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99+ Fragen & Antworten zum Webinar

Wie gute Webinare durch professionelle E-Trainer entstehen

Fachbuch 2020 214 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort ... 7
a. Vorwort zur Ergänzung ... 7
b. Vorwort der ersten Auflage (2015) ... 8

Einleitung und Ergänzung zur Überarbeitung ... 10
Ein persönliches Wort ... 13
Wie nun mit diesem Buch umgehen?! ... 14
Wichtige Hinweise ... 15

1. Allgemeines und Einstieg ... 16
a. Definition ... 16
b. Ansätze ... 18
c. Grundsätzliches ... 26

2. Didaktik im Webinar ... 31
a. E-Didaktik ... 31
b. Lernen und Lehren im Webinar ... 36
c. Interaktives Lernen ... 49

3. Aufbau von Webinaren ... 58
a. Wichtiges ... 58
b. Vorbereitung ... 61
c. Einstieg ... 64
d. Im Webinar ... 71
e. Abschluss ... 79
f. Nachbereitung ... 83

4. Die Teilnehmer/innen im Webinar ... 87
a. Abholen ... 87
b. Vorbereiten + Einführen ... 90
c. Mitnehmen ... 96

5. Der E-Trainer/Online-Teacher ... 103
a. Kompetenzen + Kenntnisse ... 103
b. Eigene Erfahrungen und Entwicklung ... 110
c. Der E-Trainer im Webinar ... 115
d. E-Trainer Self Care ... 119
e. Der Arbeitsplatz des E-Trainers ... 124

6. Der virtuelle Raum für Webinare ... 127
a. Der virtuelle Raum und seine Werkzeuge ... 127
b. Die Werkzeuge im Detail ... 132
c. Support + Hotline ... 147
d. Datensicherheit im Webinarraum ... 150
e. Spezielle Punkte zum Webinarraum ... 152
f. Den Webinarraum einkaufen ... 155

7. Die Technik im Webinar ... 159
a. Der E-Trainer Computer und die Hardware ... 159
b. Der E-Trainer Computer und die Software ... 168
c. Der Teilnehmer Computer ... 173
d. Datenmengen + -anbindung ... 175
e. Technikprobleme während des Webinars ... 178

8. Webinare vermarkten ... 187
a. Rechtliche Fragestellungen ... 187
b. Kosten – Aufwand – Nutzen von Webinaren ... 200

Zusammenfassung & Schlusswort ... 204

Fragensammlung ... 205

Danksagung ... 211

Über die Autorin ... 212

Stichwortverzeichnis ... 213

Vorwort

a. Vorwort zur Ergänzung

Als erfahrener Trainer bedienen wir uns zahlreicher Methoden und verfügen über jede Menge praktisches Knowhow. Doch was davon ist beim Schritt in das virtuelle Lernen übertragbar – also bei der Weiterentwicklung zum E-Trainer oder Live-Online-Trainer?

Diese und viele andere Fragen entstehen in der Regel dann, wenn die Weiterbildung abgeschlossen ist und wir zum ersten Mal selbst ein Webinar oder Live-Online-Training gestalten und durchführen. Und genau dann ist es gut, aus dem fundierten Wissen erfahrener Online-Trainer schöpfen zu können.

Ich selbst hatte das große Glück, damals den einen oder anderen erfolgreichen E-Trainer als Sparringspartner zu haben. Gott sei Dank wurden sie meiner Fragen nie müde und standen mir mit Rat und Tat zur Seite. Denn neben der Beherrschung der Technik gibt es zahlreiche Aspekte zu bedenken.

Genau das macht dieses Buch zu einem wertvollen Begleiter – sowohl für erfahrene, aber im Besonderen eben auch für neue Online-Trainer. Häufig finden sich zusätzliche Tipps für „Einsteiger“ zu den einzelnen Fragestellungen. Sehr gelungen sind die Anregungen der Autorin, die den Leser selbst zum Nachdenken verleiten. Es folgt nicht immer direkt und umgehend die fachlich fundierte Aussage zu einem Themenfeld, sondern oftmals zuerst Hintergründe und weiterer Kontext. Insgesamt ist die Sammlung der Fragen in diesem Buch ein wahrer Schatz an Erfahrungswissen und ein umfassendes Nachschlagewerk rund um sämtliche Aspekte des Webinars oder Live-Online-Trainings. Und es handelt sich tatsächlich um ein Nachschlagewerk, denn das Buch ist so strukturiert, dass es möglich ist, einzelne Aspekte nachzuschlagen und ggfs. weiterführend zu vertiefen.

Sandra Dundler, März 2020

b. Vorwort der ersten Auflage (2015)

Es sind nun deutlich mehr Fragen bzw. Themenpunkte geworden als die ursprünglich angedachten 99. Aber schon das zeigt, dass das Lehren mit Hilfe eines Webinars einiges an Wissen erfordert, um nicht gleich beim ersten Mal die Teilnehmer zu verlieren.

Die Autorin schildert ihre eigenen praktischen Erfahrungen und tut dies ohne didaktisch erhobenen Zeigefinger. Ihre Sprache ist dabei sehr „menschlich“ und damit auch nah an eigenen Webinarerfahrungen. Beim Lesen hat man bisweilen das Gefühl, mit ihr in einem virtuellen Raum zu sitzen und nebenbei zu erfahren, was alles in rund 90 Minuten Webinar geschehen kann.

Dabei gibt sie zu vielen Themenpunkten Tipps, die sich sowohl an Anfänger als auch an fortgeschrittene Webinarleiter richten.

An manchen Stellen könnte dem Leser auffallen, dass der eine oder andere Punkt in einem anderen Zusammenhang schon einmal behandelt wurde. Damit erreicht die Autorin, dass verschiedene Themenkomplexe miteinander verbunden werden. Auf diese Weise ist aber auch ein Direkteinstieg in bestimmte Fragestellungen für den Leser möglich, ohne dass er die vorangegangenen Kapitel gelesen haben muss. Die Wiederholungen der Autorin dienen natürlich auch dazu, dass wichtige Punkte beim Leser in Erinnerung bleiben.

Manche Hinweise in diesem Buch scheinen einfach, ja fast trivial zu sein. Aber es sind gerade die offensichtlichen Dinge, die entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg eines Webinars sein können, und die man oft leicht vergisst.

In den praktischen Erfahrungen spiegelt sich der berufliche Werdegang der Autorin wider – sei es als Diplomingenieurin, in ihrer Tätigkeit als Sachbearbeiterin im technischen Umweltschutz bei einer Landkreisverwaltung oder in ihrem zweiten Studium zur M.A. Personalentwicklung an der TU Kaiserslautern und ihrer Tätigkeit als Coach.

Viele unterschiedliche Bereiche also, die den Blick der Autorin geschärft haben, auch Hinweise über dem „Tellerrand“ zu geben.

Vielleicht hilft dieses Buch, dass dem Thema Webinar noch mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird und sich noch mehr Personen trauen, ein Webinar zu besuchen oder als ausgebildeter E-Trainer ein eigenes durchzuführen.

