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Genderspezifische Leistungsunterschiede in der Schule

Inwiefern sind genderspezifische Leistungsunterschiede in der Schule beeinflussbar?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 22 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Leistungen
2.1.1 Leistung als gesellschaftliches Phänomen
2.1.2 Zusammensetzung der Gesamtleistung
2.1.3 Transparenz der Leistungsbewertung
2.2 Genderspezifische PISA-Ergebnisse
2.2.1 Genderspezifische Leistungsunterschiede im Lesen
2.2.2 Leistungsunterschiede in Mathematik
2.2.3 Zwischenergebnis
2.3 Problemstellen bei Leistungsbeurteilungen
2.3.1 Problemstellen bei Beurteilungsbögen
2.3.2 Einfluss von Vor- und Zusatzinformationen
2.3.3 Erwartungen
2.3.4 Zwischenergebnis
2.4 Ursachen für Leistungsunterschiede
2.4.1 Interesse am Unterrichtsfach
2.4.2 Außerschulische Einflüsse
2.5 Biologische Einflüsse auf Leistungen

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Täglich werden wir mit Leistungserwartungen an uns selbst oder durch andere konfrontiert. Medien vermitteln uns täglich ein Bild von optimalen Leistungen, wie z.B. im Sport, in der Politik, Technik, Kultur, aber auch im alltäglichen Leben oder bei abstrusen Höchstleistungen fürs Guinnes Buch der Rekorde. Mit Leistung konnotiert die Gesellschaft zunehmend etwas Positives. Etwas zu leisten ist immer gut und sinnvoll – egal in welcher Hinsicht. Allerdings wächst in einer Leistungsgesellschaft auch zunehmend der Druck. Menschen konkurrieren miteinander, messen sich an den Leistungen anderer und sind frustriert, wenn andere bessere Leistungen erzielen als sie selbst.

Ähnlich verhält es sich auch in der Schule. Schüler und Schülerinnen werden an Leistungen gemessen. Gute Leistungen werden mit guten Noten belohnt, während schlechte Leistungen mit schlechten Noten getadelt werden. Bereits im jungen Alter werden sie somit darauf vorbereitet, dass es wichtig ist, gute Leistungen zu erzielen und besonders in der heutigen Gesellschaft wird dies zunehmend mehr verlangt.

Insbesondere unter den Jungen und Mädchen wird oftmals ein Konkurrenzkampf in Bezug auf Leistungen festgestellt, der durch gesellschaftliche Muster und Vorurteile verstärkt wird. Eines der weit verbreitetsten Vorurteile ist, dass Mädchen besser in Sprachen und Literatur sind, wohingegen Jungen stärker in Naturwissenschaften sind.

Im Folgenden sollen genderspezifische Unterschiede in Leistungen untersucht werden. Es soll herausgearbeitet werden, welche Vorurteile in der Gesellschaft vorliegen und was wirklich hinter ihnen steckt. Die Bedeutsamkeit von Einflüssen nimmt bei dieser Untersuchung eine zentrale Rolle ein und es gilt zu prüfen, inwiefern nachweisbare Unterschiede biologisch oder kulturell begründet werden können.

2. Hauptteil

2.1 Leistungen

Um genderspezifische Unterschiede bei den Leistungsbeurteilungen feststellen zu können, muss zunächst einmal der Begriff „Leistung“ erläutert werden. Vom Leistungsbegriff wird in zahlreichen unterschiedlichen Themenbereichen Gebrauch gemacht und er wird aus verschiedenen Wissenschaftsrichtungen (bspw. Psychologie, Pädagogik) untersucht. Im Folgenden werde ich mich darauf beschränken, eine allgemeine Darstellung anhand eines Interviews mit einem Grundschüler über den Leistungsbegriff als gesellschaftliches Phänomen zu liefern.

2.1.1 Leistung als gesellschaftliches Phänomen

Im Rahmen dieses Kapitels habe ich ein Interview mit meinem Neffen, der die 3. Klasse besucht, zum Thema „Leistungsbewertung als gesellschaftliches Phänomen“ durchgeführt. Es wäre naiv davon auszugehen, dass dieses Interview repräsentativ ist. Bei einer genauen Untersuchung lassen sich jedoch zahlreiche Parallelen zu bereits durchgeführten empirischen Untersuchungen feststellen. Im Folgenden möchte ich einige Aspekte aus dem Interview herausarbeiten und mit wissenschaftlichen Untersuchungen unterstützen.

