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Gewalt über Medien. Cyber-Mobbing zwischen Kindern und Jugendlichen

Referat (Ausarbeitung) 2012 16 Seiten

Medien / Kommunikation - Interpersonale Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Gewalt über Medien: Cyber-Mobbing zwischen Kindern und Jugendlichen
1.1 Einleitung
1.2 Definitionen
1.3 Studienauswertungen
1.3.1 Befragung der ENIGMA GfK Medien- und Marketingforschung
1.3.2 Umfrage des Marktforschungsinstituts forsa
1.3.3 Onlineuntersuchung der Arbeitsgemeinschaft „seitenstark.de“
1.4 Gründe für Cyber-Mobbing
1.5 Formen des Mobbings im Internet
1.6 Soziale Netzwerke (Social Communities)
1.7 Die Täter-Opfer-Konstellation
1.8 Maßnahmen und Hilfen
1.9 Fazit

2. Literaturverzeichnis

3. Anhang
3.1 ENIGMA-Studie (2007): Unangenehmen Erfahrungen im Internet
3.2 ENIGMA-Studie (2007): Art der Unangenehmen Erfahrungen im Internet

1. Gewalt über Medien: Cyber-Mobbing zwischen Kindern und Jugendlichen

1.1 Einleitung

Kinder und Jugendliche befinden sich in einer einschneidenden und gleichzeitig auch anspruchsvollen Lebensphase; Sie beginnen einerseits damit, ihre Grenzen, Fähigkeiten und Potentiale auszutesten und untersuchen andererseits ihre Wirkung auf das soziale und gesellschaftliche Umfeld. Sie begeben sich durch „Ausprobieren“ verschiedener Lebensstile und Experimentieren mit Handlungsalternativen, z. B. in Konfliktsituationen mit den Eltern, auf die Suche nach der eigenen Identität. Bei dieser Suche ist es für Jugendliche bedeutsam, Resonanz des Umfelds zu erfahren, sich selbst darzustellen und Reaktionen herbeizuführen (vgl. Fröhlich-Gildhoff 2009, S. 195ff). Fand dies in den 60ger Jahren noch durch öffentliche, für die ältere Generation provokative Zusammenschlüsse Jugendlicher in beispielsweise sexuell freizügigen Kommunen oder breitflächen Friedensbewegungen statt, so hat sich diese Selbstdarstellung und Selbstfindung heute weitgehend in das Internet verlagert, da dieses Jugendlichen einen neuen Raum bietet, sich zu erproben und mit anderen zu vergleichen. Ca. 91

