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Welche Auswirkungen hat das Wissenschaftliche Bloggen auf die Digitale Kompetenz?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2015 45 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition von Digitaler Kompetenz, Wissenschaftliches Bloggen und Forschungsstand

3. Evaluation
3.1 Beschreibung des Evaluationsgegenstandes
3.2 Evaluationsziel und Konzeption

4. Methodisches Vorgehen
4.1 Untersuchungsdesign
4.2 Messinstrument
4.3 Stichprobenkonstruktion
4.4 Untersuchungsdurchführung
4.5 Datenanalyse

5. Ergebnisse
5.1 Stichprobenzusammensetzung
5.2 Ergebnisse zum Vorwissen und zur Häufigkeit des Wissenschaftlichen Bloggens
5.3 Ergebnisse der Hypothesentests
5.4 Weitere Befunde

6. Diskussion
6.1 Schlussfolgerungen und Empfehlungen für die Praxis
6.2 Kritische Reflexion des methodischen Vorgehens

Literaturquellen

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Digital Competence Framework. (Calvani et al., 2009, S. 542),

Abbildung 2 Moderation des Einflusses der Kommentarhäufigkeit auf die Ethische Dimension Zusammenarbeit durch die Altersgruppe

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Reliabilitätsstatistik der Skalen der ersten Version des Fragebogens im Pretest

Tabelle 2 Codebuch des Online-Fragebogens zur Umfrage Bloggen im M1 2015

Tabelle 3 Reliabilität der Skalen der zweiten Version des Fragebogens nach Itemlöschung

Tabelle 4 Test auf Normalverteilung (Shapiro-Wilk)

Tabelle 5 Kategorienschema zum Item Z001_0

Tabelle 6 Durchschnittliche Häufigkeit des Wissenschaftlichen Bloggens, aufgeteilt nach Grad des Vorwissens

Tabelle 7 Signifikante Korrelationen von Häufigkeit Bloggen mit Variablen der Skalen

Formale Anmerkungen zur verwendeten Sprache

In dieser Arbeit werden, soweit dies möglich und sinnvoll ist, geschlechtsneutrale Formulierungen verwendet. Bei Begriffen, wo dies nicht möglich ist, wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit die männliche Form benutzt. Auf die Bildung von Wortungetümen wie z. B. Teilnehmer/-innen, Teilnehmerinnen und Teilnehmer oder Teilnehmer*in- nen wird verzichtet. Sofern dies nicht ausdrücklich ausgeschlossen wird, sind grundsätzlich weibliche und männli- che Personen gemeint.

Zusammenfassung

Die vorliegende Evaluationsstudie beschäftigt sich mit der Frage, welchen Effekt das Wissenschaftliche Bloggen im Modul 1 des Masterstudienganges Bildung und Medien: eEducation an der FernUniversität Hagen auf die Digitale Kompetenz der Studierenden hat. Dabei wird der Zusammenhang zwischen der Häufigkeit des Bloggens und der Verbesserung der technologischen, kognitiven und ethischen Dimen- sion der Digitalen Kompetenz untersucht. Dazu wurde ein Online Fragebogen als Messinstrument ent- wickelt und auf der Basis der Ergebnisse bewertet. Die Evaluation wurde an 35 Studierenden durchge- führt, die das Modul seit dem Sommersemester 2014 absolvierten. Das Wissenschaftliche Bloggen hat zwar einen Einfluss auf die ethische Dimension der Digitalen Kompetenz, jedoch nicht auf die anderen Dimensionen. Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der geposteten Kommentare und dem kollaborativen Verhalten und der Zusammenarbeit der Studierenden, der vom Alter moderiert wird. Eine Überarbeitung des Messinstrumentes und weiterführende Untersuchungen werden jedoch emp- fohlen.

Schlüsselwörter: akademischer Blog, Blog, Digitale Kompetenz, Evaluation, Weblog

Abstract

The present evaluation study deals with the question of what effect the Scientific Blogging in Module 1 of the Master Degree Program Education and Media: eEducation at the University of Hagen on Digital literacy of students has. The relation between the frequency of blogging and the improvement of the technological, cognitive and ethical dimension of the digital competence is investigated. For this pur- pose, an online questionnaire was developed as a measuring instrument and evaluated on the basis of the results. The evaluation was conducted on 35 students who completed the module since the summer semester 2014. Although the Scientific Blogging has an influence on the ethical dimension of digital competence, but not on the other dimensions. There is a correlation between the frequency of comments posted and collaborative behavior and cooperation of students moderated by age. However, a revision of the in- strument and further examinations are recommended.

