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Entwicklung des Cloud Computings in deutschschweizer KMUs

Bachelorarbeit 2015 153 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abstract

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einführung ins Thema
1.2 Problemstellung
1.3 Fragestellung
1.4 Ziel der Untersuchung
1.5 Aufbau der Arbeit
1.5.1 Abgrenzung und Kriterien
1.5.2 Wissenschaftliche Vorgehensweise

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definition von Cloud Computing
2.2 Definition von Schweizer KMUs
2.3 Cloud Computing als Hype?
2.4 Die Cloud Computing Akteure
2.4.1 Cloud Computing Anbieter
2.4.2 Cloud Computing Nutzer
2.4.3 Der Cloud Enabler
2.4.4 Der Cloud Service Einkäufer
2.4.5 Der Cloud Service Broker
2.4.6 Der Aggregierer / Value Added Reseller
2.5 Entwicklung von Cloud Computing
2.6 Wechsel zum digitalen Zeitalter
2.7 Grundlegende Ziele
2.7.1 Paradigmenwechsel durch Cloud Computing
2.7.2 Abgrenzung zum klassischen IT-Outsourcing
2.7.3 Erhöhung der Standardisierung
2.7.4 Verbesserung der Verfügbarkeit
2.7.5 Optimierung der Flexibilität
2.7.6 Kostenreduktion durch Cloud Computing
2.8 Cloud Servicemodelle
2.8.1 Private Cloud
2.8.2 Public Cloud
2.8.3 Hybrid Cloud
2.8.4 Community Cloud
2.9 Klassifikation von Cloud Services
2.9.1 Infrastructure as a Service (IaaS)
2.9.2 Platform as a Service (PaaS)
2.9.3 Software as a Service (SaaS)
2.9.4 Everything as a Service (XaaS)
2.10 Entscheidungsfindung für KMU
2.10.1 Make or Buy Entscheid
2.10.2 Vorteile und Chancen
2.10.3 Nachteile und Risiken
2.11 Cloud Computing Studien
2.11.1 Internationale Studien
2.11.2 Schweizer Studien
2.11.3 MSM Research
2.12 Arbeitsmodell
2.13 Überleitung und Zusammenfassung

3 Methodenteil
3.1 Eingrenzung der Zielgruppe
3.2 Datenerhebungsmethode
3.3 Standardisierter Fragenkatalog
3.4 Aufbau des Fragenkatalogs
3.5 Durchführung der Umfrage
3.6 Genauigkeit der Umfrage
3.7 Erwartete Resultate

4 Auswertungsteil
4.1 Datenanalyse
4.2 Persönliche Unternehmensinformationen
4.3 Cloud Nutzung
4.4 Cloud Chancen und Risiken

5 Diskussion
5.1 Beantwortung der Forschungsfrage
5.2 Stärken und Limitationen
5.3 Bedeutung der Forschungsergebnisse für die Praxis
5.4 Ausblick
5.5 Konklusion

Quellenverzeichnis

Anhang
A. The NIST Definition of Cloud Computing
B. Entscheidungskriterien Cloud Outsourcing
C. Chancen und Risiken IaaS, PaaS, SaaS
C.1 Infrastructure as a Service
C.2 Platfrom as a Service
C.3 Software as a Service
D. Online Fragenkatalog
D.1 Leerer Fragenkatalog
D.2 Umfrageergebnisse

Vorwort

Mit grossem Stolz schaue ich auf meine Bachelorthesis zurück, da diese zugleich das Ende meines lehrreichen Studiums darstellt. In den vergangen Monaten habe ich mich intensiv mit der Thematik Cloud Computing auseinandergesetzt. Ich bin überzeugt, dass Cloud Computing die Informatik bereits verändert hat und noch weiter verändern wird. Die Zukunft wird zeigen, wie sich das Cloud Computing weiterentwickelt.

Von der hohen Rücklaufquote der Umfrage wurde ich positiv überrascht, deshalb möchte ich mich hiermit nochmals bei allen beteiligten Unternehmen bedanken, die mich in dieser Umfrage unterstützt haben.

Ein besonderer Dank geht auch an meine Familie und Freunde, die mich während meines berufsbegleitenden Studiums unterstützt haben. Zuletzt möchte ich mich noch bei Prof. Dr. Christian Speck bedanken, welcher mich von Anfang an bei meiner Bachelorthesis unterstützt hat.

Nun wünsche ich eine spannende und aufschlussreiche Lektüre.

Zürich, im April 2015

Sandro Eggenberger

Abstract

Das Cloud Computing hat sich in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Laut MSM Research (2014) stiegen im Jahr 2014 die Ausgaben im Cloud Computing Bereich in der Schweiz um weit über 40% auf CHF 780.1 Millionen an. In dieser Bachelorthesis sollen die Chancen und Risiken für die Deutschschweizer KMUs beim Wechsel auf Cloud Computing eruiert werden.

Mit Hilfe der Literatur wurden die Unterschiede der vier Cloud Modelle: Private-, Hybrid-, Public- und Community Cloud aufgezeigt. Diese können mit den entsprechenden Cloud Services wie Infrastructure as a Service, Platform as a Service und Software as a Service in Verbindung gebracht werden. Die Literatur sieht die Chancen bezüglich Cloud Computing im Time-to-Market, das heisst in der schnellen Verfügbarkeit und im Wegfall anfänglich hoher Investitionskosten. Zu den Risiken zählt der Vendor Lock-in Effekt, dies bedeutet, die Abhängigkeit zum Anbieter ist derart gross, dass ein Wechsel nur schwierig oder unmöglich wird. Ein weiteres nicht unbedeutendes Risiko stellt die unbekannte Datenhaltung und deren Bearbeitung dar.

Anhand der erarbeiteten theoretischen Grundlagen konnte eine quantitative Umfrage erstellt werden, welche von 153 Deutschschweizer KMUs vollständig ausgefüllt wurde. Die drei als wichtigste eingestuften Chancen waren die höhere Flexibilität, die Entlastung der internen IT, sowie die einfacher budgetierbaren IT-Kosten. Was die Risiken beim Cloud Computing betrifft, äusserten sich die befragten Unternehmen überwiegend kritisch zum unbekannten Speicherort der Daten, zur hohen Abhängigkeit an die Internetanbindung und zu einem möglichen Kontrollverlust über die Datenbearbeitung. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen spricht sich klar für eine Datenhaltung in der Schweiz aus. Rund ein Drittel der befragten Unternehmen können sich eine Mischform bezüglich der Datenhaltung vorstellen. Für 15% der Unternehmen ist auch eine Auslagerung der Daten ins Ausland denkbar.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen einerseits den Unternehmen helfen, Chancen und Risiken bei einem Wechsel auf Cloud Computing zu erkennen, andererseits soll aber auch eine individuelle Prüfung des Angebots ermöglicht werden. In den nächsten Jahren wird sich zeigen, in welche Richtung sich Cloud Computing entwickeln und welche Rolle den Cloud Service Brokern als neue Akteure in diesem Bereich zukommen wird.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 – Aufbau und Ablauf der Bachelorthesis (Eigene Darstellung)

Abbildung 2 – Die Entstehung von Cloud Computing (Darstellung entnommen aus Nix, 2013, S. 30)

Abbildung 3 – Unterscheidungsmerkmale Grid und Cloud Computing (Darstellung entnommen aus Repschläger, Pannicke & Zarnekow, 2010, S. 67)

Abbildung 4 – Überblick des Cloud Computing (Darstellung entnommen Brenner & Hess, 2014, S. 181)

Abbildung 5 – Elastizität und pay per use von verschiedenen Cloud Typen (Darstellung entnommen aus Fehling et al., 2014, S. 61)

Abbildung 6 – Private Cloud, Outsourced Private Cloud und Virtual Private Cloud (Darstellung entnommen aus Fehling et al., 2014, S. 67)

Abbildung 7 – Hybrid Cloud aus Cloud Sicht (Darstellung entnommen aus Fehling et al., 2014, S. 72)

Abbildung 8 – Eine Community Cloud ist ein Mischform zwischen Privat und Public Cloud (Darstellung entnommen aus Waschke, 2012, S. 52.)

