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Unternehmensnetzwerke. Besonderheiten sozialer Netzwerke in anderen Kulturen und Ländern

Seminararbeit 2015 24 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung und Abgrenzung
2.1 Begriffsbestimmung soziale Netzwerke
2.2 Begriffsbestimmung und Abgrenzung von Unternehmensnetzwerken

3 Unternehmensnetzwerke
3.1 Gemeinsamkeiten der Unternehmensnetzwerke
3.2 Unterscheidung von Unternehmensnetzwerken
3.3 Unternehmensnetzwerke in Deutschland und Russland
3.3.1 Besonderheiten des deutschen Marktes
3.3.2 Besonderheiten des russischen Marktes
3.3.3 Nationale kulturelle Unterschiede der beteiligten Länder

4 Chancen und Problemfelder in der Vernetzung
4.1 Chancen in Unternehmensnetzwerken
4.2 Probleme und Risiken in Unternehmensnetzwerken

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Sozio-kulturelle Einordnung nach Hofstede

Abbildung 2: Merkmale der Deutschen aus russischer Sicht und umgekehrt

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Wie ist das Netzwerk geographisch organisiert?

Tabelle 2: Befinden sich unter den Netzwerkmitglieder auch öffentliche Einrichtungen, gemeinnützige Träger oder Verbände?

Tabelle 3: Erhält das Netzwerk öffentliche Förderung in Form von finanziellen Mitteln, Diensten oder Sachleistungen?

Tabelle 4: Rechtliche Problemstellungen bei der Initiierung oder Zusammenarbeit

Tabelle 5: Kommunikationsformen in Netzwerken

Tabelle 6: Hauptzweck eines Netzwerkes

Tabelle 7: Chancen der Netzwerkbildung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die zwischenmenschlichen sozialen Beziehungen umspannen jeden Menschen wie ein Netz und nehmen eine zentrale gesellschaftliche Rolle ein. Dabei vernetzt sich jedes einzelne Individuum mit Bekanntschaften, Freunden, Familienangehörigen, Kollegen oder Partnern. Im Zuge dieser Weiterentwicklung und Veränderung revolutionierten neue Möglichkeiten die Kommunikation und Interaktion. Die zuvor starren privaten und ökonomischen Netzwerke verschwimmen zunehmend und gestaltet sich neu.

Der Blick auf den gegenwärtigen globalisierenden Wandel der Wettbewerbsmärkte zwingt die Unternehmen zu einer dauerhaften Steigerung der Innovation bei einer gleichzeitigen Kostenreduktion.[1] Dieser Strukturwandel kann kaum durch die klassischen Organisations- und Kommunikationsformen bewältigt werden. Soziale Netzwerke (SN), insbesondere Unternehmensnetzwerke (UN) wurden durch zahlreiche wissenschaftliche Debatten als alternative Architekturen beleuchtet. Die UN sollen eine Reaktion auf die vergangenen Umweltveränderungen bilden.[2] Selbst eines der weltweit führende Industrieunternehmen General Electrics beschrieb sich nicht ausreichend aufgestellt, um ausschließlich auf die eigenen internen Fähigkeiten zurückzugreifen und auf Wissen durch vertrauenswürdige Kooperationen zu verzichten.[3] Eine solche Kooperationsform erfordert jedoch ein hohes Maß an Managementanforderungen und umfasst verschiedenste zu berücksichtigende Aspekte, wenn eine Zusammenarbeit zwischen Unternehmen existieren soll.

Daher ist das Ziel die Verdeutlichung einer Nutzbarkeit von UN auf internationaler Ebene, mit einem sachbezogenen Beispiel zwischen deutschen und russischen Unterschieden, um einen erfolgreichen Kooperationsverbund zu etablieren, darzulegen.

Die Ausarbeitung dieser Arbeit umfasst insgesamt fünf Kapitel. Im Grundlagenteil in Kapitel 2 werden die Begriffsdefinitionen sozialer Netzwerke, insbesondere auf soziale UN aufgegriffen. Das Kapitel 3 fokussiert die sozialen UN und erläutert Gemeinsamkeiten und Unterschiede sowie die kulturellen Unterschiede in Deutschland und Russland. Das Kapitel 4 befasst sich mit den Chancen und Problemfelder durch die Vernetzung von Unternehmen. Anschließend resultiert in Kapitel 5 ein Fazit der Diskussionsthese.

