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Finanzierung von Fußballvereinen vor dem Hintergrund des Financial Fairplay

Bachelorarbeit 2013 48 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Finanzierungsalternativen im Profifußball
2.1 Innenfinanzierung
2.1.1 Einnahmen aus Sponsoring
2.1.3 Spielertrag
2.1.4 Merchandisingeinnahmen
2.1.5 Transfererlöse
2.2 Außenfinanzierung
2.2.1 Aufnahme von Fremdkapital
2.2.2 Mezzanine Finanzierungsinstrumente
2.2.3 Aufnahme von Eigenkapital

3. Finanzierungsmodelle im europäischen Fußballsport
3.1 FC Chelsea London
3.2 FC Bayern München
3.3 Schlussfolgerung

4. Financial Fairplay
4.1 Zielsetzung der Regelungen zum finanziellen Fairplay
4.2 UEFA Klub-Lizenzierung
4.3 UEFA Klub-Monitoring
4.4 Bedeutung für die Finanzierung von Fußballvereinen

5. Fazit und Ausblick

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Überblick Einnahmequellen der Vereine der 1. Bundesliga.

Abbildung 2: Durchschnittliche Zuschauerzahlen in europäischen Top Ligen.

Abbildung 3: Anteil der Dauerkarten in der 1. Bundesliga.

Abbildung 4: Merchandisingeinnahmen 1. Bundesliga nach Tabellenplatz.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Real Madrid erzielt als erster Sportverein der Welt einen Umsatz von mehr als 500 Milliarden Euro in einem Jahr.1

Der FC Málaga wird als erste spanische Spitzenmannschaft aufgrund der Nichteinhaltung der Vorgaben des Financial Fairplay aus allen UEFA Pokalwettbewerben ausgeschlossen.2

Rekordtransfer: für eine historische Ablösesumme von 100 Millionen Euro wechselt Gareth Bale zu Real Madrid.3

Der FC Bayern gewinnt die Deutsche Meisterschaft, die Champions League und den DFB-Pokal und holt damit als siebter Verein überhaupt in Europa das historische Triple.4

Wir schreiben das Jahr 2013. Es war ein Jahr der Rekorde im professionellen Fußballsport, welcher sich auf einem Höhepunkt der Kommerzialisierung befindet. Ein Prozess der seit Jahren zu beobachten ist. Vereine haben sich zu Fußballunternehmen entwickelt5 und generieren Umsätze vergleichbar mit Wirtschaftsunternehmen.

Die wirtschaftliche Attraktivität des Profifußballs ist aufgrund seiner Popularität und breiten Verankerung in der Gesellschaft enorm.6 Somit haben sich auch die Bedingungen für die Vereine geändert. Heutzutage gilt es nicht nur sportlich erfolgreich zu sein, sondern auch solide und nachhaltig zu wirtschaften. Viele Vereine sind dazu jedoch immer noch nicht in der Lage. Die Gründe dafür sind zum einen mangelnde Erfahrung und Defizite in den Management- und Kontrollsystemen und zum anderen die Einstellung, den sportlichen Erfolg mit allen Mitteln zu erkaufen. Dies führt nicht selten dazu, dass die Vereine über ihre Verhältnisse wirtschaften und regelmäßig hohe Verluste schreiben. Die Ursache dafür sind unter anderem enorm hohe Personalaufwendungen als Folge von Überinvestitionen in den Spielerkader, um die Stärke der Mannschaft zu steigern und sportlichen Erfolg zu erlangen. Nachhaltige Investitionen und zukünftiges Wachstum werden dabei oft außer Acht gelassen.7

So ist es nicht verwunderlich, dass Traditionsvereine wie der schottische Verein Glasgow Rangers (2012) oder der Premier League Club FC Portsmouth (2010) bereits Insolvenz anmelden mussten.8

Dementsprechend sah sich die UEFA 2010 gezwungen ein neues Regelwerk einzuführen, um den aktuellen Entwicklungen entgegenzuwirken und finanzielle Stabilität im europäischen Profifußball herzustellen.