Abbildung 9 – Community Cloud, Outsourced Community Cloud und virtuelle Community Cloud (Darstellung entnommen aus Fehling et al., 2014, S. 72)

Abbildung 10 – Cloud Servicemodelle (Darstellung entnommen aus Harms & Yamartino, 2010, S.11)

Abbildung 11 – Exemplarische SWOT-Darstellung zur Entwicklung einer Cloud-Strategie (Eigene Darstellung in Anlehnung an Vossen et al., 2012, S. 41)

Abbildung 12 – Innovationstreiber‚ Cloud Computing (Darstellung entnommen aus Lemke & Brenner, 2014, S. 43)

Abbildung 13 – Entscheidungskriterien für die Wahl eines Cloud Services Providers (Eigene Darstellung in Anlehnung an MSM Research, 2014, S. 57)

Abbildung 14 – Cloud Computing - KMU Forecast Schweizer Markt bis 2016 (Darstellung entnommen aus MSM Research, 2014, S. 63)

Abbildung 15 – Grobes Abbild des Fragenkatalogs (Eigene Darstellung)

Abbildung 16 – Position der Teilnehmer

Abbildung 17 – Ortschaften die an der Umfrage teilgenommen haben (Eigene Darstellung in Anlehnung an https://www.google.com/maps/d/, 2015)

Abbildung 18 – Beschäftige im Unternehmen

Abbildung 19 – IT-Mitarbeitende bei den Deutschschweizer KMUs

Abbildung 20 – Branche der Unternehmen

Abbildung 21 – IT-Kosten der Unternehmen

Abbildung 22 – Nutzen von Cloud Computing

Abbildung 23 – Cloud Computing Hype oder Realität

Abbildung 24 – Welche Cloud Modelle werden genutzt

Abbildung 25 – Welche Cloud Services werden genutzt

Abbildung 26 – Planung von Cloud Services

Abbildung 27 – Die wichtigsten Antriebsfaktoren / Chancen von Cloud Services

Abbildung 28 – Die drei wichtigsten Hemmfaktoren/Risiken von Cloud Services

Abbildung 29 – Entscheidungskriterien für einen Cloud Service Provider

Abbildung 30 – Datenhaltung in der Schweiz

Abbildung 31 – Grösste Herausforderung, wenn Ihr Unternehmen Cloud Computing einsetzen würde

Abbildung 32 – Kommunikation mit dem Cloud Service Provider

Abbildung 33 – Drei Cloud Services, die am ehesten genutzt werden

Abbildung 34 – Einflussfaktoren beim Wechsel auf Cloud Computing (Eigene Darstellung)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 – Unternehmensindikatoren (eigene Darstellung in Anlehnung an Schweizerische Eidgenossenschaft, 2008)

Tabelle 2 – Unternehmensindikatoren (Eigene Darstellung in Anlehnung an Schweizerische Eidgenossenschaft, 2008)

Tabelle 3 – Klassifikation von Standards im Cloud Computing (Darstellung entnommen aus Matros, 2012, S. 53)

Tabelle 4 – Kostenkomponenten von Cloud Computing Providern (Darstellung entnommen Matros, 2012, S. 81)

Tabelle 5 – Geschäftsmodellmatrix IaaS-Anbieter (Darstellung entnommen Hilber, 2014, S. 39)

Tabelle 6 – Geschäftsmodellmatrix PaaS/SaaS-Anbieter (Darstellung entnommen Hilber, 2014, S. 39)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Einführung ins Thema

Die Globalisierung in der heutigen Welt nimmt immer stärker zu. Dank laufend neuer Technologien sind viele Menschen immer stärker miteinander vernetzt. Gleichzeitig haben neue, technologische Innovationsschübe einen beträchtlichen Einfluss auf den weltweiten Markt und Wettbewerb (Plass, Rehmann, Zimmermann, Janssen & Wibbing, 2013, S. 18). Laut Westkämper, Spath, Constantinescu und Lentes ist durch die Beschleunigung des technischen Fortschritts, insbesondere in der Informations- und Kommunikationstechnologien eine neue, historische Dimension von Dynamik entstanden, die einen Einfluss auf globaler Ebene hat. Dieser Einfluss widerspiegelt sich in einer neu entstandenen wirtschaftlichen Situation, in der an den Markt immer stärker Trends adaptiert werden. Zudem erläutert Nix, dass die Zusammenarbeit weltweit über das Internet stark zugenommen hat und dadurch Cloud Computing-Dienste eine immer grössere Bedeutung erhalten. Neben der Steigerung der Übermittlungsgeschwindigkeit entsteht gleichzeitig eine Senkung der IT-Kosten (Information Technology) z.B. beim Internet und beim Netzwerk (vgl. Nix, 2013, S. 7; Westkämper, Spath, Constantinescu & Lentes, 2013, S. 23).

„Dem Cloud Computing wird heute zu Recht viel zugetraut“ (Hilber, 2014, S. IX). Diese Aussage von Hilber überrascht nicht, denn man kann zu Recht sagen, dass Cloud Computing die heutige IT-Landschaft radikal verändert. Von dieser Entwicklung sind Privatanwender sowie Unternehmen gleichermassen betroffen (Hilber, 2014, S. IX).

Früher war die IT-Landschaft alles andere als standardisiert, denn es gab unterschiedliche Software, die teils nur auf spezifischer Hardware funktionierte. Um die spezifischen Systeme zur Verfügung zu stellen, mussten hohe Investitionen getätigt werden. Ebenfalls war eine Konsolidierung der Systeme kaum möglich. Diese Standardisierung der IT-Landschaft ist heutzutage mit Hilfe von Cloud Computing möglich, denn einer der Vorteile des Cloud Computings ist, dass der Kauf von Hardware und Software entfällt, da alles im sogenannten „pay per use“-Modell verrechnet wird. Dies bedeutet das in einer monatlichen nutzerbasierten Abrechnung, nur das bezahlt wird was tatsächlich genutzt wird. Somit fallen die hohen Investitionskosten weg und es kann monatlich nach der Anzahl Benutzer abgerechnet werden. Zudem nutzen die Anwender nicht die firmeneigenen Systeme, sondern greifen auf Applikationen zu, die auf entfernten Systemen bereitgestellt werden. So wird auch die Verbindung von unterschiedlichen Cloud Services möglich (Matros, 2012, S. 2). Die steigenden Anforderungen der Unternehmen an die IT können dank Cloud Computing mit einem hohen Maximum an Flexibilität schneller erfüllt werden. Ein Wechsel in die Cloud Umgebung kann nicht nur Kostentransparenz hervorrufen, sondern auch einen Wettbewerbsvorteil für das jeweilige Unternehmen darstellen (Marti, 2014, S. 44).

„In Anbetracht, dass die Mehrheit der Schweizer KMU über kein eigenes IT-Personal verfügt, ist Cloud Computing eine sehr interessante Option“ (Marti, 2014, S. 44). Eine interessante Option, die trotz der oben genannten Vorteile viele Schweizer KMUs noch nicht nutzen. Denn viele Unternehmen und Organisationen betrachten Cloud Computing mit grosser Skepsis. Besonders im Bereich der Datensicherheit sind die Bedenken und Unsicherheiten sowie die Angst vor Datenverlust gross (Hofmann & Schumacher, 2014, S. 8).

1.2 Problemstellung

Die Thematik Cloud Computing wird derzeit in vielen Fachzeitschriften beleuchtet. Jedoch wird nur selten transparent aufgezeigt, ob Cloud Computing bereits Realität oder noch ein Hype ist. Es wird nur selten erläutert, wie viele KMUs bereits auf Cloud Computing umgestiegen sind oder welche Nutzen die KMUs darin sehen. Zudem wird auch nicht ersichtlich, welche Art von Clouds (Privat-, Public, Hybrid- oder Community Cloud) derzeit von KMUs genutzt werden. Die bereits vorhanden Studien schneiden diese Problematik an, die Studien zeigen jedoch nicht konkret auf, wie viele Unternehmen teilgenommen haben bzw. wie viele Unternehmen pro Frage auch entsprechend geantwortet haben.

Aufgrund dieser Forschungslücke hat sich die nachfolgende Arbeit zum Ziel gesetzt, die Chancen und Risiken von Cloud Computing für Deutschweizer KMUs aufzuzeigen. Neben den Chancen und Risiken sollen auch die Gründe für einen Wechseln in die Cloud ermittelt werden. Weiterhin wird die Datenhaltung der Schweizer KMUs beleuchtet, sprich ob die Daten besser in der Schweiz oder im Ausland gelagert werden sollen. Die Arbeit fokussiert somit auf die Beweggründe von Deutschschweizer KMUs für oder gegen einen Wechsel auf Cloud Computing.

1.3 Fragestellung

Anhand einer empirischen Umfrage soll aufgrund der in der Problemstellung geschilderten Umstände aufgezeigt werden, welche Firmen aus welchen Gründen auf Cloud Computing setzen oder nicht. Dabei hat sich die folgende Forschungsfrage ergeben:

- Welche Chancen und Risiken ergeben sich für Deutschschweizer KMUs beim Wechsel auf Cloud Computing?

