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Digitales Zeitalter. Wie sich der technologische Fortschritt auf unsere Gesellschaft auswirkt

Facharbeit (Schule) 2014 33 Seiten

Soziologie - Medien, Kunst, Musik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wandel der Arbeitswelt
2.1. Neuschaffung und Wegfall verschiedener Arbeitsfelder
2.2. Wandel der Arbeitsfelder
2.3. Veränderungen der Erwerbsbiographien

3. Kindheit, Jugend und Alltag im digitalen Zeitalter
3.1. Soziale Netzwerke
3.2. Auswirkungen auf das Kommunikationsverhalten
3.3. Cybermobbing
3.4. Suchtpotenziale
3.5. Bildung und Erziehung

4. Der gläserne Mensch
4.1. „Big Brother is watching you” – Leben wir in einem Überwachungsstaat?
4.2. Der gläserne Kunde

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

„Wer heute eine Geburtstagskarte bekommt, die beim Aufklappen „Happy Birthday“ spielt, hat mehr Rechenleistung in der Hand, als die alliierten Streitkräfte im Jahr 1945 besaßen.“[1] Dieses Zitat des Physikers Michio Kaku verdeutlicht, in welchem Umfang sich Technologien weiterentwickeln können. Fragt man sich nun, inwiefern sich technologische Fortschritte auf unsere Gesellschaft auswirken, so bietet sich hierbei ein äußerst breites Spektrum an Themen. Aufgrund dieser Vieldimensionalität werde ich mich auf einige Aspekte wie die Arbeitswelt, den Alltag und die Debatte des gläsernen Menschen beschränken.

Im Bezug auf die heutige Arbeitswelt sind einige Merkmale des digitalen Zeitalters festzustellen. Während neue Technologien das Arbeiten effizienter und schneller machen, steigen die Anforderungen auf die Arbeitnehmer. Die verschiedenen Auswirkungen auf die Arbeitswelt wie die Entgrenzung der Arbeit sowie die steigende Belastung der Arbeitnehmer wie z.B. die Forderung von Flexibilität und Mobilität werden in Kapitel 2 ausgeführt.

In Kapitel 3 werden unter anderem die zahlreichen technologischen Neuerungen, welche mittlerweile den Alltag Vieler bestimmen, erläutert. Wie sehr unser Alltag von der Technik dominiert wird, erkennt man alleine daran, dass kaum noch jemand ohne sein Handy aus dem Haus geht. Viele Menschen besitzen sogar ein Smartphone, welches es möglich macht, an nahezu jedem Ort mit dem Internet verbunden zu sein. So können z.B. Nachrichten aus aller Welt gelesen werden, oder E-Mails von überall aus abgerufen werden. Diese ständige Erreichbarkeit kann sich sowohl positiv als auch negativ auswirken, vor allem aber trägt sie auch zur Entgrenzung der Arbeit bei (wie in Kapitel 2.2 näher erläutert wird) und bewirkt in gewisser Weise eine Abhängigkeit gegenüber der Technik.

Sogar die zwischenmenschliche Interaktion hat sich geändert, sei es durch soziale Netzwerke oder die SMS. Dies ändert das Freizeitverhalten vieler Jugendlicher und Erwachsener. Im Bezug auf Jugendliche wird teilweise behauptet, dass diese ihren Alltag ausschließlich den digitalen Medien widmen würden. Auch dieser Frage wird in dieser Facharbeit nachgegangen.

Ein weiteres Thema, welches vor allem seit der Affäre um Edward Snowden ausgiebig diskutiert wurde, ist das Thema Datenschutz und die These des gläsernen Menschen. In Kapitel 4 versuche ich der Fragestellung nachzugehen, ob wir uns bereits in einem Überwachungsstaat befinden und inwieweit dieses Thema von unserer Bevölkerung wahrgenommen wird.

Ich habe mich für dieses Facharbeitsthema entschieden, da praktisch jeder vom technologischen Fortschritt betroffen ist und diese Auswirkungen auf unsere Gesellschaft auch oftmals im Alltag zu spüren sind, sei es durch die Verwendung von Smartphones[2], oder die Tatsache, dass mittlerweile fast jede Person auf einem sozialen Netzwerk wie Facebook registriert ist. Wenn in dieser Facharbeit von der „Gesellschaft“ die Rede ist, so wird sich zumeist, falls nicht anders angegeben, auf die deutsche Gesellschaft des 21. Jahrhunderts bezogen.