Keywords: academic blog, blog, digital competence, evaluation, weblog

1. Einleitung

Die EU-Kommission hat im Rahmen des europäischen Programms Lifelong Learning und angesichts der Digitalisierung bereits 2007 Schlüsselkompetenzen formuliert, die notwendig sind, um erfolgreich zu lernen. Eine Schlüsselkompetenz ist die Digitale Kompetenz.

Digital competence involves the confident and critical use of Information Society Technology (IST) for work, leisure and communication. It is underpinned by basic skills in ICT: the use of computers to retrieve, assess, store, produce, present and exchange information, and to communicate and participate in collaborative networks via the Internet. (EU-Kommission, 2007, S. 7)

Digitale Kompetenz entspricht demnach einem Potenzial, in konkreten Lernsituationen mit neuen Medien erfolgreich handeln zu können. Eine Verbesserung der Digitalen Kompetenz erscheint beispielsweise in einem Online-Studium von Vorteil, in dem Lerninhalte per Internet zur Verfügung gestellt und mittels technischer Medien kommuniziert wird sinnvoll. Ein solches Online Studium ist der Masterstudiengang Bildung und Medien: eEducation an der FernUniversität Hagen. Seit dem Sommersemester 2014 ist in diesem Studiengang Wissenschaftliches Bloggen eine Maß- nahme in der Lernumgebung des Moduls 1. Wissenschaftliches Bloggen wurde bereits seit eini- ger Zeit als neue Form der Kommunikation in der Lehre entdeckt (Luzón, 2011, S. 517). Neben der Steigerung ihrer Handlungskompetenz in Mediennutzung und Kommunikation sollen Studie- rende durch das Bloggen lernen, kompetent mit Informationen aus dem Internet umzugehen. Im Modulhandbuch der FernUniversität Hagen heißt es dazu: „In einem Weblog reflektiert der/die Studierende den Lehrstoff. Er/Sie erhält so Handlungskompetenz unter anderem im Rahmen der Nutzung des Internet als Informations- und Kommunikationsmittel“ (2014, S. 2). Ziel der Maß- nahme Bloggen ist es also, durch das aktive, handelnde Arbeiten mit dem Blog verschiedene Kompetenzbereiche zu verbessern, die sich innerhalb der Digitalen Kompetenz wiederfinden. Befunde, die eine Wirksamkeit von Lerntagebüchern für den selbstgesteuerten Wissenserwerb im deutschsprachigen Raum belegen, liegen zwar vor (Metz-Göckel, Kamphans, & Scholkmann, 2012, S. 222 f.), dennoch sind dauerhafte Evaluationen, die überprüfen, ob Maßnahmen die ge- steckten Ziele erreichen, notwendig für die Qualitätssicherung und Optimierung der Lehre. Des- halb soll in dieser Arbeit die Maßnahme Wissenschaftliches Bloggen im Modul 1 und ihre Effekte auf die Digitale Kompetenz evaluiert werden.

Zunächst wird das Konstrukt Digitale Kompetenz definiert, Wissenschaftliches Bloggen näher er- läutert und ein kurzer Überblick über den Forschungsstand gegeben. Nach einer kurzen Einfüh- rung in die Lehrevaluation und der Beschreibung des Evaluationsgegenstandes folgen Ziel und Konzeption der Evaluation. Danach werden das methodische Vorgehen und das Messinstrument vorgestellt. Anschließend werden die Ergebnisse der Untersuchung werden berichtet, diskutiert Definition von Digitaler Kompetenz, Wissenschaftliches Bloggen und Forschungsstand und Empfehlungen für die Praxis gegeben. Zuletzt wird die methodische Durchführung der Untersuchung reflektiert.

