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Bildung und Erziehung in einer modernen Gesellschaft. Überlegungen von Émile Durkheim

Hausarbeit 2015 16 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Leben und Werk Émile Durkheims

3 Erziehung und Gesellschaft im Kontext Durkheims
3.1 Merkmale der modernen Gesellschaft
3.1.1 Menschenbild
3.1.2 Solidarität
3.1.3 Arbeitsteilung
3.2 Erziehung und Bildung

4 Anforderungen
4.1 Anforderungen an Pädagoginnen und Pädagogen
4.2 Anforderungen an Staat
4.3 Anforderungen an Individuen

5 Schluss/Ausblick

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem französischen Soziologen Émile Durkheim und seinen Ideen über die Bildung, bzw. Erziehung. Durkheim gilt heute, im 21. Jahrhundert als Vorreiter der modernen Soziologie und weiterhin als Begründer des Sozialisationsbegriffes (vgl. Koller 2009, S. 118). Er sprach erstmals von der Soziologie als eigenständige Geisteswissenschaft und weiterhin war er einer der ersten, der die Erziehungswissenschaft als eigenen Bereich ansah und nicht, wie es vor ihm in der Regel der Fall war, im Bereich der Psychologie (vgl. Durkheim 1972, S.73). Es ist unübersehbar, welchen Dienst Durkheim der heutigen Pädagogik und Soziologie leistete. In seinem Werk über die Arbeitsteilung, welches im Folgenden behandelt wird, stellt er Überlegungen über die Strukturierung höherer Gesellschaften und zusammenhängende Folgen für die Individuen dar. Ziel dieser Arbeit ist es, herauszuarbeiten, welche Erziehung, bzw. Bildung nach Émile Durkheim einer modernen Gesellschaft angemessen sei und welche Anforderungen er an diese stellt.

Um einen kurzen Eindruck von der Person und den zeitgeschichtlichen Hintergründen seines Lebens zu erhalten, betrachtet die vorliegende Arbeit zunächst das Leben und Werk Durkheims. Hier wird ein kurzer Einblick in seine Biographie gegeben und die wichtigsten Werke, bezüglich der Fragestellung dieser Hausarbeit, gewürdigt. Anschließend werden die Begriffe Erziehung und Gesellschaft im Kontext Durkheims sowie ihrer Beziehung zu einander erläutert. Einen besonderen Fokus wird auf die Merkmale einer modernen Gesellschaft nach Durkheim gelegt. Dieses Kapitel beinhaltet nähere Erläuterungen zu seinem Menschenbild, seinem Begriff der Solidarität sowie seine Ausführungen der Arbeitsteilung. Weiterhin werden seine Überlegungen über die Definition der Erziehung dargestellt und der Begriff Bildung eingeführt. Um auf die Fragestellung dieser Arbeit zurück zu kommen, werden im vierten Kapitel Durkheims Anforderungen an die Bildung dargelegt und verschiedene Ebenen, an welche sich seine Anforderungen explizit richten herausgearbeitet. Abschließend erfolgen eine Zusammenfassung sowie eine Zusammenstellung offen gebliebener Fragen.

2 Leben und Werk Émile Durkheims

Zu Beginn wird diese Hausarbeit einen kurzen Einblick in das Leben und Werk Émile Durkheims geben, um eine Übersicht über seine Person sowie eine Einordnung seiner Werke zu bieten. Um nicht den Rahmen dieser Arbeit zu sprengen, konzentriert sie sich auf einige Werke, welche im Kontext der Fragestellung relevant sind.

Émile Durkheim wurde im April 1858 in der französischen Region Lothringen in Épinal geboren. Mit 21 Jahren startet er sein Studium für das Lehramt an Gymnasien in Paris und später wird er Professor für Philosophie an Gymnasien in Saint-Quentin und Troyes, nach einem einjährigen Studienaufenthalt in Deutschland kehrt er nach Frankreich zurück, um dort an der Universität in Bordeaux sozialwissenschaftliche Kurse zu geben. Zu dieser Zeit veröffentlich er sein Werk „De la division du travail social“[1] (1893). Nach seiner Habilitation im Jahre 1892 bekommt er den ersten Lehrstuhl für Sozialwissenschaft in Frankreich und lehrt anschließend an der Sorbonne in Paris auch Pädagogik und Soziologie, in welchen Fächern er einen, eigens für Durkheim eingerichteten, Lehrstuhl erhält. Nach seinem Tod werden weitere, hier relevante, Schriften herausgegeben. Unter anderem „Education et Sociologie“[2] (1922) und „L’éducation morale“[3] (1925), welche Mitschriften seiner Vorlesungen in Pädagogik und Soziologie sind.

Wichtige Aspekte, welchen Durkheim große Bedeutung zugesteht, sind unter anderem, die institutionelle Etablierung der Soziologie und die Verbindung der Bereiche Soziologie und Pädagogik. Er sieht die Soziologie als Möglichkeit Probleme gesellschaftlicher und erziehungswissenschaftlicher Natur zu erklären sowie Lösungen für diese zu finden. Nach Durkheim sei die Erziehung eine hauptsächlich soziale Angelegenheit und es gebe keine bessere, als die soziologische Sichtweise, um ebendiesen erziehungswissenschaftlichen Tatbeständen auf den Grund zu gehen (vgl. Durkheim 1972, S. 73).

3 Erziehung und Gesellschaft im Kontext Durkheims

In diesem Kapitel wird das Thema Bildung in der modernen Gesellschaft, nach der Definition Durkheims, behandelt. Dazu konzentriert sich diese Arbeit zunächst auf die Merkmale der sogenannten modernen Gesellschaft, unter anderem wird der Fokus auf Durkheims Begriff der Solidarität gelegt, damit anschließend auf Durkheims Anforderungen an das Bildungssystem einer solchen Gesellschaft eingegangen werden kann.