2 Begriffsbestimmung und Abgrenzung

Durch die Begriffsdefinition und Abgrenzung werden Begrifflichkeiten, die im gesamten Kontext dieser Diskussionsthese stehen, erläutert und sollen als Grundlagen für die vorliegende Arbeit dienen. Resultierend aus den diskrepanten Definitionen wird hier versucht, eine allgemeingültige Arbeitsdefinition darzulegen.

2.1 Begriffsbestimmung soziale Netzwerke

Mit der Begrifflichkeit der sozialen Netzwerke beschäftigen sich zahlreiche wissenschaftliche Disziplinen wie bspw. die Soziologie, die Ökonomie oder die Kommunikationswissenschaft. Bedingt durch diese Vielzahl an literalen Definitionsansätzen ist eine allgemeingültige Begriffsbestimmung nicht möglich. Eine Grundlage für viele weiterführende Definitionen schaffte Röhrle, der SN in einer groben Bezeichnung als „das Gesamte an sozialen Beziehungen zwischen einer definierten Menge von Personen, Rollen oder Organisationen“ beschrieb.[4] Dabei suggeriert das Wort „sozial“ einen Bezug auf die Umwelt, wodurch SN von Nollert als das Beziehungsgeflecht zwischen einer Vielzahl von individuellen Akteure beschrieben werden.[5] Akteure, in diesem Zusammenhang auch als Knoten beschrieben, sind wie in der Definition von Röhrle Menschen oder Institutionen. Bezieht man die Definition sozialer Netzwerke auf das Internet ist häufig ein Personennetzwerk gemeint, das sich durch zur Hilfenahme von Webportalen selbst kommissioniert und als Ziel eine soziale und dauerhafte Bindung zu anderen Akteuren hat.[6]

2.2 Begriffsbestimmung und Abgrenzung von Unternehmensnetzwerken

Der Begriff der UN hat pluralistische Bezeichnungen in der Literatur wie bspw. „strategie networks“, „value constellation“, „value system“ oder „Wertschöpfungsnetzwerk“. Eine in der Literatur gültige Definition lautet, das UN „eine Organisationsform zur Abwicklung einer unternehmensübergreifenden ökonomischen Aufgabenstellung durch mehr als zwei rechtlich unabhängige, jedoch wirtschaftlich meist abhängige Unternehmen mit dem gemeinsamen Ziel der Erlangung eines Wettbewerbsvorteils“.[7]

Dieser universale Ansatz umfasst zwei begriffsdefinierende Bausteine für ein UN. Zum einen inkludiert ein UN mindestens drei Akteure, zum anderen existieren unter den interagierenden Akteuren weitreichende und spezielle Beziehungskonstellationen.[8] Sind diese Bausteine gegeben kann von einer heranwachsenden netzwerktypischen Charakterisierung gesprochen werden. UN sind seit Anfang der Jahrtausendwände ein fester Bestandteil der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung. Dabei wurden die Begrifflichkeit aus Sicht der Wirtschafts-, Sozialwissenschaften und Technologie im Fokus diskutiert. Im Jahre 2000 konnte Weyer durch eine sozialwissenschaftlichen Untersuchung die Erkenntnis erlangen, dass die Netzwerkforschung „meist ohne eine tiefer gehende Fundierung durch die soziologische Theorie arbeitet, die ihrerseits das Netzwerkthema weitgehend ausblendet“.[9] Dabei grenzt es an einem Paradoxon, dass aus Sicht der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften keine weitreichende Übereinstimmung einer Netzwerktheorie existiert. Wird jedoch die wiederkehrende soziale Interaktion in seiner enormen Breite ergründet, von der Interaktion in dem Familien- und Freundeskreis über die Fußballmannschaft und die Nachbarschaft bis hin zu allen historisch gewachsenen Unternehmensbeziehungen, die ebenfalls im Kontext eines SN stehen, ist eine korrespondierende Netzwerktheorie als eine Universaltheorie des Sozialen zu verstehen.

UN sind ein Teil der sozialen Struktur. Gerade in der gegenwärtigen Entwicklung einer Verschmelzung von privaten und beruflichen Welten. Eine einfache Unterscheidungsperspektive könnte sein, ob das Netzwerk der sozialen Unterhaltung und Freundschaft dient oder ob es instrumentellen Beziehungen, vornehmlich für ein unternehmerisches Umfeld, verfolgt.