2. Definition von Digitaler Kompetenz, Wissenschaftliches Bloggen und Forschungsstand

Das komplexe Konstrukt Digitale Kompetenz besteht aus der Integration von Kompetenzen, Kön- nen und Kenntnissen, die in der heutigen digitalisierten Welt notwendig sind, um erfolgreich ler- nen zu können. In das Konstrukt mit eingeflossene Aspekte, wie ITC-Kenntnisse, digitale Bildung oder Informationskompetenz, haben jeweils begrenzte Definitionen, die sich oft ausschließlich auf Netzsicherheit und die Fähigkeit des Zugriffes und der Bewertung von Informationen im Inter- net beziehen (vgl. Ala-Mutka, 2011; Ferrari, 2012). Obwohl diese Komponenten im Umgang mit neuen Medien und dem Internet wichtig sind, beinhaltet Digitale Kompetenz mehr. Essentiell sind neben Informationskompetenz oder dem Wissen, wie digitale Werkzeuge und Technologie zu verwenden sind, vor Allem die Zusammenarbeit mit anderen. Nach Calvani, Ranieri und Fini (2009, S. 853) wird Digitale Kompetenz als die Fähigkeit verstanden, neue technologische Situ- ationen zu erkunden, zu analysieren und flexibel zu nutzen. Auch die Fähigkeit, Informationen gezielt auszuwählen, Strategien zur Auswahl und kritischen Bewertung dieser Informationen, so- wie soziale Interaktionen mittels Informations- und Kommunikationstechniken, die Zusammenar- beit mit anderen und die Förderung des Verantwortungsbewusstseins zählen dazu. Abbildung 1 zeigt, dass diese Definition drei Dimensionen beinhaltet: Die technologische, kognitive und ethi- sche Dimension. In dem Bereich, in dem sich diese drei Dimensionen überschneiden, bildet sich die Digitale Kompetenz aus, die das Verstehen und die autonome, kreative Nutzung des Poten- zials von vernetzten Technologien für effektive, kritische, reflexive, kollaborative und verantwor- tungsvolle Wissensbildung meint.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Digital Competence Framework. (Calvani et al., 2009, S. 854)

Reinmann und Bianco betrachten Knowledge Blogs als Indikatoren für Kompetenz und als Quelle für Kompetenzerleben (2008, S. 9). Blogger können neben ihren Fähigkeiten in der Bloggestal- tung über ihre Blogs gleichzeitig soziale Kompetenzen durch den Aufbau und die Aufrechterhal- tung von Kontakten erhöhen (Reinmann & Bianco, 2008, S. 10). Dabei sind Weblogs oder kurz Blogs dynamische Internetseite (Franz, 2006, S. 21), die vorrangig in Textform erscheinen und mehr oder weniger regelmäßig aktualisiert werden. Die Beiträge werden in umgedrehter chrono- logischer Reihenfolge aufgelistet und die Inhalte bzw. Blogs untereinander über Verlinkung per Trackback und Pingback und zu externen Quellen und Wissensressourcen vernetzt (Franz, 2006, S. 21). Ein wissenschaftlicher Blog behandelt wissenschaftliche Themen, die von einem Blogger mit akademischem Hintergrund geführt werden und dient der Informationsverbreitung und dem Austausch mit Fachkollegen (Luzón, 2011, S. 518 f.). Die Befundlage zu den Effekten des Blog- gens auf diverse Kompetenzen ist widersprüchlich. Autoren, die Effekte des Bloggens im Lehr- kontext auf Kompetenzen untersuchten, berichten, dass Bloggen die Reflexions-und Teamkom- petenz nur marginal fördert (Gebhardt & Jenert 2011, S. 291 f.). In einer Lernumgebung verbes- sert Bloggen zwar das Engagement, die Lerneffekte waren jedoch gemischt (Novakovich & Long, 2013, S. 239). Je mehr Kommentare Studierende erhielten, desto geringer waren laut den Auto- ren Erfolg und Publikationsrate. Es scheint für das Lernen wichtiger zu sein, Kommentare zu geben, statt zu erhalten. Ismail (2009, S. 178 f.) betont ebenfalls die Relevanz der Kommentare und zeigt auf, dass das Bloggen kollaboratives Lernen über den Austausch und die kritische Be- wertung der Informationen fördert. Woo und Reves (2007, S. 15 ff.) fanden heraus, dass Bloggen in der Lehre nur dann kritisches Denken fördert, wenn im Blog ein geeignetes Thema mit gut erreichbaren Informationsquellen behandelt wird. Ohne Unterstützung ist ein Informationskom- petenztraining ein notwendiger Faktor für die Effektivität des Lernens durch Blogs. Blogs können im Sinne eines konstruktivistischen Lernangebotes als Social Software zur aktiven Aneignung von Wissen und der Förderung von Handlungskompetenz genutzt werden, zudem kann bloggen zur Kollaboration unter den Studierenden, zum Wissensaustausch und zu Diskussionen beitra- gen (Wang, Fix, & Book, 2005, S. 3194). Ob Wissenschaftliches Bloggen zu einer Verbesserung der Digitalen Kompetenz führt, ist bisher also nur in einzelnen Aspekten, die das Konstrukt Digi- tale Kompetenz darstellen, untersucht worden.

