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Der Architekt Le Corbusier und sein Werk am Beispiel ausgewählter Bauwerke

Hausarbeit 2011 22 Seiten

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vita (Kurzfassung – Entwicklung zum Architekten)

3. Ausgewählte Projekte
3.1 Weißenhofsiedlung, Stuttgart
3.2 Villa Savoye, Rue de Villiers in Poissy
3.3 Unité d’Habitation (Marseille)
3.4 Chapelle Notre-Dame-du-Haut de Ronchamp
3.5 LC2 Sessel

4. Schlussbetrachtung: Kritik und Metapher

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Prinzip „Dom-Ino“

Abbildung 2: Weißenhofsiedlung

Abbildung 3: Villa Savoye

Abbildung 4: Le Corbusier und Villa Savoye (Modell)

Abbildung 5: Unité d’Habitation

Abbildung 6: Brachyura („echte Krabbe“)

Abbildung 7: Chapelle Notre-Dame-du-Haut de Ronchamp (Innenansicht)

Abbildung 8: Chapelle Notre-Dame-du-Haut de Ronchamp

Abbildung 9: Sessel LC 2

”Die Architektur ist vom Geiste einer
Epoche abhängig, und der Geist einer
Epoche ist geprägt von der Tiefe der
Geschichte, dem Erfassen der Gegen-
wart und der Beurteilung der Zukunft.“

1. Einleitung

Le Corbusier gilt heute, neben Frank Lloyd Wright, Ludwig Mies van der Rohe und Louis I. Kahn als bedeutendster Architekt des 20. Jahrhunderts. Auch in der heutigen Zeit bekennen sich noch immer Architekten zum architektonischen Erbe des Franzosen.1

Die vorliegende Arbeit soll primär das Werk Le Corbusiers in den Fokus stellen, sodass nach einer Zusammenfassung der wesentlichen Eckdaten von Le Corbusiers Entwicklung zum Architekten, eine detaillierte Betrachtung von vier ausgewählten Bauwerken (Le Corbusier-Bauten in der Weißenhofsiedlung, Villa Savoye, Unité d’Habitation und Chapelle Notre-Dame-du-Haut de Ronchamp) und des LC2-Sesells erfolgt.

Somit sollen unter der Ägide der direkten Betrachtung der Einzelwerke die verschiedenen Schaffensperioden, sowie die Begründung der heutigen Stellung Le Corbusiers in der Architektur illustriert werden. Dabei muss herausgestellt werden, dass im Rahmen des hiesigen Umfanges eine ganzheitliche Umspannung des gesamten Werkes selbstredend nur in Ansätzen möglich ist. Auch aus diesem Grunde erscheint eine selektive Fixierung auf Einzelwerke zielführend.

Abschließend soll das Werk Le Corbusiers im Spiegel der Kritik seiner sozialen und politischen Forderungen und Ideen betrachtet werden. Hierbei liefert die vorherige Betrachtung der Einzelwerke wichtige Hinweise.

2. Vita (Kurzfassung – Entwicklung zum Architekten)

Le Corbusier wurde unter dem bürgerlichen Namen Charles Édouard Jeanneret am 06. Oktober 1887 in La Chaux-de-Fonds (Schweizer Jura) geboren.2 Der Vater emaillierte Zifferblätter für Uhren, die Mutter stammte aus einer Kaufmannsfamilie.3 Mit dreizehn Jahren begann Le Corbusier eine Ausbildung an der École d’Art von La Chaux, welche die Absolventen zur Herstellung von hochspezialisierten Graveuren für die dortige Uhrenindustrie ausbilden sollte.4 Durch diese Ausbildung und seinen Lehrer Charles L’Eplattenier entstanden erste Anknüpfungspunkte zur Architektur. L’Eplattenier verhalf Le Corbusier zu seinem ersten Auftrag, der Villa Fallet in La Chaux-de-Fonds, welche allerdings in dieser Arbeit, aufgrund der Gewöhnlichkeit der Architektur, nicht näher behandelt werden wird.5 Le Corbusier bezeichnete sein Debüt später als „scheußlich“, betonte aber auch, dass er „dieses Haus mit viel Sorgfalt und einer Menge von rührenden Detail aus[gestattet hat]“.6 Es wird deutlich, dass Le Corbusier, trotz einer durchaus als technisch anzusehenden Grundausbildung, autodidaktisch und praxisnah die Techniken der Architektur erlernt hatte.