Ziel dieser Arbeit ist es die Frage zu klären, wie sich Fußballvereine in der Zukunft vor allem vor dem Hintergrund der durch das finanzielle Fairplay eingeführten Regularien und Verschuldungsgrenzen finanzieren werden.

Dabei soll dem Leser ein systematischer Überblick über die Finanzierung von Fußballvereinen gegeben werden. Weiterhin wird die Abhängigkeit der Einnahmen vom sportlichen Erfolg aufgezeigt sowie Chancen und Risiken der Außenfinanzierung dargestellt. Außerdem sollen die aus finanzieller Sicht veränderten Rahmenbedingungen im europäischen Profifußball, aufgrund des Financial Fairplay, dargelegt und thematisiert werden.

Zunächst liegt dafür der Fokus in Kapitel 2 auf den unterschiedlichen Finanzierungsmöglichkeiten für Fußballvereine. Hierbei werden als Erstes die Mittel der Innenfinanzierung aufgezeigt und charakterisiert. Im Anschluss wird genauer auf die Mittel der Außenfinanzierung eingegangen, wobei eine differenzierte, risikoorientierte Betrachtung zwischen Finanzierung durch Fremdkapital, Mezzanine Finanzierungsformen und Finanzierung durch Eigenkapital vorgenommen wird. Dabei findet eine Bewertung der einzelnen Finanzierungsalternativen entsprechend den im professionellen Fußballsport vorhandenen Gegebenheiten statt.

Im weiteren Verlauf werden in Kapitel 3 anhand der in Kapitel 2 geschaffenen, theoretischen Grundlagen, unterschiedliche Finanzierungsmodelle am Beispiel von zwei europäischen Spitzenvereinen vorgestellt und auf ihre allgemeingültige Verwendbarkeit, vor dem Hintergrund des sportlichen und wirtschaftlichen Erfolgs, geprüft.

Abschließend wird in Kapitel 4 auf das neue Regelwerk der UEFA zur Sicherstellung des finanziellen Gleichgewichts im europäischen Profifußball eingegangen, wobei zunächst das Lizenzierungsverfahren der UEFA im Vordergrund steht. Anschließend werden die Regelungen zum finanziellen Fairplay dargestellt und deren Auswirkungen auf die Finanzierung von Fußballvereinen thematisiert.

Der letzte Teil dieser Arbeit stellt eine Zusammenfassung der Erkenntnisse dar und gibt einen

Ausblick auf die zukünftige Entwicklung der finanziellen Situation im europäischen Profifußball.

2. Finanzierungsalternativen im Profifußball

Finanzierung im Kontext des professionellen Fußballsports bedeutet zum einen die fortwährende Sicherung des operativen Geschäftes aus eigenen Mitteln und zum anderen die Bereitstellung von Kapital für Investitionen in Steine und Beine. Darunter versteht man Investitionen in den Ausbau und die Entwicklung von Stadien, sowie die Nachwuchsförderung und den Kauf von Spielern.9

Dabei können Fußballvereine nicht nur auf die Mittel der Innenfinanzierung, sondern auch auf Instrumente der Außenfinanzierung zurückgreifen,10 wobei nach dem Prinzip der Pecking-Order- Theorie zunächst die Ausschöpfung der Innenfinanzierungsmittel im Vordergrund steht. Erst wenn diese erschöpft sind, sollten finanzielle Mittel aus unternehmensexternen Quellen beansprucht werden. Dadurch wird das Risiko einer zu hohen Verschuldung und eines zu großen Einflusses von Eigenkapitalgebern auf die Entscheidungen der Vereinsspitzen reduziert und der Fußballverein vor negativen Veränderungen auf dem Kapitalmarkt geschützt.11

Im Folgenden wird aus diesem Grund zunächst auf die Instrumente der Innenfinanzierung eingegangen.

