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Triebkräfte der sozialpolitischen Entwicklung

Hausarbeit 2015 23 Seiten

Politik - Internationale Politik - Allgemeines und Theorien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Triebkräfte der sozialpolitischen Entwicklung
2.1.2 Sozialrevolutionäre
2.2 Soziale Bewegungen
2.2.1 Ausgangssituation der sozialen Bewegungen
2.2.2 Die sozialistische Arbeiterpartei
2.2.3 Christliche soziale Bewegungen und Parteien
2.2.4 Die liberale soziale Bewegung
2.2.5 Die Gewerkschaften
2.2.6 Die Genossenschaften

3. Die neue soziale Frage

4. Fazit

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema "Triebkräfte der sozialpolitischen Entwicklung".

In der Einleitung werden die sozialpolitische Lage und die Lebensumstände der Arbeitergesellschaft aufgezeigt. Zentraler Gegenstand dieser Arbeit ist die 1 Arbeiterbewegung als ausschlaggebende und nicht verzichtbare Triebkraft.

Die Einführung dieser Arbeit setzt sich mit der historischen Ausgangslage auseinander, und bietet eine Definition des Begriffs „soziale Gerechtigkeit“. Im Hauptteil werden die sozialpolitischen Triebkräfte dargestellt und es wird eine Differenzierung in Persönlichkeiten und Soziale Bewegungen vorgenommen.

1.1 „Soziale Gerechtigkeit“ der Versuch einer Definition

Was versteht man unter dem Begriff „Soziale Gerechtigkeit“? Bevor die sozialpolitische Ausgangssituation näher erläutert wird, sollte diese Frage geklärt werden. Soziale Gerechtigkeit als Zentralbegriff, im Rahmen dieser Arbeit ist als das Hauptziel jeglicher sozialer Bewegungen zu verstehen.

Eine einheitliche Antwort zu finden ist nicht leicht, da es sehr unterschiedliche Definitionen gibt. Die Bedeutung des Begriffs muss auch die geschichtlichen Gesichtspunkte berücksichtigen.

„Soziale Gerechtigkeit ist eine geradezu konstitutive Kategorie der Wissenschaft und Praxis der Sozialpolitik. Soziale Rechtfertigungsdiskurse und politische Ordnungsvorstellungen standen religionsgeschichtlich bereits am Anfang, menschlicher Kulturentwicklung. Geschlechterordnungen waren implizit ebenso ein Thema wie die kulturelle Umgangsweise mit vulnerablen Gruppen (alte Menschen, Witwen und Waisen etc.). Rechtsphilosophisch muss S.G. als die zentrale Idee des Rechts überhaupt verstanden werden. Das Verhältnis zu Solidarnormen ist allerdings kontrovers: S.G. kann Solidarität nach sich ziehen, muss es aber nicht. Geklärt werden muss: Solidarität mit wem, durch wen und warum? Die 2

Schlüsselfrage einer jeden Sozialpolitik ist: Wer bekommt was, wie und warum?“

„Der Terminus "soziale Gerechtigkeit" verdankt sich jedoch nicht solchen Begriffsstrategien und sprachpolitischen Interventionen. Die Verbindung von "sozial" und "Gerechtigkeit" setzte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts durch. Ursächlich dafür waren die politische Brisanz der "sozialen Frage", die erstarkende Arbeiterbewegung und die Entstehung der ersten Sozialversicherungen. In der Programmatik sozialdemokratischer Parteien wurde er nicht zuerst eingesetzt, hier tauchten eher die Formeln "gleiche Rechte" und "gerechte Verteilung" auf. Nur langsam - mit bedingt durch das Vordringen "sozialer Gerechtigkeit" in der katholischen Soziallehre - hat sich das Grundverständnis von sozialer Gerechtigkeit als

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Gestellten oder Einkommenslosen gerechtfertigt.“

Der Teil dieser Definition macht deutlich, dass soziale Gerechtigkeit schon immer ein gesellschaftliches Thema war, auch wenn sich die Art und Weise des früheren Umgangs mit sozialer Gerechtigkeit von der heutigen stark unterscheidet.