3.1 Merkmale der modernen Gesellschaft

Im Folgenden beschäftigt sich diese Hausarbeit mit den Merkmalen der modernen Gesellschaft nach Durkheim. Einen besonderen Bezug nimmt sie auf Durkheims Menschenbild, auf seine ausgearbeiteten Formen der mechanischen sowie organischen Solidarität und auf seine Überlegungen über die soziale Arbeitsteilung.

3.1.1 Menschenbild

Aufgrund der engen Verbindung von Durkheims Menschenbild mit seiner Auffassung der Gesellschaft wird diese in der vorliegenden Arbeit erläutert. Durkheim sieht in den Menschen zwei „Seinswesen“ (Durkheim 1972, S. 30). Zum einen das individuelle Sein, welches sich auf die eigenen Wünsche und Triebe konzentriere und zum anderen das soziale Sein, welches auf das Gesamtwohl bedacht sei und überindividuelle Ziele anstrebe (vgl. May 1985, S.73). Dieses letztere Sein zu erschaffen, sei nach Durkheim das Ziel der Erziehung. Hier wird Durkheims Menschenbild deutlich. Er nimmt an, dass der Mensch von Natur aus nicht gesellschaftsfähig sei und dass er nur durch die Erziehung überhaupt erst richtig zum Menschen werde. Ohne dieses soziale Sein, sei der Mensch, nach Durkheims Auffassung, bloß ein Tier, welches ausschließlich nach seinen Instinkten lebe (vgl. Durkheim 1972, S. 32) Die schöpferische Rolle der Erziehung, welche Durkheim ihr zuschreibt, und des Weiteren welche Rolle sie seiner Auffassung nach in der Gesellschaft spielt, wird hier zu dem deutlich.

3.1.2 Solidarität

Durkheim unterscheidet zwischen primitiven, bzw. niederen und modernen, bzw. höheren Gesellschaften (Durkheim, 1977, S.174). Erstere sind, seiner Auffassung nach, Gesellschaften, in welchen noch keine Arbeitsteilung stattgefunden habe. Sie seien klein und überschaubar und das soziale Leben sei durch ein sogenanntes „religiöses Kollektivbewusstsein“ (a.a.O., S.121) geregelt. Die Hauptaufgabe der Menschen in diesen primitiven Gesellschaften sei, das Assimilieren an die Mitmenschen, um den „Kollektivtypus“ aufrecht zu erhalten (a.a.O. S. 444). Dieses Kollektivbewusstsein halte die Gesellschaft, nach Durkheim zusammen. Es beinhalte religiöse Traditionen und einen bestimmten Verhaltenskodex, nachdem sich die Gesellschaft zu halten habe (vgl. Müller, 1992, S.52). So entsteht die sogenannte „Mechanische Solidarität oder Solidarität aus Ähnlichkeiten“ (Durkheim, 1977, S. 111). Um ebendiese mechanische Solidarität aufrecht zu erhalten, muss die Gesellschaft einen bestimmten Grad an Homogenität aufweisen und aus, untereinander ähnlichen, Segmenten bestehen, welche, wie oben genannt, dieses Kollektivbewusstsein teilen.

Gerade dies sei das Problem der „höheren, modernen“ Gesellschaften, welche demzufolge Gesellschaften seien, in denen sich die Menschen individualisiert und, ökonomisch gesehen, spezialisiert haben, so dass sich der Grad der Homogenität zwischen den Menschen minimiert habe (vgl. a.a.O., S.178). Diese bestehen nicht, wie die niederen Gesellschaften, aus ähnlichen Segmenten, welche Durkheim mit den „Ringen eines Ringelwurms“ (a.a.O. S.216) vergleicht, sondern die einzelnen Individuen seien Teil eines Systems, in welchem jedes eine eigene Rolle und Aufgabe habe. Ebendiese Funktion ordnet jedem Individuum einen Platz in der Gesellschaft zu (vgl. a.a.O. S. 223). In den höheren Gesellschaften sei die Aufgabe der Individuen nicht die Assimilation, sondern, wie oben genannt, den eigenen Platz im System zu finden und seine Rolle auszuüben (vgl. a.a.O. S.444).

Das Kollektivbewusstsein beinhalte nicht mehr bestimmte Glaubens- und Verhaltensvorstellungen kleiner Gesellschaften, sondern beschränke sich auf den Moralkodex, welcher alle Menschen einer Nation verbinde (vgl. Müller, 1992, S.52). Durkheim vergleicht dies mit Einzellern, welche so unterschiedlich seien, dass es unmöglich sei, sie in Gruppen einzuteilen aber dennoch haben sie alle gemeinsam, dass sie aus einer homogenen Masse bestehen (vgl. Durkheim, 1977, S. 177). Dies hat zur Folge, dass eine neue Solidarität gebraucht werde, welche das gesellschaftliche Leben durch Regeln und, wenn nötig Sanktionen arrangieren.

[...]


[1] Vollständiger Titel: “De la division du travail social: Etude sur l’organisation des sociétés superiéures“ Deutscher Titel: „Über soziale Arbeitsteilung: Studie über die Organisation höhere Gesellschaften“ (2004)

[2] Deutscher Titel: „Erziehung und Soziologie“ (1972)

[3] Deutscher Titel: „Erziehung, Moral und Gesellschaft: Vorlesung an der Sorbonne (1902/1903)“ (1984)

Details

Seiten
16
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656976660
ISBN (Buch)
9783656976677
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300969
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Erziehungs- und Bildungswissenschaften
Note
0,67
Schlagworte
Emile Durkheim Bildungssoziologie Arbeitsteilung Soziologie Pädagogik Bildungssystem

Autor

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