3. Evaluation

Metz-Göckel et al. (2012, S. 216) geben in ihrem Überblick über die hochschuldidaktische For- schung zur Lehrqualität und Lernwirksamkeit an, dass der Kompetenzerwerb nach dem Perspek- tivwechsel der Lehre auf die Lernfortschritte von Studierenden als Indikator für die Qualität der Lehre gilt. Eine Evaluation ist ein unterstützendes Element zur Qualitätsfeststellung und dient auch dazu, Impulse zur Verbesserung zu geben (Braun & Vervecken, 2009, S. 48). „Unter Eva- luation wird die systematische Analyse und empirische Untersuchung von Konzepten, Bedingun- gen, Prozessen und Wirkungen zielgerichteter Aktivitäten zum Zweck ihrer Bewertung und Modi- fikation verstanden“ (Rindermann, 2003, S. 233). In dieser Arbeit werden die Effekte des Wissen- schaftlichen Bloggens auf die Digitale Kompetenz intern evaluiert. Eine kompetenzorientierte Evaluation über eine Befragung der Studierenden selbst bringt laut Metz-Göckel et al. (2009, S. 220) negativere Ergebnisse, weil Studierende ihre eigenen Lernzuwächse geringer einschätzen. Rindermann (2003, S. 237) gibt zusätzlich zu bedenken, dass bei studentischen Evaluationen oft die Urteilskompetenz von Studierenden bezweifelt wird. Obwohl ein völliger Ausschluss von Störvariablen nicht möglich ist, kann nach Rindermann (2003, S. 238 f.) bei studentischen Evaluationen aber durchaus von einer validen Bewertung gesprochen werden. Bei der hier vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine summative und formative Evaluation, die über fundierte Informationen Wirkungsbeurteilung vornehmen und praxisbezogene Empfehlungen geben soll (Rindermann, 2003, S. 233 f.). Neben der Möglichkeit, auf der Grundlage der Ergebnisse die Durchführung der Maßnahme zu optimieren, kann eine Entscheidung getroffen werden, ob Wissenschaftliches Bloggen in dieser Form beibehalten werden soll.

3.1 Beschreibung des Evaluationsgegenstandes

Gegenstand der vorliegenden Evaluationsstudie ist das Wissenschaftliche Bloggen im Modul 1 des Masterstudienganges Bildung und Medien: eEducation, in dem den Studierenden seit dem Sommersemester 2014 die Aufgabe gestellt wird, in der Lernumgebung von Mahara, die Portfoliofunktionen mit sozialen Netzwerkfunktionen verbindet, wissenschaftlich zu Bloggen. Die Aufgabe beinhaltet das Verfassen von mehr als zwei Blogbeiträgen und Kommentaren zu den Kernthesen einer individuell ausgewählten Studie.

3.2 Evaluationsziel und Konzeption

Das Ziel dieser Evaluationsstudie ist es, den Effekt des Wissenschaftlichen Bloggens im Modul M1 auf die Digitale Kompetenz der Studierenden zu untersuchen. Aus den Erkenntnissen können gegebenenfalls Verbesserungsmaßnahmen abgeleitet werden. Zu diesem Zweck wurde ein On- line-Fragebogen entwickelt, der Digitale Kompetenz über die Dimensionen Technologische, Kog- nitive und Ethische Dimension erhebt. Außerdem wurden qualitative Daten in Form einer offenen Frage erhoben. Die Zielgruppe dieser Untersuchung sind Studierende des Moduls M1 seit dem Sommersemester 2014. Aus der Konzeption resultiert folgende Forschungsfrage: Welchen Ef- fekt hat Wissenschaftliches Bloggen im Modul M1 auf die wahrgenommene Digitale Kom- petenz der Studierenden?