Prozent aller 12- bis 19-jährigen Jugendlichen in Deutschland besitzen heutzutage einen Internetanschluss, davon nutzen ca. 58 Prozent das „World Wide Web“ täglich. Wohingegen Erwachsene das Internet vorwiegend als Informationsquelle und Hilfe bei der Alltagsmeisterung nutzen, geht die jüngere Generation über diese Grundfunktion des Webs hinaus und kommuniziert z. B. durch Online-Plattformen mit Freunden oder Bekannten, tauscht gegenseitig Bilder und Videos aus und schließt bzw. pflegt Freundschaften (vgl. Grimm u. a. 2008, S. 11ff). Dadurch verlagern sich jedoch gleichzeitig auch Problemlagen ins Internet, wie verbale und psychische Gewalt unter Jugendlichen, auch Mobbing genannt. Dieses noch recht junge Phänomen, welches die Bezeichnung „Cyber-Mobbing“ erhalten hat, möchte ich im Folgenden genauer untersuchen. In Zeitschriften wie „Der Spiegel“ stieß ich vermehrt auf unterschiedliche Artikel, die sich mit dem Thema beschäftigten. Aus diesem Grund wurde mein Interesse geweckt: Stehen wir heute wirklich vor einer gänzlich neuen Form der Gewalt, gegen die angegangen werden muss? Was treibt Jugendliche dazu, andere im Internet zu beschimpfen und erpressen? Wer steckt hinter den Gewaltattacken - etwa Jugendliche mit kriminellem Potential? Und: Was kann man gegen Gewalt über das Netz tun? Diesen Fragen möchte ich nun auf den Grund gehen, indem ich vorerst einige Studien zum Thema „Cyber-Mobbing“ vorstelle und auswerte um einen groben Überblick über die Zahl der Betroffenen und die Erscheinungsformen des Mobbings im Web zu liefern. Dann werde ich jene Erscheinungsformen genauer ausdifferenzieren, damit untersucht werden kann, inwieweit sich die „neue Gewalt“ von herkömmlichem Mobbing unterscheidet. Zum Schluss sollen die unterschiedlichen Perspektiven und Hintergründe der „Täter“ bzw. „Opfer“ beleuchtet werden und auf die Fragestellung eingegangen werden, welche Maßnahmen es in Zukunft eher auszubauen gilt: Hilfen für akute Gewaltsituationen oder eher präventive Angebote? Dies soll wiederrum dem Ziel dienen, die Auswirkungen des in den Medien oft bedrohlich dargestellten Themas des Mobbens im Internet kritisch zu hinterfragen und Antworten darauf zu liefern, inwieweit die Gesellschaft in der Pflicht ist zu reagieren und die Jugend zu schützen. Bei der Untersuchung jener Thematik werde ich mich hauptsächlich auf das Werk „Gewalt im Web 2.0“ von Grimm, Rhein und Clausen-Muradian aus dem Jahre 2008 beziehen, da dieses Buch eine sehr umfassende Auswertung verschiedener Studien einiger Landesmedienanstalten rund um das Thema „Gewalt im Internet“ beinhaltet.

1.2 Definitionen

Um zu verstehen, was die „neue Form der Gewalt“ unter Jugendlichen eigentlich umfasst, ist es nötig, die Herkunft der Bezeichnungen zu klären. Der Begriff „Cyber-Mobbing“ ist eine Wortneuschöpfung, welche sich aus zwei Teilen zusammensetzt, wobei der Gebrauch des Terminus „Mobbing“ einen Anglizismus darstellt, d. h. es ist eine übernommene Ausdrucksweise aus dem Englischen. „To mob“ bedeutet übersetzt so viel wie „angreifen“, „anpöbeln“ oder auch „schikanieren“. Dieses Verb ist wiederrum aus dem Lateinischen abzuleiten: „mobile vulgus“ lässt sich heute mit „Pöbel“ oder auch „kriminelle Bande“ umschreiben. Das Präfix „Cyber“ stellt einen Verweis auf elektronische Kommunikationsmittel dar, wie zum Beispiel soziale Netzwerke, „Chaträume“ oder, allgemein ausgedrückt, das Internet. Im alltäglichen Sprachgebrauch gibt es auch Synonyme für den Ausdruck „Cyber-Mobbing“, wie beispielsweise „E-Mobbing“ oder auch „Cyber-Bullying“. Letzteres meint jedoch ursprünglich eine umfassendere Beschreibung der Gewalt über das Netz, da das Verb „to bully“, aus dem Englischen übernommen, im Deutschen alle „(…) [negativen] Handlungen, die wiederholt und über einen längeren Zeitraum von einer oder mehreren Personen gegen eine Person ausgeführt werden“ (Stephan 2010, S. 14) einschließt. Zusammenfassend bedeutet „Cyber-Mobbing“ oder „Cyber-Bullying“ somit im alltäglichen Gebrauch jedoch dasselbe: beide Bezeichnungen beschreiben das Schikanieren anderer Menschen mit Hilfe elektronischer Medien oder Kommunikationsmittel über einen längeren Zeitraum. Dies bedeutet, dass anscheinend zunehmend mehr Jugendliche und Kinder davon betroffen sein sollen, Beleidigungen oder Bloßstellungen im Internet ausgesetzt zu sein. Wie viele Opfer der elektronischen Gewalt es nun wirklich gibt und ob sich ein sogenanntes „Täter-“ oder „Opferschema“ erkennen lässt, soll nun im Folgenden mit Hilfe von durchgeführten Studien verschiedener Forschungsanstalten, wie z. B. der ENIGMA GfK Medien- und Marketingforschung GmbH geklärt werden.