2.1 Innenfinanzierung

Bei Betrachtung der verschiedenen Einnahmequellen der Innenfinanzierung ist zu beachten, dass die Verteilung und die Höhe ebendieser von einer Vielzahl von Faktoren, wie sportlichem Erfolg, Markenname, Fansolidarität, Stadionkapazitäten, etc. abhängen und daher von Verein zu Verein schwanken. Somit liegen die Grenzen der Innenfinanzierung vor allem in dem eingeschränkten Ausschöpfungspotential, gerade für kleinere, weniger erfolgreiche Vereine.12

Durch einen Blick auf die Erlöse der Vereine der 1. Fußball-Bundesliga, lässt sich feststellen, dass diese vor allem auf den drei homogenen Einnahmequellen Sponsoring, mediale Verwertung und Spielertrag basieren, welche nahezu 75% der Gesamteinnahmen ausmachen. Der Rest verteilt sich auf Einnahmen aus Merchandising und Spielertransfers, sowie sonstigen Einnahmequellen.13

Wie in Abbildung 1 erkennbar, ist der Umsatz der Vereine der 1. Fußball-Bundesliga in den letzten Jahren stetig gestiegen und überschritt in der Saison 2011/12 erstmals die 2 Milliarden Euro Marke.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Überblick Einnahmequellen der Vereine der 1. Bundesliga.14

2.1.1 Einnahmen aus Sponsoring

Unter Sponsoring im professionellen Fußballsport wird die Vermarktung von Nutzungsrechten der Marketingmöglichkeiten eines Vereins verstanden, welcher im Gegenzug dafür durch den Sponsor in Form von finanziellen Mitteln und/oder Sachleistungen unterstützt wird.15

In der 1. Fußball-Bundesliga ist das Sponsoring die wichtigste Einnahmequelle der Vereine und verzeichnete seit der Saison 2008/09 einen Anstieg von 13,2%, was besonders vor dem Hintergrund beachtenswert ist, dass der Umsatz und die Investitionen auf dem deutschen Werbemarkt in den vergangenen Jahren rückläufig waren.16

Im Profifußball unterscheidet man grundsätzlich zwischen drei Formen des Sponsorings: Trikotsponsoring, Verträge mit Ausrüstern und Bandenwerbung.17

Durch Trikotsponsoring erzielte Einnahmen erhält ein Verein von seinem so genannten Hauptsponsor, welcher im Gegenzug das Recht zur Nutzung der Trikotvorderseite für Werbezwecke erlangt. Zusätzlich erhält der Sponsor meist weitere Gegenleistungen, wie zum Beispiel Durchsagen im Stadion und die Nutzung von Spielfeldbanden zu Werbezwecken oder Vereinbarungen über die Nutzung der Produkte des Sponsors außerhalb des Spielfeldes in der Öffentlichkeit durch die Spieler.18 Neben vertraglich fixierten Leistungen enthalten Sponsorenverträge in der Regel auch erfolgsabhängige Zahlungen.19

Im Jahr 1973 war es Eintracht Braunschweig, welcher als erster deutscher Verein mit dem Markenzeichen des früheren Hauptsponsors Jägermeister auf dem Trikot zum Spiel auflief, noch vor offizieller Zulassung durch den DFB im selben Jahr.20

Im Gegensatz zum Trikotsponsoring, bei dem der Hauptsponsor in der Regel nur mit einem Verein kooperiert und diesen unterstützt, werden im Bereich des Ausrüstersponsorings seitens der Sportartikelhersteller wie Adidas, Nike und Puma Verträge mit mehreren Vereinen abgeschlossen.

Die Einnahmen aus diesem Bereich stiegen von 2005 bis 2012 um 48% an. Insgesamt erhielten die Vereine der europäischen Top-Five-Ligen21 in der Saison 2011/12 330 Millionen Euro von den Sportartikelherstellern. An dieser Stelle muss jedoch erwähnt werden, dass vor allem Spitzenmannschaften22 von den oben genannten Marktführern gesponsert werden, da diese aufgrund ihres sportlichen Erfolges über einen hohen, internationalen Bekanntheitsgrad und dementsprechend über eine große Fan-Community verfügen. Für diese Vereine stellen Verträge mit Ausrüstern eine bedeutende Einnahmequelle dar. Kleinere, weniger erfolgreiche Vereine sind im Gegensatz dazu tendenziell nicht in der Lage, hohe Einnahmen aus dieser Form des Sponsorings zu erzielen, da eher die unbekannteren, weniger finanzkräftigen Sportartikelhersteller gewillt sind, Verträge mit diesen Vereinen abzuschließen.23

