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Fertilität in Deutschland. Der Einfluss der Bildung der Frau auf ihr Fertilitätsverhalten

Hausarbeit 2013 18 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretische Überlegungen und Hypothesen
2.1 Ökonomische Theorie der Familie
2.2 Ökonomische Theorie der Fertilität
2.3. Fertilität und Bildungsniveau
2.4 Wertewandel
2.5 Herleitung der Hypothesen

3. Daten
3.1 Datensatzbeschreibung
3.2 Verwendete Variablen und Operationalisierung

4. Empirische Auswertungen
4.1 Anzahl biologischer Kinder
4.2 Kinderlosigkeit

5. Fazit
5.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2 Schlussbemerkung

6. Literatur

1. Einleitung

Das Thema der Fertilität hat in den letzten Jahren für große Aufmerksamkeit in Deutschland gesorgt. Der Geburtenrückgang, welcher schon seit Mitte der 1960er Jahre zu verzeichnen ist, befindet sich stetig in medialen und politischen Debatten. Im Jahr 2009 sank die durchschnittliche Geburtenziffer in Deutschland mit 1,36 Kinder pro Frau auf ein Rekordtief (Pötzsch 2012). Es gibt neben der gesellschaftlichen Debatte auch eine immense Anzahl an wissenschaftlichen Forschungsarbeiten, die sich mit dem Thema des Geburtenrückgangs und der steigenden Kinderlosigkeit in Deutschland befassen. So hat diese Debatte nicht nur in der Soziologie, auch in der Politik, der Humangeographie und in der Ökonomie Einzug gefunden. Doch was sind die Gründe dafür, dass insgesamt weniger Kinder geboren werden? Finanzielle Belastungen, fehlende Partner, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, steigende Individualisierung oder fehlende Kinderbetreuung? In der Forschung werden vor allem institutionelle, wie auch sozio-kulturelle Gegebenheiten des Individuums als Ursachen für dieses Phänomen betont (Krätschmer-Hahn 2012). Aus sozialwissenschaftlicher Sicht scheint es vor allem wichtig auf die Ursachen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einzugehen.

Wie ein Damoklesschwert schwebt es über unserer aktuellen Gesellschaft, dass es insbesondere die höheren Schichten, mit zunehmend besser ausgebildeten Frauen sind, die insbesondere zu der steigenden Kinderlosigkeit beitragen. Doch hat die Bildungsexpansion der Frau in Deutschland seit Mitte des 20. Jahrhunderts (Becker 2006) einen so erheblich Einfluss darauf, dass insgesamt weniger Kinder geboren werden? Aus folgendem Anlass also, lautet die Forschungsfrage: „Gibt es in Deutschland einen Zusammenhang zwischen Bildungsniveau der Frau und ihrer Fertilität?“.

2. Theoretische Überlegungen und Hypothesen

Der folgende Teil betrachtet die theoretische Sicht auf das Fertilitätsverhalten von Frauen. Die einschlägigsten theoretischen Betrachtungsweisen sollen nun kurz dargestellt werden.

2.1 Ökonomische Theorie der Familie

Diese Arbeit wird grundsätzlich auf die ökonomische Theorie der Familie aufbauen.

„Die Ökonomik der Familie versucht, mit Hilfe des wirtschaftswissenschaftlichen Instrumentariums all jene Verhaltensweisen zu erfassen und eine Erklärung zu zuführen, denen eine kalkulierende Entscheidung über knappe Ressourcen und Vermögenspotentiale zugrunde liegt“ (Krüsselberg/ Auge/ Hilzenbecher 1986: 23; gesehen in Hill und Kopp 2006).

Soziologische Theorien der Familien versuchen die Mannigfaltigkeit historischer und sozio-kultureller Ereignisse und Bedingungen zu begreifen. Im Gegensatz dazu stehen die ökonomischen Theorien. Hauptvertreter sind Gary S. Becker und Harvey Leibenstein mit ihren Arbeiten Mitte des 20. Jahrhunderts. Hierbei wird das Handeln von Individuen anhand von Ressourcenknappheit und den daraus entstehenden Folgen zu erklären versucht. Dementsprechend wird Personen rationales Handeln unterstellt. So wird also menschliches Handeln auch außerhalb der Wirtschaft anhand von ökonomischen Instrumenten beschrieben. Ausgangspunkt dabei ist, dass Personen versuchen ihren eigenen Nutzen bestmöglich zu maximieren. Entscheidungen in Bezug auf die Lebensgestaltung werden gleichermaßen abgewägt, wie die Entscheidung zum Kauf von Konsumgütern. Dieses Abwägen passiert anhand eines rationalen KostenNutzenkalküls (Hülskamp 2005).

