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Im Durcheinander der "Liebesblödigkeit". Polyamorie bei Wilhelm Genazino

Masterarbeit 2014 60 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Von der Monogamie zur Polyamorie
2.1 Vormoderne Liebeskonzepte: Die Entwicklung der Mononormativität
2.2 Moderne Liebeskonzepte: Autonomie bei der Partnerwahl
2.2.1 Die Entwicklung der Liebesheirat
2.2.2 Individualisierung und Liebe
2.2.3 Das Ideal der romantischen Liebe
2.2.4 Das Dilemma der romantischen Liebe
2.2.5 Kritik an Mononormativität
2.3 Postmoderne Liebeskonzepte: Autonomie der Liebe
2.3.1 Pluralisierung der Beziehungsformen
2.3.2 Die Reine Beziehung und Partnerschaftliche Liebe
2.3.3 Polyamorie: Mehrere Partner lieben

3. Polyamorie in „Die Liebesblödigkeit“ (2005) von Wilhelm Genazino
3.1 „Die Liebesblödigkeit“ (2005) von Wilhelm Genazino
3.2 Romantische Liebe und partnerschaftliche Liebe in „Die Liebesblödigkeit“
3.3 Monogamie in „Die Liebesblödigkeit“
3.4 Individualität und Individuation in „Die Liebesblödigkeit“
3.5 Polyamorie in „Die Liebesblödigkeit“

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ich wünsche allen Männern zwei Frauen und allen Frauen zwei Männer, wenigstens phasenweise [...].1

Wilhelm Genazinos 52-jähriger Protagonist in seinem dramatisch-komischen Roman „Die Liebesblödigkeit“ (2005) liebt zwei Frauen, die nicht voneinander wissen. Die Frage, ob er sich lieber von Sandra oder von Judith trennen sollte, führt den schwarzmalerischen Apokalypse-Spezialisten in ein heilloses Durcheinander der Liebesblödigkeit. Beide Frauen haben Vor- und Nachteile, die er mit minuziöser Sorgfalt gegeneinander abwägt, um eine Entscheidung zu treffen. Aber warum sollte er überhaupt eine Entscheidung treffen? Ist die romantische Liebe zwischen zwei Menschen nicht bloß ein kulturell herbeigeführter Zwang genährt aus Literatur und Film?2 Und ist der Mensch aus biologischer Sicht nicht auch in der Lage mehrere Menschen zu lieben?

Die Masterarbeit mit dem Titel „Im Durcheinander der ‚Liebesblödigkeit’. Polyamorie bei Wilhelm Genazino“ möchte der Frage nachgehen, wie das Liebeskonzept der Polyamorie in Wilhelm Genazinos Roman „Die Liebesblödigkeit“ beschrieben wird. Es wird darin von der Schwierigkeit berichtet, Liebe zu definieren und von dem Versuch, diese in eine Schublade zu stecken. Zudem ist zu erwarten, dass Genazinos Roman die gesellschaftlichen Zwänge widerspiegelt, unter denen die Partnerwahl erfolgt. Das Liebesideal der heterosexuellen Paarbeziehung stellt Genazinos Helden zunächst vor die Herausforderung, eine Frau zu wählen, bevor er schließlich erkennt, dass „die Frage, ob [er] eine oder zwei Frauen [liebt], belanglos geworden“ (L 202) ist.

Polyamorie3 ist ein „Beziehungskonzept, das es ermöglicht, sexuelle und/oder Liebesbeziehungen mit mehreren PartnerInnen gleichzeitig einzugehen.“4 Diesem wird zunehmend eine große mediale Aufmerksamkeit zuteil. Filme wie das Dreiecksdrama „Drei“ (2010) von Tom Tykwer oder der kürzlich erschienene Film „Die geliebten Schwestern“ (2014), welcher Friedrich Schillers Ménage à trois mit den Lengenfeld-Schwestern aufgreift, sowie verschiedene TV-Dokumentationen bedienen sich dieser Thematik. Auch im Internet finden sich immer mehr Einträge, die zur Verbreitung des Begriffs Polyamorie beitragen. Dennoch sind polyamoröse Liebesentwürfe bisher nur wenig wissenschaftlich untersucht worden.5 Insbesondere auf die Darstellung polyamoröser Beziehungsmodelle in der Literatur wird bisher kaum eingegangen. Diese Forschungslücke versucht die vorliegende Arbeit zu schließen.

Liebe ist das menschliche Gefühl, über das am meisten geschrieben wird und ist ferner ein zentrales, wenn nicht sogar das bedeutendste, Thema in der Literatur. Darüber hinaus bombardieren die Massenmedien, sei es Film, Fernsehen, Printmedien oder Populärmusik die Rezipienten mit der Gewissheit, dass wir nur ein erfülltes Leben haben, wenn wir lieben oder zumindest nach Liebe streben. Romantische Liebe als Massenidee, mit ihren Komponenten Eheschließung und Familiengründung, gehört zu einem Normalverständnis der modernen Biographie dazu.6 Obwohl aus naturwissenschaftlicher, neurowissenschaftlicher, philoso­phischer oder soziologischer Sicht erforscht, weiß niemand so genau, was Liebe eigentlich ist und wie sie zu sein hat. Liebesentwürfe haben sich in der Geschichte stetig verändert. Während im Mittelalter die höfische Liebe, also die Unterwerfung unter eine Dame unerreichbaren Standes, und später die standesgemäße Eheschließung idealisiert wird, stellt in der Epoche der Romantik die Liebesheirat den Inbegriff des menschlichen Miteinanders dar. Liebe wird im romantischen Verständnis „zum höchsten Selbstzweck und orientiert sich nicht (mehr) an objektivierbaren Kriterien wie Tugend, Schönheit oder Reichtum, sondern richtet sich auf ein Ich und ein Du.“7 Friedrich Schlegel, der Begründer des Romantikbegriffs, beschreibt in seinem Roman „Lucinde“ (1799) ein solches Liebesideal. Paradigmatisch werden die Merkmale des neuen Liebesideals aufgezeigt.8

Es gibt verschiedenste Liebesbeziehungen: die romantische Liebe, die Liebe zu den Eltern, Kindern, Geschwistern oder Freunden sowie die christliche Liebe. Doch nur die romantische Liebe schließt im Gegensatz zu allen anderen Liebesbeziehungen Sexualität zumeist mit ein.9 Die Romantische Liebe wird verstanden als „innerer Zustand (Gefühl) der machtvollen Zugeneigtheit [...], der nur vom Liebenden selbst wahrgenommen werden kann.“10 Darüber hinaus wird zwischen Liebe und Verliebtheit unterschieden. Ersteres stellt die dauerhafte, beständige Liebe dar, während letzteres „den quasi-ekstatischen, symbiotisch und religiös erlebten Gefühlsdrang nach Außeralltäglichkeit“11 beschreibt.