1.4 Ziel der Untersuchung

Ziel dieser Arbeit ist es, die theoretischen Grundlagen von Cloud Computing zu erarbeiten und die verschiedenen Aussagen der Forscher einander gegenüberzustellen. Der Fokus soll dabei vor allem auf dem Vergleich der unterschiedlichen Cloud-Ansätze liegen. Zudem soll der Unterschied zwischen Outsourcing und Cloud Computing aufgezeigt werden, denn Cloud Computing kann ein Teil eines Outsourcing darstellen. Zu den theoretischen Grundlagen werden unter einem kritischen Gesichtspunkt einzelne Studien einander gegenübergestellt. Eine der Studien wird hierbei MSM Research vom Jahr 2014 sein. Nachdem die Umfrage abgeschlossen ist, werden die Theorie und die Emperie einander gegenübergestellt und schliesslich zu einer Beantwortung der Forschungsfrage führen. Mithilfe der ausgewerten Ergebnisse aus der Empirie soll schliesslich beantwortet werden können, welche Chancen und Risiken sich für Deutschschweizer KMUs beim Wechsel in die Cloud ergeben. Die Auswertung des Fragebogens soll den beteiligten Firmen auch einen Überblick geben, wie viele Unternehmen bereits Cloud Services verwenden oder bereits alles in der Cloud betreiben. Welcher der drei Cloud Services Infrastructure as a Service (IaaS), Platform as a Service (PaaS) Software as a Service (SaaS) so wie auch welche der vier Cloud Arten Private, Public, Hybrid, Community bei den Schweizer KMUs am meisten Anklang finden, soll die Auswertung ebenfalls aufzeigen.

1.5 Aufbau der Arbeit

1.5.1 Abgrenzung und Kriterien

Im Rahmen dieser Bachelorarbeit können aus Zeitgründen nicht sämtliche Aspekte ausserhalb von Cloud Computing beleuchtet werden. Deshalb werden ausschliesslich folgende theoretische Kriterien untersucht:

1. Cloud Computing: (Definition Cloud Computing, Definition Schweizer KMUs, Cloud Computing als Hype, die Cloud Computing Akteure, Entwicklung vom Cloud Computing, Wechsel zum digitalen Zeitalter)
2. Grundlegende Ziele
3. Cloud Service Modelle und Klassifikationen von Cloud Services
4. Entscheidungsfindung für KMU
5. Cloud Computing Studien

Zusätzliche Themengebiete wie Unternehmensstrategie und IT-Strategie werden nicht betrachtet, da diese auch nicht zwingend in einem Zusammenhang mit Cloud Computing stehen müssen. Auch einzelne Produkte und Anbieter im Cloud-Umfeld werden nicht verglichen, da die Arbeit die generellen Aspekte von Cloud Computing beleuchtet und nicht die Unterschiede der Produkte und der Hersteller im Vordergrund stehen. Auf die Beschreibung der verschiedenen Gesellschaftsformen - Einzelfirma, GmbH, AG, Kollektivgesellschaft und Genossenschaft – wird bewusst verzichtet, weil sich die durchgeführte Umfrage an KMUs richtet, die lediglich in der Anzahl Mitarbeitenden beschränkt sind und somit die jeweilige Gesellschaftsform nicht massgebend für die Datenerhebung ist. Grossunternehmen ab 250 Mitarbeitenden werden bei der Erhebung der Daten bewusst ausser Acht gelassen, da diese meist eine eigene Cloud aufbauen und zudem oftmals international aufgestellt sind. Somit fokussiert diese Bachelorthesis auf Deutschweizer KMUs. Die rechtlichen Grundlagen in Bezug auf das Schweizerische Datenschutz-Gesetz (DSG) werden nur angeschnitten und gelten nicht als zentraler Bestandteil dieser Arbeit.

1.5.2 Wissenschaftliche Vorgehensweise

Die folgenden Bereiche wurden in entsprechende theoretische Grundlagen aufgeteilt, um die Beantwortung der Fragestellung zu erarbeiten. Folgende Bereiche wurden definiert:

1.5.2.1 Theoretische Grundlagen (Kapitel 2)

Im Kapitel 2 werden die relevanten, theoretischen Grundlagen wissenschaftlich aufgezeigt. Diese Grundlagen wurden anhand von Recherchen, Publikationen und der aktuellen Fachliteratur erarbeitet, welche auf dem aktuellen Forschungsstand der Wissenschaft basieren. Zusätzlich wurden bereits veröffentlichte empirische Umfragen beleuchtet. Die Themengebiete wurden rund um das Thema Cloud Computing in Bezug auf KMUs abgedeckt. Die entsprechenden Chancen und Risiken werden hierbei aufgezeigt.

1.5.2.2 Methodenteil (Kapitel 3)

Um die Daten zu erheben wurde ein Online-Fragenkatalog erstellt. Dieser wird auch Web-Survey genannt und wird mittels eines Internet Browser durchgeführt. Die Umfrage richtet sich an Entscheidungsträger wie den Verwaltungsrat, die Geschäftsleitung, die IT-Abteilungsleiter höheres-, mittleres Kader oder Chief Executive Officer (CEO), Chief Financial Officer (CFO), Chief Operations Officer (COO), Chief Information Officer (CIO) oder Chief Technical Officer (CTO). Die Zielgruppe wird direkt angeschrieben und der Link der Umfrage wird nicht öffentlich publiziert.

Die Erhebung der Daten basiert auf dem Theorieteil, aus welchem die Fragen für den Fragenkatalog abgleitet wurden. Hierbei wurden folgende drei Frageblöcke erstellt:

- Frageblock 1: Persönliche Unternehmensinformationen (Position der befragten Person, Firma, Unternehmensgrösse, IT-Mitarbeitende etc.)
- Frageblock 2: Cloud Nutzung (Nuten von Cloud Computing, Hype oder Realität, Cloud Modell, Cloud Services, Planung Cloud Services einzuführen)
- Frageblock 3: Cloud Chancen und Risiken (Chancen, Risiken, Entscheidungskriterien, Datenhaltung Schweiz, Herausforderung für das Unternehmen etc.)

Ein zusätzlicher, abschliessender Block wird vom Kalaidos Research vorgeben. Darin wird nach der E-Mail Adresse gefragt und es können zusätzliche Anmerkungen angebracht werden.

1.5.2.3 Auswertungsteil (Kapitel 4)

Im Auswertungsteil werden die Ergebnisse der Fragenkataloge mit Hilfe von Grafiken aufgezeigt. Die Antworten der Unternehmen werden helfen, die Chancen und Risiken bezüglich Cloud Computing aufzuzeigen. Es werden auch verschiedene Aspekte beleuchtet, ob z.B. Mikrounternehmen und Kleinstunternehmen die gleiche Tendenz zu Cloud Computing haben wie mittlere Unternehmen. Auch die Beweggründe für den Entscheid Cloud Computing einzuführen oder nicht, sollen aufgezeigt werden.

Bei einigen Fragen lässt sich zudem unter „Sonstiges“ ein freier Text einfügen, welcher auch in die Bewertung miteinfliesst. Freie Textpassagen gibt es auch bei der Frage nach der Nutzung von Cloud Computing: Diese erscheinen, falls dem Befragten der Nutzen auch bekannt ist und diese Antwort entsprechend markiert wurde. Auch bei der Frage, ob Cloud Computing noch ein Hype oder Realität ist, gibt es eine freie Textpassage, falls die Antwort; „Immer noch ein Hype“ gewählt wird. Falls keine Cloud Services genutzt werden, wird noch zusätzlich gefragt, ob das Unternehmen in den nächsten 12 bis 36 Monaten plant, Cloud Services einzuführen. Neben den zwei erwähnten Textpassagen, gibt es keine weiteren offenen Fragen. Anhand der Unterteilung der KMUs können die verschiedenen Chancen und Risiken gegenübergestellt werden. Auch ob die Entscheidungskriterien bei den verschiedenen Unternehmensgrössen die selben sind, wird entsprechend aufgezeigt. Mit Hilfe dieser Antworten können im Diskussionsteil die theoretischen und empirischen Aspekte einander gegenübergestellt werden.

