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Auswirkungen des ersten Ölpreisschocks auf die Bundesrepublik und dessen wirtschaftspolitische Folgen

Hausarbeit 2015 25 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Ursache und Verlauf der Krise
2.1 Jom-Kippur-Krieg
2.2 Reaktion der OAPEC
2.3 Reaktionen des Westens

3 Wirtschaftspolitische Folgen
3.1 Ölpreisschock
3.2 Konjunktur
3.3 Inflation
3.4 Arbeitslosigkeit
3.5 Nachfrageverschiebung und Rückgang

4 Wirtschaftspolitische Maßnahmen
4.1 Autofreier Sonntag
4.2 Weitere Maßnahmen zur Einsparung

5 Umdenken und die Suche nach Alternativen
5.1 Veränderung der Wahrnehmung und Umgang mit Erdöl
5.2 Internationale Energieagentur
5.3 Alternative Energien

6 Schlussbetrachtung
6.1 Zusammenfassung
6.2 Fazit
6.3 Ausblick

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: AS-AD-Modell

Abbildung 2: Ölpreisentwicklung

1 Einleitung

1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit

Per pedes die Autobahn entlang, offizielle Anleitungen zum Benzinsparen und geregelte Heizungen.1 Die Erinnerungen an die Energiekrise 1973 einprägsam, Folgen weitreichend, Auswirkungen immer noch spürbar. Energiepolitische Neuorientierung, Bewusstseinswandel und eine nicht unverwundbare westliche Welt. Als damals wie heute einer der wichtigsten Primärenergieträger Deutschlands2 stellte Rohöl und dessen scheinbar grenzenlose, günstige Verfügbarkeit die Weichen für eine aufstrebende, florierende Wirtschaft in Nachkriegsdeutschland. Doch die im Rahmen des Jom- Kippur-Krieg angesetzten Daumenschrauben der Organisation der arabischen Erdöl exportierenden Staaten (OAPEC) zeigten Wirkung. Die arabischen Staaten demonstrierten dem Westen die Abhängigkeit vom schwarzen Gold und gleichzeitig ihre politische Stärke. Das Ende des Wirtschaftswunders steht bevor. Im Nachhinein betrachtet war die Ölkrise zwar weder der Auslöser der Rezession von 1974/75, noch alleiniger Grund für das Ende des Nachkriegsaufschwungs. Brandbeschleuniger ist ein passenderer Ausdruck. Deutsche und weitere europäische Politiker verfielen angesichts der drohenden Energiekrise in Hysterie und teils aberwitzige Maßnahmen zur Sicherung des Energielieferanten wurden getroffen.3

2011, damit gut 40 Jahre nach der ersten Ölpreiskrise beschloss die Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel den endgültigen Atomausstieg. Ein erneuter radikaler Wechsel in der Energiepolitik. Ähnlich wie in 1973 war ein großes Ereignis anstoßend für das Umdenken. Die Atomkatastrophe von Fukushima.

Ziel der Ausarbeitung ist es, die damaligen Herausforderungen welche an die Wirtschaftspolitik gestellt wurden zu erklären und zu analysieren. Außerdem sollen die Veränderungen in der Bevölkerung, Industrie und Politik gegenüber des fossilen und endlichen Rohstoffs Erdöl aufgezeigt werden.

1.2 Aufbau der Arbeit

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den Auswirkungen des Ölpreisschocks und den resultierenden wirtschaftspolitischen Folgen. Zuerst wird der Hergang der Krise und dessen Wirkung erklärt. In Kapitel 3 werden die generellen Zusammenhänge zwischen Ölpreis und der Volkswirtschaft, sowie dessen Folgen analysiert. Das vierte Kapitel befasst sich mit den ergriffenen wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Das allgemeine Umdenken, ein Bewusstseinsänderung und langfristigen Veränderungen in der Energiepolitik und Energieverbrauch werden in Kapitel 5 dargestellt.

2 Ursache und Verlauf der Krise

Dieses Kapitel zeigt den Ursprung der Krise und die Motive der Einzelnen genauer auf und die Aktionen und Reaktionen der Beteiligten werden erläutert. Des Weiteren wird zur Vereinfachung des Sachverhalts nur auf den Konflikt und die daraus folgenden Handlungen der OAPEC und des Westens eingegangen.

