Lade Inhalt...

99+ Fragen & Antworten zum Webinar

Wie gute Webinare durch professionelle E-Trainer entstehen

Fachbuch 2015 197 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung
Ein persönliches Wort
Wie nun mit diesem Buch umgehen?!
Wichtige Hinweise

1. Allgemeines und Einstieg
a. Definition
b. Ansätze
c. Grundsätzliches

2. Didaktik im Webinar
a. E-Didaktik
b. Lernen und Lehren im Webinar
c. Interaktives Lernen

3. Aufbau von Webinaren
a. Wichtiges
b. Vorbereitung
c. Einstieg
d. Im Webinar
e. Abschluss
f. Nachbereitung

4. Die Teilnehmer/innen im Webinar
a. Abholen
b. Vorbereiten + Einführen
c. Mitnehmen

5. Der E-Trainer/Online-Teacher
a. Kompetenzen + Kenntnisse
b. Eigene Erfahrungen und Entwicklung
c. Der E-Trainer im Webinar
d. E-Trainer Self Care
e. Der Arbeitsplatz des E-Trainers

6. Der virtuelle Raum für Webinare
a. Der virtuelle Raum und seine Werkzeuge
b. Die Werkzeuge im Detail
c. Support + Hotline
d. Datensicherheit im Webinarraum
e. Spezielle Punkte zum Webinarraum
f. Den Webinarraum einkaufen

7. Die Technik im Webinar
a. Der E-Trainer Computer und die Hardware
b. Der E-Trainer Computer und die Software
c. Der Teilnehmer Computer
d. Datenmengen + -anbindung
e. Technikprobleme während des Webinars

8. Webinare vermarkten
a. Rechtliche Fragestellungen
b. Kosten – Aufwand – Nutzen von Webinaren

Fragensammlung

Stichwortverzeichnis

Danksagung

An dieser Stelle möchte ich mich bedanken,

bei meinem Mann, Herrn Wolfgang Röck, der als Support und Hotline dafür sorgt, dass mein Computer immer erstklassig einsatzbereit ist. Er hat mir mit viel Geduld und Fachwissen immer wieder die wichtigen Punkte erklärt, die es zu berücksichtigen gilt, damit meine Arbeit als E-Trainer in allen virtuellen Räumen jederzeit professionell stattfinden kann, der Rechtsanwältin Frau Petra Geissinger, mit welcher ich in vielen Telefonaten und in noch mehr E-Mails die verschiedenen rechtlichen Fragestellungen durchdiskutiert habe und dabei immer wieder auf noch mehr zu bedenkende rechtliche Aspekte gestoßen bin,

Herrn Markus Roth der mit der Erstsammlung der Fragen, der folgenden Erstkorrektur und seinen damit verbundenen Hinweisen und Anregungen wesentlich die Entstehung dieses Buches unterstützt hat. In dem von ihm formulierten Vorwort zu diesem Buch führt er auch noch seine Sicht als E-Trainer aus, die sicher hilfreich für viele Interessierte ist, Frau Miriam Merz für die abschließende Korrektur und die Unterstützung beim Lektorat und ganz besonders für den Zuspruch und das Verständnis für eine abgelenkte Autorin bei meiner Tochter und bei meinem Mann.

Vorwort

Es sind nun deutlich mehr Fragen bzw. Themenpunkte geworden als die ursprünglich angedachten 99. Aber schon das zeigt, dass das Lehren mit Hilfe eines Webinars einiges an Wissen erfordert, um nicht gleich beim ersten Mal, die Teilnehmer zu verlieren.

Die Autorin schildert ihre eigenen praktischen Erfahrungen und tut dies ohne didaktisch erhobenen Zeigefinger. Ihre Sprache ist dabei sehr „menschlich“ und damit auch nah an eigenen Webinarerfahrungen. Beim Lesen hat man bisweilen das Gefühl, mit ihr in einem virtuellen Raum zu sitzen und nebenbei zu erfahren, was alles in rund 90 Minuten Webinar geschehen kann.

Dabei gibt sie zu vielen Themenpunkten Tipps, die sich sowohl an Anfänger als auch an fortgeschrittene Webinarleiter richten.

An manchen Stellen könnte dem Leser auffallen, dass dieser oder jener Punkt in einem anderen Zusammenhang schon einmal behandelt wurde.

Damit erreicht die Autorin, dass verschiedene Themenkomplexe miteinander verbunden werden. Auf diese Weise ist aber auch ein Direkteinstieg in bestimmte Fragestellungen für den Leser möglich, ohne dass er die vorangegangenen Kapitel gelesen haben muss.

Die Wiederholungen dienen natürlich auch dazu, dass der Autorin wichtige Punkte, beim Leser in Erinnerung bleiben.

Manche Hinweise in diesem Buch erscheinen einfach, ja fast trivial zu sein. Aber es sind gerade die offensichtlichen Dinge, die entscheidend für den Erfolg oder Misserfolg eines Webinars sein können und die man oft leicht vergisst.

In den praktischen Erfahrungen spiegelt sich der berufliche Werdegang der Autorin wider – sei es als Diplomingenieurin, in ihrer Tätigkeit als Sachbearbeiterin im technischen Umweltschutz bei einer Landkreisverwaltung oder in ihrem zweiten Studium zur M.A. Personalentwicklung an der TU Kaiserslautern und ihrer Tätigkeit als Coach. Viele unterschiedliche Bereiche also, die den Blick der Autorin geschärft haben, auch Hinweise über dem „Tellerrand“ zu geben.

Vielleicht hilft dieses Buch ein klein wenig, dass dem Thema Webinar noch mehr Aufmerksamkeit gewidmet wird und sich noch mehr Personen trauen, ein Webinar zu besuchen oder als ausgebildeter E-Trainer ein eigenes durchzuführen.

Markus Roth

Einleitung

Die in diesem Buch behandelten Fragen wurden der Autorin in den vergangenen Jahren immer wieder, einmal und mehrfach und auf unterschiedlichste Weise gestellt. So war der Schritt alles zusammen zu fassen und es gleichzeitig noch einmal zu beantworten gar nicht mehr so groß – und auf einmal wurde daraus ein Buch.

Beim ersten Brainstorming wurden circa 99 Fragen erfasst. Insgesamt sind nun 137 Aspekte zusammen gekommen, denn um Fragen im eigentlichen Sinn handelt es sich nicht mehr.

