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Nächstenliebe am Beispiel des barmherzigen Samariters (Lk 10, 25-37)

Unterrichtsentwurf 2014 49 Seiten

Theologie - Religion als Schulfach

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zielsetzung
1.1 Fachprofil Katholischer Religionsunterricht an bayerischen Grundschulen
1.2 Lehrplanbezug
1.3 Darstellung der Sequenz
1.4 Zielformulierungen

2. Begründung der Zielsetzung und der didaktischen Reduktion
2.1 von der Sachstruktur
2.2 von der Individuallage der Klasse
2.3 Didaktische Reduktion

3. Methodisches Vorgehen
3.1 Kommentierter Sitzplan
3.2 Plan der Durchführung

4. Begründung der didaktisch-methodischen Entscheidungen

5. Anlagen
5.1 Lehrerzählung
5.2 Bodenbild
5.3 Arbeitsblätter

6. Literaturverzeichnis
6.1 Grundlagenliteratur
6.2 Fachwissenschaftliche Literatur
6.3 Fachdidaktische Literatur

1. Zielsetzung

1.1 Fachprofil Katholischer Religionsunterricht an bayerischen Grundschulen

Das Fach Katholische Religionslehre leistet einen wesentlichen Beitrag zum Bildungs- und Erzieungsauftrag der Bayerischen Grundschulen. Da es dabei vor allem darum geht, Wissenserwerb zu ermöglichen, Verstehen anzubahnen, Interessen zu entwickeln, soziale Verhaltensweisen sowie musische und praktische Fähigkeiten zu fördern und Werthaltungen aufzubauen“1, ist das Fach Katholische Religion ein sehr wichtiges Unterrichtsfach, das dazu beiträgt, die Entwicklung

der Persönlichkeit, Wertorientierung, Sozialisation, sprachliche Bildung, Umwelterziehung und religiöse Orientierung zu unterstützen.

Die fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungsaufgaben haben im Katholischen Religionsunterricht ihren festen Platz, da besonderer Wert auf die Erlangungen grundlegender Kompetenzen gelegt wird. In einer Welt, die immer unübersichtlicher wird, die die Kinder vor große Herausforderungen zur Lebensbewältigung stellt, da es oft an Werten, Normen und festen Strukturen fehlt, kann der Religionsunterricht den Schülern mithilfe des Glaubens, in Anlehnung an biblische Überlieferungen und durch Anstöße zum Nachdenken über sich, Gott, das Leben und über die Mitmenschen Halt und Orientierung geben. Er hilft, Lebensperspektiven aus dem christlichen Glauben zu entwickeln, das eigene Leben mit dem biblisch-christlichen Glauben in Zusammenhang zu bringen und schult die Wahrnehmungs-, Ausdrucks-, Urteils-, biblisch-theologische, ethische und interreligiöse Kompetenz.2

Der Religionsunterricht trägt dazu bei, dass Kinder über sich nachdenken und sich mit ihren Stärken und Schwächen annehmen können. Er lädt ein zur Begegnung mit anderen Gläubigen und hilft mit Erscheinungsformen von Kultur und Zivilisation eigenverantwortlich umzugehen, indem er den religiösen Weg der Kinder unterstützt. Sein Profil gewinnt er aus der christlichen Glaubenswirklichkeit, wie sie in der kirchlich-christlichen Tradition gelebt wird.

Im Religionsunterricht wird eine „Unterrichtsgestaltung angestrebt, die Kopf, Herz und Hand gleichermaßen einbezieht.“3

In jeder Jahrgangsstufe werden die folgenden drei Lernbereiche altersgemäß thematisiert: „Lebensfragen und biblische Botschaft“, „Ausdrucksformen des Glaubens und kirchlichen Lebens“ sowie „Leben in religiös-kultureller Vielfalt und Maßstäbe ethischen Handelns“4. Diese Themenbereiche dienen dazu, die Frage nach Gott wachzuhalten, das eigene Leben mit Erfahrungen aus der Bibel in Verbindung zu bringen und eine religiöse Ausdrucksfähigkeit zu entwickeln.

Im Fachprofil Kapitel II B Katholische Religionslehre lässt sich die Unterrichtseinheit „Jesus ist zu Gast bei Zachäus“, dem ersten Lernbereich „Lebensfragen und biblische Botschaft“, und darin dem zweiten Themenbereich „Vergebung erfahren und sich versöhnen“ zuordnen.

