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Konzeptionelle Analyse der Regulierungsgestaltung von "Next-Generation-Networks"

Seminararbeit 2015 19 Seiten

BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Konzeptionelle Überlegungen für regulatorische Eingriffe in den Telekommunikationsmarkt
2.1 Notwendigkeit, Ansatzpunkte und Ziele der Netzwerkregulierung
2.2 Modelle zur Ableitung von Regulation

3 Entscheidungsfaktoren für zukünftige Regulation
3.1 Auswirkung von Netzwerk-Zugangsverpflichtungen auf Investitionen in Glasfasernetzwerke
3.2 Anforderungen an Netzwerk-Regulation durch geografische Bedingungen
3.3 Regulatorische Implikationen kooperativer Investitionen

4 Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

In den letzten Jahren erfuhr der Telekommunikationsmarkt durch fortschreitende, technologische Entwicklungen und zunehmende Regulierung innerhalb der EU einen enormen Wandel. Diese Evolution verändert zunehmend auch Services und Netzstrukturen durch die Einführung von Next Generation Networks (NGN).[1] Solche Netzwerke ermöglichen durch die Nutzung von Glasfaserleitungen höhere Verbindungsgeschwindigkeiten. Auch ist die ökonomische Bedeutung der Verbreitung und des Ausbaus von Ultra-Breitbandinternetzugängen unbestritten und begünstigt unter anderem Wirtschaftswachstum und die Schaffung neuer Arbeitsplätze.[2] Deshalb ist es wichtig, die technologischen Entwicklungen weiter voran zu treiben und regulatorisch zu fördern. Doch der Aufbau von NGN verlangt große Investitionen von bestehenden Telekommunikationsanbietern und neuen Wettbewerbern. Damit wird unter anderem das Thema der Netzwerkzugangsregulierung zum entscheidenden Investitionskriterium für NGN.[3]

Das impliziert für die nationalen Regulierungsbehörden und die Europäische Kommission, dass verschiedene Standpunkte bei der Festsetzung von Maßnahmen beachtet werden müssen. Es gilt historisch, monopolistische Strukturen im Markt zu verhindern, aber dennoch Anreize zur Investition in NGN nicht zu unterbinden. Auch sind die Besonderheiten des Telekommunikationsmarktes, der sich durch Übertragungsgeschwindigkeit und Qualitätsverluste deutlich von anderen Netzwerkindustrien unterscheidet, bei Regulierungsentscheidungen zu beachten.[4] Die in diesem Rahmen entstehenden regulatorischen Dilemmata sollen anhand verschiedener Modelle und aktueller Fachliteratur in der folgenden Arbeit näher analysiert werden. Hierfür sollen vor allem die Zeitschriftenaufsätze von Arnbak (2000) und Bourreau, Cambini, Hoernig (2012) herangezogen werden.

Zunächst sollen die Ansatzpunkte für Regulation und wettbewerbstechnische Engpässe (Bottlenecks) im Telekommunikationsmarkt – unter anderem mit zwei Modellen – verdeutlicht werden. Danach sollen anhand einer Auswertung aktueller Literatur zu Netzwerkzugangspreisen verschiedene, regulatorische Szenarien bei der Einführung von Glasfasernetzwerken erläutert und im Anschluss auf regulatorische Handlungsempfehlungen hin überprüft werden. Im darauf folgenden Abschnitt sollen regulatorische Besonderheiten durch geografische Unterschiede im Hinblick auf den Telekommunikationssektor analysiert werden. Vor einer abschließenden Zusammenfassung sollen kooperative Investitionen der Anbieter und die Folgen für Netzwerkzugang und Regulation betrachtet werden.

