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Joachim Lottmann. Strategische Inszenierung von Autorschaft als Grenzverwischung zwischen Roman und Reportage

Magisterarbeit 2014 101 Seiten

Rhetorik / Phonetik / Sprechwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Eingrenzende Themenanalyse

2. Kommunikationstheoretische Grundlagen literarischer Kommunikation
2.1. Rhetoriktheoretische Definitionen - Kode, Zeichen, Text, Medium
2.2. Das Buchmedium und der Roman
2.3. Intertextualitat und Diskursframe
2.4. Der Autor und sein rhetorisches Organon
2.5. Kalkul
2.6. Autorschaft
2.7. Die kommunikative Spielregel

3. Joachim Lottmanns Selbstpoetik
3.1. Autofiktion
3.2. Repragmatisierungsdruck als Problem oder Strategie der Autofiktion
3.3. Inszenierung
3.4. Agon und Ethos
3.5. Borderline-Journalismus: niemals an schnoden Fakten kleben
3.6. Die Reportage als Autobiographie?
3.7. Operative Anschlusse
3.8. Der Borderline-Blog: Verifikation durch ein Hybridmedium?

4. Die Romane
4.1. Zombie Nation
4.2. Das Ramones-Musical
4.3. Gottfuhrt uns zusammen
4.4. Kein Roman mit Joachim Lottmann
4.5. Poetologische Reflexionen: Ein Bauer in Albanien

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

Er hatja immer behauptet, die Reportage ware der letzte wahre Ort fur Literatur, fur Fiktion. Und er schrieb dann Portrats und Reportagen, wo das Echte und Erfundene sich auf wirklich irritierende Weise mischten. Eigentlichja vielleicht toll. Aber durch die inszenierte Undurchsichtigkeit und Verschlagenheit von Joachim Lottmann selbst bekam das einen fiesen Stich ins Diabolische. fch hatte Angst vor ihm. (...) Alles spielte auf der Grenzlinie zum Fiktiven, nur Ausgedachten, absichtlich gestort. Alles war gestellt, erfunden, nur erzahlt, behauptet, zuruckgenommen als Luge. (...) Bei Joachim Lottmann war es das erste mal, dad ich mir irgendwann dachte: dieser Mensch ist wirklich BOSE. Finster, zuinnerst, zutiefst und ohne Grund, einfach bose.1

1. Einleitung

Die literarischen undjournalistischen Arbeiten des Autors Joachim Lottmann sind seitens der Literatur- und Medienwissenschaft sowie der Journalistik bislang keiner genaueren bzw. umfangreichen Untersuchung unterzogen worden.2 Auf den ersten Blick mag das nicht verwundern: seine Romane scheinen typische, kaum nennenswert uberformte3 Texte der deutschen Popliteratur mit 90er Jahre Pragung zu sein, d.h. es herrscht ein einfacher Schreibstil vor, mehr oder minder relevante Alltagsbefindlichkeiten und -beobachtungen stellen sein Sujet; seine Reportagen bspw. fur den Spiegel oder die Zeit hingegen erweisen sich als schlecht recherchiert, teilweise tendenzios in ihren Aussagen, strotzen genau wie die Romane vor frauenverachtender Altmannererotik.4 Mit anderen Worten: die Texte erweisen sich an den Kriterien des professionellen und konventionellen Journalismus gemessen als inadaquat. Die Reaktionen bspw. in Form von Leserbriefen bzw. Kommentaren auf die Online-Versionen der Reportagen munden haufig in Beschimpfungen und Zweifeln an seinerjournalistischen Kompetenz und mussen regelmadig von denjeweiligen Redaktionen zensiert werden.

Ziel dieser Arbeit ist es, eine eigene Poetik fur die Werke Lottmanns herauszuarbeiten, die sich im Wesentlichen aus der Poetik des New Journalism speist.

Dabei soll ein Blick auf das Gesamtwerk Joachim Lottmanns geworfen werden, wobei sich diese Arbeit auf die Romane Zombie Nation5 und Hundert Tage Alkohol6 konzentrieren wird, da diese nicht nur das Spannungsfeld zwischen literarischem undjoumalistischem Schreiben thematisieren, sondern selbst auch reprasentieren. Daruber hinaus soil sein Reportagenband Aufder Borderline nachts um halb eins7 fokussiert werden, auberdem werden ausgewahlte Reportagen aus dem gleichnamigen Weblog bei der taz, sowie Reportagen aus der Zeit sowie dem Spiegel analysiert.

Die zu erarbeitende Poetik bedient sich sowohl in den Romanen als auch in den Reportagen immer wieder einer strategisch kalkulierten Selbstinszenierung des Autors, die nach Ansicht dieser Arbeit auf eine Unentscheidbarkeit zwischen der vermeintlich realen Person Joachim Lottmann und den Protagonisten seiner Reportagen und Romane abzielt. Der rhetorische Faktor8 dieses strategischen Kommunikationsgeschehens im sowohljournalistischen als auch literarischen Kontext erfordert eine Diskussion der noch rechtjungen literaturwissenschaftlichen Autofiktionsdebatte, wobei diese Debatte im Falle Lottmanns auch auf die vermeintlich nicht-asthetische, faktuale Textsorte der Reportage ubertragen werden kann: Diese Ubertragungsleistung vom Literarischen auf das Journalistische vollzieht sich insbesondere durch oratorische Labelingstrategien, die in Lottmanns Fall auf eine Grenzverwischung und Anknupfbarkeit - wenn nicht gar Austauschbarkeit - von Roman und Reportage abzielen.

Die Autofiktionsdebatte konzentriert sich dabei insbesondere auf die ,,auffallende Tendenz der Gegenwartsliteratur, Autobiographisches und Fiktionales gezielt zu verbinden.“ 9 Dies erfordert zudem eine Diskussion um Fiktionalitat und Faktualitat, die spezifische Autofiktionalitat Lottmanns wird hierbei als projektives Kalkul fokussiert, das Lottmann in oszillierenden Texturen implementiert, mit denen er ganz explizit Gesellschaftskritik, sowie Kritik an den Mechanismen des zeitgenossischen Literaturbetriebs ubt.

1.1. Eingrenzende Themenanalyse

Diese Arbeit reflektiert die Romane und Reportagen Joachim Lottmanns auf der Folie der Frage, inwiefern diese Texturen nicht nur ein kommunikatives, sondern auch ein rhetorisches Geschehen darstellen. Mit anderen Worten: tritt in dieser speziellen - literarischen - Kommunikation der rhetorische Fall in Kraft? Zunachst musste diese Fragestellungjedoch ein in ihr enthaltenes Grundproblem klaren, denn inwiefern konnen seine Reportagen auf der Folie der literarischen Kommunikation analysiert werden, wenn Reportagen per sejournalistische Texturen mit entsprechenden Wahrhaftigkeits- und Informationsanspruchen seitens der Adressaten operieren mussen?

Diese Frage wird im dritten Kapitel erortert werden, denn primar gilt es die kommunikationstheoretischen Grundlagen asthetischer bzw. literarischer Kommunikation herauszuarbeiten, um Joachim Lottmanns Texturen rhetorikspezifisch ins Auge fassen zu konnen. Die Poetizitat derjournalistischen Texte muss dabei zwar einerseits auf der Folie der Frage geklart werden, inwiefern diese Texte asthetische Qualitaten aufweisen konnen; andererseits muss die Rhetorik zunachst unabhangig von einer interpretatorischen Analyse der textimmanenten Strukturen einen besonderen Blick auf die kommunikativen frames werfen, denn rhetorisch gesprochen mussten diese Texte somit eine Markierung aufweisen, die sie in den Bereich der kunstlerischen Sonderkommunikation rucken, in dem der lebensweltliche Kommunikationsernst nicht gegeben ist. Unter Sonderkommunikation fasst Knape entpragmatisierte Texturen „in den Kunsten, in Literatur, theatralischem Spiel, Karneval, Fest, usw“10

Nur anhand dieser Grundlagen kann eine Erorterung der Asthetizitat von Reportagen auf der Folie von literarischen Kriterien erfolgen. Die fur diese Diskussion wesentliche Frage ,,Was ist Literatur?“ soll aber in dieser Arbeit nicht behandelt werden, denn aus rhetorischer Perspektive werden ,,auch Texte in ihrer Eigenschaft als kommunikatives Faktum in den Blick genommen, die auf irgendeine Weise als Literatur markiert auftretenA11 Eagleton hat bereits ausgefuhrt, dass die vielen konkurrierenden Teildisziplinen nebst ihrer Konzeptualisierungen von Literatur und Literarizitat ebenfalls keine vollstandige Beantwortung dieser Frage haben leisten konnen.12 Demnach ware ein vollstandiges Referat der unterschiedlichen, literatur-, medien- und textwissenschaftlichen Konzepte fur die hier vorliegende, rhetorikspezifische Analyse Makulatur. Stattdessen soll diese Frage nach Literarizitat im Sinne der Oratorizitat auf drei Ebenen behandelt werden:

Erstens muss analysiert werden, wie der Orator seinen Text labelt bzw. markiert. Zweitens wird die Analyse die poetologischen Strategien fokussieren, die im rhetorischen Sinne einem klaren Kalkul folgen. Drittens wird die Rolle des Referentialitatskriteriums^ktua/ vs.fiktional herangezogen, anhand dessen bestimmte Selbstinszenierungsstrategien hergestellt werden, die im Sinne des rhetorischen Ethos-Begriffs zu verstehen sind.