1.2 Lehrplanbezug

Der Bayerischen Lehrplan für die Grundschule behandelt in der 3. Jahrgangsstufe im Fach Katholische Religionslehre unter 3.6 „Sehnsucht nach einer gerechten und friedvollen Welt “ in 3.6.3. den Lernbereich „Schritte zu einer gerechteren und friedvolleren Welt“. Am Beispiel des Gleichnisses „Der barmherzige Samariter“ erfahren die Kinder, wie Jesus zu Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe aufruft und dabei ein für die damalige Zeit besonderes Verständnis vom „Nächsten“ an den Tag legt. Meine Stunde hierzu bezieht sich auf Lk 10, 25-37.

Mögliche Querverbindungen zu anderen Fachbereichen bieten sich an zu:

1.3 Darstellung der Sequenz

Grobziel: In der Sequenz zu 3.6„Sehnsucht nach einer gerechten und friedvollen Welt“ lernen die Schüler durch Alltagsgeschichten als auch durch biblische Überlieferungen, sensibel für das Not und Leid anderer zu werden. Sie werden sich bewusst, was sie ändern möchten, lernen die Notwendigkeit von Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft kennen und entwickeln selbst ein Projekt „Kleine Schritte für eine bessere Welt“.

Lehrplan an bayerischen Grundschulen, Katholische Religionslehre

3.6 Sehnsucht nach einer gerechten und friedvollen Welt

3.6.1 Ungerechtigkeit und Not
3.6.2 Von Propheten lernen
3.6.3 Schritte zu einer gerechteren und friedvolleren Welt

1.4 Zielformulierungen

Anhand des Gleichnisses vom barmherzigen Samariter (nach Lk 10,25-37) werden die Schüler darauf aufmerksam, dass auch ihnen in ihrer nächsten Umgebung ein Mensch in Not begegnen kann. Sie werden dazu ermutigt, im Rahmen ihrer Möglichkeiten selbst aktiv zu werden und sich für den betreffenden Menschen zu entscheiden, indem sie eigene Ideen hervorbringen, wie sie dem betroffenen Menschen helfen können.

Das Grobziel der Stunde lautet:

Die Schüler kennen das Gleichnis vom barmherzigen Samariter und erkennen, wer unser Nächster ist, also jeder, der gerade unsere Hilfe benötigt.

Die Schüler

lernen die Fortsetzung der biblischen Geschichte des barmherzigen Samariters nach Lk 10, 25-37 handlungsorientiert kennen.

erschließen diese inhaltlich, indem sie in die Erzählung miteinbezogen werden und die Szenen nachspielen.

werden aufmerksam, wie Jesus uns auffordert, dem Nächsten, also jedem, der gerade unsere Hilfe benötigt, zu helfen.

erkennen, dass auch sie Nächstenliebe und Barmherzigkeit an jedem, der Hilfe braucht, praktizieren können und bekommen ein Gespür dafür, wie sie den Auftrag Jesu im täglichen Leben anwenden können.

nehmen Personen sowie Situationen einfühlend wahr, spüren nach, wie sie sich jeweils fühlten, indem sie die Szenen nachspielen.

erkennen, dass auch Gott jeden Menschen bedingungslos annimmt und uns allen hilft.

überdenken bei der Reflexion ihre (neue) Sichtweise vom Nächsten, beziehen die biblische Erzählung auf eigene Erfahrungen und ihre Lebenswelt, äußern ihre Ideen dazu, wie sie selbst anderen, die in Not geraten sind, helfen können und entwickeln die Bereitschaft, selbstlos und ohne Hintergedanken zu helfen, wo es gerade nötig ist.

empfinden Freude beim aktiven Gestalten des Bodenbilds und bei der Gruppenarbeit.

2. Begründung der Zielsetzung und der didaktischen Reduktion

2.1 von der Sachstruktur

Stufen der Glaubensentwicklung nach James W. Fowler

Stufe 0: Erster Glaube, Glaube als Urvertrauen: Grunderfahrung der Aufgehobenseins, des elementaren Gebens und Nehmens in den ersten Lebensmonaten
Stufe 1: Intuitiv-projektiver Glaube, der stark von der Fantasie geprägt ist (ca. 2-6 Jahre )
Stufe 2: Mythisch-wortgetreuer Glaube: Wirklichkeit wird von Fantasie unterschieden, Mythen werden wörtlich genommen, nicht als symbolische Sprache erkannt. Gott wird wie ein menschliches Wesen aufgefasst (Kindheit im Grundschulalter und frühe Jugend)
Stufe 3 und folgende werden erst in der späteren Jugend und im Erwachsenenalter erreicht, daher hier nicht relevant → biblische Erzählungen müssen den Kindern immer als überlieferte Geschichten näher gebracht werden, damit