1.5.2.4 Diskussion (Kapitel 5)

Nachdem die empirischen Antworten aufgezeigt werden, können diese den theoretischen Grundlagen gegenübergestellt werden. Hierbei soll aufgezeigt werden, wo die Parallelen und Differenzen zwischen Empirie und Theorie liegen. Zudem werden die im Theorieteil erläuterten Studien herbeigezogen und verglichen. Nach der Analyse der Antworten wird die Forschungsfrage mit Hilfe der theoretischen und empirischen Erkenntnisse beantwortet. Auch der Bezug zur Praxis wird erläutert. Ebenfalls wird ein Ausblick unter dem Gesichtspunkt von weiterführenden Studien thematisiert. Den Schluss des Diskussionsteils bildet die Konklusion.

Das Vorgehen wird in der folgenden Abbildung 1 Aufbau und Ablauf der Bachelorthesis nochmals grafisch dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 – Aufbau und Ablauf der Bachelorthesis (Eigene Darstellung)

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Definition von Cloud Computing

Die erste wissenschaftliche Definition von Cloud Computing kam im Jahre 2008 auf. Diese Definition beschreibt die Cloud als eine Art parallel verteiltes System. Hilber erwähnt bezüglich Cloud Definition zwei Organisationen, Bundesverband Informationswirtschaft Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) und National Institute of Technology (NIST) (Hilber, 2014, S. 61). Der Branchenverband BITKOM definierte Cloud Computing wie folgt: „Cloud Computing ist eine Form der bedarfsgerechten und flexiblen Nutzung von IT-Leistungen. Diese werden in Echtzeit als Services über das Internet bereitgestellt und nach Nutzung abgerechnet. Damit ermöglicht Cloud Computing den Nutzern eine Umverteilung von Investitions- zu Betriebsaufwand“ (Weber, 2009, S. 13). Der Branchenverband BITKOM geht in seiner Definition noch auf die Voraussetzungen ein:

Die fachliche Auseinandersetzung mit Cloud Computing setzt voraus, dass ein klarer Bezug zu den Ebenen von Cloud Services, den Organisationsformen von Clouds und zur betrachteten Nutzergruppe hergestellt wird. Die Einteilung der Services in die drei Ebenen „Infrastructure as a Service“, „Platform as a Service“ sowie „Software as a Service“ hat sich weitgehend durchgesetzt. Das gilt auch für die Unterscheidung zwischen Public, Private und Hybrid Clouds. (Weber, 2009, S. 14)

BITKOM spricht von den drei Cloud Modellen Private, Public und Hybrid. Eine Private Cloud ist eine nicht öffentliche Cloud die innerhalb eines Unternehmens betrieben wird. Hingegen ist eine Public Cloud eine öffentliche Cloud, die jede Person bzw. jedes Unternehmen nutzen kann. Die Hybrid Cloud ist die Mischform zwischen Private und Public. Im Gegensatz zu BITKOM spricht NIST von vier Modellen und fügt noch die Community Cloud hinzu (Mell & Grance, 2011, S. 3). Die einzelnen Modelle werden im Kapitel 2.8 Cloud Servicemodelle noch genauer erläutert Bedner erwähnt, dass von allen Deifinitionsversuchen NIST die detailierteste und fortgeschrittnenste Definition liefert (Bedner, 2013, S. 24). Nach NIST müssen Cloud-Services:

- ein Netzwerk muss zur Verfügung gestellt werden (Internet) und auf vielen Endgerätetypen eingesetzt werden können
- die gleichzeitige Verwendung durch verschiedene Benutzer auf sichere Weise ermöglichen (Mandantenfähigkeit)
- spontan und schnell auf Laständerungen reagieren (Elastizität)
- vom Benutzer selbst angefordert, genutzt und wieder abbestellt werden können (Self-Services) und
- die auf Basis ihre Nutzung aberechnet werden (Höllwarth, 2014, S. 53)

Die komplette Ausführung von NIST wird im Anhang A The NIST Definition of Cloud Computing aufgeführt. Wie die Voraussetzungen von NIST aufzeigen, kann eine Cloud dynamisch bereitgestellt und als eine einzelne, vereinte Computerressource dem Endkunden zur Verfügung gestellt werden. Die Cloud Services werden mit dem Kunden vertraglich vereinbart, was als sogenanntes Service-Level Agreements (SLA) bezeichnet wird (Bedner, 2013, S. 17). In Bezug auf die Public Cloud Definition fügt Höllwarth noch hinzu, dass sich die Konsumenten beim Public Cloud Services die IT-Ressourcen teilen. Bei einer Private Cloud ist dies nicht der Fall (Höllwarth, 2014, S. 53). Bevor detaillierter auf die verschiedenen Cloud Modelle eingegangen wird, werden im Kapitel 2.4 die Cloud Computing Akteure beschrieben. Im nächsten Kapitel wird jedoch zuerst auf die Definition von Schweizer KMUs eingegangen.

2.2 Definition von Schweizer KMUs

Der Begriff KMU wird je nach Land oder Region anders umschrieben. In der Schweiz wird für statistische Publikationen ein Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten als KMU angesehen. Je nach Anzahl Mitarbeitende erfolgt zudem eine Einleitung in Mikrounternehmen (1 bis 9 Beschäftigte), kleine Unternehmen (10 bis 49 Beschäftigte), mittlere Unternehmen (50 bis 249 Beschäftigte) und Grossunternehmen (250 oder mehr Beschäftigte) wie die Tabelle 1 darstellt. Davon gibt es in der Schweiz 312'861 Unternehmen, diese Betriebszählung stammt aus dem Jahre 2008, die provisorischen Zahlen aus dem Jahr 2012 sind 556'302 KMUs. Die endgültigen Zahlen werden jedoch erst im Sommer 2015 veröffentlicht (vgl. Schweizerische Eidgenossenschaft, 2008; Schweizerische Eidgenossenschaft, 2012a):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 – Unternehmensindikatoren (eigene Darstellung in Anlehnung an Schweizerische Eidgenossenschaft, 2008)

In Bezug auf die Unternehmensgrösse haben die Rechtsform, der Jahresumsatz sowie die Jahresbilanzsumme keinen Einfluss auf die Einleitung in die Klassenzuweisung. Dies zeigt das Schweizerische Statistische Amt für Betriebszählung im Jahr 2008 (vgl. Schweizerische Eidgenossenschaft, 2008; Schweizerische Eidgenossenschaft, 2012b).

Wie man der Tabelle 2 entnehmen kann, sind 99,6% aller Schweizer Unternehmen KMUs. Davon machen die grösste Anzahl der Unternehmen mit 87,1% die Mikrounternehmen aus. Die prozentuale Anzahl Beschäftigter beträgt in den Mikrounternehmen 24,9%, diejenige in den Grossunternehmen 33,4%. Die prozentuale Differenz in der Anzahl Beschäftigen beträgt somit lediglich 8,5%.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2 – Unternehmensindikatoren (Eigene Darstellung in Anlehnung an Schweizerische Eidgenossenschaft, 2008)

Erstaunlicherweise ist in der Schweiz die Verteilung der Beschäftigten bei den Unterklassen der KMUs annährend gleich hoch. Dies erstaunt, weil die Anzahl Unternehmen in den Grössenklassen unterschiedlich hoch sind (vgl. Schweizerische Eidgenossenschaft, 2008; Schweizerische Eidgenossenschaft, 2012b).

2.3 Cloud Computing als Hype?

Nachdem auf die Definition von Cloud Computing eingegangen wurde, verwirft Bedner den Vorwurf, dass es sich bei Cloud Computing um einen „Hype“ handelt. Im deutschen Sprachraum umschreibt das Wort „Hype“ einen kurzlebigen Trend und ist eher negativ konnotiert. Dass dieses Thema jedoch alles andere als kurzlebig und somit kein Hype mehr ist, zeigt zum Beispiel die Investition des Deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft. Im Jahr 2011 sprach sie dem Forschungswettbewerb „Trusted Cloud“ ein Preisgeld von 50 Millionen Euro zu, um Innovations- und Marktpotentiale zu fördern (Bedner, 2013, S. 17).

2.4 Die Cloud Computing Akteure

2.4.1 Cloud Computing Anbieter

In diesem Kapitel werden die verschieden Cloud Akteure beschrieben. Markus Nix geht von sechs Cloud Akteuren aus. Als erster Akteur wird der Cloud Computing Anbieter genannt. Dieser bietet eine Cloud Computing Dienstleistung an und wird in der Praxis auch häufig als Service Cloud Provider (CSP) bezeichnet. Der Anbieter fungiert auch als Betreiber der Cloud und schliesst die Verträge oder SLA’s mit den jeweiligen Cloud Kunden ab (Nix, 2013, S. 15). Im Gegensatz zu Nix fügt Höllwarth hinzu, dass ein Software Provider auch indirekt ein Infrastruktur Provider sein kann, indem er die Infrastruktur von einem externen Service Cloud Provider bezieht, welcher als sogenannter Untervermieter fungiert (Höllwarth, 2014, S. 61).

