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Die Gründung und die Entwicklung der Stadt Massalia bis 49 v. Chr.

Hausarbeit 2011 11 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Die Mutterstadt Phokaia

3. Der westliche Mittelmeerraum

4. Die Gründung Massalias

5. Politik und Ökonomie

6. Weitere Entwicklung bis 49 v. Chr.

7. Resümee

8. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Die Hochzeit der griechischen Kolonisation begann etwa um 800 v. Chr. und erstreckte sich von Spanien, über Italien und Nordafrika, bis an die Schwarzmeerküste. Die Region des westlichen Mittelmeerraumes wurde als letzte kolonisiert und die Haupttätigkeit hierbei lag bei der kleinasiatischen Stadt Phokaia. Die Phokaier waren auch für die Gründung Massalias an der Rhônemündung verantwortlich. Phokaia war zwar eine sehr wohlhabende, prosperierende Stadt, hatte jedoch nur sehr begrenzte Möglichkeiten zum Getreideanbau. Man könnte also vermuten, dass Phokaia bestrebt eine oder mehrere Kolonien zu gründen um die eigene Getreideversorgung sicherzustellen. Massalia wurde jedoch an einem Ort gegründet, an dem der Getreideanbau ebenfalls nicht sonderlich ertragreich war. Es stellt sich also die Frage, aus welchen Gründen eine Stadt mit solchen Schwierigkeiten eine Kolonie gründet an einer Stelle, die sich mit denselben Problemen befassen muss.

Außerdem ist die Frage zu beantworten, wie Massalia in der Region bestehen und zu solchem Reichtum kommen konnte. Es lag umgeben von feindlich gesinnten Völkern und Reichen. Da waren die Phönikier, die Konkurrenten um die Handelsrouten nach Tartessos, die Karthager und Etrusker, die im Bündnis die Phokaier zwangen ihre Kolonie auf Korsika aufzugeben. Und unmittelbar neben Massalia lebten aggressive keltische Stämme.

Um diese Fragen zu beantworten, wird diese Arbeit zunächst die Stadt Phokaia, sowie den westlichen Mittelmeerraum vorstellen. Desweiteren wird der Gründungsakt Massalias beschrieben und die ökonomische und politische Situation analysiert und beschrieben, bis Massalia 49. V. Chr. letztlich von den Römern erobert wird.

Grundsätzlich ist noch anzumerken, dass sich die Quellenlage äußerst schwierig darstellt. Es gibt keinen Massalioten selbst, der über die Geschichte seiner Stadt geschrieben hat. Die einzigen literarischen Quellen, die zur Verfügung stehen, wurden erst wieder nach 350 v. Chr. verfasst.

2. Die Mutterstadt Phokaia

Phokaia, das heutige Foça in der Türkei wurde im 9. vorchristlichen Jahrhundert von ionischen Griechen aus Teos und Erythrai gegründet und lag ca. 70 km nordwestlich von Smyrna entfernt. Aufgrund seiner Topographie war der Anbau von Getreide äußerst schwierig und so war Phokaia von Beginn an eine maritime Stadt. Sie tat sich besonders im Bereich der Piraterie hervor, wobei dies in jener Zeit nicht unüblich war. Diese Tradition wurde folglich auch in die Tochtergründungen Phokaias mit übernommen, insbesondere nach Alalia auf Korsika. Die Stadt Phokaia war äußerst prosperierend und wurde schon bald in den Panionion aufgenommen. Phokaia war bekannt für die Herstellung von purpurner Farbe sowie für seine Münzen, welche bis in die Zeit Alexanders die „Leitwährung“ in der Region bleiben sollten. Schon bald begann man Kolonien zu gründen, so z.B. Lampsacus oder Amisus am schwarzen Meer. Ebenfalls waren die Phokaier an der Gründung Naukratis´ in Ägypten beteiligt.[1]

Die ungünstigen Bedingungen bezüglich der Nahrungsmittelproduktion machten die Stadt abhängig vom Handel, der dementsprechend eine sehr wichtige Rolle für Phokaia einnahm. Hierbei sind besonders die Handelsbeziehungen mit Tartessos im Süden der Iberischen Halbinsel hervorzuheben. Dies war ein Grund zur Etablierung verschiedener Kolonien im Gebiet des westlichen Mittelmeeres. Einige hiervon waren Nikaia, Antipolis, Alalia und nicht zuletzt Massalia. Ein anderer Grund war die Tatsache, dass es einfach keinen alternativen freien Platz gab, da die Gründung der phokäischen Kolonien nach der Hochzeit der griechischen Kolonisation stattgefunden hatte.[2]