Die ursprünglich gestellten Fragen wurden zunächst gesammelt. Bei genauerem Hinsehen wurde festgestellt, dass unterschiedliche Blickpunkte in den Fragestellungen enthalten waren. Daher fanden in einem zweiten Schritt ein Clustern und eine schwerpunktmäßige Zuordnung zu Überschriften statt. Außerdem wurden in diesem Arbeitsschritt aus den ursprünglichen Fragen Aussagen formuliert.

Wichtige Blickwinkel und auch oft unbedachte Details für die Arbeit als professioneller E-Trainer sollten so herausgearbeitet werden. Gute Webinare entstehen nur selten „von allein“. Meist steckt von Seiten des E-Trainers viel Überlegung, Planung, Detailkenntnisse, technisches Verständnis und Empathie für Teilnehmerbedürfnisse – also insgesamt wirklich viel Arbeit – in der Entwicklung eines Webinars.

Gute Webinare berücksichtigen sowohl das zu Grunde liegende Curriculum und die formulierten Lernziele, als auch die Bedürfnisse der Teilnehmer und die spezielle Didaktik im virtuellen Raum. Die so entstehenden Webinare sind überwiegend hoch interaktiv, transportieren den Nutzen für die Teilnehmer und ermöglichen sowohl die Anknüpfung an Vorerfahrung, als auch einen anschließenden Transfer.

E-Trainer stehen oft vor der Herausforderung, dass unterschiedlichste Anforderungen von Seiten der Auftraggeber und nicht selten noch mehr Erwartungen von Seiten der Teilnehmer formuliert werden. Die Arbeit als E-Trainer enthält die zusätzliche Herausforderung der Abhängigkeit von der Funktionalität der Technik. Diese Abhängigkeit von der Technik sorgt zusammen mit den hohen Multitasking-Anforderungen für eine erhebliche Beanspruchung des E-Trainers.

Die in diesem Buch formulierten Aussagen sollen aufzeigen was alles zur Tätigkeit eines E-Trainers gehört und wie gute Webinare entstehen können.

Hierzu wurden die einzelnen Fragestellungen/Aussagen zunächst mit „einem Blick dahinter“ betrachtet und entstandene Überlegungen und Gedankengänge im Hintergrund zur Frage näher ausgeführt.

Mögliche Anhaltspunkte für Antworten, Einflussmöglichkeiten des E-Trainers und weitere Impulse wurden dann in Ansätze für Überlegungen formuliert. An diese Ausführungen schließen immer wieder auch Tipps für Einsteiger und/oder Fortgeschrittene aus den umfangreichen Praxiserfahrungen der Autorin an.

Um den Lesefluss nicht zu stören wurde in diesem Buch soweit möglich ein geschlechtsneutraler Begriff verwendet. Wo dies nicht machbar war, wurde die männliche Form Teilnehmer bzw. Lernender und E-Trainer bzw. Lehrender verwandt. Selbstverständlich ist hierbei auch immer die weibliche Form gemeint.

Ein persönliches Wort

Liebe Leserin, lieber Leser, ich wünsche Ihnen nun viel Inspiration und Freude beim Lesen und Überlegen, beim Ausprobieren, Nachdenken, Hinterfragen, Ausarbeiten und bei Ihrer Arbeit als E-Trainer/in.

Haben Sie Anmerkungen, Ergänzungen oder Vorschläge zu den Inhalten, freue ich mich über Ihre Rückmeldung. Gerne können Sie mir auch über Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse berichten.

Senden Sie mir dazu dann eine E-Mail unter: 99Webinarfragen@arise-coaching.de Verschiedene Punkte u. a. auch mit Praxiserfahrungen finden Sie zusätzlich auf meinem Blog: http://arise-coaching.blogspot.de/

Schauen Sie gerne vorbei!

Herzliche Grüße

Anja Röck

Wie nun mit diesem Buch umgehen?!

Grundsätzlich wurde das Buch als Nachschlagewerk geschrieben. Es kann daher auch punktuell, z. B. durch den Einstieg über das Inhaltsverzeichnis und/oder das Stichwortverzeichnis gelesen werden.

Wird das Buch von vorn und durchgehend gelesen, kann der Eindruck der Redundanz entstehen. Auftretende Wiederholungen sind jedoch gewollt und bewusst eingearbeitet worden, damit eben auch die oben erwähnte punktuelle Nutzung möglich wird.

Außerdem gilt nach einer alten Trainerweisheit: „Sieben mal wiederholt, ist einmal gemerkt!“

Wichtige Hinweise

1. Die Aussagen in Kapitel 7 „Technik im Webinar“ wurden überwiegend allgemein und übergeordnet formuliert und basieren auf dem technischen Kenntnis- und Wissensstand von Mai 2015. Dieses Buch hatte nicht zum Ziel einen Technikratgeber für E-Trainer zu formulieren, sondern unterschiedlichste technische Aspekte aufzuzeigen, welche die Arbeit eines E-Trainers beeinflussen können.
2. Für Kapitel 8a „Rechtliche Fragestellungen“ war das Ziel verschiedene rechtliche Fragestellungen in Verbindung mit Webinaren, deren Erstellung und Durchführungen aufzuzeigen. Auch hier ist der Kenntnis-, Wissens- und Rechtssprechungsstand von Mai 2015 zu Grunde zu legen. Im Einzelfall empfiehlt die Autorin immer die Konsultation einer einschlägigen Rechtsberatung bzw. eines Rechtsanwaltes.

Die Ausführungen und Tipps zur Technik und zu rechtlichen Fragen formulieren nach bestem Wissen und Gewissen das Ergebnis der Recherchen der Autorin, welche mit größtmöglicher Sorgfalt durchgeführt wurden.

Die Antworten zu den Fragestellungen stellen jedoch keine technische und/oder rechtliche Beratung dar. Auch übernimmt die Autorin keine Gewähr für die Aktualität, Vollständigkeit und Richtigkeit der bereitgestellten Informationen und Inhalte.

Eine Haftung der Autorin für Schäden gleich welcher Art ist ausgeschlossen.

1. Allgemeines und Einstieg

a. Definition

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

Es existiert eine Vielzahl von Beschreibungen für Seminare in virtuellen Räumen, dazu gehören "Online Seminare", "Seminare im virtuellen Raum", "Synchrone Seminare" und vieles mehr. Oft wurden und werden viele Worte verwendet, um zu beschreiben, worum es geht. Es war also wichtig einen Begriff zu finden, welcher akzeptiert wird und möglichst deutlich macht, worum es geht.

Ansätze für Überlegungen

Der Begriff, der sich derzeitig durchgesetzt hat ist ein Kunstwort. Das Wort Webinar setzt sich zusammen aus der Beschreibung: "Seminar im Web (www)".

