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau“ werden tagtäglich Millionen von vor den heimischen Fernsehgeräten versammelten Fernsehzuschauern begrüßt. Das Ritual ist altbekannt und die Erwartungshaltung der Zuschauer ist dementsprechend groß. In den nächsten 15 Minuten wird der Zuschauer umfassend über die heutigen Geschehnisse in der Politik und dem übrigen Weltgeschehen informiert. Die Tagesschau ist und bleibt die wohl einflussreichste deutsche Nachrichtensendung. Dieser Einfluss spiegelt sich in Zuschreibungen wie „Flaggschiff“, „Monument“ oder „Mutter aller Nachrichtensendungen“[1] wieder. Heute ist die Tagesschau, nach über 60 Jahre seit der Ausstrahlung der ersten Ausgabe, nicht nur die älteste deutsche Fernsehnachrichtensendung, sondern kann sich darüber hinaus als die am meisten gesehene bezeichnen.

Die tägliche Hauptausgabe um 20 Uhr erreicht durchschnittlich knapp neun Millionen Zuschauer [2], welche die neue Ausgabe im Ersten, bei Tagesschau24, in 3Sat, dem gemeinsamen Satellitenprogramm von ARD und ZDF, bei Phoenix, dem gemeinsamen Nachrichten- und Informationskanal, oder in den angeschlossenen Dritten Programmen verfolgen. Damit erreicht man nach eigenen Angaben durchschnittlich Marktanteile von rund 32 Prozent (vgl. intern.tagesschau.de).

Doch nicht nur das breite Publikum verfolgt regelmäßig die Ausgaben der Tagesschau: In der Studie „Journalismus in Deutschland“ von der Universität Münster aus den frühen 1990er Jahre gaben mehr als die Hälfte der befragten Journalisten (55,5%) an, dass sie regelmäßig die Tagesschau ansehen würden, wodurch dieser Sendung „im Rundfunksektor [...] die Rolle des wichtigsten journalistischen Meinungsführer“ [3] zugewiesen wird. Doch fast genauso alt wie die Tagesschau selbst ist auch die Kritik an ihr[4]. Macht man sich diese Rolle der Tagesschau in der deutschen Gesellschaft bewusst, kommt auch die Frage auf, inwiefern die Tagesschau den Bürgern freie und objektive Informationen liefert oder auch liefern kann.

Gerade in der jüngsten Zeit (Stand Mai 2014) stehen die sogenannten Mainstream-Medien des Westens wieder einmal unter dem Vorwurf der einseitigen Berichterstattung in der Kritik[5]. In dieser Seminararbeit soll daher das gerade jetzt wieder aktuell gewordene Thema „Politische Einflussnahme bei der Tagesschau“ unter der Leitfrage „Ist bei der Tagesschau die Ausstrahlung von freien und objektiven Nachrichten gewährleistet?“ untersucht werden.

InIn dieser Arbeit soll versucht werden die Handlungen der Tagesschau und die Motive, welche die von den dahinter befindlichen Menschen verfolgen, offenzulegen. Dafür wird im Folgenden zunächst die Geschichte der Tagesschau untersucht werden, um somit dem Leser in gewisser Weise verständlich zu machen, wie aus der Tagesschau das geworden ist, was sie heute ist. Daneben wird im weiteren Verlauf die Bedeutung der heutzutage vielseitig verwendeten Termini „Nachricht“ und „Objektivität“ überprüft werden, was auch ermöglicht, deren Anwendung anhand der verfassungsrechtlichen Vorgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bei der Tagesschau zu analysieren. In einem Fazit wird am Ende das gefundene reflektiert und zusammengetragen und es soll somit versucht werden, die oben genannte Leitfrage zu beantworten. Schließlich geht es hierbei um die Informationsfreiheit der Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland.

