Lade Inhalt...

Juniorfirma. Ein Lernort zur Ergänzung der betrieblichen Erstausbildung

Bachelorarbeit 2013 40 Seiten

BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Juniorfirma als Methode der Berufsausbildung
2.1 Definition und begriffliche Grundlegung
2.2 Strukturmerkmale des Juniorfirmenkonzeptes und Beispiele aus der Praxis
2.3 Abgrenzung zur Methode des Lernbüros und der Übungsfirma
2.4 Entstehung und historische Einordnung
2.5 Die Juniorfirma in allgemeinbildenden Schulen, im Betrieb und der Berufsschule

3 Lerntheoretische Betrachtung der Juniorfirma
3.1 Berufliche Handlungsorientierung
3.2 Leitzielebenen der Juniorfirma
3.2.1 Didaktische Zielebene
3.2.2 Ökonomische Zielebene
3.2.3 Innovative Zielebene
3.3 Die Juniorfirma als Methode des selbstgesteuerten Lernens

4 Die Juniorfirma - Eine sinnvolle Ergänzung der betrieblichen Ausbildung?
4.1 Die Grundkonzeptionen der Juniorfirmen
4.2 Voraussetzungen
4.3 Grundlegende Problemfelder der Methode

5 Schlussbetrachtung

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Gegenüberstellung Lernbüro, Übungsfirma, Juniorfirma

Abbildung 2: Die didaktisch geprägte Grundkonzeption b

Abbildung 3: Die ökonomisch geprägte Grundkonzeption b

Abbildung 4: Die innovativ geprägte Grundkonzeption

1 Einleitung

In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts lösten technologische, ökonomische, arbeitsorganisatorische und gesellschaftliche Veränderungen eine neue Entwicklung in der beruflichen Bildung aus. Die veränderten Anforderungen sorgten dafür, dass die herkömmlichen Ausbildungsmethoden nicht mehr ausreichten und neue handlungsorientierte Methoden für die Ausbildung gefordert wurden. (vgl. Fix 1989, S.13ff.)

In diesem Rahmen entstand auch das Konzept der Juniorfirma. Unabhängig, ob die Juniorfirma nun in Schulen oder in Betrieben gegründet wurde, so besaß das Konzept den zentralen Anspruch die berufliche Bildung verbessern und weiterentwickeln zu wollen.

Diese grundlegenden Veränderungen liegen mehr als 30 Jahre in der Geschichte zurück. In den b heutigen Bildungsdebatten fallen andere Schlagwörter, wie Fachkräftemangel, demografischer b Wandel und nicht zuletzt PISA[1]. Immer neue Gefahren und Probleme werden identifiziert und b das berufliche Bildungssystem, allen voran die duale Berufsausbildung, muss sich diesen b Trends stellen.

Erfreulicher Weise konnten trotz dieser erdrückend wirkenden Herausforderungen, Erfolge, wie die Verbesserung des Ausbildungsstellenmarktes im Jahr 2011, erzielt werden. Mehr junge Menschen in Deutschland bekamen einen Ausbildungsplatz. (vgl. BMBF 2012, S.11)

„Damit dies so bleibt, muss sich die duale Berufsausbildung an den neuen b Herausforderungen messen lassen. Nur durch gezielte Innovationen wird das System b der beruflichen Bildung auch in Zukunft seinen Beitrag zum nachhaltigen Wandel der b Arbeitswelten wie auch der Gesellschaft insgesamt leisten können.“ (BMBF o. J., S.1)

Der Schlüssel zur anhaltenden Leistungsfähigkeit des beruflichen Bildungssystems heißt b demnach Innovation. Von allen Institutionen der beruflichen Bildung wird Innovation angestrebt b und vorangebracht. Schulen werden zu regionalen Bildungszentren und Ausbildungsunternehmen b engagieren sich in sozialen Projekten für Jugendliche und junge Erwachsene. Und wie schon vor 30 Jahren werden auch offensiv neue Ausbildungsmethoden gesucht und erprobt, um die duale Ausbildung nicht im Stillstand zu belassen.