Aus den genannten theoretischen Überlegungen zu den Dimensionen der Digitalen Kompetenz, dem Forschungsstand und auf der Grundlage von Selbst- bzw. Verhaltensbeobachtungen während des Wissenschaftlichen Bloggens wurden folgende Hypothesen abgeleitet:

H1 Je häufiger ein Studierender wissenschaftlich bloggt, desto höher ist seine wahrgenommene technologische Digitale Kompetenz.

H2: Je mehr Blogbeiträge ein Studierender postet, desto höher ist seine wahrgenommene kognitive Digitale Kompetenz.

H3: Je mehr Kommentare ein Studierender postet, desto höher ist seine wahrgenommene ethische Digitale Kompetenz.

4. Methodisches Vorgehen

4.1 Untersuchungsdesign

Folgende Rahmenbedingungen wurden im Vorfeld der Untersuchung festgelegt:

- Evaluiert werden sollten Studierende der FernUniversität Hagen, die das Modul M1 seit dem Sommersemester 2014 belegt hatten. Grund hierfür war eine Umstrukturierung des Moduls zum Sommersemester 2014. Erst ab diesem Zeitpunkt war Wissenschaftliches Bloggen in dieser Form Teil der zu bearbeitenden Modulaufgaben.
- Die Untersuchung sollte als One-Shot Querschnittsstudie durchgeführt werden, wobei die Datenerhebung per Online-Fragebogen im Februar im Rahmen der Bearbeitungszeit der Hausarbeit erfolgen sollte.
- Das eingesetzte Befragungsinstrument sollte in Anlehnung an das theoretische Konstrukt Digitale Kompetenz von Calvani et al. (2009) und die Standards der American Library Association (ACRL, 2000) entwickelt werden, weil es für den Geltungsbereich Wissen- schaftliches Bloggen bisher kein standardisiertes Messinstrument gibt.

4.2 Messinstrument

Das Messinstrument wurde in zwei Schritten erarbeitet. Da Kompetenzen nicht direkt überprüfbar sind, mussten sie aus der Anwendung konkreter Fähigkeiten geschlossen werden. Im ersten Schritt wurde deshalb nach rationalen Gesichtspunkten Items als Indikatoren entwickelt, von de- nen angenommen wurde, dass sie das Konstrukt Digitale Kompetenz mit den drei latenten Di- mensionen abbilden könnten. Dabei wurde für die Formulierung der Items, die die Kognitive Di- mension operationalisieren sollten, auf die Standards der American Library Association (ACRL, 2000, S. 8 ff.) zurückgegriffen. Die Items der anderen Dimensionen wurden angelehnt an die Dimensionsdefinitionen von Ferrari, Brečko und Punie (2013, S. 11 ff.) formuliert. Zusätzlich wur- den Items entwickelt, um das Vorwissen der Probanden zu ermitteln und auf diese Weise neben der wahrgenommenen Veränderung der studentischen Fähigkeiten die Effekte des Bloggens auf die Technologische Dimension der Digitalen Kompetenz messen zu können. Um den Effekt des Wissenschaftlichen Bloggens im Modul M1 zu erfassen, wurde mit Hilfe der Umfrage Software SoSci Survey (Programm-Version 2.5.00-i) ein Online Fragebogen erstellt und die Verständlich- keit der Items an einer kleinen Stichprobe (N = 10) erprobt. Da nicht alle Teilnehmer am Pretest den kompletten Fragebogen ausfüllten, standen für eine Reliabilitätsberechnung der entwickelten Skalen zum Teil sehr wenige Daten zur Verfügung. Die Reliabilitätsanalyse der Skalen der ersten Version des Fragebogens ist im Anhang A in der Tabelle 1 zu sehen und ergab überwiegend akzeptable bis gute Werte. Einzige Ausnahme war die Skala Technologische Dimension Mahara, deren niedriger Wert (α = .421) aus der negativen Korrelation des Items T103_01 resultierte. Der Grund dafür wurde in der fehlenden Diskriminierung von dichotomen Variablen und der sehr klei- nen Stichprobe (N = 4) vermutet. Trotzdem wurde das Item in den endgültigen Fragebogen über- nommen, weil davon ausgegangen wurde, dass erst bei einer genügend großen Stichprobe be- lastbare Daten für eine Faktorenanalyse und nochmalige Reliabilitätsanalyse zur Verfügung ste- hen würden. Im zweiten Schritt wurde der Fragebogen überarbeitet. Inhaltlich nicht eindeutige Items wurden auf der Basis der Anmerkungen, die beim Pre-test mit erhoben wurden, umformu- liert, damit sie dem Evaluationsgegenstand besser entsprachen und die Objektivität erhöht wurde. Die Reliabilität kann auch durch Verlängerung eines Tests verbessert werden, weil mit der Länge des Tests die Messgenauigkeit steigt (Cronbach, 1951, S. 328), deshalb wurden aufgrund von theoretischen Überlegungen zur jeweiligen Dimension zusätzliche neue Items wiederum an- gelehnt an Ferrari, Brečko und Punie (2013, S. 11 ff.) und die ACRL Standards (2000) entwickelt.