Eine weitere Form des Sponsorings im Bereich des professionellen Fußballsports ist die Bandenwerbung in Stadien. Auch hier kann eine Abhängigkeit der Sponsorenzahlungen vom sportlichen Erfolg identifiziert werden. Je erfolgreicher ein Verein, desto größer sein Bekanntheitsgrad und seine mediale Präsenz, was wiederum zu einer höheren Werbeeffizienz führt. Der Unterschied in der Höhe der Einnahmen zwischen Spitzenmannschaften und den übrigen Vereinen ist hier jedoch nicht so signifikant wie bei den anderen, oben erwähnten Formen des Sponsorings.24 Man unterscheidet im Bereich der Bandenwerbung im Allgemeinen zwischen Banden innerhalb und außerhalb des medialen Sichtbereiches, wobei in den letzten Jahren zunehmend neuere Werbeformen populär geworden sind. So konnte z.B. durch Teppiche mit 3D Technik, welche neben dem Tor platziert werden und animierte Werbebanden die Werbeeffizienz noch einmal gesteigert werden.25

Neben den drei genannten, wichtigsten Formen des Sponsorings gibt es noch weitere Möglichkeiten in diesem Bereich Einnahmen zu generieren. Dazu zählen unter anderem Verträge mit Co-Sponsoren oder regionalen Sponsoren.26 Auch die Vermarktung der Namensrechte am Stadion des Fußballvereins27 ist eine Möglichkeit zusätzliche Einnahmen zu erzielen. Mittlerweile haben viele

Mannschaften ihre Vermarktungsaktivitäten im Sponsoring Bereich an externe Agenturen outgesourct, um deren Know-How nutzen zu können und einen Mehrwert bei der Rechtevermarktung zu erlangen.

28

2.1.2 Mediale Verwertung

Unter medialer Verwertung im Profifußball wird die dezentrale oder zentrale Vermarktung des Produktes Fußballspiel über Fernsehanstalten sowie über Internet, Rundfunk und mobile Endgeräte verstanden.29 Dezentral bedeutet in diesem Kontext eine selbständige Rechtevermarktung durch die Fußballvereine, wohingegen bei der zentralen Vermarktung der Verkauf der Übertragungsrechte durch die nächst höhere Institution übernommen wird.30

In der 1. Fußball-Bundesliga ist die Veräußerung von Übertragungsrechten die zweitwichtigste Einnahmequelle. Seit der Saison 2008/09 stiegen die Einnahmen um 11,8%.31 Aufgrund eines neuen Medienvertrages können die Vereine der 1. und 2. Bundesliga ab der Saison 2013/14 mit einem weiteren, bedeutendem Anstieg der Einnahmen aus diesem Bereich rechnen. In den nächsten vier Jahren erhalten sie insgesamt 628 Millionen Euro pro Saison, was einem Zuwachs von ungefähr 52% entspricht.32

Die Vermarktung der Rechte wird in Deutschland zentral von der DFL übernommen, welche die Einnahmen anhand von Verteilungsschlüsseln an die Vereine überträgt. Zunächst werden die Erlöse im Verhältnis 80:20 auf die 1. und 2. Bundesliga aufgeteilt. Die Verteilung der Gelder innerhalb der Ligen findet dann leistungsbezogen nach dem Tabellenplatz in der Abschlusstabelle der letzten vier Saisons und der aktuellen Spielzeit im maximalen Verhältnis zwischen dem ersten und dem letzten Platz von 2:1 (1. Bundesliga) bzw. 2,25:1 (2. Bundesliga) statt.33 Durch diese zentrale Vermarktung wird zwar einerseits die Integrität des Wettbewerbs der Ligen gesichert, andererseits nehmen die deutschen Spitzenmannschaften aus der Vermarktung der Übertragungsrechte im internationalen Vergleich dadurch jedoch deutlich weniger ein als z.B. die Vereine der spanischen Primera Division, welche ihre Rechte selbst vermarkten und dementsprechend über deutlich mehr finanzielle Mittel aus diesem Bereich verfügen.34