Der Begriff Webinar wird also zumeist für synchron stattfindende Lehr- und Lernveranstaltungen verwendet.

Das Wort Webinar ist zwischenzeitlich sehr weit verbreitet und auch bereits in Verbindung mit vielen anderen Begriffen als Wortmarke eingetragen.

Tipp für Einsteiger

Gehen Sie im Moment eher davon aus, dass Ihr Gegenüber noch nicht mit allen Begriffen, wie z. B Webinar, E-Learning, WBTs, MOOCs usw. vertraut ist. Wahrscheinlicher ist, dass Sie erst einmal einige Begriffe werden erklären müssen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

Was macht ein Webinar zu einem Webinar? Die Auffassungen gehen hier teilweise sehr weit auseinander.

Ansätze für Überlegungen

Einigkeit besteht zumeist darüber, dass es sich bei einem Webinar um eine Veranstaltung in einem synchronen virtuellen Raum handelt, in welchem sich Lehrender und Lernende zeitgleich, also live befinden.

Auch darüber, was man unter der Bezeichnung "Seminar" versteht, gibt es sehr getrennte Ansichten. Ist ein Seminar eine mindestens interaktive, besser noch hoch-interaktive Veranstaltung oder kann damit auch ein Frontalvortrag mit Fragemöglichkeiten gemeint sein?

Im virtuellen Raum können, wie in Präsenzveranstaltungen auch, Inhalte präsentiert und zwischen Vortragendem/Trainer und den Teilnehmern Interaktionen mit verschiedenen Werkzeugen durchgeführt werden (vgl. Kapitel 6a). Inwieweit diese Möglichkeiten genutzt werden hängt sicher vom jeweiligen Thema, der Kompetenz und dem Wissen des Lehrenden und der Aktionsfreudigkeit der Teilnehmer ab.

Nach Auffassung der Autorin sollte der Begriff Webinar nur dann verwendet werden, wenn es sich dabei um:

- eine (hoch-)interaktive
- Lehr-/Lernveranstaltung
- im synchronen, virtuellen Raum handelt.

b. Ansätze

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

Gibt es überhaupt "richtige und falsche“ Webinare? Eine Einstufung in "gut und schlecht" beinhaltet schließlich eine Bewertung, die rein subjektiv ist.

Ansätze für Überlegungen

Meist gibt es nur "passendere" und "weniger passendere" Webinare. So wie dies auch von Präsenzveranstaltungen bekannt ist, fanden die einen es "toll" und die anderen eben nicht.

Es allen Teilnehmern recht machen ist auch im Webinar schwierig.

Grundsätzlich gilt hier ebenfalls bei der Planung und der Erstellung der Inhalte:

- die Zielgruppe kennen und bedenken
- die (Lern-)Ziele definieren – insbesondere in Kann-, Soll- und Mussziele
- die Rahmenbedingungen gegebenenfalls anpassen

Tipp für Einsteiger

Es gibt viele Webinarangebote die kostenlos sind. Besuchen Sie einige und finden Sie für sich heraus, was Ihnen gut gefällt und was nicht. Mit diesen Erfahrungen können Sie sich eher vorstellen, wie Ihre eigenen Webinare werden sollen – und wie eben auch nicht.

Tipps für Fortgeschrittene

Oft macht bereits der "erste Eindruck", also z. B. der Einstieg ins Webinar den Unterschied. Überlegen Sie sich als E-Trainer beispielsweise ob sich Ihre Teilnehmer bereits kennen oder noch nicht. Wann wollen Sie eine "übliche" Vorstellungsrunde (vgl. auch Kapitel 3c) durchführen und wann eher gemeinsam ankommen. Als E-Trainer sollten Sie hier immer im Hinterkopf behalten, dass Sie ein Kopfschütteln der Teilnehmer nicht wahrnehmen können, um sofern notwendig gegenzusteuern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

Webinare sind nicht gleichzusetzen mit E-Learning und genauso wenig umgekehrt. Zwischenzeitlich ist festzustellen, dass sich der Begriff "E-Learning“ zu einem Ober-/Überbegriff entwickelt hat. Dafür spricht auch folgende Aussage: „Eine allgemeingültige Definition des Begriffs E-Learning existiert nicht. Electronic Learning (E-Learning) verknüpft Lehr- und Lernprozesse mit Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK-Technologien); Lehr- bzw. Lerninhalte werden computerunterstützt übertragen.“ (vgl. Jürgen Theisen – Managing Director – Skillsoft Deutschland GmbH, http://www.iwi.uni-hannover.de/lv/ucc_ws04_05/schoemburg/E-Learning_Definition.htm

Ansätze für Überlegungen

Webinare sind also ein Bereich in der Thematik E-Learning. Webinare können mit vielen anderen Szenarien kombiniert werden. Dabei muss es sich nicht unbedingt um weitere Werkzeuge aus der computervermittelten Kommunikation, also z. B. Foren, Learning-Apps, Blogs, sozialen Netzwerken u. ä. handeln. Auch die Kombination mit Präsenzveranstaltungen, um dann zu einem Blended Learning Angebot zu kommen, ist möglich.

Tipp für Einsteiger

Wie oben ausgeführt, müssen Sie als E-Trainer oft noch viel Aufklärungsarbeit leisten, was E-Learning im Allgemeinen und im Besonderen betrifft. Dies fängt bei Begrifflichkeiten, wie Webinar, E-Learning, WBTs, CBTs, virtuelle Räume, MOOCs usw. an und geht bei möglichen Kombinationen im Blended Learning weiter. Machen Sie sich also mit den unterschiedlichen Bezeichnungen möglichst vertraut.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

Immer wieder geht es um die Frage der Vor- und Nachteile, und ob E-Learning, insbesondere auch Webinare, die Präsenz ganz ablösen kann, wird und soll.

Ansätze für Überlegungen

Deutlich zu sagen ist, dass E-Learning Szenarien nicht ausschließlich aus Webinaren bestehen. Zum E-Learning gehören weit mehr Möglichkeiten als der virtuelle Raum, die für ein effektives Lernen genutzt werden können.

Auch sollte überlegt werden, warum es immer um ein "entweder – oder" gehen muss. Kann nicht auch ein "und" möglich sein?