Im Jahre 546 v. Chr. wurde Phokaia von den Persern unter Harpagos erobert, woraufhin die Bevölkerung in ihre eigene Kolonie Alalia auswanderte. Danach konnte die Stadt nie wieder weder militärische noch wirtschaftliche Macht erreichen und so schickte sie zur Schlacht bei Lade 494 v. Chr. nur drei (!) Schiffe. Im Jahre 132 v. Chr. beteiligte man sich unter Aristonikos am Aufstand gegen Rom und konnte der Zerstörung nur durch die Intervention ihrer Tochterstadt Massalia entgehen.[3]

3. Der westliche Mittelmeerraum

Das Gebiet des westlichen Mittelmeerraums war vor Ankunft der Griechen keineswegs unbewohnt. Vielmehr gab es seit der jüngeren Steinzeit auf Korsika, in Ligurien, in der Provence und im Languedoc einige menschliche Siedlungen, welche sich in der Bronzezeit zu städtischen Zentren konzentrierten. Diese verfügten bereits im 2. Jahrtausend v. Chr. über weitreichende Handelsbeziehungen und hatten im heutigen Cagnes-sur-mer einen eigenen Hafen.[4] Für die Griechen waren besonders die reichen Metallvorkommen der Iberischen Halbinsel interessant. So wurde schon seit Beginn des 2. Jahrtausends v. Chr. in der Nähe des heutigen Lissabon Kupfer geschmolzen und gegen Keramikwerkzeuge aus dem Nahen Osten getauscht. Allerdings war dies nicht nur für die Griechen ein lohnendes Geschäft sondern auch für die Phöniker, welche bereits im 12. Jhd. v. Chr. auf der Insel vor dem heutigen Cadiz eine Kolonie gründeten. Gegen Ende des 8. Jhd. v. Chr. entstand im Süden des heutigen Spanien ein autochthones Reich, welches aus griechischen Texten als „Tartessos“ bekannt ist, was so viel wie „Land der Schmelzgruben“ bedeutet. Obwohl sich der Import von Kupfer in der Folge hauptsächlich auf Zypern verlagerte, waren nun auf der Iberischen Halbinsel insbesondere Edelmetalle, Eisen und v.a. Zinn von Bedeutung. Der Grund hierfür lag hauptsächlich in der neuen Methode, Waffen und Werkzeuge aus Stahl herzustellen. Zu diesem Zeitpunkt befand sich der westliche Mittelmeerraum fest in phönikischer Hand. Die einzige Route zu den Handelsplätzen Tartessos´ führte aufgrund der Meeresströmungen und Winden von der westlichsten griechischen Kolonie in Nordafrika, Euhesperides, durch die Straße von Messina, an der italienischen Westküste entlang, nach Korsika und von dort an die französischen Südküste.[5] Möglicherweise existierte auch eine Handelsroute über die Rhône, die Saône und die Seine zu den britischen Zinninseln. In beiden Fällen führten die Handelswege an der späteren Stelle Massalias vorbei. Dementsprechend bot sich hier an der Mündung der Rhône die Etablierung einer Kolonie zu deren Sicherung an.[6] In der Region, in der später Massalia gegründet werden sollte, lebten seit ca. 750 v. Chr. keltische Stämme. Die Kelten in der Region Südfrankreichs wurden in der griechischen Literatur stets als „Ligurer“ bezeichnet. Die Kelten lassen sich in verschiedene Stämme einteilen, die unter der Führung eines Fürsten lebten. Der im Gebiet Massalias ansässige Stamm waren die Salyer. Die Kelten jener Zeit lebten in sog. Oppida, kleine stadtähnliche Siedlungen, welche oft nur 10 km aus einander lagen. Den intensivsten Kontakt hatten die Massalioten zu den Oppida Entremont, Ensérune und Nages.[7]

[...]


[1] Hodge, Alfred Trevor: Ancient Greek France, London 1998, S. 7-9.

[2] Morel, Jean-Paul: Phocaean Colonisation, in: Tsetskhladze, Gocha R. (Hgg.): Greek Colonisation. An Account of Greek Colonies and other Settlements Overseas, Leiden; Boston 2006, Band 1, S.359–360.

[3] Hodge, 1998, S.8-9.

[4] Faure, Paul: Die griechische Welt im Zeitalter der Kolonisation, Stuttgart 1981, S.232-234.

[5] Kruta, Venceslas: The Greek and Celtic Worlds: a Meeting of two Cultures, in: Carratelli, Giovanni Pugliese: The western Greeks, Mailand 1996, S. 585.

[6] Langlotz, Ernst: Die kulturelle und künstlerische Hellenisierung der Küsten des Mittelmeeres durch die Stadt Phokaia, Köln; Opladen 1966, S.15.

[7] Hodge, 1998 S.194-197.

Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656974529
ISBN (Buch)
9783656974536
Dateigröße
455 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300993
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
1,3
Schlagworte
gründung entwicklung stadt massalia

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