2.1 Jom-Kippur-Krieg

Am höchsten jüdischen Feiertag, dem Versöhnungstag Jom Kippur, 6. Oktober 1973 fiel die ägyptische und syrische Armee in Israel ein. Der Ausbruch des vierten arabisch- israelischen Krieges. Ziel der Angreifer war es, die im 6-Tages-Krieg von 1967 durch Israel besetzten Gebiete um die Halbinsel Sinai und die Golanhöhen zurück zu erobern. Statt der geplanten schnellen Rückeroberung stießen die Angreifer jedoch auf massiven Widerstand. Nach der 2 Tage dauernden Mobilisierung drängte die israelische Armee Syrien und Ägypten weitestgehend zurück. Dies konnte jedoch nur durch starke militärische Unterstützung der Vereinigten Staaten realisiert werden. Mit einer Luftbrücke, welche die Versorgung Israels mit Kriegsmatetrial und Vorräten sichert, demonstrierten sie gleichzeitig ihre Pro-Israelische Haltung. Auf Druck der USA wurde am 22. Oktober 1967 vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ein Waffenstillstand ausgerufen, dessen Inkrafttreten für den 22. Oktober an der Westfront, und den 24. Oktober an der Ostfront vorgesehen war.4

2.2 Reaktion der OAPEC

Die erfolglose Militäraktion zwingt die OAPEC zu einer anderen vermeintlich mächtigeren Waffe. Am 17. Oktober 1973 verkünden die arabischen Staaten eine Drosselung des Exports von Rohöl um 5% im Vergleich zum Vormonat und um je weitere 5% bis zur vollständigen Räumung der durch Israel besetzten Gebiete. Gegen die USA und die Niederlande wird aufgrund ihrer israelfreundlichen Politik ein Lieferboykott verhängt. Die restlichen europäischen Länder werden zukünftig nur mehr mit 75% der bisherigen Menge beliefert. Eine Maßnahme welche, in Kombination mit der am 16. Oktober 1973 einhergehenden Preiserhöhung um fast 70%5 durch die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC), Amerika und Westeuropa ihre Abhängigkeit verdeutlichen und gleichzeitig die politische Macht der Araber aufzeigen soll. So wurden im Jahr 1972 ca. 62% der Erdölimporte Westeuropas aus dem Nahen Osten bedient.6 Am 1. Januar 1974 beschließen die OAPEC die Reduzierung der Liefermenge aufzuheben, die Preise jedoch weiter anzuheben. Erst am 17. März 1974 wird das Embargo gegen die USA und am 19. Juli 1974 gegenüber der Niederlande aufgehoben.7

2.3 Reaktionen des Westens

Während die USA weiter ihrer Sympathie für Israel bekundeten, knickten die überwiegend neutralen EWG-Staaten am 5. November 1973 ein und forderten Israel auf die von ihnen besetzten Gebiete zu räumen.8 Weltweit stieg die Angst vor einer Energieflaute und fieberhaft wurde versucht, dem neugewonnen Bewusstsein über die Abhängigkeit von Erdöl Abhilfe zu schaffen. Sofortmaßnahmen zur unmittelbaren Senkung des Erdölverbrauchs und Ausgleich des extrem gestiegenen Ölpreises, sowie langfristige Schritte zum Energiewandel und der Unabhängigkeit gegenüber Erdöl und dessen Lieferanten wurden eingeleitet. Neu angelegte oder verstärkte strategische Ölreserven verringern die Abhängigkeit von, und die politische Macht der OAPEC. Die Erkenntnis über die Endlichkeit eines fossilen Rohstoffs versetzt viele Länder und Politiker in Panik. Auch die seriösen Medien beunruhigen die Bevölkerung zusätzlich mit Schlagzeilen wie: „Gehen in Europa die Lichter aus?“, Kinder der Kälte“.9 Im November 1974 wird die Internationale Energieagentur (IEA) gegründet. Deren Hauptziel es ist, sich mit den langfristigen Möglichkeiten zu beschäftigen einer weiteren Krise vorzubeugen, alternative Energieversorgungswege zu finden und eine europäisch, einheitliche Energiepolitik zu gestalten. Auf die wirtschaftspolitischen Maßnahmen wird in Kapitel 4 weiter eingegangen.

3 Wirtschaftspolitische Folgen

In Kapitel 3 wird anhand des AS-AD Modells nach John Maynard Keynes erklärt, warum sich der Anstieg des Ölpreises negativ auf eine Volkswirtschaft auswirkt und beispielhaft skizziert. Außerdem werden die damit verbundenen wirtschaftlichen Folgen aufgezeigt.