Mit dem Modernisierungsprozess im 18. Jahrhundert, von der „alten“ Welt, die sich auf religiöse, gemeinschaftliche Werte sowie staatliche Ordnung stützt, hin zur „neuen“ funktional ausdifferenzierten Gesellschaft, „avanciert Liebe [so Gerrit Hoche,] [...] zu einem zentralen Sinn- und Identifikationsangebot für das selbstreflexive Bewusstsein des modernen Individuums.“12 In „Liebe als Passion“ (1982) beschreibt Niklas Luhmann die zwischen-menschliche Liebe als „symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium“13, welches die unwahrscheinlich gewordene Kommunikation zwischen modernen Individuen ermöglichen soll. Günter Burkhart bestimmt auf Grundlage dessen:

Liebe entsteht und wächst, wenn zwei (moderne) Individuen einander sich in ihrer Einzigartigkeit bestärken, indem der jeweils andere zu einem wichtigen Bestandteil der individuellen Weltsicht des einen wird.14

Die romantische Liebe verspricht, laut Holger Herma, außerdem „Ganzheit bzw. Totalität des eigenen Selbst, also einen sozialen Ort, das Selbst als ‚echt‘ bzw. als ‚authentisch‘ zu erleben.“15

Neuere Ansätze sehen dagegen in der romantischen Liebe die Gefahr für das Individuum. Feministinnen, zum Beispiel, beurteilen die romantische Liebe als eine der grundsätzlichen Ursachen für das gespaltene Verhältnis zwischen Mann und Frau, welche überdies Frauen dazu bringt, sich den Männern zu unterwerfen und sich selbst aufzugeben.16 Sie sehen in der Liebe den Ausgangspunkt für die gesellschaftliche Macht des Mannes. Eva Illouz führt daran anknüpfend an, dass die „romantische Liebe die Segregation nach Klasse und Geschlecht [verschleiere]“17 und, dass „Macht der grundlegende Baustein von Liebes- und anderen sozialen Beziehungen“18 ist. Darüber hinaus geht Illouz davon aus, dass selbst Liebeskummer in der modernen Welt zu einem kollektiven Problem geworden ist. Während Liebesschmerzen in vormodernen Zeiten mit sich selbst vereinbart worden sind, tragen moderne Individuen ihr Leid nach außen.19 Außerdem versteht Illouz unter romantischer Liebe „eine kollektive Arena, in der die sozialen Teilungen und kulturellen Widersprüche des Kapitalismus ausgetragen werden“20 und meint damit, dass der Konsumkapitalismus längst Einzug in die menschliche Gefühlswelt gehalten hat.

Nichtsdestotrotz besteht die einheitliche Vorstellung der romantischen Liebe darin, dass diese nur mit einem einzigen Menschen möglich ist.21 Monoamorie wird als Selbst­verständlichkeit wahrgenommen und polyamoröse Liebesbeziehungen mit Unverbindlichkeit und Unbeständigkeit gleichgesetzt.22 Aber es geht, wie Jönsson und Maresch erklären, „um Liebe und den Wunsch, trotz Liebe man selbst bleiben zu können oder gar zu werden.“23 Die Bezeichnung Polyamorie setzt sich zusammen aus dem griechischen poly (viele) und dem lateinischen amor (Liebe) und bedeutet mehrere Lieben24, während Polygamie das Eingehen mehrerer Ehen bezeichnet. Genauso verhält es sich mit den Begriffen Monoamorie und Monogamie. Ersteres bezeichnet das Lieben einer einzigen Person und Monogamie die Einehe, die vor allem in der westlichen Welt die Normalität darstellt. Heutzutage bezieht sich der Begriff der Monogamie in der Alltagssprache jedoch auch auf unverheiratete Paare.25 Es geht darüber hinaus bei Polyamorie nicht um Sexualität, sondern um Liebe, was das Konzept von der Bewegung der freien Liebe der 68er und der Polygamie grundlegend unterscheidet.26 Beim polyamorösen Liebeskonzept gibt es zudem keine hierarchische Ordnung der zwischenmenschlichen Beziehungen. So werden, zum Beispiel, Liebespartner anderen Freundschaften nicht vorgezogen. Vielmehr heißt „polyamourös zu sein [...], Beziehungen so zu führen und zu genießen, wie sie sich anbieten.“27 Als eine neue Vorstellung von Beziehung fußt Polyamorie auf der feministischen Kritik an Zwangsehe und Zwangsmonogamie und findet hauptsächlich Anklang in bisexuellen, lesbischen oder queeren Subkulturen.28 Überdies hat Polyamorie ihren Ursprung in dem Wissen darum, dass Menschen prinzipiell mehr als einen anderen Menschen lieben können. So können Eltern mehrerer Kinder zum Beispiel auch alle ihre Kinder lieben.29

Aber wann oder wie kommt es zur Aufhebung des romantischen Konzepts? Steht Polyamorie überhaupt im Gegensatz zur romantischen Liebe oder kann in ihr eine Erweiterung der liebevollen Zugeneigtheit nach der Ausdifferenzierung der Gesellschaft gesehen werden? Bieten die sozialen Beziehungen des modernen Individuums etwa vermehrt Möglichkeiten an, das eigene Selbst ganz zu erleben? Und ist der Protagonist bei Genazino Opfer seiner vielfältigen sozialen Vernetzungen beziehungsweise seines ausdifferenzierten Selbst?

Um den Forschungsgegenstand der Polyamorie näher zu beleuchten, wird in der folgenden Arbeit zunächst ein soziologischer Abriss gewagt, der die gesellschaftlichen Veränderungen von der Monogamie hin zur Polyamorie aufzeigen soll. Darin wird die Entwicklung der Mononormativität in vormodernen Zeiten nachvollzogen und traditionelle Liebes- und Beziehungsvorstellungen postmodernen Liebeskonzepten gegenübergestellt. Das Kapitel bespricht mithin die Entwicklung der Liebesheirat, das Ideal der romantischen Liebe sowie die Herausbildung des autonomen Paares und des Individuums. Die Normativität der Monogamie wird im Gegensatz zur Autonomie der Polyamorie diskutiert. Dafür wird in diesem Abschnitt auch das polyamoröse Beziehungskonzept vorgestellt. Es werden Hintergründe, Wertvorstellungen sowie Formen polyamoröser Partnerschaften aufgezeigt. Auch soll in diesem Zusammenhang geklärt werden, welchen Einfluss die jeweiligen Liebesentwürfe auf die geschlechtsspezifischen Identitätsmodelle haben. In Kapitel drei soll ein Überblick über den Roman gegeben werden und mit Hilfe analytischer Textarbeit das Beziehungskonzept der Polyamorie sowie der Individuationsprozess des Protagonisten am konkreten Text untersucht werden. Die Schlussbetrachtung soll die Forschungsergebnisse der Masterarbeit zusammenfassen und mithin auf die Frage nach dem polyamorösen Beziehungskonzept in Wilhelm Genazinos Roman antworten.

2. Von der Monogamie zur Polyamorie

Unser heutiges Verständnis einer erfüllten Partnerschaft und Ehe fußt auf der romantischen Idee der Liebe zwischen zwei Menschen. Wir empfinden diese als „normal“ und „naturwüchsig“.30 Aber seit wann besteht die Vorstellung der monogamen Zweierbeziehung zwischen Mann und Frau? Und wie haben sich Liebes- und Beziehungskonzepte geschichtlich entwickelt? Diese Problemstellung soll im Folgenden beleuchtet werden.