Viele Punkte sprechen für das Lernen mit neuen Medien. Vorteile bietet insbesondere das gemeinsame Lernen im synchronen Raum, also im Webinar (vgl. Frage 6). Jedoch gibt es auch Rahmenbedingungen und Punkte, bei welchen die Grenzen von Webinaren ganz klar zu Tage treten. Ob hier zu den bisherigen 2D virtuellen Räumen, die neuen 3D Serious Games Szenarien wirklich bei allem Abhilfe schaffen können bleibt noch abzuwarten.

Vermutlich wird daher immer in verschiedensten Situationen die Notwendigkeit für Präsenzveranstaltungen bestehen bleiben. Und warum auch nicht? Wir alle trinken schließlich viel lieber gemeinsam einen echten Kaffee als sich dies ausschließlich virtuell vorzustellen.

Tipp für Einsteiger und Fortgeschrittene

Der Markt der E-Learning-Tools und Learning Apps ist ständig in Bewegung. Hier ist es für Sie als E-Trainer wichtig an den Entwicklungen und Neuerungen dran zu bleiben. Messen, wie die jährlich in Karlsruhe stattfindende Learntec, können hier immer wieder einen aktuellen Überblick geben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

Einige Punkte sprechen für E-Learning Tools. Der jedoch meist zuerst genannte Faktor des "zeitunabhängigen Lernens" greift bei Webinaren nicht.

Ansätze für Überlegungen

Den Vorteilen von Webinaren, wie z. B.

- gute Zugänglichkeit/Erreichbarkeit des Lernortes,
- niedrige Einstiegshürde in die Lernsituation,
- örtliche Unabhängigkeit,
- möglicher direkter Austausch zwischen den Lernenden inklusive Reflexion,
- Wegfall von Reisetätigkeiten und -kosten

und vielen mehr, stehen jedoch auch ein paar Nachteile gegenüber. Vielleicht sollten diese Punkte lieber "die zu überlegenden Punkte" genannt werden, denn ob es tatsächlich Nachteile, also negative Punkte sind, hängt von vielem ab.

Klar ist, bei Webinaren handelt es sich um synchrone Veranstaltungen. Dies sind also Szenarien, in welchen Lehrender und Lernende sich zum selben Zeitpunkt im gleichen virtuellen Raum befinden. Damit fällt zwar das Lernen, wann der Lerner Zeit hat weg, jedoch ist eben auch der Austausch und der Kontakt möglich.

Auch die freie Wahl des Lernstoffes zum jeweiligen Zeitpunkt kann nicht unbedingt und ausschließlich vom einzelnen Lernenden bestimmt werden, denn im Webinar sind gleichzeitig meist mehrere Lerner. Auch dies muss jedoch kein Nachteil sein, denn so mancher Lerner muss ab-und-an "genötigt" werden sich mit allen notwendigen Aspekten des Lernstoffes auseinander zu setzen. Außerdem gelingt dies interaktiv in einer Gruppe meist leichter als "allein zu Hause".

Nicht zu unterschätzen ist, wie an anderer Stelle diskutiert, die im Webinar fehlende Körpersprache. Gerade die Körpersprache ist mitverantwortlich dafür, ob Menschen miteinander in Kontakt kommen oder eben auch nicht. Immerhin steht im Webinar die Stimme des Gegenübers mit zur Verfügung. Das Webinar bietet damit im Gegensatz zu manch anderen E-Learning-Tools zumindest einen weiteren Aspekt an, um das (notwendige) Gefühl von Nähe zu unterstützen.

In diesem Zusammenhang sei auch noch angesprochen, dass der Einsatz einer Webcam hier meist nicht den gewünschten Ausgleich anbieten kann (vgl. Frage 11).

Sicher ist auch, dass Webinare praktische Abläufe und übungsintensive Tätigkeiten zwar theoretisch abbilden können, die Praxis als solche – also das Tun – aber nicht ersetzen können (vgl. auch Fragen 7 und 8).

Abschließend ist noch zu erwähnen, dass es sich derzeit bei vielen Webinaren noch oft um "Folien-Schlachten" meist in Verbindung mit Frontalvorträgen handelt. Diesen Nachteilen von Webinaren kann jedoch nur durch gut ausgebildete und professionell arbeitende E-Trainer begegnet werden. (vgl. auch Fragen 15, 23 in Kapitel 2, sowie Fragen 67 bis 69 in Kapitel 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

E-Learning Szenarien als Durchbruch in der „Weiterbildung für alle“?! Lernen, das individuell, jederzeit nutzbar, genau auf den einzelnen Teilnehmer passend und vieles mehr ist?!

Mit Web-based- (WBTs) und Computer-based-Learning (CBTs) Angeboten wurden einige der genannten Anforderungen bereits umgesetzt. Lernen konnte dann stattfinden, wann der Lerner es brauchte und wollte. Die Lernmedien waren gut zugänglich und es waren keine Reiseaktionen notwendig.

Doch schnell nahm der erste "Hype" ab. Denn es fehlten wichtige soziale Aspekte, um das Lernen für den einzelnen Lerner attraktiv zu machen.

Ansätze für Überlegungen

Noch immer können computervermittelte Lernszenarien Körpersprache nicht abbilden (vgl. Frage 11). Und auch bei praktischen Abläufen werden schnell Grenzen aufgezeigt (frei nach Vera Birkenbihl: "Pfannkuchen backen kann man nicht theoretisch lernen.")

Jedoch haben sich das E-Learning und die Möglichkeiten in E-Learning Tools weiter entwickelt. Heute ist z. B. über Webinare die Herstellung und Entwicklung einer sozialen Beziehung möglich. Forciert der E-Trainer dies, dann kommen Lerner sowohl untereinander als auch mit den Trainern besser in Kontakt.

Nur durch solche soziale Verbindung, also dem "sich gegenseitig als Mensch" wahrnehmen, ist überhaupt ein zielgerichtetes und effizientes, kollaboratives und kooperatives Lernen möglich.

Damit kann die oft von den Lernern empfundene Isolation im Lernprozess bei der Nutzung von E-Learning Tools durchbrochen werden. Austausch und Weiterentwicklung durch ein "miteinander" ist möglich.

Daraus resultieren weitere, vielseitige Möglichkeiten Webinare auch in komplexere Lernszenarien zu integrieren. Stichworte sind hier: Learning near-, on- und by-the-job.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

Der Begriff Webinar ergibt derzeit bei einer Internetsuche ca. 43.000.000 Treffer (Stand Mai 2015). Doch wissen damit längst nicht alle Menschen was mit dem Begriff gemeint ist.