2. Zur Geschichte der Tagesschau

2.1 Gründung

Die Tagesschau kann heute auf eine über 60 Jahre lange Geschichte zurückblicken. Begonnen hatte alles im Herbst des Jahres 1951, als der damalige NWDR (Nordwestdeutscher Rundfunk), aus dem später der NDR und der WDR hervorgingen, einen Vertrag mit der „Neuen Deutschen Wochenschau“ schloss. Man plante aus dem bereitgestellten Material der Neuen Deutschen Wochenschau, die ausschließlich Nachrichten in den Kinos ausstrahlte, eine eigene, drei Mal pro Woche erscheinende Nachrichtensendung für das damals noch relativ schwach verbreitete Medium des Fernsehens zu erstellen. Premiere dieses Formates war am 26. Dezember 1952 auf dem Fernsehsender des NWDR, der damals noch von einem Hamburger Flakbunker aus dem zweiten Weltkrieg sendete. Im Voraus waren hunderte Testsendungen produziert worden, um später einen geregelten Sendebetrieb garantieren zu können. Dennoch kam dem NWDR das Staatsfernsehen der DDR damals zuvor. Das dortige Pendant zur Tagesschau, die „Aktuelle Kamera“, begann den regulären Sendebetrieb bereits am 21. Dezember desselben Jahres. Die Ausstrahlung der Tagesschau-Ausgaben erfolgte von nun an jeden Montag, Mittwoch und Freitag.

2.2 Die frühen Jahre

Schon seit jeher genoss die Tagesschau einen großen gesellschaftlichen Einfluss, den sie bis heute bewahren konnte. Die Beiträge zu Geschichte der Tagesschau belegen laut der Tagesschau-Redakteurin Nea Matzen, dass „die Nachrichtensendung fast seit Anbeginn ihres Bestehens ein Faktor ist, mit dem sich die Politik, die Parteien, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen sowie politisch engagierte Intellektuelle auseinandersetzen.“ Dabei darf auch nie der Machtfaktor vergessen werden, den die anfängliche Monopolstellung der Tagesschau bedeutete. Die 50er-Jahre waren für das Fernsehen fast durchgehend bequem, zumindest was Kritik von außen betraf: die Faszination für das neue Medium war überraschend groß, obwohl die Zeitung und der Hörfunk für die Nachrichtenwelt Mitte des 20. Jahrhundert noch von wesentlich größerer Bedeutung waren.

Bereits damals versuchte die Tagesschau sich durch Professionalität und Perfektion zu profilieren. So forderte der ehemalige Chefredakteur der Tagesschau von 1960 bis 1970, Joachim Reiche (1921-2005), die kompromisslose Beachtung seines Grundsatzes: „Uhrzeit geht vor allem anderen“. Er setzte durch, dass die Sendezentrale in Frankfurt seinem „Uhrzeit-Doktrin“ bindungslos gehorchte, sodass teilweise noch laufende Regionalsendungen zehn Sekunden vor acht Uhr unterbrochen wurden, um auf die „Tagesschau-Uhr“ umzuschalten. (vgl. Grassmann, 2004)

Inhaltlich gab es dennoch einige Unterschiede zu dem, was heute von der Tagesschau gezeigt wird. Die Programmgestaltung legte damals den Fokus sehr auf „Buntes“, wodurch die Politik häufig nur eine Nebenrolle einnahm. [6] Auslandskorrespondenten hatten in dieser Zeit eher die Aufgabe „den Duft der weiten Welt in die deutschen Nachkriegswohnzimmer hineinzutragen“ (Matzen, 2009).

InIn den letzten Jahren versuchte die Tagesschau wieder vermehrt jüngere Zuschauer und auch Leser zu gewinnen, indem man das Online-Angebot auf tagesschau.de ausbaute und durch die Tagesschau-App dem jüngeren Publikum die Tagesschau durch permanente Abrufbarkeit und Aktualisierungen wieder interessanter zu machen.

2.3 Rahmenbedingungen der Tagesschau

In Folge des Zweiten Weltkrieges kam es durch die westlichen Alliierten zur Zerschlagung der bestehenden Rundfunkstruktur in Deutschland, da man noch die staatlich gesteuerte Propaganda während der Zeit des Nationalsozialismus in Erinnerung hatte und so etwas in Zukunft zu vermeiden versuchen wollte. Zunächst wurde daraufhin von den Besatzungsmächten die deutsche Rundfunkstruktur dezentralisiert und in den jeweiligen Zonen selbst organisiert. Vorbild wurde hierbei das Rundfunkmodell in Großbritannien, welches sich insbesondere durch die Einrichtung eines pluralistischen [7] Rundfunkrates auszeichnete (vgl. Schäfer, 2007), der als zentrales Beschluss- und Kontrollgremium dient und aus Vertretern verschiedener Gesellschaftlicher Gruppen bestehen sollte, um somit eine Meinungsvielfalt und Unabhängigkeit in der Programmgestaltung sowie den Sendebetrieb gewährleisten zu können (vgl. Fischer Lexikon Publizistik Massenkommunikation 2002: 553f.).