3.1 Ölpreisschock

Die Erhöhung des Ölpreises stellt nicht nur für den Verbraucher und dessen Benzinverbrauch und ggf. seine Heizölrechnung eine massive Verteuerung dar sondern wird in nahezu jedem Wirtschaftszweig verwendet und ist in unterschiedlichen Zuständen in fast allen Produkten enthalten.10 Deswegen ist für die anstehende Analyse im AS-AD Modell davon auszugehen, dass trotz sinkender Gesamtversorgung (aggregated Supply/AS), die Gesamtnachfrage (aggregated Demand/AD) stetig bleibt. Außerdem wird der Anstieg des Ölpreises, welcher weder in der AD noch in AS Funktion enthalten ist, als Erhöhung des Gewinnaufschlages µ gesehen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Eigene Abbildung Quelle: Vgl. Blanchard, O.; Illing, G. (2014) S.234ff

In Punkt A befindet sich die Volkswirtschaft im natürlichen Gleichgewicht von Produktionsniveau Yn und das tatsächliche Preisniveau P entspricht dem erwarteten P=Pe. Durch die gestiegenen Rohölreise und Produktionskosten bei konstanten Löhnen verschiebt sich die aggregierte Angebotskurve von A nach B. Ein neues kurzfristiges Gleichgewicht von Y´ und P´ entsteht. Das erwartete Preisniveau wächst jedoch durch ansteigende Rohölpreise kontinuierlich an. Eine weitere Verschiebung bei gleichbleibenden Löhnen Richtung Punkt C ist die Folge. Mittelfristig wird sich die Volkswirtschaft auf diesem Schnittpunkt einpendeln und ein neues niedrigeres Produktionsniveau Yn´ mit höherem Preisniveau P´´ ist die Folge.11

Die folgende Grafik soll den enormen Anstieg des Rohölpreises zur Krise und in den Jahren danach zeigen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Eigene Abbildung Quelle: Vgl. MWV (2015)

Am 16. Oktober 1973 führte die OPEC zwei Preiserhöhungen durch. Der Marktpreis stieg um 7% auf $3,65 pro Barrel (159 Liter) und die weitaus gravierendere Anhebung des Posted Price, also dem Listenpreis welcher als Grundlage für Steuern und Abgaben dient, um 70% von $3,011 auf $5,119.12 Bis zum Januar 1974 verdoppelte sich der Preis auf mehr als $11. Für die Bundesrepublik Deutschland machte das 1974 Mehrausgaben von rund 16 Milliarden D-Mark bei gleichzeitig 7% niedrigerem Importvolumen aus.13

Um dem gestiegenen Preisniveau gerecht zu werden, gehen in der Regel Lohnerhöhungen einher. Durch die geringere Gesamtproduktion wird die Nachfrage an Arbeitsleistung jedoch sinken und die Arbeitslosenquote steigt an. Steigende Inflationsraten sind eine weitere Auswirkung. Stagnierende Konjunktur, Nachfrageverschiebungen und eine reduzierte Gesamtwirtschaftsleistung sind weitere Konsequenzen. Auf diese wird in den folgenden Kapiteln genauer eingegangen.

3.2 Konjunktur

Das Wirtschaftswunder von Nachkriegsdeutschland mit durchschnittlichen Wachstumsraten des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 8,2% in den 50er Jahren und 4,4% bis 197314 versprachen nach Ludwig Erhard; Wohlstand für alle. 1974 schrumpfte das reale Wachstum des BIP auf nur 0,9% und ist im Jahr darauf erstmalig seit den 50ern mit -0,9% rückläufig.

[...]


1 Vgl. dpa, (2013)

2 Vgl. BMWi (2013)

3 Vgl. Hohensee, J. (1996), S. 249ff

4 Vgl. Lutteroth, J. (2013)

5 Vgl. Hohensee, J. (1996), S.77

6 Vgl. Ray, G.F. (1979), S.29

7 Vgl. Hohensee, J. (1996), S.257f

8 Vgl. Hohensee, J. (1996), S.83

9 Vgl. Hohensee, J. (1996), S.112

10 Vgl. PetroChemistry (o. J.)

11 Vgl. Blanchard, O.; Illing, G. (2014) S.234ff

12 Vgl. Hohensee, J. (1996), S.76

13 Vgl. Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank für 1974 S.34

14 Vgl. Giersch, H.; Paqué, K.H.; Schmieding, H. (1992), S.5

Details

Seiten
25
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656973423
ISBN (Buch)
9783656973430
Dateigröße
679 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300630
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
2,0
Schlagworte
ölkrise Wirtschaftspolitik 70er Ölpreisschock

Autor

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