2.4.2 Cloud Computing Nutzer

Der Cloud Computing Nutzer ist derjenige, der die Cloud Services in Anspruch nimmt. Der Autor Höllwarth nennt diesen auch Enterprise Cloud Service Buyer. Dieser kann als Käufer oder auch als Endnutzer fungieren. Die Cloud Services werden über das Internet abgeschlossen und vom Cloud Service Provider erbracht, die Abrechnung geschieht im „pay per use“-Preismodell (Höllwarth, 2014, S. 61).

2.4.3 Der Cloud Enabler

In vielen Unternehmen gibt es noch wenige Erfahrungen auf dem Gebiet der Cloud Computing Lösungen. Hierbei hilft der Cloud Enabler, indem er die Unternehmen bei der Auswahl der einzelnen Cloud Services unterstützt. Auch beim Betrieb und der Nutzung kann er behilflich sein (Nix, 2013, S. 17).

2.4.4 Der Cloud Service Einkäufer

Der Cloud Service Einkäufer ist ein direkter Kunde von Cloud Service Providern und verhandelt die Preise mit mehreren Anbietern. Er hat zudem den aktuellen Überblick über das Angebot auf dem Markt (Nix, 2013, S. 17).

2.4.5 Der Cloud Service Broker

In vielen Fällen möchten KMUs nicht direkt mit dem Cloud Hersteller zu tun haben. Hierbei kommt der Cloud Service Broker zum Zug (Antonopoulos & Gillam, 2010, S. 345). Er evaluiert für den Endkunden den besten Cloud Service und nimmt eine Vermittlerrolle ein. Dabei vergleicht er nicht nur die Kosten, sondern auch die SLA’s der jeweiligen Anbieter. Der Cloud Service Broker übernimmt neben der Evaluation des richtigen Cloud Services auch die gesamte Vertragsabwicklung. Sirnivasan fügt hinzu, dass durch einen Cloud Service Broker das Risiko minimiert wird, einen falschen Service Provider zu evaluieren (Srinivasan, 2014a, S.120). Nix sieht im Gegensatz zu Sirnivasan im Cloud Service Broker zudem eine zentrale Anlaufstelle für alle Cloud Anliegen, welche unter anderem auch ein „Single Sign On“ Portal für den End-User zu Verfügung stellt. Dank „Single Sign On“ ist es möglich, mit einem Benutzernamen und einem Passwort auf alle Applikationen zugegriffen. Die Leistungen der verschiedenen Cloud Anbieter werden vom Cloud Service Broker konsolidiert und als einzelne Rechnung dem Endkunden zugestellt (Nix, 2013, S. 17).

2.4.6 Der Aggregierer / Value Added Reseller

Gerade grosse Cloud Provider rekrutieren viele Value Added Reseller oder Aggregierer, die dem Provider einen neuen Vertriebskanal ermöglichen. Der Value Added Reseller nimmt am Mark bestehende Cloud Services, passt diese an oder erstellt eine neue Cloud Lösung für den Kunden. Somit ist der Aggregierer für den Cloud Provider ein Kunde und Dienstleistungsanbieter. Durch dieses Angebot werden neue innovative Cloud Services entwickelt, welche auch die Qualität für den Endkonsumenten erhöhen. (vgl. Antonopoulos & Gillam, 2010, S. 345; Nix, 2013, S. 18). Haselmann bezeichnet den Value Added Reseller als sogenannten Cloud-Trader, der als Zwischenhändler fungiert, um die Verträge für die KMUs abzuschliessen. Der Cloud-Trader erhält vom Cloud Service Provider die entsprechende Provision für die erbrachte Leistung (Haselmann, 2012, S. 180).

2.5 Entwicklung von Cloud Computing

Die erste Form von Cloud Computing trat bereits 1961 auf, als John McCarhy das „Time Sharing“ von Ressourcen beschrieben hat. Hierbei handelt es sich um Rechenleistungen und Anwendungen, die eingekauft werden können, wie z.B. Strom (Nix, 2013, S. 27). Laut Srinivasan gab es zudem Vorläufer wie Grid Computing, Utility Computing, Virtualization, Service Oriented Achritecture (SOA) sowie das Application Service Providing (ASP), die alle die Entwicklung von Cloud Computing prägten (Srinivasan, 2014a, S. 4). Jähnert und Fröster sehen den wesentlichen Unterschied von ASP und Grid Computing zum heutigen Cloud Computing in der nutzungsbezogenen Abrechnung. Gerade aus diesem Unterscheid resultiert für KMUs ein grosser Vorteil (Jähnert & Fröster, 2014, S. 44). Diese Entwicklung wird in der Abbildung 2 entpsrechend veranschaulicht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 – Die Entstehung von Cloud Computing (Darstellung entnommen aus Nix, 2013, S. 30)

In den Erläuterungen von Nix war das Konzept von Grid Computing eine Form verteilten Rechnens (Nix, 2013, S. 28). Somit ist es möglich, dass ein Rechner kurzfristig 30 bis 50 Prozent der gesamten Central Processor Unit (CPU) braucht. Wenn der User jedoch nicht aktiv ist, kann diese CPU Kapazität von anderen Usern genutzt werden (Jamsa, 2013 S. 13). Auch Matros erwähnt, dass Grid Computing und Utility Computing die Vorläufer der kommerziellen Evolution von Cloud Computing waren (Matros, 2012, S. 38). Wie die folgende Abbildung 3 aufzeigt, sieht Nix den Hauptunterschied zwischen Grid und Cloud Computing im unterschiedlichen Ressourcenverbrauch und der unterschiedlichen Ressourcennutzung Zudem gibt es beim Cloud Computing SLA (Nix, 2013, S. 29).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3 – Unterscheidungsmerkmale Grid und Cloud Computing (Darstellung entnommen aus Repschläger, Pannicke & Zarnekow, 2010, S. 67)

Im Gegensatz zu Nix sehen Jähnert und Fröster den Vorteil von Cloud Computing gegenüber dem Grid Computing in der Tatsache, dass die Ressourceneinbindung in der Cloud mit bestehender IT-Infrastruktur möglich ist. Bei Grid Computing mussten zuerst Algorithen und Programme auf die jeweilige Architektur angepasst werden. Wie auch Nix erläutern Jähnert und Förster, dass die Ressourcen auf Knopfdruck erweitert und auch wieder abgeschaltet werden können (vgl. Jähnert & Fröster, 2014, S. 44; Nix, 2013, S. 29). Weitere Faktoren, die einen Einfluss auf das digitale Zeitalter und auf die Entwicklung von Cloud Computing haben, werden im folgenden Kapitel beschrieben.

2.6 Wechsel zum digitalen Zeitalter

Wie in der Einleitung erwähnt wurde treibt nicht nur die Globalisierung neue Technologien wie Cloud Computing voran, auch das Zeitalter der Smartphone-Konsumenten hat einen Einfluss darauf. Gemäss Aussagen von Lemke und Brenner sind immer mehr Menschen auf der Welt dank dem Internet und den mobilen Geräten vernetzt. Durch das Internet rückt die weltweite Kommunikation näher und es ist möglich, sich jederzeit auszutauschen (Lemke & Brenner, 2015, S. 14). Dies erläutern auch Lemke und Brenner wie folgt: „Das Internet ist das stationäre und mobile Kommunikationsmedium des digitalen Zeitalters. Vernetzung im digitalen Zeitalter betrachtet daneben auch die sozialen Verknüpfungen, die durch Kombinationen unterschiedlicher digitaler Informationen und Daten entstehen“ (Lemke & Brenner, 2015, S. 14).

Diese sozialen Verknüpfungen wachsen auch dank der Zunahme von Mobilfunkanschlüssen, die sich in folgenden Zahlen aufzeigen lassen: Im Jahre 2013 besassen bereits 6.8 Milliarden Menschen einen Mobilfunkanschluss, während es 2005 gerade mal zwei Milliarden Menschen waren. Darüber hinaus sind im Jahre 2014 bereits 40% der Weltbevölkerung online vernetzt. Diese Vernetzung hat einen indirekten Einfluss auf das Wachstum von Cloud Computing (Lemke & Brenner, 2015, S. 32).