Die Grenzverwischung zwischen faktualen und fiktionalen Elementen innerhalb seiner Texturen soll anschliefiend als Basisfaktor dienen, um eine poetologische Analyse seiner Romane und Reportagen zu ermoglichen. Aufgrund dieser Analyse wird ersichtlich werden, inwiefem die zunachst als faktual gelabelten Reportagen Joachim Lottmanns dennoch im Sinne einer asthetisch-literarischen Kommunikationstheorie analysiert werden konnen. Das Konzept der Autofiktion stellt dabei einen kaum zu unterschatzenden Anteil innerhalb des projektiven Kalkuls von Joachim Lottmann dar. Der Begriff des rhetorischen Faktors innerhalb seiner Texturen soll analytisch zeigen, inwiefern selbst-reflexive, poetologische Uberlegungen durch die autofiktionalen Elemente zustande kommen, die den Kommunikator Lottmann uber seine Erzahler-Konstrukte auf eine ganz bestimmte Weise, strategisch als Autoren inszenieren.

2. Kommunikationstheoretische Grundlagen literarischer Kommunikation

Im Gegensatz zum Gros der literaturwissenschaftlichen Forschungsansatze soll hier nicht vom Medium der Literatur gesprochen werden, da eine derartige Definition in krassem Gegensatz zum rhetorischen Begriff des Mediums steht bzw. im Sinne der rhetorischen Taxonomie unbrauchbar erscheint. Ein Medium wird als physischer Datentrager verstanden, der dem kognitiven System Kommunikator zur Distribution seines zum Text gewordenen rhetorischen Anliegens dient. ,Ein Medium ist eine Einrichtung zur Speicherung und Sendung von Texten. “13

Im primarmedialen Bereich der face-to-face-Kommunikation dient dem Kommunikator sein eigener Korper als Medium, er bedient sich - zumindest potenziell - aller funfKode-Systeme (akustisch, optisch, haptisch, gustatorisch, olfaktorisch). In der sekundarmedialen Kommunikation allerdings muss sich der Kommunikator bestimmter Datentrager bedienen, die die spatiale und/ oder temporale Distanz uberbrucken konnen, indem sie die vom Kommunikator konzipierte und hergestellte Textur speichern und distribuieren.

Bevor der fur die hier angestellten Uberlegungen wesentliche Kommunikationsbegriff definiert werden soll, mussen aber zuerst einige weitere Definitionen erfolgen, die sich insbesondere mit den Begrifflichkeiten Medium und Text auseinandersetzen. So basal und damit eventuell irrelevant dieses Anliegen klingen mag, so ist es nichtsdestotrotz aus taxonomischen Grunden mehr als notwendig, da ein fehlender, gemeinsamer Bezugsrahmen sowie eine fehlende, gemeinsame Terminologie die Ubertragbarkeit der zitierten Forschungsliteratur diskreditieren wurde. Tatsachlich variieren und differieren die Definitionen von Text und Medium erheblich, so dass eine Definition der Begrifflichkeiten analog zur rhetorischen Theorie Joachim Knapes erfolgen soll.

In den Analysen, die sich zunachst an narratologischen Fragestellungen orientieren, wird zudem immer wieder eine Diskussion des Verhaltnisses von Autor/ Kommunikator zum Erzahler angestrengt werden, da die literaturwissenschaftliche Fragestellung Wer erzahlt wem? zumeist uber den intra- oder extradiegetischen Erzahler perspektiviert ist.14 Aus rhetorischer Perspektivejedoch, die den Orator, als ,,Kommunikationsfaktorundtextkonstruierende Instanz“15 zum Basisfaktor der produktionstheoretisch orientierten Analysen macht, muss der Autor als texthervorbringender, -verantwortender oder -redigierender Urheber16 fokussiert werden, der einen expliziten Stellenwert im kommunikativen Geschehen der literarischen Textproduktion und -distribution einnimmt.

Diese Analysen konnen zu einer literarischen Rhetorik bzw. rhetorisch orientierten Narratologie beitragen, zumal - streng narratologisch betrachtet - von Erzahlern gemachte Aussagen zwar nicht die Sicht des Autors spiegeln mussen, der Autor als Textproduzentjedoch durch den performativen Akt der Niederschrift fur den Text verantwortlich ist. Die Narratologie konzentriert sich hingegen eher auf,,die vom Erzahler entwickelte Strategie der Uberzeugung“, mit der er ,,dem Leser eine Sicht der Welt aufzwingen [will], die niemals ethisch neutral ist, sondern vielmehr implizit oder explizit eine neue Bewertung der Welt und des Lesers selbst induziert (.. .).“17 Diese Strategie wird in dieser Arbeit als eine vom Autor im Text implementierte Intention verstanden, durch die Persuasion Textstruktur geworden ist.18 Insofern wurde diese literarische Rhetorik keine Rehabilitierung biographistischer Lesarten proponieren, allerdings den aus dem Zustandigkeitsfeld der Poetik verbannten Autoren ,,endgultig ins Reich der Rhetorik aufnehmen.“19

2.1. Rhetoriktheoretische Definitionen - Kode, Zeichen, Text, Medium

Allgemein betrachtet bedeutet Text eine ,,Folge von Satzen oder sonstigen sprachlichen AuBerungen, die als Einheit betrachtet werden kann.“20 Allerdings muss der Textbegriff weiter abstrahiert werden, da Texte durch Zeichen konstituiert werden, die wir als ,,kleinste bedeutungstragende Einheit eines Verweisungssystems“ begreifen, als „sinnlich wahrnehmbare GroBe, die als Trager von Bedeutung fungiert oder interpretiert wird.“21 Zeichen gehoren demnach auch immer zu eigenen Zeichensystemen (die nach den menschlichen Sinnen zu klassifizieren sind, d.h. akustisch, optisch, taktil/ haptisch, olfaktorisch, gustatorisch), auf die ein Kommunikator kodal rekurrieren kann. „Kodes sind die Symbol- und Zeichenvorrate einer Kommunikationsgemeinschaft, einschlieBlich ihres Verwendungsregelwerks.“22 Ein Kommunikator produziert demnach Bedeutung, indem er aus einem Zeichensystem als Repertoire bestimmte Zeichen auswahlt, und sie nach den syntaktischen, semantischen und pragmatischen Regeln dieses Systems zu bedeutungstragenden AuBerungen verknupft.23 Mit anderen Worten produziert er mit kommunikativen Mitteln (=Zeichen) aus einem Zeichensystem (oder mehreren) Bedeutung, die er uber Texte ausagiert.

Danach bezeichnet das Wort ,Kommunikation’ den Begriff der Ubertragung bzw. Vermittlung von Botschaften Inhalten oder Bedeutungen von einem Ab-Sender (Kommunikator) zu einem Empfanger (Rezipienten) durch den Gebrauch von Kommunikationsmitteln (Zeichen und Symbolsysteme einschlieBlich technischer Einrichtungen bzw. Hilfsmittel). Basis fur die Verstandigung ist hier, daB Absender und Adressat uber gleiches Wissen und uber dasselbe Zeichen- oder Symbolsystem verfugen.24

Die gemeinsame Kompetenz in den (kulturellen) Zeichensystemen ist dabei der Garant fur das Verstehen eines konventionalisierten Sinns des Kommunikats: d.h. dass sowohl dem Kommunikatoren als auch dem Adressaten ein Zeichensystem zur Verfugung stehen muss, das eine gemeinsame Schnittmenge aufweist, so dass ,,die verwendeten Zeichen fur beide Kommunikanten (...) auch die gleiche ,Bedeutung’ haben (...).“25 Nichtsdestotrotz ist davon auszugehen, dass Verstehen bzw. der kommunikative Transfer einer Information nicht nach dem Schema eines bloBen Datentransfers zu betrachten ist. Zum einen muss der Text durch den Adressaten aktiviert werden, d.h. ,,Bedeutung entsteht aus der Interaktion des Rezipienten mit dem Text.“26

Der Adressat ist kein passiver Zuhorer, sondern decodiert die im Kommunikat enthaltene Information aktiv und konstruiert dabei Sinn, denn ,,der Text kann bei verschiedenen Menschen nur gemeinsame Schnittmengen von Bedeutung evozieren.“27 Damit ware ein fur den Kommunikationsprozess basaler Textbegriff erarbeitet,jedoch bedarf es weiterer Ausfuhrungen zur Spezifizitat verschiedener Texturen, um eine literarische Textur von anderen zu distinguieren: ,,Medial sehr weit gefaBt sind semiotische Textbegriffe, nach denen samtliche semiotische Objekte als ,Text’ gesehen werden konnen.“28

Knape analysiert die textrhetorischen Implikaturen auf der Basis einer ebenfalls abstrakten Definition, indem er Texte als begrenzte Zeichenkomplexe auffasst, die in kommunikativer Absicht modelliert sind.29 Insofern die hier vorliegende Untersuchung zunachst auf der abstrakten GroBe Text basiert, muss festgehalten werden, dass Literaturdistribution bzw. literarische Kommunikation als kommunikativer Prozess begriffen werden soll, bei dem das Kommunikat (Text) vom Adressaten aktiviert werden muss, damit ein Kommunikationsprozess zustande kommen kann, der die distribuierte Textur durch die Rezeption des Adressaten nicht nur aktiviert, sondern ebenso im Sinne der asthetischen bzw. kunstlerischen Sonderkommunikationstheorie Joachim Knapes (s.u.) als kunstlerisch markiertes Kommunikationsangebot wahrnimmt.30

Der Bereich der Sonderkommunikation ist dabei als ein vom Kommunikator markierter Modus zu betrachten, der im Gegensatz zum lebensweltlichen Kommunikationsernst steht, der sich wiederum an den Grice'schen Konversationsmaximen orientiert.

Mit anderen Worten ist es das Ziel dieser Arbeit aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht Literatur als asthetisches Kommunikationsphanomen zu bestimmen, das sich sekundarmedial als Kommunikat optischer Kodes situiert, indem der sprachliche Kode als gedrucktes Wort distribuiert wird - wobei sich literarische Kommunikation wie im Falle von Horbuchern oder der Braille-Schrift auch anderer Kodesysteme bedienen kann. AuBerdem musste sich hier eine Diskussion epi- und paratextueller Phanomene anschlieBen, die sich ebenfalls multikodal gestalten konnen (s.u.).