Der Juniorfirma wird heute, genauso wie damals, eine innovative Wirkung auf die betriebliche Ausbildung zugesprochen. Die Methode war seit dem ersten Auftreten Gegenstand von mehreren Modellversuchen von Wirtschaft und Bildungsinstitutionen und eine deutschlandweit kooperierende Arbeitsgemeinschaft strebt seit Jahren die Förderung und die Verbreitung dieses Ausbildungskonzeptes an.

Ich persönlich war an dem Gründungsprozess einer der ersten betrieblichen Juniorfirmen in b Kassel beteiligt und durfte die Juniorfirma der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH in b ihrem Entstehungsprozess begleiten. Persönlich, wie auch fachlich stellt sich mir nun die Frage:

Ist für ein Unternehmen die Ergänzung der betrieblichen Erstausbildung durch eine Juniorfirma sinnvoll? Und kann der Einsatz der Methode Juniorfirma den Lernerfolg sowie den Lernprozess der Auszubildenden verbessern?

Um die herausgearbeitete Fragestellung beantworten zu können, ist im ersten Schritt eine b grundlegende Betrachtung der Methode Juniorfirma nötig. Erst wenn eine klare Vorstellung über b das umfangreiche Konzept besteht, kann im nächsten Schritt eine Bewertung der Methode, b hinsichtlich ihrer Vorteilhaftigkeit als Ergänzungsmethode für die betriebliche Erstausbildung, b durchgeführt werden. Entsprechend dieser Vorüberlegung ist die Gliederung dieser Arbeit b aufgebaut.

In Abschnitt zwei wird die Methode Juniorfirma definiert und von ihrem Grundkonzept her erläutert. Um den Begriff der Juniorfirma in dieser Arbeit nutzen zu können, ist eine umfangreiche Betrachtung nötig. Dazu wird die Abgrenzung zur Methode des Lernbüros und der Übungsfirma sowie der Schülerfirma vorgenommen. Des Weiteren wird hier ein Überblick über die historische Entwicklung und die theoretischen Wurzeln der Methode gegeben.

Eine lerntheoretische und didaktisch geprägte Begutachtung der Juniorfirmenmethode findet im b dritten Abschnitt statt. Die drei verschiedenen Zielebenen dieses Konzeptes werden erläutert. b Außerdem wird die Methode unter den Aspekten des selbstgesteuerten Lernens betrachtet und b analysiert.

Anschließend werden anhand der Ergebnisse aus den beiden vorangegangenen Abschnitten unter Punkt vier die Grundkonzeptionen der Juniorfirma und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ergänzung der betrieblichen Ausbildung erläutert. Darauf folgend werden die Problemfelder der Methode dargestellt. Abschließend werden die Ergebnisse dieser Arbeit im Abschnitt fünf vorgestellt.

2 Die Juniorfirma als Methode der Berufsausbildung

Die Bezeichnung Juniorfirma wird für verschiedene Konstruktionen von Lehr-Lern-Arrangements im schulischen und betrieblichen Bereich verwendet (vgl. Hillebrand & Tunat 2006, S. 15). Entsprechend schwer fallen daher die Darstellung und die Erklärung des Juniorfirmenkonzeptes. Um den Begriff jedoch pragmatisch, in Hinblick auf die Ausgangsfrage nutzen zu können, ist eine klare Definition im Rahmen dieser Arbeit nötig. Diese soll im Unterabschnitt 2.1 herausgearbeitet werden. Der Blick in die Praxis zeigt, dass es die typische Form der Juniorfirma nicht gibt. Es besteht ein breites Spektrum von unterschiedlich organisierten Firmen, die von Auszubildenden geführt werden.

Größere Juniorfirmen mit mehr als 15 Arbeitsplätzen kommen genauso vor, wie Juniorfirmen mit nur einem Büroarbeitsplatz. Sie werden in Betrieben, außerbetrieblichen Bildungsinstitutionen sowie in Vollzeit- und Berufsschulen gegründet und haben die unterschiedlichsten Geschäftsfelder (vgl. Dippl et al. 2004, S. 55). Trotzdem weisen alle Realisationsformen des Juniorfirmenkonzeptes gemeinsame Strukturmerkmale auf, die im Abschnitt 2.2 mit Hilfe von Praxisbeispielen erläutert werden. In Abschnitt 2.3 wird das Konzept der Juniorfirma von anderen, in der Konzeption ähnlichen, Lehr-Lern-Methoden abgegrenzt, um die in der Praxis vorkommenden Varianten entsprechend unterscheiden und einordnen zu können. Darauf folgt in Punkt 2.4 eine historische Betrachtung der Juniorfirmenmethode, deren Wurzeln in vielfältigen theoretisch-philosophischen Konzepten verankert ist und die zum Forschungsgegenstand in offiziellen Modellversuchen geworden ist. Abschließend wird im Unterabschnitt 2.5 zwischen betrieblichen und schulischen Juniorfirmen unterschieden.