Die Endkonsumenten üben einen direkten Einfluss auf Cloud Computing aus. Neben der Informations- und Kommunikationstechnik treiben sie auch die Entwicklung von Public Cloud Services wie iTunes, Gmail, Spotify, Outlook.com usw. voran. Neben den Cloud Services nimmt auch die Anzahl an mobilen Geräten wie Smartphones oder Tablets stetig zu. Die privaten Geräte werden häufig auch in Unternehmen eingesetzt. Dies bestätigen die Zahlen vom Jahre 2013: 74% iPad’s, 12% iPhone, 8% Laptop, 3% Andoid und 3% andere wurden in Unternehmen genutzt. Diese mobilen Geräte verbreiten sich nicht nur in der Arbeitswelt, sondern werden oft auch in Kombination für Berufliches und Privates genutzt (Lemke & Brenner, 2015, S. 33).

Nicht nur im privaten Bereich können Cloud Services innovativ sein, auch für KMUs können diese innovativen Technologien hilfreich sein und entsprechend schnell eingeführt werden. Sie sollen dem Unternehmen helfen, sich wieder auf das Kerngeschäft konzentrieren zu können und den Mitarbeitenden die weltweite Flexibilität bieten, um mit mobilen Geräten auf ihre Daten zuzugreifen (Keuper, Hamidian, Verwaayen, Kalinowski, & Kraijo, 2013, S. 271).

Die Autoren Vossen et al., Haselmann und Gottfried zitieren Lewis Cunningham wie folgt: „Cloud computing is using the Internet to access someone else’s software running on some else’s hardware in someone else’s data center“ (Vossen et al., Haselmann & Gottfried, 2012, S. IX). Dieses Zitat zeigt, dass die Verlagerung der Rechenleistungen und Speicherung von Daten nicht mehr lokal geschieht, sondern durch Cloud Computing via Internet übermittelt wird. Cloud Computing bietet nicht nur neue Chancen, sondern auch Risiken, wie sie Vossen et al. erläutern. Professionelle Cloud Anwendungsdienste, die von den grossen Herstellern bzw. Anbietern bereits seit einiger Zeit auf dem Markt sind, stecken noch in den Kinderschuhen und werden derzeit mehrheitlich von Startup-Unternehmen genutzt. Viele Anwender sind gegenüber Cloud Computing aus unterschiedlichen Gründen wie Kosten- oder Sicherheitsbedenkens zurückhaltend. (Vossen et al., 2012, S. IX). Hilber äussert sich in Bezug auf die rechtlichen Bedenken, welche die meisten kleineren und grösseren Firmen bei Cloud Computing haben. Er nennt wie viele andere keine spezifischen Risiken, sondern nur Pauschalaussagen wie „Datenschutz“. Bei Cloud Computing geht es jedoch nicht nur um Risiken, sondern auch um die Chance die Kosten zu senken und eine höhere Flexibilität zu erhalten, welche wiederum zu einer Verbesserung der Leitungsqualität führt (Hilber, 2014, S. IX). Dies vergleicht Hilber (2014 ) aus dem Jahre 1881 mit dem erzeugen von Strom:

Als Thomas Edison im Jahre 1881 in New York das erste Kraftwerk für zentrale Stromerzeugung in Betrieb setzte, schlugen ihm vermutlich viele Bedenken potentieller Kunden entgegen. Eine so wichtige Ressource wie Elektrizität könne nicht aus fremder Hand bezogen werden. Dies erinnert an die heutige Diskussion zum Cloud Computing. (S. IX)

Vossen et al. teilen die Meinung, dass die Entwicklung von Recheninfrastruktur mit elektrischem Strom verglichen werden kann. Die Diskussion in Bezug auf Cloud Computing und dessen Vor- und Nachteile wird in wenigen Jahren völlig verstummen. (Vossen et al., 2012, S. IX) „da alle und alles dann ‚in der Cloud’ sein werden“ (Vossen et al., 2012, S. IX). Dieser digitale Wandel durch Cloud Computing wird in den nächsten Kapiteln in Bezug auf Chancen und Risiken noch genauer betrachtet.

2.7 Grundlegende Ziele

Nachdem in den vorherigen drei Kapiteln auf die Definition, die Akteure, die Entwicklung und das digitale Zeitalter eingegangen wurde, steht in den nächsten Kapiteln die Cloud Spezifizierungen im Fokus. Der Paradigma Wechsel, Standardisierung, Flexibilität, Verfügbarkeit und Kostenreduktion durch Cloud Computing werden Themen der weiterfolgenden Kapiteln sein.

2.7.1 Paradigmenwechsel durch Cloud Computing

Paradigma ist ein Synonym für „Beispiel“, „Vorbild“, „Muster“ oder „Abgrenzung“ und in allgemeiner Form auch Weltsicht oder Weltanschauung. In Bezug auf Cloud Computing wird es als Neuheit von herkömmlichen Informationstechnologien verwendet (Bedner, 2013, S. 27). Cloud Computing wirkt sich direkt auf das Kerngeschäft der Unternehmen aus und erhöht die Agilität und die Wettbewerbsfähigkeit der KMUs (Höllwarth, 2014, S. 64). „In diesem Punkt unterscheidet sich Cloud Computing fundamental von früheren Paradigmen wie Outsourcing, das nicht auf das Geschäftsmodell des Unternehmens wirken will“ (Höllwarth, 2014, S. 64). Der entscheidende Unterschied gegenüber dem Outsourcing ist, dass die Anforderungen in Bezug Innovation besser erfüllt werden können (Höllwarth, 2014, S. 63). Mehr dazu im nächsten Kapitel 2.7.2 Abgrenzung zum klassischen IT-Outsourcing.

Folgende fünf Cloud Paradigma werden nach Haselmann definiert:

1. „Gemeinsame Nutzung physischer Ressourcen
2. Unverzügliche Anpassbarkeit an den aktuellen Ressourcenbedarf
3. Selbstbedienung nach Bedarf
4. Umfassender Netzwerkzugriff
5. Messung der Servicenutzung“ (Haselmann, 2012, S. 28)

Als Überblick zu den fünf Merkmalen, den Service Ebenen und den Bereitstellungsmodellen hilft die folgende Abbildung 4. Die Service Ebene wird im Kapitel 2.9 Klassifikation von Cloud Services erwähnt, sowie die Bereitstellungsmodelle im Kapitel 2.8 Cloud Servicemodelle erläutert werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4 – Überblick des Cloud Computing (Darstellung entnommen Brenner & Hess, 2014, S. 181)

2.7.2 Abgrenzung zum klassischen IT-Outsourcing

Beim klassischen IT-Outsourcing werden als erstes die individuellen Anforderungen des Kunden erhoben und danach wird eine entsprechende Planung und Vorbereitungsphase erstellt. Ziel des IT-Outsourcing ist es, die bestehenden Prozesse eines Unternehmens zu unterstützen, die Verantwortung liegt hingegen (je nach Vertrag) beim IT-Outsourcer (vgl. Haselmann 2011,S. 41; Matros, 2012, S. 53).

Vossen et al. sehen die Cloud Services im Wesentlichen als eine Spielart des IT-Outsourcing. Ein IT-Outsourcing kann eine vollständige oder partielle Auslagerung der IT an externe Dienstleister sein. Bei einer Auslagerung von einzelnen IT-Funktionen spricht man von selektivem Outsourcing, wenn hingegen die gesamte IT ausgelagert wird, meint man ein totales Outsourcing. Die Infrastruktur kann sich beim externen Anbieter oder beim jeweiligen Kunden befinden, jedoch muss die Verantwortung nach der Outsourcing-Definition immer an den externen Dienstleister übergeben werden. Im Gegensatz zum klassischen Outsourcing besteht beim Cloud Service der Vorteil, kurzfristige Anpassungen je nach täglichem Bedarf vorzunehmen (Vossen et al., 2012, S. 26).

Einer der Hauptunterschiede zwischen klassischem IT-Outsourcing und Cloud Sourcing sind die Anpassungen der Geschäftsprozesse. Beim klassischen IT-Outsourcing werden meistens die Systeme an die Geschäftsprozesse des Kunden angepasst. Beim Cloud Provider hingegen kommen hauptsächlich standardisierte Services zum Einsatz, die nur gering angepasst werden können. Nur anhand von standardisierten Web-Schnittstellen ist es dem Kunden möglich, seine Services mit der Cloud zu verbinden. Somit kann durch die Standardisierung des Cloud Anbieters ein „One-to-Many-Ansatz“ bewerkstelligt werden. Bei einem Outsourcing unterstützt der Anbieter den Kunden dabei die IT-Landschaft zu konsolidieren, beim Cloud Service hingegen nicht (Vossen et al., 2012, S. 26). Zudem können die Lizenzen beim IT-Outsourcing meist mitgenommen werden, während diese beim Cloud Computing meist neu erworben werden müssen (Bedner, 2013, S. 60).