sie wissen, dass es um den Gehalt geht, dass sie von Gott erzählen und es nicht so wichtig ist, ob sie sich genauso wirklich ereigneten vgl. hierzu: Hilger, G. , Ritter, W.H. : Religionsdidaktik Grundschule, S. 103 Stufen religiöser Urteilskraft nach Oser / Gmünder

Stufe 1: Orientierung an absoluter Heteronomie (Deus ex machina), das Kind fühlt sich ausgeliefert. Gott ist uner- reichbar und unbeeinflussbar
Stufe 2: Orientierung an do ut des: Das Kind kann dieses Größere, das über ihm steht, durch intentionale Akte wie Opfer, Gebet, das Befolgen von Geboten usw. beeinflussen, mit ihm in der Weise eines Tauschverhältnisses gleich- sam handeln
Stufe 3: Orientierung an Selbstbestimmung: Der junge Mensch befreit sich aus der Abhängigkeit von diesem Ultimaten, ihm wird ein eigener, vom Menschen getrennter Bereich zuerkannt. Sein Leben wird aber dadurch nicht mehr direkt beeinflusst

Stufen 4 und 5: im Grundschulalter nicht erreicht

→ die Kinder der 3./4. Klasse beginnen erst, Gefühl der Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft zu entwickeln, das Gespür

für persönlichen Einsatz wird geweckt

→ Gott kommt auf uns zu, nimmt uns bedingungslos an, auch wenn man Fehler macht, belastet ist

→ Kind muss sich für sein Angebot öffnen, um das Geschenk der Nächstenliebe anzunehmen

→ Offenheit und Zuwendung können Erstaunliches bewirken im menschlichen Miteinander

vgl hierzu: Hilger, G., Ritter, H.W. : Religionsdidaktik Grundschule, S. 100

Didaktisch-methodische Grundsätze

Anknüpfen an die Vorerfahrungen der Schülerinnen

aktives, selbsttätiges, handelndes Lernen der Schüler

Selbständigkeit der Schüler fördern

problemorientiertes Lernen

Bezug zur Erfahrungswelt der Kinder

Lernen in Zusammenhängen

Verstehendes Lernen

biblische Geschichten in Beziehung zu Erlebnissen der Kinder setzen

Welt der Religion mit der Welt des Kindes wechselseitig ins Gespräch bringen

integrierender Ansatz wird der Komplexität der Lebenssituationen und Welterfahrungen gerecht

Erreichen von Wahrnehmungs-, Ausdrucks-, Urteils-, Biblisch-Theologischer-, Ethischer- und interreligiöser Kompetenz

vgl. hierzu:

Gruber, E.: Mein Glaube in Bilder und Symbolen

Hilger, G. , Ritter, W.H. : Religionsdidaktik Grundschule

Maras,R.: Unterrichtsgestaltung in der Grundschule, S. 292F

Die Beispielerzählung

Die Beispielerzählung ist eine Untergattung der Gleichnisse. Sie wird mit einer Frage eingeleitet, deren Antwort dann die Beispielerzählung ist. Hier wird ein Einzelfall erzählt, der jedoch auf das Allgemeine angewendet werden kann. Bei diesen Erzählungen „soll der Bezug zum eigenen Handeln unmittelbar deutlich werden.5 “ Das heißt, dass man selbst so handeln soll, wie es in den Beispielerzählungen beschrieben wird. Diese Geschichten zeigen nicht das Wirken Gottes, sondern das, was Gott bei den Menschen bewirkt.6 Hier wird die Nähe Gottes durch helfende Mitmenschen erfahren.