2.1 Definition und begriffliche Grundlegung

Ursprünglich war die Idee der Juniorfirma als Ergänzung zur beruflichen Ausbildung entwickelt worden. Juniorfirmen sind jedoch kein fester institutionalisierter Teil des dualen Systems der Berufsausbildung, da sie weder im Rahmenlehrplan noch in der Ausbildungsordnung für die Ausbildungsberufe vorgeschrieben sind (vgl. Ermeling 2001, S 193). Heutzutage werden auch in vielen weiteren Bereichen Juniorfirmen eingesetzt. So werden Junior- bzw. Schülerfirmen in der vorberuflichen Kinder- und Jugendbildung sowie innerhalb berufsvorbereitenden Maßnahmen zur Förderung benachteiligter junger Menschen gegründet (vgl. Kutt 2002, S. 82). Im Rahmen dieser Arbeit soll die Betrachtung der Methode jedoch schwerpunktmäßig aus betrieblicher und berufsbildender Perspektive geschehen.

Definition

Das Konzept Juniorfirma ist eine auf Dauer gerichtete handlungsorientierte Methode, durch die Auszubildende selbstständig und eigenverantwortlich unter den strukturellen Bedingungen eines Unternehmens arbeiten können. (vgl. Dippl et al. 2004, S. 21)

Fix definiert das Grundkonzept der Juniorfirma ähnlich und schreibt:

„Grundgedanke der Juniorenfirma ist das Modell ‚Kleinbetrieb im Großbetrieb‘. Ergänzend zur traditionellen Form der dualen Ausbildung in der Berufsschule und an betrieblichen Arbeitsplätzen soll der Auszubildende […] in der sozialen Gruppe der Lehrlinge alle Überlegungen anstellen, Entscheidungen treffen und Arbeitsvollzüge durchführen, die auch in einer ‚echten‘ Firma erforderlich sind.“ (Fix 1985, S.8)

Beide Definitionen verdeutlichen, dass die Juniorfirma keine einfache Simulation von unternehmerischer Tätigkeit darstellt. Die Auszubildenden arbeiten mit realen Waren- und Geldströme und bauen gemeinsam als Gruppe eine Unternehmung auf oder führen sie nach der Übernahme von anderen Auszubildenden weiter. Dabei sind die, mit der unternehmerischen Tätigkeit entstehenden Probleme und Herausforderungen ebenfalls auf einen realen, und keinen simulierten Hintergrund, zurückzuführen. Die Zielgruppe der Methode liegt schwerpunktmäßig innerhalb der beruflichen Erstausbildung. Die Auszubildenden im kaufmännischen und im gewerblich-technischen Bereich sollen berufsübergreifend zusammenarbeiten und Problemlösungen und Produktideen entwickeln. (vgl. Kutt 2002, S. 81)

Neben den ökonomischen Erfolg sollen Juniorfirmen auch eine Verbesserung des Lernens b hervorrufen und ein selbstgesteuertes Lernen ermöglichen. (vgl. Dippl & Elster 2003, S. 167.) b Sie sollen eine Alternative zum innerbetrieblichen Unterricht darstellen und das Lernen innerhalb des Ausbildungsbetriebes erleichtern. Der Erwerb von Fachkompetenzen, Methodenkompetenzen sowie Sozial- und Personalkompetenzen soll im hohen Maße durch das Mitwirken innerhalb einer Juniorfirma möglich sein (vgl. Kutt 2001, S. 31).