Der 13 seitige Fragebogen (Anhang B) beginnt mit einem kurzen, einleitenden Text, der erklärt, womit sich die Evaluationsstudie beschäftigt, und versichert, dass alle Angaben vertraulich und anonym behandelt werden. Der Hinweis auf die Anonymität sollte sicherstellen, dass möglichst keine sozial erwünschten Antworten gegeben wurden. Danach folgt eine Seite mit der Kontroll- abfrage, ob das Modul seit dem Sommersemester 2014 belegt worden war. Falls ein Untersu- chungsteilnehmer hier die Antwort nein eingeben würde, endete die Umfrage an dieser Stelle. Anschließend folgten Angaben zu den demografischen Daten Geschlecht und Alter (offene Text- eingabe). Danach wurde das technologische Vorwissen mit drei Skalen abgefragt. Die erste Skala Vorwissen Blog Gestaltung mit fünf Items und einer fünfstufige Häufigkeitsskala (Rohrmann, 1978, S. 231) mit den Ausprägungen sehr selten, selten, gelegentlich, oft, sehr oft und der zu- sätzlichen Antwortmöglichkeit nie, die zweite Skala Vorwissen Blog Rechtliches mit drei Items und einer dichotomen Skala mit den Antwortmöglichkeiten ja und nein und die dritte Skala Vor- wissen Web 2.0 mit acht Items und einer vierstufige Häufigkeitsskala mit den Ausprägungen < ein- mal im Monat, monatlich, wöchentlich, täglich und der zusätzlichen Antwortmöglichkeit nie. Da- nach wurde die Häufigkeit der Blogbeiträge und Kommentare mit je fünf Kategorien (keinen, 1-2, 3-4, 5-6 > 6) abgefragt. Die drei Skalen zur Technologische Dimension hatten für Wesen zwei Items mit einer fünfstufigen Häufigkeitsskala (Rohrmann, 1978, S. 231) (nie, selten, gelegentlich, oft, immer), für Mahara fünf Items mit Mehrfachantwortmöglichkeit und für Lerneffekt 12 Items mit einer fünfstufigen Bewertungsskala (Rohrmann, 1978, S. 231) (Trifft gar nicht zu, Trifft eher zu, Unentschieden, Trifft eher zu, Trifft voll zu) und der zusätzlichen Antwortmöglichkeit habe ich vor- her schon gemacht. Grund dafür war, diese Daten als Kontrollmöglichkeit für die Übereinstim- mung der Angaben zum Vorwissen einzusetzen. Die Skala Kognitive Dimension Lernerfolg bein- haltete 17 Items und die erste Skala Ethische Dimension Zusammenarbeit 13 Items, beide hatten eine fünfstufigen Bewertungsskala (Trifft gar nicht zu, Trifft eher nicht zu, Unentschieden, Trifft eher zu, Trifft voll zu). Die Skalierung wurde gewählt, weil sie sich nach Rohrmann (1978, S. 222) für Selbstbeurteilungsmessungen eignet. Die zweite Skala Ethische Dimension Feedback be- stand aus vier Items (Rating-Skala mit einer Spannweite von 1 für nie bis 101 für immer). Am Ende hatten die Probanden die Möglichkeit, mit einem Item in Form von Freitext ihre Anmerkun- gen zur Befragung oder Verbesserungsvorschläge abzugeben. Auf der letzten Seite wurde für die Teilnahme an der Studie kurz gedankt.

