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Traumdeutung nach Sigmund Freud. Welche Rolle spielt "Übertragung" bei der Analyse von Träumen?

Essay 2014 14 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Traumdeutung nach Freud
2.1 Verschiedene Ansätze
2.2 Traumarbeit

3. Die Entstehung des Übertragungsbegriffs

4. Übertragung im Traum
4.1 Träumen
4.2 Der Andere in der Übertragung
4.3 Das Reale

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Das Merkwürdigste ist, daß der Patient nicht dabei bleibt, den nalytiker im Licht der Realität zu betrachten [͙΁, sondern daß er in ihm eine Wiederkehr -Reinkarnation- einer wichtigen Person aus seiner Kindheit, Vergangenheit erblickt und darum Gefühle und Reaktionen auf ihn überträgt, die sicherlich diesem Vorbild gegolten haben.“

(Freud, 1938)

Nachdem Sigmund Freud sich jahrelang mit dem Phänomen der Übertragung beschäftigt hatte, überraschte und verwunderte sie ihn immer wieder aufs Neue. Auch heute finden sich zahlreiche Versuche einer Definition und kritische Diskussionen zu dem Begriff „Übertragung“, die insgesamt zeigen, dass diese schwer fassbar ist.

Die Übertragung ist ein unbewusster Prozess und kann nur theoretisch konstruiert werden. Bei Freud gilt die Übertragung als psychoanalytische Grundregel, da ohne sie keine Analyse möglich ist. Aber auch im Alltag findet Übertragung statt, und zwar in jeder zwischenmenschlichen Beziehung, immer und überall.

In dieser Arbeit wird es in erster Linie um die Übertragung in der Analyse von Träumen gehen. Insbesondere werden hier die Entwicklung des Übertragungsbegriffs bei Freud und seine Untersuchungen zur Übertragung im Traum im Vordergrund stehen. Im Folgenden wird zunächst Freuds Werk Die Traumdeutung näher erläutert, um seine Vorgehensweise in der Analyse von Träumen nachvollziehen zu können. Außerdem werden andere Ansätze der Traumarbeit vorgestellt und auf diese im Hinblick auf Hindernisse eingegangen. Es folgt eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Übertragung bei Freud und dessen Entwicklung. Daraufhin wird die Übertragung im Traum behandelt. Es soll gezeigt werden, dass Träume Anzeichen für Übertragungen sind. In Ihnen und durch sie findet Übertragung außerdem auch in der Analyse der Träume statt. In diesem Zusammenhang wird außerdem auf das Träumen als Kommunikationsform des Unbewussten, auf den Anderen in der Übertragung und auf das Reale in der Traumanalyse eingegangen. Schließlich wird ein Fazit gezogen, in dem die wichtigsten Aussagen zusammengefasst werden.

2. Traumdeutung nach Freud

Das Werk „Die Traumdeutung“ ist im Jahre 1900 als eines der ersten bedeutenden Werke Freuds erschienen und betrachtet den Traum erstmals aus wissenschaftlicher Sicht. Freud stürzte die zu seiner Zeit gängigen Auffassungen, der Traum sei von Göttern oder Dämonen bestimmt, und löste den Traum somit vom Aberglauben. Vor über 100 Jahren war er der Meinung, dass der Traum einen Sinn habe und für den Träumer von großer Bedeutung für dessen Seelenleben sei. Gerade deswegen finden sich in diesem Werk schon viele Ansätze der erst später manifestierten freudschen Psychoanalyse.

Freud übernimmt bei der Traumdeutung das Setting seiner Hypnosetherapie, indem er sich auch hier hinter eine Couch setzt. Der Klient liegt auf der Couch und kann den Analytiker nicht sehen, was laut Freud der besseren Konzentration dient. Der Klient soll nun ohne große Überlegungen und ohne Zensur die Einfälle äußern, die ihm zu seinen einzelnen Traumelementen einfallen. Diese Methode der freien Assoziation ist eines der wichtigsten Merkmale der Traumdeutung, aber auch der freudschen Psychoanalayse. Durch die Äußerung der bloßen, ungefilterten Einfälle gelingt der Zugang zu unbewussten Inhalten.

Freud macht hier eine wichtige Unterscheidung zwischen dem manifesten Trauminhalt und den latenten Traumgedanken. Hierbei kann man sich die manifesten Elemente als eine Art äußere Maske vorstellen, welche den wirklichen Inhalt verhüllt. Allein der manifeste Trauminhalt ergibt sowohl für den Analytiker als auch für den Träumenden selbst keinen Sinn und ist bedeutungslos. Seine einzige Aufgabe ist es, den eigentlich Sinn des Traums zu verbergen, sodass es zu einer Traumentstellung kommt. Durch das Mittel der Entstellung oder -wie Freud es auch manchmal nennt- Verstellung wird der eigentliche Wunsch unkenntlich gemacht. Dieser Abkehr vom Wunsch, die als Zensur dient, liegt häufig ein peinliches, unangenehmes oder auch ängstliches Gefühl zugrunde. Freud kommt zu dem Ergebnis, dass der Traum, die (verkleidete) Erfüllung eines (unterdrückten, verdrängten) Wunsches sei.

