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Personal Strivings - ein idiographisches Konzept der Persönlichkeit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 13 Seiten

Psychologie - Persönlichkeitspsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Einordnung
2.1 Definition
2.2 Das hierarchische Modell der Motivation

3 Methode - das Personal Strivings Assessment Packet
3.1 Striving List Generation
3.2 Striving Specification Task
3.3 Striving Assessment Scales (SAS)
3.4 Striving Instrumentality Matrix (SIM)
3.5 Coding of Strivings

4 Konflikte
4.1 Folgen von Konflikten
4.2 Bewertung des Konfliktmodells

5 Diskussion

References

1 Einleitung

Robert A. Emmons, momentan Professor für Psychologie an der University of California, Davis, entwickelte in den 1980er-Jahren das Konzept der Personal Strivings1. Ähnlich wie die ebenfalls zu dieser Zeit aufgekommenen personal projects (Little, 1983), current concerns (Klinger, Barta, & Maxeiner, 1981) oder life tasks (Cantor, Norem, Nieden- thal, & Brower, 1987) handelt es sich um ein zielorientiertes, idiographisches Konzept der Persönlichkeit. Personal Strivings haben sich in vielen Bereichen der Psychologie als fruchtbares Konzept erwiesen und es gibt inzwischen eine Vielzahl empirischer Un- tersuchungen zum Zusammenhang von Strivings und anderen Variablen wie psychischer Gesundheit, Persönlichkeitseigenschaften oder Motivation (siehe hierzu Abschnitt 4 oder Emmons, 1992; Emmons & King, 1988).

In dieser Arbeit soll zuerst eine Einführung in die Theorie der Personal Strivings ge- geben werden (Kap. 2), in Kap. 3 wird dann die Methode zur Erfassung von strivings vorgestellt. Das 4. Kapitel befasst sich mit der Frage von Konflikten, und im letzten Kapi- tel Kap. 5) sollen offene Fragen, gerade auch in Hinblick auf das Seminarthema Identität diskutiert werden.

2 Theoretische Einordnung

Wie oben bereits erwähnt entstand das Konzept der personal strivings in den 1980er- Jahren. Sader und Weber (2000) führen die Tradition der zielbezogenen Ansätze zurück auf Murrays (1938) Theorie der Bedürfnisse zurück und sehen auch Hans Thomaes (1968) Daseinsthemen in dieser Forschungsrichtung. Auch Emmons selbst ordnet sich in die Linie motiv-/motivationsorientierter Ansätze ein, er spricht von einer „revitalization of moti- vational concepts, most notably in the form of ‘goals’“ (Emmons, 1989, S. 88). Emmons’ Personal Strivings - neben den ähnlich ausgerichteten Ansätzen von Klinger (current con- cerns), Little (personal projects) sowie Cantor und Kihlstrom (life tasks) - unterscheiden sich jedoch nicht unwesentlich von den Motivdispositions-Ansätzen etwa von McLelland:

Dieser beschrieb Motivation als stabile interindividuelle Unterschiede in der Stärke der Motivdispositionen; Motivdispositionen wiederum sind Klassen affektiv aufgeladener Ziele, die Verhalten antreiben, ausrichten und selegieren. Inhaltlich wird von den soge- nannten „Big-Three“ der Motive ausgegangen, nämlich Leistung, Intimität und Macht.

Dieser Ansatz birgt jedoch einige methodische wie konzeptuelle Schwierigkeiten, die Emmons, Klinger, Little und Cantor durch die Verwendung stärker zielorientierter Ansätze zu vermeiden suchen. Dies soll anhand des hierarchischen Motivationsmodells von Emmons näher erläutert werden. Hierzu muss das Konstrukt der Personal Strivings jedoch erst einmal erläutert werden.

