Lade Inhalt...

Gesundheitliche Folgen von Cybermobbing für Opfer und Täter. Das Beispiel aus dem Film "Homevideo"

Hausarbeit 2013 19 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und HSintergrund zum Thema der Hausarbeit
1.1 Definition Cybermobbing
1.2 Arten des Cybermobbings

2 Auswahlkriterien des Täters

3 Die Opfer-Täter

4 Folgen
4.1 Opfer
4.2 Täter
4.3 Weitere Beteiligte

5 Maßnahmen
5.1 Präventions- / Interventionsmaßnahmen für Betroffene und Eltern
5.2 Handlungsansätze von Lehrkräften und Sozialarbeiter/innen

6 Fazit

7 Anhang

8 Quellenverzeichnis

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung und HSintergrund zum Thema der Hausarbeit

In der vorliegenden Hausarbeit befasse ich mich mit dem Thema Cybermobbing bei Jugendlichen.1 Mein Hintergrund zum Thema dieser Hausarbeit ist der Film „Homevideo“. In diesem Film geht es um einen 15- jährigen verschlossenen, sensiblen Jungen. Der Junge heißt Jakob und er leidet sehr unter der Trennung seiner Eltern. Er steckt gerade mitten in der Pubertät und verliebt sich in ein Mädchen aus seiner Schule. Noch bevor es zu einer Liebesgeschichte wird, stellen Mitschüler ein selbstgedrehtes, peinliches Video von Jakob gegen seinen Willen ins Netzwerk. Er wird von seinen Mitschülern vor allem im Internet gemobbt und gehänselt, zusätzlich erhält er täglich Hassbotschaften. Jakob hält die ganzen Attacken nicht mehr aus und begeht Selbstmord. Dieser Film zeigt, welche dramatischen Folgen Cybermobbing für einen Jugendlichen haben kann.2 Führt die Ignoranz der Eltern in diesem Fall zum Tot eines so jungen Menschen? Diese Fragestellung lässt sich schwer beantwortet. Wichtig ist, dass frühzeitig präventive Ansätze von allen Beteiligten durchgeführt werden sollten, um solche Folgen zu vermeiden. Ich möchte mit meiner Hausarbeit ein Thema ansprechen, dass zunehmende Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erhält. Oft wird dabei übersehen, dass nicht der Schulalltag, sondern Gewalt des Mobbings den Lebensalltag der Jugendlichen füllt. Häufig wird Mobbing nicht richtig erkannt und dadurch bleiben die Attacken des Täters unbemerkt. Auch den Eltern ist der Leidensdruck ihrer Kinder oft nicht bewusst, sowie im Beispiel des gemobbten Jakob. Diese Probleme in Mobbing- Prozessen werde ich in meiner Hausarbeit weiter ausführen.

Meine Arbeit beschäftigt sich mit den Folgen von Cybermobbing. Die Fragestellung dazu lautet, „Inwieweit hat Cybermobbing bei Jugendlichen gesundheitliche Folgeschäden?“. Im ersten Gliederungspunkt befasse ich mich mit den Definitionen und den verschiedenen Arten von Cybermobbing. Im zweiten Teil gehe ich auf die Auswahlkriterien des Täters ein, sowohl auf das Alter, das Geschlecht, den Migrationshintergrund und die Schulform. Im dritten Gliederungspunkt wird die Opfer- Täter Beziehung näher erläutert. Eine kurze Definition wird angeschnitten. Als Themenschwerpunkt schildere ich die Folgen von Cybermobbing. Im Einzelnen werde ich auf die nicht medizinischen Folgen, die psychischen Schäden und die psychosomatischen Folgeschäden eingehen. Weiterhin werden die Folgen von Tätern und die von weiteren Beteiligten beschrieben.

Zum Schluss werden ich die Präventions- und Interventionsmaßnahmen von Betroffenen und Eltern näher erläutert und auf die Handlungsansätze von Lehrkräften und Sozialarbeitern eingehen. Der Aspekt der Sozialen Arbeit wird im letzten Gliederungspunkt näher beschrieben.