2 Konzeptionelle Überlegungen für regulatorische Eingriffe in den Telekommunikationsmarkt

2.1 Notwendigkeit, Ansatzpunkte und Ziele der Netzwerkregulierung

Der IT- und Kommunikationstechnologiesektor ist von hoher Innovationsgeschwindigkeit und Wachstum geprägt[5]. Dies ist nicht zuletzt auf veränderte Nachfragebedingungen zurückzuführen. Ein Grund hierfür ist die exponentielle Verbesserung im Bereich der Mikroelektronik, welche unter anderem der Massenproduktion und dem harten Wettbewerb geschuldet ist.[6] Auch Zusammenflüsse (Cross-Over Paths) zwischen zuvor unabhängigen elektronischen Sektoren fördern diese Dynamik. So können Produkte von einer anderen Industrie günstiger hergestellt werden und dennoch deren Leistung, bei geringeren Stückkosten, steigern. Für das erfolgreiche Zustandekommen von Cross-Over Paths sind die grundlegende Standardisierung, eine Freigabe der Endgeräte und die Preisfindung in fairen Märkten notwendig. Fortschreitender Innovationsdruck führt neben sinkenden Kosten zu neuen, intelligenteren Netzwerkmerkmalen, die die Geschäftsprozesse der traditionellen Anbieter rationalisieren.[7] Um ein geeignetes Regulierungskonzept für einen so dynamischen Markt festzulegen müssen verschiedenste Faktoren berücksichtig werden.

Grundlegend entsteht die Regulierungserfordernis durch eine Engpasssituation, welche Inhaber eines bestehenden Telekommunikationsnetzwerks ausnutzen können. Denn diese bieten dem Endkunden entweder über einen lokalen Switch und den Backbone direkt Telekommunikationsdienstleistungen an oder verkaufen die Verbindung vom Kunden zum lokalen Switch als Service für Drittanbieter und damit Zugang zu ihrem Netzwerk. Das ermöglicht dem Inhaber der Bottleneck-Infrastruktur, den Zugang zum eigenen Netzwerk ohne Regulierung zu verbieten beziehungsweise Zugangspreise sehr hoch anzusetzen. Auch wenn dies nicht der Fall ist, besteht für den Netzwerkinhaber ein Anreiz, schrittweise den Gewinn von Drittanbietern durch höhere Zugangspreise zu senken und so den Wettbewerb zu unterbinden. Hier erhöht der Netzwerkinhaber die Zugangspreise für die Verbindung vom Endkunden zum lokalen Switch schrittweise und steigert damit die Zugangskosten für alternative Anbieter. Dies steigert den Gewinn des vorherrschenden Anbieters und reduziert den Wettbewerb. Des Weiteren kann der Infrastrukturinhaber dann seine eigenen Preise senken, um seine Konkurrenz noch stärker unter Preisdruck zu setzen. Der Altanbieter kann die Kosten und damit auch die Angebotspreise von Drittanbieter steuern und so deren Margen kontrollieren.[8] Diese Problematik ist der Grund für die generelle Notwendigkeit von regulatorischen Eingriffen im Telekommunikationsnetzwerkmarkt.

Im Allgemeinen sind Regulierungsmaßnahmen, die lediglich auf die technische Gestaltung des Telekommunikationsmarktes abzielen, durch die zunehmende Bedeutung wettbewerbstechnischer Aspekte nicht mehr länger ausreichend. Denn insbesondere die Entwicklung der technologischen Kosten gewinnt durch Verbindungs- und Übertragungstechniken wie zum Beispiel das Internetprotokoll (IP) immer mehr an Relevanz. Diese Protokolle reduzieren durch enorme Skaleneffekte die Grenzkosten für Fernübermittlung, was zum sogenannten „death of distance“ führt. Hierdurch steigt die Bedeutung der Kosten, die lokale Anbieter für den Zugang zu ihren Netzwerken verlangen, was aus Wettbewerbssicht Rahmenbedingungen für Zugangsverpflichtungen notwendig macht.[9]