Auf europäischer Ebene vermarktet die UEFA die medialen Rechte der Champions League zentral. Die Einnahmen werden durch ein erfolgs- und teilnahmebezogenes Verteilungssystem an die Vereine übertragen. Weiterhin erhalten die Vereine Gelder aus dem sogenannten Marketing-Pool, welcher nicht nur Einnahmen aus der medialen Verwertung, sondern auch aus dem Sponsoring der Champions League enthält. Diese Erlöse werden anteilig je nach Bedeutung/Wert der nationalen Fernsehmärkte auf die teilnehmenden Vereine verteilt.35

2.1.3 Spielertrag

Die Spielerträge sind eine weitere wichtige Einnahmequelle. In der 1. Bundesliga konnte hier ein Anstieg von 21,3% seit der Saison 2008/09 verzeichnet werden.36 Dieser Anstieg ist vor allem auf die WM 2006 in Deutschland und dem damit verbundenen Neu- und Umbau der Stadien bzw. den Modernisierungsmaßnahmen dieser zurückzuführen, wodurch der Komfort und die Platzkapazitäten einzelner Stadien deutlich gesteigert werden konnten.37 In der Saison 2011/12 stellte die 1. Bundesliga mit durchschnittlich 44.293 Zuschauern pro Spiel einen neuen internationalen Rekord auf.

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Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Durchschnittliche Zuschauerzahlen in europäischen Top Ligen.39

Den größten Anteil der Spielerträge macht dabei der Verkauf von Eintrittskarten aus. Grundsätzlich wird zwischen Einzel- und Dauerkarten unterschieden.40 Da der Verkauf der Karten und die damit verbundenen Einnahmen gewissen Unsicherheiten unterliegen, wie z.B. schwankendes Interesse am jeweiligen Spiel oder ungewisses Wetter, gibt der Verkauf von Dauerkarten den Vereinen Planungssicherheit im Hinblick auf die Spielerträge, auch wenn diese Karten meist günstiger sind als Einzelkarten.41 Der Anteil der Dauerkarten ist von Verein zu Verein sehr schwankend und beträgt zwischen 30-70%.42 In der Saison 2012/13 lag der durchschnittliche Anteil der verkauften Dauerkarten, wie in Abbildung 3 erkennbar, in der 1. Bundesliga bei fast 62%.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Anteil der Dauerkarten in der 1. Bundesliga.43

Zusätzliche Einnahmen lassen sich durch Cateringdienstleistungen in den Stadien sowie der Vermietung von VIP-Logen und den dazugehörigen Dienstleistungen erzielen. Die Tickets für VIP- und Business-Seat Bereiche werden jedoch oftmals in Form von Leistungspaketen an Sponsoren oder andere Kooperationspartner vergeben, um diesen im Gegenzug für ihre Geld- und Sachleistungen Vorzüge zu gewähren.44

Auch an dieser Stelle ist darauf hinzuweisen, dass die Höhe der Spielerträge zum Teil stark zwischen den einzelnen Vereinen schwankt. Dies ist vor allem auf unterschiedliche Stadionkapazitäten und die Attraktivität des jeweiligen Spiels zurückzuführen. So steigen z.B. die Zuschauerzahlen im Verlauf der K.O.-Phasen45 von nationalen und internationalen Wettbewerben (DFB Pokal, Champions League, Europa League) deutlich an.46 Aber auch bei Spitzenspielen und Derbys47 ist mit deutlich höheren Ticketverkäufen zu rechnen.48 Neben der Stadionauslastung spielt auch der Preis der Eintrittskarten eine Rolle bei der Höhe der Spielerträge.49

2.1.4 Merchandisingeinnahmen

Merchandisingerlöse machten in der 1. Bundesliga zwar mit 4,51% den geringsten Teil der Gesamteinnahmen in der Saison 2011/12 aus, stiegen jedoch seit der Saison 2008/09 um 34,2% an.