2. Wandel der Arbeitswelt

Betrachtet man die heutige Arbeitswelt, so wird schnell klar, dass sich diese vor allem aufgrund des technologischen Fortschritts gravierend gewandelt hat und sich weiterhin wandeln wird.

Der Strukturwandel von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft wird anhand der Verlagerung der Schwerpunkte deutlich: von den Erwerbstätigen unseres Landes arbeiten mittlerweile fast drei von vier Personen im Dienstleistungssektor.[3] Sowohl die Globalisierung als auch der ständige technologische Fortschritt sorgen dafür, dass unsere heutige Arbeitswelt in rasantem Tempo einem ständigen Anpassungsprozess unterliegt. Dies hat vielerlei Konsequenzen zur Folge. Zum einen besteht in nahezu jeder Branche die Pflicht, sich weiterzubilden, um auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu bleiben.[4] Des Weiteren hat sich auch der Lebenslauf vieler Erwerbstätiger in großem Maße gewandelt. Die früher dominierende traditionelle Erwerbsbiographie musste der fragmentierten Erwerbsbiographie weichen, wie in Kapitel 2.3 näher erläutert wird.[5] Dieser Aspekt sowie die Frage, inwiefern sich das Berufs- in das Privatleben aufgrund neuer Technologien integriert, werden im nachstehenden Abschnitt erläutert.

2.1. Neuschaffung und Wegfall verschiedener Arbeitsfelder

Aufgrund technologischer Fortschritte sind bestimmte Berufsgruppen verdrängt worden, während sich gleichzeitig viele neue Erwerbsmöglichkeiten gebildet haben. Gleichzeitig verändern sich auch innerhalb bestimmter Branchen die Schwerpunkte, wie in Kapitel 2.2 näher erläutert wird.

Dass bestimmte Berufe aufgrund dessen vom Aussterben bedroht sind, lässt sich unter anderem am Beispiel des Buchbinders illustrieren. Da die Buchverarbeitung mittlerweile fast ausschließlich auf industriellem Wege stattfindet, reduziert sich die Anzahl der erwerbstätigen Buchbinder zusehends. So sank die Anzahl der Beschäftigten innerhalb der Jahre 1999 und 2007 um fast 8000 Beschäftigte auf 24.330.[6]

Die Ursachen dafür, dass bestimmte Arbeitsfelder oder –plätze wegfallen sind unterschiedlich. So bedeuten der Zuwachs von Maschinen sowie die Automatisierung verschiedener Arbeitsschritte, dass im Laufe der Zeit „[i]mmer weniger Arbeitszeit […] benötigt [wird], um die gleiche Menge [an] Güter[n] herzustellen.“[7] Sorgten in Deutschland im Jahre 1991 beispielsweise neun Millionen Beschäftigte in der Industrie für einen Umsatz von ungefähr 225 Millionen DM, so wurden 1996 für den anderthalbfachen Umsatz lediglich zwei Drittel der Beschäftigten benötigt. Dieser kontinuierliche Fortschritt hinsichtlich technologischer Entwicklungen beschränkt sich jedoch nicht nur auf die Industrienationen, sondern findet auch in den Schwellenländern statt. Da diese nun ebenfalls in der Lage sind, hochwertige Waren anzubieten und zudem vergleichsweise niedrigere Arbeitskosten haben, können sie mit günstigeren Preisen aufwarten und stellen eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Industriestaaten dar. Mittlerweile haben sogar einige dieser Schwellenländer wie z.B. China oder Indien bedingt durch qualitativ hochwertige Arbeit Fortschritte bezüglich des Lohnniveaus gemacht und entfernen sich vom Status des „Billiglohnlandes“.[8]

Dass der tertiäre Wirtschaftsbereich einen Großteil des heutigen deutschen Arbeitsmarktes ausmacht, ist bekannt. Das Wachstumspotenzial dieses Sektors zeigte sich jedoch bereits im 19. Jahrhundert, als die Landwirtschaft noch den größten Wirtschaftsbereich darstellte. Konnte man im Jahre 1882 23 Prozent der Erwerbstätigen dem Handels- und Dienstleistungssektor zuordnen, waren es 1970 bereits 45 Prozent. Mit 54 Prozent im Jahre 1980 machte dies auf dem Arbeitsmarkt bereits die Mehrheit aus.[9]