2.1 Vormoderne Liebeskonzepte: Die Entwicklung der Mononormativität

„Streng genommen wissen wir nicht, seit wann es Familien, Paare, Monogamie und Liebe gibt.“31 Unser Wissen über Liebesbeziehungen zwischen Mann und Frau „ist Mythos, literarische Phantasie, spekulativer Rückschluss aus heutigen Verhältnissen“32 versichert der Soziologe Günter Burkart. Dennoch ist davon auszugehen, dass das monogame zweigeschlechtliche Liebespaar eine relativ neue Erfindung ist. Die Soziologie hält die Liebe sogar, entgegen der alltäglichen Vorstellung ihres natürlichen Ursprungs in Verbindung mit Sexualität, für ein kulturelles Phänomen.33

Mit der Frage nach der Entwicklung zwischenmenschlicher emotiver Beziehungen geht auch meist die Frage nach der Etablierung der Ehe einher. Die Ehe stellt soziohistorisch eine der Voraussetzungen der heterosexuellen Mononormativität dar. Ihre Entwicklung geht weit in die Menschheitsgeschichte zurück. Die Ehe dient schon im babylonischen Reich um 1800 v. Chr. vor allem der wirtschaftlichen und erbrechtlichen Absicherung des Patriarchen. Demzufolge basiert die monogame zweigeschlechtliche Ehe auf der Entwicklung des Privateigentums und des Erbschaftsrechts. In Hammurapis Gesetzessammlung, einer der ältesten Gesetzgebungen, werden erstmalig die rechtlichen Grundlagen einer Eheschließung festgelegt. Durch die vertragliche Bindung der Frau an den Mann kann das Ziel, den Privatbesitz an die eigenen Nachkommen zu vererben, sichergestellt werden. Eine Familie besteht im Gegensatz zur modernen Kernfamilie zu dieser Zeit aus dem patriarchalen Hausherren, der Hauptfrau, den Nebenfrauen sowie den Sklaven und Kindern. Im Falle eines Ehebruchs von Seiten der Frau muss diese mit harten Strafen bis hin zum Tod durch Ertränken rechnen. Dem Mann ist es demgegenüber erlaubt, die Ehe durch eine Scheidung zu beenden. Da sich die Ehe damals grundsätzlich als vertragliche Regelung der Erbschafts- und Vermögensangelegenheiten versteht, steht sie im absoluten Kontrast zur Verliebtheit, die schon im Zweistromland poetisch verarbeitet worden ist.34

In der Antike sind dagegen vielfältige Möglichkeiten des Ehelebens aufgekommen. Die Ehen im antiken Athen haben, ähnlich wie in der Hochkultur Mesopotamiens, wenig mit der Vorstellung romantischer Liebe zu tun. Gegenseitige Zuneigung sowie sexuelles Begehren sind bei der Auswahl der Ehepartner eine eher nebensächliche Einflussgröße. Es gibt eine klare Trennung zwischen Gatten beziehungsweise Gattinnen und dem oder der Geliebten. Obwohl zwar bis zur solonischen Neuordnung im Jahre 593 v. Chr. die Eheschließung im antiken Athen noch keine rechtliche Grundlage erfordert und mit dem Zuzug der Frau in den Hausstand des Mannes als vollzogen gilt, verfolgt die Ehe ebenso noch das Ziel einer wirtschaftlichen Zweckgemeinschaft. Mit der Einführung des Testaments wird darüber hinaus zum einen das Patriarchat und die Kleinfamilie gestärkt und zum anderen das Klären erbrechtlicher Umstände erleichtert.35

In Sparta herrscht demgegenüber bis ins fünfte Jahrhundert vor Christi vor allem die Besuchsehe aus reproduktiven Gründen vor. Daneben finden sich jedoch erstmals auch Formen der Knabenliebe sowie polyamoröse Liebschaften, die unabhängig vom Geschlecht vom Partner oder der Partnerin akzeptiert worden sind. Darüberhinaus gehört zur heutigen normativen Auffassung einer ehelichen Gemeinschaft das Zusammenleben und die gemeinsame Haushaltsführung der Partner. Auch diesem kulturellen Grundverständnis wird im alten Sparta entgegengehandelt. Häufig leben Männer, die sich in einer mehrjährigen Beziehung befinden, bis zum 30. Lebensjahr mit anderen Männern zusammen, um ihren Frauen lediglich heimlich nächtliche Besuche abzustatten. Dennoch dominieren auch dort patriarchale Normen die Gesellschaft.36

Die Ehe in der römischen Republik ist vor allem durch die patrilinearen Vererbungs­vorstellungen geprägt. Das Privateigentum einer Familie wird ausschließlich über die männlichen Verwandten weitervererbt. Als vorherrschende Form unter Eheleuten ist vor allem die Manus-Ehe maßgebend, bei der die Frau und deren Hab und Gut mit der Eheschließung in den Besitz der Familie des Ehemannes übergeht. Trotzdem Ehebruch untersagt ist, gelten zu dieser Zeit auch Konkubinate als eheähnliche Verbindungen und erlebt Prostitution im römischen Reich eine Glanzzeit. Während Frauen beim Verstoß gegen die monogame Ordnung als Ehebrecherinnen gelten, wird das untreue Verhalten eines Mannes geduldet und rechtlich geregelt.37

Die gesetzlichen Bestimmungen der Ehe im römischen Reich haben außerdem Einfluss auf weitere Kulturen Mitteleuropas. So übernimmt das germanische Reich viele Bestimmungen des römischen Reiches. Zusammenfassend lässt sich bis hierhin feststellen, dass die monogame Ehe in patriarchisch organisierten Gesellschaften Europas in vorchristlicher Zeit sowie um die Zeitenwende vor allem der Erbschaftssicherung dienlich gewesen ist.38

Mit dem Beginn des Mittelalters wird die Ehe kirchlich institutionalisiert. Die Eheschließung wird zu einem heiligen Sakrament und damit aus dem privaten in den öffentlichen Raum versetzt, wodurch die Autorität der Kirche weiter gestärkt wird. Darüber hinaus festigt die christliche Kirche die Vorstellung einer Ehe, die von Mann und Frau im beiderseitigen Einverständnis eingegangen wird und nur durch den Tod beendet werden kann. Sie erhebt außerdem die Segnung des Priesters zum obligatorischen Ritus. Diese Veränderungen eröffnen der Kirche mithin die Kontrolle des Ehelebens über die Beichte. Gleichzeitig ist allen eheähnlichen Formen des Zusammenlebens, wie Konkubinaten, die zu dieser Zeit alle nicht-christlichen Ehen bezeichnen, oder Friedelehen ab dem 13. Jahrhundert nach und nach Einhalt geboten worden. Ehebruch wird aus Sicht der Kirche verachtet und als Missachtung göttlicher und natürlicher Ordnung betrachtet. Während die Ehe im Mittelalter einen rechtlichen Vertrag darstellt, wird die Liebe außerhalb der Ehe im Minnesang glorifiziert.39 Herrad Schenk sieht demgemäß eine eindeutige Trennung zwischen Ehe und Liebe:

Eheliche Liebe bedeutet Fortpflanzung; die fruchtbare Frau wird als Mutter der legitimen Nachkommen geehrt und geachtet. Außereheliche Liebe dagegen bedeutet Leidenschaft und Lust; die Geliebte wird begehrt [...] Eheliche Liebe ist gegenseitige Pflicht und Aneignung, außereheliche Liebe dient zweckfrei dem Genuß.40

Obwohl Gefühle der Liebe zwischen Eheleuten zwar durchaus geduldet sind, muss jedwede körperliche Wollust gegenüber dem Ehepartner gezügelt werden. Sexualität und Zärtlichkeit wären in einem Eheverhältnis eher als frivol und anzüglich verstanden worden, würden diese doch auch die Tugend und Sittlichkeit des Ehestandes beschmutzen. Ungeachtet dessen ist unsere gegenwärtige Vorstellung von leidenschaftlicher Liebe zu einem großen Teil durch die Schilderungen der höfischen Liebe in der mittelalterlichen Literatur mitgeprägt worden. Die Mononormativität, welche bis heute im kulturellen Gedächtnis der Menschen fest verankert ist, hat sich vor allem durch die wachsende Selbstkontrolle und der protestantischen Erziehung zum züchtigen Individuum herausgebildet.41