Markus Roth, April 2015

Einleitung und Ergänzung zur Überarbeitung

Trainer, die ins E-Learning, und hier speziell in Webinare, einsteigen, finden noch immer (Stand Januar 2020) relativ wenig Grundlagenliteratur.

Insbesondere dann, wenn Web-Seminare, und nicht nur reine Online Marketingveranstaltungen oder Frontalvorträge über den virtuellen Raum entstehen sollen, ist die Auswahl an informativen Lehrbüchern eher dünn.

Oft bleibt für den Trainer nur selbstständig zu recherchieren, erfahrene Kollegen zu fragen, möglichst professionelle E-Trainer Weiterbildner zu finden und auszuprobieren.

Spätestens, wenn der E-Trainer selbst die ersten eigenen Inhalte konzipiert hat und Webinare anbietet, ergeben sich weitere Fragen.

Seit vielen Jahren begleitet die Autorin Trainer, Weiterbildner und Unternehmen bei den ersten Schritten im virtuellen Raum und den ersten eigenen Webinaren. Im Laufe dieser Aus- und Weiterbildungen von E-Trainern und Online-Teachern wurden und werden ihr viele Fragen immer wieder, einmal und mehrfach und auf unterschiedlichste Weise gestellt.

So war im Jahr 2015 der Schritt, die Fragen zusammen zu fassen und sie gleichzeitig in einem Buch zu beantworten, gar nicht mehr so groß. Beim ersten Brainstorming 2015 wurden circa 99 Fragen erfasst. Insgesamt waren in der ersten Ausgabe 137 Aspekte zusammengekommen, denn um Fragen im eigentlichen Sinn handelte es sich nicht mehr. Die ursprünglich gestellten Fragen wurden zunächst gesammelt, geclustert und dann schwerpunktmäßig Überschriften zugeordnet. In diesem Arbeitsschritt wurden außerdem aus den ursprünglichen Fragen Aussagen formuliert.

In der zweiten Auflage werden die bisherigen Fragestellungen zu 2D virtuellen Räumen anteilig verfeinert, zum Stand Januar 2020 aktualisiert, sowie weitere Facetten und Sichtweisen aufgegriffen.

Ferner erhalten Aspekte für Webinare in virtuellen 3D Welten mehr Platz. Außerdem wurden die Aussagen zur Technik und zu wichtigen rechtlichen Punkten überprüft, wo notwendig ergänzt (z. B. zum Datenschutz ) und (auf den Stand Januar 2020) überarbeitet.

Das Buch will wesentliche Blickwinkel und oft unbedachte Details für die Arbeit als professioneller E-Trainer aufzeigen und verdeutlichen, dass gute Webinare nur selten „von allein“ entstehen. Meist steckt von Seiten des E-Trainers viel Überlegung, Planung, Detailkenntnisse, technisches Verständnis und Empathie für Teilnehmerbedürfnisse – also insgesamt wirklich einige Arbeit – in der Entwicklung eines Webinars.

Hochwertige Webinare berücksichtigen sowohl das zu Grunde liegende Curriculum und die formulierten Lernziele, als auch die Bedürfnisse der Teilnehmer und die spezielle Didaktik im virtuellen Raum. Die so entstehenden Webinare sind überwiegend hoch interaktiv, transportieren den Nutzen für die Teilnehmer, und ermöglichen die Anknüpfung an Vorerfahrung sowie einen anschließenden Transfer.

E-Trainer stehen oft vor der Herausforderung, dass verschiedene Anforderungen von Seiten der Auftraggeber, und nicht selten noch mehr und zumeist auch andere Erwartungen von Teilnehmern formuliert werden. Eine zusätzliche Herausforderung erhält die Arbeit als E-Trainer durch die „Abhängigkeit“ von der Funktionalität der Technik. Diese „Abhängigkeit“ sorgt zusammen mit den hohen Multitasking-Anforderungen (Technik, Teilnehmer, Thema) für eine erhebliche Beanspruchung des E-Trainers.

Die in diesem Buch formulierten Aussagen sollen aufzeigen, was alles zur Tätigkeit eines E-Trainers gehört, und Unterstützung zum Entstehen guter Webinare anbieten.

Hierzu werden die einzelnen Fragestellungen/Aussagen zunächst mit „einem Blick dahinter“ betrachtet und entstandene Überlegungen und Gedankengänge im Hintergrund zur Frage näher ausgeführt.

Mögliche Anhaltspunkte für Antworten, Einflussmöglichkeiten des E-Trainers und weitere Impulse werden dann in Ansätze für Überlegungen formuliert. An diese Ausführungen schließen immer wieder auchAllgemeine Tipps und speziell Tipps für Einsteiger aus den umfangreichen Praxiserfahrungen der Autorin an.

Um den Lesefluss nicht zu stören, wird in diesem Buch soweit möglich ein geschlechtsneutraler Begriff verwendet. Wo dies nicht machbar war, wird die männliche Form Teilnehmer bzw. Lernender und E-Trainer bzw. Lehrender verwandt. Selbstverständlich ist hierbei auch immer die weibliche Form gemeint.

Ein persönliches Wort

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn Sie als E-Trainer professionell arbeiten wollen, dann genügt es nicht nur die Technik der virtuellen 2D und 3D Räume, zu beherrschen.

Die Teilnehmer mitzunehmen, am Thema zu bleiben, und trotzdem die Bedürfnisse der Einzelnen im Webinar wahrzunehmen, ist immer wieder eine Herausforderung.

Meine Erfahrung zeigt, dass während der E-Trainer Weiterbildung vieles noch relativ klar erscheint. Doch wenn es dann darum geht die eigenen Inhalte in Webinare „zu packen“ kommen auf einmal die Fragen nach dem „Wie“.

Genau hier will dieses Buch Sie abholen.

Ich wünsche Ihnen viel Inspiration und Freude beim Lesen und Überlegen, beim Ausprobieren, Nachdenken, Hinterfragen, Ausarbeiten und bei Ihrer Arbeit als E-Trainer/in.

Haben Sie Anmerkungen, Ergänzungen oder Vorschläge zu den Inhalten, freue ich mich über Ihre Rückmeldung. Gerne können Sie mir auch über Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse berichten.

Senden Sie mir dazu dann eine E-Mail unter: info@arise-coaching.de

Verschiedene Punkte u. a. auch mit Praxiserfahrungen finden Sie zusätzlich auf meinem Blog: https://arise-coaching.blogspot.de/

Interessiert Sie mehr zu meinen Themen (z. B. Interaktive Webinare, E-Trainer Weiterbildung) und mir als Autorin, dann schauen Sie gerne hier vorbei: https://www.arise-coaching.de/autorin

Herzliche Grüße Anja Röck

Wie nun mit diesem Buch umgehen?!

Grundsätzlich soll das Buch als Nachschlagewerk dienen.

Es kann daher auch punktuell, z. B. durch den Einstieg über das Inhaltsverzeichnis und/oder das Stichwortverzeichnis, und auch über die formulierten Fragestellungen gelesen werden.