3 Unternehmensnetzwerke

Die Entstehung eines UN‘s können vielerlei Dinge sein. Becker sieht als einen der Entstehungsgründe die gegenwärtige Globalisierung der Märkte, getrieben durch den schnelllebigen technologischen Wandel und der Deregulierung der Finanzmarktstruktur.[10] Aus ökonomischer Sicht nennt Siebert als Entscheidungsvorlage den Innovationswettbewerb, Zeitwettbewerb, Qualitätswettbewerb als auch den Kosten- und Preiswettbewerb zu den wesentlichen Ursachen von UN.[11]

Eine Recherche sozialer UN führt schnell auf, welche große Differenziertheit weltweit vorliegt und welche terminologische Unschärfe in der Literatur besteht.

3.1 Gemeinsamkeiten der Unternehmensnetzwerke

Die Gemeinsamkeiten von UN weisen im Grundsatz identische Muster auf. Auf Basis dieser Übereinstimmung ist aber eine Differenzierung in unter-schiedliche und vielfältige Formationen möglich. Eine explizite Netzwerktheorie besteht in der Gegenwart nicht. Um dennoch die Gemeinsamkeiten eines UN‘s zu beschreiben wird die Definition aus Kapitel 2.2 aufgegriffen.

Eine Gemeinsamkeit definiert sich durch eine Kombination zwischen autonomen Akteuren und deren Beziehungen, um die Bezeichnung UN zu tragen. Dabei besitzen die Beziehungen drei zu nennende Merkmale. Das erste Merkmal umfasst die Koop. der Partner miteinander. Das zweite Merkmal beschreibt die Dauerhaftigkeit der Kooperationsbeziehung und das letzte Merkmal der Beziehung gibt die gesellschaftliche Unabhängigkeit der agierenden Partner wieder.[12] Alle drei aufgeführten Beziehungsmerkmale sind als Grundsatz zu betrachten und zählen zu den Gemeinsamkeiten eines UN‘s.

Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Koop. mit dem Partner. Das Prinzip der Koop. bildet die vertrauliche Basis zwischen den Akteuren und wird häufig mit dem Prinzip der vertrauensvollen Zusammenarbeit verglichen. Aulinger sieht die Koop., neben der genannten Zusammenarbeit, als eine Art von Interaktion zwischen mehreren Akteuren, die ein gemeinsames Ziel verfolgen und dieses effizienter erreichen wollen. Bezieht man die Koop. nach der Deklaration von Aulinger in die Gemeinsamkeiten der UN mit ein nimmt diese eine tiefgreifende Rolle ein. Koop. kann sich dabei nur entwickeln und bestehen, wenn die Partnerschaften ihre eigenen Ziele verfolgen und eine Harmonie innerhalb dieser Beziehung existiert. Von einer effizienten Kooperationsstrategie, auch als Multi-Ziel-Strategien bezeichnet, darf gesprochen werden, wenn die individuelle Zielerreichung eines Akteures durch den Partner mitgetragen und nicht behindert werden und mindestens zwei individuelle Ziele von mindestens zwei Partnern erfüllt worden sind. Dieser Zielwert richtet sich je nach Anzahl der Partner und der einzelnen Individualziele im Netzwerk.[13]

3.2 Unterscheidung von Unternehmensnetzwerken

Eine Unterscheidung der UN ist hinsichtlich zahlreicher Kriterien trivial. In der Literatur ist eine verständliche Distinktion von Netzwerktypologien durch Sydow, Duschiek, Möllering und Rometsch zu entnehmen. Die Unterscheidung erfolgt dabei in drei Basiskategorien (prozess-, inhalts- und funktionsbezogen).[14]

Die zentrale Fragestellung bei der prozessbezogenen Netzwerktypologie ist das „Wie“ und umfasst bspw. die Entstehung, Steuerung und die Koordination von einem Netzwerk. Die inhaltsbezogene Typologie fokussiert die Aufgabenstellung mit dem „Was“. Die dritte Netzwerktypisierung ist die funktionsbezogene Typologie und beschreibt die Wirkungsweise bzw. das „Wozu“. Duschek und Rometsch empfinden die drei voneinander unabhängigen Netzwerktypologien für ausgesprochen geeignet und ermöglichen eine Klassifizierung in explorative-exploitative, hierarchische-heterarchische und stabile-dynamische Netzwerke.