Die mittelalterliche Vorstellung der Unvereinbarkeit von Ehe und Liebe hat darüber hinaus die Gefühlswelt der abendländischen Gesellschaft beeinflusst. Zu Beginn der Neuzeit und mit zunehmendem Reichtum des Adels und des Handelsbürgertums etablieren sich sexuelle Verbindungen zu Kurtisanen. Eine Kurtisane zu lieben und zu besitzen, gilt als Zeichen des Reichtums und Wohlstands. Der Besitzanspruch gegenüber dem weiblichen Geschlecht leitet eine Veränderung der Geschlechterbeziehungen ein. Während zuvor das Ehelichen einer Frau dem Mann zu Besitztum verhalf, ist eine Kurtisane nun schmückendes Beiwerk zur Erhöhung der gesellschaftlichen Position. Zugleich verändert sich im ausgehenden 17. Jahrhundert aber auch die Stellung der adeligen Frau. Genauso wie dem Mann, wird nun auch ihr eine außereheliche Liebschaft zugestanden.42

2.2 Moderne Liebeskonzepte: Autonomie bei der Partnerwahl

Wenngleich ein Ehepaar viele Jahrhunderte als Ergebnis wirtschaftlicher Verhandlungen zwischen Sippen und Familien galt, entwickelt sich im 18. Jahrhundert schließlich die Liebe zum Fundament der ehelichen Gemeinschaft.43 Auch bei dieser Liebe handelt es sich jedoch anfänglich noch nicht um die romantische Liebe, wie wir sie heute kennen, sondern um eine freundschaftliche Zuneigung, die die tugendhaften Eigenschaften des Partners wertschätzt. Dieses Liebesverständnis der Aufklärung wird im Sturm und Drang durch die Betonung des irrationalen Gefühls und den frühen utopischen Ideen freier Liebe umgestoßen. Zu Zeiten der Empfindsamkeit im 18. Jahrhundert ergeben sich schließlich die nötigen literarischen Voraussetzungen, die Gefühlskultur diskutieren zu können. Literatur wird zum wichtigsten Kommunikationsmedium und Liebe zum zentralen Thema im Drama und Roman.44

2.2.1 Die Entwicklung der Liebesheirat

Mit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert wird die romantische Liebe zur Grundvoraussetzung der Ehe und Kernfamilie im Bürgertum.45 In den Unterschichten Europas, gibt es allerdings, so der Soziologe Günter Burkart, schon früher erste Eheschließungen, die auf gegenseitiger Zuneigung basieren.46 Es ist letztlich die Bildung, die aus Gelehrten, Geistlichen, Literaten, Unternehmern sowie einigen weiteren Berufsgruppen eine neue soziale Schicht formt, die nunmehr veraltete Normen und mithin Ehekonventionen in Frage stellt. Das entstandene Bildungsbürgertum grenzt sich von den niederen Schichten, aber auch vom Adel ab, der ohne eigene Leistung und nur durch Erbschaft zu Wohlstand gekommen ist.47 Vormoderne Heiratsvorstellungen werden mit den Forderungen nach Selbstentfaltung zurückgedrängt. Mit der zunehmenden Individualisierung, die anfangs vor allem von der weiblichen Bevölkerung ausgegangen ist, entwickelt sich im späten 19. und 20. Jahrhundert das Leitbild der bürgerlichen Familie und Ehe.48 Sie stellt einen Zwischenschritt zwischen der vormodernen Sachehe, die vor allem „Versorgungsfunktion“49 hat, und der modernen Liebesehe dar. Als ideelles Konstrukt balanciert die bürgerliche Ehe zwischen den Werten der früheren und der beginnenden Liebeskonzeption.50 Obwohl das Ideal der Liebesheirat zwar in der bürgerlichen Gesellschaft entworfen und angestrebt wird, sieht die Realität der Eheschließungen zu dieser Zeit vor allem noch Konventionsehen vor. Das Idealbild von Ehe und Familie, welches im Bildungsbürgertum geprägt worden ist, greift schließlich auch auf alle anderen sozialen Schichten über.51

Eine der Hauptvoraussetzungen für die Herausbildung der neuen Form des familiären Zusammenlebens ist die Trennung von Familie und Arbeitsplatz. 52 Die Modernisierung der Gesellschaft stellt zunehmend Anforderungen, wie Globalisierung und der daraus resultierenden Mobilität, an die Ehe, die von den traditionellen Familientypen nicht mehr getragen werden können. Die Folge dieses Wandels ist nicht der Verlust der Institution Familie, sondern vor allem eine Pluralisierung der Lebensführungen. Auch die Bedürfnisse der Frauen verändern sich immer mehr. Von weiblicher Seite wird Egalität in Beruf und Partnerschaft gefordert.53 Das gleichberechtigte Liebespaar in einer ehelichen Gemeinschaft hat sich jedoch erst viel später im 20. Jahrhundert herausgebildet.54 Vielmehr zeichnet sich das Eheleben durch eine Polarisierung der Geschlechter aus. Der private und der öffentliche Bereich werden strikt getrennt. Nachdem zuvor beide Ehepartner gleichermaßen für Haus und Hof zuständig gewesen sind, wird fortan der häusliche, also private, Bereich dem weiblichen Geschlecht zugesprochen, während der Mann im öffentlichen, wirtschaftlichen Raum agiert. Diese Arbeitsteilung wird auf Grundlage der geschlechtsspezifischen Wesensarten beschlossen und hält bis weit ins 20. Jahrhundert hinein an.55 Frauen seien demnach eher durch Passivität und Emotionalität bestimmt. Außerdem lägen ihre Begabungen im Gefühlsbereich und darin, dem Nachwuchs Sitte und Anstand beizubringen. Der häusliche Bereich, welchen die Frauen möglichst nicht verlassen sollten, wird mit positiven Merkmalsbeschreibungen, wie Ruhe, Erholung und Selbstbestimmung innerhalb der eigenen vier Wände verherrlicht. Für das weibliche Geschlecht wird geradezu eine neue „heldenhafte“ Identität entwickelt: Sie ist die „Hüterin von Moral und Anstand“56, die ihre Erfüllung im Umsorgen des Patriarchen und der Familie findet. Der Mann dagegen wird aufgrund des natürlichen Geschlechtsunterschiedes zum Ernährer der Familie, der aushäusig tätig ist. Seiner Natur nach sei er geprägt von Rationalität, Gefühlskälte, Niedertracht und bloßem Streben nach Geld und Erfolg. Kritiker sehen schon damals eine Gefahr in dem Freiraum, der den Frauen durch die Schaffung des privaten Raumes zufiel. Diese Freiheit würde von den Frauen ausgenutzt werden.57 Anthony Giddens betont überdies die Tatsache, dass mit der Trennung von Wohnort und Arbeitsplatz auch die „Pflege der Liebe“58 ausschließlich in den weiblichen Zuständigkeitsbereich fällt.