Im weiteren Verlauf wird die Bedeutung des grundlegenden Kommunikationsprozesses maBgeblich fur die Erorterung der Rolle des Oratoren und seines projektiven Kalkuls sein. Ferner determinieren wir damit das Phanomen der asthetisch-literarischen Kommunikation als speziellen rhetorischen Fall, da ein Kommunikationsangebot im rhetorischen Sinne immer auf einen ,,Wechsel von einem mentalen Zustand in einen anderen“31 abzielen muss. Die Erorterung der mit der Handlungsrolle Orator verbundenen ,,humankommunikativen Probleme“ verweist dabei ebenfalls auf den systematischen Forschungsgegenstand der Rhetorik, deren ,,Fragestellung ausschlieBlich auf die Erfolgsbedingungen menschlicher Kommunikation gerichtet (...)“ ist.32

Diesen mentalen Wechsel kann man im Falle literarischer Kommunikation in der Textaktivierung des Kommunikats als asthetische Textur bzw. kunstlerisches Produkt als persuasiv betrachten, da das Kommunikat seitens des Orators dahingehend strategisch konzipiert ist, dass der Adressat die Textur in ihrer Beschaffenheit als Kunstwerk sowie in ihrem Diskursframe als Teil der kunstlerischen Sonderkommunikation wahrnimmt. Zentrale Eigenschaft rhetorischer Kommunikation ist die aufPersuasion (.. .)als Wirkungsziel gerichtete Intentionalitat (...) des Sprechaktes. Rhetoriktheorie ist immer Kommunikationstheorie, wahrend umgekehrt nicht alle Kommunikation nach rhetorischen Gesichtspunkten verfahrt. Die Gleichsetzung beider Begriffe verwischt das spezifische Untersuchungsfeld der Rhetorik.33

2.2. Das Buchmedium und der Roman

Dem Orator stehen zur Durchsetzung seiner auf Persuasion angelegten kommunikativen Handlungen verschiedenen Medien als „sozial distributive Tragflachen von verbalen oder nonverbalen Texten“34 zur Verfugung, im Normalfall kommunizieren die Autoren literarischer Texte dabei durch das Buchmedium, wobei - wie bei Lottmann - auch andere Medien wie Zeitungen und Zeitschriften sowie Online-Medien zur Verfugung stehen.

Womit hat es ein projektiv kalkulierender Kommunikator bei dem Buchmedium zu tun? Einen Uberblick uber die verschiedenen Definitionen und Ansatzpunkte seitens der diversen Wissenschaftsdisziplinen sowie ihrer konkurrierenden Definitionen bietet Werner Faulstich.35 Seine Uberlegungen sind aufgrund der sich stets weiterentwickelnden technisch-medialen Moglichkeiten zwar zu aktualisieren,jedoch bleibt festzuhalten, dass ,,ein konziser, medientheoretisch fundierter Buchbegriff ‘ bislang noch aussteht. Zudem wird das Medium „Buch“ auch haufig mit „Literatur“ identisch gesetzt, wobei die ,,literarischen Bucher“ tatsachlich nur einen geringen Teil innerhalb der Buchproduktion gestellt haben, wobei ,,das Buch“ aber immer noch das ,,kulturelle Leitmedium“ im Falle literarischer Kommunikation darstellt.36

Unter Medium verstehen wir eine ,,Einrichtung zur Speicherung und Sendung von Texten.“37 Diese Einrichtung ist Teil eines Kommunikationsprozesses und kann zudem technischen oder naturlichen Ursprungs sein. Zwar sah die antike Rhetoriktheorie den menschlichen Korper als „mafigebliche Speicher-, Sende- und Performanzeinrichtung“38 an,jedochbeschaftigt sich diese Arbeit mit sekundarmedialen Texten der literarischen Kommunikation.

An dieser Stelle soil auf die Diskussion des oratorischen Handelns vorgegriffen und der Begriff der Notation eingefuhrt werden: Knape konzipiert unter Notation einen Prozess, in dem aus intramentalem Werkkonzept ein externalisierter Text oder eine Textur werden muss, wobei der Begriff diverse Realisationsformen bzw. medial differente Vertextungsmoglichkeiten beinhaltet.39 An dieser Stelle ist dabei zunachst das fur literarische Kommunikation spezifische Endprodukt wesentlich, denn diese spezielle oratorische Praxis, mit anderen Worten: sekundarmediale bzw. dimissive Kommunikation resultiert in einem persistenten gedruckten Text. Dimissivitat ist im Falle von Literatur somit als distanzuberwindender Kommunikationsvorgang zu verstehen, durch den der informationelle Kode der Sprache schriftlich-optisch fixiert wird.40

Wichtig fur die Analyse von Textualitat ist zudem die Feststellung, dass es besondere und spezifische Textsorten gibt. Textlinguistisch betrachtet ergibt sich die Konsequenz, dass der Vielzahl moglicher Texte eine uberschaubare Menge von Textsorten bzw. Texttypen zugrunde liegt,jeder konkrete Text also nicht nur eine Realisierung der allgemeinen Grofie ,Text’ ist, sondern zugleich auch eine bestimmte Textsorte reprasentiert, z.B. einen Zeitungskommentar, ein Kochrezept oder eine Werbeanzeige.41

Textsorten stellen somit komplexe Konstitutionsmuster dar, in denen allgemeine Prinzipien der Textkonstitution ihre spezifische Auspragung erfahren. Die Textsortenkonstitution rekurriert dabei auf das Alltagswissen und stellt auch eine Orientierung fur Rezeption und Produktion von Texten dar. Dabei helfen im kommunikativen Geschehen Interaktionsrahmen und das soziale Wissen uber deren Bedeutung, so dass alle Beteiligten entsprechende Erwartungshaltungen konstituieren und angemessene Beurteilungen vornehmen konnen.42 Knape definiert in dieser Diskussion im Ruckgriff auf die textwissenschaftlichen Uberlegungen van Dijks die frames als spezifische Organisationsmuster fur das „konventionell festgelegte Wissen“, das wir von der Welt besitzen.43 Somit bilden diese Muster einerseits Verstehensrahmen fur sonderkommunikative Aufierungen und sind ferner spezifisch markiert, bspw. epitextuell durch eine Gattungsangabe wie „Roman“. Dies erlaubt dem Kommunikator ebenfalls eine praskriptive Labeling-Strategie zu implementieren: im Ruckgriff auf das konventionelle Wissen rund um Textsorten und Gattungen kann er projektiv die Erwartungshaltungen der Adressaten instrumentalisieren.

Diese „Verstehens-Vorzeichen“ kann er zur Differenzierung bzw. Distinktion seiner Textur von anderen Textsorten wahlen, wobei diese Gattungsbegriffe gleichzeitig als Leseinstruktionen zu verstehen sind, die gleichsam als Fiktionssignale aufgefasst werden konnen.44 Ein mit dem Epitext bzw. Label „Roman“ markierter Text wurde somit die Erwartungshaltung wecken, dass es sich um einen fiktionalen Text handelt, wobei der Grad an Literarizitat zunachst nicht entscheidend ist. Gleichzeitig wurde ein als Reportage markierter Text mit einem anderen Bundel an Erwartungen verknupft sein, namlich dass es sich um eine faktuale Textur handelt. Ein Kommunikator kann somit nicht nur uber die Bedeutung eines Kommunikats und den medialen Kanal entscheiden, sondern in der Vertextung auf ein Repertoire von Texten und Textsorten zuruckgreifen, die als solche bedeutungstragend sein konnen.

Der Literaturwissenschaftler Gerard Genette hat hierfur den Begriff Architext gepragt, d.h. die Gesamtheit der allgemeinen ubergreifenden Kategorien, auf diejeder Text zuruckgreift. Die einzelnen Texte, die als abgeschlossene Bedeutungseinheiten verstanden und analysiert werden, gewinnen ihre historische Bedeutung durch ihre Position in einem Tableau, das die verschiedenen textuellen Ordnungs- und Funktionsmodelle typologisiert undklassifiziert (...) Die einzelnen (literarischen) Texte stellen Variationen bestimmter Grundformen dar, die als eine semantische Tiefenstruktur von allen narrativen Prozessen bestimmbar sind.45

Genette bezieht sich damit zwar auf die spezifischen literarischen Vertextungen, nichtsdestotrotz stellt fur den strategisch kommunizierenden Orator der Architext einen Fundus seiner kommunikativen Mittel hinsichtlich der moglichen Variationen im Vertextungsprozess dar. Textsorten unterliegen ebenso einer historischen Qualitat: „Ein Element, das zu einer ganz bestimmten Epoche seinen ganz bestimmten Wert hatte, verandert seine Funktion in einer anderen Epoche vbllig.“46 Die historische Genese einer Textsorte kann demnach im Rezeptionsvorgang bedeutungstragend sein, da die lebensweltliche Erfahrung des Adressaten mit ebenjener Textsorte als Epitext den Kommunikationsprozess affizieren kann.