Hinsichtlich der Frage, ob der Wandel der Arbeit nun ein Fluch oder Segen für die Arbeitswelt und die damit verbundenen Arbeitsplätze ist, gehen die Meinungen weit auseinander. Ängste, dass der technologische Fortschritt eine Gefahr für bestehende Arbeitsplätze darstellt, gibt es jedenfalls seit langem. So ordnete z.B. der Kölner Rat im Jahre 1412 ein Verbot für die Herstellung von Spinnrädern an, um der befürchteten Arbeitslosigkeit der Spinnerinnen entgegenzuwirken.[10] Die beiden in der Informationstechnologie tätigen Forscher Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee sind der Meinung, dass der Fortschritt vor allem für erhöhte Einkommen von Managern und Unternehmenslenkern sorgt. Zwischen den Jahren 2002 und 2007 flossen in den Vereinigten Staaten 60 Prozent des erwirtschafteten Wohlstands an ein Prozent der Bevölkerung. McAfee und Brynjolfsson machen dafür vor allem die steigenden Verkaufszahlen digitaler Produkte verantwortlich. Des Weiteren würden in einigen Branchen Angestellte durch Software ersetzt. Außerdem stelle die Automatisierung von Fabriken eher einen Vorteil für deren Eigentümer dar, und nicht für die Angestellten. McAfee und Brynjolfsson führen einige Beispiele auf, an denen diese Entwicklung deutlich wird. So sank während der Jahrtausendwende die Anzahl der Arbeitsplätze, während die Wirtschaft hingegen wuchs. Weiterhin befinde sich die Automatisierung der Fabriken noch nicht am Limit. So plant z.B. ein chinesischer Elektronikfertiger, der für die Herstellung der Apple iPhones verantwortlich ist, viele der Arbeiter durch Industrieroboter zu ersetzen.[11]

Im „KarierreSPIEGEL“ werden weitere Beispiele illustriert, wie z.B. die Ersetzung der Bankangestellten durch Geldautomaten, oder das Verdrängen von Buchhaltern durch elektronische Buchungssysteme. In dem Artikel werden jedoch auch andere Aspekte technologischen Fortschritts betrachtet. So erläutert der Autor Joachim Möller, dass durch technologische Neuerungen zwar Jobverluste entstehen, diese aber durch neu geschaffene Arbeitsplätze in anderen Sparten kompensiert werden. Der Ökonom Joseph Schumpeter sprach sogar von der „kreativen Zerstörung“. Weiterhin geht Möller der Frage nach ob mehr Arbeitsplätze verloren gehen oder hinzukommen. So resultieren aus dem technischen Fortschritt Produkt- und Prozessinnovationen. Mit dem Begriff der Produktinnovation ist auf einem Kontinuum das Schaffen neuer Dienstleistungen oder Produkte bzw. deren Qualitätssteigerung gemeint, unter der Prozessinnovation versteht man die Erhöhung der Effizienz von Herstellungsverfahren. Besteht nun aufgrund von Prozessinnovationen die Möglichkeit, ein Produkt auf dem Markt billiger anzubieten, so entsteht hierbei eine erhöhte Nachfrage seitens des Verbrauchers. Auf den Arbeitsmarkt wirkt sich dies jedoch nur dann positiv aus, wenn die Nachfrage so hoch ist, dass weitere Arbeitsplätze benötigt werden. Ist der Markt jedoch bereits gesättigt und die Nachfrage entsprechend gering, so führt dies zu einer Verminderung der benötigten Arbeitsplätze. Bei der Markteinführung von neuen Produkten ist dies jedoch nicht der Fall, da hierbei die Verbrauchernachfrage zumeist so hoch ist, dass viele neue Arbeitsplätze entstehen können. Die Auswirkungen von technischen Fortschritten auf Arbeitsplätze sind also in gewisser Weise davon abhängig, wie sich Preissenkungen auf die Nachfrage von Produkten auswirken.[12] Abschließend lässt sich feststellen, dass keine einheitliche Expertenmeinung darüber besteht, ob nun technologische Neuerungen eine ernsthafte Gefahr für den Arbeitsmarkt darstellen.