„Zum näheren systematischen Verständnis von sozialer Gerechtigkeit ist zwischen der distributiven und der re-distributiven Gerechtigkeit zu unterscheiden. In Bezug auf moderne Marktgesellschaften ist unter re-distributiver Gerechtigkeit ein Prinzip der Umverteilung als Korrektur der primären Marktverteilung zu verstehen. Unter distributiver Gerechtigkeit ist die lebenslaufbezogene Chancengleichheit als Chancenverteilung (Bildung, Gesundheit etc.) zu verstehen.“ [4] Hier wird deutlich, dass sich das Verständnis des Gerechtigkeitsbegriffs in der heutigen modernen Marktgesellschaft geändert hat. Der Gerechtigkeitsbegriff wurde modifiziert: „Von der Bedarfs- zur Leistungsgerechtigkeit“, „Von der Verteilungs- zur Beteiligungsgerechtigkeit“ oder auch „Von der sozialen zur Generationsgerechtigkeit“. Ein aktueller wesentlicher Diskussionspunkt ist demzufolge, „das angemessene Verhältnis zwischen Leistungsgerechtigkeit und Bedarfsgerechtigkeit.“

1.1.1 Die sozialpolitische Lage im 19. Jahrhundert

Der Beginn sozialer Bewegungen spiegelt sich in der Französischen Revolution 1789 wider. Diese folgenreiche Bewegung in Frankreich hatte primär die Durchsetzung freiheitlicher Ideale zum Ziel - Liberté, Égalité, Fraternité. Die Revolution führte mitunter zum Sturz der herrschenden Monarchie, einer Schreckensherrschaft bürgerlicher Revolutionäre und zu einem Krieg in ganz Europa.

Damit kommt der bis heute gefeierte Siegeszug der Menschenrechte und Demokratie stark

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ins Wanken. Liberté, Égalité, Fraternité oder doch eher Liberté, Égalité und Brutalité?

Enthauptung, Ertränkung, Erschießung, Folter und Lynchjustiz finden neben eroberter Demokratie und Menschenrechten keinen Platz.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit - das sind die Parolen der Französischen Revolution, die der Deutschen Revolution im Jahre 1848 voraus gingen.

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1.1 „Soziale Gerechtigkeit“ der Versuch einer Definition

Verteilungsgerechtigkeit herausgebildet. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ist soziale Gerechtigkeit zum Grundbegriff des expandierenden Sozialstaates geworden. Mit ihm werden breite soziale Sicherung, Armutsvermeidung, gleiche Rechte und Chancen für alle sowie eine dazu erforderliche Umverteilung der Einkommen von den Gutverdienenden zu den schlechter

1.1.1 Die sozialpolitische Lage im 19. Jahrhundert

Die industrielle Revolution erreichte zu Beginn des 19. Jahrhunderts auch Deutschland. Der Begriff Industrialisierung auch industrielle Revolution genannt bezeichnet den Wandel von einer Agrarwirtschaft zur Industriegesellschaft.

Die Revolution in Deutschland ist somit als globaler Nachzügler hinter England und Frankreich einzuordnen.

Die Nachzüglerposition Deutschlands lässt sich durch ungünstigere Startbedingungen begründen. Deutschland war bis 1806 in 300 Territorialstaaten zersplittert und war weit entfernt von der heutigen Expansion. Es gab eine Vielzahl an Zollschranken, abweichende Maß-, Münz- und Gewichtssysteme, Handelsmonopole sowie schlechte Verkehrsbedingungen. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt war die Abhängigkeit der bäuerlichen Bevölkerung von ihren Gutsherren. Standesschranken engten jeden Spielraum für innovatorisches Denken und Handeln ein.