2.2.2 Individualisierung und Liebe

Modernisierung bedeutet vor allem Individualisierung und ein zunehmendes Bedürfnis nach Selbstbestimmung.59 Auch die Entwicklung der Liebesbeziehungen von der Vormoderne bis hin zu postmodernen Ideen zwischenmenschlicher Begegnungen wird bestimmt von einem Individualisierungsprozess, der sich durch die westliche Gesellschaft zieht. Günter Burkart zufolge kann [d]as moderne Liebespaar [...] erst in die Weltgeschichte eintreten, wenn bestimmte kulturelle Muster der Liebe entworfen sind; wenn das Paar relativ abgehoben und frei von Familien- und Verwandtschaftszusammenhängen ist; wenn es entlastet ist von wirtschaftlichen und anderen Funktionen; wenn die Vorstellung von der individuellen Persönlichkeit, wenn Formen der Selbst-Darstellung und Selbst-Offenbarung so weit entwickelt sind, daß eine Form höchst-intimer Kommunikation entstehen kann.60

Die Veränderungen vollziehen sich, wie Herrad Schenk angibt, zum einen außerhalb des Paares beziehungsweise der Kleinfamilie, also im Verhältnis zur restlichen Gesellschaft, der Verwandtschaft, den Bekannten oder institutionellen Obrigkeiten wie der Kirche und zum anderen innerhalb der Liebesbeziehung. Obwohl es sich um einen komplexen Wandel handelt, gibt Schenk einen kurzen Überblick über die Entwicklungen. Sie benennt zum einen die eben schon erwähnte Trennung von Wohnort und Arbeitsplatz als eine wichtige Veränderung und weist des Weiteren auf die Individualisierung der Partnerwahl als eine der Hauptvoraussetzungen in der Entstehung der Liebesheirat hin. Bis es zur modernen autonomen Partnerwahl kommt, durchläuft dieser Individualisierungsprozess vier Stufen. Die erste Phase betrifft die von den Eltern arrangierte Ehe, die zum Teil schon vor der Geburt beschlossen wird. Diese Konvention besteht im Adel bis ins 16. und 17. Jahrhundert. Das Recht auf Mitsprache leitet darauf folgend die zweite Etappe der Entwicklung ein. Es setzt sich zu dieser Zeit nach und nach das Bewusstsein durch, dass die Partnerwahl zwar durch die Elternschaft zu erfolgen hat, die Kinder aber nicht unter Zwang verheiratet werden sollten. Im Bürgertum des 18. und 19. Jahrhunderts ist es künftig Sitte, den Ehemann seine Gattin auswählen zu lassen, wobei die Eltern beider Nachkommen die Wahl mitbestimmen können. Der Frau ist es in dieser dritten Phase zwar nicht erlaubt, ihren Partner selbst auszusuchen, aber sie kann zumindest entscheiden, ob sie den Antrag annimmt oder nicht. Die vierte Stufe der Individualisierung der Partnerwahl ist schließlich die selbstbestimmte Entscheidung darüber, mit wem das Individuum das Leben oder zumindest einen Teil dessen verbringt. Die Familie wird häufig erst über die Verbindung informiert, wenn die Suche nach dem geeigneten Partner abgeschlossen ist. Autonome Partnerwahl, so wie wir sie kennen, entwickelt sich in der europäischen Mittel- und Oberschicht erst im Laufe des 20. Jahrhunderts. Schenk weist ferner darauf hin, dass je nach Gesellschaftsschicht und Familientypen der Individualisierungsprozess variiert.61

Eine weitere Veränderung innerhalb des Individualisierungsprozesses der Liebe betrifft die Säkularisierung der Ehe. Vielmehr handelt es sich, wie Schenk deutlich macht, um eine Re-Säkularisierung der Ehe, da es in der Antike und im frühen Mittelalter nur eine weltliche Form der Eheschließung gibt und die Kirche das Sakrament der Ehe erst später nutzt, um Kontrolle über die Gesellschaft zu erlangen. Nachdem die Macht der Kirche über die Ehe schon mit der Reformation bröckelt, übernimmt spätestens mit dem Urteil durch das Allgemeine Landrecht für die Preußischen Staaten (ALR) im Jahre 1794 der Staat die Kontrolle über die Eheschließung. Dem Rechtsspruch zufolge handelt es sich bei der Ehe um einen rechtsgültigen Vertrag. Ebenso wie die Veränderungen bei der Partnerwahl kann auch diese Entwicklung als eine stufenweise Individualisierung für das Paar bezeichnet werden. Demzufolge sind es vor allem diese Obrigkeiten gewesen, die die Autonomie des Paares auch vorangetrieben haben. Das beiderseitige Ja-Wort der kirchlichen Trauung, zum Beispiel, verhilft dem Paar, sich aus der Autorität der Elternschaft herauszulösen. Der Staat wiederum nimmt daraufhin der Kirche die Gewalt über die Eheschließung, welche das Ehepaar zumindest noch als Mittlerin zwischen Gott und ihnen überwacht hat. Das Paar unter der Schirmherrschaft des Staates wird alsbald zur Institution Familie, die von der Verfassung abgesichert wird. Schenk sieht Ende der achtziger Jahre die Mehrung nicht-ehelicher Verbindungen, die sich aus der Autorität des Staates gelöst haben, als vorerst letzte Stufe der Individualisierung des Paares an.62 Aber sind gesellschaftliche Normen nicht auch Mächte, die die Selbstbestimmung einschränken? Und haben demzufolge die Menschen, die sich bei der Partnerwahl nicht mehr an gesellschaftliche Konventionen halten, die Individualisierung nicht auch weiter vorangetrieben? Die Herauslösung aus Heteronormativität und Mono­normativität, zu lieben, wen ich will und wann ich es will, bedeutet einen weiteren Schritt im Individualisierungsprozess der Liebe. Diese Entwicklung ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Sie dauert bis heute an.

Darüber hinaus vollzieht sich ein Wandel in Bezug auf das Recht zu heiraten. Im Mittelalter gibt es nicht wenige Menschen, denen es aufgrund ihrer sozialen Stellung nicht erlaubt war, Ehen einzugehen oder Familien zu gründen. Unfreie im frühen Mittelalter und Nicht-Selbstständige im späten Mittelalter erlangen erst mit der Umstrukturierung hin zur industriellen Gesellschaft die Möglichkeit zu heiraten. Das Recht auf Eheschließung ist mit dem ausgehenden 18. Jahrhundert nicht mehr an die soziale Schicht und Grundbesitz gebunden. Vielmehr festigt sich, auch durch die Leitideen der Französischen Revolution, der Gedanke, dass heiraten und Kinderzeugen ein Menschenrecht sei, welches auch den Besitzlosen zustehe. Diese Veränderung steht zudem in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der Liebesheirat. Während eine Vermählung für die wohlhabende Bevölkerungsschicht eine Sicherung des Privateigentums bedeutet, empfinden die Mittellosen ihre Verheiratung als „ein kleines Stückchen individuellen Glücks“.63 Diesen Ablösungs­prozess sieht Eva Illouz zum Beispiel auch darin, dass Ende des 19. Jahrhunderts das intime Date, das zwischen den möglichen Beziehungspartnern ausgehandelt wird, die traditionelle Form des elterlichen Vorsprechens ersetzt.64

Den Ausgangspunkt für die Individualisierung des Paares und die moderne Liebesheirat stellt die Idee von der romantischen Liebe dar, eine Vorstellung von Liebe, die alle bisherigen Auffassungen der Eheführung verändert.