Leistungsbewertungen im Sinne von Noten verteilen sind in der heutigen Gesellschaft selbstverständlich. Nicht nur Luca, sondern wahrscheinlich die meisten Menschen, egal in welchem Alter, wissen zunächst einmal gar nicht, was sie zum Thema Noten sagen sollen. „Was soll man auch „erzählen“ über Noten? Jeder weiß, was Noten sind und wie sie funktionieren.“ (Vgl.: 4.1.9., S. 9)

Dieser Teil des Interviews ist m.E. sehr bedeutsam, weil er widerspiegelt, welche Bedeutung den Noten bereits im Grundschulalter zugeschrieben wird. Kinder werden mit Leistungsbewertungen groß und sie sind sich dessen bewusst, dass es verschiedene Schulzweige gibt, dessen Zuordnung von den Leistungen abhängt.

Hier wird deutlich, dass bereits in der Grundschule erste Ansätze des Konkurrenzkampfes sichtbar werden. Es wäre interessant zu überprüfen, an welchen Stellen es den SuS erlaubt wird, ihre Noten miteinander zu vergleichen und wann sie dies nicht sollen. Allerdings ließe sich hier nur schwer ein empirischer Befund ableiten, da Lehrer und Lehrerinnen unterschiedliche Unterrichtsmethoden verwenden.

Diese Stelle des Interviews überraschte mich. Ich hätte eher damit gerechnet, dass Luca antworten würde, die Abschaffung von Noten sehr gut zu finden. Hieraus geht hervor, wie selbstverständlich und allgegenwärtig Leistungsbeurteilungen mittlerweile sind. Es ist in unserer heutigen Gesellschaft kaum bis gar nicht mehr vorstellbar, dass Noten abgeschafft werden. Auch hier kristallisiert sich das gesellschaftlich gegenwärtige Konkurrenzdenken heraus. SuS, die gute Noten bekommen, würden es als ungerecht empfinden, wenn ihre Leistungen nicht mehr honoriert werden. Lediglich die SuS, die schlechte Noten erhalten, könnten sich, laut Luca, mit einer Abschaffung anfreunden.

Um die Bedeutung von Noten hervorzuheben, hat Luca einen direkten Bezug zum Beruf hergestellt. Kindern wird bereits frühzeitig bewusst gemacht, dass sie für einen gesellschaftlich höhergestellten Beruf auch bessere Leistungen erbringen müssen. Interessant finde ich, dass Luca bei dieser Erläuterung das generalisierende Personalpronomen „man“ benutzt, wodurch er seiner Aussage einen verallgemeinerbaren Charakter verleiht. Auch in der Untersuchung von Bernhard und Breidenstein ist der Interviewte bei der Frage nach der Bedeutsamkeit von Noten, in die zweite Person („du musst …“) gewechselt. „Auch darin kommt der Charakter der verallgemeinerten Bedeutung zum Ausdruck.“ (Vgl.: 4.1.9., S. 10)

2.1.2 Zusammensetzung der Gesamtleistung

In der folgenden Abbildung (Abb. 1) wird dargestellt, wie sich die Gesamtleistung der SuS im Wesentlichen zusammensetzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1. Vgl.: 4.1.5., S. 47.

Zunächst wird eine Unterteilung zwischen „schriftlichen“ und „sonstigen“ Leistungen gemacht. „Mündliche“ Leistungen sind unter den „Sonstigen“ mit aufgelistet.

Bezüglich der offiziellen Klassenarbeiten bzw. Klausuren gibt es genaue Vorschriften durch „Rahmenrichtlinien, curriculare Vorgaben oder sonstige Erlasse und Verfügungen für alle Fächer“. (Vgl.: 4.1.5., S. 48) Diese bestimmen die Anzahl, Dauer und Art der offiziellen schriftlichen Leistungen. Bei den „sonstigen“ Leistungen gibt es keine einheitlichen Vorschriften, die „weder bundesweit noch schul-und fächerspezifisch einheitlich“ (Vgl.: 4.1.5., S. 48) sind.

Paradies stellte fest, dass das Verhältnis der Anteile von schriftlichen zu sonstigen Leistungen bei der Zeugnisnote meist durch Rahmenrichtlinien, Lehrpläne oder entsprechende andere amtliche Vorgaben mit verbindlichem Charakter festgelegt ist. (Vgl.: 4.1.5., S. 48)

Die mündliche Mitarbeit dürfte bei den „sonstigen“ Leistungen aber in den meisten Fächern der wichtigste Anteil sein. In der schulischen Praxis ist auch eher eine Unterscheidung zwischen „schriftlichen“ und „mündlichen“ Noten üblich. Die Leistungen, die unter „sonstige“ aufgelistet sind, fließen mit in die „mündliche“ Note ein.

