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Anorexie und Hyperaktivität. Evolutionärer Hintergrund und physiologische Grundlagen

Studienarbeit 2012 8 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhalt

1. Abstrakt

2. Definition Anorexia nervosa

3. Hyperaktivität als einer der häufigsten Symptome der Anorexia

4. Evolutionäre Zusammenhänge zwischen Anorexia nervosa und Hyperaktivität

5. Physiologische Rolle des Hormons Leptin

6. Zusammenfassung

7. Literaturverzeichnis

1. Abstrakt

Anorexia nervosa gehört zu den am häufigsten vorkommenden Essstörungen. Einer der häufigsten vorkommenden Symptome dieser Störung ist die gesteigerte physische Aktivität in Form der Hyperaktivität. In Rahmen dieser Arbeit sollen vor allem die evolutionär- physiologischen Zusammenhänge zwischen der Anorexia nervosa und der symptomatischen Hyperaktivität erläutert werden.

2. Definition Anorexia nervosa

Bei der Anorexia nervosa handelt es sich um eine Störung, welche durch das permanente Streben nach „Dünnsein“ durch absichtlich herbeigeführtes Abnehmen oder das Aufrechterhalten des geringen Körpergewichts. Das äußerlich auffallendste Merkmal ist dabei der erhebliche Gewichtsverlust, der des Öfteren 50% des Ausgangsgewichts überschreitet. Die Anorexia nervosa zeigt einen relativ ungünstigen Verlauf, da 25% der Patienten chronisch krank bleiben und ca. 10% versterben[1].

Die Klassifikationskriterien nach DSM-IV für die Anorexia nervosa beinhalten[2]:

- die Überbewertung von Figur und Gewicht (d. h. die Bewertung der eigenen Person hängt wesentlich von Figur und Gewicht ab),
- das Unterschreiten eines kritischen Körpergewichtes (Body-Mass-Index, BMI≤17,51),
- ausgeprägte Ängste vor einer Gewichtszunahme und
- die Amenorrhö (nach der Menarche bei Frauen, die keine Kontrazeptiva einnehmen).

Am häufigsten sind heranwachsende Mädchen junge Frauen betroffen. Männer insgesamt sowie ältere Frauen sind wesentlich seltener betroffen. Die Ursachen des Leidens sind bisher nur wenig erforscht, es wird jedoch vermutet, dass vor allem soziokulturelle und biologische Faktoren eine wesentliche Rolle spielen könnten[3].

3. Hyperaktivität als einer der häufigsten Symptome der Anorexia

Einer der häufigsten Symptome der Anorexia nervosa ist eine stark ausgeprägte Hyperaktivität, welche sich meistens in Form von exzessiver Sportbetätig äußert z.B. Laufen, Fahrradfahren oder Kraftübungen. Hierbei ist das Ziel eine weitere Gewichtsreduktion zu fördern. Ähnlich wie die Gewichtsreduktion an sich, kann die Hyperaktivität einen zwanghaften Charakter annehmen. So können die Betroffenen weiterhin trainieren obwohl sie bereits körperlich erheblich erschöpft sind. In neueren Untersuchungen wurde ein Zusammenhang mit einem niedrigen Spiegel des Hormons Leptin festgestellt, welche bei der Regelung von Appetit, Sättigung, Energiehaushalt sowie der Anpassung des Organismus an Fastenzustände eine wichtige Rolle spielt. Damit liegt die Schlussfolgerung nahe, dass die körperliche Hyperaktivität essgestörter Patienten nicht vollständig der kognitiven Kontrolle unterliegt, sondern auch physiologische Ursachen haben könnte[4]. Im Nachfolgenden sollen die Zusammenhänge zwischen der Anorexia nervosa, ausgeprägter Hyperaktivität und den physiologischen Ursachen, insbesondere aufgrund des geringen Leptinspiegels, erläutert werden.

4. Evolutionäre Zusammenhänge zwischen Anorexia nervosa und Hyperaktivität

Die allgemeine Zunahme des Körpergewichtes, insbesondere des Körperfettes, ist im Wesentlichen auf einen fundamentalen evolutionären Anpassungsmechanismus zurückzuführen. Dabei wird eine flexiblere Anpassung an die sich permanent ändernde Verfügbarkeit der Nahrungsmittel ermöglicht. Während der nahrungsreichen Perioden wurden Körperfettreserven angesammelt, welche während der nahrungsarmen Perioden wieder aufgebraucht werden konnten. Diese grundlegende Fähigkeit ermöglichte es dem Menschen praktisch während seiner gesamten Geschichte längere Hungersperioden zu überstehen.[5]

Doch welche Relation besteht zwischen diesem Mechanismus und der Interdependenz zwischen Anorexia nervosa und Hyperaktivität? Im Rahmen des evolutionären Kontextes muss man zunächst konstatieren, dass abgesehen von den letzten paar Hundert Jahren, die Nahrungsmittelknappheit einen Normalzustand des menschlichen Daseins darstellte. Dies führte wiederrum dazu, dass Unterernährung und Untergewicht physiologisch nicht als Abweichung, sondern als Norm zu betrachten waren. Es war der gleiche physische Zustand, der heute aufgrund des freiwilligen Nahrungsmittelverzichts im Rahmen des Krankheitsmusters der Anorexia nervosa konstatiert werden kann, welcher jedoch aufgrund der stark beschränkten Ressourcen und damit natürlich notgedrungen herrschte.

Es gibt zahlreiche Zeitzeugenaussagen von den großen europäischen Hungersnöten oder von den Naturvölkern, welche ebenfalls unter einem gewissen Nahrungsmittelmangel litten, wonach während der Perioden der Unterernährung besonders ausgeprägte physische Aktivität konstatiert wurde. Die gesteigerten körperlichen Aktivität während der Phasen der Unterernährung kann ebenfalls als ein evolutionärer Schutzmechanismus betrachtet werden – Jäger und Sammler konnten währen der Hungerperioden aufgrund der gesteigerten physischen Aktivität besser und effizienter Nahrung beschaffen. Damit stellt dieser Mechanismus insbesondere während der ressourcenarmen Periode einen wesentlichen evolutionären Vorteil dar.

[...]


[1] Vgl. Förstl, H., Hautzinger, M., Roth, G. (Hsg) (2006), S. 692

[2] Vgl. Schneider, S., Margraf, J. (Hsg) (2009), S. 721

[3] Vgl. Dilling, H., Mombour, W., Schmidt, M.H. (Hsg) (2004), S. 243 ff

[4] Vgl. Schneider, S., Margraf, J. (Hsg) (2009), S. 721f

[5] Vgl. Scheurink, A.J.W., Boersma, G.J. et al (2010)

Details

Seiten
8
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668030046
ISBN (Buch)
9783668030053
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v301342
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
Schlagworte
anorexie hyperaktivität evolutionärer hintergrund grundlagen

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Titel: Anorexie und Hyperaktivität. Evolutionärer Hintergrund und physiologische Grundlagen