50

Einnahmen im Bereich Merchandising werden vor allem durch den Verkauf von Fanartikeln erzielt. Unter dem Begriff Fanartikel wird eine enorm breite Produktpalette zusammengefasst, weshalb die Vereine lediglich den Vertrieb übernehmen oder Nutzungsrechte am Vereinsnamen, Logo, etc. in Form von Lizenzen vermarkten.51

Innenfinanzierung wohl am stärksten vom sportlichen Erfolg und der damit einhergehenden (internationalen) Bekanntheit ab. Für kleinere, weniger erfolgreiche Vereine sind die Einnahmen aus diesem Bereich daher eher unbedeutend, jedoch immer noch ein wichtiges Mittel zur Bindung der Fans.52 Die erwähnte starke Konzentration der Einnahmen auf die sportlich erfolgreichen Vereine des oberen Tabellendrittels wird am Beispiel der 1. Bundesliga durch Abbildung 3 bestätigt. Die höheren Merchandisingeinnahmen der Plätze 13 bis 18 sind darauf zurückzuführen, dass in dieser Saison auch größere Traditionsvereine im letzten Tabellendrittel vertreten waren. Aufgrund ihrer sportlichen Erfolge in der Vergangenheit verfügen diese bereits über eine breite Fan-Community.53

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Merchandisingeinnahmen 1. Bundesliga nach Tabellenplatz.54

2.1.5 Transfererlöse

Die Einnahmen aus Spielerverkäufen machten in der Saison 2011/12 ca. 10,1% der Gesamteinnahmen aus und sind seit der Spielzeit 2008/09 um 33,13% gestiegen.55 Dabei handelt es sich meistens um Einmalerträge, welche nur während den Transferperioden in der Sommer- oder Winterpause erzielt werden können. Vor dem Bosman-Urteil56 im Jahr 1995 war jeder Spielertransfer an eine Ablösesumme gekoppelt, unabhängig davon, ob der Spieler noch einen laufenden Vertrag bei seinem alten Verein hatte oder nicht. Das Urteil änderte jedoch die Transferbestimmungen in Europa, weshalb heutzutage Spieler auch ablösefrei zu einem anderen Verein wechseln können, wenn ihr Vertrag ausläuft. Somit stellt der Verkauf von Spielern keine sichere Einnahmequelle mehr dar.57

2.2 Außenfinanzierung

Instrumente der Außenfinanzierung sollten erst in Betracht gezogen werden, wenn die

Innenfinanzierung ausgeschöpft ist, da diese stets mit Kosten und einem gewissen Risiko verbunden sind. Dabei sollten die Mittel der Außenfinanzierung vor allem für Investitionen, also Wachstum genutzt werden und nicht um eventuell vorhandenen Finanzdefiziten entgegenzuwirken, da z.B. eine Finanzierung durch Fremdkapital auch immer mit Zins- und Tilgungszahlungen verbunden ist, welche wiederum Kosten für den Verein verursachen.58

In Deutschland können die Vereine erst seit 1998 das volle Spektrum der Außenfinanzierungsmittel nutzen, da sie seit diesem Jahr die Möglichkeit haben, die Rechtsform des eingetragenen Vereins in eine Fußball-Kapitalgesellschaft umzuwandeln. Diese Rechtsform ist erforderlich, um am Kapitalmarkt aktiv zu sein und alternative Finanzierungsmöglichkeiten nutzen zu können.59

Im Folgenden werden wiederum in Anlehnung an die Pecking-Order Theorie in risikoorientierter Reihenfolge wesentliche Mittel zur Außenfinanzierung von Fußballvereinen thematisiert.

[...]


[1] Vgl. Deloitte (2013), S. 2.

[2] Vgl. Spiegel Online (2012a).

[3] Vgl. Zeit Online (2013).

[4] Vgl. Hamann (2013).

[5] In dieser Arbeit wird die rechtsformunabhängige Bezeichnung Fußballverein oder kurz Verein synonym zu der Bezeichnung Fußballunternehmen verwendet, womit jedoch keine inhaltlichen Unterschiede verbunden sind.

[6] Vgl. Keller (2008), S. 2.

[7] Vgl. Keller (2008), S. VII und Dworak (2010), S. V, 1f.

[8] Vgl. Kicker (2010) und Spiegel Online (2012b).