Das explorative-exploitative Netzwerk sieht in erster Linie die Funktionalität und orientiert sich nach dem Zweck und der Wirkung eines Netzwerkes. Innerhalb dieses Netzwerkes liegen zwei generelle Ausschöpfungsoptionen vor. Zum einen die Fähigkeit vorhandenes Wissen (exploitative Knowledge) anzuwenden und zum anderen die Gewinnung neuen Wissens (Exploration). Die Exploration umfasst hierbei die Erschließung komplett neuer Kompetenzen durch Forschung und Experimente von Alternativen. Bspw. kann durch Erschließung neuer Geschäftswege oder durch eine innovative Technologieerfindung neue Kompetenz hinzugewonnen werden. Die Schwierigkeit bei explorativen Netzwerken ist häufig die starke Unsicherheit und entzerrte Zeithorizonte. Wohingegen ein exploitative Netzwerk sich auf die Optimierung bekannter Stärken konzentriert und somit den Faktor der Unsicherheiten minimal halten kann.[15]

Netzwerke mit hierarchische-heterarchische Typologie werden als besonders stark prozessbezogenen beschrieben. In diesem Zusammenhang ist die Steuerungsform des Netzwerkes vordergründig. Die Hierarchie in Netzwerken schildert grundlegend die Struktur und bildet eine pyramidale Charakterisierung. Eine solche Typologie markiert eine dominierende Einheit im Zentrum. Als Gegenansatz zur hierarchischen-pyramidalen Netzwerkstruktur steht das Organisationskonzept der Heterarchie. Wichtigste Merkmale der Heterarchie sind die nicht festgesetzten Über- und Unterordnungsbeziehungen. Es handelt sich vielmehr um eine in der Dauer es Netzwerkes wandelnde Konsistenz. Das nicht vorhandene dominierende Zentrum, die offenen Verantwortungs- und Kompetenzbereiche sowie die Einbeziehung der Interaktions- und Umweltsituation kennzeichnet eine Heterarchie.[16]

Die dritte Art bildet die stabile-dynamische Netzwerktypologie und bezieht sich auf die Stabilität einer Beziehung. Dabei wird ein stabiles Netzwerk durch so genannte Core-Firms definiert. Core-Firm beschreibt die Verlagerung der Wertschöpfungsstärke des Hauptakteurs innerhalb seines Netzwerkes auf dessen vor- bzw. nachpriorisierten Wertschöpfungsebenen.[17] Wohingegen Netzwerke mit dynamischer Typologie stark verändernde Beziehungen durch die Hauptakteuere aufweisen. Die Beziehungscharakterisierung ist dabei stark wechselnd und durch einen begrenzten Zeithorizont gekennzeichnet. Unternehmen bildet dynamische Netzwerke, um eine Beziehungsbündelung zur Kompetenzsteigerung zwischen sich und unterschiedlichen Firmen zu erzielen.[18]

3.3 Unternehmensnetzwerke in Deutschland und Russland

Aufgrund der dynamischen Entwicklung in Russland und die aufschwingende Anzahl netzwerkorientierter Koop deutscher sowie russischer Unternehmen ermöglicht eine wissenschaftliche Analyse beider Märkte wie auch eine kulturelle und länderspezifische Abgrenzung.

3.3.1 Besonderheiten des deutschen Marktes

Deutsche Unternehmen sehen ihr Geschäftsfeld gegenwärtig mit der wachsenden Globalisierung und der Internationalisierung konfrontiert. Die guten Wettbewerbsvorteile deutscher Unternehmen stehen dennoch dem inländischen, gesättigten Markt gegenüber. Enormer Preiswettbewerb bei Produkten und Dienstleistungen zeichnet eine nachhaltig schwierige Situation für die Präsenz und den Absatz ab. Eine Konsequenz des Preisdumpings ist die Verlagerung von Geschäftsprozessen in Niedriglohnländer. Ferner zwingt der inländische Rohstoffmangel deutsche Unternehmen Importe aus rohstoffreichen Region der Welt einzuführen. All diese Gründe bieten als Folge dessen Chancen auf ein deutsch-russisches Netzwerk.[19]

