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Figurenkonstellation und Handlungsführung in "Moderato cantabile"

Innovatorische Nutzung traditioneller literarischer Verfahren und ihre Funktion

von Valerie Lehnert (Autor)

Hausarbeit 2013 17 Seiten

Didaktik - Französisch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Analyse Teil 1
2.1 Traditioneller realistischer Roman des 19. Jh. - Moderato cantabile
2.2 Handlungsführung

3 Analyse Teil 2 6?
3.1 Gegenüberstellung sozialen Schichten
3.2 Anne Desbaredes
3.3 Chauvin
3.4 Rolle des Alkohols
3.5 Beziehung und Entwicklung der Protagonisten
3.6 Annes Sohn / Beziehung zwischen Anne und Sohn
3.7 Die Entwicklung der Mutter-Kind Beziehung
3.8 Mademoiselle Giraud
3.9 Annes Ehemann
3.10 Figurenkonzeption traditioneller Roman des 19.Jh. – Moderato cantabile

4 Fazit

5 Bibliographie

1 Einleitung

Der Roman Moderato cantabile, auf den sich die folgende Arbeit bezieht, ist von Marguerite Duras im Jahre 1958 verfasst worden.

Diese Hausarbeit zeigt die Möglichkeiten der innovatorischen Nutzung traditioneller literarischer Verfahren am Beispiel des Romans Moderato cantabile auf. Im Detail wird die Figurenkonstellation sowie die Handlungsführung untersucht und analysiert. Es wird der Frage nachgegangen, inwieweit in Moderato cantabile traditionelle Verfahren zur Konzeption des Romans innovatorisch genutzt wurden.

Zuvor wird ein Überblick über die Geschichte und den Verlauf des Romans gegeben, um im Weiteren die analysierten Szenen besser in den Gesamtzusammenhang einordnen zu können.

Am Anfang soll dazu ein allgemeiner Vergleich zwischen dem traditionellen Romans des 19.Jahrhunderts und Moderato cantabile angestellt werden. Anschließend wird die Handlungsführung in Moderato cantabile untersucht.

Im zweiten Teil der Analyse werden die Personen vorgestellt und charakterisiert. Zu Anfang wird ein kurzer Überblick über die verschiedenen sozialen Hintergründe beziehungsweise Lebensumstände gegeben. Danach widmet sich die Arbeit den Protagonisten Anne und Chauvin, sowie ihrer Beziehung und Entwicklung. Ich beschäftige mich daraufhin kurz mit der Rolle des Alkohols in Moderato cantabile.

Im Anschluss werden die Nebenfiguren (Annes Sohn, Mademoiselle Giraud und Annes Ehemann) vorgestellt. Die Beziehung zwischen Anne und ihrem Sohn soll hier kurz thematisiert werden. Abschließend soll die Figurenkonzeption im traditionellen Roman des 19.Jahrhunderts mit der Figurenkonzeption in Moderato cantabile verglichen werden.

In einem abschließenden Fazit soll Antwort gefunden werden auf die Frage, inwieweit der Roman in Bezug auf seine Figurenkonstellation und Handlungsführung als innovatorisch angesehen werden kann.

2 Analyse Teil 1

Im Folgenden werde ich den traditionellen realistischen Roman des 19.Jh. in seinen Eigenschaften und besonderen Merkmalen charakterisieren und ihn mit dem Werk Moderato cantabile vergleichen.

Bevor der Roman im Detail auf seine Handlungsführung und Figurenkonzeption analysiert wird, soll ein kurzer Überblick über die Geschehnisse in Moderato cantabile gegeben werden.

Der Roman eröffnet mit einer Klavierstunde, zu der Anne Debaresdes ihren Sohn, dessen Name unbekannt ist, wie jede Woche, begleitet, und in der er mit großem Widerwillen ein Moderato cantabile auf dem Klavier vorspielen soll. Mitten in der Unterrichtsstunde ertönt von der Straße her ein Schrei. Nach der Klavierstunde erfährt Anne Debaresdes von einem Mord im nahe gelegenen Arbeiterlokal; sie sieht dort die Leiche einer Frau sowie deren Geliebten und mutmaßlichen Mörder.