In der theoretischen Zusammensetzung der Gesamtleistung ist zunächst keine Unterscheidung zwischen Geschlechtern zu entnehmen.

2.1.3 Transparenz der Leistungsbewertung

Nachdem soeben dargestellt wurde, wie sich die Gesamtleistung von SuS zusammensetzt, soll nun untersucht werden, wie die einzelnen Leistungen gemessen und bewertet werden. Aus Gründen des Umfanges dieser Arbeit werde ich mich im Folgenden auf die Bewertung schriftlicher Leistungen bzgl. offizieller Klassenarbeiten und Rückmeldungen bzgl. der mündlichen Mitarbeit (ausgeschlossen sonstige erbrachte Leistungen) beschränken. An dieser Stelle wird zunächst keine genderspezifische Unterscheidung untersucht, da davon auszugehen ist, dass diese Kriterien unabhängig vom Geschlecht angewendet werden sollten.

2.1.3.1 Bewertung schriftlicher Leistungen

Bei der Bewertung von schriftlichen Leistungen unterscheidet man zwischen einer formalen (Form, Sprache) und einer inhaltlichen Korrektur.

Es gibt Kriterienkataloge, die von den Lehrkräften eingehalten werden müssen. Je nach Klassenstufe müssen die Bewertungskriterien angepasst werden. Die schriftlichen Leistungen werden prinzipiell in drei Bereiche eingeteilt (Vgl.: 4.1.5., S. 51):

1. Anforderungsbereich

„Wiedergabe von Sachverhalten aus einem abgegrenzten Gebiet im gelernten Zusammenhang“

„Verfügbarkeit der notwendigen inhaltlichen und methodischen Kenntnisse in einem begrenzten Gebiet und einem wiederholenden Zusammenhang“

2. Anforderungsbereich

selbstständiges Erfassung und Einordnen bekannter Sachverhalte“

„Strukturieren und gedankliche wie sprachlich angemessene Be- und Verarbeiten dieser Sachverhalte“

„selbstständiges Anwenden und Übertragen des Gelernten auf vergleichbare Sachverhalte“

3. Anforderungsbereich

„Planmäßiges Verarbeiten“

„Eigenständige Reflexion komplexer Gegebenheiten mit dem Ziel, zu selbstständigen Begründungen, Folgerungen, Deutungen und Wertungen zu gelangen und eigene Lösungsansätze zu entwickeln“

Um eine transparente Bewertung schriftlicher Leistungen im Allgemeinen sicherstellen zu können, bieten sich allgemeine Korrekturbögen an, die für jeden SuS gleichermaßen gelten. Allerdings ist fraglich, inwiefern solche von allen Lehrkräften genutzt werden.

2.1.3.2 Bewertung mündlicher Leistungen

Es gibt zahlreiche Diskussionen über die Benotung von mündlicher Mitarbeit und immer steht die Frage nach der Gerechtigkeit im Zentrum der Diskussionen. Während es bei schriftlichen Rückmeldungen klare Anweisungen und Regelungen gibt, haben Lehrkräfte bezüglich mündlicher Rückmeldungen viel Freiraum. Gerade des Freiraumes wegen sind sie eher problematisch, subjektiv und fehleranfällig. Während bspw. einige Lehrkräfte qualitative Beiträge höher bewerten als quantitative, setzen andere die qualitativen mit den quantitativen Beiträgen gleich. Dies ist nur eine von vielen Problematiken, die bei den SuS oftmals dazu führt, dass sie sich ungerecht behandelt fühlen.

Gerade in der Bewertung mündlicher Leistung ist somit eine hohe Transparenz erforderlich und es ist wichtig, dass Lehrkräfte die Mitarbeit regelmäßig protokollieren. Im Folgenden möchte ich ein Bewertungsbeispiel von Paradies, Wester und Greving liefern, das m.E. sehr sinnvoll erscheint.

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Details

Seiten
22
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668008250
ISBN (Buch)
9783668008267
Dateigröße
636 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v302674
Institution / Hochschule
Technische Universität Darmstadt – Institut für Allgemeine und Berufspädagogik
Note
1,0
Schlagworte
Gender Leistungsunterschiede Schule Leistungsbewertung Transparenz von Leistungsbewertung PISA-Ergebnisse Bewertungseinflüsse

Autor

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Titel: Genderspezifische Leistungsunterschiede in der Schule