Bei der arbeitenden Bevölkerung scheinen die technologischen Fortschritte jedenfalls auf große Zustimmung zu treffen. So ergab eine Befragung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, dass die Mehrheit der Meinung sei, moderne Technik habe mehr positive als negative Auswirkungen. Zudem gaben 80 Prozent der Befragten an, keine Angst davor zu haben, aufgrund des technischen Fortschritts ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Weiterhin gaben 57 Prozent an, der technische Fortschritt würde sich positiv auf die Arbeitswelt auswirken. Die Vorstellung, zukünftig von überall aus seine Arbeit ausüben zu können und seinen Arbeitgeber nur noch auf virtuellem Wege zu treffen, stieß hingegen auf klare Ablehnung. So nahmen dies lediglich 18 Prozent der Befragten als positiv wahr, während 40 Prozent dies als negativ bezeichneten.[13]

2.2. Wandel der Arbeitsfelder

Dass sich wie genannt die Schwerpunkte innerhalb bestimmter Berufe verlagern können, lässt sich am Beispiel einiger Berufe verdeutlichen. So steigt z.B. beim Tätigkeitsbereich des Ingenieurs die Integration von Steuerungstechnik-Software. Dies setzt entsprechendes Fachwissen voraus, welches im Zuge der Wettbewerbsfähigkeit immer wichtiger wird. Wer dies nicht besitzt oder sich aneignet, läuft Gefahr, vom Markt überholt zu werden. Unter dem Einfluss neuer Technologien ergeben sich jedoch nicht nur branchenspezifische Neuerungen, sondern zudem eine erhöhte Flexibilität und Mobilität, mit einer steigenden Tendenz.[14] So würde laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov jeder zweite Deutsche für seinen angestrebten Arbeitsplatz umziehen.[15] Des Weiteren wird die Arbeitswelt immer „vielschichtiger, unübersichtlicher und unberechenbarer“[16]. Bedingt durch den beschleunigten technologischen Wandel ergibt sich zudem eine Zunahme globaler Vernetzungen und Abhängigkeiten. So sind z.B. bei vielen international tätigen Unternehmen viele Standortsentscheidungen und globale Unternehmensstrukturen zu beobachten. Neben der daraus resultierenden Zu- und Abnahme von Arbeitsplätzen ergibt sich hieraus ebenfalls eine Forderung der Mobilität an viele Arbeitnehmer. Weiterhin sind Arbeitnehmer heutzutage in immer kürzeren Abfolgen stets neuen Herausforderungen ausgesetzt, sodass ihr Wissen einer Dynamik unterliegt, aus der sich ständige Anpassungsprozesse und Weiterbildungen ergeben.[17]

Eine weitere Konsequenz, die im Zuge des digitalen Zeitalters immer präsenter wird, stellt die Auflösung verschiedener Grenzen dar. So erhöht sich mittlerweile bei vielen Erwerbstätigen die Präsenz der Arbeit innerhalb ihres Privatlebens. Möglich gemacht wurde dies vor allem aufgrund des voranschreitenden Ausbaus der Infrastruktur des World Wide Webs. So beschränkt sich die Verfügbarkeit des Internets längst nicht mehr auf den DSL-Anschluss zu Hause. Viele Berufstätige haben zusätzlich mithilfe ihres Mobiltelefons, Notebooks oder Tablet-PCs die Möglichkeit, sich unabhängig von ihrer lokalen Position mit dem Internet zu verbinden und somit auch für ihren Arbeitgeber, ihre Kollegen oder ihre Arbeitnehmer verfügbar zu sein. Versuche dies zu unterbinden, lösen oftmals neue Konflikte aus. So kann z.B. das Ablehnen einer digitalen „Freundschaft“ auf dem sozialen Netzwerk Facebook zu Unmut seitens der dem beruflichen Umfeld angehörige Person führen. Um solchen sozialen Sanktionen zu entgehen, nehmen viele Berufstätige diesen Wegfall der Grenzen in Kauf.

