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Die (Un-)Ordnung des Mittelfelds. Satzgliedstellung im Deutschen

Hausarbeit 2008 20 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.0 Grundlegendes zur Topologie

2.0 Die Topologie des Mittelfelds
2.1 Syntaktische Funktionen im Mittelfeld

3.0 Die Satzgliedreihenfolge im Mittelfeld
3.1 Faktoren der Satzgliedfolge

4.0 Stellungsfaktoren in der IDS-Grammatik
4.1 Stellungsfolge der Komplemente

5.0 Fazit

6.0 Literaturverzeichnis

Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit beschäftige ich mich mit der Satzgliedstellung innerhalb des topologischen Mittelfelds, ausgehend von Sätzen in deutscher Sprache. Dazu gebe ich einführend eine kurze Übersicht zu den topologischen Feldern im Allgemeinen und beschreibe im Folgenden, was für syntaktischen Funktionen dem Mittelfeld vorbehalten sind und inwiefern sich bereits dort Einteilungsschwierigkeiten ergeben können.

Im direkten Anschluss an diese grundlegende Herangehensweise in den grammatikalischen Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich auf deskriptive Art und Weise der Fragestellung nachgehen, inwiefern die Satzgliedreihenfolge der im Mittelfeld auftretenden syntaktischen Funktionen bereits eindeutig festgelegt ist bzw. welche tendenziellen Faktoren sich hinsichtlich der Besetzung des Mittelfeldes in der von mir verwendeten Sekundärliteratur bisher gefunden lassen haben. Dieser Aspekt wird in der linguistischen Literatur nicht erst seit jüngster Zeit mit großer Aufmerksamkeit und regem Interesse, teilweise jedoch auch sehr uneinheitlich und insgesamt noch mit vielen ungeklärten und komplizierten Regelungen betrachtet. Denn gerade die Abfolgeregularität innerhalb des nicht selten reich besetzten Mittelfelds ist von jeweils verschiedenen sowohl grammatischen als auch pragmatischen Faktoren abhängig. Am ausführlichsten gehe ich dabei auf die Befunde der IDS-Grammatik zur Satzstellungsregelung der Komplemente innerhalb des Mittelfeldes ein, da diese Beschreibung sehr detailliert ausfällt.

Die Mehrzahl der jeweiligen Beispielsätze aus der von mir verwendeten Sekundärliteratur habe ich dabei nicht immer wortwörtlich übernommen, sondern mir in den meisten Fällen eigene, alternative Beispielsätze überlegt, um ein wenig Abwechslung ins Spiel zu bringen.

1.0 Grundlegendes zur Topologie

Das topologische Feld dient der Unterteilung von Sätzen in eine nacheinander geordnete Reihenfolge, die in der Fachsprache mit dem Begriff der linearen Abfolge bezeichnet wird. Diese Abfolge unterscheidet sich in erster Linie je nach Verbposition deutscher Sätze. Diese unterschiedlichen Verbpositionen werden dabei bestimmten Satztypen zugeordnet, nämlich dem Stirnsatz, Kernsatz und Spannsatz (vgl. Eisenberg 1999:384), deren jeweilige finite Verbposition beim Stirnsatz die Verb-Erststellung („ Kaufst du ein? “), beim Kernsatz die Verb-Zweitstellung ( „ Er kauft einen Hut. “) und beim Spannsatz die Verb-Letztstellung („ weil ich einkaufen gehe. “) darstellt.

Die topologischen Felder bestehen nun im Einzelnen der Reihe nach aus dem Vorfeld, der linken Satzklammer, dem Mittelfeld, der rechten Satzklammer und dem Nachfeld, wobei dies graphisch dargestellt dementsprechend auszusehen hat:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der Regel stehen wie anhand dieses Beispieles beschrieben das finite Verb in der linken Satzklammer, infinite Verben bzw. Partizipe und Verbzusätze in der rechten Satzklammer. Im Vorfeld steht üblicherweise nur eine einzige Konstituente und im Nachfeld meistens ein nachgestellter Nebensatz.

Die hier einzuteilenden Sätze bzw. Klammerstrukturen bestehen immer aus einem klammeröffnenden (linke Satzklammer/LSK) und gegebenenfalls einem klammerschließenden (rechte Satzklammer/RSK) Ausdruck. Ersterer ist in allen satzförmigen Strukturen realisiert und besteht fast immer nur aus einem Wort, während Letzterer nur bei Verb-End-Stellung obligatorisch ist und durchaus auch aus mehreren Wörtern bestehen kann (vgl. Altmann 2004:73). Altmann erwähnt hierbei allerdings auch, dass in diesem Fall nicht immer klar wird, ob ein Ausdruck zum Mittelfeld oder zum klammerschließenden Ausdruck gehört (vgl. Kapitel 2.1).