Webinare sind also noch lange keine "Selbstverständlichkeit". Da erscheint es fast voreilig dies noch weiter zu steigern und zu erklären, dass Webinare derzeit zumeist in 2D virtuellen Räumen stattfinden (vgl. Fragen 87 bis 96 in Kapitel 6), es hierfür jedoch noch die Steigerung durch den 3D virtuellen Raum gibt.

Was macht nun den Unterschied von 2D zu 3D Lernwelten aus und wofür sollen diese eingesetzt werden?

Ansätze für Überlegungen

Im 2D virtuellen Raum werden immer dann schnell Grenzen erreicht, wenn es im Lernprozess um Verhaltensänderungen, Soft Skills und/oder "das Thema hinter dem Thema" geht. Ein Beispiel: Ein thematisches Teamtraining, das nicht weitergeführt werden kann, da es im Team selber Unstimmigkeiten gibt.

Hier ist dann auf einmal der Übergang vom Training zum Coaching bzw. zur Supervision erreicht.

3D Lernwelten sind nicht neu. "Second Life" war und ist ein solches 3D Szenario und fand lange Zeit auch intensive Nutzung und viele Anhänger und Freunde. Doch schnell wurde auch deutlich, dass sich dort nur schwierig formale Lernprozesse abbilden lassen und auch keine wirklich geschützten Bereiche aufgebaut werden können.

Den Schritt die o. g. Anforderungen zu verknüpfen geht nun der virtuelle 3D Raum. Hier ist sowohl ein formaler Lernprozess möglich, als auch der Wechsel zwischen Inhaltsvermittlung und Coaching. Dies alles findet in einem geschützten und nach außen abgeschlossenen Rahmen statt.

Die Teilnehmer und der Trainer befinden sich dabei, gleich wie im virtuellen 2D Raum, zeitgleich online. Sie werden hier nicht nur über eine Teilnehmerliste, sondern über Avatare (also Stellvertreter) abgebildet. Diese Avatare können sprechen, hören, laufen, sich hinsetzen, Dinge bewegen und gemeinsam an interaktiven Boards und Wänden arbeiten.

Die Nutzung solcher 3D Räume fand bisher hauptsächlich in speziellen Lernwelten für Polizei oder Bundeswehr statt. Der Einzug in den "zivilen" Bereich ist schon gemacht, steht jedoch vergleichsweise noch am Anfang. Die weitere Entwicklung bleibt daher abzuwarten, beinhaltet jedoch vielfältigste Möglichkeiten.

Tipp für Einsteiger

Der virtuelle 3D Raum und das Agieren darin unterscheidet sich in vielen Punkten vom 2D Raum. Viele "Kleinigkeiten", die in 2D nicht auftreten, sind auf einmal in 3D wieder wichtig. Da Sie in 3D mit einem Avatar arbeiten, geht es dort z. B. – gleich wie in Präsenzseminaren – auf einmal auch wieder um den "ersten Eindruck der Optik".

Tipp für Fortgeschrittene

Derzeit gibt es ungefähr 2-3 Anbieter von virtuellen 3D Räumen auf dem deutschen Markt. Die Wichtigsten sind immer wieder auf der Learntec in Karlsruhe anzutreffen.

Sollten Sie hier auf eine gute Software stoßen, freue ich mich über Ihre E-Mail.

c. Grundsätzliches

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

Aus wessen "Feder" ein Seminar stammt, wird meist sehr schnell deutlich. Für Webinare gilt hier ähnliches. Auch dort ist meist schnell festzustellen worum es dem Lehrenden geht. Mehr noch, meist ist auch sehr schnell auffällig, welchen Blick der Lehrende auf seine Teilnehmer hat.

Ansätze für Überlegungen

Je nachdem, welche Einstellung der Lehrende/E-Trainer zu seinen Teilnehmern hat, wird er Inhalte unterschiedlich aufbereiten und vermitteln. Dies gilt für Seminare und Webinare.

Damit stellt sich also die Frage, wie sich der Lehrende sieht. Ist er (nach Schein: Beratermodelle):

- Experte
- Prozessberater
- oder Lernberater?

Welche Einstellung hat er zu den Lernenden? Sieht er hier eher (nach Rosenstiel: Berufstypologie) den:

- karriereorientierten,
- den freizeitorientierten oder den
- „alternativ engagierten“ Lerner bei der Erstellung seiner Inhalte vor sich?

Je nachdem wird der Lehrende Inhalte eher:

- mit Überbegriffen zum Selbstlernen oder mit vielen Details genau vorgegeben,
- in kleinen Häppchen oder flexibel steuerbar,
- mit genauen Kontrollen oder mit Lernfortschrittssignalen versehen.

Die Klärung der o. g. Perspektiven für den Lehrenden für Webinare noch einmal besonders in Augenschein zu nehmen ist wichtig. Denn zum einen hat der Blickwinkel wiederum etwas damit zu tun, wie die Lerninhalte auf das Webinar übertragen werden, zum anderen kann es durch eine zu eingeschränkte Vorgehensweise aber auch zu einem nicht beabsichtigten Bild beim Lernenden kommen.

Es gilt also die Möglichkeiten im Webinar so auszuschöpfen, dass die angestrebten Ziele mit der beabsichtigten Selbstständigkeit der Lerner erreichbar sind.

Tipps für Einsteiger und Fortgeschrittene

Überprüfen Sie sich immer wieder selbst, wo Sie in Bezug auf Ihre Lerner stehen. Der Lernende/Teilnehmer ist und sollte dies auch sein – Ihr Partner im Lernprozess. Kämpfe kosten hier nur wertvolle Lernzeit. Auch mit dieser Perspektive gilt es auf den Lerner zuzugehen.

Überlegen Sie also genau, welche Tools Sie nutzen, welche Hilfestellung im Webinar noch im Detail erklärt werden – und wo genau der Lerner gut in der Lage ist selber zu agieren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

Jeder Mensch lernt unterschiedlich – dies ist keine neue Erkenntnis. Doch warum dann immer noch so viele Lernszenarien sehr einseitig ausgerichtet sind, sollte eine berechtigte Frage sein.

Auch im Webinar lassen sich unterschiedlichste Lernpräferenzen berücksichtigen und abholen.

Ansätze für Überlegungen

Wie an verschiedenen Stellen ausgeführt:

- erlaubt der Aufbau im virtuellen Raum die Nutzung verschiedenster Werkzeuge (vgl. Frage 88 und 89 in Kapitel 6) und
- lassen Interaktionen die Teilnehmer, insbesondere erwachsene Lernende auch besser im Lernprozess dabei sein (vgl. Fragen 14 und 27 in Kapitel 2).