Begriff Juniorfirma

Die erste Juniorfirma in Deutschland wurde 1975 in der Zahnradfabrik Friedrichshafen AG b gegründet und als Übungsfirma mit realem Geschäftsbetrieb bezeichnet. Dieser Begriff führte zu Verwechslungen mit den Übungsfirmen und wurde deshalb in Juniorenfirma umgeändert. (vgl. Sommer & Fix 1989, S. 172 zitiert in Tsuchiya 2006, S. 1)

Diese Bezeichnung wird bis heute in der einschlägigen Literatur von Autoren, wie Wolfgang Fix b und Konrad Kutt, verwendet. Ein leicht anderer Begriff ist der der Juniorfirma. Er wird zum b Beispiel im Methodenpool Köln gewählt (vgl. Reich 2004). Beide Begriffe werden über die b Literatur hinweg jedoch synonym verwendet. Schülerfirmen heißen Juniorfirmen, die im Rahmen b der Schule und nicht von einem Ausbildungsbetrieb gegründet werden (vgl. Hillebrand & Tunat b 2006, S. 15)

2.2 Strukturmerkmale des Juniorfirmenkonzeptes und Beispiele aus der Praxis

Das Konzept Juniorfirma stellt einen besonderen Lernort dar, der eine Brücke zwischen Lernen b und Arbeiten schlägt. Die Juniorfirma ist in erster Linie ein Lern-Arrangement, das ökonomische b Unternehmensziele, didaktische und innovative Lernziele miteinander verbindet (vgl. Reich b 2004).

Dieses Lern-Arrangement unterliegt keiner strengen Form und wird in der Praxis auf b unterschiedlicher Weise umgesetzt. Der organisatorische und konzeptionelle Aufbau wird b individuell vom Ausbildungsbetrieb, den Auszubildenden und den Ausbildern gestaltet. Wichtige b Eckpfeiler einer Firma, wie etwa das Geschäftsfeld, die angebotenen Produkte und b Dienstleistungen, richten sich oft nach den beteiligten Ausbildungsberufen und dem b Mutterunternehmen. Grundsätzlich ist aber jede Art von Produkten und Dienstleistungen b möglich. Die Juniorfirma der Hamburgerischen Electricitäts-Werke AG Young Energie bereitet b beispielsweise ausgemusterte Computer auf, während die Juniorfirma der OTTO GmbH & Co b KG CULTUR-e die Erstellung kompletter Internetauftritte anbietet. (vgl. Dippl et al. 2004, S. b 21ff.)

Trotz der großen Vielfalt bei der konkreten Umsetzung haben alle Juniorfirmen gemeinsame strukturelle Merkmale. Wie schon im Abschnitt 2.1 erwähnt, wird eine Juniorfirma auf Dauer angelegt. Sie ist als Realprojekt zu verstehen, das unter dem Schirm des Ausbildungsbetriebes gegründet wird. Eine rechtliche Selbstständigkeit, also zum Beispiel die Bildung einer Handelsrechtlichen Gesellschaft, ist nur sehr selten der Fall. (vgl. Kutt 2001, S. 32f.)

Der Einsatz von Auszubildenden in der Juniorfirma ist zeitlich oft flexibel realisiert. So sind fest vorgegebene Zeiten genauso denkbar, wie ein für die Lernenden frei einteilbares Zeitkontingent. Die Hamburger Phoenix AG, die im Zulieferer-Bereich in der Automobilindustrie tätig ist, setzt die Auszubildenden in ihrer Juniorfirma Junix entsprechend eines Durchlaufplans für vier Wochen am Stück ein. In der bereits oben erwähnten Firma Young Energie können sich die Auszubildenden von ihrer jeweiligen Abteilung freistellen lassen, um an den Aktivitäten der Juniorfirma aktiv teilzunehmen. Für die Auszubildenden ist die Arbeit in der Juniorfirma also nur ein Angebot und keine Pflicht. (vgl. Dippl et al. 2004, S. 14-18)