Einen weiteren Einschnitt in das Privatleben eines Arbeitnehmers könnte der sogenannte WhatsApp Messenger bedeuten. Diese Anwendung, welche sich mittlerweile auf vielen internetfähigen Mobiltelefonen befindet, dient unter anderem dem Nachrichtenaustausch.[18] Grundsätzlich ist hierbei jeder Nutzer dazu in der Lage, nachzuvollziehen, wann eine Person zuletzt den WhatsApp Messenger verwendet hat. Hierzu wird lediglich die Rufnummer benötigt. In der Theorie würde dies z.B. einem Arbeitgeber erlauben, mithilfe der Rufnummer seines Arbeitnehmers zu verfolgen, wann dieser zuletzt online war. Ein Abschalten dieser Funktion ist aktuell lediglich auf dem iPhone möglich. Diversen Datenschutzbedenken zum Trotz erfreut sich der Dienst großer Beliebtheit. So beziffert der Entwickler eigenen Angaben zufolge die Anzahl der aktiven Nutzer auf 400 Millionen.[19]

Hinsichtlich der Fragestellung, ob die technologisch bedingte Entgrenzung der Arbeit einen Vor- oder Nachteil darstellt, bestehen differierende Ansichten. So ist der ehemalige Personaler der DB Services GmbH, Robindro Ullah, der Meinung, dass eine strikte Trennung zwischen Beruflichem und Privatem ohnehin nicht möglich sei, und eine Vermischung zudem zu engeren sozialen Kontakten führe. Des Weiterem würde die Bindung des Mitarbeiters zum Unternehmen gestärkt.[20]

Die ehemalige Bundesarbeitsministerin, Ursula von der Leyen, warnte im Jahre 2012 hingegen davor, dass es aufgrund einer ständigen Erreichbarkeit in der Freizeit zu einer Überforderung der Erwerbstätigen kommen könne, sofern das Gleichgewicht zwischen der Erholungs- und Arbeitszeit nicht mehr gewährleistet sei. Indes forderte sie von den Unternehmen, dass klare Regelungen darüber geschaffen werden müssten, inwieweit ein Beschäftigter für seinen Arbeitgeber erreichbar sein müsse.[21]

Die Aufhebung der Grenzen scheint sich jedenfalls in deutlichem Maße auf die Arbeitswelt auszuwirken, so sind laut einer vom BITKOM e.V. in Auftrag gegebenen Studie „88 Prozent der Berufstätigen auch außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten […] per Internet oder Handy erreichbar“[22]. Dies erfolgt jedoch in unterschiedlichem Maße. So gaben 29 Prozent der Befragten an, zu jeder Zeit telefonisch oder per E-Mail erreichbar zu sein, während 45 Prozent nur an bestimmten Zeiten zu erreichen sei. 15 Prozent der Berufstätigen gaben an, lediglich in Ausnahmefällen außerhalb der Arbeitszeiten erreichbar zu sein. Hierbei ist ein Wachstum erkennbar, so gaben zwei Jahre zuvor nur 73 Prozent der Befragten an, dass sie auch nach Dienstschluss erreichbar seien.[23]

2.3. Veränderungen der Erwerbsbiographien

Eine weitere Auswirkung stellt die fortschreitende Ablösung der klassischen Erwerbsbiographie durch die fragmentierte Erwerbsbiographie dar. So war der Lebensauf einer erwerbstätigen Person in der Vergangenheit zumeist von einer klassischen Reihenfolge geprägt. Auf den Schulabschluss folgte eine Ausbildung oder ein Studium, anschießend wurde bis zum Ruhestand in derselben Branche – oftmals auch ohne Wechsel des Arbeitgebers – gearbeitet. Mittlerweile hat sich dies im Zuge der Globalisierung und des technischen Fortschritts geändert, wie man anhand der Abbildung 2 sehen kann.[24]

Zum einen findet der Einstieg in das Berufsleben immer später statt. Lag der Anteil der Erwerbstätigen im Jahre 1999 unter den 20- bis 24-Jährigen noch bei 44,2 Prozent, so waren dies zehn Jahre später nur noch 36,9 Prozent. Dies lässt sich auch darin begründen, dass immer mehr junge Menschen studieren oder verschiedene Ausbildungen abschließen.[25] Zum anderen ist es heutzutage nicht mehr üblich, ein Leben lang im selben Betrieb zu arbeiten. Stattdessen ist die Erwerbsbiographie von einer Vielzahl an verschiedenen Qualifikationen, Praktika sowie unterschiedlichen Studien- oder Ausbildungsabschlüssen gezeichnet. Hinzukommen können Zeiten der Erwerbslosigkeit oder eine Aneinanderreihung von verschiedenen befristeten Beschäftigungen.[26]

Infolgedessen sind viele Arbeitnehmer ständig dazu verpflichtet, durch Weiterbildungen oder Zusatzqualifikationen konkurrenzfähig und zeitgemäß zu bleiben, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen.