Jeder Text kann im kommunikativen Prozessjedoch auch unabhangig von Textsorte und Genre durch den Adressaten bewusst oder unbewusst vor dem Hintergrund vergangener Kommunikationsprozesse unterschiedlich rezipiert werden. ,,Jeder Text situiert sich in einem schon vorhandenen Universum der Texte, ob er dies beabsichtigt oder nicht.“47 Der Adressat als in sich abgeschlossenes kognitives System muss eine kommunikative Folgeoperation in Gang setzen, um den Kommunikationsprozess zu komplettieren. ,,Verstehen ist nie eine blofie Duplikation der Mitteilung in einem anderen Bewusstsein, sondern im Kommunikationssystem selbst AnschluBvoraussetzung fur weitere Kommunikation (.. .).“48 Die Verstehensleistung des Adressaten im Rezeptionsvorgang ist daher immer hinsichtlich des sozialen wie individuell konstituierten diskursiven Netzwerkes zu betrachten. Bedeutung ware nach dieser Betrachtungsweise das Ergebnis „der ,Interaktion’ zwischen kognitiven Systemen (Menschen) und semiotischen Systemen (Texten).“49

2.3. Intertextualitat und Diskursframe

Die wissenschaftliche Analyse eines literarischen Textes versucht zwar allein durch textinterne Evidenzen zu einer Interpretation zu gelangen, nichtsdestotrotz sind epitextuelle Kenntnisse im kommunikativen Prozess der Rezeption eines Textes ein wesentlicher Faktor des Verstehens. „Text, engerer Kontext und Diskursframe sind nicht zu trennen.“50 Die Bedeutung eines Kommunikats ist daher erheblichen situativen Schwankungen ausgesetzt und unterliegt historischen Konstellationen und Modifikationen. Beispielsweise ist eine Lekture der Romane Lottmanns ohne Kenntnis seiner Reportagen zwar problemlos moglich,jedoch wird die Rezeptionserfahrung erheblich differieren, wenn sich die im Roman zunachst als fiktional ausgegebenen Reportagen aus der Feder des homodiegetischen Erzahlers Johannes Lohmer als tatsachliche Reportagen Lottmanns erweisen, die langst vor der Veroffentlichung des Romans in der taz, dem Spiegel und der Suddeutschen Zeitung erschienen sind.51 Stierle verweist daher auf die dynamische Qualitat eines Textes, da sich das Universum der Texte stets erweitert und damit auch der Diskursframe.52 Intertextualitat bezeichnet den Bezug von Texten auf Texte, zumeist den Bezug von Folgetexten aufPratexte.53 Die Relation des Folgetextes zum Pratextes ist dabei wesentlich davon gepragt, dass der Pratext nicht zwingend bewusst sein oder assoziiert werden muss. Stierle spricht daher bei der intertextuellen Relation von einem semiotischen Verweis, bei dem ein denotierter, artikulierter und prasenter Text Bezug zu einem absenten, konnotativen Text nimmt.54

Somit entscheiden im Rezeptionsvorgang das kulturelle Wissen des Individuums sowie der Diskursframe uber die Qualitat der intertextuellen Relation (denotativ oder konnotativ) und inwiefern diese bei der Textaktivierung vergegenwartigt wird. Dennoch kann ein Text seine asthetische Qualitat verlieren, insofem die intertextuelle Relation den Text dezentriert.55 Mit anderen Worten kann gemaB seiner Theorie nichtjede willkurliche Relation als Intertextualitat gelten, ohne den Text dabei asthetisch zu entfremden. Rhetorisch gesehen musste man von oratorischem Kontrollverlust sprechen. Demnach kann es geschehen, dass eine vom Text evozierte Relation beim Adressaten nicht aufgerufen wird, sowie eine falsche bzw. abwegige Relation ebenso moglich ist. Dies ware aus rhetorischer Sicht auf der Folie des kommunikativen Erfolgs zu diskutieren, wobei Luhmann das Erfolgskriterium dahingehend problematisiert, dass, selbst wenn Kommunikation „verstanden“ wird, damit keinerlei Garantie gegeben sei, dass sie auch angenommen wird.

Mit kommunikativem „Erfolg“ meine ich, daB der Empfanger den selektiven Inhalt der kommunikation (die Information) als Pramisse des eigenen Verhaltens ubernimmt, also an die Selektion weitere Selektionen anschlieBt und sie dadurch in ihrer Selektivitat verstarkt. Annehmen als Pramisse eigenen Verhaltens kann dabei bedeuten: Handeln nach entsprechenden Direktiven, aber auch Erleben, Denken und weitere Kognitionen verarbeiten unter der Voraussetzung, daB eine bestimmte Information zutrifft.56

2.4. Der Autor und sein rhetorisches Organon

Eine rhetorische Betrachtung literarischer Kommunikation richtet zunachst den Blick auf den empirischen Autor als produktiven Aktanten innerhalb eines asthetischen Kommunikationsprozesses. Zunachst unbeachtet bleibt innerhalb dieser Betrachtungsweise der Erzahler als die „durch die neuere Literaturwissenschaft eingefuhrte Beschreibungskategorie fur die AuBerungsinstanz im Roman, die vom empirischen Autor unterschieden werden soll.“57 Wahrend man im abstrakten Sinne den Autor als geistigen Erzeuger multikodaler Texturen, z.B. auch von Werken der Musik, oder bildenden Kunst, auffassen kann58 - als Verfasser von „Texten aller Art“ - so ist in der literaturwissenschaftlichen Theorie zumeist der „Verfasser literarischer Texte“ gemeint.59 Gemein ist diesen Ansatzen allerdings nicht nur die Konzeption des Autors als Erzeuger im produktionsasthetischen Sinn, sondern auch die des Autors als Urheber imjuridischen.60

Den Autor als Orator zu begreifen, bedeutet ihn als den rhetorisch handelnden Akteur im Kommunikationszusammenhang zu analysieren, als „das Ich, das vor die anderen tritt, weil es ein kommunikatives Ziel hat und sein Ziel unter bestimmten Bedingungen fur erreichbar halt.“61 Daruber hinaus konnen auch kollektive Kommunikatoren unter dem Begriff des Orators gefasst und analysiert werden, insbesondere im Falle „korporativer oder institutioneller Auktorialitat, innerhalb derer sich einzelmenschliche Kommunikation auflost (.. .).“62 Innerhalb der literarischen Kommunikation muss also einerseits der empirische Autor fokussiert werden, andererseits sieht er sich einem komplexen Mediensystem ausgesetzt, das eine Pluralitat der Kommunikatorenfunktionen begunstigen kann. Der literarische Text als Reprasentant der Primarinformation benotigt zur Distribution ein Medium als Trager, der literarische Autor bedient sich dabei zumeist des Leitmediums Buck (s.o.). In organisatorischer wie logistischer Hinsicht muss demnach die Ebene der Mediensysteme mit bedacht werden: ,,Mediensysteme sind Institutionen, die in einer Gesellschaft die technische Infrastruktur des Medieneinsatzes organisieren.“63

Im Hinblick auf das oratorische Organon bei literarischer - und im Falle Lottmanns dabei auch asthetisch uberformter journalistischer - Kommunikation muss eine medientheoretische Taxonomie wie folgt dargestellt werden: das Buchmedium als Schrifttrager bedient sich des visuell denotierten Schriftcodes, und transportiert dieses Text innerhalb des Medialsystems der Publizistik.64 Die Reportagen Joachim Lottmanns wurden zwar auch im Buchmedium publiziert, das Gros dieser Texturen wurde primarjedoch in Zeitungen und Zeitschriften abgedruckt bzw. in seinem Weblog veroffentlicht, und erst im Nachhinein zu einem Kompendium zusammengefasst und neu herausgegeben. Auf medientheoretischer Ebene kann man die Reportagen, die qua Markierung daruber hinaus eine differente Textqualitat aufweisen mussten und eine andere Rezeptionshaltung evozieren, nichtsdestotrotz medialsystematisch ebenfalls der Publizistik zuordnen.

Eine Diskussion der Kommunikation via Weblog musste unter medientheoretischer Perspektive zunachst eine Definition dieses Phanomens vornehmen, wobei in der Forschung noch keine einheitliche Konzeption vorliegt. Gemeinhin werden Weblogs als noch relativjunge Formate journalistischer sowie kunstlerischer, aber auch privater Kommunikation betrachtet, wobei sie im Hinblick auf Identitat und Qualitat nur relativ vage bestimmt sind. ,,Der Grad an Konsentierung, Formalisierung und Normierung ist hier eher gering (.. .).“65 Die drei wichtigsten Merkmale eines Weblogs bestehen nach Neuberger/ Nuernbergk in der haufigen, regelmaBigen, und schnellen Aktualisierung, sowie der Behandlung privater Themen und der subjektiven Perspektive, ferner in der Einbettung von Links. Eher zweitrangig aber nichtsdestotrotz auffallend, bzw. unter dispositionellen Gesichtspunkten nicht zu vernachlassigen ist zudem die chronologische Sortierung der Texturen.66 Simons definiert Weblogs wie folgt:

Als Weblogs werden Webseiten bezeichnet, die regelmaBig aktualisiert und deren Beitrage auf der Hauptseite in chronologischer Folge angezeigt werden; der aktuellste Beitrag steht dabei stets ganz oben. Insofern gleichen Weblogs Tagebuchern oder Journalen (...).67

Vom Bereich des Online-Journalismus im engeren Sinn waren Weblogs aber zu differenzieren, insofern sie nicht ,,aus offentlichen bzw. offentlichkeitswirksamen, gesellschaftlich relevanten und aktuellen Ereignissen nicht-fiktionale und nicht-selbstbezugliche Aussagen“ erzeugen, und via Online-Kommunikation verbreiten.68 69 Auch hier sind Formate und Textsorten denkbar, die die jeweiligen Definitionsgrenzen vermengen und uberschreiten, im Wesentlichen kann die Grenzejedoch sicherlich in der Ausrichtung aufjournalistisch-objektiver Berichterstattung oder eher subjektive, selbstreferentielle Kommunikation gezogen werden. Beiden Bereichen gemein ist daruber hinaus die Dimissivitat als ,,raumlich-zeitliche Extension4469 der Kommunikationssituation, wobei hierbei die Frage nach fiktionalem oder faktualem Kommunikationsmodus zunachst unerheblich ist:

Der positive Effekt besteht bei der Dimission fur den Orator darin, dass ein Text per situationsuberschreitender Distanzkommunikation mit Hilfe externer Medien (...) uber Raum und Zeit hinweg gesendet werden kann, ohne dass er selbst noch bei diesem Teil des Kommunikationsprozesses als Speicher und Sender operativ tatig sein muss. Die kommunikative Instanz Orator bleibt der „Absender“, gibt aber in der Dimission an einem bestimmten Punkt des Kommunikationsprozeses die Medialisierung an einen externen Prozessor ab.70

Als potenziell audio-visuelles Format der Online-Medien erweitern Weblogs nichtsdestotrotz das oratorische Organon, zudem konnen sie in intertextueller Hinsicht eigene Primartexte offerieren, die in nichtsdestotrotz zu Epitexten innerhalb der literarischen Kommunikation werden, auch indem sie aus oratorischer Perspektive multikodale Moglichkeiten der Inszenierung von Autorschaft offerieren, insofem dies im projektiven Kalkul des Kommunikators intendiert ist. Kurz gefasst ergeben sich auf textsemiotischer Ebene potenzielle Interferenzen, die Innokentij Kreknin insbesondere hinsichtlich Joachim Lottmann als mediale Schnittstelle konzipiert, und zwar „zwischen den literarischen Texten und den alltagswirklichen Elementen, die auf Autoren referieren, und deren Eigenschaften als offentliche empirische Personen definieren (.. .).“71 In Bezug auf den kommunikativen Rahmen soll dies als Infragestellen der Grenze zwischen „lebensweltlicher Standard- und kunstlerischer Sonderkommunikation“ analysiert werden.72

Die differierenden Medialsysteme muss der Orator beherrschen, insofern eine rhetorische Strategie vorliegt, welche als das ,,auf einen komplexen kommunikativen ProzeB bezogene Erfolgs- und Effektivitatskalkul des Orators“ definiert werden kann, „in dessen Mittelpunkt die Analyse der relevanten Ziel-Widerstand-Mittel-Relationen steht.“73 Das aus rhetorischer Perspektive zentrale Ziel dieses Handelns besteht in der Persuasion.74 Knape gibt hierbei zu Bedenken, dass auf der Folie des rhetorischen Kalkuls die Wahl des angemessenen Mediums den Ausschlag uber grofieren oder geringeren persuasiven Erfolg geben kann.75 Im Ruckbezug auf Lottmann muss somit hinzugefugt werden, dass sich die Einzeltexte auch immer in einem diskursiven Rahmen wiederfinden, wobei durch die Urheberschaft Lottmanns eine Art Textuniversum als Diskursframe konstituiert wird, innerhalb dessen Grenzen die multimedial distribuierten Texte einen flankierenden Status innehaben. Mit anderen Worten werden verschiedene Textsorten, Formate und Medialsysteme gewahlt, um diverse Texte zu kommunizieren, die sich aber nichtsdestotrotz gegenseitig epitextuell kommentieren und komplementieren, so dass in Bezug auf die persuasive Absicht der rhetorischen Strategie einer Art Masterplan vorliegt, der die Beherrschung der Medialsysteme durch den Oratoren erfordert. 76

Die kontraren medialen Gegebenheiten, mitsamt ihrer unter dem Stichwort der channel deflection 77 zu diskutierenden und zu analysierenden Widerstandpotenziale, mussen nicht nur antizipatorisch einkalkuliert werden, insbesondere innerhalb der kunstlerischen Kommunikation konnen sie auch im produktiven Sinne Teil des asthetischen Kalkuls sein. Da bestimmte Textsorten bestimmten konventionalisierten Erwartungshaltungen unterliegen, bspw. dass ein Roman als nicht-faktuale Textur eher im Buchmedium performiert wird, anstatt in der Zeitung, kann die Wahl des Mediums mitsamt den konventionalisierten Sinnzuschreibungen an die Texturen zum strategischen Kalkul beitragen. Andererseits kann das Fehlen dieser Markierungen, bzw. das strategische Spielen mit Gattungsbezeichnungen und - zugehorigkeiten ebenfalls Teil dieses Kalkuls sein; ohne an dieser Stelle bereits auf den analytischen Teil dieser Arbeit vorgreifen zu wollen, soll Lottmanns Reportage Hitler hat keine Facebook-Freunde, die von der Zeit in ihrer Online-Ausgabe unter dem Stichwort Rechtsextremismus veroffentlicht wurde, als Beispiel dienen.78

Formal finden sich keinerlei paratextuelle Elemente, die dem Leser eine Lekture im Sinne von Lottmanns noch zu definierender Borderline-Strategie ermoglichen wurden, insofern der Leser nicht bereits mit dieser Strategie vertraut ist. Dieses kulturelle Wissen wurde den durch seine Publikation in einer Tageszeitung zunachst als faktual markierten Text aus dem normalkommunikativen frame extrahieren und in einen sonderkommunikativenframe transponieren. Somit erscheint der Text als seriose Analyse rechtsextremistischer Tendenzen in Osterreich, zumal die Publikation der Reportage in der Zeit eine Lekture als seriosen journalistischen Beitrag nahelegt.79 Tatsachlich offeriert die Reportage keine ernstzunehmenden politischen Analysen, der Autor zeigt sich an der Brisanz der soziopolitischen Lage eher desinteressiert, verbringt seine Zeit auf Verlagspartys bspw. im Schloss Laudon und referiert uber ein Gesprach mit einer Redakteurin des Kuriers:

Ich musste lachen. Die Frau verwechselte einfach Nazis mit dem ganz normalen Abschaum, den es immer gab und immer geben wird, injeder Gesellschaft. Verfasser von Latrinenferkeleien, die das Klo gegen das Internet getauscht haben. Populisten, die heute Strache, gestern Haider und eine Generation zuvor vielleicht Peter Alexander - oder ein anderes Ekel, so gut kenne ich die Leute nicht - gut fanden. Die Deppen eben. Die ewigen Befurworter der Todesstrafe. Der Mob, der sich zu allen Zeiten unter der Parole ,,Rube ab fur Kinderschander“ versammelt. Silvio Berlusconi. Stefanie zu Guttenberg. Frank Elstner. Lanz kocht.80

Diese offensichtlich auf Verwirrung zielende Strategie findet sich ebenso in den Klappentexten seiner Romane, in denen das Geburtsjahr des Autoren immer unterschiedlich angegeben, Lottmann immer junger wird.81

Die Kontrolle uber diese Paratexte obliegt nicht dem Autoren als Oratoren alleine, sondem erfordert im publizistischen Medialsystem die kommunikative Komplizenschaft anderer, am Kommunikationsprozess ebenso beteiligter Zweit- und/ oder Drittoratoren, wie z.B. Lektoren, Verleger, (Chef-) Redakteure, etc., die es ermoglichen dass diese Paratexte einen Teil des rhetorischen Faktors innerhalb literarischer Kommunikation reprasentieren.82

2.5. Kalkul

Fur den Vertextungsprozess ergibt sich damit fur den geschulten Orator die Notwendigkeit, ein reflektiertes Produktionskalkul aufWeisen zu konnen, „das sich auf die geschulte Kompetenz zum Einschatzen der Adressaten und zum Ausschopfen der Moglichkeiten aller in Betracht kommenden Textsorten stutzt.“83 Die Wahl der geeigneten Textsorte korreliert im publizistischen Medialsystem dabei auch mit der Wahl des geeigneten Mediums, wobei der Orator an sich auch das aptum-Kriterium als regulatives Prinzip zu berucksichtigen hatte, das innerhalb der asthetischen Sonderkommunikationjedoch anderen Pramissen unterliegt, da z.B. eine gezielte Verletzung des aptum-Kriteriums als kalkulierte kunstlerische AuBerung nicht den normalkommunikativen Sanktionen ausgesetzt sein muss. Inwiefern also das Medium den Text determiniert ist eine zentrale Frage fur den Orator, da er einerseits ,,seinen Text im Hinblick auf die spezifischen performativen Moglichkeiten des Mediums einrichten muss“, oder kompensatorische Strategien beim Text vorzusehen hat, um performanzbedingte, beeintrachtigende Mangel oder Eigentumlichkeiten des Mediums, die die Textsemantik gefahrdenkonnten, auszugleichen. (...) Injedem Fall ist davon auszugehen, dass die Medien entwederje eigene Texturformate bedingen oder aber den Texten spezifische Merkmale abverlangen, was fur das oratorische Kalkul und die oratorische Produktionstatigkeit sehr wichtig ist.84

Im Bereich der asthetischen Kommunikation konnen aber eben diese Mangel beabsichtigte Effekte sein, was nichtsdestotrotz ein gegenseitiges tuning 85 von Kommunikator und Adressat unabdingbar macht, zumal es ebenfalls - insbesondere bei Lottmann - einen Teil des asthetischen Kalkuls darstellen kann, die Moglichkeiten des Mediums bzw. der medialen Konsequenzen fur die Angemessenheit der Textsorten zu erweitern oder zu reflektieren. Eingedenk dieser kommunikativen Handlungsmoglichkeiten muss sich der Orator daher dessen bewusst sein, dass es im normalkommunikativen, aber auch im sonderkommunikativen frame unausgesprochene, prakommunikative Kontrakte zwischen Kommunikatoren und Adressaten geben kann, die sich einerseits im projektiven Kalkul des Produzenten, aber auch in der Erwartungshaltung des Rezipienten niederschlagen. Der gegenseitige tuning-Prozess bildet daher auch den Rahmen kommunikativer Anschlussoperationen, insofern der Orator durch die Rekurrenz auf die Erwartungshaltung zu einer bestimmten Textsorte (oder auch zu einem Medium) auf die soziale Praxis einwirken kann, indem er die im Diskursframe eingeschriebenen kommunikativen Konventionen beeinflusst.