Der Kommunikationswissenschaftler Winfried Schulz, der den öffentlich-rechtlichen Rundfunk auf europäischer Ebene untersucht hat, vertritt die Ansicht, dass der öffentliche-rechtliche Rundfunk in einem Dreieck agiert [8]. Zum einen gäbe es die Politik, die ihre Interessen am Rundfunk durch entsendete Vertreter in den Gremien vertritt, zum anderen wäre da noch die Allgemeinheit, also die Zivilgesellschaft, denen verschiedene gesellschaftlich relevante Gruppen, wie Umweltverbände und Gewerkschaften, angehören. Bei der dritten zu nennenden Kraft handelt es sich um die Wirtschaft, da der öffentlich-rechtliche Rundfunk durch Werbefinanzierung und Produkteinkauf an das Wirtschaftssystem gebunden sei. Nun kann der öffentlich-rechtliche Rundfunk je nach Staat anders in diesem Dreieck positioniert sein. Schulz hat sich nun mit der Frage beschäftigt in wie der Rundfunk in Deutschland positioniert ist.

ImIm Bezug auf die lange Geschichte der Nachrichtensendung drängt sich aber ebenso die Frage auf, wie sich die Tagesschau den jeweiligen Zeiten angepasst hat, ohne dabei ihr „Gesicht“ zu verlieren und wie weit sie sich überhaupt den veränderten gesellschaftlichen Einstellung überhaupt anpassen darf. Dazu soll innerhalb des nächsten Abschnittes untersucht werden, welchen Vorgaben der öffentlich-rechtliche Rundfunk nach der Verfassung unterworfen ist und welcher Spielraum dennoch diesem bleibt.

2.3.1 Vorgaben der Verfassung an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Aus den Gründen der Vollständigkeit halber ist es auch von Nöten sich an den Vorgaben der Verfassung zur orientieren, um sich der Thematik auch juristisch annähern zu können, sodass man einen möglichst vollständigen Einblick in die Wirkungsweise der Tagesschau erhalten kann. §5 des Grundgesetzes äußert sich wie folgt zum Thema Pressefreiheit: „(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“[9] Näheres zu den Aufgaben und Struktur des Rundfunks der Bundesrepublik Deutschland regelt der Rundfunkstaatsvertrag. [...]


[1] Vgl. Matzen, 2009

[2] tagesschau.de/intern

[3] Weisenberg/Löffelholz/Scholl, 1994

[4] S. dazu Kapitel 5: „Kritik an der Sendung“

[5] S. Hierzu: Medien in der Ukraine Krise 2014

[6] http://intern.tagesschau.de/sendungen/tagesschau/

[7] Pluralismus: Innerhalb einer Gesellschaft, eines Staates [in allen Bereichen] vorhandene Vielfalt gleichberechtigt nebeneinander bestehender und miteinander um Einfluss, Macht konkurrierender Gruppen, Organisationen, Institutionen, Meinungen, Ideen, Werte, Weltanschauungen usw. (Definition nach Duden; Abgerufen über http://www.duden.de/rechtschreibung/Pluralismus am 25.04.2014

[8] Vgl. Schulz, 2004

[9] GG §5 Abs. 1, zuletzt abgerufen am 29.04.2014 über http://www.bundestag.de/bundestag/aufgaben/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_01.html

Details

Seiten
34
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668015241
ISBN (Buch)
9783668015258
Dateigröße
714 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v303115
Note
1,0
Schlagworte
Tagesschau Nachrichten Fernsehen Medien Meinungsfreiheit Bildung Pressefreiheit News ARD Presse

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