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Motive für empathisches prosoziales Verhalten. Egoistische und altruistische Erklärungsansätze

Hausarbeit 2015 23 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Zusammenfassung

1 Einleitung

2 Definitionen
2.1 Prosoziales Verhalten
2.2 Altruismus
2.3 Egoismus
2.4 Empathie

3 Erklärungsansätze für empathisches prosoziales Verhalten
3.1 Empathie-Altruismus Hypothese
3.2 Egoistische Ansätze
3.2.1 Aversive Erregungsreduktion
3.2.2 Empathiespezifische Belohnung
3.2.3 Empathiespezifische Bestrafung

4. Empirische Prüfung der Erklärungsansätze

5. Diskussion der empirischen Befunde

6. Ausblick

Literatur

Zusammenfassung

Prosoziales Verhalten bezeichnet ein freiwilliges Verhalten, das darauf abzielt, einer anderen Person zu helfen. In der Hausarbeit werden die Motive für ein solches Verhalten untersucht, speziell, wenn es durch Empathie hervorgerufen wurde. Eine mögliche Erklärung für dieses Verhalten liefert die Empathie-Altruismus Hypothese. Diese geht davon aus, dass neben ei- nem egoistischen auch ein altruistisches Motivsystem existiert. Letzteres zeichnet sich dadurch aus, dass Empathie empfindende Personen selbstlos helfen, mit dem vorrangigen Ziel, das Wohlergehen der anderen Person zu verbessern. Dem gegenüber gestellt werden egoistische Erklärungsalternativen für ein entsprechendes Hilfeverhalten. Betrachtet werden die Hypothese der aversiven Erregungsreduktion, die Hypothese der empathiespezifischen Belohnung sowie die Hypothese der empathiespezifischen Bestrafung. Um die egoistischen und altruistischen Annahmen zu untersuchen, wurden viele Experimente durchgeführt. Einige werden hier exem- plarisch dargestellt. Die empirischen Befunde stützen die Annahmen der Empathie-Altruismus Hypothese, weshalb die Existenz eines altruistischen Motivsystems sehr wahrscheinlich ist.

1 Einleitung

Immer wieder hört man von Menschen, die sich prosozial Verhalten: Manche spenden Geld für hilfsbedürftige Kinder, andere greifen ein, wenn jemand auf der Straße bedroht wird und wieder andere engagieren sich ehrenamtlich.

Im Jahr 2012 erregte ein Wohltäter in Braunschweig aufsehen, der anonym Kuverts, die hohe Geldsummen enthielten, an Bedürftige verteilte. So bekamen zum Beispiel ein Kindergarten, die Braunschweiger Tafel und ein 14-jähriger, schwer behinderter Junge je zehntausend Euro von ihm (Gantenbrink, 2012).

Nicht selten kommt es auch vor, dass hilfsbereite Personen einen hohen Preis für ihr prosoziales Verhalten bezahlen. Ein aktuelles Beispiel hierfür ist Tuğçe Albayrak. Im November 2014 hat die 22- jährige Frau zwei Mädchen geholfen, die von drei Männern auf der Toilette einer McDonalds-Filiale belästigt wurden. Die Situation eskalierte und einer der Männer schlug auf Tuğçe ein, wobei diese tödliche Kopfverletzungen erlitt (Stern, 2014).

Warum verhalten Menschen sich prosozial und riskieren manchmal sogar ihr Leben, um anderen Personen zu helfen? Gibt es rein altruistische Motive für ein solches prosoziales Verhalten, bei denen es das vorrangige Ziel des Helfers ist, das Wohlergehen der leidenden Person zu verringern? Oder ist jegliches Hilfeverhalten letztendlich auf egoistische Motive zurückzuführen, weil man hofft, durch die erbrachte Hilfe einen eigenen Vorteil zu gewinnen. Mit dieser Frage beschäftigt sich die Hausarbeit.