1.1 Definition Cybermobbing

„Cybermobbing ist ein aggressives Verhalten einer oder mehrerer Personen gegenüber einer anderen Person. Dabei liegt eine Schädigungsabsicht vor, das Verhalten findet wiederholt statt, und der Betroffene kann sich nur schwer wehren. Bei Cybermobbing werden Personen mittels moderner Kommunikationsmedien beleidigt, bedroht, bloßgestellt oder belästigt.“3 Studien geben an, dass Cybermobbing bzw. Cyberbullying bei mehrmaliger Ausführung gravierende Folgen hat. Das Selbstwertgefühl des Betroffenen wird verletzt und die Opfer fühlen sich nutzlos und überflüssig. Cybermobbing kann jederzeit stattfinden und in Bereiche eindringen, die vorher als sicher und persönlich galten. Die Betroffenen fühlen sich hilflos und wissen nicht wie sie mit der Situation umgehen sollen. Sie isolieren sich immer mehr und ihr Selbstvertrauen sinkt. Die Anonymität der Täter löst Verunsicherung aus. Dadurch haben die Täter freie Entfaltungsmöglichkeiten auf das Opfer. Sie schränken das Leben des Opfers auf ein Minimum ein und stigmatisieren es vollkommen. Die Betroffenen sind für den Täter jederzeit erreichbar und haben keine Schutzmöglichkeit. Sie sind sehr verletzlich und haben keine Privatsphäre mehr, da der Täter rund um die Uhr angreifen kann.4 Cybermobbing fängt meist mit „harmlosen“ Hänseleien auf dem Schulhof an und endet Zuhause im Privatleben der Opfer. Von daher ist es keinesfalls ein Problem das sich nur im Privatleben abspielt.5 Was für Auswirkungen diese Art von Schikane haben kann, wird im Folgenden und im Film „Homevideo“ sehr deutlich.6

1.2 Arten des Cybermobbings

Es lassen sich verschiedene Erscheinungsformen von Cybermobbing abgrenzen. In meiner Hausarbeit werde ich acht Formen näher erläutern. Zum einen das „Flamming“, bei dieser Art handelt es sich um „flammende“ Beleidigungen, Beschimpfungen und Pöbeleien in den öffentlichen Bereichen des Netzwerkes. Es kommt zu einem Streit zwischen Gleichstarken indem vulgäre Ausdrücke genannt werden. Die verbalen Attacken nehmen Bezug auf die ethnische Herkunft (z. B. Kurden oder Türken) und auf das Profilbild im Netzwerk. Beim „Cyber- Stalking“ handelt es sich meist um ein hohes Drohpotenzial durch ein gewisses Ausmaß an Intimität. Die Täter sind den Opfern fast immer bekannt. Dies ist ein gutes Beispiel für Nachstellungen, Verfolgungen, Drohungen und verbale sexuelle Attacken im Netzwerk. Es werden Gerüchte und Peinlichkeiten über eine verbreitet mittels Fotos, Handyfilmen und Verunglimpfungen. Diese Form des Mobbings nennt sich „Denigration“. Denigration wird oft angewandt um Freundschaften und Beziehungen zu zerstören.7 Beim „Happy Slapping“ wird eine Person geschlagen und ein „Komplize“ filmt alles und stellt es ins Netzwerk. Es gibt unzählige Videos im Internet von schwerer Schikane unter Klassen- oder Schulkameraden.8

Die Täter haben immer einen Mitläufer, der sie bei der Tat unterstützt. Die Mitläufer nehmen mit einer untergeordneten Rolle am Geschehen teil und sie suchen durch diese Aktionen oftmals soziale Kontakte. Sie handeln nicht aus innerer Überzeugung, sondern begehen die Tat um Zugehörigkeit zu erhalten. Auch die Zuschauer spielen eine Rolle beim „Happy Slapping“. Sie greifen nicht ein, sondern schauen einfach zu. Hier besteht häufig die Angst selbst ein Opfer zu werden. Andere Gründe können aber auch Desinteresse oder mangelnde Zivilcourage sein.9 Bei der Art des „Harassment“ handelt es sich um zielgerichtete, wiederkehrende Nachrichten durch unbekannte Nutzer. Das Opfer wird belästigt und beobachtet. Meist sind Mädchen betroffen, die im Netz freizügige Profilbilder erstellen und damit auf sich aufmerksam machen. Die Art der „Impersonation“ wird genutzt, um eine falsche Identität herzustellen. Die Täter stellen sich als eine andere Person dar. Das Passwort des Opfers wird genutzt, um durch unangemessenes Verhalten dem Ansehen der Person zu schaden. Es werden z.B. Freundschaften sabotiert oder Profilbilder mit falscher Indentität erstellt. Das „Outing and Trickery“ wird häufig genutzt, um peinliche Geheimnisse einer ehemals vertrauten Person zu verbreiten. Es wird als Bloßstellung und Betrügerei deklariert. Es werden z.B. Videos oder private Dinge aus einer Ex-Beziehung ins Netzwerk gestellt, um den Partner zu schaden. Diese Form von Mobbing wurde auch bei dem 15- jährigen Jakob im Film „Homevideo“ durchgeführt.10 An diesem Beispiel wird sehr deutlich, dass die Form des „Outings and Trickery“ sehr ernst genommen werden sollte. Harmlose Peinlichkeiten führen im Fall „Jakob“ zum Tod eines jungen Menschen. Die letzte Erscheinungsform ist das „Cyberthreats“. In diesem Fall wird direkte oder indirekte angekündigt, dass jemand verletzt oder ihm etwas Böswilliges angetan wird.