4.3 Stichprobenkonstruktion

Abgeleitet aus den Rahmenvorgaben wurden Studierende im Modul 1 des Masterstudienganges Bildung und Medien eEducation der FernUniversität Hagen für die Evaluation des wissenschaft- lichen Bloggens gewählt. Angestrebt wurde eine möglichst hohe Zahl der Teilnehmer am Modul 1 im Wintersemester 2014/2015 und eine möglichst hohe Beteiligung von Studierenden, die im Sommersemester 2014 das Modul 1 belegt hatten.

4.4 Untersuchungsdurchführung

Die Datenerhebung fand vom 15.02.2015 bis 27.02.2015 im Rahmen einer Online Umfrage mit Hilfe des mit der Umfrage Software SoSci Survey (Programm-Version 2.5.00-i) erstellten Frage- bogens statt. Hierzu wurde am 15.02.2015 der Link zur Umfrage in den Moodle Lernumgebungen des Modul 1 und Modul 2, den Mahara Lerngruppenforen zum Modul 1 und Modul 2, dem Moodle Forum Pretests und Umfragen des Studierendencafés Master Bildung und Medien - eEducation und den Facebook Lerngruppen M1 bis M4 gepostet und um Teilnahme bei der Untersuchung gebeten. Am 18.02.2015 wurde nochmals in diesen Threads um Beteiligung an der Umfrage ge- beten. Grund für die Ortswahl der Veröffentlichung des Links war die Überlegung, so möglichst viele Studierende zu erreichen, die zur Zielgruppe gehörten. Zusätzlich wurden alle Teilnehmer des Moduls 1 im Wintersemester 2014/2015 am 21.02.2015 über die Moodle Teilnehmerliste per E-Mail angeschrieben. Da die genaue Anzahl der aktiven Teilnehmer nicht bekannt war, kann keine Aussage zur prozentualen Beteiligung an der Umfrage gemacht werden. Am 27.02.2015 wurde die Umfrage beendet und die erhobenen Daten heruntergeladen.

4.5 Datenanalyse

Die Erhebungsdaten wurden im SPSS Format ausgegeben und mit Hilfe der Statistik Software IBM SPSS Statistics (Version 22) analysiert (IBM, 1989, 2013). Die Eingabe der Daten erfolgte über die Importfunktion von SPSS. Die Kodierung der jeweiligen Items mit den Werten, die den Antwortmöglichkeiten zugeordnet wurden, ist im Codebuch im Anhang C in der Tabelle 2 doku- mentiert. Die Daten wurden auf Vollständigkeit kontrolliert und bereinigt. Offensichtlich unrichtige Daten wurden als invalide kodiert. Fehlende Daten wurden entweder als nicht beantwortet ko- diert, damit es bei den analytischen Verfahren zu keinen verfälschten Ergebnissen kam, oder als leeres Feld aus den erhobenen Daten übernommen. Anschließend wurden die notwendigen Re- kodierungen durchgeführt. Die Variable D201 wurde kategorial transformiert in die Variable D201a (1 = bis 30, 2 = 30 bis 50, 3 = älter als 50). Aus den ordinalskalierten Häufigkeiten der Blogbeiträge und Kommentare wurde die additive Variable Häufigkeit des wissenschaftlichen Bloggens (H003) berechnet. Um das Messinstrument nach dem Ende der Datenerhebung nochmals zu bewerten, wurde eine weitere Reliabilitätsanalyse durchgeführt (siehe Tabelle 3). In der Skala Vorwissen Blog Rechtliches konnte durch Löschung des Items V003_03 eine Reliabilität von α = .662 er- reicht werden. Für die Skala Technologische Dimension Mahara errechnete sich ein Cronbach's Alpha von .388. Da auch nach Löschung des negativ korrelierten Items T103_01 kein akzeptabler Wert erreicht worden wäre, wurde die Skala nicht mit in die Datenanalyse übernommen. Durch Entfernen des Items K002_14 stieg der Reliabilitätswert in der Skala Kognitive Dimension Lern- erfolg auf .981. Die Verwendung eines gedrehten Items (E202_12) in der Skala Ethische Dimen- sion Zusammenarbeit hatte den Zweck, die Teilnehmer zu mehr Nachdenken bei der Beantwor- tung des Fragebogens zu animieren und eine generelle Neigung zu Zustimmung / Ablehnung zu nivellieren, wodurch das Konstrukt besser gemessen werden sollte. Allerdings haben gedrehte Items in einer Skala den Effekt, dass die Korrelation zwischen den Items etwas geringer ausfällt, weshalb vor der Reliabilitätsberechnung dieses Item umcodiert (E202_12p) und damit wieder umgepolt wurde. Auch in dieser Skala konnte durch Löschung von drei Items (E102_12p, E102_13, E102_03) ein höherer Reliabilitätswert erreicht werden.