In erster Linie sollen die Motive für prosoziales Verhalten betrachtet werden, wenn der Helfer für die betroffene Person Empathie empfindet. Verhält sich eine Person ohne vorhandene Em- pathie prosozial, so gibt es eine relativ gute Übereinstimmung in der Annahme, dass dieses Verhalten in erster Linie egoistisch motiviert ist. Bei vorhandener Empathie jedoch gibt es eine solche Einstimmigkeit nicht. Durch diese Schwerpunktsetzung werden zudem evolutions- psychologische Erklärungen für prosoziales Verhalten außer Acht gelassen, wie beispielsweise das Modell der inklusiven Fitness von Hamilton (1964), laut welchem Menschen anderen Per- sonen in Abhängigkeit vom Grad ihrer Verwandtschaft helfen. Dieser Erklärungsansatz kann das empathische prosoziale Verhalten, welches auch unter nicht verwandten Personen gefunden wird, nicht erklären.

Um eine Antwort auf die Frage nach den Motiven für empathisches prosoziales Verhalten zu finden, werden nach der Definition relevanter Begriffe in Kapitel 2, in Kapitel 3 Erklärungsan- sätze vorgestellt. Der Empathie-Altruismus Hypothese von Batson werden drei egoistische Er- klärungsalternativen für ein entsprechendes Hilfeverhalten gegenübergestellt. Betrachtet wer- den die Hypothese der aversiven Erregungsreduktion, die Hypothese der empathiespezifischen Belohnung sowie die Hypothese der empathiespezifischen Bestrafung. Um zu untersuchen, welche dieser Annahmen für die Erklärung von prosozialem Verhalten geeignet ist, werden daraufhin in Kapitel 4 verschiedene empirische Untersuchungen vorgestellt. In Kapitel 5 wer- den die zuvor beschriebenen Befunde in Hinblick auf die Frage nach den Motiven für ein em- pathisches prosoziales Verhalten diskutiert und in Kapitel 6 folgt ein Ausblick.

2 Definitionen

Die folgenden Begrifflichkeiten werden in dieser Hausarbeit analog und einheitlich verwendet.

2.1 Prosoziales Verhalten

Prosoziales Verhalten ist darauf gerichtet, freiwillig einer anderen Person zu helfen (Bierhoff, 2002). Das Motiv dieses Verhaltens festzustellen, ist das Ziel der Hausarbeit. Der Begriff des „Helfens“ wird in dieser Hausarbeit synonym zum prosozialen Verhalten verwendet, auch wenn Helfen oft weiter gefasst wird und auch solches Verhalten mit einschließt, das nicht frei- willig erfolgt. Da ein unfreiwilliges Hilfeverhalten in dieser Hausarbeit nicht thematisiert wird, bezieht sich das beschriebene Hilfeverhalten immer auf das prosoziale, freiwillige Hilfeverhal- ten.

2.2 Altruismus

Unter Altruismus versteht man laut Batson (1991) einen motivationalen Zustand, der das übergeordnete Ziel verfolgt, das Wohlergehen einer anderen Person zu steigern. Mit übergeordnetem Ziel meint Batson, dass das Wohlergehen der anderen Person nicht als instrumentelles Ziel dienen soll, um dadurch andere (wohlmöglich egoistische) Ziele zu erreichen.

Ein Verhalten kann altruistisch sein, auch wenn es Vorteile für die helfende Person hat, nämlich dann, wenn diese Vorteile nicht das übergeordnete Ziel des Helfenden waren. Die tat- sächlich eingetroffenen Konsequenzen des Verhaltens spielen bei der Bewertung des Verhal- tens als altruistisch keine Rolle, da diese nicht immer mit den erwarteten Konsequenzen des Helfers übereinstimmen und somit nicht zwangsläufig seine Ziele widerspiegeln müssen.