Im Anschluss an sein erstes Bauprojekt unternahm er Studienreisen nach Nord- und Mittelitalien, Budapest und Wien.7 Diese Reisen wurden aufgrund einer Anregung von L’Eplattenier angestrebt und führten ihn ganz entscheidend auf den Weg der Architektur.8

1907 verweilte Le Corbusier in Österreich, wo er das Atelier von Josef Hoffmann besuchte und den Antikonformismus von Adolf Loos9 kennenlernte und erforschte.

Im darauffolgenden Jahr nahm Le Corbusier eine Halbtagsstelle als Zeichner bei den Brüdern Perret an, dort lernte er weitere wichtige Grundlagen für seine spätere Arbeit.10 Besonders wichtig ist in diesem Zusammenhang der erste Kontakt zu den damals noch weithin ungeahnten Möglichkeiten der Stahlbetonstruktur.11 Seine Anschauungen hierzu wird er später in einem „Loblied“ auf den Beton in „Vers une architecture“ (1923) betonen.12

Nach einer Arbeit als Chefzeichner im Atelier von Peter Behrens (Berlin), wo Le Corbusier Mies van der Rohe und Walter Gropius kennenlernen konnte, unternimmt er eine mehrmonatige Reise durch die Balkanländer bis nach Griechenland und Konstantinopel.13 Hier entwickelte Le Corbusier eine Wertschätzung für die Werke der Antike und Renaissance, insbesondere auch in Bezug auf die Farbgebung.14

Angeregt durch die so gewonnenen Studienergebnisse wollte Le Corbusier nach Chicago gehen, um die seinerzeit dort ansässigen Industrie- und Hochhausbauten zu studieren. Aufgrund einer Aufforderung seines ehemaligen Lehrers L’Eplatteniers ging Le Corbusier allerdings stattdessen zurück in die Kunstschule seiner Heimat und unterrichtete dort in der Architekturabteilung.15 Im Jahre 1918 widmete Le Corbusier sich intensiv der Malerei und übernahm die Leitung eines technischen Büros in Paris. Als letzten wichtigen Schritt in der Ausbildung zum Architekten stellt Huse (1999) die Bekanntschaft zum Maler Amédée Ozenfant dar, mit dem Le Corbusier seine kunsttheoretischen Ideen fortentwickelte.16 Auf diesen Aspekt wird bei der Vorstellung des Citrohan-Hauses, welches unter anderem in der Weißenhofsiedlung in Stuttgart realisiert wurde, noch näher einzugehen sein.

Alle diese Ideen mündeten in der gemeinsam herausgegebenen (internationalen ästhetischen) Zeitschrift „L’Esprit Nouveau“, welche „den neuen Geist des Maschinenzeitalters sichtbar machen“ sollte. Folgt man Huse (1999), so konnte Le Corbusier hier erstmalig eine zusammenhängende Weltsicht und hierauf beruhende Ästhetik entwickeln, welche Grundlage seiner Architektur wurde.17 Inwieweit diese „Weltsicht“ Triebfeder seines architektonischen Werkes blieb, soll insbesondere im Schlusswort kritisch betrachtet werden.