Die empirische Untersuchung von Glückler et al. ergründet dabei unteranderem die geographische Struktur in Deutschland. Aus geographischer Perspektive agieren jeweils weit über 30% in einer regionalen und bundesweiten Organisation. Die dabei erfassten UN variieren sehr stark in ihrer Größe. Jedoch besteht jedes zweite Netzwerk aus mindestens 20 Akteuren. Eine zeitliche Untersuchung der Netzwerke ergab, dass weit über 90 % der UN eine unbefristete und projektunabhängige Zusammenarbeit anstreben. Ein weiteres Merkmal der Analyse zeigt die Ausrichtung der Netzwerke. In der Betrachtung ist zu berücksichtigen, dass die Netzwerke nicht aus isolierten Akteuren bestehen, die keinen Zusammenhang zu ihrer Umwelt aufweisen. Der Kooperationsgrad deutscher UN mit anderen Unternehmen liegt bei ca. 55%. Knapp 11% der Unternehmen gaben an, dass durch die eigene Netzwerkstruktur weitere Netzwerke entwickelt werden konnten.[20] Die Tabellen 1-3 im Anhang veranschaulichen eine detaillierte Sicht. Ebenfalls geht hervor, dass UN im Grunde alle rechtkräftigen Geschäftsformen einnehmen können. Von den bekannten Geschäftsformen existieren die klassische GmbH (& Co KG), Vereine und Genossenschaften.[21] Eine detaillierte tabellarische Übersicht der Untersuchung finden Sie im Anhang Tabelle 4. Die Informations- und Kommunikationstechnologien der Unternehmen innerhalb eines Netzwerkes können ebenfalls differenzieren und wurden in der Befragung berücksichtigt. Dabei wird ersichtlich, das die klassischen Kommunikationsmittel wie Telefon, Fax und E-Mail dominieren. Neuartige Technologien wie Video- oder Internetkonferenzen werden derzeitig vergleichsweise selten verwenden. Neben der Nutzung der genannten Medien wird der persönliche Austausch zwischen den Netzwerkteilnehmern ebenfalls als stark relevant eingestuft. Die Kommunikation findet aber auch auf entsprechenden speziellen Kooperationsplattformen statt, die eigens für die Kommunikations- und Steuerungsprozesse zwischen den kooperierenden UN implementiert worden sind. Beispiele für derartige Kooperationsplattformen sind Lotus Notes oder ProjectPlace.[22] Im Anhang Tabelle 5 und 6 ist eine differenzierte Gesamtschau zu finden.

3.3.2 Besonderheiten des russischen Marktes

Russland charakterisiert sich als ein Land mit vielen Gegensätzen, als das allgemeingültige Aussagen weitreichend zutreffen könnten. Dabei suggeriert das Land tendenziell eines der attraktivsten Absatzmärkte der Welt mit 143,5 Mio. Menschen und seinem Reichtum durch Rohstoff- und Energievorräten. Dieses Potenzial scheint – historisch, kulturell und politisch - für ausländische Unternehmen mit großen Schwierigkeiten verbunden zu sein. Die Schwierigkeiten sind auch territorialer und regionaler Natur. Moskau und Sankt Petersburg präsentieren sich äußerst ungleich gegenüber weiten Teilen Russlands. Moskau wirkt aufgrund seiner großen Kaufkraft und einer sehr guten wirtschaftlichen Infrastruktur besonders interessant für ein deutsch-russisches UN. Dennoch kann Moskau nicht als allgemeingültiger Indikator angewendet werden. „Wer Moskau kennt, kennt nicht Russland“.[23] Die immensen Differenzen wirtschaftlicher Entwicklung als auch die gravierenden Unterschiede in der Mentalität der Bevölkerung in russischen Provinzen zeigen die großen Schwierigkeiten deutsch-russischer UN auf. Die bisher gesammelten kooperativen Erfahrungen ausländischer Partner sind in Moskau vielzählig und positiv, unterstreichen aber nur eine urbane Aussagekraft. Diese außerordentlichen Schwankungen können nur durch eine arbeitsteilige, auf regionale Unterschiede eingehende, Realisierung der Tätigkeiten abgefangen werden und verhelfen der Koop. zur Erschließung personeller Ressourcen und zu einem enormen Vertrauensgewinn.[24] Im besonderen Maße ist nicht nur die Kenntnis über die russische Sprache vorausgesetzt, sondern auch die lokale Geschäftsmentalität.[25] Mögliche kooperative UN müssen daher diese Schwierigkeiten und regionalen Unterschiede klassifizieren und bewusst berücksichtigen.