Wenn Sie das Buch von vorne und durchgehend lesen, kann der Eindruck der Redundanz entstehen. Auftretende Wiederholungen sind jedoch gewollt und bewusst eingearbeitet worden, damit eben auch die oben erwähnte punktuelle Nutzung als Nachschlagewerk möglich wird.

Außerdem heißt es nach einer alten Trainerweisheit: „Sieben mal wiederholt, ist einmal gemerkt!“

Wichtige Hinweise

1. Die Aussagen in Kapitel 7 „Technik im Webinar“ werden überwiegend allgemein und übergeordnet formuliert und basieren auf dem technischen Kenntnis- und Wissensstand vom Januar 2020.

Dieses Buch will unterschiedliche technische Aspekte aufzuzeigen, welche die Arbeit eines E-Trainers beeinflussen können. Es hat nicht zum Ziel einen Technikratgeber für E-Trainer zu formulieren.

2. Für Kapitel 8a „Rechtliche Fragestellungen“ ist das Ziel verschiedene rechtliche Fragestellungen aus der Praxis, die in Verbindung mit Webinaren, deren Erstellung und Durchführungen entstehen, aufzuzeigen. Auch hier ist der Kenntnis-, Wissens- und Rechtssprechungsstand von Juni 2019 zu Grunde zu legen. Im Einzelfall empfiehlt sich immer die Konsultation einer einschlägigen Rechtsberatung bzw. eines Rechtsanwaltes.

Die Ausführungen und Tipps zur Technik und zu rechtlichen Fragen formulieren nach bestem Wissen und Gewissen das Ergebnis der Recherchen der Autorin, welche mit größtmöglicher Sorgfalt durchgeführt wurden.

Die Antworten zu den Fragestellungen stellen jedoch keine technische und/oder rechtliche Beratung dar. Auch übernimmt die Autorin keine Gewähr für die Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der bereitgestellten Informationen und Inhalte. Eine Haftung der Autorin für Schäden gleich welcher Art ist ausgeschlossen.

1. Allgemeines und Einstieg

a. Definition

Der Begriff "Webinar“ [1]

Hintergrund zur Frage

Es existiert eine Vielzahl von Beschreibungen für Seminare in virtuellen Räumen, dazu gehören „Online Seminare“, „Seminare im virtuellen Raum“, „Synchrone Seminare“ und vieles mehr. Oft wurden und werden viele Worte verwendet, um zu beschreiben, worum es geht. Es ist also wichtig, einen Begriff zu finden, welcher akzeptiert wird und möglichst deutlich macht, was gemeint ist.

Ansätze für Überlegungen

Der Begriff Webinar , der sich derzeitig durchgesetzt hat, ist ein Kunstwort. Das Wort setzt sich zusammen aus der Beschreibung: „Seminar im Web (www)“.

Der Begriff Webinar wird also zumeist für synchron stattfindende Lehr- und Lernveranstaltungen verwendet.

Das Wort Webinar ist zwischenzeitlich sehr weit verbreitet und auch bereits in Verbindung mit vielen anderen Begriffen als Wortmarke eingetragen.

Spezieller Tipp für Einsteiger

Gehen Sie immer eher davon aus, dass Ihr Gegenüber noch nicht mit allen Bezeichnungen, wie z. B Webinar, E-Learning, WBTs, MOOCs usw. vertraut ist. Insbesondere weil sich Benennungen immer wieder verändern und neue hinzukommen. Wahrscheinlicher ist daher, dass Sie erst einmal einige Begriffe werden (er)klären müssen.

Was genau ein Webinar ausmacht [2]

Hintergrund zur Frage

Was macht ein Webinar zu einem Webinar? Die Auffassungen gehen hier teilweise sehr weit auseinander.

Ansätze für Überlegungen

Einigkeit besteht zumeist darüber, dass es sich bei einem Webinar um eine Veranstaltung in einem virtuellen Raum handelt, in welchem sich Lehrender und Lernende zeitgleich, also live beziehungsweise synchron befinden.

Auch darüber, was man unter der Bezeichnung „Seminar“ versteht, gibt es getrennte Ansichten. Ist ein Seminar eine mindestens interaktive, besser noch hoch-interaktive Veranstaltung oder kann damit auch ein Frontalvortrag mit Fragemöglichkeiten, oder gar auch eine reine „Vorführung“ im Rahmen einer Marketingveranstaltung gemeint sein?

Im virtuellen Raum können, wie in Präsenzveranstaltungen auch, Inhalte präsentiert und zwischen Vortragendem/(E-)Trainer und den Teilnehmern Interaktionen mit verschiedenen Werkzeugen durchgeführt werden (vgl. Kapitel 6.a). Inwieweit diese Möglichkeiten genutzt werden, hängt sicher vom jeweiligen Thema, dem Ziel zum Thema, der Kompetenz und dem Wissen des Lehrenden und der Aktionsfreudigkeit der Teilnehmer ab.

Nach Auffassung der Autorin sollte der Begriff Webinar nur dann verwendet werden, wenn es sich dabei um:

- eine (hoch-)interaktive

- Lehr-/Lernveranstaltung

- im synchronen, virtuellen (2D und/oder 3D) Raum

handelt.

b. Ansätze

Falsche + richtige – oder gute + schlechte Webinare [3]

Hintergrund zur Frage

Gibt es überhaupt „richtige und falsche“ Webinare? Eine Einstufung in „gut und schlecht“ beinhaltet schließlich eine Bewertung, die rein subjektiv ist.

Ansätze für Überlegungen

Meist gibt es nur „passendere“ und „weniger passendere“ Webinare. So wie dies auch von Präsenzveranstaltungen bekannt ist, fanden die einen es „toll“ und die anderen eben nicht.

Es allen Teilnehmern recht zu machen ist auch im Webinar schwierig. Grundsätzlich gilt hier ebenfalls bei der Planung und der Erstellung der Inhalte:

- die Zielgruppe kennen und bedenken

- die (Lern-)Ziele definieren – insbesondere in Kann-, Soll- und Mussziele

- die Rahmenbedingungen gegebenenfalls anpassen

Allgemeiner Tipp

Es gibt einige kostenlose Webinarangebote. Besuchen Sie solche und finden Sie für sich heraus, was Ihnen gefällt und was nicht. Mit diesen Erfahrungen können Sie sich eher vorstellen, wie Ihre eigenen Webinare werden bzw. sich weiter entwickeln sollen – und wie eben auch nicht.

Spezieller Tipp für Einsteiger

Oft macht der „erste Eindruck“, z. B. der Einstieg ins Webinar den Unterschied. Überlegen Sie sich als E-Trainer beispielsweise ob sich Ihre Teilnehmer bereits kennen oder nicht. Wann wollen Sie eine „übliche“ Vorstellungsrunde (vgl. Kapitel 3.c) durchführen und wann eher gemeinsam ankommen. Als E-Trainer sollten Sie hier immer im Hinterkopf behalten, dass Sie z. B. Unverständnis, also ein Kopfschütteln der Teilnehmer nicht wahrnehmen können, um gegenzusteuern.