Eine Gemeinsamkeit, die über die verschiedenen Ausprägungen von Juniorfirmen hinweg besteht, ist die Absicht neben dem Ausbildungserfolg auch einen betriebswirtschaftlichen Nutzen zu generieren. Es geht hierbei nicht unbedingt um eine Gewinnerzielung. Auch eine Kosteneinsparungen innerhalb des Unternehmens oder innovative Neuerungen, die von der Juniorfirma ausgehen, mindern die Ausbildungskosten und ermöglichen einen Zusatznutzen für den Ausbildungsbetrieb. Der Tatsache geschuldet, dass das Juniorfirmenkonzept alle Funktionen einer realen Unternehmung einfordert, fällt ein breites Spektrum von Geschäftsprozessen an. Die Auszubildenden müssen sich um die Produktion und die Logistik genauso kümmern, wie um die Beschaffung, das Marketing oder die Kostenrechnung. Da die verschiedensten Ausbildungsberufe beteiligt sein können, kommt es so verstärkt zu berufsübergreifendem Lernen. Die Juniorfirma ist weder auf kaufmännische noch auf gewerbliche Berufe beschränkt. Vielmehr die Zusammenführung beider Auszubildendengruppen steht im Zentrum dieses Lern-Arrangement. (vgl. Kutt 2001, S. 32f.)

Ein weiteres bedeutendes Strukturmerkmal ist die selbstständige und eigenverantwortliche b Führung der Juniorfirma durch die Auszubildenden. Dazu gehört auch die Wahrnehmung b organisatorischer Aufgaben. Konkret kann das bedeuten, dass es auch ein offizielles b Bewerbungsverfahren geben kann. Die Mitarbeiter der Juniorfirma suchen selbst nach ihren b Nachfolgern und nutzen dafür Instrumente des Personalmanagements. Sie führen b Vorstellungsgespräche oder planen den Personalbedarf für kommende Projekte. Durch diese b selbstständige Arbeitsweise verändert sich auch die Rolle des Lehrenden. Die Auszubildenden b werden von ihm weiterhin unterstützt, er nimmt jedoch nur eine beratende Funktion ein. (vgl. b Dippl et al. 2004, S. 24)

2.3 Abgrenzung zur Methode des Lernbüros und der Übungsfirma

Die Juniorfirma stellt eine Simulation von Berufs- und Arbeitssituationen dar. Durch diese Simulationen wird die Wirklichkeit vereinfacht, um ein Lernarrangement für die Lernenden günstiger gestalten zu können. Konkret bedeutet das, dass eine betriebliche Situation so weit reduziert und aufgeschlüsselt wird, das sie für die Lernenden entsprechend ihrer Fähigkeiten und Vorkenntnisse verstanden und bewältigt werden kann. (vgl. Bonz 2009, S.128).

Zwei mit der Juniorfirma vergleichbare Methoden, die ebenfalls zu den handlungsorientierten Simulations-Methoden zählen, sind das Lernbüro und die Übungsfirma. Alle drei Konzepte stellen Typen der komplexen Unternehmenssimulation dar und werden in der schulischen und betrieblichen Berufsbildung eingesetzt. Eine Abgrenzung zur Juniorfirmenmethode ist besonders deshalb von zielführender Bedeutung für die Ausgangsfrage, da die Terminologie dieser Methoden nicht immer einheitlich in der einschlägigen Literatur formuliert ist (vgl. ebd. 2009, S.129f.). Die Abgrenzung soll helfen, die Perspektive auf die Juniorfirma zu verengen, um die Analyse dieser Methode in der weiteren Arbeit zu erleichtern.

Das Lernbüro

Das Lernbüro stellt ein geschlossenes Modell dar. Die Lernenden führen Arbeitsabläufe und b Geschäftsprozesse durch, die im Rahmen einer fiktiven Unternehmung anfallen. Die b Geschlossenheit des Modells zeigt sich in den fiktiven Geld- und Güterströmen sowie den b fiktiven Marktpartnern und staatlichen Institutionen. Ausgehend vom Lehrenden startet der b Geschäftsverlauf des Modellunternehmens mit jeder neuen Lerngruppe erneut bei einem b definierten Ausgangszustand. Die Einsatzmöglichkeit der Lernbüros liegt im schulischen b Bereich. Hier nehmen sie eine Ergänzungsfunktion zum theoretischen Unterricht wahr. (Tramm & b Gramlinger 2002, S. 97ff.)

