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Multiprojektmanagement am Beispiel von Logistik und IT

Eine Einführung

Wissenschaftliche Studie 2015 21 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Initiierung

3. Planung
3.1 Portfolio Ansatz

4. Umsetzung
4.1 Qualitätssicherung durch Testen mit V-Modell
4.2 Problemfall erhöhter Support

Literatur (inklusive weiterführender Literatur):

1. Einleitung

Die DIN-Norm 69901-5:2009-01 beschreibt Multiprojektmanagement als einen organisatorischen und prozessualen Rahmen für die Organisation mehrerer einzelner Projekte. Im Multiprojektmanagement werden die einzelnen Projekte in Portfolios gebündelt. Während das Management von zeitlich befristeten Projekten Planung und Steuerung zur Aufgabe hat, gestaltet sich das Multiprojektmanagement wesentlich komplexer, da Auswahl, Planung, Steuerung und Überwachung der gesamten Projektlandschaft eines Unternehmens permanent unter der Berücksichtigung aller Einzelvorhaben durchgeführt werden müssen.

Für das Projektmanagement von Informationssystemen verfügt die logistische Praxis über umfangreiche Methoden, Werkzeuge und Erfahrungswissen. Darüber hinaus gibt es zu diesem Thema eine Reihe an sehr guten Büchern und Standard Trainings. Dagegen steht das Multiprojektmanagement in der Praxis und Wissenschaft kaum im Fokus. Dieser Umstand erstaunt, da neue Vorhaben heutzutage kaum „auf der grünen Wiese“ stattfinden, sondern ganz im Gegenteil: Unabhängig von der Unternehmensgröße des Logistikers konkurriert jedes neue Projekt mit den bereits laufenden Vorhaben, um Ressourcen, Budget und Aufmerksamkeit. Da jeder Projektmanager aber nur an seinem Erfolg gemessen wird, entsteht eine Art Silodenken, das keinesfalls das Gesamtwohl des Unternehmens im Blick im Fokus haben muss, sondern lediglich partikular ist. Der nachfolgende Artikel nimmt diesen Umstand als Motivation, das Multiprojektmanagement näher zu betrachten.

Ausgangslage ist die typischerweise weit verzweigte Informationssysteme-Architektur, die sich in Unternehmen findet. Natürlich lassen sich nachfolgende Problembeschreibungen und Lösungsvorschläge abstrakt betrachten und auch auf andere Unternehmensbereiche übertragen, da es wohl kaum einen Bereich gibt, der ohne Projektarbeit, die zur Weiterentwicklung führt, auskommt.

Das Architekturbild ist stark vereinfacht und idealisiert. In der Praxis sind „gewachsene“ Architekturen Standard, die im Englischen als „legacy“ d.h. als Erbe oder eben weniger positiv als Altlast bezeichnet werden. Statt auf einem Server fußen die operativen Systeme auf einem über die Welt verteilten Serverpark. Das muss schon deshalb so sein, um bei technischen Ausfällen flexibel reagieren zu können. Die aufgelisteten Systeme sind selten nur einmal vorhanden, sondern meist in mehrfacher, untereinander nicht integrierter Anzahl, obwohl sie fachlich den gleichen Anwendungszweck haben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Typische IT-Architektur in der Logistik (Eigene Darstellung)

Das Multiprojektmanagement hat in den letzten Jahren aus verschiedenen Gründen an Bedeutung gewonnen:

- In einem unstrukturierten Sammelsurium an Projekten summieren sich die Einzelrisiken zu einem unüberschaubaren Gesamtrisiko. Hier gilt es Transparenz für die Unternehmensleitung zu schaffen.
- Ein gewisser Anteil an Projekten hat gesetzliche Gründe (z.B. auf den Gebieten Gefahrgut, Verzollung, EU) und muss daher in die Gesamtplanung berücksichtigt werden, ggf. sogar wichtigen Kundenprojekten vorgezogen werden, obwohl kein direkter Nutzen entsteht.
- Insbesondere durch Unternehmenszusammenschlüsse (Mergers&Acquisitions) werden Einheiten mit ähnlichen oder sogar widersprüchlichen Projekten zusammengelegt. Ziel muss es sein, dieses Sammelsurium zu ordnen und gegebenenfalls überflüssige Projekte zu stoppen.
- Die sich immer stärker vernetzende Unternehmenslandschaft, in der Projektteams oft parallel auf die gleichen personellen Ressourcen und Informationstechnologie zugreifen und deshalb untereinander abgestimmt werden müssen.
- Die weltweite Verteilung von Standorten, die für die Logistik Branche spezifisch ist, führt dazu, dass Projektleiter in den Regionen nicht oder nur mit sehr hohem Rechercheaufwand wissen können, was projekttechnisch in den anderen Einheiten vorgeht. Hier muss die Kommunikation zwischen den einzelnen Standorten und der Unternehmensführung unterstützt werden.
- Die Projektleiter können bei steigender Anzahl an Vorhaben nur noch schwer ermitteln, was ein Scheitern ihres Projekts für das Unternehmen bedeutet, da sie die negativen Seiteneffekte nicht kennen.

Es wird eine klare Vergabe von Prioritäten an die Projektleiter benötigt und es ist nicht zu erkennen, wie sich ihr Vorhaben in das bestehende Portfolio eingliedert.

Der gewachsenen Bedeutung stehen eine große Zahl an Interessenten (Stakeholder) gegenüber, die ihre individuellen Interessen verfolgen, die nicht deckungsgleich sein müssen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2: Stakeholder des Multiprojektmanagements (Eigene Darstellung)

Im Mittelpunkt steht der Multiprojektmanager, der zwischen den teilweise widersprüchlichen Interessenlagen vermitteln muss. Beispielsweise ist es nur verständlich, dass der Projektleiter – der am Erfolg seines Projekts gemessen wird und nicht am Gesamterfolg aller Projekte – möglichst viel Freiraum bei der Erfüllung seiner Arbeit haben möchte. Das Verfassen von regelmäßigen Statusberichten für den Multiprojektmanager kann er als administrativen Zusatzaufwand empfinden. Der Multiprojektmanager steht also vor der Herausforderung, alle benötigten Informationen einzufordern, ohne unnötigen Formalismus zu erzeugen. Potentielles Konfliktpotential zwischen Multiprojektmanager und Linienmanager besteht auch darin, dass die Fachabteilung permanent personelle Ressourcen für die Projekte stellen muss, da es im Normalfall in Unternehmen keinen eigenen Mitarbeiterpool gibt, der alle laufenden Projekte abdecken könnte. Die Anzahl der Stakeholder ist hoch und dadurch somit ebenfalls die Anzahl der Zielkonflikte. Letztendlich ist der Multiprojektmanager auf den Rückhalt durch die Geschäftsleitung angewiesen, ohne die er nicht bestehen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.3: Phasen des Multiprojektmanagements (Eigene Darstellung)

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Details

Seiten
21
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668009851
ISBN (Buch)
9783668009868
Dateigröße
978 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v302502
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin – Lehrstuhl für Informationssysteme
Note
1,7
Schlagworte
Multiprojektmanagement Logistik Informationstechnologie

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Titel: Multiprojektmanagement am Beispiel von Logistik und IT