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Filme im Fremdsprachenunterricht. Interkulturelles Lernen mit "Paris, je t'aime"

Hausarbeit 2012 13 Seiten

Didaktik - Französisch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Theoretischer Teil
2.1 Kulturbegriffe
2.2 Interkulturelles Lernen und interkulturelle Kompetenzen
2.3 Interkulturelles Lernen im FSU mit dem Film „Paris, je t’aime“

3 Praktischer Teil
3.1 Sachanalyse
3.2 Didaktische Analyse
3.3 Methodische Analyse

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Interkulturellen Lernen im Fremdsprachenunterricht mit dem Medium Film, speziell mit dem Film: „Paris, je t’aime“ Zunächst werden die Kulturbegriffe genauer durchleuchtet, danach wird genau beschrieben, was interkulturelles Lernen und interkulturelle Kompetenzen überhaupt bedeuten. Im Anschluss daran wird interkulturelles Lernen im Fremdsprachenunterricht mit dem Medium Film genauer betrachtet. Danach folgt der praktische Teil, darunter fällt eine genau geplante Unterrichtseinheit zum interkulturellen Lernen mit dem Film: „Paris, je t’aime“. Abschließend werden die Schwerpunkte noch mal zusammengefasst und reflektiert.

2 Theoretischer Teil

2.1 Kulturbegriffe

Zunächst muss der Begriff Kultur allgemein definiert werden. Unter Kultur fallen alle geistigen, künstlerisch - schöpferischen, gesellschaftlichen, aber auch materiellen Lebensäußerungen eines Individuums oder einer ganzen Gesellschaft, die sich als Ziel gesetzt haben, sich mit Menschen anderer Kulturen/Ländern zu verständigen, um das Lebensgefühl zu fördern und Lebensweisen kennen zu lernen. In diesem Prozess der Kommunikation können sich Menschen ebenso wie Kulturen verändern und entwickeln. Im interkulturellen Lernen wird zwischen zwei verschiedenen Kulturbegriffen unterschieden:

Nach Leiprecht erscheint Kultur als statische, homogene und verdinglichte Größe. Personen, die der Kultur zugeordnet werden, werden als durch die „Kultur XY" determiniert betrachtet. Ihre Lebensäußerungen werden auf die Wirkung der „Kultur XY" reduziert. Somit kann der Begriff der Kultur auf diese Weise als „Nationalkultur" oder als „Rasse" (als naturhafte Größe) konstruiert werden.

Altmayer hingegen definiert Kultur als geteilte Wissensbestände oder Schemata, die kognitiv und emotional organisiert sind. Das Individuum tritt hierbei als Entscheidungsinstanz auf, das ein bestimmtes „Repertoire an ,kulturellen Deutungsmustern’ zur Verfügung“ (Altmayer 2006: 54) hat und aus dem sie sich „für die Herstellung ihrer eigenen Wirklichkeit bedienen“ (Altmayer 2006: 54). Des weiteren spricht er sich dafür aus, dass durch das Lernern einer Fremdsprache „die Partizipation oder Teilhabe am Leben eines Landes“ (Altmayer 2006: 54) ermöglicht werden wird. Man soll die Prozesse des ,kulturellen Lernens’, sprich der

„Bewusstmachung, Reflexion, Überprüfung und ggf. auch der Korrektur, Weiterentwicklung und Umstrukturierung der ihnen vertrauten Muster oder deren Ersetzen durch andere“ (Altmayer 2006: 54).

2.2 Interkulturelles Lernen und interkulturelle Kompetenzen

Zunächst muss man sich die Frage stellen, was interkulturelles Lernen überhaupt ist?