Doch nicht nur diese Punkte sind wichtig um Lernende im Webinar optimal zu fordern und fördern.

Wichtige Lernpräferenzen und die Möglichkeiten im Webinar:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Unter dem Aspekt sämtliche Lernpräferenzen bestmöglich zu bedienen, gilt also wiederum alle Werkzeuge im virtuellen Raum angemessen zu nutzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

Die Diskussion zum Einsatz einer Webcam ist in fast jedem Webinar zu finden.

Zur Verdeutlichung folgendes Beispiel:

Der E-Trainer arbeitet mit einem Laptop und befindet sich in einem virtuellen Raum. Sechs der 12 Teilnehmer haben ihre Webcam aktiviert, der E-Trainer selbstverständlich auch. Auf einem 13 Zoll Bildschirm werden somit die Präsentationsfläche, der Textchat, der Dateitransfer und die Teilnehmerliste, sowie sieben Webcam-Fenster aufgezeigt.

Inwieweit hier noch eine Fokussierung und/oder Orientierung stattfinden kann, ganz zu schweigen von einem gezielten Lernen, soll erst einmal offen bleiben.

Ansätze für Überlegungen

Durch ein Beispiel, wie das oben genannte, sollte eine immer wiederkehrende Diskussion über die Webcam eigentlich überflüssig sein, oder?!

In diesem Buch wird immer wieder ausgeführt, dass ein wichtiger Faktor – welcher im Webinar fehlt – die nicht vorhandene Körpersprache ist.

Dies verunsichert gerade ungeübte E-Lerner. Den Ausgleich hier nun über die Webcam zu schaffen ist eine Idee, um Nähe herzustellen. Die Absicht dahinter ist die wahrnehmbare Präsenz des E-Trainers bei den Teilnehmern und der Teilnehmer untereinander über dieses Hilfsmittel zu fördern.

Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die Webcam dies nicht leisten kann. Das Beispiel oben beschreibt zutreffend die Vielzahl der Eindrücke, die durch aktivierte Webcams auf den Lerner einstürmen. Zusätzlich sorgen langsame Internetverbindungen oft für eine unsynchrone Übertragung – die Stimme aus dem Headset passt also nicht zu den Lippenbewegungen des übertragenen Bildes.

Befinden sich einzelne Personen dann gegebenenfalls auch noch in einem Großraumbüro, gibt es für die anderen Teilnehmer viel zu sehen – vor allem im Hintergrund.

Diese Beispiele sollen verdeutlichen, dass die Webcam nicht immer hilfreich ist. Mehr noch, sie lenkt in einigen Situationen massiv ab, führt zeitweilig sogar zu Irritationen, die dann den Lernprozess erschweren.

Damit stellt sich die Frage, ob die Webcam also komplett weggelassen werden sollte. Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht. Jedoch sollte wohl überlegt werden, wann die Webcam eingesetzt wird und wann nicht.

Tipps für Einsteiger und Fortgeschrittene

Um das Bedürfnis der Teilnehmer nach einem "Gesicht zur Stimme" aufzufangen, gibt es zwei gute Möglichkeiten:

- Schalten Sie die Webcam während der Vorstellungsrunde bzw. der Phase des Ankommens und bei wichtigen, sonstigen Phasen im Webinar ein. Dies kann sowohl vom E-Trainer, als auch von den Teilnehmern so vorgenommen werden.
- Erstellen Sie bei (befürchteten) langsamen Internetverbindungen eine Gruppenfolie. Alle Teilnehmer sollten dort mit einem Portrait-Foto und ihrem Namen vertreten sein. Eine Markierung der jeweiligen Person während der Vorstellungsrunde (durch den Zeigepfeil) ist dann möglich.

2. Didaktik im Webinar

a. E-Didaktik

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

Am Anfang steht immer die Theorie. Welche Inhalte sollen wie und mit welchem Ziel vermittelt werden? Dies gilt nicht nur für Präsenz-Seminare, sondern auch für Webinare.

Warum muss dann Didaktik für Webinare noch einmal speziell überlegt werden?

Ansätze für Überlegungen

Didaktische Grundüberlegungen an den Anfang der Planung neuer Inhalte zu stellen, sollte für jeden Trainer selbstverständlich sein. Für E-Trainer gilt gleiches, jedoch ist für die Didaktik im Webinare noch mehr zu berücksichtigen.

Zum einen sind die sozialen Aspekte einer förderlichen Lern-/Lehrsituation bewusst zu betrachten. Dies deshalb, weil viele in der Präsenz selbstverständlich ablaufende Vorgänge des sozialen Austausches im Webinar überlegt initiiert und gefördert werden müssen, z. B.:

- Wie kann der soziale Kontakt zwischen Teilnehmern hergestellt und gefördert werden?
- Welche Möglichkeiten zum Ausgleich der nicht vorhandenen Körpersprache gibt es? Wie und wann sollen diese eingesetzt werden?
- Welche Vorgehensweise, über welche Kommunikationswege (VCs, Telefon, face-to-face) ist für schwierige Situationen vorgesehen?

Zum anderen geht es um die Aufbereitung und das zur Verfügung stellen von Lern-/Lehrinhalten, also beispielsweise um Überlegungen wie:

- Welche technischen Möglichkeiten bietet der virtuelle Raum, um den Lernenden sowohl Einzel-, Klein- und Großgruppen-Arbeiten zu ermöglichen?
- Welche Interaktionsmöglichkeiten sind im virtuellen Raum einsetzbar (mit welchen Teilnehmer-Rechten)?
- Wie können Lern-/Lehrinhalte vom E-Trainer zu den Teilnehmern gelangen?
Die genannten Punkte sollen verdeutlichen, dass vieles was in Präsenzveranstaltungen nahezu „natürlich“ abläuft, im Webinar bewusst „in Gang gebracht“ werden muss. Mehr Praxiserfahrungen werden dies zweifellos ändern, jedoch werden aus Sicht der Autorin Webinare immer eine spezielle Didaktik, ähnlich einer Fachdidaktik, für bestimmte Schulfächer erfordern (vgl. Frage 13).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

So wie der Begriff Didaktik sich allgemein mit der Theorie vom Lehren/Lernen beschäftigt (vgl. Frage 12), geht es bei Fachdidaktik um die besonderen Bedingungen in einem jeweiligen Bereich/Fach.

Speziell für Deutsch, Englisch, Mathematik usw. wird also nicht nur allgemein, sondern im Einzelnen überlegt was, warum und wie vermittelt und gelernt werden soll. Ferner wie besondere Aspekte, Inhalte und Erkenntnisse im Lernprozess und Lernergebnis sichtbar und begreifbar gemacht werden können.