Bei einem IT-Outsourcing spricht man auch immer von einem sogenannten „Vendor Lock-in“. Der „Vendor Lock-in“ oder auch „Lock in“ genannt ist ein sogenanntes „Einsperren“. Dies geschieht, wenn sich der Kunde vom Anbieter derart abhängig macht, dass er nicht mehr wechseln kann. Dies hat mit der Portierbarkeit des Anbieters zu tun, hierbei können die Software oder die Schnittstellen nicht auf einen anderen Hersteller migriert werden. Beim Cloud Sourcing spricht man hingegen von offenen Standards, die eine Migration zu einem anderen Anbieter vereinfachen (Bedner, 2013, S. 102).

Bei einem IT-Outsourcing werden häufig lange Vertragszeiten ausgehandelt, während beim Cloud Computing Verträge auf Monatsbasis üblich sind. Die Praxis zeigt jedoch auf, dass es auch bei den Cloud Services Verträge gibt, die einen mittel- bis langfristigen Horizont haben. Beim IT-Outsourcing hingegen sind es meist nur langfristige Verträge, somit zeichnet sich die Rentabilität erst in vier bis fünf Jahre aus. Die Zusammenarbeit bei einem Outsourcing ist sicherlich enger und intensiver als bei einem Cloud Service (Vossen et al., 2012, S. 26).

In welche strategische Richtung ein IT-Outsourcing oder Cloud Sourcing gehen soll, wird meist vom Verwaltungsrat, der Geschäftsleitung oder dem CEO, CFO, COO, CIO oder CTO entschieden. Vossen et al. erwähnen zudem, dass ein Chief Cloud Officer (CCO) hinzugeholt werden könnte. Die Position des CCO existiert jedoch nur in grösseren Unternehmen g(vgl. Tiemeyer, 2011, S. 36; Vossen et al., 2012, S. 130). Gründe weshalb KMUs kein Cloud Sourcing anstreben, sind laut Haselmann fehlendes Fachwissen und die fehlende Zeit sich damit auseinanderzusetzen, welche Vorteile sich mittels Cloud Sourcing im Unternehmen ergeben könnten (Haselmann, 2012, S. 53). Diese Vorteile werden in den nächsten Kapiteln genauer erläutert.

2.7.3 Erhöhung der Standardisierung

Einer der Erfolgsfaktoren von Cloud Computing ist die Standardisierung. Durch die Vereinheitlichung von Hardware und Software und einer Abkehr von individuellen Lösungen ist eine hohe Standardisierung möglich. Diese Vereinheitlichung konnte nur dank der Virtualisierungstechnologie stattfinden (Nix, 2013, S. 20). Dank der Virtualisierung können auch Storage Angebote als standardisierte Services angeboten werden. Wie die Standard Klassifikation Tabelle 3 von Matros aufzeigt, wurde die Standardisierung in drei Kategorien eingeteilt. Bei den Leistungsstandards werden bei Cloud Computing die CPU Leistung und Speicherleistung gemessen. Auch vertragliche Standards wie SLA sind bei fast allen Cloud Services anzutreffen. Nur durch standardisierte Schnittstellen können unterschiedliche Cloud Services verknüpft werden (Matros, 2012, S. 51).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3 – Klassifikation von Standards im Cloud Computing (Darstellung entnommen aus Matros, 2012, S. 53)

2.7.4 Verbesserung der Verfügbarkeit

Laut Lemke und Brenner sind die Anforderungen der Kunden in Bezug auf die Verfügbarkeit ähnlich hoch wie jene an die Verarbeitungsgeschwindigkeit. Mittels Cloud Technologien ist ein stabiler und weitgehend unterbruchsfreier Betrieb möglich. Dank dieser Virtualisierungsebene lässt sich eine hohe Verfügbarkeit erreichen, da sich die Trennung von Hardware und Software erst hiermit ermöglichen lässt (Lemke & Brenner, 2015, S. 23). Nix spricht gar von einer dauerhaften Verfügbarkeit, welche im Gegensatz zu den üblichen On-Premise-Modellen nicht gegeben ist. Auch die Anschaffung von kurzfristen Leistungen in Bezug auf Hardware und Software braucht eine lange Planung, Beschaffungs- und Installationsphase, welche beim Cloud Computing entfällt (Nix, 2013, S. 20).

2.7.5 Optimierung der Flexibilität

Mittels Cloud Computing können ohne grosse Vorankündigungen Benutzer oder Ressourcen hinzugefügt oder entfernt werden. Metzger, Reitz und Villar argumentieren, dass überwiegend Kleinunternehmen von der Flexibilität von Cloud Computing profitieren. Somit besteht die Möglichkeit, dass die IT der kleinen Unternehmen linear mit der Unternehmung wächst (Metzger, Reitz, & Villar, 2011, S. 99). Nix fügt an, dass dank Cloud Computing ein Unternehmen ein Produkt lancieren kann, ohne sich gross über die Marktentwicklung oder die Kapazität der IT-Systeme Gedanken machen zu müssen. Denn das Unternehmen bezahlt nur die benötigten Ressourcen und kann diese jederzeit erhöhen oder verkleinern. Zudem sind im Cloud Computing die Vertragslaufzeiten wesentlich kürzer als im Outsourcing Umfeld. Das Gleiche gilt auch für die Innovationszyklen. Somit können neue Entwicklungen im Cloud Umfeld flexibler gestaltet werden, so Nix (Nix, 2013, S. 22).

Das Ressourcen-Management kann bei Cloud Computing in Echtzeit angepasst und durch den Kunden durchgeführt werden. Somit ist ein Self-Management mit der entsprechenden Skalierbarkeit durch den Kunden möglich (Matros, 2012, S. 60). Vossen et al. ergänzen, dass nur durch eine weitgehende Automatisierung das Self-Management überhaupt möglich ist. Nur mit Hilfe dieses Self-Management Modells kann der Cloud Dienstleister auf Personal verzichten und einen attraktiven Preis realisieren. Denn dadurch verwalten die Kunden ihre Ressourcen selber ohne jegliche Unterstützung des Cloud Providers. Jedoch lassen sich Unterschiede bei den Cloud Service Providern feststellen: Die Unterschiede wie Automatisierung, Umfang, Art und Qualität beziehen sich besonders auf die essentiellen Vorteile von Cloud Computing. Auch entsprechend viele Ressourcenreserven muss der Cloud Service Provider jederzeit provisionieren können (Vossen et al., 2012, S. 23). „Dem Kunden steht dadurch eine quasi unlimitierte Menge an IT-Ressourcen bei Bedarf zur Verfügung“ (Matros, 2012, S. 61). Ein wichtiges Argument fügen Plass et al. hinzu, dass durch Cloud Computing keine überdimensionierten IT-Investments mehr getätigt werden müssen. Diese IT-Investments waren meist auf mehrere Jahre ausgelegt und die entsprechende Architektur der Umgebung musste durch Voraussagen in Bezug auf das Wachstum geschätzt werden (Plass et al., 2012, S. 35).

2.7.6 Kostenreduktion durch Cloud Computing

Durch Cloud Computing hängen die tatsächlichen Kosten von der Benutzeranzahl ab. Die IT-Kosten können gesenkt werden, so Plass et al., weil die IT-Umgebung nicht mehr hinsichtlich der Lastspitzen ausgerichtet werden muss (Plass et al., 2012, S. 137).