Interkulturelles Lernen will die Bedingungen aufzeigen und die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Individuen verschiedener Herkunft, Kultur und Religion miteinander und voneinander lernen und gemeinsam leben können d.h. „interkulturelles Lernen verfolgt das Ziel der Entwicklung interkultureller Handlungsfähigkeit" (Schumann 2009: 171). Es ist ein mehrdimensional angelegter Prozess, der laut Frau Adelheid Schumann „eine persönlichkeitsbildende und eine kompetenzorientierte Dimension" (Schumann 2009: 171) besitzt. Zunächst ist die Wahrnehmung anderer Kulturen und die Relativierung des eigenen Standpunktes wichtig. Es muss erst Toleranz für das Fremde entwickelt werden, danach eröffnet sich eine gewisse Akzeptanz für die Sinnhaftigkeit dieser Kulturen, Religionen sowie das Anerkennen ihrer Lebenseinstellung. Natürlich muss hierfür Vorarbeit geleistet werden. Die nötige Bereitschaft die Geschichte, Entwicklung aber auch die Notwendigkeiten der jeweiligen anderen Kultur und Religion zu akzeptieren und zu verstehen. Dabei kommt es nicht selten vor, dass deren Gewohnheiten und Sitten der eigenen Kultur entgegenstehen oder entgegenwirken. Erst wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind kommt es dazu, dass die jeweils anderen Kulturen als gleichwertig akzeptiert, aber auch respektiert werden. Bestehen bleiben kann aber immer noch die manchmal als Bedrohung angesehene Erfahrung von Fremdheit oder Unberechenbarkeit. Jedoch wird ein reflektierter und nicht mehr von selbstverständlicher Abwertung begleiteter Umgang mit Anderen oder Fremden erzeugt. Erst dann kann erwartet werden, dass Elemente der anderen Kultur auch für die eigene akzeptiert werden und als erstrebenswert gelten. Denn interkulturelles Lernen begrenzt sich nicht allein auf soziale Vorgänge mit Angehörigen von Zuwanderer- oder Flüchtlingsfamilien; der Pass, die Nationalität, Sprache und Dialekt, Hautfarbe usw. sind jeweils nur einzelne Elemente der jeweiligen Kultur.

Den interkulturellen Kompetenzen werden zwei verschiedene Ansätze zu Grunde gelegt. Zum einen der von Micheal Byram von 1997 und zum anderen, der hermeneutische Ansatz. Byram stellt die Kompetenzen als savoirs da. Diese savoirs konstituieren den Bezugsrahmen zu einer anderen Kultur und Gesellschaft. Verschiedene Verhaltensweisen, Worte aber auch Werte erhalten ihre spezifische Bedeutung innerhalb eines bestimmten kulturellen Kontextes. Da kulturelle Kontexte oftmals sehr unterschiedlich sind, ist es bei interkulturellen Kontakten stets wichtig, auf mögliche Meinungsverschiedenheiten oder Interpretationsdifferenzen gefasst zu machen. Die savoirs werden nach Byram wie folgt definiert:

Savoir être : Savoir être beschreibt die Einstellung gegenüber anderen Kulturen und Gesellschaften, darunter fällt auch „die Weiterentwicklung der Persönlichkeit durch die Auseinandersetzung mit fremden Kulturen" (Schumann 2009: 172). Wichtig bei diesem Punkt ist auch „die Öffnung gegenüber dem Fremden" (Schumann 2009: 172) d.h., dass eine gewisse Toleranz für z.B. unbekannte Sitten entwickelt wird, welche man auch als „Akzeptanz kultureller Verschiedenheit" (Schumann 2009: 172) definieren kann. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es sich hierbei um eine „affektive und erfahrungsorientierte Dimension des interkulturellen Lernens [handelt], d.h. um die Fähigkeit, die eigene Erfahrung zu aktiveren und sich [...] in den anderen hineinzuversetzen" (Schumann 2009: 172).

Savoir : Savoir wird als kompetenzorientierte Dimension definiert und beschreibt im Grunde genommen das bereits vorhandene Wissen über die eigene Herkunft, aber auch den Wissenserwerb im Hinblick auf fremde Länder und Kulturen, darunter fällt z.B. „landeskundliche Kenntnisse über gesellschaftliche Strukturen und sozioökonomische Grundlagen" (Schumann 2009: 172). Außerdem muss hierbei auch die interkulturelle Vergleichskompetenz entwickelt werden. Abschließend muss noch das Wissen über Interaktionsprozesse auf individueller und gesellschaftlicher Ebene angeführt werden.