Tabelle 3 Reliabilität der Skalen der zweiten Version des Fragebogens nach Itemlöschung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Alle in der weiteren Analyse verbliebenen Items lagen in einem Trennschärfebereich zwischen rit =.42 und rit =.96. Die Schwierigkeit variierte von 11.00 bis 49.25, was zwar zu unterschiedlichen Verteilungen führt, wodurch aber auch eine bessere Differenzierung im unteren und oberen Merk- malsbereich erreicht wird. Eine Faktorenanalyse (Extraktionsmethode Hauptkomponentenana- lyse, Rotationsmethode Varimax-Rotation mit Kaiser Normalisierung) zur Überprüfung der Di- mensionalität zeigte, dass die Items der Skalen Vorwissen Web 2.0 auf zwei, Technologische Dimension Lerneffekt auf drei und Ethische Dimension Zusammenarbeit auf zwei Faktoren hoch laden. Ein Grund dafür kann die unterschiedliche Schwierigkeit der Items sein (Cronbach, 1951, S. 326 f.). Für die weitere Analyse der Skalen wurde jedoch von Eindimensionalität ausgegangen. Da die Stichprobe für alle Skalen größer als 30 war, wurden normalverteilte Daten angenommen. Eine Überprüfung dieser Annahme mit dem Shapiro-Wilk Test (bei Stichproben < 50) ergab je- doch außer für das Alter keine Normalverteilung (siehe Anhang D Tabelle 4). Deshalb wurde für die weitere Analyse auf nichtparametrische Verfahren zurückgegriffen. Zur Überprüfung der Hy- pothesen wurden aus den in den Skalen nach der Reliabilitätsanalyse verbliebenen Variablen Mittelwert-Indices berechnet. Die offene Frage wurde transkribiert und nach der Methode der Grounded Theory (Strauss & Corbin, 1996, S. 54 f.) kodiert und ausgewertet. Dazu wurde ein Begriffssystem entwickelt, das die Ergebnisse der offenen Fragen mit potentiell passenden abs- trakten Begriffen kategorisierte (siehe Tabelle 5) und eine Zuordnung der Textinhalte erlaubte.

Tabelle 5 Kategorienschema zum Item Z001_0

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5. Ergebnisse

5.1 Stichprobenzusammensetzung

Die Stichprobe setzte sich aus 35 Teilnehmern zusammen. Hierbei handelte es sich um 29 weib- liche (82.86 %) und sechs männliche (17.14 %) Studierende des Masterstudienganges Bildung und Medien: eEducation an der FernUniversität Hagen. Im Durchschnitt waren die Teilnehmer 37.35 Jahre alt (SD = 10.79, nmin = 24, nmax = 59).

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Details

Seiten
45
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783956875588
ISBN (Buch)
9783668004511
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v301289
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Institut für Pädagogik
Note
1,0
Schlagworte
blogs kompetenz evaluation effektes wissenschaftlichen bloggens digitale

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