Kennzeichnend für die Industrialisierung in Deutschland waren vor allem der sich ausweitende und breite Einsatz neuer Techniken (Maschinen), der rasante Bevölkerungsboom, die Ausbreitung des Fabriksystems, die Lohnarbeit als überwiegende Erwerbsform und die massenhafte Nutzung von bislang wenig verwendeten Rohstoffen, vor allem Eisen und Stahl.

Die Industrialisierung und die damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen brachten die dringliche Notwendigkeit einer sozialen Sicherung durch staatliches Handeln mit sich. Die ländlichen Gegenden boten nicht mehr genug Arbeitsplätze, dass Resultat war, dass die Menschen in die Städte strömten (Pauperismus). Die rasch wachsenden Städte (Urbanisierung) konnten diesem regellosen Bevölkerungszuwachs jedoch nicht standhalten. Die Städte waren hoffnungslos überfüllt. Die Lebensumstände waren von Not und Elend geprägt. Arbeitszeiten zwischen 16 und 18 Stunden gehörten zum täglichen Leben, sowie mangelnde Ernährung, katastrophale Arbeitsbedingungen und unmenschliche Wohnverhältnisse. Zudem gab es keine Altersversorgung, Unfallversicherung oder jeglichen Schutz gegen willkürliches Handeln von Vorgesetzten.

Es kam zu Slumbildungen, unzureichende Hygienemaßnahmen führten zu Krankheiten, hohe Kindersterblichkeitsraten, Verzweiflung und Hunger führten zu einer hohen Kriminalitätsrate. Anhand der Verelendung im Rahmen der Industrialisierung Deutschlands wird hier deutlich, dass nicht nur das Wirtschaftswesen sondern vor allem das Sozialwesen betroffen war. Die daraus entstandene Diskussion, um die Linderung des Elends der Arbeiter nennt man die „Soziale Frage“. Die Arbeiterbewegung, die sich seit Mitte des Jahrhunderts entwickelt, forderte Veränderungen.

Der Sozialstaat ist das Ergebnis dieser vielfältigen politischen Entwicklung, welche in Deutschland mit der industriellen Revolution begonnen hat. Die sogenannte soziale Frage wurde von Bismarck durch die Sozialgesetzgebung beantwortet. Die von Bismarck eingeführte Sozialgesetzgebung hatte aber wenig mit sozialen Absichten seinerseits zu tun. Seine Intention war es weitere Ausschreitungen zu vermeiden. 1884 verabschiedete Bismarck das Gesetz zur Unfallversicherung, 1889 wurden die Rentenversicherung, Alters- und Invalidenversicherung eingeführt.

2. Hauptteil

2.1 Triebkräfte der sozialpolitischen Entwicklung

Der Begriff „Triebkräfte“ findet auch im Soziologischen Verwendung. Die Triebkräfte werden hier als Faktor, Ursache oder als Motiv bezeichnet, die eine Entwicklung, von etwas1

2.1.1 Sozialreformer

als die typischen Vertreter der patriarchalischen Betriebspolitik. Es wird schnell deutlich, dass die beiden großen Unternehmerpersönlichkeiten sich zwar für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, ihrer Arbeiter einsetzten, dies geschah aber nicht ohne wirtschaftliches Eigeninteresse. Unternehmer wie Krupp und Freiherr von Stumm-Halberg verlangten im Gegenzug, von ihren Arbeitern Gehorsam, Fleiß, völlige und ewige Treue. Auch außerhalb der Arbeit griffen die Unternehmer in das Leben der Arbeiter und deren Familien ein, so forderten sie z.B. politische Abstinenz, bzw. die richtige politische Gesinnung.

Ernst Abbé wurde als Sohn eines Arbeiters in Jena geboren. Sein Handeln und Ziel als Repräsentant einer demokratischen, gemeinschaftsbezogenen, an der Idee des sozialen Rechtsstaates ausgerichteten sozialpolitische Konzeption wird als einzigartig bewertet. Er schaffte betriebliche Veränderungen zu Gunsten der Arbeiter indem er sich für die Wahrung der Menschenwürde stark machte, er setzte sich für die Selbstbestimmung der Arbeitnehmer ein, fordert betriebliche Mitbestimmung etc. Ernst Abbé gründete 1889, ein Jahr nach dem Tod des Firmengründers Carl Zeiss, eine gleichnamige Stiftung, von der aus er als einer der ersten Unternehmer den Acht-Stunden-Tag einführte.