Savoir faire : Diese Dimension wird als Handlungsorientierte bezeichnet. Sie beschränkt sich auf die Verknüpfung kommunikativer Fertigkeiten und kulturelles Wissen, über die Werte und Normen einer fremden Kultur, sodass im Falle einer Interaktion eine angenehme Beziehung zum Interaktionspartner aufgebaut wird und gelingt.

„Dazu müssen kommunikative Fertigkeiten und soziale Kompetenzen in der interkulturellen Begegnungssituation miteinander verknüpft und Interaktionsstrategien zum Aushandeln von Bedeutung und zur Verhinderung von Missverständnissen entwickelt werden" (Schumann 2009: 172)

Savoir comprendre : Hierbei wird die Fähigkeit und Fertigkeit beschrieben, Kulturen zu interpretieren und die gewonnen Interpretationen in einem größeren interkulturellen Zusammenhand zu verstehen (Erklärung, Bewertung unterschiedlicher Perspektiven, Missverständnisse erklären, konfliktäre Positionen und Interpretationen erfassen).

Savoir apprendre : Das ist die Fähigkeit, selbstständig Neues über andere Kulturen zu lernen, Sammeln von Informationen und Nutzung von Quellen, Entwicklung von Interpretationsschemata, Erkennen von Konnotationen, Aushandeln von Kommunikationskonventionen und Interaktionsformen.

Savoir s’engager : das (kritische) Bewusstsein darüber, wie in einer Gesellschaft Werte, Überzeugungen, Verhaltensweisen usw. entstehen, durchgesetzt und verändert werden, Fähigkeit Dokumente im Kontext zu situieren und interpretieren, Bewusstsein und explizite Verdeutlichung der eigenen ideologischen Perspektive und Fähigkeit Sichtweisen entsprechend zu interpretieren, Bewusstsein möglicher Konfliktpunkte, Fähigkeit gemeinsame Kriterien der Interpretation zu entwerfen.

Der hermeneutische Ansatz nimmt den fremdsprachigen Literaturunterricht und den Versuch, „Fremdsprachenlerner zum Verstehen literarischer Texte in der fremden Sprache zu befähigen“ (Altmayer 2006: 47) als Ausgangspunkt.

2.3 Interkulturelles Lernen im FSU mit dem Film „Paris, je t’aime“

„Das Thema ‚Film im Fremdsprachenunterricht’ hat in der fachdidaktischen Forschung seit Jahren Konjunktur“ (Leitzke-Ungerer 2009: 11). Das Medium wird zwar mehr als noch vor 20 Jahren im Unterricht, besonders im Fremdsprachenunterricht eingesetzt, jedoch die nötige Akzeptanz hat es noch nicht bekommen. Ein Großteil der LehrerInnen meiden es Filme im Unterricht zu zeigen. „Nach einer neueren Umfrage (Thaler 2007a: 12) wird Film von 78% der Lehrkräfte" (Leitzke-Ungerer 2009: 11) fast nie genutzt. Dabei ist das Medium Film ein fester Bestandteil des täglichen Lebens eines Kindes. Deshalb ist es gerade wichtig, dass Kinder in Lage sind sich kritisch und mit diesem Medium auseinander zu setzten. Die Schule und somit auch der Fremdsprachenunterricht sollen dazu beitragen, dass Kinder diesen Umgang lernen. Denn noch mehr „als die Literatur besiedelt der Film die Vorstellungswelt junger Leute und weckt ihre Bereitschaft, sich auf andere Lebens- und Identitätskonzepte einzulassen“ (Wilts 2008: 4). Durch das Medium Film werden die Zuschauer aufgefordert, „sich auf die Reise in andere Welten und Kulturen zu begeben“ (Wilts 2008: 4). Somit trägt er nicht nur zur Persönlichkeitsentwicklung eines Individuums bei, sondern fördert auch den interkulturellen Dialog.

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Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668323650
ISBN (Buch)
9783668323667
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300694
Note
Schlagworte
filme fremdsprachenunterricht interkulturelles lernen paris

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Titel: Filme im Fremdsprachenunterricht. Interkulturelles Lernen mit "Paris, je t'aime"