Ansätze für Überlegungen

Wenn also Deutsch nicht in gleicher Weise wie Mathematik gelehrt und gelernt werden kann, dann müsste ohne weitere Diskussion klar sein, dass Inhalte in virtuellen Räumen auf andere Weise vermittelt werden müssen als in Präsenzseminaren.

Folgende Fragen können bei den grundsätzlichen Überlegungen helfen:

- Welche Inhalte sollen insgesamt vermittelt werden – und welche davon über Webinare?
- Sind die vorgesehenen Webinarinhalte für die Vermittlung über den virtuellen Raum geeignet?
- Welche Form der Vermittlung ist vorgesehen? Was sollen die Teilnehmer hinterher kennen – wissen – anwenden können?
- In welchem zeitlichen Rahmen soll die Vermittlung über Webinare stattfinden?
- Wie viele Teilnehmer sollen im Webinar sein?
- Wie vertraut sind die Teilnehmer mit dem „Lernen im Webinar“? Welche (Selbst-)Lernkompetenzen der Teilnehmer müssen gegebenenfalls entwickelt – gefördert – motiviert werden?

Selbsterklärend dürfte sich daraus auch ergeben, dass E-Trainer anders bzw. ergänzend ausgebildet sein sollten, u. a. in den Bereichen:

- Anforderung an spezielle und eigene Kommunikation im virtuellen Raum, um z. B. die fehlende Körpersprache auszugleichen.
- Besonderheiten zur Ansprache der Lernenden (z. B. fehlender Blick in die Runde).
Neben diesen Aspekten sollte daran gedacht werden, dass Lerngruppen auch im Webinar menschlich sind und so reagieren. Gruppenentwicklungen und -dynamiken, vorsichtige, schnelle und „übergriffige“ Teilnehmer gibt es auch im virtuellen Raum.

Weitere Details und Einzelheiten sind zu finden unter:

- den Fragen 15 bis 26 für übergeordnete Faktoren zur inhaltlichen und zeitlichen Planung,
- in Kapitel 3 – zum Aufbau von Webinaren,
- in den Fragen 54, 55, 59 und 61 in Kapitel 4 – zum Abholen, Vorbereiten und Mitnehmen der Teilnehmer im Webinare und
- in den Fragen 88 bis 96 in Kapitel 6 – über die einzelnen Tools im virtuellen Raum und wie diese im Webinar zielorientiert eingesetzt werde können.

E-Trainer, die professionell arbeiten wollen, finden in Kapitel 5 Hinweise, wie sie als E-Trainer anfangen und einsteigen und sich damit auf die o. g. Rahmenbedingungen vorbereiten können.

Tipp für Einsteiger

Die Beschreibungen sollen verdeutlichen, dass es nicht ausreicht ein technisches Tool, wie einen virtuellen Raum zu benutzen und dann einfach mit Präsenzinhalten ein Webinar durchzuführen. Denken Sie an die Zufriedenheit Ihrer Teilnehmer und daran, dass Sie als professioneller E-Trainer arbeiten wollen. Widmen Sie daher der E-Didaktik entsprechende Aufmerksamkeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

E-Learning in Webinaren wird derzeit eher in der Erwachsenenweiterbildung eingesetzt. Darüber wie und was Kinder und Jugendliche im Webinar benötigen wurde bisher noch nicht systematisch erforscht, daher liegen hier nur punktuelle Kenntnisse vor.

Anders die Erfahrungen mit erwachsenen Lernenden. Zwar gibt es hier nach Wissen der Autorin auch bisher keine Studien mit Schwerpunkten, wie z. B. „Was erwachsene Lernende benötigen, um im Webinar optimal lernen zu können“, doch richtet sich die überwiegende Anzahl der angebotenen Webinare an erwachsene Personen.

Ansätze für Überlegungen

Untersuchungen, wann erwachsene Lernende überhaupt gut lernen, bisher in Bezug auf Präsenzangebote formuliert, gibt es einige. U. a. hat Prof. Dr. Rolf Arnold von der Technischen Universität Kaiserslautern dazu bereits 1996 „Kriterien des erwachsenengemäßem Lernens“ formuliert.

In diesen führt Prof. Arnold aus, dass Erwachsene einen aktiven Einfluss auf Lernszenarien schätzen. Lernen wird dann positiv aufgenommen, wenn es mitgestaltet und eigene Erfahrungen der Lerner mit eingebracht werden können.

In Webinaren ist Gleiches feststellbar. Wird Lernern die Möglichkeit geboten aktiv und interaktiv am Lerngeschehen teilzunehmen, dann wird dies meist auch genutzt. Auffällig ist jedoch, dass die Aktivität der Lerner vom E-Trainer noch viel bewusster initiiert und eingefordert werden muss. Dies liegt vermutlich daran, dass es für die Lerner einfacher ist sich im Webinar „hinter dem Bildschirm zu verstecken“.

Immer wiederkehrende Interaktionen und Tool-Wechsel sind im Webinar also wichtige Faktoren, um erwachsene Lernende im und am Geschehen zu halten.

Tipp für Einsteiger

Denken Sie immer daran, dass wenn Sie durch nicht vorhandene Interaktion Ihre Teilnehmer nicht „im Blick“ behalten, diese im Webinar durch den fehlenden Blickkontakt sehr schnell abschweifen. Solche Teilnehmer checken dann meist nebenher E-Mails, spielen oder schlafen schlimmstenfalls ein – und Sie bekommen es noch nicht einmal mit, wenn deren Kopf „auf der Tastatur aufschlägt“.

b. Lernen und Lehren im Webinar

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

Die Teilnehmer sitzen im Auditorium und hören einem sehr langatmigen Vortrag zu, welcher von sehr vollen Folien begleitet wird, die der Vortragende nahezu wörtlich vorliest.

Vermutlich hat jeder schon einmal solch eine Situation erlebt.

Ansätze für Überlegungen

Wie auch in Frage 23 angesprochen, kommen Frontalvorträge leider noch oft vor und beim Publikum meist schlecht an. Im virtuellen Raum verstärkt sich ein solch negativer Eindruck bei den Teilnehmern exponentiell. Denn Inhalte, die aus abgelesenen überfüllten Folien bestehen, könnte der Vortragende aufzeichnen und anschließend als Video zur Verfügung stellen. Der Teilnehmer fragt sich in dieser Situation im Webinar zu Recht: „Warum muss ich gerade jetzt hier sein?“

Folien sollten, wie alle im Webinar genutzten Medien unterstützen, aber nicht im Vordergrund stehen.