3.3.3 Nationale kulturelle Unterschiede der beteiligten Länder

Eine erfolgreiche Zusammenarbeit internationaler UN erfordert natürlich durch die starke Liberalisierung des Welthandels neben einem gewissen Partner-Fit auch ein internationales Verständnis kultureller Unterschiede.[26] Hierbei ist zu erwähnen, dass bei einer Analyse der Landeskulturen, Landesgrenzen nicht mit kulturellen Grenzen gleichzusetzen sind und umgekehrt. Aus historischer Sicht vereinen z.B. Russland, die Ukraine und Weißrussland die slawische Kultur. Kulturellen Besonderheiten werden zunehmend eine wichtigere Rolle zugeordnet und haben demzufolge hohen Einfluss auf die mögliche Koop. Je größer sich dabei der Unterschied zwischen deutschen und russischen Unternehmen darstellt, desto größer erscheint das Risiko die Stabilität eines UN’s zu gefährden. Unterschiede liegen überwiegend in den unternehmerischen Werten und Normen, in ihrer Priorisierung sowie divergenten Verhaltens- und Handlungsweisen.[27] Die wohl größte Kooperationsschwierigkeit liegt in der kulturell unterschiedlichen Auslegung im Hinblick auf das Management der Partnerakteure, ihres Verhaltens und ihrer Mentalität. Einflussfaktoren wie die deutsche Pünktlichkeit stehen der russischen Irrationalität gegenüber. Um das deutsche und russische Management auf seine kulturellen Besonderheiten untersuchen zu können wird Bezug zu den Kriterien aus der Untersuchung von Hofstede und den Studien von Weibel, Rothlauf und Stüdlein genommen. Hofstede demonstriert dabei, das jede Gesellschaft seine eigenen Muster des Denkens, Fühlens und Handels von der Kindheit an erlernt und als ein Gesellschaftsmitglied anwendet. Diese „Software“-Merkmale definiert Hofstede in fünf nachfolgend aufgeführten Dimensionen, um kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten kooperierender Netzwerke vergleichbar darzustellen.[28]

Die Dimension der geringen bzw. großen Machdistanz beschreibt den gesellschaftlichen Aspekt der Ungleichheit ihrer Mitglieder. Die Ungleichheit bezieht sich dabei auf die physischen und intellektuellen Fähigkeiten. Eine Machtdifferenz ist dabei in jeder Gesellschaft anzutreffen und resultiert durch verschiedenste Machtpositionen. Die russische Historie verlangte immer eine starke Führungsmacht, ob als Zar oder Parteisekretär im Kreml. Bereits in der Kindheit strebt jeder Russe nach einer „Nachalnik“-Rolle. Der Chefrolle. Dabei ist innerhalb eines deutsch-russischen UN’s ein solches Machtvakuum durch Kompromisse und Verständnis für die kulturelle Landeseigenschaft zur Wahrung der Kooperationsstabilität zu vermeiden.

Eine weitere Dimension definiert die gesellschaftlichen Beziehungen zwischen den Mitgliedern. In diesem Zusammenhang steht sich der Individualismus und Kollektivismus gegenüber. Hofstede erläutern die individualistische Gesellschaft mit zwangslosen Beziehungen. Das „Ich“-Prinzip dominiert dabei. Deutschland hat bspw. einen sehr stark prägnanten Individualismus. Die deutsche Gesellschaft grenzt sich daher durch individualistische Aspekte wie persönliche Zeit, Freizeit oder persönliche Herausforderungen ab.[29]

Als Extreme steht Russland mit dem traditionellen kollektivistischen Gedanken der Gesellschaft gegenüber.