Die Erfolgshoffnung des Orators beruht dabei auf der grundsatzlichen Annahme, dass der Orator und der Adressat einen intellektuellen Kontakt herstellen konnen, mit anderen Worten, dass „intersubjektiv erzeugte Gemeinsamkeiten“ der Garant fur die soziale Ruckkopplung sein konnen.86 Diese Adressatenorientiertheit bildet letztlich die Pramisse fur die Verwirklichung des kommunikativen Ziels, der Persuasion, wobei dies immer auf der Folie des projektiven Adressaten- und Instrumentariumskalkuls betrachtet werden muss.

Fur den Orator sind kommunikative Mittel Instrumente, sie stellen sein Organon dar, mit dem er sehr bewusst umgehen muss. Der Orator sich kann mithilfe eigener projektiver Vernunft in sein Gegenuber hineinphantasieren, sich so auf die spezifische Strukturdeterminiertheit von Kommunikationspartnern einstellen und versuchsweise kalkulieren, welche Reaktion die von ihm eingesetzten Mittel der Beeinflussung beim Gegenuber selegieren konnten.87

Im Falle literarischer Kommunikation muss also von einer ,,Absichtlichkeit des literarischen Textes“88 ausgegangen werden, der den vorliegenden literarischen Primartext als Vertextungsresultat eines sonderkommunikativ kalkulierenden und agierenden Oratoren ausweist: der Text weist erklarte oder textinterne Intentionen seines Verfassers auf, wobei die rhetorische Perspektive es erfordert, Erzahlen als etwas Strategisches zu betrachten.89 Fur die weitere Diskussion muss die literarische Kommunikation bzw. eine Theorie literarischer Rhetorik weiteren Problematisierungen unterzogen werden. Fur den Moment soll dabei Erzahlen sowohl im Roman, als auch in der Reportage den gleichen kommunikationstheoretischen Uberlegungen unterworfen sein, denn unabhangig von poetologischen Strategien oder der Debatte um Fiktionalitat als Literarizitatskriterium, soll der performative Vorgang fokussiert werden, der Autorschaft zunachst generiert.

2.6. Autorschaft

Sowohl fiktionale als auch nicht-fiktionale Texte kann man als symbolische Stellvertreter einer korperlichen Handlung betrachten, als sekundarmediale Texturen werden publizierte Romane und Reportagen in der Dimission rezipiert, sie stehen ,,in einem Verhaltnis der Nachtraglichkeit und Differenz zu dem Akt, der sie konstruiert hat.“90 In der Konsequenz heiBt dies, dass die Rezeption dieser Texturen in Abwesenheit des Autors stattfindet, so dass die implementierte Persuasivitat auch unabhangig vom performativen Akt der Niederschrift (Autor) und Distribution (Verlag) des Romans potentiell wirksam sein konnen muss. Die rhetorische actio betrifft auf Primar-Kommunikatorenseite basal betrachtet den reinen Akt der Niederschrift, mit anderen Worten: performance begins the moment a text begins to be saved on a medium, e.g. the moment that the pen is put to paper, and ends with the sending of the text.“91 Auf operativer Ebene muss hierbei kein chronologisches Verstandnis der rhetorischen Produktionsstadienlehre angestrengt werden, insofern man die verschiedenen Stadien als ,,systematische Arbeitsbereiche“ versteht.92

Bezuglich der Implementierung einer Botschaft im performierten Text gilt es ein Umsetzungsverfahren zu finden, durch die das oratorische Telos Text werden kann, denn insofern der Kommunikator will, dass sich seine Leser mit einer bestimmten Haltung identifizieren, muss er diese Haltung in Form eines kunstlichen Artefakts verwirklichen, das davon unterschieden ist: als Text. Er muss dem Text eine Rolle einschreiben, die an mogliche Leser appelliert.93

Mit anderen Worten, und ohne das Booth'sche Konzept vom Impliziten Leser94 anzustrengen, muss der Autor, sofern er strategisch und persuasiv zu handeln gedenkt, dem Text eine Sinndimension einschreiben, die potentiell vom Adressaten gemafi seines projektiven Kalkuls dechiffriert werden kann. Dieser pragmatische Faktor innerhalb der literarischen Kommunikation kommt dadurch zustande, dass die sekundarmedialen Texturen - zunachst unabhangig von einer selbstreferentiellen, asthetizistischen Selbstthematisierung der poetischen Sprache - eben auch eine ideelle Komponente aufweisen konnen, rhetorisch betrachtet sogar mussen, um persuasiv relevant zu sein. Sie benotigen einen referentiellen Bezug zu lebensweltlichen Sachverhalten, zu denen sich der Autor als Orator in Bezug setzt und aufiert. Diesen Aufierungsakt gilt es als persuasiv zu betrachten, damit im Falle literarischer Kommunikation der rhetorische Fall eintreten kann.

Der kunstlerische Aufierungsakt istjedoch in seinem Status markiert. Fiktionalitat, zumindest auf der Ebene der paratextuellen Markiertkeit, die das Kommunikat damit ebenso in den sonderkommunikativen Status erhebt, avanciert damit eher zu einem kommunikativen Angebot in dem Sinne, dass der Autor eine bestimmte Lesart vorschlagt, mit anderen Worten: gemaB seiner asthetisch-kommunikativen Strategie will der Autor den Rezeptionsvorgang kalkuliert steuern. Diese paratextuellen Fiktionsmarker fungieren somit als Indikatoren fur eine fiktive Denotation, wobei das Fehlen dieser Marker eine Uberprufung nach sich zieht, ob der Text alltagswirkliche Denotationen offeriert.95 Der Kommunikator kann dabeijedoch mit einer Besonderheit der Kunstkommunikation operieren, denn es ist davon auszugehen, dass der literarisch interessierte Adressat gelernt hat, mit dem kommunikativen Angebot im Status poetischer Unverbindlichkeit umzugehen.96

Diese Unverbindlichkeit ist im Bereich faktualen Erzahlensjedoch hochproblematisch. Die Literaturwissenschaft kann hier anhand der Theorie des Unzuverlassigen Erzahlens operieren und setzt damit gleichsam eine Trennung von Autor und Erzahler voraus.97 Im Falle von Reportagen bzw.journalistischer Kommunikation sindjedoch keine vergleichbaren Diskussionen um Autorschaft gefuhrt worden, eher hinsichtlich ihrer potenziellen Literarizitat, insofern bspw. Texte des New Journalism als ,,interessantes Phanomen der wechselseitigen Beeinflussung literarischer undjournalistischer Schreibweisen“98 betrachtet werden; zudem wurde die Textsorte der Reportage auch haufig hinsichtlich ihres Verhaltnisses „von beanspruchter Objektivitat (Authentizitat) und berichtender Subjektivitat“ diskutiert, das epochenspezifisch verschieden gewichtet, und „wiederholt Gegenstand epochen- und autorenspezifischer und literaturtheoretischer Reflexion“99 wurde. Nichtsdestotrotz ist die Unterscheidung von Autor und Erzahler fur die Reportage im analytischen Diskurs nicht von einer annahernd groBen Bedeutung wie im Falle von Romanen.

Unabhangig von der Debatte um Fiktionalitat und Faktualitat wirdjedoch die Textsorte gewisse potenzielle Erwartungshaltungen evozieren, die der Orator als Autor einer wie auch immer gearteten Textur zu berucksichtigen hat. Denn auch im normalkommunikativenyTame des Journalismus funktioniert die ,,Kennzeichnung von Berichterstattungsmustern und Gattungen (...) - aus der Sicht des Publikums - als Kurzel und Chiffre fur ein erwartbares kommunikatives Geschehen.“100 Mit anderen Worten forciert die bereits erfolgte Mediensozialisation bestimmte Erwartungen an bestimmte Formate. ,,Es ist der Ort der Publikation, der orientiert, es sind die metatextuellen Kennzeichnungen als Fakt oder Fiktion, Sachbuch oder Roman usw., die ein Bundel von Vorerwartungen konturieren.“101 Als Adressatenkalkul mussen dem Autor diese Kriterien gelaufig sein, zumal das ,,auf den Kommunikator bezogene Autorkonzept“102 eine gewisse kommunikative Haftbarkeit des Autoren fur die von ihm produzierte Textur involviert bzw. gewisse Annahmen uber den Autor realisieren kann, die er im Sinne seines Ethos-Kalkuls zu bedenken hatte, wobei das Ethos als Element der Uberzeugung in den beiden hier zu untersuchenden Kommunikationsmodi anderen Mechanismen unterworfen ware.103

Laut Hoffmann/ Langer liegen innerhalb der akademischen Praxis vier, zumeist intuitive Annahmen uber die Funktion des Autors vor: 1. Der reale Autor ist der Urheber des Textes, er hat die materiale Textbasis produziert. 2. Er kann fur die Selektion der Textmerkmale verantwortlich gemacht werden, er entscheidet bewusst oder unbewusst, was im Text steht und was nicht bzw. an welche literarischen Muster angeknupft wird. 3. Der Autor hat eine Gestaltungsfunktion inne, d.h. die sprachliche und formale Gestalt eines Textes kann dem realen Autor,je nach Interpretationskonzept aber auch dem Erzahler oder impliziten Autor zugesprochen werden. 4. Autor-intentionalistische Verfahren wurden naturlich den Autor als Urheber der historisch-individuellen Bedeutung eines Textes sehen, die es zu rekonstruieren gilt.104

Hoffmann/ Langer diskutieren diese Punkte hinsichtlich Michel Foucaults Konzept der Autorfunktion, wobei es hierbei weniger um konkrete Personen geht, ,,sondern um die historischen Moglichkeitsbedingungen der Funktion Autor bzw., in diskursanalytischer Terminologie um die Subjektposition in der Ordnung des literarischen Diskurses.“105 Foucaults Umschreibung des Autors alsjuristische und wirtschaftliche Kategorie ware somit analog zu einer Tendenz der ,,Entpersonalisierung der literarischen Kommunikation“ zu betrachten.106

Biebuyck kritisiert daher aus rhetorischer Perspektive die strukturalistische Narratologie, die literarische Erzahltexte als „Strategien ohne Strategen“ konzipieren.107 Im rein kommunikationstechnischen Verstandnis von Autorschaft hingegen ist eine ,,theoretische Rehabilitierung des auf der Kommunikationsseite angesiedelten Konstrukts des ,historischen Autors‘ oder ,realen Autors‘ in all seinen Dimensioned108 unabdingbar.