Webinare + andere E-Learning Szenarien [4]

Hintergrund zur Frage

Webinare sind nicht gleichzusetzen mit E-Learning und genauso wenig umgekehrt. Zwischenzeitlich hat sich der Begriff „E-Learning“ zu einem Ober-/Überbegriff entwickelt: „e-learning kann zusammengefasst werden als jede Art von Lernen die durch den Einsatz des Computers unterstützt oder gar ermöglicht wird.“ [1]

Ansätze für Überlegungen

Webinare sind also ein (!) Teil oder Bereich in der gesamten Thematik E-Learning. Webinare können mit vielen anderen Szenarien kombiniert werden. Dabei muss es sich nicht unbedingt um weitere Werkzeuge aus der computervermittelten Kommunikation, also z. B. Foren, Learning-Apps, Blogs, sozialen Netzwerken u. ä. handeln. Auch die Kombination mit Präsenzveranstaltungen, um dann zu einem Blended Learning Angebot zu kommen, ist möglich.

Spezieller Tipp für Einsteiger

Wie oben ausgeführt, müssen Sie als E-Trainer oft noch viel Aufklärungsarbeit leisten, was E-Learning im Allgemeinen und im Besonderen betrifft. Dies fängt bei Begrifflichkeiten, wie Webinar, E-Learning, WBTs, CBTs, virtuelle Räume, MOOCs usw. an und geht bei möglichen Kombinationen im Blended Learning oder beim Flipped Classroom weiter. Machen Sie sich also mit den unterschiedlichen Bezeichnungen möglichst vertraut.

Präsenz oder/und Webinare [5]

Hintergrund zur Frage

Immer wieder geht es um die Frage der Vor- und Nachteile, und ob E-Learning, insbesondere auch Webinare, die Präsenz ganz ablösen kann, wird und soll.

Ansätze für Überlegungen

Deutlich zu sagen ist, dass E-Learning Szenarien nicht ausschließlich aus Webinaren bestehen. Zum E-Learning gehören weit mehr Möglichkeiten als der virtuelle Raum, die für ein effektives Lernen genutzt werden können.

Auch sollte überlegt werden, warum es immer um ein „entweder – oder“ gehen muss. Kann nicht auch ein „und“ möglich sein?

Viele Punkte sprechen für das Lernen mit neuen Medien. Vorteile bietet insbesondere das gemeinsame Lernen im synchronen Raum, also im Webinar (vgl. Frage 6). Jedoch gibt es auch Rahmenbedingungen und Punkte, bei welchen die Grenzen von Webinaren klar zu Tage treten. Selbst die neuen 3D Szenarien können nicht komplett empfundene Realität abbilden, auch wenn sie der Präsenz wesentlich näher sind, als 2D virtuelle Räume (vgl. Frage 8).

Wahrscheinlich wird daher immer in verschiedensten Situationen die Notwendigkeit für Präsenzveranstaltungen bestehen bleiben. Und warum auch nicht? Wir alle trinken schließlich auch viel lieber gemeinsam einen echten Kaffee, als uns dies ausschließlich virtuell vorzustellen.

Allgemeiner Tipp

Der Markt der E-Learning-Tools, Online Szenarien und Learning Apps ist ständig in Bewegung. Hier ist es für Sie als E-Trainer wichtig, an den Entwicklungen und Neuerungen dran zu bleiben. Messen, wie die jährlich in Karlsruhe stattfindende Learntec, geben dazu immer wieder einen aktuellen Überblick.

Vor- + Nachteile von Webinaren [6]

Hintergrund zur Frage

Einige Punkte sprechen für die Nutzung von E-Learning Tools. Der jedoch meist zuerst genannte Faktor des „zeitunabhängigen Lernens“ greift bei Webinaren nicht.

Ansätze für Überlegungen

Den Vorteilen von Webinaren, wie z. B.

- gute Zugänglichkeit/Erreichbarkeit des Lernortes,

- niedrige Einstiegshürde in die Lernsituation,

- örtliche Unabhängigkeit,

- möglicher direkter Austausch zwischen den Lernenden inklusive Reflexion,

- Wegfall von Reisetätigkeiten und -kosten

und vielen mehr, stehen jedoch auch ein paar Nachteile gegenüber. Vielleicht sollten diese Punkte lieber „die zu überlegenden Punkte“ genannt werden, denn ob es tatsächlich Nachteile, also negative Punkte sind, hängt von vielem ab.

Klar ist, bei Webinaren handelt es sich um synchrone Veranstaltungen. Dies sind Szenarien, in welchen Lehrender und Lernende sich zum selben Zeitpunkt im gleichen virtuellen Raum befinden. Damit fällt zwar das Lernen, wann der Lerner Zeit hat weg, jedoch ist eben auch ein Austausch und Kontakt möglich.

Auch die freie Wahl des Lernstoffes zum jeweiligen Zeitpunkt kann nicht unbedingt und ausschließlich vom einzelnen Lernenden bestimmt werden, denn im Webinar sind gleichzeitig meist mehrere Lerner anwesend. Auch dies muss jedoch kein Nachteil sein, denn so mancher Lerner muss ab-und-an „ermutigt“ werden sich mit allen notwendigen Aspekten des Lernstoffes auseinanderzusetzen oder lernt einfach besser im Austausch mit anderen als „allein zu Hause“.

Nicht zu unterschätzen ist, wie an anderer Stelle diskutiert, die im Webinar fehlende Körpersprache. Gerade diese ist oft wesentlich dafür mitverantwortlich, ob Menschen miteinander in Kontakt kommen oder eben auch nicht. Immerhin – im Webinar steht die Stimme des Gegenübers mit zur Verfügung. Das Webinar bietet damit im Gegensatz zu manch anderen E-Learning-Tools zumindest eine weitere „Brücke“, um das (notwendige) Gefühl von Nähe zu unterstützen.

In diesem Zusammenhang sei auch noch angesprochen, dass der Einsatz einer Webcam hier meist nicht den gewünschten Ausgleich anbieten kann (vgl. Frage 11).

Sicher ist auch, dass Webinare praktische Abläufe und übungsintensive Tätigkeiten zwar theoretisch abbilden, aber die Praxis als solche, also das Tun – auch in 3D – nicht ersetzen können (vgl. auch folgende Fragen 7 und 8).

Abschließend ist noch zu erwähnen, dass es sich bei vielen Webinaren leider noch immer um „Folien-Schlachten“ in Verbindung mit Frontalvorträgen handelt. Diesen Nachteilen von Webinaren kann jedoch nur durch gut ausgebildete und professionell arbeitende E-Trainer begegnet werden. (vgl. auch Fragen 15, 23, in Kapitel 2, sowie Fragen 67 bis 69 in Kapitel 5).

Was das Webinar leisten kann und was nicht [7]

Hintergrund zur Frage

E-Learning Szenarien als Durchbruch in der „Weiterbildung für alle“?! Lernen, das individuell, jederzeit nutzbar, genau auf den einzelnen Teilnehmer passend und vieles mehr ist?!