[9] Vgl. Lang (2008), S. 122 und Keller (2008), S. 259.

[10] Vgl. Hovemann (2008), S. 212.

[11] Vgl. Schäfer (2002), S. 127 und Dworak (2010), S. 104f.

[12] Vgl. Keller (2008), S. 259f. und Hovemann (2008), S. 219.

[13] Vgl. Ernst & Young (2013), S. 18.

[14] Vgl. DFL (2013), S. 22.

[15] Vgl. Dworak (2010), S. 165.

[16] Vgl. DFL (2013), S. 22.

[17] Vgl. Swieter (2001), S. 40.

[18] Vgl. Lang (2008), S. 102, zitiert nach WGZ-Bank (2002), S. 55.

[19] Vgl. Lang (2008), S. 102, zitiert nach Zacharias (1999), S. 166.

[20] Vgl. Mazurkiewicz (2013), S. 447, zitiert nach Dinkel (2005), S. 23f.

[21] Gemeint sind laut DFL (2013) die 1. Bundesliga, Premier League, Primera Divison, Ligue 1 und Serie A.

[22] Sammelbegriff für (dauerhaft) sportlich erfolgreiche Mannschaften.

[23] Vgl. Lang (2008), S. 104 und Sport+Markt (2012), S. 1.

[24] Vgl. Lang (2008), S. 105f.

[25] Vgl. Mazurkiewicz (2013), S. 447f. und Eisenberger (2005), S. 28f.

[26] Vgl. Eisenberger (2005), S. 28f.

[27] Zum Beispiel Allianz Arena (München) und Commerzbank-Arena (Frankfurt am Main).

[28] Vgl. Laner, Nelles (2007), S. 28ff.

[29] Vgl. Elter (2004), S. 58.

[30] Vgl. Lang (2008), S. 98.

[31] Vgl. DFL (2013), S. 10.

[32] Vgl. Ernst & Young (2013), S. 21.

[33] Vgl. DFL (2012).

[34] Vgl. Dworak (2010), S. 148.

[35] Vgl. UEFA (2013) und Dworak (2010), S. 145.

[36] Vgl. DFL (2013), S. 10.

[37] Vgl. Dworak (2010), S. 153f.

[38] Vgl. DFL (2013), S. 48.

[39] Vgl. Ebenda.

[40] Vgl. Lang (2008), S. 93.

[41] Vgl. Dworak (2010), S. 160f.

[42] Vgl. Holzhäuser (2013), S. 424.

[43] Vgl. DFL (2014), S. 51.

[44] Vgl. Dworak (2010), S. 152f. und Holzhäuser (2013), S. 424.

[45] Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale und Finale.

[46] Vgl. Lang (2008), S. 95ff.

[47] Spitzenspiele sind Begegnungen zwischen Mannschaften des oberen Tabellendrittels. Von Derbys spricht man, wenn zwei Mannschaften einer Region aufeinander treffen.

[48] Vgl. Ernst & Young (2013), S. 35.

[49] Vgl. Laner, Nelles (2007), S. 18.

[50] Vgl. DFL (2013), S. 22.

[51] Vgl. Lang (2008), S. 106 und Bezold (2013), S. 181.

[52] Vgl. Lang (2008), S. 107 und Dworak (2010), S. 180.

[53] Vgl. DFL (2013), S. 28.

[54] Vgl. DFL (2013), S. 28.

[55] Vgl. DFL (2013), S. 22.

[56] Vgl. EuGH-Urteil Rs. C-415/93 vom 15.12.1995.

[57] Vgl. Dworak (2010), S. 201ff.

[58] Vgl. Keller (2008), S. 206.

[59] Vgl. Keller (2008), S. 32.

Details

Seiten
48
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668006263
ISBN (Buch)
9783668006270
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v301831
Institution / Hochschule
Hochschule RheinMain – Wiesbaden Business School
Note
1,3
Schlagworte
Fußball Financial Fairplay FC Bayern München Chelsea London Finanzierung Investition Sponsoring UEFA Bundesliga Mezzanine Finanzierung Eigenfinazierung Fremdfinanzierung IPO Börsengang

Autor

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