3. Ausgewählte Projekte

Als repräsentative Projekte wurden vier Gebäude und ein Möbelstück ausgewählt. Die Projektauswahl mag subjektiv erscheinen, umfasst jedoch zweifelsohne nur bedeutende Projekte Le Corbusiers. Die nähere Betrachtung des Sessels vom Typ „LC 2“ soll zudem die Nähe zwischen Architektur und ganzheitlicher Raumgestaltung illustrieren. Die Gebäude wurden zwecks Veranschaulichung verschiedener architektonischer Phasen Le Corbusiers chronologisch sortiert. Aufgrund der gegebenen Begrenzung kann jedoch nicht jede Schaffensphase gleichermaßen abgedeckt und behandelt werden.

3.1 Weißenhofsiedlung, Stuttgart

Im Rahmen der Ausstellung des Deutschen Werkbundes in Stuttgart konnte Le Corbusier zwei Bauwerke realisieren.18 Zielsetzung der Ausstellung war es, Antworten auf die Probleme des Wohnens in der Moderne zu entwickeln.19 Ludwig Mies van der Rohe erstellte den Generalplan der Ausstellung. Weitere involvierte Architekten im Gesamtkonzept der Ausstellung waren beispielsweise Walter Gropius, die Gebrüder Taut, Hans Scharoun und Peter Behrens.20 In Zusammenarbeit mit Pierre Jeanneret und Alfred Roth, der die Farbgestaltung übernahm, entstanden zwei geschlossene Baukörper aus der Feder Le Corbusiers:

ein „Citrohan“-Haus und ein Doppelhaus, in dem Musterwohnungen auf Grundlage einer minimalen Versorgung dargestellt werden sollten.21

Zunächst soll der bereits ab 1920 entwickelte Häusertyp „Citrohan“ betrachtet werden. Wie bereits im vorherigen Kapitel angeschnitten, geht die Beschäftigung mit der „Welt des Kubismus“ auf Le Corbusiers Bekanntschaft mit dem Maler Amédée Ozenfant zurück. Im geistigen Umfeld des „L‘ Esprit Nouveau“ entstanden Le Corbusiers Entwicklungen des Citrohan-Hauses aus dem Grundgerüst des zuvor mit Max du Bois erstellten „Dom-Ino“-Prinzips.22 Das in Stuttgart realisierte Projekt weicht allerdings deutlich von den ersten Entwürfen des Citrohan-Types ab, wobei Gast (2000) darauf hinweist, dass eben diese Fassung das Citrohon-Typenhaus in der reifesten Phase präsentiert.23 Die Häuser dienen mithin auch dem Zweck der Demonstration der entwickelten Visionen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Prinzip „Dom-Ino“24

Das ursprüngliche Citrohan-Haus ist ein längsrechteckiger, blockartiger Baukörper, der über eine zweigeschossig verglaste Wand, eine außenliegende Treppe und eine außerordentlich große Wohnhalle über zwei Geschosse verfügt. Die Trennung erfolgt hier mithilfe von Schrankelementen, welche dem großen Raum zu Struktur verhelfen. Zudem exisitieren Nebenräume für Personal und eine Küche, der obere Bereich ist für Schlaf- und Atelierräume vorgesehen. Die Verglasung dient nicht zum Ausblick, sondern zum „Hereinholen des Lichts“. Ein Aterlierkonzept ist hier auf den Wohnungsbau übertragen worden.

Die in Stuttgart ausgeführte Variation des Citrohan-Typen zeichnet sich in diesem Zusammenhang durch die Stützenkonstruktion im Sinne der „5 Points of architecture“ aus, wobei im Erdgeschoss lediglich der Treppenaufgang und die Heizungs- und Nebenräume angesiedelt sind. Eine nähere Betrachtung der „5 Points of architecture“ erfolgt im weiteren Verlauf dieser Arbeit. Die Treppe ist in die Baukörper integriert worden, sodass ein bisheriger Mangel des Cirtrohan-Typen durch diese Korrektur beseitigt wurde.25 Ein Geschosswechsel war somit witterungsgeschützt möglich.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Weißenhofsiedlung26