Mit Web-based- (WBTs) und Computer-based-Trainings (CBTs) wurden einige der genannten Anforderungen bereits umgesetzt. Lernen konnte dann stattfinden, wann der Lerner es brauchte und wollte. Die Lernmedien waren gut zugänglich und es wurden keine Reiseaktionen notwendig.

Doch schnell nahm der erste „Hype“ ab. Denn es fehlten wichtige soziale Aspekte, um das Lernen für den einzelnen Lerner attraktiv zu machen.

Ansätze für Überlegungen

Noch immer können computervermittelte Lernszenarien Körpersprache nicht abbilden (vgl. Frage 11). Und auch bei praktischen Abläufen werden schnell Grenzen aufgezeigt (frei nach Vera Birkenbihl: „Pfannkuchen backen kann man nicht theoretisch lernen.“).

Jedoch haben sich das E-Learning und die Möglichkeiten in E-Learning Tools weiterentwickelt. Heute ist z. B. über Webinare die Herstellung und Entwicklung einer sozialen Beziehung möglich. Forciert der E-Trainer dies, dann kommen Lerner sowohl untereinander, als auch mit den Trainern besser in Kontakt.

Nur durch eine solche soziale Verbindung, also dem „sich gegenseitig als Mensch“ wahrnehmen, ist überhaupt ein zielgerichtetes und effizientes, kollaboratives und kooperatives Lernen erreichbar.

Damit kann die oft von den Lernern empfundene Isolation im Lernprozess bei der Nutzung von E-Learning Tools durchbrochen werden. Austausch und Weiterentwicklung durch ein „Miteinander“ ist möglich.

Daraus resultieren weitere, vielseitige Möglichkeiten Webinare auch in komplexere Lernszenarien zu integrieren. Stichworte sind hier: Learning near-, on- und by-the-job.

2D und 3D Lernszenarien [8]

Hintergrund zur Frage

Der Begriff Webinar ergibt derzeit bei einer Internetsuche ca. 98.900.000 Treffer (Januar 2020) (zum Zeitpunkt der ersten Bearbeitung des Buches lag der Wert noch bei 43.000.000 Treffer (Stand Mai 2015)). Trotz dieser Steigerung wissen jedoch längst (noch immer) nicht alle Menschen was mit Begriffen, wie Webinar, oder gar mit „2D und 3D Lernszenarien“ gemeint ist.

Webinare sind also selbst 2020 keine „Selbstverständlichkeit“. Da erscheint es fast voreilig noch zu ergänzen und zu erklären, dass Webinare derzeit zumeist in 2D virtuellen Räumen stattfinden (vgl. Fragen 87 bis 96 in Kapitel 6), es hierfür jedoch noch die Steigerung durch 3D virtuelle Szenarien gibt.

Doch was macht nun den Unterschied von 2D zu 3D Lernwelten aus und wofür können und sollen diese eingesetzt werden?

Ansätze für Überlegungen

Im 2D virtuellen Raum werden oft dann Grenzen erreicht, wenn es im Lernprozess um Verhaltensänderungen, Soft Skills und/oder „das Thema hinter dem Thema“ geht. Ein Beispiel: Ein thematisches Teamtraining, das nicht weitergeführt werden kann, da es im Team selber Unstimmigkeiten gibt.

Hier ist dann der Übergang vom Training zum Coaching bzw. zur Supervision erreicht.

3D Lernwelten sind nicht neu. „Second Life“ war und ist ein solches 3D Szenario, das lange Zeit intensive Nutzung und viele Anhänger und Freunde fand. Doch schnell wurde deutlich, dass sich dort nur schwer formale Lernprozesse abbilden lassen und auch keine wirklich geschützten Bereiche aufgebaut werden können. Den Schritt die o. g. Anforderungen zu verknüpfen geht nun die virtuelle 3D Welt. Hier ist sowohl ein formaler Lernprozess möglich als auch der Wechsel zwischen Inhaltsvermittlung und Coaching/Supervision. Dies alles findet in einem geschützten und nach außen abgeschlossenen Rahmen statt.

Die Teilnehmer und der Trainer befinden sich dabei, genau wie im virtuellen 2D Raum, zeitgleich online. Sie werden in 3D jedoch nicht nur über eine Teilnehmerliste, sondern über Avatare (also Stellvertreter) abgebildet. Diese Avatare können sprechen, hören, laufen, sich hinsetzen, Dinge bewegen und gemeinsam an interaktiven Boards und Wänden arbeiten.

Die Nutzung solcher 3D Räume fand ursprünglich hauptsächlich in speziellen Lernwelten für Polizei oder Bundeswehr statt. Der Einzug in den „zivilen“ Bereich ist seit 2015 stetig vorangeschritten. Doch trotz großer Projekte, wie z. B. der Abbildung des Gotthard Tunnels oder ganzer (virtueller) Lernfirmen, stecken 3D Lernszenarien vergleichsweise noch immer in den Kinderschuhen. Diese Entwicklung beinhaltet vielfältigste Möglichkeiten, jedoch bleibt die Akzeptanz abzuwarten.

Allgemeine Tipps

Grundsätzlich sollte bei der Auswahl und Anwendung von 3D Szenarien immer die Frage: „Wollen wir (nur) „spielen“, oder soll/muss auch auf einem 3D „Abenteuerspielplatz“ ernsthaftes Arbeiten möglich sein?“ beantwortet werden. Der virtuelle 3D Raum und das Agieren darin ähnelt und unterscheidet sich doch in vielen Punkten von virtuellen Räumen in 2D. Zwei wichtige Punkte sollten Sie berücksichtigen:

- Im 3D Raum spielt das Mikrofon eine übergeordnete Rolle. Zwar sind in solchen Räumen gleichermaßen ein Textchat, Abstimmungstools oder interaktive Boards vorhanden, doch findet der überwiegende Austausch mündlich statt (gleich wie in Präsenzveranstaltungen).

- Viele „Kleinigkeiten“, die in 2D nicht auftreten bzw. wahrgenommen werden, sind auf einmal in 3D wieder wichtig. Der 3D Raum wird beispielsweise in Bezug auf den „ersten Eindruck“, die „Optik“ des Avatars und hinsichtlich empfundener Distanzzonen auch wieder wesentlich näher an der Präsenz wahrgenommen.

Spezieller Tipp für Einsteiger

Die Anzahl der Anbieter von virtuellen 3D Räumen auf dem deutschsprachigen Markt steigt. Im englischsprachigen Umfeld sind noch mehr 3D Szenarien zu finden. Verschaffen Sie sich am besten regelmäßig einen eigenen Eindruck, z. B. auf der Learntec in Karlsruhe.

Sollten Sie hier auf eine gute Software stoßen, freue ich mich über Ihre E-Mail.

c. Grundsätzliches

Die Perspektive des Lehrenden im Webinar [9]

Hintergrund zur Frage

Aus wessen „Feder“ ein Seminar stammt, wird in der Regel schnell deutlich. Für Webinare gilt ähnliches. Auch dort ist meist rasch festzustellen, worum es dem Lehrenden geht. Mehr noch, überwiegend ist auch sehr schnell auffällig, welchen Blick der Lehrende auf seine Teilnehmer hat.