Auch wenn in meiner Arbeiter Ernst Abbé, Alfred Krupp und Freiherr von Stumm-Halberg mehr Beachtung gewidmet wird, sind Unternehmerpersönlichkeiten wie: Robert Bosch, Heinrich Freese, Wilhelm von Funcke, Franz Haniel, Friedrich Harkort, Freiherr von Heyl, Wilhelm Oechselhäuser, Richard Roesicke und Johannes Schuchard nicht auszulassen.[10]

7 vorantreibt.

Im Rahmen der sozialpolitischen Entwicklung spricht man von zahlreichen Triebkräften, die diese vorantrieben. Die Triebkräfte der sozialpolitischen Entwicklung sind zunächst in Persönlichkeiten und soziale Bewegungen zu unterteilen.

2.1.1 Sozialreformer

Aus der Arbeiterbewegung gehen verschiedene an der Verbesserung der Lage der Arbeiter interessierte Sozialreformer hervor. Die Sozialreformer die sich in die Gruppe der Unternehmer, Kirchenvertreter sowie Beamte und Parlamentarier einteilen lässt versuchte anhand der gegebenen Gesellschaftsordnung die missliche Lage der arbeitenden

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Gesellschaft zu verbessern

a) Unternehmer

Die Industrialisierung führte zu einer großen Kluft zwischen den Unternehmern und der Arbeitergesellschaft. Die Unternehmer erzielten hohe Gewinne, vermehrten ihr Kapital und erweiterten ihre Betriebe. Nur wenige dachten daran, den Arbeitern zu helfen. Es kam zur regelrechten Versklavung der Arbeiter. Sie arbeiteten für einen geringen Lohn und auch Frauen und Kinder mussten arbeiten, um zu überleben. Es gab aber auch einige Unternehmer die selbst etwas unternahmen, um die Not ihrer Angestellten zu beseitigen.

Besondere Beachtung finden die Sozialreformer Alfred Krupp, Freiherr von Stumm-Halberg und Ernst Abbé. Alfred Krupp und Freiherr von Stumm-Halberg einerseits und Ernst Abbé andererseits repräsentierten zwei völlig unterschiedlich sozialpolitische Konzeptionen. Krupp und Freiherr von Stumm-Halberg standen für ein patriarchalisches, antidemokratisch- autoritäres, sozial-feudalistisches Unternehmertum. Demgegenüber repräsentiert Abbé eine demokratische, gemeinschaftsbezogene, an der Idee des sozialen Rechtsstaates ausgerichtete sozialpolitische Konzeption.[9] Krupp und Freiherr von Stumm-Halberg galten

[...]


[1] Lampert/Althammer 2014, 20

[2] Fachlexikon der sozialen Arbeit 7. Auflage 2011

[3] http://www.bpb.de/apuz/31605/soziale-gerechtigkeit-ein-politischer-kampfbegriff?p=al

[4] Fachlexikon der sozialen Arbeit 7. Auflage 2011

[5] vgl. Liberté Égalité Brutalié – Gewaltgeschichte der Französischen Revolution Horst Gebhard

[6] vgl. https://www.in-die-zukunft-gedacht.de/de/page/68/epochen-abschnitt/160/epochen.html

[7] vgl. Jutta Allmendinger, Wolfgang Ludwig-Mayerhofer 2000, 15

[8] vgl. Lampert/Althammer 2014, 44

[9] vgl. Lampert/Althammer 2014, 46

Details

Seiten
23
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783956876462
ISBN (Buch)
9783668005679
Dateigröße
737 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v301933
Institution / Hochschule
Katholische Fachhochschule Mainz
Note
Schlagworte
triebkräfte entwicklung

Autor

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