2.2.3 Das Ideal der romantischen Liebe

Julius liebt Lucinde. Er liebt einzig und allein Lucinde. Genauso liebt Werther nur Lotte. Die beiden Paare verbindet der romantische Liebescode, welcher im 18. Jahrhundert zuerst in die literarische und später auch in die gesellschaftliche Realität Einzug hält. Bevor die romantische Liebe in Deutschland zum kulturellen Ideal wird, prägt längst der bürgerliche Roman in England dieses Liebesmuster, allen voran die Werke von Samuel Richardson. Inspiriert durch Richardsons Arbeiten erfährt die romantische Liebe, als neues Leitbild des menschlichen Miteinanders, zuerst mit Goethes „Werther“ und später mit den Freidenkern der deutschen Romantik volle Entfaltung. So entwickeln die Wegbereiter der deutschen Romantik, wie zum Beispiel Friedrich Schlegel, Friedrich von Schleiermacher, Novalis und das Ehepaar von Armin, im ausgehenden 18. Jahrhundert eine neue Vorstellung von Liebe, die über die literarischen Grenzen hinweg die Idee von leidenschaftlicher Liebe bis heute beeinflusst.65 Es ist der Verlust der traditionellen Werte, wie Familie und soziale Sicherheit, die zuvor durch Heirat erlangt worden sind, die eine Beschäftigung mit den Formen zwischenmenschlicher Beziehungen überhaupt erst zulassen. Die jungen Romantiker sprechen sich gegen die zweckorientierten Werte der bürgerlichen Ehe aus und verbreiten in ihren Romanen erste Vorstellungen gleichberechtigter Liebe zwischen Mann und Frau.

Nun wird also, nachdem Jahrhunderte lang andere Faktoren, wie die soziale Absicherung und Erbschaftsangelegenheiten elementare Bestandteile der Ehe waren, die leidenschaftliche Liebe zum auslösenden Moment der Partnerwahl. Erst die romantische Liebe zwängt die leidenschaftliche Liebe, die sogenannte amour passion66, in jene konzeptuellen Schranken und macht aus ihr „ein besonderes Geflecht von Glaubenssätzen und Idealen im Streben nach Transzendenz.“67 Die romantische Liebe löst die institutionell begründete Liebe der Vormoderne ab, die auf Stand, Vertrag und Kirche fußt.

Das Ideal der romantischen Liebe wird von der Vorstellung getragen, dass jeder Mensch seine andere Hälfte finden kann. Diese Auffassung, die sich tief in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt hat, geht schon auf Platons Vorstellung von den Kugelmenschen zurück. In seinem berühmten Werk „Symposion“ berichtet Aristophanes von den ursprüng­lichen Menschen, die jeweils vier Arme und Beine, aber nur einen Kopf mit zwei Gesichtern hatten. Dem Mythos zufolge sind diese unter göttlicher Strafe entzweit worden, um fortan als zwei Hälften zu leben. Unter dieser Unvollständigkeit leidet der Mensch noch heute und ist stets bemüht, sein komplettierendes Gegenüber zu finden und sich mit diesem vereinen zu können.68

Das Gefühl der Liebe wird zur größten und wichtigsten menschlichen Empfindung, erhält gar religiöse Züge. Es vereinnahmt die Verliebten gänzlich und „entwertet die Umweltbezüge.“69 Im romantischen Liebescode vereinen sich zwei einzigartige Individuen, die ihrer gottgegebenen Unvollständigkeit entrinnen können, indem sie den Partner oder die Partnerin in seiner oder ihrer eigenen Individualität wertschätzen. Zudem speist sich die Beziehung aus der Einzigartigkeit ihrer Teilhaber und wird gerade dadurch zu etwas einmalig Ganzem.70 Eine solche Liebessemantik wird überhaupt erst möglich durch den „Individualisierungsschub“71, der sich durch die bürgerliche Gesellschaft zieht. Es erfordert ein hohes Maß an Individualität und differenzierter Subjektivität, Liebe als soziales Phänomen so frei von gesellschaftlichen Zwängen und Vorgaben zu denken.72 „Dadurch, dass die romantische Liebe diese Einzigartigkeit allen Mitgliedern der Gesellschaft verspricht, wird sie auch ein Teil der Durchsetzung moderner Individualität.“73 Stephanie Bethmann bezeichnet dementsprechend romantische Liebe als „eine Liebe zwischen Individuen [...]. [S]ie bietet ihnen eine Arena, Individualität zu entfalten und zu zelebrieren.“74

Romantische Liebe funktioniert darüber hinaus in Abhängigkeit von projektiver Identifikation. Die Liebenden projizieren das vervollkommnende Element in den jeweiligen Partner beziehungsweise die jeweilige Partnerin und binden sich auf Grundlage dessen für ein Leben lang aneinander.75 Sie lieben einander genau für das, was sie sind und wie sie sind. Es sind nicht die einzelnen Merkmale, die geschätzt werden, sondern die Geliebte oder der Geliebte als Ganzes. Der Idee der romantischen Liebe zufolge ist der/die PartnerIn die andere Hälfte des/der Liebenden, teilt mit ihm oder ihr alle Eigenschaften und Vorlieben. Zerbricht eine Liebe, so wird die Begründung darin gefunden, dass der oder die Geschiedene nicht das perfekte Gegenüber, den Seelenverwandten darstellt. „Der Grund der Liebe kann nur in der Liebe selbst liegen.“76 Dies bedeutet auch, dass sich beide Personen für den jeweils anderen nicht verändern müssen, um geliebt zu werden.77

Die soziologische Wissenschaft versteht unter dem Begriff Liebe jedoch häufig nicht nur, wie das Alltagsverständnis annehmen lässt, das zwischenmenschliche Gefühl beziehungsweise Kulturmuster78, sondern vor allem eine Bezeichnung für „die Anfänge einer Zweierbeziehung“.79 Dementsprechend zentralisiert die Liebesauffassung der deutschen Romantik erstmals das dyadische Paar. Jene Liebe bezieht sich eben nur auf einen einzigen Partner; sie ist „gegenseitig und exklusiv, weltabgewandt und hermetisch.“80 Das romantische Liebespaar distanziert sich zudem von der Außenwelt und nur der jeweilige Partner kann dem Individuum dabei helfen, den „Weltbezug“81 wieder zu erlangen. Hans-Edwin Friedrich bezeichnet „Liebe um 1800 [zusammenfassend als] ein Medium zur Reflexion und Thematisierung der Exklusionsindividualität als Folge der gesellschaftlichen Umstellung von Stratifikation auf Funktion.“82

Der romantische Liebescode postuliert Dauerhaftigkeit und Aufrichtigkeit als leitende Zielvorstellungen. Die Liebenden gehen das Versprechen ein, dem Partner oder der Partnerin ewig treu zu sein. Ein weiteres Merkmal der Liebe um 1900 stellt die Gegenseitigkeit der Liebe dar. Erst, wenn der oder die Geliebte die Zuneigung erwidert, wird aus der Liebe die eigentliche, vollkommene Liebe. Demzufolge werden PartnerInnen nicht mehr nur einseitig verehrt, wie zum Beispiel das höfische Liebesideal im Mittelalter vorsieht, Liebende finden in der Liebe nun ihr beiderseitiges Glück.83