Ansätze für Überlegungen

Je nachdem, welche Einstellung der Lehrende/E-Trainer zu seinen Teilnehmern hat, wird er Inhalte unterschiedlich aufbereiten und vermitteln. Dies gilt für Seminare und Webinare.

Damit stellt sich also die Frage, wie sich der Lehrende sieht. Ist er (nach Schein: Beratermodelle [2] ):

- Experte

- Prozessberater

- oder Lernberater?

Welche Einstellung hat er zu den Lernenden? Sieht er hier eher (nach Rosenstiel: Berufstypologie [3] ) den:

- karriereorientierten,

- den freizeitorientierten oder den

- „alternativ engagierten“ Lerner

bei der Erstellung seiner Inhalte vor sich?

Je nachdem wird der Lehrende den Stoff eher:

- mit Überbegriffen zum Selbstlernen oder mit vielen Details genau vorgegeben,

- in kleinen Häppchen oder flexibel steuerbar anbieten,

- mit genauen Kontrollen oder mit Lernfortschrittssignalen versehen.

Der Lehrende sollte sich daher die Zeit zur Klärung der o. g. Perspektiven für seine Webinare nehmen. Denn zum einen hat der Blickwinkel wiederum etwas damit zu tun, wie die Lerninhalte auf das Webinar übertragen werden, zum anderen kann es durch eine zu eingeschränkte Vorgehensweise, oder aber auch zu einem nicht beabsichtigten Bild beim Lernenden kommen.

Es gilt daher die Möglichkeiten im Webinar so auszuschöpfen, dass die angestrebten Ziele mit der beabsichtigten Selbstständigkeit der Lerner erreichbar sind.

Allgemeine Tipps

Überprüfen Sie sich immer wieder selbst, wo Sie in Bezug auf Ihre Lerner stehen. Der Lernende/Teilnehmer ist und sollte dies auch sein – Ihr Partner im Lernprozess. Kämpfe kosten nur wertvolle Lernzeit. Auch mit dieser Perspektive gilt es auf den Lerner zuzugehen.

Überlegen Sie immer genau, welche Tools Sie nutzen, welche Hilfestellung im Webinar noch im Detail erklärt werden – und wo genau der Lerner gut in der Lage ist, selber zu agieren.

Lernkanäle und Lernpräferenzen im Webinar [10]

Hintergrund zur Frage

Jeder Mensch lernt unterschiedlich – dies ist keine neue Erkenntnis. Doch warum dann immer noch so viele Lernszenarien sehr einseitig ausgerichtet sind, sollte eine berechtigte Frage sein.

Auch im Webinar lassen sich unterschiedliche Lernpräferenzen berücksichtigen und abholen.

Ansätze für Überlegungen

Wie an verschiedenen Stellen ausgeführt:

- erlaubt der Aufbau im virtuellen Raum die Nutzung verschiedenster Werkzeuge (vgl. Frage 88 und 89 in Kapitel 6) und

- lassen Interaktionen die Teilnehmer, insbesondere erwachsene Lernende besser im Lernprozess dabei sein (vgl. Fragen 14 und 27 in Kapitel 2).

Doch nicht nur diese Punkte sind wichtig, um Lernende im Webinar optimal zu fordern und fördern.

Wichtige Lernpräferenzen und die Möglichkeiten im Webinar:

Die Tabelle ist nicht in dieser Leseprobe enthalten.

Unter dem Aspekt sämtliche Lernpräferenzen bestmöglich zu bedienen, gilt es also wiederum alle Werkzeuge im virtuellen Raum angemessen zu nutzen.

Webcam – hilfreich oder hemmend [11]

Hintergrund zur Frage

Die Diskussion zum Einsatz einer Webcam ist in fast jedem Webinar zu finden. Zur Verdeutlichung folgendes Beispiel:

Der E-Trainer arbeitet mit einem Laptop und befindet sich in einem virtuellen Raum. Sechs der zwölf Teilnehmer haben ihre Webcam aktiviert, der E-Trainer selbstverständlich auch. Auf einem 13 Zoll Bildschirm werden somit die Präsentationsfläche, der Textchat, der Dateitransfer und die Teilnehmerliste sowie sieben Webcam-Fenster aufgezeigt.

Inwieweit hier noch eine Fokussierung und/oder Orientierung stattfinden kann, ganz zu schweigen von einem gezielten Lernen, soll erst einmal offenbleiben.

Ansätze für Überlegungen

Durch ein Beispiel, wie das oben genannte, sollte eine immer wiederkehrende Diskussion über die Webcam eigentlich überflüssig sein. Oder?!

In diesem Buch wird immer wieder ausgeführt, dass ein wichtiger Faktor – welcher im Webinar fehlt – die nicht vorhandene Körpersprache ist.

Dies verunsichert oft zu Beginn gerade ungeübte E-Lerner. Den Ausgleich hier über die Webcam zu schaffen ist eine Idee, um Nähe herzustellen. Die Absicht dahinter ist die wahrnehmbare Präsenz des E-Trainers bei den Teilnehmern und der Teilnehmer untereinander über dieses Hilfsmittel zu fördern.

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Webcam dies nicht leisten kann. Das Beispiel oben beschreibt zutreffend die Vielzahl der Eindrücke, die durch aktivierte Webcams auf den Lerner einstürmen. Zusätzlich sorgen langsame Internetverbindungen oft für eine nicht synchrone Übertragung – die Stimme aus dem Headset passt also nicht zu den Lippenbewegungen des gesehenen Bildes. Befinden sich einzelne Personen dann gegebenenfalls auch noch in einem Großraumbüro, gibt es für die anderen Teilnehmer viel zu sehen – vor allem im Hintergrund.

Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass die Webcam nicht immer hilfreich ist. Mehr noch, sie lenkt in einigen Situationen massiv ab, führt zeitweilig sogar zu Irritationen, die dann den Lernprozess erschweren.

Damit stellt sich die Frage, ob die Webcam also komplett weggelassen werden kann. Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht. Jedoch sollte wohl überlegt werden, wann die Webcam eingesetzt wird und wann nicht.

Allgemeine Tipps

Um das Bedürfnis der Teilnehmer nach einem „Gesicht zur Stimme"“ aufzufangen, gibt es zwei gute Möglichkeiten:

- Schalten Sie die Webcam im Rahmen der Vorstellungsrunde bzw. während des Ankommens und bei wichtigen, sonstigen Phasen im Webinar ein. Dies kann sowohl vom E-Trainer, als auch von den Teilnehmern so vorgenommen werden.

- Erstellen Sie bei (befürchteten) langsamen Internetverbindungen eine Gruppenfolie. Alle Teilnehmer sollten dort mit einem Portrait-Foto und ihrem Namen vertreten sein. Eine Markierung der jeweiligen Person während der Vorstellungsrunde (durch den Zeigepfeil) ist dann möglich.