Die Dimension Maskulinität vs. Femininität gibt Hofstede als Grad der Bedeutung, gewisse Werte wie Ehrgeiz, Leistung und Selbstbehauptung bzw. Bescheidenheit, Feingefühligkeit und Lebensqualität wieder.[30] Dabei sind die Begriffe als relativ und nicht absolut zu begreifen. Ein Mann kann die eher femininen Eigenschaften und eine Frau die maskulinen Eigenschaften aufweisen. Als maskuline Eigenschaft werden Aspekte wie das Einkommen, Anerkennung oder Beförderungen in Job usw. angesehen. Feminine Eigenschaften sind hingegen persönliche Beziehungen, Sicherheiten oder freundliche Umgebungen[31]. Russland besitzt durch sehr dominierende weibliche Merkmale wie Emotionalität und Gastfreundschaft, Sympathie mit den Schwachen oder das intensive Verlangen persönlicher Beziehungen eine insgesamt feminine Gesellschaft.[32] Das materialistisch ausgeprägte Deutschland ist demgegenüber eine sehr maskuline Gesellschaft. Als Leistungsgesellschaft zählen vor allem Eigenschaften wie Sympathien für die Starken, gesellschaftliche Rollenzuweisung oder ein hoher Stellenwert der Karriere.[33]

Die Unsicherheitsvermeidung von Hofstede bildet die vierte Dimension und erläutert den gesellschaftlichen Grad, ab wann sich ein Mitglied der Gesellschaft durch eine ungewisse oder unbekannte Situation bedroht fühlt. Je stärker eine solche Angst die Gesellschaft formt, desto größer ist das Verlangen nach Vorhersehbarkeit und Regelungen. Im Vergleich zu Deutschland besitzt Russland ein stärkeres Verlangen nach Sicherheiten, was vordergründig etwas mit dem alten System und der Planwirtschaft zu tun hat.[34] Vor diesem Hintergrund behindert das hohe Ausmaß der Unsicherheitsvermeidung zwischen den Akteuren eines UN‘s.

Die letzte Dimension von Hofstede untersucht die Wertvorstellungen einer Gesellschaft. Langfristige Werte, die auf die Zukunft ausgerichtet sind, sind bspw. Fleiß, Zielverfolgung oder Sparsamkeit. Orientiert sich eine Gesellschaftlich also nach langfristigen Zeitorientierungen spricht Hofstede in seiner Untersuchung von „konfuzianischen Dynamik“. Trotz der weit verbreiteten Meinung der Sparsamkeit sind die Deutschen nach Hofstede ein eher kurzfristig orientiertes Volk. Hohe Investitionen, Dominanz der eigenen Ziele oder kurzfristige Erfolge deuten auf eine Kurzzeitorientierung. Dabei deckt sich die kurzfristige Orientierung der Deutschen mit den der russischen Geschäftsleute. Russische Unternehmen werden an schnellen Gewinnen gemessen und die Sparsamkeit ist nicht extrem ausgeprägt.[35] Die Abbildung 1-2 im Anhang stellt noch mal die sozio-kulturelle Einordnung nach Hofstede dar.

4 Chancen und Problemfelder in der Vernetzung

4.1 Chancen in Unternehmensnetzwerken

Kooperationen zwischen Unternehmen entstehen aus dem Zweck heraus einen Mehrwert zu erzielen, als sie investiert haben. Im optimalen Fall resultiert für alle Netzwerkparteien eine „Win-win-Situation“ und alle erwirtschaften ihren gewünschten Nutzen. Um die einzelnen Zielvorstellungen der Netzwerkakteure zu erreichen definiert die Erhaltung und Weiterentwicklung des Netzwerkes das gemeinsame Oberziel zur Strebung einer Gewinnmaximierung.[36] Die Chancen innerhalb eines UN‘s zur Gewinnmaximierung weisen unterschiedliche Bedeutungen und Eigenschaften auf und generieren je nach Gewichtung ein anderes Nutzerpotenzial. Im Folgenden sollen drei wesentliche Chancen näher betrachtet werden.

Eines der relevantesten Chancen ist das Kostensenkungspotenzial. Eine Möglichkeit dieses Potenzial auszuschöpfen bietet die Erfahrungskurve. Dabei konzentrieren sich die Akteure im Netzwerk auf ihre Kernkompetenzen, um eine höhere produzierte Menge bspw. an mehrere Netzwerkmitglieder zu liefern, um schlussendlich die variablen Kosten zu senken.[37] Die Kostensenkung kann ferner auch auf die Transaktionskosten übertragen werden. Durch Erhöhung der Interaktionen, die eine Stärkung des Lernbewusstseins und Vertrauens realisiert, ist eine Senkung der Transaktionskosten möglich. Innerhalb des Netzwerkverbundes bedeutet dieser Effekt eine Reduktion von Reibungseffekten an den Schnittstellen, da definierte Interaktionen regelmäßig wiederholt werden.[38] Die Steigerung des Vertrauens ist ebenfalls ein wichtiger Faktor zur möglichen Senkung der Opportunitätskosten, die durch einen Vertrauensmissbrauch entstehen können.[39]