Während die vorangegangenen Liebeskonzepte Geschlechtsverkehr vor allem außerhalb der Ehe und der Liebe verorten und dieser hauptsächlich der Triebbefriedigung gedient hat, verbindet die romantische Liebe erstmalig Sexualität und Zuneigung. Ein Liebesleben ohne Zärtlichkeiten wäre aus unserem heutigen kulturellen Verständnis von Liebe kaum vorstellbar. Neben dem Einbezug der Sexualität in die Liebessemantik, kommt es mit der romantischen Liebe erstmalig auch zur Einheit zwischen Liebe und Ehe. Doch auch dieses semantische Wortpaar gehört, genauso wie Sexualität und Liebe, erst seit der „Erfindung“ der romantischen Liebe zusammen. So bestimmt Schlegel in einem Fragment zur „Lucinde“: „Liebe und Ehe sind verschieden, aber vollendete Liebe geht in Ehe über, und so umgekehrt.“84 Er postuliert damit die Einheit von Liebe und Ehe und, dass sich Liebe erst in der Ehe vollständig erschöpft.85 Verliebtheit soll sich in ruhige, gleichmäßige Neigung wandeln, die ein Leben lang hält wie das Band der Ehe. Deswegen muss, bei aller Verliebtheit, die Wahl der Gattin bedachtsam erfolgen.86 Luhmann versteht den Übergang von Liebe zur Ehe als „das institutionalisierte Verständnis für schwärmerische Leidenschaft.“87 Die Vorstellung von der erfüllenden Liebesheirat kulminiert darüber hinaus in Elternschaft als idealisiertes Eheglück. Die Beziehung zwischen Eltern und Kind wird erstmalig emotional aufgewertet und erhält eine gefühlsintensive Bedeutung in der Gesellschaft.88

Dennoch ist, auch wenn die romantische Liebe erstmalig Gleichheit zwischen den Beziehungspartnern fordert, die Machtverteilung asymmetrisch.89 Die romantische Liebe hat aufgrund dessen, dass eine solche Beziehung aus Liebe hervorgeht und nicht von äußeren Einflüssen geschlossen wird, noch lange Zeit den Anschein erweckt, symmetrisch zu sein. Dass sie jedoch eine zusätzliche Kluft zwischen den Beziehungspartnern schafft, zeigt die häusliche Unterwerfung der Frau, die mit dem Wunsch nach romantischer Liebe einhergeht.90 Giddens betont hingegen, dass aufgrund dessen, dass Gefühle im weiblichen Verantwortungsbereich gesehen werden, die Liebe generell feminisiert wird. Frauen würden, so Giddens, davon zudem profitieren. Die „feminisierte Liebe“91 verschafft, laut Giddens, den Frauen zu dieser Zeit, obwohl sie ebenso Ausdruck der unterdrückten Weiblichkeit ist, einen Autonomiefortschritt. Sie hätten schneller als ihr männliches Pendant die Herstellung von Intimität erworben. Dies ermögliche ihnen einen Modernisierungsvorsprung im Wandel der Intimität.92

[...]


1 Wilhelm Genazino: Die Liebesblödigkeit. 5. Auflage (München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2012), S. 45. Zitate aus diesem Werk werden in der folgenden Masterarbeit mit dem Kürzel L und der entsprechenden Seitenangabe versehen.

2 Vgl. Sina Bardill Arn: Welche Rolle spielt die Liebe? Individuelle Liebesvorstellungen und Wandel der Geschlechterverhältnisse (Glarus/Chur: Rüegger Verlag 2011), S. 37.

3 Der Begriff Polyamorie findet sich in vielen Veröffentlichungen auch in der englischen (Polyamory) oder der französischen Schreibweise (Polymoury). Diese Masterarbeit verwendet die deutsche Schreibung.

4 Christian Klesse: Polyamory – von dem Versprechen, viele zu lieben. Ein Kommentar zum Forschungsstand. In: Zeitschrift für Sexualforschung 20 (2007), S. 316.

5 Vgl. Thomas Schroedter und Christina Vetter: Polyamory. Eine Erinnerung (Stuttgart: Schmetterling Verlag 2010), S. 6.

6 Vgl. Holger Herma: Liebe und Authenzität. Generationswandel in Paarbeziehungen (Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009), S. 15, 28.

7 Gerrit Hoche: Utopische Liebesentwürfe der Moderne. Zur narrativen Produktion und Reflexion von Geschlechterdifferenzen in Friedrich Schlegels Lucinde und Ingeborg Bachmanns Malina In Berliner Beiträge zur Literatur- und Kulturgeschichte. Bd.7. Hrsg. Lühe/Hart (Frankfurt am Main: Peter Lang 2010), S. 17.

8 Vgl. Karl Lenz: Soziologie der Zweierbeziehung. Eine Einführung. 4. Aufl. (Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009), S. 275ff.

9 Vgl. Georg Simmel: Fragment über die Liebe. In: Georg Simmel, Schriften zur Philosophie und Soziologie der Geschlechter. Hrsg. v. Heinz-Jürgen Dahme und Klaus Christian Köhnke (Frankfurt am Main: Suhrkamp 1985), S. 253ff.

10 Jo Reichertz: ‪Liebe wie im Fernsehen.: ‪Eine wissenssoziologische Analyse (‪Opladen: Leske + Budrich 2002), S. 32.

11 Herma: Liebe und Authentizität, S. 27.

12 Hoche: Utopische Liebesentwürfe der Moderne, S. 17.

13 Niklas Luhmann: Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität. Sonderausg. zum 30jährigen Bestehen der Reihe Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft (Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 2003), S. 9.

14 Günter Burkart: Lebensphasen – Liebesphasen. Vom Paar zur Ehe, zum Single und zurück? (Opladen: Leske + Budrich 1997), S. 42.

15 Herma: Liebe und Authentizität, S. 16f .

16 Vgl. Eva Illouz: Warum Liebe weh tut. Eine soziologische Erklärung (Berlin: Suhrkamp 2012), S. 15.

17 Ebd., S. 16.

18 Ebd., S. 17.

19 Vgl. ebd., S. 11.

20 Eva Illouz: Der Konsum der Romantik. Liebe und die kulturellen Widersprüche des Kapitalismus (Frankfurt/New York: Campus Verlag 2003), S. 2.

21 Vgl. Imre Hofmann und Dominique Zimmermann: Die andere Beziehung. Polyamorie und philosophische Praxis (Stuttgart: Schmetterling Verlag 2012), S. 12.

22 Vgl. Oliver Schott: Lob der offenen Beziehung. Über Liebe, Sex, Vernunft und Glück (Berlin: Bertz + Fischer 2010), S. 10.

23 Cornelia Jönsson & Simone Maresch: 111 Gründe, offen zu lieben. Ein Loblied auf offene Beziehungen, Polyamorie und die Freundschaft (Berlin: Schwarzkopf & Schwarzkopf 2010), S. 9.

24 Vgl. Hardy Fürch: Von der Liebe zur LIEBE. Integrale Liebe und das transformatorische Potenzial der Polyamorie (2010) [online], S. 178.

25 Vgl. Schroedter/Vetter: Polyamory, S. 30.

26 Vgl. Fürch: Von der Liebe zur LIEBE, S. 179.

27 Jönsson/Maresch: 111 Gründe, offen zu lieben, S. 13.

28 Vgl. Christian Klesse: Polyamory – von dem Versprechen, viele zu lieben. Ein Kommentar zum Forschungsstand. In: Zeitschrift für Sexualforschung 20 (2007), S. 317.