Haushalte werden als Produktionseinheiten angesehen, die mit Zeit- und Marktgütern versuchen Gebrauchsgüter zu erzeugen, -die sogenannten commodities - die direkten Nutzen und Befriedigung der Personen schaffen. Unter commodities werden dabei beispielsweise Wohlstand, materielle Absicherung, Liebe, Gesundheit, Zuneigung aber auch Kinder verstanden (Hill/Kopp 2006).

Ein wichtiger Aspekt dieser Theorie ist, dass das individuelle Humankapital der Personen theoretisch berücksichtigt wird. Unter Humankapital werden in erster Linie schulische und berufliche Bildung verstanden. Das Humankapital ist insofern wichtig, da dieses durch die individuellen Fähigkeiten der Personen, direkten Einfluss auf die Produktion der commodities hat. Daneben spielt auch Zeit eine wichtige Rolle. Zeit hat eine natürliche Begrenzung und kann entweder zur Erwerbstätigkeit oder im Haushalt zur direkten Produktion von commodites eingesetzt werden, wobei sie eben immer nur begrenzt verfügbar ist (ebd. 2006).

2.2 Ökonomische Theorie und Fertilität

Wendet man nun die oben gewonnene Erkenntnis auf das Fertilitätsverhalten an, bedeutet es für diese Arbeit, dass sich auch das fertilitätsbezogene Handeln nach dem Prinzip der Nutzenmaximierung richtet. So werden hier dementsprechend, die zu erwartenden Kosten mit den Nutzenaspekten eines erwünschten Kindes gegenübergestellt. Überwiegt dabei der Nutzenaspekt, so kommt es zu der Entscheidung für das Kind.

Jacob Mincer ist der erste, der den Begriff der Opportunitätskosten auch für soziologische Theorien einführte. Damit erweitert er das Modell Beckers um die indirekten Kosten, die ein Kind mit sich bringt. Darunter werden nicht die direkten Kosten für Nahrung, Ausbildung, Freizeitaktivitäten des Kindes oder anderes verstanden, sondern das entgangene Einkommen während die Betreuungszeit, aber auch entgangene Güter (Krätschmer-Hahn 2012).

2.3 Fertilität und Bildungsniveau

Nimmt man nun beide Theorien zusammen und betrachtet den Einfluss von Bildung auf die Fertilität, dann fällt auf, dass insbesondere hoch qualifizierte Frauen von diesen höheren Opportunitätskosten betroffen sind. Bildung, ein Element des Humankapitals, wird gewinnbringend im Berufsleben eingesetzt. Dementsprechend haben besser ausgebildete Frauen bessere Einkommensmöglichkeiten und haben somit auch einen höheren Anreiz zu arbeiten. Ihre Opportunitätskosten für ein Kind sind dadurch höher, als für schlechter Qualifizierte (Kreyenfeld/Konietzka/ Böhm 2007). Dies bedeutet, dass es insbesondere für gut ausgebildete Frauen mehr Anreizpunkte gibt, die gegen Kinder sprechen.

Neben den Opportunitätskosten gibt es noch weitere Punkte, die für geringere Fertilität von Akademikerinnen sprechen können. Noch heute ist die Familiengründung eng an eine Eheschließung gekoppelt. Die Ledigenquote ist unter den Hochschulabsolventinnen deutlich höher, als unter denjenigen mit geringerem Ausbildungsniveau. Dies ist wohl vor allem damit zu erklären, dass Frauen immer mehr Wert auf Unabhängigkeit legen, daneben aber auch Familie und Beruf in Deutschland schwer zu koordinieren sind (Wirth/Dümmler 2004: S. 5f.). Letztgenannter Effekt ist vor allem sehr mit der Erwerbstätigkeit der Frau verbunden, da dieser als die Fortsetzung der Bildungskarriere verstanden werden muss.