Um diese, zunächst verborgenen Trauminhalte zu entlarven, ist es außerdem wichtig, den Traum nicht als Ganzes zu betrachten, sondern ihn stückweise zu deuten. Eine Deutung en detail, nicht en masse, ist also erforderlich. So assoziiert der Klient mit einem Teilstück des Traumes etwas ganz Anderes, als mit dem Traum als Ganzen. Freud testete diese Methode an vielen seiner Patienten und auch an sich selbst, indem er eigene Träume deutete, und empfand sie als gelungen. Er fand heraus, dass die Träume sich meist auf den hervorgegangenen Tag beziehen und der Träumende hierin Erlebnisse verarbeitet. Das Motiv des Traums sei ein Wunsch, der dem Träumenden oft nicht bewusst sei. Der Inhalt des Traums ist laut Freud eine Wunscherfüllung; der verborgene Wunsch wird also durch den Traum erfüllt.

Zur Veranschaulichung der Traumdeutungsmethode werde ich nun einen kurzen Traum zitieren und Freuds Vorschlag der Deutung wiedergeben.

„Ich will ein Souper geben, habe aber nichts vorrätig als etwas geräuchertem Lachs. Ich denke daran, einkaufen zu gehen, erinnere mich aber, daß es Sonntag nachmittag ist, wo alle Läden gesperrt sind. Ich will nun einige Lieferanten telephonieren, aber das Telephon ist gestört. So muß ich auf den Wunsch, ein Souper zu geben, verzichten.“ (S. 159)

Die Dame die diesen Traum erzählt, trifft am Tag zuvor eine Freundin, die sehr dünn ist und auf die sie eifersüchtig ist, weil ihr Mann dieser immer Komplimente macht. Da ihr Mann aber keine zu dünnen Frauen mag, war sie bis jetzt immer beruhigt. Nun teilte die Freundin ihr allerdings an diesem Tag mit, dass sie sich über eine Essenseinladung sehr freuen würde. In dem Traum wird also der Wunsch deutlich, die Freundin nicht zum Essen einzuladen, damit sie nicht dicker wird und somit dem Mann der Dame nicht gefallen wird.

Mithilfe der Analyse bestätigt sich Freuds Methode, den Traum in Stücke zu legen und diese mit freien Assoziationen anzureichern. Betrachtet man den Traum als Ganzes, so geht man davon aus, es handle sich um eine Art Albtraum, da der Wunsch der Dame, ein Souper zu geben, nicht erfüllt wird. Bei der Betrachtung der Details hingegen kommt der wahre Wunsch zum Vorschein und wird durch den Traum erfüllt.

Einige Träume, die Freud mithilfe der freien Assoziationen entschlüsseln konnte und die ihn zu einem Ergebnis kommen ließen, empfand er als gelungen gedeutet. Bei anderen Träumen allerdings befriedigte ihn das Ergebnis seiner Methode nicht, obwohl er immer wieder von der Unmöglichkeit, einen Traum vollständig deuten zu können spricht. Häufig geschah dies, wenn seinen Patienten zu einem oder mehreren Elementen im Traum keine Assoziationen einfielen. Deshalb nahm Freud die Darstellung durch ein Symbol zur Hilfe und wollte das fehlende Element durch seine symbolische Bedeutung verstehen. Laut Freud handelt es sich dann um indirekte Darstellungen, welche aus Erfahrungen von Deutungen aber auch der Psychoanalyse stammen. Mithilfe der Erfahrungen lässt sich schließlich eine Reihe konstanter Übersetzungen schaffen. Die Symbole haben also einen universellen Charakter, sodass dem Träumenden einzig die individuelle Wahl des Symbols, nicht aber dessen Bedeutung zusteht (Freud, 1900).

2.1 Verschiedene Ansätze

Das im vorigen Abschnitt erläuterte Modell der Traumdeutung bezieht sich lediglich auf Freud, der diese Technik vor allem nutzte, um Ängste und Neurosen von ihren verdrängten Trieben als Ursache zu lösen und sie mit dem Mittel der freien Assoziation bewusst zu machen.

Etwa zeitgleich und durch regen Austausch entwickelte Carl Gustav Jung ein eigenes Modell, das sich auf die Befragung von Symbolen im persönlichen Bedeutungsraum des Träumers konzentrierte. Es ging also nicht um freie Assoziationen, sondern um Assoziationen und Bezüge aus der subjektiven Wirklichkeit des Träumers.

Neben den traditionellen Deutungssystemen hat sich die Traumdeutung weiterentwickelt und findet sich z. B. in der systemischen Traumarbeit wieder. Hier gelten Träume als Ausdrucksform und der Dialog des Traumes als Aufforderung zur Bedeutungsentfaltung. Es geht darum, die Wechselwirkungen in komplexen Systemen zu erkennen, Beziehungsmuster des Träumers aufzudecken und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln. Es werden Impulse gesetzt, Angebote gemacht, Bedeutungen erprobt und Suchprozesse ausgelöst. Die Perspektive des Träumers wird gespiegelt und durch andere Sichtweisen angereichert ohne dabei Unverständliches und Widersinniges zu kompensieren (Schmid, Günter, 2012).

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Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656968108
ISBN (Buch)
9783656968115
Dateigröße
942 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300712
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,7
Schlagworte
Traumdeutung Traumarbeit Übertragung

Autor

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