Diese werden in sogenannten Open Network Provisions (ONP) der EU festgelegt. ONP sollen „den diskriminierungsfreien Zugang von Dienstanbietern zu bereits vorhandenen Netzwerkressourcen, insbesondere die von Monopol-Betriebsgesellschaften“[10] regeln und müssen dabei verschiedene Auswirkungen antizipieren. So sind die oben beschriebenen, durch den „death of distance“ entstehenden Kostentrends und die verbundenen Regulierungsoptionen auf allen Ebenen abzuwägen. Beispiele hierfür reichen von Mitteln zur Transaktionskostensenkung bei Zugangsverhandlungen auf unregulierten Märkten bis hin zu dem Zwang, monopolistische Infrastrukturen von dominanten Telekommunikationsunternehmen zu deinvestieren. Auch in Zukunft sind negative Netzwerk-Externalitäten der Grund, dass Kommunikationssysteme nicht ohne ex ante Sicherheitsklauseln wie Standards, Infrastrukturvorschriften oder Zugangspreisregulierung auskommen werden.[11]

Generell gilt es, den Wettbewerb auszuweiten und zu gewährleisten, dass die Teilnehmer in neue, bessere Netzwerktechnologien investieren. Hauptaugenmerk sollte hierbei auf der Vernetzung der neuen Technologien liegen. Die Gestaltung der Regulierungspolitik hat zum Ziel, zukünftige Engpass-Problematiken frühzeitig zu erkennen und zu berücksichtigen. Auch sind neben den technologischen Rahmenbedingungen die Bestimmungsfaktoren für gerechte Preise eines Netzwerkzugangs bei Unternehmen mit Marktmacht festzulegen. Das führt zu der Forderung nach international abgestimmten Prinzipien und einer genauen Beobachtung der lokalen Betreiber, die Bottleneck-Schnittstellen für den Zugang zu Kunden oder Netzwerken betreiben. Denn im Telekommunikationssektor werden Mängel in der Regulierung zwangsläufig zu Auswirkungen in der regionalen Wirtschaft führen.[12]

Im folgenden Abschnitt sollen nun zwei Modelle zur Veranschaulichung der vorgestellten Engpässe und regulatorischen Implikationen vorgestellt werden.

2.2 Modelle zur Ableitung von Regulation

Schnittstellen mit und im Telekommunikationssektor sind vielfältig und machen damit die Regulierungsüberlegungen komplex. Mit dem Schichten-Marktmodell und dem Open Interconnection and Access Space (OIAS) sollen nun Modelle vorgestellt werden, die versuchen, diese Komplexität zu abstrahieren und damit regulatorische Entscheidung und deren Konsequenzen besser abschätzen zu können.

Das Schichten-Marktmodell für Netzwerke ist ein dem Open-System-Interconnection-Modell (OSI) ähnliches, generisches Modell für die Bereitstellung von Telekommunikationsdienstleistungen und soll neben der Veranschaulichung des Kommunikationsmarktes als Grundbaustein für die Erweiterung im nächsten Schritt dienen[13]. Dieses Modell dient hauptsächlich der Visualisierung des Netzwerkmarktes und kann nur begrenzt Konsequenzen von Regulierungsmaßnahmen ableiten.

[...]


[1] Vgl. Inderst, Kühling, Neumann, Peitz (2011), S. 406.

[2] Vgl. Katz (2010), S. 33 f.

[3] Vgl. Bourreau, Cambini, Hoernig (2012), S. 400.

[4] Vgl. Arnbak (2000), S. 478.

[5] Vgl. Nitsche, Wiethaus (2011), S. 263.

[6] Vgl. Moore (1964).

[7] Vgl. Arnbak (2000), S. 478 ff.

[8] Vgl. Economides (1996), S. 692 ff.

[9] Vgl. Arnbak (2000), S. 478.

[10] O.V. (2015).

[11] Vgl. Arnbak (2000), S. 483.

[12] Vgl. Arnbak (2000), S. 481 ff.

[13] Vgl. Arnbak (2000), S. 480.

Details

Seiten
19
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783956873324
ISBN (Buch)
9783668004566
Dateigröße
598 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v301608
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,7
Schlagworte
konzeptionelle analyse regulierungsgestaltung next-generation-networks

Autor

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