Ob es sich im Einzelnen immer um Cybermobbing handelt, ist genau zu prüfen. Entscheidend ist letztlich, welche Auswirkungen die Handlungen auf die Betroffenen haben und wie man so eine Tat im Vorfeld hätte verhindern können. 11

2 Auswahlkriterien des Täters

Zum einen gibt es die passiven Opfer, diese sind körperlich eher schwach und haben oft ein vermindertes Selbstwertgefühl. Diese Personen werden als sehr vulnerabel bezeichnet, sie sind sehr sensibel und verletzlich.12 Dann gibt es die provozierenden Opfer, diese sind sehr ängstlich und aggressiv. Sie sind leicht reizbar und mögen es im Mittelpunkt zu stehen.13

Auswahlkriterien nach dem Geschlecht

Mädchen werden oft durch Textnachrichten und Telefonanrufe Opfer von Mobbing. Jungen über Websites oder „Photoshopping“. In der Häufigkeit gibt es auch Unterschiede. Jungen sind regelmäßiger Täter und Opfer von Cybermobbing.14

Mädchen suchen sich gleichstarke Mädchen als Opfer aus und die Jungen suchen sich meist schwächere männliche Opfer.15 Laut einer Statistik der Hochschule in Berlin sind meist Mädchen Opfer von Cybermobbing. Jedes dritte Mädchen hat in ihrem Freundeskreis bereits Erfahrungen mit Cybermobbing gemacht (siehe Anhang).

Auswahlkriterien nach dem Alter

Es wurde rausgefunden, dass es in der Altersspanne zwischen 25 und 54 Jahren annähernd gleiche Mobbing- Häufigkeiten gegeben hat (zwischen 2,2 und 2,6%). Bei den über 55- jährigen sind die Mobbing- Attacken mit 2,9 % häufiger. Am stärksten wird Mobbing bei den unter 25- jährigen nachgewiesen, mit 3,7 %.16 Am häufigsten treten Cybermobbing- Erfahrungen bei 14 bis 17-jährigen auf. Somit besteht zwischen dem Geschlecht, Alter und Bildungsgrad eine gewisse Abhängigkeit (siehe Anhang).

Auswahlkriterium nach dem Migrationshintergrund

Auch Menschen mit Migrationshintergrund sind nicht befreit von den Mobbing- Attacken eines Täters. Laut einer Tagung der Lehrergewerkschaft GEW in Berlin kommt es häufig zwischen Migranten und nicht Migranten zu Mobbing an Schulen. Das ist abhängig von der Anzahl der Schüler an der jeweiligen Schule. Die Bevölkerung, die am meisten vertreten ist, stellt sich gegen die andere Bevölkerung.17

Auswahlkriterium nach der Schulform

Auch bei den Auswahlkriterien an den verschiedenen Schulformen gibt es Unterschiede. Laut der Statistik der Hochschule in Berlin gibt es am Gymnasium die wenigsten Mobbingfälle. An der Hauptschule und der Realschule ist deutlich steigernde nonverbale Gewaltbereitschaft zu sehen (siehe Anhang). Der häufigste Auslöser ist an den Haupt- und Realschulen die Langeweile der Schüler. Andere Auslöser können auch Angst, Unzufriedenheit und Bedrohungen sein.18