2. Didaktik im Webinar

a. E-Didaktik

Didaktik im Webinar [12]

Hintergrund zur Frage

„Der Begriff der Didaktik ... bezieht sich auf die Lern- und Bildungsprozesse, in denen eine ... absichtsvolle und bewusste Auseinandersetzung mit den Anforderungen von Lebenswelt und Gesellschaft stattfindet. “ [4] Es geht also darum, welche Inhalte, wie und mit welchem Ziel vermittelt werden sollen.

Dies gilt nicht nur für Präsenz-Seminare, sondern auch für Webinare.

Doch warum muss Didaktik für Webinare, also E-Didaktik noch einmal speziell und weitergehend überlegt werden?

Ansätze für Überlegungen

Didaktische Grundüberlegungen an den Anfang der Planung neuer Inhalte zu stellen, sollte für jeden Trainer selbstverständlich sein. Für E-Trainer gilt gleiches, jedoch ist für die Didaktik im Webinar noch mehr zu berücksichtigen.

Zum einen sind die sozialen Aspekte für eine förderliche, online stattfindende, Lern-/Lehrsituation, bewusst zu betrachten. Dies deshalb, weil viele in der Präsenz wie selbstverständlich ablaufende Vorgänge des sozialen Austausches im Webinar überlegt initiiert und gefördert werden müssen, z. B.:

- Wie kann der soziale Kontakt zwischen Teilnehmern hergestellt und gefördert werden?

- Welche Möglichkeiten zum Ausgleich der nicht vorhandenen Körpersprache gibt es? Wie und wann sollen diese eingesetzt werden?

- Welche Vorgehensweise, über welche Kommunikationswege (virtueller Raum, Telefon, Face-to-Face sprich in Präsenz) ist für schwierige Situationen vorgesehen?

Zum anderen geht es um die Aufbereitung und das zur Verfügung stellen von Lern-/Lehrinhalten, also beispielsweise um Überlegungen wie:

- Welche technischen Möglichkeiten bietet der virtuelle Raum, um den Lernenden sowohl Einzel-, Klein- und Großgruppen-Arbeiten zu ermöglichen?

- Welche Interaktionsmöglichkeiten sind im virtuellen Raum einsetzbar (mit welchen Teilnehmer-Rechten)?

- Wie können Lern-/Lehrinhalte vom E-Trainer zu den Teilnehmern gelangen?

- Ist eher eine inhaltliche Vermittlung der Materie (Schwerpunkt 2D) oder erlebnisorientiertes Lernen sinnvoll (3D Welt)?

Die genannten Punkte sollen verdeutlichen, dass vieles, was in Präsenzveranstaltungen nahezu „natürlich“ abläuft, im Webinar bewusst „in Gang gebracht“ werden muss. Mehr Online-Praxiserfahrungen werden dies zweifellos ändern, jedoch werden aus Sicht der Autorin Webinare immer eine spezielle Didaktik, ähnlich einer Fachdidaktik, für bestimmte Schulfächer erfordern (vgl. folgende Frage 13).

E-Didaktik als Fachdidaktik [13]

Hintergrund zur Frage

So wie der Begriff Didaktik sich allgemein mit der Theorie vom Lehren/Lernen beschäftigt (vgl. vorherige Frage 12), geht es bei Fachdidaktik um die besonderen Bedingungen in einem jeweiligen Bereich/Fach.

Speziell für Deutsch, Englisch, Mathematik usw. wird also nicht nur allgemein, sondern im Einzelnen überlegt was, warum und wie vermittelt und gelernt werden soll. Ferner wie besondere Aspekte, Inhalte und Erkenntnisse im Lernprozess und Lernergebnis sichtbar und begreifbar gemacht werden können.

Ansätze für Überlegungen

Wenn also Deutsch nicht in gleicher Weise wie Mathematik gelehrt und gelernt werden kann, dann müsste ohne weitere Diskussion klar sein, dass Inhalte in virtuellen Räumen auf andere Weise vermittelt werden müssen als in Präsenzseminaren.

Folgende Fragen können bei den grundsätzlichen Überlegungen helfen:

- Welche Inhalte sollen insgesamt vermittelt werden – und welche davon über Webinare?

- Sind die vorgesehenen Webinarinhalte für die Vermittlung über den virtuellen Raum geeignet?

- Ist eher eine inhaltliche (Fokus 2D) oder eine erlebnisorientierte Vermittlung von Inhalten sinnvoll (Fokus 3D)?

- In welcher Form ist die Vermittlung vorgesehen? Was sollen die Teilnehmer hinterher kennen – wissen – anwenden können?

- Welcher zeitliche Rahmen ist für die Webinare notwendig und wichtig?

- Wie viele Teilnehmer werden/sollen/können im Webinar sein?

- Wie vertraut sind die Teilnehmer mit dem „Lernen im Webinar“? Welche (Selbst-)Lernkompetenzen der Teilnehmer müssen gegebenenfalls entwickelt – gefördert – motiviert werden?

Selbsterklärend dürfte sich daraus auch ergeben, dass E-Trainer anders bzw. ergänzend ausgebildet sein sollten. U. a. in den Bereichen:

- Anforderung an spezielle und eigene Kommunikation im virtuellen Raum, um z. B. die fehlende Körpersprache auszugleichen.

- Besonderheiten zur Ansprache der Lernenden (z. B. fehlender Blick in die Runde).

Neben diesen Aspekten sollte daran gedacht werden, dass Lerngruppen auch im Webinar menschlich sind und genauso reagieren. Gruppenentwicklungen und -dynamiken, vorsichtige, schnelle und „übergriffige“ Teilnehmer gibt es auch im virtuellen Raum.

Weitere Details und Einzelheiten zu diesem Aspekt sind zu finden unter:

- den Fragen 15 bis 26 für übergeordnete Faktoren zur inhaltlichen und zeitlichen Planung,

- in Kapitel 3 – zum Aufbau von Webinaren,

- in den Fragen 54, 55, 59 und 61 in Kapitel 4 – zum Abholen, Vorbereiten und Mitnehmen der Teilnehmer im Webinar und

- in den Fragen 88 bis 96 in Kapitel 6 – über die einzelnen Tools im virtuellen Raum und wie diese im Webinar zielorientiert eingesetzt werden können.

E-Trainer, die professionell arbeiten wollen, finden in Kapitel 5 Hinweise, wie sie als E-Trainer anfangen und einsteigen und sich damit auf die o. g. Rahmenbedingungen vorbereiten können.

Spezieller Tipp für Einsteiger

Die Beschreibungen sollen verdeutlichen, dass es nicht ausreicht ein technisches Tool, wie einen virtuellen Raum (unabhängig davon ob 2D oder 3D) zu benutzen und dann einfach mit Präsenzinhalten ein Webinar durchzuführen. Denken Sie an die Zufriedenheit Ihrer Teilnehmer und daran, dass Sie als professioneller E-Trainer arbeiten wollen. Widmen Sie daher der E-Didaktik entsprechende Aufmerksamkeit.