3. Kindheit, Jugend und Alltag im digitalen Zeitalter

Betrachtet man die Umstände, in denen die heutigen Jugendlichen aufwachsen, so wird eines klar: Sie sind mit dem Internet groß geworden und weisen zumeist eine gewisse Affinität im Umgang mit dem Internet auf. Dies steht oftmals im Gegensatz zu den Bedingungen ihrer Eltern, welche den Umgang mit dem Internet erst erlernen mussten.

Der US-amerikanische Autor Marc Prensky spricht in diesem Zusammenhang auch von den „Digital Natives“ (deutsch: digitale Einheimische) und „Digital Immigrants“ (deutsch: digitale Einwanderer). Die heutigen Jugendlichen, welche zu den Digital Natives zählen, werden oftmals auch als „Netzgeneration“ oder „Generation @“ betitelt. Sie werden bereits von klein auf mit den Technologien des digitalen Zeitalters konfrontiert und sind deshalb bereits in jungem Alter dazu in der Lage, E-Mails zu schreiben, das Handy zu bedienen oder sich im „World Wide Web“ zurechtzufinden. Im Gegensatz hierzu stehen die Digital Immigrants, welche laut der beiden Rechtswissenschaftlern Urs Gasser und John Palfrey vor 1980 geboren wurden und nicht mit den digitalen Technologien von heute aufgewachsen sind. Sie mussten sich das Wissen über den Umgang mit den neuen Technologien erst aneignen.[27]

[...]


[1] Zitat von Kaku, Michio http://www.zitate-welt.com/zitat/3558.html (15.01.2014)

[2] Smartphone = internetfähiges Mobiltelefon, welches einige computerähnliche Funktionen besitzt

[3] Vgl. G. Richter, S. Bode, B.Köper: Demografischer Wandel in der Arbeitswelt. (Hg.): Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin 2012. www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/artikel30.html (19.12.13)

[4] Vgl. Weber, Birgit: Schöne neue Arbeitswelt? – die Zukunft der Arbeit. (Hg.): Bundeszentrale für politische Bildung 2007. http://www.bpb.de/izpb/8588/schoene-neue-arbeitswelt-die-zukunft-der-arbeit (19.12.2013)

[5] Vgl. U. Taenzer, O. Bauer, Uli Pieper, F. Tholen: Arbeitsgesellschaft im Umbruch. Sozialer Wandel – Sozialstruktur. Stuttgart, Leipzig: Ernst Klett Verlag 2007.

[6] Vgl. „Vom Aussterben bedrohte Berufe“ in: Onlineausgabe der Rheinischen Post. http://www.rp-online.de/leben/beruf/vom-aussterben-bedrohte-berufe-bid-1.2383979 (21.12.2014)

[7] Weber, Birgit: Schöne neue Arbeitswelt? – die Zukunft der Arbeit. (Hg.): Bundeszentrale für politische Bildung 2007. http://www.bpb.de/izpb/8588/schoene-neue-arbeitswelt-die-zukunft-der-arbeit (21.12.2013)

[8] Vgl. Weber, Birgit: Schöne neue Arbeitswelt? – die Zukunft der Arbeit. (Hg.): Bundeszentrale für politische Bildung 2007. http://www.bpb.de/izpb/8588/schoene-neue-arbeitswelt-die-zukunft-der-arbeit (21.12.2013)

[9] Vgl. Abbildung 1 auf Seite A1

[10] Vgl. Dorn, David: Technologischer Fortschritt und Polarisierung des Arbeitsmarktes. (2013) http://www.muenchner-kreis.de/pdfs/ZukunftDerArbeit/Dorn.pdf (21.12.2013)

[11] Vgl. Talbot, David: Der Wettlauf mit den Maschinen. In: Online-Ausgabe der Technology Review. (2011) http://www.heise.de/tr/artikel/Der-Wettlauf-mit-den-Maschinen-1370433.html (21.12.2013)

[12] Vgl. Möller, Joachim: Mythen der Arbeit: Fortschritt kostet Arbeitsplätze – stimmt’s? In: KarierreSPIEGEL. (2012) http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/mythen-der-arbeit-fortschritt-kostet-arbeitsplaetze-stimmt-s-a-810714.html (21.12.2013)