2.4 Wertewandel

Neben den eher ökonomischen Ansätzen mag es auch weitere soziologische Theorien geben, die erklären, weswegen wohlmöglich der Bildungsstand sich unterschiedlich auf die Fertilitätsraten der deutschen Frauen auswirkt. Dies sind die Theorien des Wertewandels und der zunehmenden Individualisierung. Der sogenannte Individualisierungsprozess hat aufgrund von Wohlstandssteigerung, Steigerung des Bildungsniveaus und des sozialstaatlichem Absicherungssystem in unserer Gesellschaft Eingang gefunden (Nave-Herz 2007). Demnach hat sich ein Wandel der Werte der Gesellschaft seit Mitte des 20. Jahrhunderts vollzogen. Nach Inglehart liegt jetzt der Fokus nicht mehr auf materialistischen sondern, auf den sogenannten postmaterialistischen Werten. So wurden Werte wie Disziplin, Gehorsam, Pflichterfüllung, Fleiß und ähnliche durch Werte, wie Emanzipation, Individualismus, Autonomie und Hedonismus zurückgedrängt (Hillmann 2007: S. 966-967). Dieser Wertewandel prägt sich, abhängig von der Bildungsschicht, unterschiedlich stark aus. Im Bezug auf Kinder bedeutet dies also, dass sich in heutiger Zeit eher bewusst dafür entschieden wird, sein eigenes Leben individuell zu leben. In viele Lebensentwürfen mag somit oft kein Platz mehr für Kinder sein.

2.5 Herleitung der Hypothesen

Durch die oben gewonnene Erkenntnis ergibt sich, dass verschiedene Faktoren, wie Zeit, Einkommen, Humankapital aber auch andere Einfluss darauf haben, wie viele Kinder geboren werden, beziehungsweise ob es überhaupt zur Elternschaft kommt. Da dies ein sehr breiter Rahmen ist, wird sich diese Arbeit auf einen Aspekt konzentrieren, den Zusammenhang zwischen dem Bildungsniveau und der Fertilitätsrate. In Deutschland ist es meist die Regel, dass mit höherer Bildung, bessere Berufsaussichten verbunden sind und damit auch ein potentiell höheres Einkommen möglich ist. Wie der Ansatz der Opportunitätskosten in 2.2 gezeigt hat, steigen mit höherem Einkommen, welches meist mit höherer Bildung einhergeht, auch die Opportunitätskosten. Es ergeben sich also für die Arbeit zwei zentrale Hypothesen:

1. Je höher die Bildung der Frau ist, desto geringer ist die Fertilität, die sie aufweist.
2. Höher gebildete Frauen bleiben eher kinderlos, als niedrig gebildete Frauen.

Die folgenden Abschnitte werden aufzeigen, ob sich diese Hypothesen bestätigen werden.

3. Daten

Um die Forschungsfrage zu beantworten und um gleichzeitig die hergeleiteten Hypothesen prüfen zu können, wurde mit dem Datensatz von PAIRFAM gearbeitet. Im folgenden werden sowohl PAIRFAM, als auch die Operationalisierung der Daten vorgestellt.

3.1 Datensatzbeschreibung

Die empirischen Analysen, die zur Auswertung in dieser Arbeit genommen werden beruhen auf dem Datensatz der Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics (PAIRFAM). Bei PAIRFAM handelt es sich um eine Mehrthemenstudie, die den Fokus auf partnerschafts- und familienrelevante Fragestellungen setzt. So ist es Ziel, Felder wie Paarbeziehungen-, veränderungen - und stabilität, aber auch Geburtenzahlen, Kindesentwicklung und intergenerationale Beziehungen genauer zu beleuchten. Dazu wurden in der ersten Welle in jeweils drei Geburtskohorten von 1991-1993, 1981-1983 und 1971-1973, bundesweit etwa 12.400 zufällig befragte Ankerpersonen herangezogen. Die Studie begann im Jahr 2008/2009 mit der ersten Welle. Mit der zweiten Welle im Jahr 2009/2010 wurden nun auch die Kinder und Partner, wie auch Eltern und Stiefeltern der Ankerpersonen befragt. Ziel ist es nun jährlich die ausgesuchten Ankerpersonen und die jeweils angehörigen Familienmitglieder bis zum Jahr 2021/2022 zu befragen, um somit eine Langzeitstudie zu ermöglichen (Ohne Autor 2013). Für diese Arbeit, diente die Welle 1 aus dem Jahr 2008/2009.

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Details

Seiten
18
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783956876509
ISBN (Buch)
9783668005693
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v301939
Note
1,3
Schlagworte
Soziologie Familie Fertilität Geburten Geburtenrückgang
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