3 Die Opfer-Täter

Mit dem Begriff „Opfer- Täter“ wird die häufige Abfolge des Geschehens im Mobbing- Prozess signalisiert. Es beschreibt den Fall, dass ein Opfer einer Mobbingtat, sich selbst zum Mobbing Täter entwickelt. Diese Reihenfolge ist nicht immer festzulegen. Meist sucht sich eine Gruppe einen Jugendlichen aus, um ihn zu hänseln. Das Verhalten geht so lange, bis ein anderer in die Situation des Mobbing- Opfers gerät. Die Situation verändert sich meist, wenn ein vorerst Täter dem Opfer zur Hilfe kommen möchte. Danach befindet sich der Täter in der Opfer- Rolle. Mehrmals sind die Handlungen eher spontan und ungeordnet. Die Beziehung zwischen dem Opfer- Täter steht im Zusammenhang mit der Gruppe der provozierenden Opfer. Der Leidtragende findet immer weniger Unterstützung und Zuwendung, aber auch die Täter werden durch ihre Rolle ausgegrenzt. Beide Parteien werden aufgrund ihrer Opferrolle und dem Täterstatus gemieden. Das Mobbing dient dem Täter als Ventilfunktion und soll Ausdruck seiner Frustration und Aggression sein. Der Täter kann z.B. in einer Klassengemeinschaft direktes Opfer von Mobbing sein. Dadurch das er mitten im Unterricht den Geschädigten schikaniert und eine Strafe von den Lehrkräften erhält.19 „Kinder und Jugendliche, die sowohl Opfer als auch Täter sind, zeichnen sich durch eine größere Impulsivität in ihren Handlungen sowie einen Wechsel zwischen passiver Opferrolle und aggressiven Taten aus.“20 Bei Mobbing- Opfern fällt sehr stark auf, dass sie ein erhöhtes Potenzial für Rachegedanken haben. Besonders bei männlichen Opfern ist die Prägung durch eine Gewalttat zu schädigen häufiger. Bei weiblichen Opfern sind die Rachegedanken auch vorhanden, jedoch phantasieren sie sehr selten Gewalttaten nach. Sehr oft werden die Gewaltphasen aus einer Situation des sozialen Rückzugs geäußert. Die Betroffenen denken oft nach und sind von großer Unruhe und Unzufriedenheit getrieben. In diesem Moment werden die Opfer oft zum Täter, sie können dem Druck des „nichts Wert sein“ nicht mehr aushalten und wollen ausbrechen.

Immer wieder werden frühere Opfer ganz schnell Täter, z. B. bei Amokläufen an Schulen. Dieses sind schwere psychische Störungen und sie sollten durch frühes einsetzen von Präventionsmaßnahmen verhindert werden.21

[...]


1 (Aufgrund der besseren Lesbarkeit verwende ich vorwiegend die männliche Sprachform).

2 (Vgl. Rundfunk Berlin-Brandenburg ARD Mediathek 2011).

3 (Schultze- Krumholz u. a. 2012, S. 12).

4 (Vgl. Schultze- Krumholz u. a. 2012, S. 11- 12).

5 (Vgl. Jannan 2010, S. 38- 39).

6 (Vgl. Rundfunk Berlin-Brandenburg ARD Mediathek 2011).

7 (Vgl. Dambach 2011, S. 16).

8 (Vgl. Schultze- Krumholz/Zagorscak/Siebenbrock 2012, S. 13).

9 (Vgl. Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest o. J. ).

10 (Vgl. Rundfunk Berlin-Brandenburg ARD Mediathek 2011).

11 (Vgl. Grimm/Rhein/Clausen- Muradian 2008, S 229/ S. 253).

12 (Vgl. Dudenverlag o. J.).

13 (Vgl. Jannan 2010, S. 36- 37).

14 (Vgl. Schultze- Krumbholz/Zagorscak/Siebenbrock 2012, S. 15).

15 (Vgl. Teuschel/Heuschen 2013, S. 84).

16 (Vgl. Teuschel/Heuschen 2013, S. 56- 57).

17 (Vgl. BZ Online Ein Online-Service der B.Z. Ullstein GmbH o. J.).

18 (Vgl. Jannan 2010, S. 23).

19 (Vgl. Teuschel/Heuschen 2013, S. 128- 130).

20 (Teuschel/Heuschen 2013, S. 131).

21 (Vgl. Teuschel 2010, S. 214- 217).

Details

Seiten
19
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656974505
ISBN (Buch)
9783656974512
Dateigröße
740 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v301107
Institution / Hochschule
Hochschule Hannover
Note
1,3
Schlagworte
gesundheitliche folgen cybermobbing opfer täter beispiel film homevideo
Zurück

Titel: Gesundheitliche Folgen von Cybermobbing für Opfer und Täter. Das Beispiel aus dem Film "Homevideo"