E-Didaktik und Erwachsenenlernen [14]

Hintergrund zur Frage

E-Learning in Webinaren wird derzeit eher in der Erwachsenenweiterbildung eingesetzt. Darüber wie und was Kinder und Jugendliche im Webinar benötigen wurde bisher noch nicht systematisch geforscht, daher liegen hier nur punktuelle Kenntnisse vor. Anders die Erfahrungen mit erwachsenen Lernenden. Zwar gibt es hier nach Wissen der Autorin auch bisher keine Studien mit Schwerpunkten, wie z. B. „Was erwachsene Lernende benötigen, um im Webinar optimal lernen zu können“, doch richtet sich die überwiegende Anzahl der angebotenen Webinare an Erwachsene.

Ansätze für Überlegungen

Untersuchungen, wann erwachsene Lernende überhaupt gut lernen, bisher in Bezug auf Präsenzangebote formuliert, gibt es einige. U. a. hat Prof. Dr. Rolf Arnold von der Technischen Universität Kaiserslautern dazu bereits 1996 „Kriterien des erwachsenengemäßen Lernens“ formuliert, die jedoch, nach Meinung der Autorin, auch heute noch ihre Gültigkeit haben.

In diesen führt Prof. Arnold aus, dass Erwachsene einen aktiven Einfluss auf Lernszenarien schätzen. Lernen wird dann positiv aufgenommen, wenn es mitgestaltet und eigene Erfahrungen der Lerner mit eingebracht werden können [5] . In Webinaren ist Gleiches feststellbar. Wird Lernern die Möglichkeit geboten, aktiv und interaktiv am Lerngeschehen teilzunehmen, dann wird dies meist auch genutzt. Auffällig ist jedoch, dass die Aktivität der Lerner vom E-Trainer noch viel bewusster initiiert und eingefordert werden muss. Dies liegt vermutlich daran, dass es für die Lerner einfacher ist, sich im Webinar „hinter dem Bildschirm zu verstecken“.

Immer wiederkehrende Interaktionen und Tool-Wechsel sind im Webinar also wichtige Faktoren, um erwachsene Lernende im und am Geschehen [6] zu halten.

Allgemeiner Tipp

Vielfältige Methoden wie Sie im Webinarraum situativ und themenangepasst mit den vorhandenen Tools arbeiten können, finden Sie u. a. in meinem Buch „Webinar Methoden Koffer – 50 interaktive Methoden für virtuelle 2D & 3D Räume“.

Spezieller Tipp für Einsteiger

Denken Sie immer daran, dass Sie durch nicht vorhandene Interaktion Ihre Teilnehmer nicht „im Blick“ behalten und diese im Webinar durch den fehlenden Blickkontakt sehr schnell abschweifen. Solche Teilnehmer checken dann z. B. nebenher E-Mails, spielen oder schlafen schlimmstenfalls ein – und Sie bekommen es noch nicht einmal mit, wenn deren Kopf „auf der Tastatur aufschlägt“.

b. Lernen und Lehren im Webinar

Folienschlacht oder unterstützende Präsentation [15]

Hintergrund zur Frage

Die Teilnehmer sitzen im Auditorium und hören einem sehr langatmigen Vortrag zu, welcher von sehr vollen Folien begleitet wird, die der Vortragende nahezu wörtlich vorliest.

Vermutlich hat jeder schon einmal solch eine Situation erlebt.

Ansätze für Überlegungen

Wie auch in Frage 23 angesprochen, kommen Frontalvorträge leider noch oft vor und beim Publikum meist schlecht an. Im virtuellen Raum verstärkt sich ein solch negativer Eindruck bei den Teilnehmern exponentiell. Denn Inhalte, die aus abgelesenen überfüllten Folien bestehen, könnte der Vortragende aufzeichnen und anschließend als Video zur Verfügung stellen. Der Teilnehmer fragt sich in dieser Webinarsituation zu Recht: „Warum muss ich gerade jetzt hier sein?“ Folien sollten, wie alle im Webinar genutzten Medien unterstützen, aber nicht im Vordergrund stehen.

Über zu volle Folien wurden viele Bücher geschrieben. Lässt es sich manchmal jedoch tatsächlich nicht vermeiden ganze Sätze, z. B. bei Definitionen auf einer Folie darzustellen, dann kann der E-Trainer an zwei Punkten ansetzen:

- Viele Inhalte auf einer Folie machen es für die Teilnehmer schwierig den Überblick zu behalten, insbesondere dann, wenn der E-Trainer gleichzeitig noch etwas zu einzelnen Punkten erläutert:

> Der E-Trainer sollte also entweder die Inhalte einzeln, d. h. nach und nach einblenden und seine Ausführungen damit verknüpfen, oder

> die Teilnehmer zuerst die Folieninhalte insgesamt lesen lassen und dann einzelne/wichtige Punkte noch einmal ansprechen. In diesem Fall kann der Blick der Teilnehmer z. B. mit dem Zeigepfeil durch den E-Trainer gelenkt werden.

- Lässt es sich tatsächlich nicht vermeiden etwas vorzulesen, dann ist es wichtig, die Teilnehmer darauf hinzuweisen, dass ein Vorlesen nun stattfinden wird. Warum dies notwendig ist, wird in Frage 44 in Kapitel 3 ausgeführt.

Allgemeine Hinweise u. a. zum Folienformat und animierten Folien sind in Frage 92 in Kapitel 6 zu finden.

Allgemeiner Tipp

Da im 3D Raum überwiegend noch interaktiver gearbeitet wird, sollten Sie hier auch noch weniger Folien einsetzen. Entwickeln Sie Inhalte lieber auf dem Board.

Spezieller Tipp für Einsteiger

Auch wenn es darum geht nur so viele Folien wie wirklich notwendig zu erstellen, sollten Sie dennoch einer Fragestellung eine eigene Folie „gönnen“. Eine Folie, die lediglich eine Frage enthält, eignet sich nämlich sehr gut, um z. B. mit Teilnehmern gemeinsam ein Thema langsam aufbauend zu erarbeiten.


[1] Stangl, W.: eLearning electronic learning, [online] https://www.stangl.eu/psychologie/definition/E-Learning.shtml [31.01.2020]

[2] Pühl Harald, Supervision und Organisationsentwicklung, Springer Fachmedien GmbH, Wiesbaden, 2000, S. 206

[3] Spieß E., Rosenstiel L., Organisationspsychologie, Oldenbourg Verlag, München, S. 101

[4] Arnold Rolf et. al., Erwachsenenbildung, Schneider Verlag, Baltmannsweiler, 2017, S. 113

[5] Arnold Rolf Prof. Dr., „Kriterien erwachsenengemäßen Lernens“ (S. 199)

[6] Sajikumar et. al. (2014): Multitasking verhindert Langzeiterinnerung [online]

https://magazin.tu-braunschweig.de/pi-post/multitasking-verhindert-langzeiterinnerung/ [31.01.2020]

Details

Seiten
214
Jahr
2020
ISBN (eBook)
9783656977100
ISBN (Buch)
9783656977117
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300770
Note
Schlagworte
E-Learning Webinar E-Trainer Online Lernen Online Trainer Webinare Tipps Live Online Training Live Online Webinare ELearning Anja Röck

Autor

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Titel: 99+ Fragen & Antworten zum Webinar