[13] Vgl. Bertelsmann Stiftung: Technischer Fortschritt und Arbeitsmarkt. Umfrageergebnise einer repräsentativen Arbeitnehmerbefragung. (2013) http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xbcr/SID-7BDE52D1-40C3B8D3/bst/xcms_bst_dms_39086_39087_2.pdf (22.12.2013)

[14] Vgl. Rettig, Daniel: Zukunft der Arbeit: Berufe im Wandel: Was Sie morgen können müssen. In: Online-Ausgabe der WirtschaftsWoche. (2008) http://www.wiwo.de/erfolg/trends/zukunft-der-arbeit-berufe-im-wandel-was-sie-morgen-koennen-muessen-seite-all/5460986-all.html (22.12.2013)

[15] Vgl. Rademacher, Daniel: Mobilität in der Arbeitswelt: Jeder Zweite würde für Traumjob umziehen. In: Online-Ausgabe des Sterns. (2013) http://www.stern.de/wirtschaft/job/mobilitaet-in-der-arbeitswelt-jeder-zweite-wuerde-fuer-traumjob-umziehen-2041650.html (22.12.2013)

[16] Zimmermann, Klaus F: Reflektionen zur Zukunft der Arbeit. (Hg.): Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit 2013. http://ftp.iza.org/sp56.pdf (22.12.2013)

[17] Vgl. Zimmermann, Klaus F: Reflektionen zur Zukunft der Arbeit. (Hg.): Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit 2013. http://ftp.iza.org/sp56.pdf (22.12.2013)

[18] Vgl. Internetauftritt des Entwicklers WhatsApp Inc.http://www.whatsapp.com/?l=de (22.12.2013)

[19] Vgl. Lehmann, Andres: Messenger WhatsApp zählt nun 400 Millionen aktive Nutzer – trotz Datenschutz-Bedenken. (2013) http://ukonio.de/whatsapp-messenger-400-millionen-aktive-nutzer-datenschutz-bedenken-mobile-digital-43842/ (23.12.2013)

[20] Vgl. Interview von Simone Janson mit Robindro Ullah (2010) http://berufebilder.de/2010/interview-mit-robindro-ullah-personaler-bei-der-db-services-ueber-social-media-privates-im-berufsalltag-und-die-neue-selbstverpflichtung-der-deutschen-bahn-zum-datenschutz-eine-strikte-trennung(23.12.2013)

[21] Vgl. Überstunden: Von der Leyen will Freizeit Blackberry-frei machen. In: ZEIT ONLINE. (2012) http://www.zeit.de/karriere/beruf/2012-06/arbeitnehmer-erreichbarkeit-freizeit/komplettansicht(23.12.2013)

[22] Presseinformation des BITKOM e.V. (2011) http://www.bitkom.org/files/documents/BITKOM-Presseinfo_Erreichbarkeit_im_Job_03_07_2011(1).pdf (23.12.2013)

[23] Vgl. Presseinformation des BITKOM e.V. (2011) http://www.bitkom.org/files/documents/BITKOM-Presseinfo_Erreichbarkeit_im_Job_03_07_2011(1).pdf(23.12.2013)

[24] Vgl. U. Taenzer, O. Bauer, Uli Pieper, F. Tholen: Arbeitsgesellschaft im Umbruch. Sozialer Wandel – Sozialstruktur. Stuttgart, Leipzig: Ernst Klett Verlag 2007.

[25] Vgl. Kuther, Margit: Berufsstart: Junge Leute treten immer später ins Berufsleben ein. (2011) http://www.elektronikpraxis.vogel.de/elektronikmanagement/articles/307199/ (23.12.2013)

[26] Vgl. U. Taenzer, O. Bauer, Uli Pieper, F. Tholen: Arbeitsgesellschaft im Umbruch. Sozialer Wandel – Sozialstruktur. Stuttgart, Leipzig: Ernst Klett Verlag 2007.

[27] Vgl. Pelzer, Elena: Jugendliche und Internet: Mythos Netzgeneration. In: FOCUS-SCHULE. (2011) http://www.focus.de/schule/schule/medien/kommunikation/tid-23999/jugendliche-und-internet-mythos-netzgeneration_aid_668130.html (11.01.2014)

Details

Seiten
33
Jahr
2014
ISBN (Buch)
9783668003576
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v301560
Note
13
Schlagworte
digitales zeitalter technologischer fortschritt gesellschaft digital natives immigrants

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