Auf diese kurze und lediglich der Vollständigkeit halber dargestellte Einführung zum System der topologischen Felder folgt nun im Anschluss mehr zu den Eigenschaften und Funktionen des Mittelfelds an sich.

2.0 Die Topologie des Mittelfelds

In der linguistischen Literatur wird das Mittelfeld auch als „Hauptfeld“, „Satzfeld“ oder „Nachfeld“ bezeichnet (vgl. Altmann 2004:98), wobei jedoch insbesondere die letzte Bezeichnung etwas verwirrend sein dürfte und ich daher weiterhin vom Begriff des „Mittelfelds“ Gebrauch machen werde.

Das Mittelfeld stellt nun das am häufigsten realisierte Stellungsfeld des Satzes dar, in dem die durchschnittlich meisten und verschiedenartigsten (nicht-verbalen) Elemente vorkommen, die sich zu einem großen Teil auch miteinander kombinieren lassen (vgl. Hoberg 1981:40). Die jeweilige Besetzung des Mittelfelds je nach vorhin beschriebenem Satztypus sähe demnach folgendermaßen aus:

Stirnsatz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Während bei Vorfeld, Nachfeld, LSK und RSK die Satzgliedfolgen relativ unproblematisch sind, da diese Felder meist nur von einer Konstituente besetzt werden, kann das Mittelfeld eine Vielzahl von Ergänzungen erhalten (vgl. Eisenberg 1999:395).

Das Mittelfeld ist in jedem Fall nur bei Verb-Endstellung obligatorisch, auch wenn es bei Meibauer (2002:125) heißt, dass es nie besetzt sein müsse. Bei Verb-Erststellung wie entsprechenden Imperativsätzen („ Geh! “) sowie bei Verb-Zweitstellung mit einwertigen Verben („ Ich arbeite. “) entfällt es hingegen (vgl. Altmann 2004:98). Die Elemente, welche im Mittelfeld vorkommen können, sind Subjekt, Dativ, Akkusativ, freie und gebundene Adverbialbestimmung, Genitivobjekt, Präpositionalobjekt und Prädikativ, wobei lediglich Letztere stark zum einheitlichen Stellungsverhalten tendieren - nämlich unmittelbar am Ende des Mittelfelds (vgl. Hoberg 1981:41) -, während die anderen Elemente je nach Satzart und Absicht des Sprechers in verschiedener Reihenfolge stehen können. Bevor wir auf diese zu sprechen kommen, sollen im Folgenden jedoch zunächst die im Mittelfeld auftretenden syntaktischen Funktionen einer näheren Betrachtung unterzogen werden.

2.1 Syntaktische Funktionen im Mittelfeld

Das Mittelfeld hat bei einer Verb-Endstellung immer eine vollständige Klammerrealisierung, wobei der klammeröffnende Teil (die linke Satzklammer) die linke Grenze bildet und der klammerschließende Teil (die rechte Satzklammer) die rechte Grenze. Hier folgt jedoch die erste Ausnahme. Wenn der klammeröffnende Ausdruck aus einem Relativpronomen wie beispielsweise „dem“ oder „welchen“ besteht, lassen die Trennungskriterien eine klare Entscheidung nicht zu. Ein Beispiel hierfür wäre der Satz („ Das Buch, das seit Jahren unangetastet im Regal steht.“) Es sind zwei Einteilung möglich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hier wird deutlich, dass das Relativpronomen sowohl als Klammerausdruck als auch als erster Mittelfeldausdruck einzustufen ist (vgl. Altmann 2004:98).

Bei Verb-Erststellung sowie Verb-Zweitstellung ist die linke Grenze stets eindeutig durch das klammeröffnende finite Verb in der linken Satzklammer gegeben, wobei die rechte Grenze entweder den klammerschließenden Ausdruck einleiten oder - bei einem Fehlen von Nachfeld, Extraposition oder Herausstellung - das Satzende darstellen (vgl. Altmann 2004:99).

Nun gibt es einige syntaktische Funktionen, die nur im Mittelfeld und sonst nirgendwo anders auftreten können. Dies ist insbesondere das Ergebnis des syntaktischen Wandels seit dem Althochdeutschen, bei dem es noch möglich war, Vor- und Nachfeld mit diesen mittlerweile mittelfeldobligatorischen Satzgliedern zu besetzen (vgl. Nübling 2006:94). Altmann spricht dabei von einer daraus resultierenden „Beschreibungsnotwendigkeit“ des Mittelfeldes und nennt folgende syntaktische Funktionen als mittelfeldabhängig (vgl. 2004:99):

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656974468
ISBN (Buch)
9783656974475
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v301311
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
Schlagworte
ordnung mittelfelds satzgliedstellung deutschen

Autor

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