In der Konsequenz muss eine rhetorische Theorie der literarischen Kommunikation den beiden ersten Punkten beipflichten. Punkt Drei hingegen musste aus rhetorischer Perspektive scharf entgegengetreten werden, zumal ein Ruckgriff auf das Boothsche Konzept des Impliziten Autors nicht vonnoten ist.109

Punkt 4 ist ebenfalls hinsichtlich der produktionsasthetischen Ausrichtung der Rhetorik zu problematisieren: wie bereits erwahnt soll diese Ausrichtung keine biographistische Textinterpretation rehabilitieren geschweige denn praferieren. Die Rhetorik fragt allerdings nach dem oratorischen Telos und dem projektiven Kalkul des realen Autors und kann sowohl die strategische Beherrschung der Kodes, des Mediums, sowie unter Berucksichtigung seines Adressatenkalkuls, die Evokation persuasiver Effekte analysieren, als auch seine Performanz bewerten.

Hoffmann/ Langer nehmen in ihren Analysen terminologische Differenzierungen vor, um eine unreflektierte Rede vom „Autor“ zu vermeiden, dabei differenzieren sie zwischen Autorfunktionen, Autorschaftsmodellen und dem realen Autor:

Autorfunktionen betreffen den literaturwissenschaftlichen Umgang mit dem Autor in methodischer und theoretischer Ausrichtung sowie in der Interpretationspraxis und fragen nach der Bedeutung, die dem Autor in verschiedenen wissenschaftlichen Ansatzen zugeschrieben wird. Autorschaftsmodelle stellen dagegen historisch kontingente, literarisch inszenierte und poetologisch konzipierte Produkte dar, dieje ein bestimmtes ,Bild‘ des Autors im Hinblick auf Absicht, Anspruch und Ursprung seiner literarischen Tatigkeit umreiBen.110

[...]


1 Goetz, Rainald: Abfall fur alle. Frankfurt am Main 1999. S. 500f.

2 Eine Ausnahme stellt die Untersuchung fnnokentij Kreknins dar, die im Mai 2014, also wahrend der Nieder- schrift dieser Arbeit, erschienen ist. Kreknins Arbeit stellt fur die hier vorliegende Analyse den Basistext, um die spezifische Autofiktionalitat von Joachim Lottmanns Texturen zu analysieren. Kreknin, fnnokentij: Poetiken des Selbst - fdentitat, Autorschaft und Autofiktion am Beispiel von Rainald Goetz, Joachim Lottmann und Alban Ni­kolai Herbst. Berlin 2014.

3 Drugh, Heinz J.: Verhandlungen mit der Massenkultur - Die neueste Literatur(-wissenschaft) und die soziale Re- alitat. fn: fnternationales Archiv fur Sozialgeschichte der deutschen Literatur. Hg. v. Walter Erhart, Georg Jager, Dieter Langewiesche u. Alberto Martino. Bd. 26 (2). Tubingen 2001. S. 173-200, hier: S. 188.

4 Ebd.

5 Lottmann, Joachim: Zombie Nation. Koln 2006.

6 Lottmann, Joachim: Hundert Tage Alkohol. Wien 2011.

7 Lottmann, Joachim: Auf der Borderline nachts um halb eins. Koln 2007.

8 Knape, Joachim: Zur Problematik literarischer Rhetorik am Beispiel Thomas Bernhards. In: Rhetorik und Sprachkunst bei Thomas Bernhard. Hg. v. Joachim Knape u. Olaf Kramer. Wurzburg 2011. S. 5-24, hier: S. 20.

9 Wagner-Egelhaaf, Martina: Einleitung: Was ist Auto(r)fiktion? In: Auto(r)fiktion - Literarische Verfahren der Selbstkonstruktion. Hg. v. Martina Wagner-Egelhaaf. Bielefeld2013. S. 7-21, hier: S. 12.

10 Ebd., S. 10.

11 Ebd., S. 9.

12 Eagleton, Terry: Einfuhrung in die Literaturtheorie. 4. Aufl. Stuttgart; Weimar 1997. S. 1-18.

13 Knape, Joachim: The Medium is the Massage? Medientheoretische Anfragen und Antworten der Rhetorik. In: Medienrhetorik. Hg. v. Joachim Knape. Tubingen 2005. S. 17-39, hier: S. 22.

14 Martinez, Matias; Scheffel, Michael: Einfuhrung in die Erzahltheorie. 3. Aufl. Munchen 2002. S. 84ff.

15 Knape, Joachim: Was ist Rhetorik? Stuttgart 2000. S. 33.

16 Ebd., S. 109.

17 Schapp, Wilhelm: In Geschichten verstrickt - Zum Sein von Mensch und Ding. 3. Aufl. Frankfurt am Main 1985. S. 400.

18 Knape: Was ist Rhetorik?, S. 111.

19 Ebd.

20 Horstmann, Susanne: Text. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. 3. 3., neubearb. Aufl. Hg. v. Jan-Dirk-Muller. Berlin 2003. S. 594-597, hier: S. 594.

21 Titzmann, Michael: Zeichen. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. 3. 3., neubearb. Aufl. Hg. v. Jan-Dirk-Muller. Berlin 2003. S.877-880, hier: S. 877.

22 Knape: The Medium is the Massage?, S. 19.

23 Titzmann: Zeichen, S. 877.

24 Rusch, Gebhard: Kommunikation. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. 2. 3., neubearb. Aufl. Hg. v. Klaus Weimar. Berlin; New York 2000. S. 303-306, hier: S. 304.

25 Merten, Klaus: Einfuhrung in die Kommunikationswissenschaft. Bd. 1. Munster 1999. S. 64.

26 Knape: Was ist Rhetorik?, S. 134.

27 Ebd., S. 135.

28 Horstmann: Text, S. 596.

29 Vgl. Knape: Was ist Rhetorik?, S. 107.

30 Insofern folgen die Uberlegungen zum Kommunikationsprozess innerhalb dieser Arbeit dem Stimulus- Response-Modell, das laut Merten das einfachste und daher wohl auch meist gebrauchte Modell zur Beschreibung des Kommunikationsprozesses darstellt. Vgl. Merten: Einfuhrung in die Kommunikationswissenschaft, S. 54.

31 Knape, Joachim: Persuasion. In: Historisches Worterbuch der Rhetorik. Bd. 4. Hg. v. Gert Ueding. Tubingen 2003. S. 874-907, hier: S. 874.

32 Knape: The Medium is the Massage?, S. 17.

33 Till, Dietmar: Rhetorik und Poetik. In: Handbuch Literaturwissenschaft. Bd. 1. Hg. v. Thomas Anz. Stuttgart; Weimar 2007. S. 435-465, hier: S. 435.

34 Knape: Was ist Rhetorik?, S. 62.

35 Faulstich, Werner: Buch. In: Grundwissen Medien. Hg. v. Werner Faulstich. 5. Aufl. Paderborn 2004. S. 129­147.

36 Ebd., S. 129f.

37 Knape: The Medium is the Massage?, S. 22.

38 Ebd.

39 Knape, Joachim: Rhetorik der Kunste. In: Rhetorik und Stilistik. Bd. 1. Hg. v. Ulla Fix, Andreas Gardt u. Joachim Knape. Berlin; New York 2008. S. 894-927, hier S. 896.

40 Ebd.

41 Brinker, Klaus: Textlinguistik. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Bd. 3. 3., neubearb. Aufl. Hg. v. Jan-Dirk-Muller. Berlin 2003. S. 606-611, hier: S. 608.

42 Knape: Zur Problematik literarischer Rhetorik am Beispiel Thomas Bernhards, S. 10f.

43 Ebd., S.11.

44 Ebd., S. 12.

45 Stiegler, Bernd: Einleitung zu Strukturalismus undSemiotik. In: Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart. Hg. v. Dorothee Kimmich, Rolf Gunter Renner u. Bernd Stiegler. Stuttgart 1996. S. 189-196, hier: S. 191f.

46 Genette, Gerard: Strukturalismus und Literaturwissenschaft. In: Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart. Hg. v. Dorothee Kimmich, Rolf Gunter Renner u. Bernd Stiegler. Stuttgart 1996. S. 197-214, hier: S. 213.

47 Stierle, Karlheinz: Werk und Intertextualitat. In: Texte zur Literaturtheorie der Gegenwart. Hg. v. Dorothee Kimmich, Rolf GunterRenneru. Bernd Stiegler. Stuttgart 1996. S. 349-359, hier: S. 349.

48 Luhmann, Niklas: Was ist Kommunikation? In: ders.: Aufsatze und Reden. Hg. v. Oliver Jahraus. Stuttgart 2001. S. 94-110, hier: S. 98.

49 Knape: Was ist Rhetorik?, S. 132.

50 Ebd., S. 130.

51 Ausfuhrliche und exemplarische Analysen werden fur die Erorterung der kommunikationstheoretischen Grund- lagen zunachst hintan gestellt.

52 Vgl. Stierle: Werk und Intertextualitat, S. 349.

53 Vgl. Borstnar, Nils; Pabst, Eckhard; Wulff, Hans Jurgen: Einfuhrung in die Film- und Fernsehwissenschaft. Konstanz 2002. S. 74.