Die Übungsfirma

In der Übungsfirma wird die komplexe berufliche Praxis ebenfalls simuliert, um den Auszubildenden einen praxisnahen Lernort bereit zu stellen (vgl. Rebmann et al. 2005, S. 134f.). Indem die Lernenden Geschäftsprozesse innerhalb ihrer Übungsfirma, aber auch darüber hinaus zu anderen Übungsfirmen ausführen, wird das Aneignen von beruflicher Handlungskompetenz in einem komplexen System ermöglicht (vgl. Bonz 2009, S.130).

Die Übungsfirmen sind in einem Übungsfirmennetz organisiert, das den fiktiven Markt für die b Firmen bildet. Der deutsche Übungsfirmenring stellt so einen simulierten Markt dar. Hier findet ein fiktiver Warenaustausch zwischen allen dort verzeichneten Übungsfirmen statt. Auch andere b Marktteilnehmer, wie Banken, Ämter und Versicherungen werden hier simuliert. Der Einsatz in b den Übungsfirmen soll hauptsächlich das Erlernen von Sachbearbeiter-Qualifikationen b ermöglichen und soll den Berufsschulunterricht ergänzen. (Blötz 2005, S. 37f.). Neben dieser b Ergänzungsfunktion für die kaufmännische Ausbildung kann die Übungsfirma auch eine b Ersatzfunktion wahrnehmen. Ist es Schülern nicht möglich, eine praktische Erprobung ihrer b Fähigkeiten und Kenntnisse im Betrieb durchzuführen, so können sie das innerhalb einer b Übungsfirma tun und dort Arbeits- und Geschäftsprozesse kennenlernen. (vgl. Peterßen 2009, S. 287)

Abgrenzung zur Juniorfirma

Die Unterschiede zum Konzept der Juniorfirma bestehen hauptsächlich darin, dass hier, trotz großer Bemühungen so realitätsnah wie möglich zu agieren, eine Firma und das damit verbundene unternehmerische Handeln nur simuliert werden. Die Juniorfirma hingegen könnte man als reale Übungsfirma bezeichnen, denn die Auszubildenden arbeiten mit echtem Kapital, echten Kunden und echten Dienstleistungen oder Produkten. (vgl. Bonz 2009, S. 131)

Lediglich das finanzielle Risiko wird nicht von den Mitarbeitern der Juniorfirma getragen. Wie b schon in Abschnitt 2.2 erwähnt, ist die Juniorfirma rechtlich nicht selbstständig und das b Mutterunternehmen muss so für eventuelle Verluste der Auszubildenden einstehen. Damit wird b klar, auch das Juniorfirmenkonzept simuliert Teile der Realität und stellt einen für die Lernenden b geschaffenen Lernort dar. Dennoch ist ihr Realitätsgrad deutlich höher als bei einer b Übungsfirma oder bei einem Lernbüro. Beim Konzept des Lernbüros werden Geld- und b Güterströme sowie die Marktkontakte simuliert. Die Übungsfirma hingegen hat echte b Außenkontakte durch die Teilnahme am Übungsfirmenring. Der Markt auf dem diese b Außenkontakte stattfinden bleibt zwar fiktiv, aber die Korrespondenz, der Handel und die b Verträge zwischen den Übungsfirmen entsprechen denen auf realen Märkten. Die Geld- und b Güterströme im Übungsfirmenring bleiben jedoch fiktiv. Die Auszubildenden der Juniorfirma b hingegen arbeiten mit echten Waren und Dienstleistungen und erhalten dafür eine echte b Vergütung. Ihre Kundenkontakte, also die Kontakte zum Markt, sind ebenfalls real. (Tramm & b Gramlinger 2002, S. 98).

Die folgende Abbildung fasst die Unterscheidung durch die zwei Hauptmerkmale Außenkontakte b und Geld- und Produktströme zusammen und zeigt grob den Grad der Realitätsnähe der drei b Methoden.

[...]

Details

Seiten
40
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783668006065
ISBN (Buch)
9783668006072
Dateigröße
658 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v301755
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Institut für Berufsbildung
Note
2,0
Schlagworte
Juniorfirma Juniorenfirma Betriebliche Ausbildung Auszubildendenfirma Lernort Betrieb Selbstgesteuertes Lernen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Juniorfirma. Ein Lernort zur Ergänzung der betrieblichen Erstausbildung