29 Vgl. Fürch: Von der Liebe zur LIEBE, S. 179.

30 Schroedter/Vetter: Polyamory, S. 75.

31 Burkart: Lebensphasen – Liebesphasen, S. 15.

32 Ebd.

33 Vgl. ebd.

34 Vgl. Herrad Schenk: Freie Liebe – wilde Ehe. Über die allmähliche Auflösung der Ehe durch die Liebe. 2. Aufl. (München: Beck 1988), S. 45ff.; vgl. hierzu auch: Schroedter/Vetter: Polyamory, S. 74ff.

35 Vgl. ebd.

36 Vgl. ebd.

37 Vgl. ebd.

38 Vgl. ebd.

39 Vgl. ebd.

40 Schenk: Freie Liebe – wilde Ehe, S.58.

41 Vgl. ebd., S. 58f.

42 Vgl. Schroedter/Vetter: Polyamory, S. 75ff.; vgl. dazu auch Schenk: Freie Liebe – wilde Ehe, S. 19ff.

43 Vgl. Burkart: Lebensphasen – Liebesphasen, S. 13.

44 Vgl. ebd., S. 28.

45 Vgl. Schroedter/Vetter: Polyamory, S. 104ff.

46 Vgl. Burkart: Lebensphasen – Liebesphasen, S. 26.

47 Vgl. Schenk: Freie Liebe – wilde Ehe, S.84f.

48 Vgl. Habermas, Rebekka: Bürgerliche Kleinfamilie – Liebesheirat. In: Entdeckung des Ich. Die Geschichte der Individualisierung vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Hrsg. v. Richard van Dülmen (Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2001), S. 288.

49 Burkart: Lebensphasen – Liebesphasen, S. 295.

50 Vgl. Schenk: Freie Liebe – wilde Ehe, S. 145.

51 Vgl. ebd., S.84f.

52 Vgl. ebd., S.85.

53 Vgl. Habermas: Bürgerliche Kleinfamilie – Liebesheirat, S. 287f.

54 Vgl. Burkart: Lebensphasen – Liebesphasen, S. 13.

55 Vgl. Schenk: Freie Liebe – wilde Ehe, S. 87; Vgl. hierzu auch: Anthony Giddens: Wandel der Intimität. Sexualität, Liebe und Erotik in modernen Gesellschaften (Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 1993), S. 54.

56 Habermas: Bürgerliche Kleinfamilie – Liebesheirat, S. 297.

57 Vgl. ebd., S. 295ff.

58 Giddens: Wandel der Intimität, S. 54.

59 Vgl. Burkart: Lebensphasen – Liebesphasen, S. 67.

60 Ebd., S. 14.

61 Vgl. Schenk: Freie Liebe – wilde Ehe, S. 146f.

62 Vgl. ebd.

63 Ebd., S. 149.

64 Vgl. Illouz: Warum Liebe weh tut, S. 319ff.

65 Vgl. Lenz: Soziologie der Zweierbeziehung., S. 276.

66 Amour passion oder leidenschaftliche Liebe bezeichnet die Zuneigung, die mit der Gefahr einhergeht, dass die Liebenden alles um sich herum vergessen und mit ihr aus ihren alltäglichen Pflichten entwurzelt werden. Eine solche Liebe kann jedoch niemals die nötige Voraussetzung für den sittlichen Ehestand bedeuten (Vgl. Giddens: Wandel der Intimität, S. 49).

67 Giddens: Wandel der Intimität, S. 56.

68 Vgl. Plat. Symp. 189e – 190e.

69 Lenz: Soziologie der Zweierbeziehung, S. 279.

70 Vgl. Lenz: Soziologie der Zweierbeziehung, S. 278.

71 Burkart: Lebensphasen – Liebesphasen, S. 28.

72 Vgl. ebd.

73 Schroedter/Vetter: Polyamory, S. 108.

74 Bethmann, Stephanie: Liebe – Eine soziologische Kritik der Zweisamkeit (Weinheim und Basel: Beltz Juventa 2013), S. 20.

75 Vgl. Giddens: Wandel der Intimität, S. 72.

76 Lenz, Karl: Soziologie der Zweierbeziehung. Eine Einführung. 4. Aufl. (Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009), S. 279.

77 Vgl. Bethmann: Kritik der Zweisamkeit, S. 19.

78 Vgl. Karl Lenz: Liebe. In: Lexikon zur Soziologie. Hrsg. v. Werner Fuchs-Heinritz et. al. 4. Aufl. (Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2007), S. 398.

79 Lenz: Soziologie der Zweierbeziehung, S. 275.

80 Burkart: Lebensphasen – Liebesphasen, S. 29.

81 Günter Dux: Geschlecht und Gesellschaft: Warum wir lieben. Die romantische Liebe nach dem Verlust der Welt (Frankfurt am Main: Suhrkamp 1994), S. 466.

82 Hans-Edwin Friedrich: Autonomie der Liebe – Autonomie des Romans. Zur Funktion von Liebe im Roman der 1770er Jahre: Goethes Werther und Millers Siegwart. In: Nach der Sozialgeschichte. Konzepte für eine Literaturwissenschaft zwischen Historischer Anthropologie, Kulturgeschichte und Medientheorie (Tübingen: Niemeyer 2000), S. 210.

83 Vgl. Lenz: Soziologie der Zweierbeziehung, S. 279.

84 Friedrich Schlegel: Fragmente zur Poesie und Literatur. Teil 1. Hrsg. v. Hans Eichner In: Kritische Friedrich-Schlegel-Ausgabe. Hrsg. v. Ernst Behler unter Mitwirkung von Jean-Jacques Anstett und Hans Eichner. Bd. 16. (München/Paderborn/Wien: Schöningh 1981), S. 353.

85 Vgl. Lenz: Soziologie der Zweierbeziehung, S. 275.

86 Vgl. Schenk: Freie Liebe – wilde Ehe, S.86.

87 Luhmann: Liebe als Passion, S. 186.

88 Vgl. Lenz: Soziologie der Zweierbeziehung, S. 275.

89 Vgl. Giddens 1993, Illouz 2012, Bethmann 2013.

90 Vgl. Giddens: Wandel der Intimität, S. 73.

91 Ebd.

92 Vgl. ebd., S. 68. Anthony Giddens macht in seinem Buch „Transformation of Intimacy“ von 1992 (zu deutsch: „Wandel der Intimität“) auf eine Veränderung der Intimität aufmerksam. Diese umfasst die auf Individualisierung beruhende Entwicklung von Liebe, Sexualität und Formen zwischenmenschlicher Beziehung. Der britische Soziologe erkennt in der menschlichen Sexualität eine deutliche Loslösung von reproduktiven Gründen hin zu einer modellierbaren Sexualität. Darüber hinaus wird die romantische Liebe, laut Giddens, von dem Liebeskonzept der partnerschaftlichen Liebe abgelöst und (post-) moderne Beziehungsvorstellungen folgen zunehmend dem Leitbild der reinen Beziehung (Vgl. hierzu auch: Günter Burkart: Subjekt und Sexualität bei Giddens und Foucault (2008), S. 4741f. [online].) Auf die beiden letzteren Begrifflichkeiten wird in Kapitel 2.3.2 noch näher eingegangen.

Details

Seiten
60
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656970842
ISBN (Buch)
9783656970859
Dateigröße
713 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300872
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für neue deutsche Literatur
Note
2,0
Schlagworte
durcheinander liebesblödigkeit polyamorie wilhelm genazino

Autor

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Titel: Im Durcheinander der "Liebesblödigkeit". Polyamorie bei Wilhelm Genazino