Aus der Perspektive des Cloud Dienstleisters kann Cloud Computing als Verbrauchsgut wie Strom oder Wasser verstanden werden. Dadurch gibt es besonders hohe ökonomische Herausforderungen für die Cloud Dienstleister, denn Wasser oder Strom können nicht effizient gespeichert werden (Matros, 2012, S. 80). Matros (2012) stellt folgende Herausforderungen in Bezug auf das Cloud Computing Geschäftsmodell fest:

In der Literatur wird diese Sichtweise zwar differenziert betrachtet, mit einigen Besonderheiten dieser Analogie werden Cloud Dienstleister allerdings heute schon konfrontiert. Zu den Besonderheiten gehören die folgenden konstituierenden Kriterien:

- Nicht-Lagerbarkeit
- Fixe Kapazität
- Hohe Fixkosten bzw. geringe Grenzkosten
- Starke bzw. stochastische Nachfrageschwankungen (S. 80)

Die Leistungen für den Cloud Dienstleister sind somit nicht lagerbar. Zudem sind die Leistungen aus Sicht des Cloud Dienstleister fix und können im Gegensatz zum Cloud Kunden nicht beliebig schnell erweitert werden. Matros sieht vor allem den hohen Fixkostenanteil bei der Leistungserstellung für Cloud Dienstleister als Herausforderung. Jedoch können Netzwerk und Elektrizität zu den variablen Kosten gezählt werden. Wie sich dies im Verhältnis auswirkt, zeigt die Tabelle 4. Es wird ersichtlich, dass der Kostenanteil bei den Servern, also beim CPU und Storage, am höchsten ausfällt (Matros, 2012, S. 80).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 4 – Kostenkomponenten von Cloud Computing Providern (Darstellung entnommen Matros, 2012, S. 81)

Matros sieht die starken Nachfrageschwankungen in Bezug auf die Kostenumlage als ungelöstes Problem für Cloud Computing Anbieter. Eine genaue Kalkulation mit den kurzen Vertragslaufzeiten und deren Wechselkosten stellt ein grosses Risiko für alle Cloud Computing Anbieter dar (Matros, 2012, S. 81).

Im Gegensatz zu Matros erwähnt Nix den Aspekt der Lagerbarkeit nicht, sondern sieht im Cloud Computing den Vorteil des Skaleneffekts und den deutlich geringeren Administrati-ons-, Wartungs- und Personalaufwand (vgl. Matros, 2012, S. 81; Nix, 2013, S. 39). Nix erläutert, dass durch die Masse an Servern die Verfügbarkeit erhöht werden kann. Bei einer optimalen Systemauslastung wird alles nur noch softwareseitig gesteuert (Nix, 2013, S. 23): „Demzufolge erzielen Cloud Computing Lösungen für Anwender und Dienstleister deutliche Kosteneinsparungen gegenüber herkömmlichen und proprietären IT-Infrastrukturen mit Client/Server-Konzepten“ (Nix, 2013, S. 39). Anders bei den Cloud Kunden ist hier der Vorteil, so Plass et al., dass auch mittelständische Unternehmen fortschrittlichste Technologien nutzen können, ohne ein hohes Kapital zu investieren. Plass et al. bezeichnen die Cloud Umgebungen als „State-of-the-Art“, da ein harter Wettbewerb auf dem Markt herrscht (Plass et al., 2012, S. 35): „Die Preismodelle werden sich in den nächsten Monaten und Jahren sicher den Markerfordernissen nach unten anpassen“ (Plass et al., 2012, S. 35).

Eine zusätzliche Kostenreduktion ergibt sich in der Anschaffung der Hardware. Die physikalischen Server, Storage usw. müssen nicht mehr selber angeschafft und betrieben werden, so Höllwarth. Als sogenanntes „pay per use“-Modell wird Cloud Computing als Service vom Internet bezogen. Somit werden die fixen IT-Kosten Capital Expenditures (Capex) in die variable IT Kosten Operational Expenditure (Opex) umgewandelt. Das „pay per use“-Modell ist meist bei Public Clouds zu sehen, bei Private Clouds können durch die hohe Automatisierung und der Virtualisierungskosten eingespart werden (Höllwarth, 2014, S. 62): „Es ist schwer (wenn überhaupt) möglich, eine Private Cloud so kostengünstig wie eine Public Cloud zu betreiben, jedoch manchmal aus anderen unternehmerischen Gründen unumgänglich“ (Höllwarth, 2014, S. 63).

Neben Höllwarth und Plass et al. ergänzen Vossen et al. die oben genannten Modelle noch um das „pay per unit“, Abonnement- und Free- Modell. Beim „pay per unit“ wird eine einmalige Bezahlung pro gekauftem Produkt verrechnet, unabhängig von der effektiven Nutzungsintensität. Ein Beispiel hierfür ist ein gekaufter Musiktitel bei iTunes, der sich unbegrenzt abspielen lässt. Beim Abonnementen-Modell fällt eine fixe monatliche Gebühr an, die unabhängig von der tatsächlichen Nutzung bezahlt wird. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist das Programm Office 365. Als Free-Modell wird ein kostenloser Cloud Service bezeichnet, der z.B. durch Werbung finanziert wird. Ein aktuelles Beispiel mit eingeschränkter Leistung hierfür ist „Evernote“. Vossen et al. fügen hinzu, dass es noch drei relevante Kombinationen dieser Modelle gibt:

- Abonnement + pay per sse: Hier gibt es eine Grundgebühr, die gewisse Services abdeckt, zusätzlich kommen noch variable Nutzungsgebühren hinzu
- Pay per unit + pay per use: Einmaliger Kaufpreis und zusätzliche nutzungsabhängige Gebühren
- Pay per unit + Abonnement: Einmaliger Kaufpreis und monatliche Kosten für einen Services (Vossen et al., 2012, S. 37)

„Cloud Services müssen nach unserem Verständnis immer zumindest eine nutzungsabhängige Preiskomponente aufweisen. Diese Auffassung ist aber derzeit in der Praxis (noch) nicht sehr weit verbreitet“ (Vossen et al., 2012, S. 38). Dies könnte ein Grund sein, wieso Unternehmen noch nicht auf Cloud Computing umgestiegen sind, denn diese Modelle vermeiden die Leerkosten durch Überkapazitäten und potenzielle Umsatzausfälle durch die Kapazitätsengpässe (Haselmann, 2012, S. 85).

2.8 Cloud Servicemodelle

Bevor auf die verschiedenen Cloud Modelle eingegangen wird, gibt die Abbildung 5 einen Überblick der vier Cloud Typen hinsichtlich der Elastizität (y-Achse) und der Zahlung nach Gebrauch (x –Achse). Die Abbildung 5 zeigt, dass die Public Cloud im Gegensatz zur Private Cloud die grösste Elastizität aufweist. Dies bedeutet, dass schnell und einfach Ressourcen wie CPU oder Memory hinzugefügt werden können. Zudem sieht man, dass bei der Private Cloud die grösste Vorinvestition getätigt werden muss, ehe man sie entsprechend nutzen kann. Diese entfällt bei der Public Cloud, da dies der Service Provider übernommen hat. Auch die Skalierbarkeit ist bei der Public Cloud grösser und schneller als bei einer Private Cloud. Zudem gibt es noch die Hybride Cloud, die eine Mischform aus Public und Private Cloud bildet. Die Community Cloud ist eine Erweiterung der Private Cloud, in welcher sich gewisse Firmen oder Organisationen die Ressourcen entsprechend teilen (Fehling, Leymann, Retter, Schupeck & Arbitter, 2014, S. 60).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5 – Elastizität und pay per use von verschiedenen Cloud Typen (Darstellung entnommen aus Fehling et al., 2014, S. 61)

2.8.1 Private Cloud

Die Private Cloud ist eine sogenannte nicht öffentliche Cloud und wird gemäss Vossen et al. nur für eine einzige Organisation betrieben. Es gibt zwei Möglichkeiten die Private Cloud zu verwalten: Durch das eigene Unternehmen oder von einem externen Dienstleister, dies wird auch Outsourced Private Cloud genannt. Der Zugang für den Cloud Service ist dabei auf die Mitglieder der Organisation beschränkt, egal ob sich das Rechenzentrum auf dem Firmengelände befindet oder dies ausgelagert wurde. Fehling et al. siehen im Gegensatz zu Vossen et al. noch eine weitere Unterteilung, die Virtual Private Cloud, die auf einer geteilten Umgebung betrieben wird. Diese wird im Kapitel 2.8.1.1 Virtual Private Cloud genauer erläutert (vgl. Fehling et al., 2014, S. 66; Vossen et al., 2012, S. 30). Diese drei Formen werden in der Abbildung 6 aufgezeigt (Fehling et al., 2014, S. 66). Im Kapitel 2.8.1.3 Cloud in a Box wird noch eine Mischform von Private Cloud beschrieben.

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Details

Seiten
153
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668012219
ISBN (Buch)
9783668012226
Dateigröße
5.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v302501
Institution / Hochschule
Kalaidos Fachhochschule Schweiz – Kalaidos Fachhochschule Schweiz
Note
1,5
Schlagworte
Cloud Hybrid Cloud Public Cloud Private Cloud Community Cloud KMU Schweiz Umfrage Empirisch IaaS SaaS PaaS Service Provider Cloud Service Provider

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Titel: Entwicklung des Cloud Computings in deutschschweizer KMUs