Sequenz 3.6. Sehnsucht nach einer gerechten und friedvollen Welt

Die Unterrichtsreihe will die Schüler für die Nöte und Probleme die in unserer Gesellschaft, aber auch im persönlichen Umfeld der Schüler zu finden sind, öffnen. Den Schülern ist Bedürftigkeit, Armut und Not durchaus vertraut. Gerade Nöte im privaten Bereich bekommen viele schon im Kindesalter am eigenen Leib zu spüren. Man sollte zwar einerseits davon ausgehen können, dass gerade die Familie der Ort ist, an dem ein Kind lernt für andere Menschen Verantwortung zu übernehmen und fürsorgend da zu sein, andererseits werden selbst hier manche Nöte gar nicht wahrgenommen. Finanzielle Nöte, Scheidungsproblematik, Krankheiten und viele andere Probleme engen leider auch in Familien den Blickwinkel zu sehr auf das „Ich“ ein.

Die zunehmende Individualisierung trägt dann noch ihren Teil dazu bei, dass auch Not und ihre Bearbeitung immer individueller behandelt werden. Das Bewusstsein, dass ein Mangel an Lebensmöglichkeiten von jedem Individuum als persönliches Problem zu verantworten und zu bewältigen ist, schränkt das Verantwortungsgefühl für den Anderen zunehmend ein. Der Religionsunterricht hat die Aufgabe, die religiöse Dimension dieser Wirklichkeit zu erschließen. Die Schüler sollen offen werden für diese Situationen und eigene Standpunkte entwickeln.

Leider ist es ja heute an der Tagesordnung Nöte und Probleme zwar wahrzunehmen, aber wie beim „barmherzigen Samariter“, doch gleich wieder wegzusehen, wenn gewisse Erwartungen und Handlungen von uns erwartet werden. Dieses Phänomen findet sich aber nicht nur bei Schülern sondern auch bei Erwachsenen. Wie einfach ist es doch zu sagen „Was geht mich das an? Sollen doch die anderen was tun!“ Situationen wie beim „barmherzigen Samariter“ begegnen dabei immer wieder in den verschiedensten Formen; sei es bei Pausenrangeleien, auf dem Schulweg oder in der Freizeit, z.B. beim Fußballspielen. Dabei wird schnell vergessen, dass Zuwendung nicht nur dem Menschen, welchem geholfen wird, sondern auch dem Helfenden gut tut.

Die Schüler sollen lernen, die Situation anderer Menschen richtig einzuschätzen und wahrzunehmen. In ihnen soll ein gewisses Maß an Verantwortungsbewusstsein geweckt werden.

In den Vorstunden wurden Geschichten aus der Wahrnehmungswelt der Schüler erzählt, auf Erfahrungen und Erlebnisse der Kinder eingegangen und die Begriffe Leid, Not, Ungerechtigkeit, Kinderarbeit, -armut, Krieg thematisiert sowie auf die persönlichen Träume einer besseren Welt eingegangen.

Dabei wurden keine fertigen „guten, religionsunterrichtstauglichen“ Handlungsschemata vorgegeben, sondern die Kinder durften ihre eigenen Lösungswege erarbeiten und ihr moralisches Urteil einbringen.

Propheten und -worte wurden vorgestellt, ebenso auch Menschen aus der aktuellen Zeit, die sich für die Rechte anderer einsetzen und Hilfsprojekte ins Leben riefen. Die Hilfsorganisation von Karl-Heinz Böhm, der leider vor kurzem verstorben ist, wurde auch thematisiert.

Aus der Erschließung des biblischen Textes kann das Kind erkennen, dass unser biblisch-christlicher Glaube dazu ermutigt, sich in allen Situationen für unseren Nächsten, also für den, der gerade unsere Hilfe benötigt, einzusetzen.

Das Gebot der Nächstenliebe

Das Thema der ganzen Sequenz steht in unmittelbarem Bezug zum Gebot der Nächstenliebe.

„Jeder ist sich selbst der Nächste!“ Dieses Sprichwort gilt in der heutigen Gesellschaft wohl leider mehr als die Worte, die wir in der Bibel finden: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“(3.Mose 19,18) und „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan.“ (Mt 25, 40)

Dies aber sind die zentralen Aussagen Jesu, die z.B. auch im Gleichnis vom barmherzigen Samariter getroffen werden. Jesus nennt in Mt 22,5-35 das Gebot der Gottesliebe und der Nächstenliebe in einem Atemzug und bezeichnet sie als gleich wichtig.