2.3 Egoismus

Egoismus bezeichnet ebenfalls einen motivationalen Zustand, allerdings verfolgt eine Person hierbei das übergeordnete Ziel, ihr eigenes Wohlergehen zu maximieren (Batson, 1991). Auch hier ist die entscheidende Komponente das angestrebte Ziel und nicht die tatsächlich eintreten- den Konsequenzen. So kann eine Person, die bei dem Versuch, einer anderen Person das Leben zu retten, stirbt, trotzdem egoistisch motiviert gewesen sein, wenn sie andere Konsequenzen erwartet hatte.

2.4 Empathie

Bierhoff (2006) beschreibt Empathie als „den Versuch einer Person, die Erfahrungen und speziell auch Gefühle anderer nachzuvollziehen und zu verstehen, indem sie sich aktiv in die Position der anderen hineinversetzt“ (S.150).

Eine ähnliche Definition liefern auch Aronson, Wilson und Akert (2004), die Empathie als die Fähigkeit bezeichnen, sich „in die Lage eines anderen Menschen zu versetzen und die Ereignisse und Emotionen so zu fühlen, wie der andere sie erlebt“ (S.409).

3 Erklärungsansätze für empathisches prosoziales Verhalten

Im Folgenden werden sowohl altruistische als auch egoistische Erklärungen für ein empathisches prosoziales Verhalten aufgeführt.

3.1 Empathie-Altruismus Hypothese

Die Empathie-Altruismus Hypothese von Batson (1991) geht davon aus, dass es sowohl ein egoistisches als auch ein altruistisches Motivsystem gibt. Wenn man für eine Person eine em- pathische Sorge empfindet, so hilft man ihr aus altruistischen Gründen mit dem übergeordneten Ziel, das Wohlergehen der Person zu verbessern. Bei fehlender Empathie hingegen wird man von egoistischen Motiven geleitet und hilft der Person, um seine eigenen, durch das Leiden der anderen Person entstandenen, negativen Emotionen zu reduzieren. Ist letzteres der Fall, sollte sich das negative Befinden einer Person ebenfalls reduzieren, wenn sie die Situation verlässt. Aufgrund dieser Überlegungen geht Batson davon aus, dass egoistisch motivierte Menschen nur dann helfen, wenn für sie keine Fluchtmöglichkeit besteht. Gibt es hingegen die Möglich- keit, aus der unangenehmen Situation zu fliehen, so würden sie diese nutzen. Anders verhält es sich bei den altruistisch motivierten Personen, die, unabhängig von den Fluchtmöglichkeiten, immer versuchen würden, zu helfen, da es ihnen einzig um das Wohlergehen der hilfsbedürfti- gen Person geht. Somit ergibt sich eine 1:3 Hypothese: Wenn man Empathie für die andere Person empfindet, also altruistisch motiviert ist, wird man der Person, unabhängig von den Fluchtmöglichkeiten, helfen. Wenn man hingegen aufgrund fehlender Empathie egoistisch mo- tiviert ist, wird man nur helfen, wenn es schwierig ist, der Situation zu entkommen. Eine ver- ringerte Hilfeleistung wird es somit nur in der egoistischen Bedingung mit guter Fluchtmög- lichkeit geben.

3.2 Egoistische Erklärungsansätze

Neben der Erklärung von empathischem prosozialem Verhalten durch altruistische Motive gibt es auch Erklärungsansätze, die eine egoistische Motivation für ein solches Verhalten annehmen. Hierzu gehört die Hypothese der aversiven Erregungsreduktion, die Hypothese der empathiespezifischen Belohnung sowie der empathiespezifischen Bestrafung.

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Details

Seiten
23
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783656966968
ISBN (Buch)
9783656966975
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v300591
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Sozialpsychologie
Note
1,3
Schlagworte
motive verhalten egoistische erklärungsansätze

Autor

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Titel: Motive für empathisches prosoziales Verhalten. Egoistische und altruistische Erklärungsansätze