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Variation und Veränderung. Grundelemente im Werk des Multimediakünstlers Peter Kogler

Hausarbeit 2015 8 Seiten

Kunst - Computerkunst, Medienkunst

Leseprobe

1. Biografie

Der Multimediakünstler Peter Kogler wurde 1959 in Innsbruck geboren und arbeitet und lebt heute in Wien.

Von 1974 bis 1978 studierte er an der höheren technischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt Innsbruck. Daraufhin studierte er für ein Jahr an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. 1986 wurde er Dozent an der staatlichen Hochschule für Bildende Künste - Städelschule Frankfurt am Main und 1993 an der Académie des Beaux Arts le Mans in Paris. 4 Jahre später wurde er Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien für die Meisterklasse für Computer- und Videokunst. Seit 2008 arbeitet er als Professor für Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in München.

Seine Werke stellt er seit 1979 aus, zum Beispiel bei der 46. Biennale in Venedig, bei der documenta X in Kassel, bei der Expo in Hannover, in der Villa Arson in Nizza, im Kunstverein Hannover oder in der Galerie Crone in Berlin. Seine letzte Einzelausstellung fand 2014 im Museum of Contemporary Art in Zagreb statt. Peter Kogler gehört zu den international erfolgreichsten österreichischen Künstlern seiner Generation und war auf nahezu allen größeren internationalen Ausstellungen der letzten Jahre präsent.

2. Grundelemente

Peter Kogler greift in seinen Werken häufig auf Grundelemente zurück, welche er schon zu Beginn seines Schaffens etabliert hat. Vor allem zu nennen sind hierbei das Motiv der Ameise, des Gehirns, der Ratte und der Röhren.

Plankensteiner nennt dieses künstlerische Repertoir in seiner Arbeit über Kogler einen „Baukasten“, aus welchem immer wieder geschöpft wird.1 Dabei komme es allerdings dennoch nicht zu Wiederholungen, da Kogler seine Elemente immer wieder variiert und verändert. Er selbst vergleicht dies mit einer Laborsituation, da er mit der Veränderung arbeitet, die durch das Variieren eines Details entsteht.2

Kogler ist außerdem der Meinung, dass „ihre vielfaltigen Subbedeutungen nach und nach immer klarer“ werden wenn man mit immer wiederkehrenden Elementen arbeitet.3 Im Folgenden sollen diese Grundelemente, aus denen Kogler schöpft, näher beleuchtet werden.

2. 1. Ameisen

Koglers erste Installation, bei der Ameisen zu sehen waren fand 1991 in München statt, seither griff er dieses Motiv immer wieder auf und es kann heute als eines der elementarsten Motive Koglers bezeichnet werden.

2012 erschien sogar eine Sonderpostmarke der österreichischen Post, auf welcher Ameisen von Kogler zu sehen sind. Mit ihr startete die Markenserie „Zeitgenössische Kunst“.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Sonderpostmarke

Entstanden ist die bis heute andauernde Vorliebe für das Motiv der Ameise eher zufällig beziehungsweise intuitiv. Kogler erzählt in einem Gespräch mit Kathrin Rhomberg, dass er einmal einfach eine Ameise gefilmt habe, die über eine Zeitung lief, da er zu dieser Zeit immer eine Kamera bei sich gehabt habe. Danach erst habe er darüber nachgedacht, dass die Ameise hier durch die Zeitung im Verhältnis zu einem Zeichensystem stand, während sie selbst durch ihre Form ebenfalls einen Zeichencharakter habe.4

Rainer Fuchs beschreibt die Ameise in diesem Film als Metapher für einen Menschen. Er bezeichnet diesen als einen „im Labyrinth massenmedialer Informationen wie verloren wirkenden Leser“5.

Die Form der Ameise ist nicht nur durch den Zeichencharakter interessant, sondern auch weil ihre Symmetrie und Netzwerkartigkeit „ideale Metaphern für die Relation von Körper und Architektur, von Organischem und Technischem sowie von natürlichen und Lebensraumen“6 bietet.

Kogler selbst beschreibt für die Verwendung des Motivs der Ameise auch den sozialen Aspekt als wichtig. Ameisen seien Teil eines „hochentwickelten sozialen Systems“, würden aber „ambivalent wahrgenommen“.7 Er meint damit, dass sie einerseits als lästiges Ungeziefer gelten, ihnen andererseits allerdings auch Bewunderung für Fleiß und Disziplin entgegen gebracht wird. So sei das Motiv der Ameise auch gesellschaftlich relevant, da man immer wieder mit Fragen zu der Gesellschaft als Kollektiv und zum Verhalten des Individuums konfrontiert sei.8 Man könnte somit die Ameisen als Metapher für die Gesellschaft beziehungsweise für bestimmte Verhaltensweisen dieser verstehen.

Der bereits zitierte Rainer Fuchs sieht die Ameise nicht nur als wie verloren wirkenden Leser, sondern auch als „Verkörperung von Gegensätzen“, welche auch in der Gesellschaft aufgrund der „Mediatisierung in ihrem Verhältnis zueinander neu definiert werden müssen“.9 Mit diesen Gegensätzen meint er ebenso wie Kogler das Idividuum und das Kollektiv, das Motiv der Ameise sieht er also ebenso als Metapher des Sozialen.

[...]


1 Armin Plankensteiner: Peter Kogler: Konstruktion von Räumlichkeiten als Dekonstruktion von Räumen. Wien: Diplomarbeit 2012, S.9.

2 vgl. Plankensteiner: Peter Kogler: Konstruktion von Räumlichkeiten als Dekonstruktion von Räumen., S.9f.

3 Kathrin Rhomberg: „Peter Kogler im Gespräch mit Kathrin Rhomberg“, 2014, http://www.kogler.net/essays/peter-kogler-im-gespr%C3%A4ch-mit-kathrin-rhomberg-0, letzter Zugriff: 07.04.2015.

4 vgl. Kathrin Rhomberg: „Peter Kogler im Gespräch mit Kathrin Rhomberg“, 2008, http://www.kogler.net/essays/peter-kogler-im-gespr%C3%A4ch-mit-kathrin-rhomberg, letzter Zugriff: 07.04.2015.

5 Rainer Fuchs: „Verkettungen“, http://www.kogler.net/essays/verkettungen, letzter Zugriff: 07.04.2015.

6 Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (Hrsg.): Peter Kogler. Wien, Köln: König 2008, S.7f.

7 Rhomberg: „Peter Kogler im Gespräch mit Kathrin Rhomberg“, 2014.

8 vgl. Rhomberg: „Peter Kogler im Gespräch mit Kathrin Rhomberg“, 2014.

9 Fuchs: „Verkettungen“.

Details

Seiten
8
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668012530
ISBN (Buch)
9783668012547
Dateigröße
751 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v302802
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
2,0
Schlagworte
variation veränderung grundelemente werk multimediakünstlers peter kogler

Autor

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Titel: Variation und Veränderung. Grundelemente im Werk des Multimediakünstlers Peter Kogler