Das Doppelhaus enthält zwei unterschiedliche, symmetrisch aufgeteilte Wohnungen.27 Das Haus ist auf Stützen aufgeständert und verfügt über ein über die ganze Breite des Hauses reichendes Bandfenster. Die Besonderheit der Wohnungen wird durch eine unterschiedliche Tag- und Nachtnutzung realisiert. So können die Wohnräume am Abend zu Schlafzimmern umfunktioniert werden, was den oben beschriebenen Ansatz der Wohnungen „am Existenzminium“ unterstreicht. Die Bauweise orientiert wiederrum an den „5 Points of architecture“.

[...]


1 Vgl. Krenz, W. (2010): Thinking. Online verfügbar: http://www.archwerk.org/en/about/. (16.10.2011).

2 Huse, N. (1999): Le Corbusier. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt (Rowohlts Monographien, 248). S. 7.

3 ebenda, S. 7.

4 ebenda, S. 7 – 8.

5 ebenda, S. 8.

6 Boesiger, W. (1994): LeCorbusier. Zürich: Artemis Verlag (Studiopaperback). 7. Auflage. S. 9.

7 Huse, N. (1999): Le Corbusier. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt (Rowohlts Monographien, 248). S. 11.

8 Cresti, C. (1969): Le Corbusier. Gestalter unserer Zeit. Wien: Kunstkreis Luzern – Freudenstadt. S. 90

9 Anmerkung: 1908 veröffentlichte Adolf Loos das bereits im Titel vielsagende Werk „Ornamentik und Verbrechen“.

10 Boesiger, W. (1994): LeCorbusier. Zürich: Artemis Verlag (Studiopaperback). 7. Auflage. S. 11.

11 Cresti, C. (1969): Le Corbusier. Gestalter unserer Zeit. Wien: Kunstkreis Luzern – Freudenstadt. S. 90

12 Vogt, A. (1996): Le Corbusier, der edle Wilde. Zur Archäologie der Moderne. Braunschweig: Vieweg. S. 15.

13 Huse, N. (1999): Le Corbusier. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt (Rowohlts Monographien, 248). S. 13 – 14.

14 Vgl. Cohen, J. (2006): Le Corbusier. 1887 - 1965 ; die Lyrik der Architektur im Maschinenzeitalter. Köln: Taschen. S. 7 – 15.

15 ebenda, S. 15.

16 ebenda, S. 16.

17 ebenda, S. 16.

18 Huse, N. (1999): Le Corbusier. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt (Rowohlts Monographien, 248). S. 38.

19 ebenda, S. 38.

20 Cohen, J. (2006): Le Corbusier. 1887 - 1965. Köln: Taschen. S. 35.

21 ebenda, S. 35.

22 Gast, K. (2000): Le Corbusier, Paris - Candigarh. Basel, Berlin, Boston: Birkhäuser. S. 30-32.

23 ebenda, S. 30 - 38.

24 von Osten, M. (2011): Architecture Without Architects—Another Anarchist Approach. Online verfügbar: http://www.eflux.com/journal_images/1241483656lecorbu_maisondomino.jpg. ( 25.10.2011)

25 ebenda, S. 30 - 38.

26 Robert-Bosch-Gymnasium (Hrsg.) (2011): Das neue Weißenhof-Museum im Haus Le Corbusier. Online verfügbar: http://www.gymnasium-gerlingen.de/Freizeit-Tipps/Sommertipps_Weissenhof_1.jpg. (05.06.2011).

27 Cohen, J.; (2006): Le Corbusier. 1887 – 1965. Köln: Taschen. S. 35.

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656979135
ISBN (Buch)
9783656979142
Dateigröße
954 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v301435
Institution / Hochschule
EBZ Business School (ehem. Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft)
Note
1,0
Schlagworte
Architektur Le Corbusier Architekt

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