1.3 Studienauswertungen

1.3.1 Befragung der ENIGMA GfK Medien- und Marketingforschung

Die ENIGMA GfK ist ein Forschungsinstitut in Wiesbaden, welches speziell im medialen Bereich im Fernsehen, Hörfunk und Internet durch Gruppendiskussionen, Studiotests oder auch Telefoninterviews tätig wird. Bei einer ihrer telefonischen Befragungen, CATI genannt, wurden im Jahr 2007 804 12- bis 19-Jährige unter anderem dazu vernommen, ob sie bereits unangenehme Erfahrungen im Internet gemacht hätten. Unter den 804 Befragten war die Geschlechterverteilung mit geringer Abweichung praktisch ausgeglichen, ebenso waren die Alterspannen 12-13 Jahre, 14-15 Jahre, 16-17 Jahre und 18-19 Jahre gleich stark vertreten. Aus einer Stichprobe von 744 Kindern gaben 34 Prozent, also ca. ein Drittel der Jugendlichen, an, dass sie bereits negative Erfahrungen irgendwelcher Art im Internet gesammelt hätten. Dabei nannten sie als häufigste Ausprägung dieser Erfahrungen sexuelle Anspielungen und Belästigung, „unsinnige“ Mitteilungen anderer Leute, sowie Beschimpfungen und Beleidigungen (Siehe auch Abbildungen S. 16). Des Weiteren brachte diese Studie zu Tage, dass vor allem Mädchen von unangenehmen Erfahrungen berichteten, da jedes 5. bereits belästigt wurde. Das Bildungsniveau der Kinder spielt diesbezüglich jedoch eher eine untergeordnete Rolle; Sowohl Haupt-, als auch Real- und Gymnasialschüler schilderten Belästigungen im Web. Die Anzahl der Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren, welche davon betroffen sind, ist mit einem Drittel somit relativ hoch (vgl. Grimm u. a. 2008, S. 19ff).

1.3.2 Umfrage des Marktforschungsinstituts forsa

Neuere Ergebnisse liefert eine Telefonumfrage der forsa, Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analyse mbH, welche im Auftrag der Techniker Krankenkasse im Jahr 2011 stattfand. Von den interviewten Schülern und Schülerinnen zwischen 14 und 20 Jahren gaben drei Viertel an, den Begriff „Cyber-Mobbing“ zu kennen. Vorerst erklärte nur eine kleine Gruppe direkt von CyberMobbing betroffen zu sein, doch auf Nachfragen hin bezüglich speziell auftauchender Arten des Mobbens erweiterte sich die Zahl Betroffener auf ca. ein Fünftel. Auch hier wurden als häufigste Form des Mobbens Drohungen und Beleidigungen genannt. Ein Zehntel der Jugendlichen erklärte selbst einmal Täter gewesen zu sein (vgl. Techniker Krankenkasse 2011, S. 2f).

Beide Studien bestätigen, dass heutzutage recht viele Jugendliche vom Phänomen Cyber-Bullying betroffen sind. Vernachlässigt wurde dabei jedoch die Sonderstellung des Internet-Mobbings: inwiefern unterscheidet sich jener Anteil Betroffener von Opferzahlen herkömmlichen Mobbings, also zum Beispiel psychischer oder physischer Gewalt in Schulen? Löst Cyber-Bullying „normales“ Mobbing ab oder stellt es ein zusätzliches Problemfeld der heutigen Jugend dar?

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668008014
ISBN (Buch)
9783668008021
Dateigröße
585 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v302040
Institution / Hochschule
Evangelische Fachhochschule Freiburg
Note
1,0
Schlagworte
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Titel: Gewalt über Medien. Cyber-Mobbing zwischen Kindern und Jugendlichen