Dieses Gebot wird im 2. Vat. Konzil deutlich entfaltet, wenn es heißt: „Das karitative Tun muss heute alle Menschen und Nöte umfassen...Diese Verpflichtung obliegt den einzelnen Menschen...“7 Dieses Tun ist Zeugnis für die christliche Liebe, die keine Unterschiede macht zwischen Menschen verschiedener Herkunft, sozialer Hintergründe oder Religion. Jesus Christus hat den Menschen diese Liebe vorgelebt, indem er durch Städte und Dörfer zog und die verschiedensten Menschen heilte, bei ihnen einkehrte und sie als Brüder und Schwestern annahm.8

Gerade wenn es um die Wahrnehmung von Notsituationen geht, ist wohl das „Gleichnis vom barmherzigen Samariter“ eine Bibelstelle, die besonders häufig herangezogen wird, sie ist eine der einflussreichsten Jesus – Erzählungen überhaupt. Dabei geht es in der Perikope nicht um ein distanziert-objektives zur „Kenntnis nehmen“ von Not, sondern um empathisches „Sehen“ von einer Person und einer bestimmten Notsituation. Es wird deutlich, dass das Gefühl des Mitleidens und der Verbundenheit erst das spontane Helfen zur Folge hat. „Gegen die bequeme Abwehr einer Verantwortung für andere und die Erfahrung individualisierten Lebens, das sich nur für sich verantwortlich weiß, kann (…) dieses Gleichnis die Einsicht wecken, dass derjenige Gottes Willen entspricht, der sich die Not anderer an die Nieren gehen lässt und dies in aktives, helfendes Handeln umsetzt“.9

Jesus wird von einem Schriftgelehrten auf die Probe gestellt.

Der Schriftgelehrte versucht ihn bloßzustellen, ihm eine Äußerung zu entlocken, die man schließlich gegen ihn verwenden könnte. Jesus lässt sich nicht in diese Falle locken. So war die Frage „Wer ist mein Nächster?“ eine vieldiskutierte Schulfrage. Jesus antwortet dem Schriftgelehrten mit seiner Beispielerzählung: „Ein Mann ging von Jerusalem nach Jericho…“ Die Erzählung ist aus dem nahen und harten Leben gegriffen, da auf dieser Straße von Jerusalem nach Jericho Raubüberfälle sicher nicht selten waren. Die Gegend ist öde und felsig. Jesus spielt auch auf die Priester und Leviten an, die den Priestern in Jerusalem von Jericho aus Wasser und Brot bringen mussten und so viel auf dieser Straße unterwegs waren. Der Priester und der Levit halfen dem fast zu Tode Geprügelten nicht. Wahrscheinlich halfen sie ihm deswegen nicht, weil er ein am ha’ àrez war, ein Ungebildeter, einer, der das Gesetz nicht kannte und deshalb als Sünder angesehen wurde. Der Priester konnte ihn nicht einmal berühren, ohne unrein zu werden. Der Levit hätte sich zwar nicht verunreinigt, aber er dachte nur an seinen Dienst im Tempel. Vom Samariter hätte man nur Hass erwartet, da in den Augen der Samariter die Juden hochmütig und streitsüchtig waren und dennoch gab Jesus in seiner Beispielerzählung gerade einen Samariter als Retter an.

Auf die provokante Frage des Schriftgelehrten: „Wer ist mein Nächster?“, antwortet Jesus am Ende des Gleichnisses mit der Gegenfrage: „Wer war der Nächste?“. Diese Gegenfrage zielt darauf hin zu erkennen: „Wer immer dich auch braucht, sei du der Nächste. Überlege nicht erst welche Herkunft der Andere hat, wie seine sozialen Hintergründe aussehen oder auch seine Religion. Sei einfach der Nächste.“

Diese Geschichte war sicher eine Provokation gegenüber dem Wissen und den klugen Worten vieler Schriftgelehrten. Jesus sagt deutlich: „Geh hin und handle ebenso“. Das Handeln bringt das Leben nicht das Wissen oder die Lehre.10

[...]


1 Lehrplan für die bayerischen Grundschulen, S. 7

2 Vgl. Hilger, u.a, S. 418

3 Lehrplan für die bayerischen Grundschulen, S. 20

4 Vgl. ebd., S. 21

5 Bubolz, S. 137

6 Vgl. Schuhmacher u.a., S. 3

7 2. Vat. Konzil, Laienapostolat 8

8 Vgl. 2. Vat. Konzil, Missionen 12

9 Lachmann, S.334

10 Vgl. ebd., S. 362 ff u. S. 499

Details

Seiten
49
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783956877001
ISBN (Buch)
9783668004979
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v301500
Note
Schlagworte
Samariter barmherzig Nächster Nächstenliebe

Autor

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