Neben der Kostensenkung gilt die Steigerung der Flexibilisierung von Unternehmen als eine große Möglichkeit. Bedingt durch die starke aufgabenbezogene Konfiguration in einem UN kommen bspw. Informations- und Kommunikationstechniken zu Ihrer Potenzialausschöpfung. Meffert versteht unter der Flexibilität innerhalb eines Netzwerkes „alle zukunftsgerichteten Überlegungen der langfristigen Schaffung und Sicherung von Handlungsspielräumen zur Begegnung von Risiken und Wahrnehmungen von Chancen“.[40]

Gerade aus Sicht der deutschen Unternehmen ist der Unternehmenserfolg auf die Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen zurückzuführen. Besonders die im Verbund genutzten Verfahrens- und Produktionsmittel sowie die Arbeitsteilung können eine Dimension zur immer wichtiger werdenden Qualität sein. Die Sollsituation zur Chancennutzung sollte idealerweise positive als auch negative Erfahrungen sowie spezifisches Wissen der Partner zusammenführen und eine gesteigertes qualitativeres Niveau erreichen.[41] Eine weiterführende tabellarische Auflistung der Chancen bei einer Netzwerkbildung sind im Anhang der Tabelle 7 zu entnehmen.

[...]


[1] Vgl. Weber (2007), S.1

[2] Vgl. Glückler et al. (2012), S.1

[3] Vgl. Weber (2007), S.1

[4] Röhrle (1994), S.1

[5] Vgl. Nollert (2010), S.4

[6] Vgl. Bächle (2006), S.6

[7] Schmid (2010), S.60

[8] Vgl. Rief (2008), S.21f

[9] Weyer (2000), S.237

[10] Vgl. Becker (1999), S.84

[11] Vgl. Siebert (2003), S.16

[12] Vgl. Aulinger (2008), S.16ff

[13] Vgl. Aulinger (2008), S.18f

[14] Vgl. Sydow et al. (2003), S.54ff

[15] Vgl. Duschek et al. (2005), S.127f

[16] Vgl. Probst (1993), S.498

[17] Vgl. Sydow et al. (2003), S.87

[18] Vgl. Duschek et al. (2005), S.130

[19] Vgl. Balderjahn et al. (1999), S.33

[20] Vgl. Glückler et al. (2012), S.27ff

[21] Vgl. Glückler et al. (2012), S.29f

[22] Vgl. Glückler et al. (2012), S.30f

[23] Bayer (Konzept 1996), S.103

[24] Vgl. Kohler et al. (1998), S.187

[25] Vgl. Mayer (2000), S.432

[26] Vgl. Weibel (2001), S.57

[27] Vgl. Hernbrand (2000), S.19

[28] Vgl. Hofstede (1997), S.17f

[29] Vgl. Hofstede (1997), S.67

[30] Vgl. Stüdlein (1997), S.193

[31] Vgl. Hofstede (1997), S.111f

[32] Vgl. Weibel (2001), S.66; Rothlauf (1999), S.352

[33] Vgl. Stüdlein (1997), S.66; Rothlauf (1999), S.24

[34] Vgl. Weibel (2001), S.65

[35] Vgl. Weibel (2001), S.67

[36] Vgl. Merkle (1999), S.64

[37] Vgl. Tiberius et al. (2004), S79f

[38] Vgl. Becker (1999), S.180f

[39] Vgl. Wohlgemuth (2002), S.58f

[40] Meffert (1985), S.122

[41] Vgl. Hansemann et al. (2005), S.221

Details

Seiten
24
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668009080
ISBN (Buch)
9783668009097
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v302572
Institution / Hochschule
Technische Akademie Wuppertal e.V.
Note
1,7
Schlagworte
Unternehmen Kooperation Deutschland Russland soziale Netzwerke Netzwerke Netzwerkbildung Vernetzung Gemeinsamkeiten Unternehmensnetzwerke Besonderheiten Sydow Duschiek Möllering Glückler Hofstede

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