Über zu volle Folien wurden ganze Bücher geschrieben. Manchmal lässt es sich jedoch tatsächlich nicht vermeiden ganze Sätze, z. B. bei Definitionen auf einer Folie darzustellen.

An zwei Punkten kann der E-Trainer hier nun ansetzen:

- Viele Inhalte auf einer Folien machen es für die Teilnehmer schwierig den Überblick zu behalten, insbesondere dann, wenn der E-Trainer gleichzeitig noch etwas zu einzelnen Punkten erläutert:
- Der E-Trainer sollte also entweder die Inhalte einzeln, d. h. nach und nach einblenden und seine Ausführungen damit verknüpfen, oder
- die Teilnehmer zuerst die Folieninhalte gesamt lesen lassen und dann einzelne/wichtige Punkte noch einmal ansprechen. In diesem Fall kann der Blick der Teilnehmer z. B. mit dem Zeigepfeil durch den E-Trainer gelenkt werden.
- Lässt es sich nicht vermeiden etwas vorzulesen, dann ist es wichtig die Teilnehmer darauf hinzuweisen, dass ein Vorlesen nun stattfinden wird. Warum dies notwendig ist, wird in Frage 44 in Kapitel 3 ausgeführt.

Allgemeine Hinweise u. a. zum Folienformat und animierten Folien sind in Frage 92 in Kapitel 6 zu finden.

Tipp für Einsteiger

Auch wenn es darum geht nur so viele Folien wie wirklich notwendig zu erstellen, sollten Sie dennoch einer Fragestellung eine eigene Folie „gönnen“. Eine Folie, die lediglich eine Frage enthält, eignet sich nämlich gut, um z. B. mit Teilnehmern ein Thema langsam aufbauend zu erarbeiten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

Wie im Präsenzseminar auch, liegt die Aufgabe des E-Trainers im Webinar oft eher darin, den Lernprozess zu moderieren, als den eigentlichen Lernprozess tatsächlich zu bestimmen.

Unsauberkeiten und Unsicherheiten in der Moderation des E-Trainers werden jedoch im Webinar viel schneller sichtbar.

Ansätze für Überlegungen

„Ich gehe davon aus, dass Sie meine Folien nun sehen können!“ Einer solchen Aussage im Präsenzseminar folgt meist der Blick des Trainers in die Runde. Durch diese Rückversicherung kann der Trainer aufgrund der Körpersprache prüfen, welchen Teilnehmern eventuell etwas unklar ist. Anders im Webinar, denn dort ist ein solcher „Blick in die Runde“ nicht möglich.

Die Frage, welche eigentlich eine Suggestivfrage/rhetorische Frage ist, verpufft, denn die Teilnehmer wissen nicht was sie nun tun sollen:

- wenn sie die Folien sehen können oder
- wenn sie die Folien nicht sehen können.

Der E-Trainer hat mit dieser Art der Frage keine Handlungsoptionen angegeben, was, wer, auf welchem Weg, je nach Sehen- oder Nicht-Sehen-Können der Folien tun soll.

Prinzipiell sollten Fragen von E-Trainern nur dann gestellt werden, wenn tatsächlich eine Antwort erwartet wird. Für diese Antwort sollte der E-Trainer dann bestenfalls genau vorgeben, wer dann, wie reagieren bzw. welche Reaktion die Lerner dann ausführen sollen (vgl. Frage 28).

Trainer und E-Trainer aktivieren, moderieren, geben Input und stellen Fragen. All dies ist mit einem hohen Redeanteil verbunden. Lebt ein Trainer/E-Trainer in seinem Thema, sorgt dies zwar für mehr erfassbare Begeisterung, doch leider oft auch für einen erhöhten Redefluss. Welche Auswirkungen dies haben kann, ist in Frage 26 ausgeführt.

Viel im Webinar zu reden, egal ob dies von Seiten des E-Trainers oder durch besonders aktive Teilnehmer erfolgt, führt oft dazu, dass die eher stillen Teilnehmer in den Hintergrund treten. Im virtuellen Raum entstehen solche Situationen noch weit schneller, da sich ruhige Teilnehmer leichter „verstecken“ können und durch den fehlenden Blickkontakt dies für den E-Trainer nicht unbedingt gleich offensichtlich wird. Ein solcher Kontaktverlust führt in der Folge jedoch meist zu Schwierigkeiten im Lernablauf und zeigt sich oft auch am Ende in der Feedbackbefragung. Die folgenden Fragen und die Fragen 61 bis 63 in Kapitel 4 führen hierzu Details aus.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hintergrund zur Frage

Dass Präsenz-Seminare in Phasen verlaufen ist bekannt, jedoch wird dies außer in der grundsätzlichen Vorbereitung meist nicht weiter beachtet.

Doch auch in Webinaren gibt es einen Gesamtablauf und Phasen, die gerade durch den fehlenden nonverbalen Anteil im Austausch zwischen Teilnehmern und Trainer umso wichtiger sind.

Ansätze für Überlegungen

Im Webinarverlauf gibt es folgende, aus Präsenzveranstaltungen bekannte, übergeordnete Phasen:

- Vorbereitung
- Durchführung
- Nachbereitung

Im Webinar sind dazu im Einzelnen in diesen Phasen folgende Punkte gemeint:

A. Vorbereitung

- Inhaltlich Vorbereitung unter den Aspekten: Zielgruppen, welcher virtuelle Raum und welche Tools genutzt werden sollen. Grundsätzlich mit viel Interaktion und Bedienung aller Lernkanäle.
- Grundlegende Didaktik: Welches Curriculum, mit welchen Grob- und Feinzielen soll umgesetzt werden und welche Lernziele ergeben sich daraus.
- Vielfältige und abwechslungsreiche Methodik: Welche Methoden und welcher Methodenmix mit welchen Tools soll im Webinar umgesetzt werden (vgl. Fragen 88 bis 96 in Kapitel 6).
- Vorbereitung des E-Trainers u. a. mit wichtigen Support-Telefonnummern, gegebenenfalls den Telefonnummern der Teilnehmer und einem eigenen störungsfreien Arbeitsplatz während der Session.

[...]

Details

Seiten
197
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656977100
ISBN (Buch)
9783656977117
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300770
Note
Schlagworte
E-Learning Webinar E-Trainer Online Lernen Online Trainer Webinare Tipps

Autor

Teilen

Zurück

Titel: 99+ Fragen & Antworten zum Webinar