54 Stierle: Werk und Intertextualitat, S. 355.

55 Ebd., S. 356.

56 Luhmann, Niklas: Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation. In: ders.: Aufsatze und Reden. Hg. v. Oliver Jahraus. Stuttgart 2001. S. 76-93, hier: S. 79.

57 Haferland, Harald: Erzahler. In: Historisches Worterbuch der Rhetorik. Bd. 10. Hg. v. GertUeding. Tubingen 2011. S. 274-291, hier: S. 274.

58 Seng, Thomas: Autor. In: Historisches Worterbuch der Rhetorik. Bd. 1. Hg. v. GertUeding. Tubingen 1992. S. 1276-1280, hier: S. 1276.

59 Hoffmann, Thorsten; Langer, Daniela: Autor. In: Handbuch Literaturwissenschaft. Bd. 1. Hg. v. Thomas Anz. Stuttgart; Weimar 2007. S. 131-170, hier: S. 131.

60 Vgl. Knape, Was ist Rhetorik?, S. 35.

61 Klotz, Fabian: Der Orator. In: Rhetorik und Stilistik. Bd. 1. Hg. v. Ulla Fix, Andreas Gardt u. Joachim Knape. Berlin; New York 2008. S. 587-597, hier: S. 587.

62 Knape, Was ist Rhetorik?, S. 35.

63 Knape: The Medium is the Massage?, S. 28.

64 Vgl. Knape: Was ist Rhetorik?, S. 98. Horbucher wurden sich dementsprechend des auditiven Kodes bedienen und uber andere mediale Datenspeicher transportiert werden, bspw. der CD. Ebenso verhalt es sich mit dem E­book als Digitalisierung der Textur, die zwar durch das gleiche Medialsystem distribuiert wird, jedoch auch ein anderes Speichermedium erfordert, bzw. Computer, Tablets, etc.

65 Neuberger, Christoph; Nuernbergk, Christian; Rischke, Melanie: Eine Frage des Blickwinkels? Die Fremd- und Selbstdarstellung von Bloggern und Journalisten im offentlichen Metadiskurs. In: dies. (Hg.): Journalismus im Internet. Wiesbaden 2009. S. 129-168, hier: S. 129ff.

66 Simons, Anton: Journalismus 2.0. Konstanz 2011. S. 13.

67 Ebd.

68 Muller, Johannes.M.: Online-Journalismus. In: Historisches Worterbuch der Rhetorik. Bd. 10. Hg. v. GertUe- ding Berlin 2012. S. 755-768, hier: S. 755.

69 Luhmann: Die Unwahrscheinlichkeit der Kommunikation, S. 78.

70 Knape: The Medium is the Massage?, S. 30.

71 Kreknin: Poetiken des Selbst, S. 1. Eine exaktere Diskussion von Weblog-Kommunikation erfolgt im weiteren Verlauf dieser Arbeit anhand einer Diskussion von Joachim Lottmanns Weblog.

72 Knape: Zur Problematik literarischer Rhetorik am Beispiel Thomas Bernhards, S. 5.

73 Knape, Joachim; Becker, Niels; Bohme, Katie: Strategie. In: Historisches Worterbuch der Rhetorik. Bd. 9. Tu­bingen 2009. S. 152-172, hier: S. 153.

74 Knape: Was ist Rhetorik?, S. 34.

75 Knape: The Medium is the Massage?, S. 38.

76 Knape/Becker/Bohme: Strategie, S. 153.

77 Knape: Was ist Rhetorik?, S. 91.

78 Lottmann, Joachim: Hitlerhatkeine Facebook-Freunde. In: http://www.zeit.de/2011/13/A-Facebook. (18.09.2014).

79 Insbesondere in dieser Reportage werden die von Kreknin definierten Interferenzen zwischen literarischen Tex- ten und Alltagswirklichkeit besonders pragnant.

80 Lottmann: Hitler hat keine Facebook-Freunde. Im als Kein Roman gelabelten Text Hundert Tage Alkohol be- schreibt der Erzahler nicht nur das Verfassen einer Reportage fur Die Zeit (S.89), sondern ebenfalls einen Umzug von Berlin nach Wien, was Lottmann in der Reportage zur Beschreibung seiner Lebenssituation eingangs erwahnt, sowie einen Aufenthalt im Schloss Laudon, in dem auf einer Verlagsparty Gesprache uber Rechtsextremismus stattfinden.

81 Das Geburtsjahr wird in den Romanen wie folgt angegeben: Deutsche Einheit: 1956; Die Jugend von heute: 1956; ZombieNation 1958; Hundert Tage Alkohol 1959. Vgl.: Lottmann, Joachim: Deutsche Einheit. Munchen 2001. Lottmann, Joachim: Die Jugend von heute. 3. Aufl. Koln 2004.

82 Knape, Joachim: Paratexts and the Rhetorical Factor in Literature. In: ders.: Modern Rhetoric in Culture, Arts & Media. Berlin; Boston 2013. S. 151-166, hier: S. 158.

83 Knape: The Medium is the Massage?, S. 18.

84 Ebd., S. 38.

85 Knape: Was ist Rhetorik?, S. 57.

86 Klotz, Der Orator, S. 590.

87 Knape: Was ist Rhetorik?, S. 55.

88 Kanzog, Klaus: Erzahlstrategie - Eine Einfuhrung in die Normeinubung des Erzahlens. Heidelberg 1976. S. 104.

89 Ebd.

90 Erchinger, Philipp: Handlung, Identifikation und die Ermoglichung von Differenz - Zur Kreativitat der Rhetorik in literaturwissenschaftlicher Perspektive. In: Kreativitat. Kommunikation - Wissenschaft - Kunste. Hg. v. Joachim Knape u. Achim Litschko. Berlin 2013. S. 107-133,hier: S. 122.

91 Knape, Joachim: The Concept of Medium in Rhetoric. In: ders.: Modern Rhetoric in Culture, Arts, And Media. Berlin; Boston 2013. S. 251-269, hier: S. 268.

92 Knape, Joachim: Performanz aus rhetoriktheoretischer Sicht. In: Sprache Kognition Kultur. Hg. v. Heidrun Kamper u. Ludwig M. Eichinger. Berlin; New York 2008. S. 135-150, hier: S. 145.

93 Erchinger: Handlung, Identifikation und die Ermoglichung von Differenz, S. 123.

94 Winkgens, Meinhard: Leser, impliziter. In: Grundbegriffe der Literaturtheorie. Hg. v. Ansgar Nunning.

Stuttgart; Weimar2004. S. 145f.

95 Kreknin, Innokentij: Das Licht und das Ich - Identitat, Fiktionalitat und Referentialitat in den Internet-Schriften von Rainald Goetz. In: Poetik der Oberflache - Die deutschsprachige Popliteratur der 1990er Jahre. Hg. v. Olaf Grabienski, TillHuberu. Jan-Noel Thon. Berlin; Boston 2011. S. 143-164, hier: S. 146.

96 Knape: Zur Problematik literarischer Rhetorik am Beispiel Thomas Bernhards, S. 23.

97 Vgl. Martinez/ Scheffel: Einfuhrung in die Erzahltheorie, S. 95-107.

98 Bleicher, Joan Kristin: Intermedialitat von Journalismus und Literatur - New Journalism aus literaturwissen- schaftlicher Perspektive. In: Grenzganger - Formen des New Journalism. Hg. v. Joan Kristin Bleicher u. Bernhard Porksen. Wiesbaden 2004. S. 29-39, hier: S. 29.

99 Jakobi, Carsten: Reportage. In: Handbuch der literarischen Gattungen. Hg. v. Dieter Lamping. Stuttgart 2009.

S. 601-605, hier: S.601.

100 Porksen, Bernhard: Das Problem der Grenze - Die hintergrundige Aktualitat des New Journalism. In: Grenz- ganger - Formen des New Journalism. Hg. v. Joan Kristin Bleicher u. Bernhard Porksen. Wiesbaden 2004. S. 15­28, hier: S. 17.

101 Ebd.

102 Knape: Was ist Rhetorik?, S. 109.

103 Aristoteles: Rhetorik. Stuttgart 1999. S. 12.

104 Hoffmann/ Langer: Autor, S. 137.

105 Bogdal, Klaus-Michael: Autorfunktionen im literarischen Diskurs. In: ders.: Historische Diskursanalysen der Literatur. Heidelberg 2007. S. 191-209, hier: S. 191. Vgl.: Jannidis, Fotis: Autorfunktion. In: Metzler Lexikon Li- teratur- und Kulturtheorie. Ansatze - Personen - Grundbegriffe. Hrsg. von Ansgar Nunning. 4., aktualisierte und erweiterte Aufl. Stuttgart, Weimar: Metzler, 2008. S. 43-44.

106 Biebuyck, Benjamin: Blitzen ohne Blitz - Uberlegungen zur Kategorie des 'Handelns' zwischen Figurlichkeits- theorie, Rhetorik und Erzahltextwissenschaft. In: Wege moderner Rhetorikforschung. Hg. v. Gert Ueding u. Gre- gorKalivoda. Berlin; Boston 2014. S. 129-146, hier: S. 130.

107 Ebd., S. 130.

108 Ebd., S. 111.

109 Hoffmann/ Langer: Autor, S. 133.

110 Knape: Was ist Rhetorik?, S. 110.

Details

Seiten
101
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783956877261
ISBN (Buch)
9783668005938
Dateigröße
1009 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v302362
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Philosophische Fakultät, Fachbereich Philosophie – Rhetorik - Medien
Note
1,1
Schlagworte
Autofiktion New Journalism Joachim Lottmann Popliteratur Borderlinejournalismus

Autor

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Titel: Joachim Lottmann. Strategische Inszenierung von Autorschaft als Grenzverwischung zwischen Roman und Reportage