Sie kehrt am nächsten Tag an diese Stelle zurück und kommt mit einem Unbekannten ins Gespräch. Sie sprechen über den Mordfall. Bei dieser wie bei den folgenden täglichen Begegnungen mit Chauvin, dem unbekannten Mann, spekulieren sie über die Möglichkeit, dass es sich um einen Mord auf Verlangen und einen Mord aus Leidenschaft gehandelt habe, und sie mutmaßen welche Art von Beziehung eine solche Tat ermöglicht. Chauvin entpuppt sich als ehemaliger Arbeiter, der in der Firma tätig war, die von Anne Debaredes Ehemann geleitet wurde.

Nach und nach zeigen sich Parallelen zwischen der Beziehung des unbekannten Paares und der nunmehr entstandenen, auf unerklärlicher Faszination gegründeten Bindung Annes an Chauvin. Als schließlich bei beiden die inneren Voraussetzungen sowohl für eine Liebesbeziehung, als auch für eine absichtsvolle Tötung Annes durch Chauvin gegeben sind (« Je voudrais que vous soyez morte, dit Chauvin. – C’est fait, dit Anne Debaresdes »), verlässt Anne das Lokal.[1]

2.1 Traditioneller realistischer Roman des 19. Jh. -Moderato cantabile

Der traditionelle realistische Roman basiert auf einer linearen Handlung, die meist eine abenteuerliche spannende Geschichte beschreibt. Die Erzählung ist kohärent und folgt einem chronologischen Ablauf. Das Ende sowie der Anfang sind abgeschlossen und die Leserleistung kann für den gesamten Roman als passiv beschrieben werden. Der traditionelle Roman verfügt über ein umfangreiches Figurenensemble mit der Hauptfigur als Held und gleichzeitiger Identifikationsfigur. Die Figuren sind vollständig und detailliert beschrieben.[2] Auf den Vergleich der Figurenkonzeptionen des traditionellen Romans und Moderato cantabile werde ich im letzten Punkt meiner Hausarbeit detailliert eingehen.

In Moderato cantabile ist eine aktive Leserleistung Voraussetzung, um den Roman als Werk zu verstehen. Darüber hinaus ist keine lineare Handlung erkennbar, die Handlung basiert auf Kommunikation. Handlungen und Äußerungen finden in einem bestimmten Kontext statt, und sie können nur in diesem verstanden werden.

Die Figuren werden nur indirekt charakterisiert, es gibt keinen Helden im konventionellen Sinn, wie dies im traditionellen Roman der Fall ist. Das Ende ist offen; die Interpretation des Lesers ist gefordert, um dem Roman ein Ende zu geben.

2.2 Handlungsführung

Der Roman Moderato cantabile umfasst zehn Tage und acht Situationen bzw. Kapitel. Er zeichnet sich durch die Opposition und Zweiteilung der beiden Ebenen Diegese und Metadiegese aus, wobei die Diegese die Haupthandlung beschreibt (die Treffen von Anne und Chauvin) und die Metadiegese die Binnenhandlung darstellt, die von Anne und Chauvin erzählt wird. Die Diegese und Metadiegese sind so eng miteinander verbunden, dass sich die eine Geschichte auf die andere auswirkt, dieses Prinzip nennt man auch die mise en abyme Struktur.

Die Geschichte hat keine lineare Handlung, sie setzt sich aus Bruchteilen von imaginären Erzählungen, Gesprächen und Dialogen zu einer Erzählung zusammen.

Beide Erzählungen, sowohl die Diegese als auch die Metadiegese, enden mit dem Tod einer Frau. Es wird ein Kreislauf hergestellt zwischen der Geschichte des unbekannten Paares und Annes persönlicher Geschichte. Gleichzeitig stellt das Ende der Metadiegese, also der Tod der Frau, den Anfang der Diegese dar.