2.1 Definition

Emmons definiert Personal Strivings folgendermaßen:

Personal strivings refer to the characteristic types of goals that individuals try to achieve through their everyday behavior. (Emmons, 1986, S. 1058)

Personal strivings are idiographically coherent patterns of goal strivings and represent what an individual is typically trying to do [. . . ] Each individual can be characterized by a unique set of these “trying to do” tendencies. (Emmons, 1989, S. 92)

Anhand dieser Definition lassen sich bereits Unterschiede etwa zu den persönlichen Projekten oder den current concerns erkennen: Personal Strivings sollen das beschreiben, was Personen typischerweise zu tun versucht, was eine für sie charakteristische Verhal- tensweise ist. Strivings gehen also über die eher kurzfristigen Ziel der current concerns hinaus und haben im Gegensatz zu personal projects keinen klar definierten Anfang und kein (oder zumindest kein geplantes oder planbares) Ende. Die Beispiele in Tabelle 1 verdeutlichen diese Unterschiede, machen aber auch klar, dass eine klare Abgrenzung zwischen den Konzepten oft schwierig ist.

Theoretisch lässt sich eine hierarchische Ordnung der unterschiedlichen Zielkonzepte vornehmen, was im folgenden Abschnitt näher erläutert wird.

Tabelle 1: Beispiele für verschiedene Zielkonstrukte (nach Emmons, 1997, S. 495)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das hierarchische Modell der Motivation nach Emmons (1989, S. 93)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Das hierarchische Modell der Motivation

Emmons ordnet die oben erwähnten Konstrukte in einem Vier-Ebenen-Modell an (Abbil- dung 1). Auf der obersten Ebene befinden sich die Motive/Motivdispositionen. Diese sind nicht direkt zugänglich, da sie auch unbewusst sein können, und werden deswegen mittels projektiver Verfahren erfasst. Die Dimension der Motive basiert also auf Fremdzuschrei- bungen und erlaubt nur nomothetische Aussagen. Die zweite Ebene, die der Personal Strivings, hingegen ist in erster Linie idiographisch, das heißt, die untersuchten Personen nennen diese selbst (zur Methode der Erfassung siehe Abschnitt 3.1). Die auf der dritten Ebene angeordneten Ansätze der persönlichen Projekte, Lebensaufgaben und current con- cerns sind ebenfalls idiographische Konzepte, die sich aus den Strivings ergeben. Auf der untersten Ebene sind die konkreten Handlungseinheiten angegeben, die der Realisierung der auf der dritten Ebene formulierten Ziele dienen.

Dieses Modell erscheint plausibel, wenngleich die Vertreterinnen und Vertreter der auf der dritten Ebene angesiedelten Konzepte der hierarchischen Unterordnung unter Emmons’ strivings möglicherweise widersprechen würden. Zusätzlich ließe sich auch das Festhalten am Konzept der unbewussten Motivdispositionen kritisieren. Emmons (1997) selbst betrachtet dies als offene Frage, wobei seine eigenen Untersuchungen einen Zu- sammenhang zwischen Strivings und Motiven vermuten lassen (Emmons & McAdams, 1991).

3 Methode - das Personal Strivings Assessment Packet

Zur Erfassung und Auswertung von Personal Strivings hat Emmons (1999) das Personal Strivings Assessment Packet entwickelt, dessen wichtigste Schritte im Folgenden vorgestellt werden (je nach Fragestellung variiert das Packet teilweise, es kommen Untersuchungsschritte hinzu oder fallen weg).

3.1 Striving List Generation

Der erste Schritt dient der idiographischen Erfassung der Strivings. Anhand von Beispielen und Erläuterungen wird den Untersuchten das Konzept verdeutlicht, und sie werden gebeten, 15 für sie typische strivings aufzulisten.

Beispiel:2

Ich versuche typischerweise mehr Zeit zur Erholung zu verwenden Ich versuche typischerweise körperlich attraktiv zu wirken

3.2 Striving Specification Task

Der zweite Untersuchungsschritt dient der Spezifizierung der Strivings, vor allem in Hin- blick auf die in Abschnitt 2.2 angesprochene Handlungsebene und auf andere Zielkonzep- te: Die Personen werden aufgefordert, nachzudenken über „the particular goals that they

[...]


1 Ich werde im Folgenden des englischen Begriff verwenden, da „Strebungen“ oder „Bestrebungen“ in der deutschen Sprache wenig geläufig sind bzw. eine andere Konnotation haben.

2 Die Beispiele sind eigene Übersetzungen der in Emmons (1999) enthaltenen Items.

Details

Seiten
13
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638315227
Dateigröße
637 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v30213
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – FB Erziehungswissenschaft und Psychologie
Note
A (1,0)
Schlagworte
Personal Strivings Konzept Persönlichkeit Berufliches Handeln Identität

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