Übergreifend für das gesamte Werk kann man sagen, dass die Kommunikation die zentrale Handlung des Romans ausmacht, und erst durch diese Kommunikation überhaupt Handlung entsteht.[3]

3 Analyse Teil 2

Im Folgenden werde ich die Haupt- und Nebenfiguren des Werkes Moderato cantabile analysieren. Ich gehe in diesem Zusammenhang auch auf verschiedene symbolische und interpretatorisch wichtige Faktoren, wie die Rolle des Alkohols oder die Bedeutung des unbekannten Paares, ein. Am Ende dieser Analyse vergleiche ich die Ausarbeitung der Figuren und die Merkmale des traditionellen Romans des 19.Jh und deren (innovatorische) Umsetzung in Moderato cantabile (3.4).

3.1 Gegenüberstellung sozialen Schichten

In Moderato cantabile werden zwei verschiedene soziale Hintergründe beschrieben, die aufeinander treffen. Die Welt der reichen und wohlhabenden Bewohner am Boulevard de la Mer und die Welt des Proletariats, der Arbeiter. Die Welt der vermögenden Menschen wird durch die prächtigen Villen beschrieben, durch musikalische Bildung und durch Empfänge, bei denen teure Speisen angeboten werden. Die Erziehung, die von Mademoiselle Giraud als einzig richtige Erziehungsmethode angesehen wird, verkörpert ebenfalls die Welt der gutbetuchten, bürgerlichen Familien.

Die sozialen Verhältnisse der Arbeiter hingegen werden durch gering entlohnte Tätigkeiten in Fabriken und Hafencafés repräsentiert, in denen es einfachen Rotwein zu trinken gibt.[4]

3.2 Anne Debaresdes

Anne Debaresdes stellt sich nie selbst vor im Roman. Sie gehört der bürgerlichen Welt an. Sie ist seit zehn Jahren mit dem Besitzer eines Import-Export Unternehmens verheiratet. Sie ist Mutter eines Sohnes und wohnt in der Villa am Boulevard de la Mer.[5] Anne Debaresdes ist eine in sich schwankende, Ich-schwache Persönlichkeit. « Je ne sais pas ce que je veux, voyez-vous. Quel martyre »[6].

Der Schrei der getöteten Frau kann als Auslöser für Annes Identitätskrise angesehen werden. Anne ist vom Verhalten des Mörders und der Leidenschaft gegenüber der toten Frau fasziniert. Gleichzeitig ist sie vom leidenschaftlichen Verhalten des Mörders gegenüber der Toten fasziniert. Diese Szene wird in Moderato cantabile ausführlich beschrieben.

Sie fängt an, das Hafencafé aufzusuchen und lernt einen Mann kennen, der sich im vierten Kapitel als Chauvin vorstellt.[7] Insgesamt treffen sich Chauvin und Anne fünf Mal. Gemeinsam rekonstruieren sie den Mord und die Hintergründe der Tat. Der Mord, das Motiv der Leidenschaft und die Liebe ziehen Annes gesamte Aufmerksamkeit auf sich.[8] Anne beginnt, sich mit der ermordeten Frau zu identifizieren, für die der Tod durch die Hand des Liebhabers die Erfüllung der Liebe und Leidenschaft darstellte.

[...]


[1] Cf. Gröne/Reiser 2007: 24.

[2] Cf. Krause 1962: 82f.

[3] Cf. Weiß 2010: 26f.

[4] Cf. Duras 1958: 112.

[5] Cf. Weiß 2010 :17f.

[6] Duras 1958: 10.

[7] Cf. Ibid., 44.

[8] Cf. Ibid., 25.

Details

Seiten
17
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783956873447
ISBN (Buch)
9783668004665
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v301670
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
2,3
Schlagworte
Moderato Cantabile Literatur-und Medienwissenschaften französische Literatur Analyse

Autor

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    Valerie Lehnert (Autor)

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